Kunst und Schauspiel




Kunst


'Meinen Sehnsuchtsort finde ich in der Meditation'

Irene Müller

Foto: privat


Im Gespräch mit der Stuttgarter Künstlerin Irene Müller

Malerin, Bildhauerin, Video- und Aktionskünstlerin

Marion Graeber im Juni 2021


Wo bist du aufgewachsen?

In Ulm an der Donau.

Spielte Kunst und Kultur in deiner Kindheit und Jugend eine Rolle?

Ja, das war für mich schon immer sehr wichtig. In der Phase als Jugendliche hat mich die zeitgenössische bildende Kunst sehr inspiriert und meine Eltern haben mich in meinem Drang, mich in Bildern auszudrücken, gefördert. Das Schulfach „Bildende Kunst“ war dann auch neben Naturwissenschaften und Sport eines meiner Abiturfächer. Eine tolle Kombination meiner Interessengebiete. Sieben Jahre klassischer Klavierunterricht führten mich an die klassische Musik heran, was ich erst später so richtig zu schätzen wusste. Theater- und Museenbesuche begleiteten meine Kindheit und Jugend.

Dann besuchst du Museen bereits seit deiner Kindheit und Jugend...

Ja, seit meiner Kindheit gehörten Besuche unterschiedlichster Museen, Galerien und Kunstvereinen dazu; anfänglich standen diese kulturellen Ereignisse auf dem sonntäglichen Plan meiner Eltern, später mit Schulklasse und auf Eigeninitiative.

Hast du ein Lieblingsmuseum?

Direkt eines herauszustellen wäre zu einseitig. Es kommt ja immer darauf an, was gerade ausgestellt wird. Ob eine gute Ausstellung in der Tate Galerie in London oder im Kunstmuseum Stuttgart gezeigt wird, ist ja dann vom Ort eher unabhängig. In Bezug auf kunstgeschichtliche Museen haben mich in letzter Zeit das Kunsthistorische Museum in Wien und die National Gallery in London beeindruckt. In nächster Zeit steht dann mal der Louvre und das Naturhistorische Museum in Wien an.

Eine Lieblingsstadt?

Venedig im Herbst. Diese Stadt zieht mich trotz Massentourismus in ihren Bann. Es geht eine unerklärliche Anziehungskraft von ihr aus. Irgendetwas ist dort anders...

Lieblingskünstler?

Das ändert sich immer wieder und ich lasse mich gerne überraschen. Da fällt mir mein Besuch im vorletzten Jahr im kunsthistorischen Museum in Wien ein. Als ich den Raum mit den riesigen Rubensgemälden betrat, hat mich die unbändige Energie und Kraft der Werke unglaublich überwältigt. Mit Rubens
hatte ich mich zuvor noch nicht groß beschäftigt. Es sprechen mich auch viele zeitgenössische Werke unterschiedlicher Disziplinen an, beispielsweise  das Kunstwerk mit dem Roboter des Künstlerduos Sun Yuan und Peng Yu. Die Kunstbiennale in Venedig bietet da immer wieder einiges.


Reist du gerne - gibt es ganz besonders inspirierende Reisen/Länder/ Plätze für dich?

Ich reise sehr gerne. Inzwischen eher in Europa, früher möglichst ausserhalb. Nachhaltig beeindruckt haben mich die Landschaften des Himalaya in Nepal und Ladakh (Indien). Die bizarren Berge in Guilin (China). In weiten, menschenleeren Landschaften zu stehen, war und ist für mich sehr existenziell (beispielsweise die gigantischen Naturparks in den USA, Neuseeland, Australien, Südostasien. Einige der Ereignisse auf Reisen haben eine Spur in meinem künstlerischen Schaffen hinterlassen. Inzwischen gewinnen für mich auch nähere Ziele an Relevanz: die Nordseeinseln mit ihren weiten Stränden und dem wilden Meer. Eine Urlaubsreise führte mich auf die Insel Amrum, ohne Hintergedanken bezüglich der künstlerischen Verwertbarkeit. Daraus kristallisierte sich hinterher das fortlaufende Projekt „WEGE – Wattenmeer“ mit Müller & Sohn heraus. Von Menschen gemachten kulturellen Orte können ebenfalls Inspirationsquelle sein und was in mir bewegen, beispielsweise die Woche im damals menschenleere Bagan in Myanmar, eine historische Königsstadt mit über zweitausend erhaltenen Sakralgebäuden aus Ziegelstein habe ich immer wieder vor Augen.
Ich erfahre immer wieder, dass es Orte gibt an denen etwas unsichtbares ist, was einen erfüllt und zu sich selbst führt und nachhaltig beeindruckt.

Wie definierst du selbst deine künstlerische Arbeit?

Die ursprüngliche Grundlage meiner Arbeiten bildeten Webcams. Ich nutzte zufällig im Internet gefundene Webcams und deren Bildmaterial als Grundlage meine Skizzen und deren malerische Umsetzung. Das digitale „found footage“ habe ich abstrahiert, neu komponiert und uminterpretiert. Aus anonymen, digitalen Einzelbildern entstehen analoge, malerische Originale. Die Arbeit am Bild führt so zu einer kontextuellen Auseinandersetzung an der Schnittstelle von Fotografie und Malerei. In diesem Kontext entstanden auch zahlreiche Videoarbeiten.

Kannst du deine künstlerische Arbeit anhand einzelner Projekte konkretisieren?

Das Vietnam Projekt. Während meiner Asienreise 1995 fand ich auf einem Müllhaufen an die tausend Passfotonegative von Menschen aus Hoi-An und Umgebung. Während der französischen Kolonialzeit in den 50er Jahren war es für jeden Einwohner Pflicht, einen Pass zu besitzen. Die dazu benötigten Passfotoaufnahmen waren für viele dieser Menschen die erste Begegnung mit einem Fotoapparat. Dieser Fund stellt laut dem damaligem Direktor der Ludwigstiftung das bis damals größte je gefundene zusammenhängende Konvolut aus dieser Zeit und dieser Art dar. Diese Portraitfotos dienen mir bis heute zur Vorlage für die Umsetzung in Malerei.

Eine weitere Arbeit entstand während meines Aufenthaltes 2004 in Ladakh, Nordindien. Dort fand ich Passfotos von Absolventinnen der Mahabodhi School in Ladakhs Hauptstadt Leh. Die Portraits zeigen Mädchen, die aus sehr abgelegenen Regionen des Himalaya kommen. Auch diese Fotovorlagen erfuhren eine Transformation in Malerei: die „Mahabodhi Girls“.

2007 entstand während mehrmaliger Aufenthalte in Kalifornien durch die eigene Beobachtung urbaner Anlagen die Gemäldeserie Promenaden. Im selben Jahr beobachtete ich ausserdem mittels der Webcam der Forschungsstation Neumayer II in der Antarktis eine große Eisscholle. Die Webcam lieferte mit ihren stündlich aktualisierten Fotos die Inspiration für die Gemäldeserie „Atka Bay“. Die Kamera war Richtung Schneeschmelze ausgerichtet und während des Beobachtungszeitraums von Januar bis Dezember 2007 schob sich ein großer Eisberg ins Bild. Durch das Vergleichen der vielen Aufnahmen war eine schleichende Fortbewegung des Eisgebildes festzustellen und auch eine leichte Veränderung der Form. Fünf der unzähligen dokumentarischen Momentaufnahmen habe ich in Malerei umgesetzt.

Ab 2012 beginne ich das „Wildschweinprojekt“ (damaliger Arbeitstitel), basierend auf zahlreichen Fotos der Wildkamera eines Jägers aus dem Schwarzwald. Dieses künstlerische Experiment entwickelte sich zu dem Projekt, der „SUPERWILDVISION“, das bislang im Schwarzwald, am Stadtrand von Stuttgart und auf 2500 m Höhe in den Zillertaler Alpen, Österreich durchgeführt wurde. Seit Sommer 2018 begann das vierte Projekt der „SUPERWILDVISION“ in der Nähe von Windhoek, Namibia. Dort wird voraussichtlich auch 2021 dieses Experiment fortgeführt. „SUPERWILDVISION“ hat den Charakter eines Forschungsprojekts, das sich an der Schnittstelle von Kunstwahrnehmung bei Tieren und intermedialer Gestaltung bewegt. Die Tiere werden während der mehrmonatigen Dauer eines Projekts durch eine Wildkamera mit Infrarotfunktion aufgezeichnet. Sobald sich ein Tier tagsüber oder nachts vor der Kamera bewegt, beginnt die Kamera mit der Aufzeichnung. So entsteht eine Dokumentation über das monatelange Treiben der Tiere. Dieses „Footage“ werte ich aus und extrahiere daraus „Filmstills“. Diese dienen mir wiederum als Vorskizze für die darauffolgende Umsetzung in Malerei. Das gemalte Bild bekommt so auf mehrfache Art und Weise eine Bedeutung. Zum einen dient es als „Anschauungsobjekt“ für die Tiere am jeweiligen Projektort, zum anderen entstehen daraus in einer Interaktion Bilder, die sich thematisch auf die Geschehnisse vor der Kamera beziehen. So durchläuft das Werk mehrere Phasen bis es am Ende sein endgültiges Format erreicht hat.

Was bedeutet dir Kunst, und was bedeutet es dir künstlerisch tätig zu sein?

Die Kunst hat  in meinem Leben einen großen Stellenwert. Sie ist für mich wie ein Schlüssel zum Leben. Sie ist auch jenseits der Worte. Während des  schöpferischen Prozesses in meinem künstlerischen Tun bin ich synchronisiert mit dem Leben – ein sehr wertvoller Zustand. Es bedeutet mir sehr viel, einen Großteil meiner Zeit mit meiner künstlerischen Tätigkeit zu verbringen. Genau genommen stoppt diese Tätigkeit ja auch nicht, wenn ich durch den Wald gehe oder sonst wo bin und sonst was mache. „Es“ arbeitet immer weiter und weiter ... Da ich mein Leben aber nicht in „Arbeit, Freizeit, Wochenende, Urlaub“ aufteile, empfinde ich mein künstlerisches Tun als  einen fortlaufenden Prozess. Meist befinde ich mich mit diesem Prozess in Einklang, aber natürlich gibt es auch Tage des Zweifels, der Unruhe, des Getrenntseins, der Unzufriedenheit, denen ich mit Beharrlichkeit, Kontinuität, Zuversicht und möglichst viel Humor zu entgegnen versuche. Klappt meistens.

Was bedeutet dir dein Leben und Wirken in Stuttgart?

Stuttgart hat für mich zum Arbeiten und Leben die richtige Größe. Kunstmuseum, Galerien, Kunstverein, Theater, Oper, einen Großhändler für Künstlerbedarf und gleichzeitig viel Wald und Grünflächen in erreichbarer Nähe zu Fuß – das hat man nicht überall. Nach so vielen Jahren in Stuttgart habe ich hier schon auch Wurzeln geschlagen.

Erläutere gerne Stationen deines 'Weges' ...

In Ulm bin ich geboren und aufgewachsen. Die 80er Jahre verbrachte ich mit studieren im süddeutschen Raum und mit reisen in den USA, Australien und Neuseeland. Ich begann ein Jurastudium in Freiburg, studierte dann Malerei an der Freien Kunstschule in Stuttgart und Kommunikationsdesign und Malerei an der Hochschule Augsburg. Schliesslich schloss ich das Studium 'Visuelle Kommunikation' an der Merz Akademie in  Stuttgart mit Diplom ab. 1990 richtete ich ein künstlerisches Atelier ein und war parallel zu meiner künstlerischen Arbeit bis 2014 als Art Direktorin für ein Designbüro sowie im Bereich Grafik in Verlagen tätig. Mit meinem Partner Diethard Sohn gründete ich 2015 das Label „Müller & Sohn“. Es sind einige gemeinsame Projekte entstanden und werden kontinuierlich weiterentwickelt und fortgesetzt. Wir wohnen und arbeiten im Stuttgarter Süden.

Was mich nachhaltig beeindruckt hat war 2003 eine Zusammenarbeit mit dem Aktions- und Bühnenkünstler Christoph Schlingensief. Die Arbeit mit Schlingensief war im Rahmen des Projekts „Church of Fear“. Rückblickend betrachtet war diese Zeit ein starker Antrieb für meine weitere künstlerische Entwicklung. Seit 2014 arbeite ich schwerpunktmäßig als Malerin, Bildhauerin, Video- und Aktionskünstlerin.

Was bedeutet dir die Musik?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Sie ist wichtig, ist immer dabei – gehört zum Leben dazu.

Welches Musikgenre bevorzugst du?

Jede Jahreszeit, jede Lebensphase, jeder Gefühlszustand verlangt, finde ich, nach unterschiedlicher Musik. Tendenziell sprechen mich eher Moll-Tonarten an. Eigentlich erstaunlich, da ich in meinen Bildern häufig eine farbenfrohe Farbpalette verwende; das eine schließt das andere wohl nicht aus. Verstärkt in der dunklen Jahreszeit komme ich auf klassische Musik zurück (bevorzugt Klavier), höre aber ausserdem gerne Indie und genreübergreifende Musik, die sich nicht so richtig einordnen lassen, gerne auch jazzige Klänge.

Mit welcher Musik bist du im Elternhaus aufgewachsen?

Klassik.

Was hast du in deiner Jugend gehört?

Rock, Jazz Rock, Jazz, Pop

Brauchst du für deine künstlerische Arbeit die Stille oder begleitet dich die Musik?

Während der praktischen, künstlerischen Tätigkeit begleitet mich fast immer Musik, während die Ideenfindung oft in den Momenten hinter den Geräuschen stattfindet; meist, wenn ich nicht über Gedanken nachdenke.

Was brauchst du für deine Inspiration? Was, um kreativ zu arbeiten?

Sowohl Einflüsse von aussen, als auch die Zurückgezogenheit und ganz wichtig ist die Natur.

Arbeitest du bevorzugt nachts oder doch lieber in den Morgenstunden?

Der frühe Morgen ist nicht so meine Zeit.

Tanzt du? Dein Lieblingstanz ... Hast du einen Bezug zum Tango Argentino?

In meiner Kindheit und Jugend habe ich klassisches Ballett gelernt, später HipHop, im Tanzkurs in der Schule den ersten und einzigen Kontakt zu Tango erfahren und seit über 25 Jahren ist mein „Tanz“ Tai Chi. In der Musik des Tango Argentino spricht mich die zarte, melancholische Tendenz stark an. Im Jahr 2001 hat mir das Album von der Band „Gotan Project“ den Tango musikalisch näher gebracht.

Mit Müller&Sohn art projects verbindet dich künstlerisches Schaffen mit deinem Partner Diethard Sohn. Was bedeutet dir diese gemeinsame Arbeit?

Es bedeutet mir sehr viel und ich möchte diese Zusammenarbeit auch für meine künstlerischen Entwicklung nicht missen, obwohl es manchmal eine Herausforderung ist ;-). Gegründet haben wir das Label im Jahr 2015 – ein Labor, ein Experiment mit offenem Ausgang. Unsere Herangehensweisen sind meist sehr unterschiedlich und die Eigendynamik der Prozesse nicht absehbar, führen dann aber immer wieder zu erstaunlichen Werken. Zu Beginn eines Projekts haben wir das Endresultat nicht vor Augen. Rückblickend kann ich erkennen, dass wir spielerisch mit Videoaufnahmen unserer Aktionen (meist im Naturraum) begonnen haben, welche inhaltlich und formal verwoben in Skulpturen und in gemeinsam gemalten Gemälden mündeten. Mir kommt diese Arbeitsweise sehr entgegen, da nicht von Anfang an alles durchkonzeptioniert ist und die möglichen Resultate anfangs überhaupt nicht absehbar sind. Es ist sehr schön diese Entwicklung gemeinsam zu erleben und daran zu wachsen. Diese Vorgehensweise und auch ganz klar die dazugehörigen Auseinandersetzungen mit Diethard, stellen letztendlich eine Bereicherung für mich dar.

Hast du einen Sehnsuchtsort?

Ja, zu diesem Ort, der eigentlich kein Ort im herkömmlichen Sinne ist, finde ich in der Meditation.

Ein/dein Wunsch ...

Bald mal wieder auf das weite Meer schauen



Vielen Dank, liebe Irene für die Einblicke in dein Leben.





'Anarchistisch und doch in geordnetem Schritt, der zärtlichen Melodie des Bandoneons folgen, ein Spaziergang zwischen purer Lust

am Leben und sanfter Melancholie, Erotik und Tod ... Tango'

Diethard Sohn


Foto: privat



Im Gespräch mit dem Stuttgarter Künstler Diethard Sohn

Malerei und Skulptur

Marion Graeber im Mai 2021



Was bedeutet dir Kunst?

  • In erster Linie sehe ich mich als Maler. Genau gesagt als Zeichner und Maler mit einer Tendenz zur Plastik.
    Die Malerei definiert sich aus der Fläche, die Zeichnung auf der Linie und die Plastik aus der Formbarkeit eines Stoffes. Im Gegensatz zu letzterer steht die Skulptur. 
  • Kunst bedeutet für mich ein Gegenpol zu Berechenbarkeit von Rationalität und empirischer Wissenschaft. Treibende Kräfte in der Kunst sind Intuition und Kreativität und Selbstbestimmung des Autors oder wenn es mehrere sind der Autoren.
  • Die Kunst ist frei.


Was bedeutet es dir künstlerisch tätig zu sein? 

  • Diese Frage kann ich schwer beantworten, weil ich mir nicht vorstellen kann nicht künstlerisch tätig zu sein.
    Ein Beispiel: Ich arbeite aktuell an einem Portrait einer Quitte. Dabei versuche ich die Quitte möglichst realistisch und dabei so darzustellen wie ich diese Quitte nicht nur sehe, sondern wie ich sie empfinde. 


Wie hat sich deine Liebe zur Kunst entwickelt?

  • Als kleines Kind spürte ich wie stark Form und Farbe auf mich wirken. Ich erinnere mich wie mich ein Nierentisch mit in poliertem Messing gefasster Kirschfurniertischplatte in den Bann zog, oder Muster und Zeichnungen auf damaligen Tapeten oder auf einem Papierkorb, bestehend aus einer Papptonne mit bedruckter Folie überzogen.


Gibt es einen Schlüsselmoment, mit welchen dir klar wurde, dass der Weg eines Künstlers, der deine ist? 

  • Als ich Schüler am Gymnasium war nutzte ich die Unterrichtsstunden um meine Hefte voll zu zeichnen. Das waren glückliche Stunden, und mir wurde mehr und mehr klar, dass ich diesen Weg weiter gehen muss.


Inwieweit bist du mit Kunst und Kultur aufgewachsen? 

  • Meine Eltern waren kunstinteressiert. Bei uns im Haus hingen Siebdrucke von Soulages und Bubenik, Radierungen von Moog ... und diverse Originale aus dieser Zeit.


Welche Rolle spielte Kunst und Kultur in deiner Kindheit und Jugend?

  • Als ich Kind war zogen wir mehrmals um. Eine Station war Hofheim im Taunus. In unmittelbarer Nachbarschaft eröffnete Herrmann Krupp seine Galerie 66. Für mich als sieben jähriger Bub war das was ich dort sah wie eine Offenbarung. Da waren Bilder von Reipka, Moog, Stankowski, Bubenik, Simon Dittrich, Otmar Alt und vieles mehr. Eine neue, eine andere Welt tat sich da auf. Weit weg von brauner Soße und Kroketten.


Wenn du künstlerisch tätig bist - was brauchst du - Stille oder vielleicht Musik? 

  • Mal so, mal so. 


Welche Musik ist dir die liebste? 

  • Beim Arbeiten höre ich gerne Rockmusik, Independent oder Jazz, ab und an Klassik.


Zur Musik gehört die Bewegung. Tango spielt in deiner Kunst ebenfalls einen wichtige Rolle. Tanzt du auch selbst den Tango Argentino? 

  • Nein ich tanze nicht.


Was ist ‚Tango‘ für dich? 

  • „Anarchistisch und doch in geordnetem Schritt, der zärtlichen Melodie des Bandoneons folgen, ein Spaziergang zwischen purer Lust am Leben und sanfter Melancholie, Erotik und Tod ... Tango“ .. ist natürlich eine Sicht mit Augenzwinkern bezüglich der Entstehung, der Entwicklung und Tango heute wie ich ihn hier in Stuttgart beobachten konnte.


Was inspiriert dich?

  • mich inspirieren Träume, Menschen im täglichen Leben und selbstverständlich die Natur in ihrer unglaublichen Vielfalt und evolutionären Intelligenz.


Wie arbeitest du und wann? Wann bist du besonders kreativ? 

  • es ist unterschiedlich. 
    Manchmal ist da eine Idee, manchmal entwickelt sich die Idee oder gar ein Konzept aber auch erst beim Malen. 
    Unabhängig davon ist der erste Punkt, Klecks oder Strich auf der Fläche dann wie das Betreten einer vollkommen unberührten weissen Schneedecke. Das hat immer auch etwas mit Zerstörung zu tun. Man braucht Energie. Und dann, wenn da etwas ist, dann wird es leichter, meist folgt dann der Rest. Immer im Dialog mit dem Bild. Dazwischen gibt es dann immer wieder Phasen der Stagnation, der Kritik, des Selbstzweifels. In solchen Momenten ist es dann oft auch gut raus zu gehen. 
    Ich arbeite viel und gern beim Joggen oder beim Wandern. Der monotone sich ständig wiederholende Bewegungsablauf beim Laufen oder gehen in Wald und Wiesen, im Gebirge oder am Meer, regt zu „meditativem“ Denken an. Und hilft den Prozess voran zu treiben.


Bist du ein Morgen- oder ein Nachtmensch?

  • Was die Malerei angeht sicher eher ein Nachtmensch. Ich beginne den Tag zwar recht früh am morgen aber zum Malen komme ich meist erst im Laufe des Vormittags und dann zieht sich der Tag eben oft unmerklich hin bis ich gegen Mitternacht die Pinsel auswasche.


Erläutere dein Schaffen, deine Werke, deine Projekte ...

  • Meine Arbeit bewegt sich in einem Spektrum zwischen comichaften kubistischen Strukturen und hyperrealistischen Darstellung. Ein verbindendes Element in meiner Arbeit ist sehr häufig das Portrait. 
    Für mich als Maler ist es dabei wichtig nicht in irgendeiner Zeit hängen zu bleiben, oder mich in vergangenem zu suhlen, sondern mich aus formal-ästhetischer Sicht der Formen und Formensprache unserer Zeit zu bedienen, dazu gehört die gesamte Geschichte der Malerei aber eben auch die Genres Comic, die Pop-Art und selbstverständlich auch Street-Art. 
    Ich würde mich in keine dieser Genres einordnen wollen, das wäre mir zu einseitig, das bin ich nicht, weder das eine noch das andere, aber selbstverständlich haben Zitate aus diesen Genres oder auch Hinweise, Elemente ihren Platz in meinem Werk, aber immer in eigener Art.
    Ein Beispiel: Das Quittenportrait. Manche sagen es erinnert sie an Dürer. Ja sicher auch Dürer malte sehr detaillierte Pflanzenbilder und doch sind sie in der Führung der Linien, in der Farbgebung und Form eindeutig der Renaissance zuzuordnen, während mein Quittenportrait eben in der Art der Darstellung, Farbgebung und Linienführung ganz eindeutig aus der heutigen Zeit ist. Das ist sehr interessant und es sind oft nur Nuancen, die man aber eigentlich nicht übersehen kann.

    Der Comic-Strip definiert sich aus der sequenziellen Darstellung von narrativen Bildern, auch Text oder Textbilder. (Expressive Darstellung von Text und entsprechender Typographie). Der Comic selbst definiert sich durch Vereinfachung oder auch Überzeichnung und gleichzeitig Verdeutlichung von z.B. typischen Formen, Farben, Bewegungen, Mimik, Gestik und Haltung. Comic ist sehr expressiv.


Du lebst in Stuttgart - welche Beziehung hast du zu dieser Stadt? 

  • Stuttgart ist irgendwie überschaubar


Hast du einen Lieblingsplatz in Stuttgart?

  • Ich geh öfter mal in den Landschaftsschutzgebieten um die Weinsteige herum laufen oder spazieren. Da gibt es sehr schöne Ecken. 


Mit Müller&Sohn art projects verbindet dich künstlerisches Schaffen mit deiner Partnerin Irene Müller. Was bedeutet dir diese gemeinsame Arbeit?

  • Inzwischen sehr viel. Anfangs fühlte es sich seltsam an, da wir sehr unterschiedliche Herangehensweisen an die Malerei und überhaupt an unsere Ausdrucksformen und Mittel haben.
    Irene hatte immer schon ein Interesse an dokumentarischem Foto- und Videomaterial und integrierte dieses in ein dynamisches Wechselspiel mit Malerei. So kam sie über eine Freundin, eine Fotokünstlerin, die am ZKM in Karlsruhe tätig war dann auch in Kontakt mit Christoph Schlingensief. War dann viel als künstlerische Mitarbeiterin mit ihm unterwegs, unter anderem auch an einer Aktion von Christoph, dem „Pfahlsitzen“ auf der Biennale in Venedig.

     Wohl hatten wir auch Gemeinsamkeiten. Die aber zunächst eher ausserhalb der Malerei lagen, z.b. das Wandern. Und so entdeckten wir auf unserem Weg durch die Alpenlandschaft Österreichs in recht regelmäßigen Abständen rote Ruhebänke, die sich wie ein Rythmus durch die Landschaft zogen. Es war wie ein roter Faden, der uns das gemeinsame Interesse nämlich Wege zu gehen aufzeigte.

    Wie sehen eure gemeinsamen Projekte aus


    Wir nahmen diesen Rythmus auf. Wir schnitten rote Streifen aus Stoff und begannen selbst die Landschaft in einem Rythmus zu markieren, ohne diese dauerhaft zu verändern. Weil wir noch nicht so richtig wussten, was wir da tun und warum wir das tun, dokumentierten wir diese Aktionen mittels Action-Cam.

    Das war der Beginn des gemeinsamen Projektes „WEGE“
    Ideen und Erkenntnisse, die sich daraus ergaben, skizzierten wir und setzten sie anschließend in Malerei, Skulptur, Foto und Film um. Es entstanden neue, gemeinsame Werke, bei denen wir beide die Autoren sind. Und so gaben wir dem Kind einen Namen und entwickelten das Label Müller & Sohn. 

    Müller & Sohn versteht sich als ästhetisches Experimentier- und Forschungslabor im Spannungsfeld von Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Videokunst. Im Zentrum unserer Arbeit steht die Auseinandersetzung mit der Natur und ihre Phänomene. Und die Veränderungen, die sie durch den Eingriff des Menschen erfährt. 


Mit ‚Wege‘ seid ihr auch gerne auf Sylt. Was reizt dich an dieser Insel? 

  • Sylt hat eine unsichtbare Anziehungskraft, in erster Linie ist es wohl die Natur und ihre Kraft, über 40 km zusammenhängender Sandstrand bieten uns eine unglaubliche Spielwiese. Das Watt, die Wanderdüne, davor die “Mondartige” Landschaft, Ebbe und Flut, die Gezeiten, die Wolken, der peitschende Wind und natürlich die facettenreiche oft tosende launische Nordsee mit ihrem sich ständig wandelndem Gesicht.

    Ursprünglich zog uns die Forschungsstation des Alfred Wegener Institutes nach Sylt. Uns interessierte die Frage was Kunst und Wissenschaft aus der Sicht der in der jeweiligen Sparte tätigen Menschen in der heutigen Zeit verbindet. Wo gibt es Gemeinsamkeiten, z.B. in der Motivation oder im Arbeitsprozess und wo gibt es Gegensätze. Hierzu befragten wir Wissenschaftler. Wir durften ein wissenschaftliches Labor besuchen und erfuhren sehr viel auch über die Historie und den Wandel in wissenschaftlicher Arbeit.


Hast du Vorbilder in der Kunst?

  • Meine Vorbilder in der Bildenden Kunst sind Künstler aus der Renaissance, wie Francesco del Cossa, Jean Fouquet oder natürlich auch Albrecht Dürer, Henry Matisse, den ich hier besonders hervorheben möchte, Miro, die Kubisten, Tamara de Lempicka aber auch diverse Comiczeichner. 


Hast du einen Sehnsuchtsort? 

  • Der Ort meiner Sehnsucht ist glaube ich nicht von dieser Welt.




Lieben Dank, lieber Diethard,  für diese Einblicke in dein Leben




'Ich bin wach und offen für das was es da gibt'

(Florian Anderer über das Tanzen)

Florian Anderer

Foto: Urban Ruths


Zwangsräumung in Berlin: An einem kalten Novembermorgen muss Otto Wagner (Peter René Lüdicke) mit seiner Familie die Wohnung verlassen. Nach der Übernahme des Mietshauses durch die Ceylan Immobilien wird es Stück für Stück entmietet. Alte Verabredungen gelten nicht mehr und so sorgt die Umzugsfirma von Axel Schmiedtchen (Ingo Hülsmann) für eine schnelle, besenreine Übergabe. Vor kurzem war das Haus noch ein Sinnbild der berühmten "Berliner Mischung". Jetzt will Gülay Ceylan (Özay Fecht), die Chefin des kleinen Familienunternehmens, das Haus luxussanieren, um es später in Eigentumswohnungen umzuwandeln."Tatort: Die dritte Haut".

Das Erste. Sonntag, 06. Juni 21.


Im Gespräch mit Florian Anderer

Marion Graeber

Mai 2021


Hallo lieber Herr Anderer. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Ich freue mich über Ihre Anfrage.

Sind Sie gerade in Berlin?

Ja, genau. Ich bin in Berlin. Ich lebe hier.

Sie kommen ursprünglich aus Karlsruhe, da dachte ich mir, mein Dialekt wird kein Problem für Sie darstellen….

Lacht. Stimmt. Den hab ich auch. Allerdings wurde mir dieser in der Schauspielschule abtrainiert. Lächelt.

Im Theater, wie auch im Film wird teilweise auch im Dialekt gespielt. Wie stehen Sie dazu?

Ich habe tatsächlich gerade eine Anfrage für ein Tatortcasting bekommen, da ist der badische Dialekt ausdrücklich erwünscht.

Können Sie diesen immer problemlos abrufen?

Ja, ich kann und lerne Dialekt schnell. Auf meinen Onlineprofilen habe ich auch eingetragen, dass ich mehrere Dialekte bedienen kann. Habe das nun aber doch wieder auf die Dialekte reduziert, die ich wirklich gut kann. Denn, in dem Augenblick in dem man spielt muss man an so viele Dinge denken – da ist kein Platz für die Gedanken „wo und wie bewege ich mich korrekt im Dialekt“….  

Welchen Dialekt haben Sie neben dem Heimatdialekt eingetragen?

Berlinerisch - ich lebe schon so lange in Berlin.

Fehlt Ihnen die Region (Süddeutschland) ein bisschen?

Ja, schon. Mir fehlt ein bisschen das badische Klima. Das vermisse ich. Ich komme aus der Rheinebene. Mit der Fähre ist man schnell im Elsass. Auch die Nähe zur Pfalz – das hat schon so einen speziellen Charme. Ich hab in meiner Heimatregion auch schon fast tropische Sommer erlebt. Dann diese Vegetation. Das vermisse ich alles schon etwas.

Sie verkörpern im „Tatort – Die dritte Haut“ die Figur des Thomas Dahlmann. Was hat Sie persönlich an der Rolle gereizt und wie charakterisieren Sie sie?

Am Drehbuch hat mich gereizt, dass dieser Tatort einer ist, wo es um die Sache geht. Nicht die persönlichen Differenzen, die Psychosen oder Schicksale unter den Kommissaren stehen hier im Mittelpunkt, wie das im Moment modern ist. Es geht tatsächlich um den Fall. Und dann hat mich tatsächlich überrascht, dass man so sehr in die Thematik eintaucht, dass man ganz ohne Verfolgungsjagd und Schießerei auskommt.

Ein Mietshaus soll geräumt werden – ein Mietshaus, welches zu einem Luxusobjekt werden soll.

Ja, genau. Thomas Dahlmann hat sich in die Familie des Immobilienunternehmens eingeheiratet. Ich habe gleich gesehen, dass er kein 0/8/15 Immobilienhai sein soll. Er hat menschliche Züge und ist nicht so ein Stereotyp von Immobilienmogul. Er ist ein Mensch, den man nachvollziehen kann. Man erkennt, aus welchen Beweggründen er wie und warum handelt.

Wie sehen Sie das Problem – Mietshaus/Luxussanierung?

Ich sehe das sehr kritisch, wie sich das in Berlin entwickelt und wie die Berliner immer mehr an den Rand gedrängt werden. Wie alles so Hochglanz saniert wird. Eine seltsame Entwicklung. Der Prenzlauer Berg beispielsweise (ich lebe hier im Norden in einer 1920er Jahre Bauhaussiedlung), war mal so ein interessanter, vielseitiger und diverser Bezirk. Jetzt ist er glatt. Alles ist hier auch nur ein Steinwurf entfernt, man kann hautnah miterleben, wie sich die Stadt verändert.

Die Dreharbeiten zum Tatort haben im November und Dezember 2020 unter Corona Bedingungen stattgefunden. Das Thema Corona ist außerdem im Film verankert und dieser Tatort gilt folgend als Zeitdokument. Wie haben Sie die Dreharbeiten empfunden?

Dadurch, dass ich nur eine Szene habe, in der ich konkret die Maske im Bild trage, hat mich das nicht sehr beeinflusst. (Ich habe in dieser Szene ein Gespräch mit der Kommissarin – die Szene war kurz und ich hab gar nicht registriert, dass ich eine Maske trage). Es ist auch so, dass das Tragen der Maske alltäglich geworden ist. Auch am Set trägt man vor der Drehszene Maske.

Wie denken Sie, kann man Emotionen trotz Maske gut transportieren?

Ich weiß nicht, ob der Tatort so expressiv gespielt wird. Mein Eindruck ist eher, dass beim Fernsehen reduziert gespielt wird. Nicht so groß, wie beim Theater. Dieses permanente reduzieren – da wird die Maske keinem einen zusätzlichen Stein in den Weg legen.

Gibt es eine Szene im Film, welche Sie besonders berührt hat?

Ich hab ein Streitgespräch mit meiner Filmfrau Yeliz (Sesede Terziyan). Dieses findet auf dem Balkon meiner Schwiegermutter statt. Das war eigentlich kein hochemotionaler Streit. Eher ein unterkühlter Dialog. Aber genau darin lag so viel Verletztheit der Figur. So eine Kränkung. So ein Missverständnis. Das hat mich nicht kalt gelassen. Das war sehr intensiv.

Ich habe gelesen, Sie spielen Schlagzeug. Mögen Rockmusik. Rockmusik - Ihr Lieblingsgenre?

Ich höre viel Musik. Aber, ja, tendenziell Rockmusik.

Wie sieht es mit dem Tanz aus? Vielleicht mögen Sie auch den Tango Argentino?

Ich habe schon gesehen, dass Ihr Steckenpferd der Tango ist. Lächelt. Mit dem Tango hab ich bisher nur eine Erfahrung gemacht. Das war am Theater in Hildesheim im Jahr 2008. Eine Choreographin fragte mich, ob ich mit ihr eine fünfminütige, ziemlich abgefahrene Tangochoreographie einstudiere und diese dann bei einer Veranstaltung präsentieren würde. Innerhalb von drei Tagen haben wir uns das mit allem drum und dran erarbeitet. Das war ziemlich interessant.  

Hatten Sie danach keine Ambitionen, den Tango weiter zu tanzen?

Nicht konkret den Tango. Was mich aber weiter animiert hat war – wach und offen zu bleiben für das, was es da gibt. Ich habe auch so einen Signature-Move. Hab viele tänzerische Angebote gemacht. Und sei es nur, sehr hüftbetont zu gehen. Auch kleine Tanzeinlagen und Stunts waren dabei.

Sie sind im Fernsehen, wie auch im Theater zu sehen. Mögen Sie beides gleichermaßen?

Mein Herz schlägt für das Theater. Tatsächlich begeistert und fasziniert mich aber auch das Fernsehbusiness. Da ist so viel Logistik gefragt bis so ein Film steht. Dieses Zusammenspiel von so vielen Departements. Wenn man einen Film schaut denkt man, das sei alles so aus einem Guss gemacht. Dabei wird die erste Szene beispielsweise am letzten Tag gedreht und der große Showdown findet am ersten statt. Man muss immer darauf achten, dass der DreiTage-Bart nicht plötzlich voller ist oder man glattrasiert daher kommt. Lacht. Ein echtes Wunderland für mich….  

Wollten Sie schon von früher Kindheit an Schauspieler werden? Gab es einen Schlüsselmoment?

Ich habe früh gemerkt, dass meine Qualitäten in diese Richtung gehen. In der Grundschule habe ich Till Eulenspiegel gespielt. In die Theater AG bin ich relativ spät gekommen. Als es Richtung Abiturvorbereitung ging, hatte ich eine ganz tolle Englisch-Grundkurs-Lehrerin. Sie meinte, die Theater AG brauche Männer. Außerdem machte sie mich darauf aufmerksam, dass das Staatstheater Karlsruhe Leute für die Gründung eines Jugendclubs für eine erste Produktion suchte. Ich bin dann mal da hin und konnte direkt in „Die Welle“ mitspielen. Das hat den Wunsch, Schauspieler zu werden, für mich zementiert. Dann hab ich erfahren, zum Leidwesen meiner Eltern, dass man für die Aufnahme an die staatliche Schauspielschule keinen speziellen Numerus Clausus braucht. In der Oberstufenzeit war ich dann auch viel am Theater. Hab das alles aufgesaugt, viel gespielt. Nach dem Abi bin ich dann in die Bewerbungsphase „Schauspiel“ gegangen.
Ich war auch mit der Klasse zuvor beim Berufsinformationszentrum. Da kamen so abstruse Vorschläge. Ich konnte mich mit nichts identifizieren. Ein paar Wochen danach kam dieses Casting am Staatstheater Karlsruhe – da hat sich das für mich geklärt.

Sie waren mit der Schauspielerei in der Schweiz und in Ostdeutschland ..

Ja, angefangen hab ich mit meinem Studium in Bern. Dort habe ich auch gespielt. Ebenfalls in Luzern. Ich war auf einer kleinen Bühne in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, in Hildesheim, Schwerin. Dann der große Sprung an die Volksbühne Berlin.

Da konnten Sie viele Erfahrungen sammeln.

Ja, das war mir sehr wichtig, diese Erfahrungen sammeln zu können. Als ich in dieser Schauspielblase in Berlin eingetaucht bin, hab ich festgestellt, dass viele so einen ganz anderen Werdegang hatten. Viele sind von den großen, angesagten Schauspielschulen schon im letzten Studienjahr an die großen Theater geholt worden und ich frage mich, ob das so gut ist. In Hildesheim hab ich am Staatstheater gespielt. Dieses musste fusionieren und ich hab mich plötzlich auf einer Landesbühne wiedergefunden. Mit dem Bus bin ich von einem Spielort zum anderen gefahren. Diese Flexibilität und Improvisation hat mich oftmals auf den großen Bühnen gerettet.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Also, ganz aktuell hab ich tatsächlich einen – Phuket. Vor einigen Jahren war meine Freundin mit ihrem Sohn dort und sie schwärmt von dort. Wir haben also beschlossen, dort hin zu reisen, sobald das wieder möglich ist.


Vielen, lieben Dank für das schöne Gespräch, lieber Herr Anderer. Hat mich sehr gefreut. Merci






'Ich tanze sehr gerne. Am liebsten tanze ich einen Walzer'

Timo Jacobs

Foto: Robert Schultze



Zwangsräumung in Berlin: An einem kalten Novembermorgen muss Otto Wagner (Peter René Lüdicke) mit seiner Familie die Wohnung verlassen. Nach der Übernahme des Mietshauses durch die Ceylan Immobilien wird es Stück für Stück entmietet. Alte Verabredungen gelten nicht mehr und so sorgt die Umzugsfirma von Axel Schmiedtchen (Ingo Hülsmann) für eine schnelle, besenreine Übergabe. Vor kurzem war das Haus noch ein Sinnbild der berühmten "Berliner Mischung". Jetzt will Gülay Ceylan (Özay Fecht), die Chefin des kleinen Familienunternehmens, das Haus luxussanieren, um es später in Eigentumswohnungen umzuwandeln.

"Tatort: Die dritte Haut". Das Erste. Sonntag, 06. Juni 21.



Im Gespräch mit Timo Jacobs

Marion Graeber

Mai 2021

Sie verkörpern im "Tatort: Die dritte Haut" die Figur des Micha Kowalski. Kowalski lebt auf der Straße, getrennt von seinen Lieben, die in der Georgiestraße in Berlin wohnen. So beobachtet er sehnsuchtsvoll das Mietshaus, in welchem auch ein/der Mord geschieht ... Was reizt Sie an Ihrer Rolle und wie charakterisieren Sie sie?

Die Sehnsucht dort zu sein, wo er nicht ist, frühe Verletzungen, die ihn davon abhalten sich so zu verhalten, wie es eventuell besser für ihn wäre und das Gefühl seiner Familie gegenüber als Versager dazustehen, das ist für Micha Kowalski nicht zu ertragen. Da badet er sich lieber in dem Gefühl seiner Unzulänglichkeiten. Wie gerne wäre er einfach nur ein guter Vater. Aber er stürzt sich von einer Katastrophe in die nächste. Das ist das Leben. Vielschichtig und ambivalent. Sich darin zu bewegen ist ein tolles Abenteuer. Gerade in dem Beruf als Schauspieler.

Die Dreharbeiten zum Tatort haben im November und Dezember 2020 stattgefunden. Also unter Corona-Bedingungen. Das Thema Corona ist auch im Film verankert. Dieser gilt folgend als Zeitdokument. Wie haben Sie die Dreharbeiten empfunden?

Ich habe einen sehr respektvollen, liebevollen Umgang erlebt. Es waren ein paar schöne Tage. Gerade in dieser Zeit der häufigen Abschottung, war es natürlich besonders schön mal wieder raus zu kommen. Dann noch mit Kollegen, die man so mag und schätzt, wie Meret Becker und Mark Waschke. Wir kennen uns alle schon sehr lange. Ich war ja bei Merets Einführung als Kommissarin mit von der Partie und habe mit ihr viele, tolle Filme gedreht. Zum einen meinen eigenen Film, die irrwitzige Komödie „Mann im Spagat“ oder auch „Back to Nothing“ unter der Regie von Miron Zownir. Die Arbeit mit dem Regisseur Norbert Ter Hall, ein sehr guter Regisseur - es war wie eine Grillparty mit einem Blues von Bo Diddley. Irgendwann war es dann leider vorbei.

Ist   es   eine   große   Herausforderung   Mimik   und   Emotion   mit   Maske   und   Abstandsregeln   zu transportieren? Wie wurde das im Film umgesetzt?

Viele Kollegen beschweren sich ja über Corona. Alles sei so schwierig geworden mit der Schauspielerei. Ich verstehe das nicht. Es ist doch einfacher. Man braucht nur noch das halbe Gesicht. (Scherz)

Wir wurden ja alle ständig getestet und hielten natürlich unseren Abstand zueinander. Die Spielregeln sind wirklich nicht so schwer zu verstehen. Dann sind wir Schauspieler in Quarantäne, falls wir Szenen haben, in denen wir uns Nahe kommen müssen. Das ist auch alles gut organisiert gewesen und das habe ich auf anderen Sets auch so erlebt. Toi Toi Toi - im Großen und Ganzen sind wir da doch gut durchgekommen. Allerdings diese Tests mit den sehr, sehr langen Stäbchen, welche durch die Nase an dem Brokkoli im Kopf kitzeln...  Und wenn du dann denkst, es sei vorbei, dann kommt das zweite Nasenloch an die Reihe ... Das hat schon einiges an Armlehnen-Festkrallen erfordert.

Ich habe gelesen, dass dieser Tatort auch dokumentarische Züge hat, da das tägliche Leben in der Stadt in die Geschichte integriert ist. Die Geschichte spielt auf der Straße, auf Plätzen, unter Brücken und im öffentlichen Verkehr. .. Mitten unter Passanten. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich mag dieses arbeiten gern. Als junger Mann habe ich sehr viel so gedreht und habe da ein Gefühl von Godard und Cassavetes. Auch an die frühen Filme, die ich mit Klaus Lemke im Hamburg gedreht habe. Als ich in der BVG meine Schallplatte abgespielt habe: „Schönen guten Tag, meine Damen und Herren, ich bin Micha Kowalski und seit 7 Jahren obdachlos"  usw.. .. da war ich das dann auch. Die echten Fahrgäste hatten mir dann tatsächlich Geld gegeben und nach dem „Cut“ des Regisseurs (der natürlich sehr leise war um kein Bohei zu machen) na ja, da war ich dann doch etwas im Konflikt und habe dem Aufnahmeleiter der Produktion das Geld gegeben. Was er damit gemacht hat, weiß ich nicht. Ich war ja in der Rolle.

Gibt es eine Szene im Film, welche Sie besonders berührt hat?

Das kann ich leider gar nicht so gut beantworten, wie ich möchte. Ich denke, wenn ein Schauspieler sagt, er sei berührt, ist das oft kein gutes Zeichen. Allerdings wurde ich zuerst für die Rolle des Busfahrers gecastet und wenn dieser erzählt, wie er sein Leben lang ehrliche Arbeit geleistet hat und dann, mit seiner Berliner Art, den Vergleich zu den jungen Menschen zieht, die oft sehr schnell, sehr viel Geld verdienen und, dass die ihm die Wohnung „wegnehmen“, da haben sich mir beim Lesen die Innereien gekräuselt.

Thema des Tatorts ist die Zwangsräumung eines Mietshauses in Berlin. Das alte Haus soll zum Luxushaus saniert werden. Ältere Menschen/Mieter müssen weichen. Wie sehen Sie persönlich diese Thematik?

Der soziale Wohnungsbau sollte viel mehr gefördert werden.

Darf ich Sie fragen, wie Sie wohnen und wie wichtig Ihnen nachbarschaftliche, soziale Kontakte oder auch daraus entstehende Freundschaften sind?

Ich wohne in einem Altbau in Kreuzberg. Da der Vermieter keine Sanierungen in den Wohnungen vornimmt, sondern lediglich mit dem Haus spekuliert, habe ich noch eine humane Miete. Freunde in der Nähe zu haben ist mir wichtig. Ein lockere Nachbarschaft ist auch toll. Harmonie tut ja jedem gut, solange wir uns nicht zu sehr in einer Pflicht fühlen.

Zur Unterstützung von Emotionen und Szenen gehört im Film auch immer die Musik. Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Ihnen das liebste ist?

Ich limitiere mich ungern. Wenn ich auf meine Schallplattensammlung schaue, dann finde ich da jede Menge Rhythm and Blues, Upbeat, Punk, Garage, Postpunk, New Wave, Jive, Power Pop, Filmscores, offene Pianoklänge und auch etwas Tango, ja. Es sollte bitte etwas knistern. Spaß machen. Elektronische Musik schafft das bei mir nicht so.

Ich habe gelesen, Sie sind gern im Clärchens Ballhaus. Das ist eine tolle Location. Auch für den Tango Argentino :) Sie tanzen gern? Vielleicht auch den Tango Argentino?

Ich tanze sehr gerne, ja. Das fehlt mir auch wirklich sehr. Das Clärchens ist eine wirkliche Wohlfühloase. Am liebsten tanze ich einen Walzer. Ich gehe aber auch auf kleine Konzerte in Bars. Dive Bars.

Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?

Licht und Schatten reichen sich die Hand. Aber ich ziehe den Tag vor.

Sie haben im Jahr 2015 in Soko Stuttgart gespielt. Wie gut kennen Sie die Stadt? Mögen Sie Stuttgart?

Ich find es schön. Ich habe einen guten Freund in Stuttgart und ihn besuche ich gerne.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Wenn ich einen konkreten Ort hätte, wäre ich hoffentlich dort. Ich habe Plätze und Erinnerungen, die ich zum Glück überall hin mitnehme. Das ist wertvoll, denke ich.


Ganz lieben Dank, für das schöne Interview. Merci

 



'Ich tanze gern. Tanzen ist was Wunderbares'

Saskia Vester


Foto: Saskia Vester mit Wolfgang Fierek - ZDF Bernd Schuller


„Marie fängt Feuer“

ZDF Sonntag, 09. Mai und 16. Mai, jeweils 20.15 Uhr - Neue Folgen der Herzkino-Reihe

„Marie fängt Feuer – Spiel des Lebens“

Marie gelingt es gerade noch rechtzeitig, zwei Kinder auf einem See zu retten. Ihr Vater hatte sie einfach vergessen. Seit dem Tod seiner Frau verfällt er immer mehr seiner Spielsucht. Und auch Philipp, der Vater von Maries Sohn Max, scheint zu vergessen, dass er Vater ist. Er verschwindet einfach und lässt den enttäuschten Max zurück. Marie muss ihre Familie schützen und entscheidet, dass Philipp keinen Platz in ihrem Leben hat. Sie will einfach das gemeinsame Leben mit Stefan genießen. Und so überraschen sich Marie und Stefan gegenseitig am Polterabend von Angie und Marco mit ihrem spontanen Entschluss, endlich zu heiraten.

„Marie fängt Feuer – Coming out“

Ausgelassen feiern die Wildegger die Hochzeit von Marie und Stefan. Endlich haben sie sich das Jawort gegeben. Dabei ahnen sie nicht, welcher Schicksalsschlag ihnen allen bevorsteht. Parallel findet Marie heraus, dass Stefans Seitensprung nicht ohne Folgen geblieben ist. Er wird wieder Vater. Eine erneute Prüfung für die beiden. Doch Marie ist klar, dass Stefan zu seinem Kind stehen muss – genauso wie sie zu ihrer Beziehung steht. Max ist frisch verliebt. In seine Mitschülerin Kirsten. Doch deren Leben gerät völlig aus den Fugen als sie ihren Vater beim Fremdgehen erwischt – mit ihrem Sportlehrer. Vollkommen überfordert sucht Kirsten die Hilfe von Marie.



Im Gespräch mit Saskia Vester

Marion Graeber

im April 2021


Hallo liebe Frau Vester, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr. Sind Sie in München?

Ja, wir sind zuhause.

Sind wir gar nicht so weit voneinander entfernt…

Genau. Lächelt. Quasi um die Ecke…

Für „Marie fängt Feuer“ waren Sie tatsächlich auch quasi um die Ecke. Gedreht wurde und wird in den Ammergauer Alpen. Wie weit ist das von Ihnen entfernt und wie viele Drehtage sind jeweils angesetzt?

Ich fahr von hier gute eineinhalb Stunden bis zum Drehort. Drehtage sind das immer so ungefähr 21.

Entstanden sind nun bereits die Filme 11 und 12. Im Jahre 2016 kam „Marie fängt Feuer“ das erste Mal im TV. Wie ist es nach den Drehpausen wieder auf die SchauspielkollegInnen zu treffen?

Herrlich. Das ist einfach herrlich. Beim Kindermädchen Henriette stoße ich immer wieder auf ein neues Team und bin mit allen möglichen Sprachen konfrontiert. Da genieße ich es sehr ans Set von „Marie fängt Feuer“ zu kommen. Das ist so „coming home“. Lächelt. Alles ist irgendwie gemütlich. Wir haben eine so schöne lockere Atmosphäre, so unaufgeregt. Man kennt sich, hat keine weite Anreise - das tut einfach gut.

Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrer Rolle Irene Reiter gereizt?

Die Figuren Irene und Ernst Reiter, finde ich sehr amüsant. Wie die immer miteinander kappeln und sich streiten. Ich mochte die Irene von Anfang an. Ihre Bodenständigkeit und ihre Klarheit.

Wie viel Saskia Vester ist in Irene Reiter?

Ich sehe mich nicht so sehr in Irene Reiter. Natürlich ist man in jeder Figur auch ein bisschen selbst zu finden. Das macht es auch authentisch. Das muss so sein. Aber ich bin schon ein anderer Typ. Ich bin nicht so pragmatisch und so cool wie Irene.

In „Marie fängt Feuer“ werden immer auch aktuelle Themen behandelt. Wie wichtig ist es Ihnen, dass gesellschaftlich relevante Themen in TV Filmen ab und an behandelt werden?

Das ist mir eigentlich gar nicht wichtig. Wichtiger ist, dass man eine gute Geschichte erzählt. Auch wie man sie erzählt. Und, dass sie gut geschrieben  ist. Es hängt auch ein bisschen vom Genre ab, wie man gesellschaftlich relevante Themen behandeln kann. Bei „Marie fängt Feuer“ ist das eine Mischform. Eine Unterhaltungssendung mit privaten Themen. Und, beim Film ist man per se bei der Unterhaltung - sonst würden wir eine Dokumentation machen. Lächelt.

Musik unterstützt Emotionen. Auch im Film. Haben Sie ein Lieblingsgenre?

Musik hängt für mich mit Stimmung zusammen. Ich höre gern Reggae, Jazz, Pop aus den 1980ern und auch Country Musik. Was ich nicht so gerne höre ist klassische Musik – die macht mich eher traurig.

Ich habe gelesen, Sie mögen gerne die Natur und im speziellen Ihren Garten. Stimmt das?

Lacht. Ja, das stimmt. … Aber welcher Mensch mag keine Natur? In der Natur tanken wir Kraft. Ohne Natur wären wir nicht auf dieser Erde.

Das stimmt. Aber, es gibt auch ausgesprochene Stadtmenschen….

Ja, da haben Sie recht. Für mich ist beides wichtig. Wir wohnen am Stadtrand und ich kann die Stadt haben, wenn ich will und bin der Natur trotzdem nahe. Das finde ich ideal.

Auch habe ich bei meiner Recherche gelesen, dass Sie Flugangst haben. Nun sind Sie mit „Das Kindermädchen“ weltweit unterwegs.

Ja. Lacht. Was soll man machen, wenn man so eine tolle und fantastische Rolle angeboten bekommt. Dann muss man das machen und eben reisen. Aber eigentlich ist das Reisen persönlich gar nicht mein großer Wunsch. Gerade auch wegen meiner Flugangst. Außerdem reise ich wirklich viel. Ich packe im Jahr zirka zwanzig Mal meinen Koffer ein und aus. Lacht.

In der Folge „Das Kindermädchen – Südafrika“ fliegen Sie in einem kleinen Sportflugzeug. Haben Sie das tatsächlich gemacht?

Nein. Das war im Studio. Aber ich habe gerade im vergangenen Jahr „Das Traumschiff“ gedreht. Wir waren auf den Malediven und ich musste in ein kleines Wasserflugzeug steigen. Das war für mich der Horror.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Mein Sehnsuchtsort ist da, wo meine Kinder sind und meine Familie ist.

Hatten Sie immer den Wunsch, Schauspielerin zu werden?

Ja, absolut. Ich hab schon mit fünf Jahren gesagt, dass ich Schauspielerin werden möchte.

Ich habe Sie in Interviews auch schon über Existenzängste bei SchauspielerInnen reden hören. Gerade in Corona Zeiten wieder ein großes Thema.

Ja, das ist richtig. Ich hatte jetzt unglaubliches Glück. Ich habe im vergangenen Jahr sechs Filme drehen dürfen. Fast so, als gäbe es kein Corona. Ich weiß das auch wirklich zu schätzen. SchauspielerInnen und TheaterschauspielerInnen die auf dem freien Markt sind, in der Selbstständigkeit, die haben es schwer. Es gibt zwar eine Corona Unterstützung aber man will ja auch spielen. Wir wollen spielen. Aber ohne Publikum können wir das nicht. Ein Musiker kann zuhause musizieren, ein Autor schreiben – wir SchauspielerInnen sind auf unser Publikum angewiesen.

Tanzen Sie gerne? Vielleicht auch den Tango Argentino?

Ja, ich tanze schon gern. Aber ich kann nicht so gut mit einem Partner tanzen weil ich immer führe. Lacht. Den Tango mag ich total gerne. Ich musste mal für einen Film Tango lernen. Das ist eine tolle Sache.

Was sind Ihre nächsten Projekte? Ich habe gelesen, „Marie fängt Feuer“ wird bereits ab dem 20. April weiter gedreht?

Das ist richtig. Und auch „Das Kindermädchen“ ist wieder mit neuen Folgen geplant. Außerdem hatte ich auch Theaterproben. Das Stück ist fertig geprobt und wir warten darauf die Premiere spielen zu dürfen. Eigentlich sollte die Premiere im März sein, nun ist sie in den Dezember verschoben.

Wie heißt das Stück?

„Willkommen bei den Hartmanns“ - es ist die Bühnenadaption des Films und ein richtig gutes Stück.



Vielen Dank, liebe Frau Vester für das schöne Interview





'Ich höre viel Jazz und auch viel Klassik'

Sabine Vitua

Foto: MKnickriem



„Ein Tisch in der Provence“

Medical-Reihe im "Herzkino" ZDF, Sonntag, 11. April 2021, 20.15 Uhr und Sonntag, 18. April 2021, 20.15 Uhr

 

In ihrer gerade eröffneten Landarztpraxis kreuzen Véro (Friederike Linke)  und Hugo (Nico Rogner)  in zwei neuen Folgen der "Herzkino"-Reihe verbal die

Klingen. Und auch in Véros Familie gibt es Konflikte. So lüftet Mutter Thérèse (Sabine Vitua)  ein jahrzehntelang gehütetes Geheimnis.


Im Gespräch mit Sabine Vitua

Marion Graeber April 2021


Hallo liebe Frau Vitua. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Da höre ich einen schwäbischen Dialekt. Lächelt.

Ja, meine Herkunft kann ich nicht wirklich verbergen...

Das Schwäbische ist mir sehr vertraut. Ich habe von meinem 10. bis 19. Lebensjahr in Isny im Allgäu gelebt.

Das ist schön...

Ich finde das sehr angenehm, dass wir heute an einem Nachmittag telefonieren können. Für mich als Nachtmensch ist das perfekt....Wie sieht das bei Ihnen aus?

Ich muss sagen, das hat sich jetzt doch alles durch die Pandemie etwas verschoben. Gerade dadurch, dass man am Abend nicht mehr so schön in die Restaurants gehen kann. An sich mag ich die Nacht sehr gerne. Ich hab aber das Problem, dass ich den Morgen auch so gerne mag. Wenn ich etwas arbeiten muss, mach ich das lieber morgens. Beispielsweise Text lernen. Dann wird es aber doch schwierig mit dem früh aufstehen, wenn man spät ins Bett kommt. Aber generell bin ich schon ein Mensch, der gerne spät ins Bett geht und den Abend und die Nacht genießt.

Da bleibt nicht viel Zeit zum Schlafen...

Ja. Lacht. Ich bin nicht so ein Freund des Nachmittags. Den könnte ich dann gerne 'wegschlafen'.

Das wäre auch eine Möglichkeit...

Man weiß ja leider, dass sich nicht alle Menschen nach den eigenen Bedürfnissen richten. Lächelt. Bei einem Drehtag kann ich dann leider nicht sagen, dass ich gern mal ein paar Stunden verschwinden würde. Aber die Menschen im Süden, die haben für mich so einen guten Rhythmus. Eine unglaublich lange Siesta ... und dann werden sie wieder aktiv. Das finde ich toll. 

Das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen. Die Lebensart in der Provence beispielsweise. Das wäre doch die Lösung für uns.

Absolut.

Wie haben Sie die Dreharbeiten für die Herzkino Medical-Reihe „Ein Tisch in der Provence“ empfunden? Ich habe gelesen, dass Sie die Provence auch als einen Sehnsuchtsort beschreiben...

Ja, das stimmt. Das empfinde ich wirklich so. Die Provence hat eine der schönsten Landschaften. Da bin ich sicherlich vom Allgäu geprägt. Ich mag es landschaftlich sehr gerne hügelig. Ich mag es nicht, wenn die Berge zu hoch sind aber dieses hügelige finde ich wunderschön. ... Und im Hintergrund, weit weg, die hohen Berge und das Wasser. Herrlich. Da bin ich in Berlin und Brandenburg natürlich aufgeschmissen. Lacht.

Ja, in Isny und generell die ganze Bodenseeregion, ist eine Region mit hoher Lebensqualität...

Ja, ich denke beispielsweise an die Möglichkeiten des Skifahrens und an das Schwimmen im  Bodensee. Ich war auch lange in Zürich am Theater. Den Süden finde ich auch wirklich besonders  schön.

Mütterlicherseits ist meine Familie aus Ravensburg....

Ah, das ist interessant. Unser Landkreis.

Wie lange wurde in der Provence gedreht?

Wir haben ja jetzt aktuell Teil drei und vier gedreht. Durch Corona war ich fast durchgängig, sprich zwei Monate, in der Provence. Es gab nur zwei Unterbrechungen. Das eine Mal war, als mein Mann 60 Jahre alt wurde. Da sind wir nach Mecklenburg gefahren. Das weitere Mal, da hatte ich eine Lesung in Isny.

Das war bestimmt eine intensive Zeit in der Provence...

Ja, das stimmt. Aber wir haben  nicht ständig alle zusammen gesessen.

Jeder braucht auch mal Zeit für sich...

Ja, das hat sich immer wieder ganz gut gruppiert. An den Wochenenden waren wir dann des öfteren alle zusammen. Aber mit meiner Spieltochter, muss ich sagen, hatte ich eine sehr intensive und schöne Zeit. Wir haben auch zusammen gelernt. Das war toll.

Wie haben Sie den Lockdown in Frankreich zu dieser Zeit erlebt?

Das war natürlich sehr hart. Man durfte sich nur einen Kilometer vom Wohnort entfernen. Da waren wir wirklich froh, dass wir drehen konnten und auf diese Weise ein bisschen 'raus' kamen.

Gut, etwas 'zu tun zu haben'...

Ja, wir haben teilweise schon angefangen im Supermarkt rumzubummeln. Das war dann wie ein Ausflug. Man durfte ja nicht ans Meer oder sonst wo hin. Frankreich hat das sehr radikal gemacht aber sie hatten auch enorme Zahlen.

Haben Sie die Lebensart in der Provence trotzdem etwas genießen können?

Abends bei Austern und Wein draußen sitzen und Text lernen – ja, das war herrlich.

Extreme Lockdown Erfahrungen. Auch zuhause ...

Ja, das muss man schon sagen. Wir wurden auch munter so ein bisschen dicker. Wir waren ja viel zuhause und haben gekocht. Wenn man nicht mehr so viel erlebt, da ist man dann nur noch am essen... Mein Mann ist da viel disziplinierter. Ich hatte das Gefühl, ich esse für drei Personen. Lacht.

Sie kochen gerne?

Ja, ich koche gerne. Auch gern für viele Menschen. Und wenn man dann so zusammen sitzt – das finde ich toll. 

Haben Sie ein Lieblingsgericht?

Ich bin nicht so sehr der Fleischliebhaber. Ich esse gerne variantenreich. Fisch und Meeresfrüchte mag ich wahnsinnig gerne. Ich bin aber auch sehr 'Pasta'. Ich könnte jeden Tag Nudeln essen.

Nudeln machen glücklich...

Absolut. Wenn man dann noch gute Zutaten verwendet, wie beispielsweise gute Öle und Gewürze. Herrlich. Ja, ich mag die südliche und auch die arabische Küche.

Wie charakterisieren Sie Ihre Rolle 'Thérèse'?

Thérèse ist für mich eine Festung, ein ganz harter Brocken. Eine sehr unglückliche Frau. Eine stolze Frau. Wir haben ja in der Provence dieses Haus, wie eine Burg – sehr unwirklich. Die Provence ist ja auch nicht so wahnsinnig lieblich, eher rau. Auch durch den starken Wind, den Mistral. Da muss man schon Kraft haben, dagegen standzuhalten. Mir kam es schon fast südspanisch vor. Stark, einsam, hart – so ist Thérèse. Sie ist sehr konservativ, sehr festhaltend an ihrem Status. Es ist so wichtig für sie, dass sie aus einer Arztfamilie kommt, dass ihr Mann Arzt war. Da war sie lieber unglücklich, als all das aufzugeben. Also, eine sehr schwierige Frau. Ihre Tochter ist diesem Leben zum Glück einmal ausgebrochen. Die Liebe zu ihrer Tochter hat Thérèse tatsächlich auch wach gerüttelt. Das finde ich besonders interessant.

Man sieht schon, dass sie starke Emotionen hat. Man sieht Schmerz, Liebe und Trauer.

Ja, absolut.

Das haben Sie toll verkörpert...

Das ist schön. Danke.

Haben Sie eine Lieblingsszene oder einen Part, der Sie besonders berührt oder herausgefordert hat?

Es war besonders schwierig meiner Tochter zu sagen, dass sie einen anderen Vater hat. Das war schon hart. So viele Jahre zu lügen und dann diesen Schritt zu gehen. Thérèse ist auch aggressiv - sie kann nichts mehr unternehmen, um das alles zu unterdrücken und damit kommt sie überhaupt nicht zurecht.

Das ist auch eine Verzweiflung...

Total. Ich glaube, wenn sie nicht so christlich wäre, würde sie sich aus dem Staub machen. Ich glaube wirklich, dass das ganz furchtbar ist, so etwas zu offenbaren. Ich muss sagen, diesen Mutter-Tochter-Konflikt finde ich schon unglaublich interessant. 

Ich habe gelesen, Sie sind sehr modeaffin... Wie können Sie diesbezüglich auf Ihre Rolle Einfluss nehmen?

Man bespricht das, entschieden wird das aber vom  Regisseur und von der Redaktion. Die südländischen Frauen haben ja immer so eine Eleganz. Die schwarzen Röcke bis über das Knie.. das ist für mich der Süden. Das ist eine ganz bestimmte Generation von Frauen. Es war mir sehr wichtig, dass Thérèse jemand ist, der auf sich selbst achtet. Auch in der größten Verzweiflung.

Was tragen Sie gerne?

Ich hab wahnsinnig gerne Hosen an. Ich liebe Kleider auch  und finde Frauen in Kleidern wunderschön aber weil ich so praktisch und immer so schnell unterwegs bin hab ich viel Hosen an.

Sie können viele Sachen tragen und toll aussehen... Elegant.

Oh, mehr davon ... Lacht. Freue ich mich.

Ich habe gelesen, Sie lieben es zu reisen... Gibt es einen Ort, den Sie gerne noch einmal sehen oder einen, den Sie gerne noch besuchen wollen?

Da gibt es ganz viel. Ich würde wahnsinnig gern nach Neuseeland. Da war ich noch nie. Die Reiseführer stehen schon bereit. Und, was ich gerne wieder sehen würde ist Island. Da war ich schon zwei Mal. Ich fand es dort so aufregend schön. Ich liebe die Natur und die Städte. Ich würde auch wahnsinnig gerne wieder nach Rom. Und nach Paris –  das ist schon fast ein Zuhause.  Wenn wir schon über das Reisen sprechen... Istanbul würde ich auch gerne sehen, St. Petersburg... auch Litauen würde ich gerne bereisen. Zwei meiner engsten Freundinnen leben in Wien und Kopenhagen. Beides wahnsinnig schöne Städte. Helsinki, Finnland... auch wundervoll...

Ich finde auch Prag sehr besonders. Überall erklingt Musik. Insbesondere Jazz und Klassik...

Ich bin für einen Dreh sechs Wochen in Prag gewesen. Wunderschön.

Musik spielt auch in Filmen eine große Rolle. Musik hebt Szenen hervor, begleitet emotional... Was ist Ihr liebstes Musikgenre?

Ich hab gar nicht so im Kopf, wie das bei „Ein Tisch in der Provence“ ist... Mir ist das ehrlich gesagt bei Filmen oft zu viel Musik und somit manchmal auch zu manipulativ. Musikalisch bin ich persönlich gerade in der „The Mamas & The Papas“ Phase. So ein bisschen Hippie .. Ich höre aber auch Jazz und ganz viel Klassik. Ich würde mal sagen, außer Hip-Hop höre ich eigentlich alles.

Ja, wenn Sie das so sagen, fällt mir auf, dass Sie wahrscheinlich gar nicht wissen, welche Musik wo im Film zum Einsatz kommt...

Ja, ich weiß auch nicht, wie der Film geschnitten wird... Ich habe keine Ahnung und gehe ins volle Risiko. Lacht.

Das ist interessant. So hat ein Film also verschiedene Ebenen. Verschiedene Emotionen...

Ja, total. Es ist immer überraschend. Das fühlt sich oft nach drei Filmen an. Das Buch, das Schauspiel und dann der Schnitt mit der Musik.

Da denkt man als Zuschauer gar nicht unbedingt darüber nach...

Natürlich nicht. Das ist auch gut so. 

Man sieht das Endprodukt..

Ja, ich glaube das ist auch ein großes Glück, wenn dann alles stimmt und richtig zusammen gekommen ist.

Ein Gesamtkunstwerk...

Ja, absolut.

Zur Musik gehört ja auch der Tanz. Tanzen Sie? Tango Argentino?

Den Tango Argentino hab ich auf der Schauspielschule gelernt. Das finde ich wahnsinnig interessant. Aber ich tanze lieber so für mich alleine. So ein bisschen freier und wilder.

Gefühle rauslassen ...

Ja, ganz genau.

Darf ich Sie zum Schluss noch fragen, ob Sie eine Traumrolle haben und ob Ihnen immer schon klar war, dass Sie gerne Schauspielerin werden wollten?

Nein, es war nie mein Traum, Schauspielerin zu werden. Das kam so. Eigentlich hätte ich gerne wissenschaftlich gearbeitet. Literatur interessiert mich bis heute am meisten. Mich über eine andere Rolle ausdrücken zu können, das finde ich aber auch sehr reizvoll. Musiker zu sein, das wäre vielleicht  noch toller. Lacht. Ja, etwas neues zu erleben und zu verkörpern  – das ist schon ein unfassbarer Anreiz. Das ist glaube ich auch das, warum man von diesem Beruf dann nicht mehr lassen kann. Ich mag auch die Vorarbeit, also das Erarbeiten einer Rolle, sehr gerne. Wie läuft die Figur, wie schaut so jemand ... Ja, ich glaube, diese Vorarbeit mag ich am liebsten.


Vielen, lieben Dank, liebe Frau Vitua. Das war ein so schönes, fröhliches Gespräch. Das war mir eine große Freude. Alles Liebe.

 

 




'Beats und lyrische Sprache, das ist etwas, was mir sehr am Herzen liegt und mir sehr gefält.

Elektronische Rhythmen mit klassischer Literatur'

Philipp Hochmair

Foto: Nils Schwarz



„ Blind ermittelt – Tod im Fiaker“: Sophie (Patricia Aulitzky) besucht mit ihrem Bruder Alexander Haller (Philipp Hochmair) eine barrierefreie Ausstellung in der Privatbank Schachner, die von ihrer guten Freundin und Bankiersfrau Solveig (Florence Kasumba) kuratiert wird. Als deren Mann auftaucht, bricht er vor ihren Augen tot zusammen. Auch Sophie wird vergiftet, als sie Erste Hilfe leistet. Eindeutig ist Zyankali im Spiel. Niko (Andreas Guenther) hat beobachtet, dass sich der Bankier davor bei einem Kutscher Kokain besorgt hat, und wird in die Fiaker-Szene eingeschleust. Doch auch der Prokurist Dr. Hohmann (Gabriel Raab) und die junge Witwe Solveig scheinen etwas zu verbergen zu haben…

„ Blind ermittelt – Lebendig begraben“: Der Tag, an dem Ex-Kommissar Alexander Haller (Philipp Hochmair) durch einen Bombenanschlag seine Verlobte und das Augenlicht verlor, hat sein Leben für immer verändert. Als bei einem Mordopfer eine rätselhafte Notiz mit genau diesem Datum auftaucht, bittet ihn seine Nachfolgerin Laura Janda (Jaschka Lämmert) um Unterstützung. In den Polizeiakten stoßen sie auf eine Spur: An dem Tag des Anschlags gab es einen weiteren Todesfall. Ein Verdächtiger nahm sich in der Untersuchungshaft das Leben. Doch wie hängen die Fälle zusammen? Zusammen mit seiner rechten Hand Niko (Andreas Guenther) rollt der ehemalige Chefermittler den abgeschlossenen Fall wieder auf. Während Haller nach dem Mörder sucht, ist dieser ihm längst näher, als er denkt. Denn der Unbekannte hat auch mit dem Ermittler noch eine Rechnung offen.

An der Seite von Philipp Hochmair und Andreas Guenther spielen wieder Patricia Aulitzky, Jaschka Lämmert und Michael Edlinger. In Episodenrollen sind Florence Kasumba, Emily Cox, Gabriel Raab, Alexander Beyer u.a. zu sehen.


 Das Erste „Blind ermittelt - Tod im Fiaker“, Donnerstag, 8. April  und  Blind ermittelt - Lebendig begraben“, Donnerstag, 15. April

Folge 4 und 5 - jeweils um 20.15 Uhr


Im Gespräch mit Philipp Hochmair

Marion Graeber 01.04.21


Hallo lieber Herr Hochmair. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr.

Natürlich...

Wo sind Sie gerade...

Ich bin in Wien.

Haben Sie auch so schönes, sonniges Wetter?

Ja, endlich Frühling.

Nun ist es wieder soweit und Das Erste strahlt zwei neue Folgen von „Blind ermittelt“ aus. Wurden die Filme im vergangenen Jahr unter Corona Bedingungen gedreht?

Ja, das war der heiße Sommer 2020 in Wien. Glühende Stadt. Es war meine erste Corona-Film-Erfahrung. Wir wurden alle regelmässig getestet und hatten sehr strenge Auflagen am Set. Zum Glück sind alle gesund geblieben und wir konnten beide Folgen erfolgreich zu Ende bringen..

Sicher auch ein extremes Erlebnis, plötzlich die Crew, das Team um einen herum mit Masken vermummt zu sehen...

Ja, das stimmt. Bis auf die Schauspieler hatten alle permanent Masken auf. Keine Reaktionen der anderen sehen zu können, war wirklich seltsam. Auf jeden Fall ein Verlust. Es ist immer schön, die Reaktion des Teams zu spüren.

Die Mimik fehlt…

Ganz genau.

Die erste Folge von „Blind ermittelt“ wurde im Jahr 2018 ausgestrahlt. Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrem Charakter „Alexander Haller“ gereizt?

Das war eine ganz neue Herausforderung. So einen Ermittler gab es im Fernsehen bis jetzt noch nicht. Alexander Haller verliert bei einem Anschlag sein Augenlicht und muss von einem Tag auf den anderen damit zurecht kommen. Als Sehender weiß man vielleicht gar nicht, wie anders und gefährlich der Alltag für Blinde ist. Blinden Menschen auf diese Weise ein Forum zu geben, ist sicher ein wichtiger Aspekt dieser Reihe. Jeden von uns könnte dieses Schicksal jederzeit treffen.

Bei „Tod im Fiaker“ (Folge 4) wird der Zuschauer in eine Kunstausstellung mitgenommen. Dort sind Wege für Blinde installiert. Auch Säulen mit Erklärungen zur Kunst in Blindenschrift sind vorhanden. Eine tolle Sache...

Ja, eine schöne Vision, wie man Kunst für jeden zugänglich machen könnte. Ein Kunstexperiment.

Eine großflächige Umsetzung wäre wünschenswert...

Absolut. Dafür sind Filme auch da. Solche Dinge zu erfinden und auszuprobieren.

Wie herausfordernd ist es einen blinden Ermittler zu spielen? Ich habe gelesen, Sie haben sich it „Dialog im Dunkeln“ vorbereitet...

Genau. Das interaktive Museum „Dialog im Dunkeln“ von Blinden für Sehende in Hamburg und Wien hat mir auf der Suche nach dem Charakter und seiner Wahrnehmung sehr geholfen. Aber es war für uns alle eine Herausforderung, die Welt eines Blinden im Fernsehen für Sehende erfahrbar zu machen.

Gibt es eine Szene, welche Sie besonders berührt hat? ... Wobei diese Frage wahrscheinlich eine schwierige ist... sind Sie ja bereits bei Film 5 angelangt..

Was mir besonders gut gefallen hat ist tatsächlich die fünfte Folge „Lebendig begraben“, in der es darum geht, wie Alex Haller in seine Vergangenheit zurückgeworfen wird. Wo er nochmal in seinem Kopf überprüfen muss, was damals in den Tagen um seine Erblindung passiert ist. Er muss sich mit den Fehlern seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Das war sehr spannend. Für den Zuseher stellt sich eine Art Innensicht her, in Alexander Hallers Gedanken. Wir mussten hier auch eine andere Ebene finden, damit der Zuschauer die Möglichkeit bekommt, mitzugehen – hinein in Hallers Welt. Das ist vielleicht auch der Unterschied zu anderen Krimis. Wir erleben Alexander Hallers Wahrnehmung ein Stück weit mit.

Sie haben sich schon früh mit Literatur und Kunst beschäftigt. Was bedeutet es Ihnen, künstlerisch tätig zu sein?

Wie auch bei „Blind ermittelt“ geht es ja in der Kunst um eine andere Wahrnehmung. Eine Erweiterung der Perspektive. Zu zeigen, dass es noch eine andere Realität neben der Alltagsrealität gibt. Damit zu spielen, ist letztendlich mein Anliegen. Auch, dass wir uns dieser anderen Realität widmen dürfen. Fernab der täglichen Sorgen. Es gibt die Welt der Fantasie, die Welt der Kunst.  Darum freut es mich auch, dass Ihnen in Folge 4 aufgefallen ist, wie wichtig und besonders es ist, auch blinden Menschen eine Kunstausstellung zu ermöglichen. Man darf freier assoziieren und muss die Welt nicht immer nur so abbilden, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheint.

Gibt es eine Tageszeit, welche Sie besonders lieben? In welcher Sie Ihre Kreativität besonders gut leben können? Und vielleicht auch besondere Orte?

Wenn Sie mich nach einer Tageszeit fragen, ist die Nacht mein Freund. Wenn die Welt schläft und eine andere Konzentration und Ruhe einkehrt. Aber auch der Morgen, wenn sich das Leben regt und der Tag noch frisch vor einem liegt. Einen Ort kann ich jetzt nicht benennen. Ich versuche mich in Flexibilität zu üben und überall etwas Interessantes zu entdecken. Im Lockdown, wo man an einen Ort gebunden ist, ist das ja auch eine besondere Herausforderung. Wo sich der Bogen schließt und wir auch wieder bei „Blind ermittelt“ angelangen. Bei nicht sehenden Menschen ist es der Kosmos, der nach innen verlagert ist. Vielleicht ist man im Lockdown eben auch gezwungen, etwas mehr nach innen zu gehen. Man verzichtet auf das Reisen, auf eine Dynamik von außen. Man muss jetzt ins Innere reisen, herausfinden, wo man stattfindet, ganz ohne äußere Veränderungen. Sich neu entdecken, neue Wege gehen oder vielleicht auch gehen müssen...

Alexander Haller ist in „Blind ermittelt“ Jazzliebhaber. In „Jedermann“ und mit Ihrer Band „Die Elektrohand Gottes“ steht die Rockmusik im Vordergrund. Was ist Ihr liebstes Musikgenre?

Jedermann Reloaded“ ist eine Solo-Adaption von Hoffmannsthals Stück „Jedermann“ mit Rockmusik. Unser neuestes Projekt ist wieder ein Crossover aus Literatur und Musik und heißt „Schiller Rave“. Es ist die Begegnung von Schillers Balladen mit Techno und elektronischen Beats. Also wenn Sie mich nach meiner Lieblingsmusik fragen – mich interessiert das Experiment klassische Literatur mit ungewöhnlichen Sounds zu konfrontieren und somit auch ein junges Publikum dafür zu begeistern.

Zur Musik gehört auch immer die Bewegung. Tanzen Sie gerne?

Natürlich… (lächelt) Gerade als Schauspieler mit Rockband ist dieses Crossover aus Theater und Rockkonzert oder Techno-Performance so konzipiert, dass es sich auf den Zuschauer übertragen soll. Es gab auch schon Vorstellungen, in denen Zuschauer von ihren Stühlen aufgesprungen sind und mitgetanzt haben. (lächelt) Das war ein Erlebnis, als wir beispielsweise in einem Schwimmbad Open Air spielten und die Menschen plötzlich anfingen zur Glocke von Schiller zu „dancen“ und zu „raven“.

In „Blind ermittelt  - Tod im Fiaker“ fällt auf, dass alles bis ins Kleinste durchdacht ist. Überall im Film begegnet man Pferden...

Ja. (lächelt). In dieser Folge wird das Thema des Fiakers immer wieder zitiert. Das ist auch am Beispiel der beiden Musiker mit den Pferdeköpfen sichtbar. Sie sind stadtbekannte Wiener Straßenmusiker, die wir in den Film eingebaut haben.

Auch ist mir die Verschlusskappe einer Whiskey Flasche aufgefallen – ein Pferdekopf...

Diese Flasche stand zufällig in der Bar, in der wir gedreht haben. Die haben wir dann gleich verwendet.

Ich habe gelesen, Sie kochen gerne. Haben Sie ein Lieblingsgericht?

Ich koche am liebsten mit Dingen, die ich zufällig am Markt entdecke und noch nicht kenne. Ich lass mich dann treiben und schaue was passiert. Ich probiere gern aus. Das alles ist auch eine Form der Abenteuerlust. Man kennt ja das Sprichwort: „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht“. Aber ich finde, dass man mit neuen Gerichten und Kochexperimenten seine Wahrnehmung lebendig halten kann.

In „Blind ermittelt“ geht es auch um tiefe Beziehungen. Wie wichtig sind Ihnen tiefe Begegnungen mit Menschen?

Das ist essentiell und macht unser Leben aus. Die tiefe Begegnung mit Menschen, so glaube ich, ist es, warum wir auf dieser Welt sind. Das ist auch für Alexander Haller besonders und entscheidend. Sein wichtigster Partner, seine Ehefrau stirbt bei dem Anschlag bei dem er auch sein Augenlicht verliert. Dieser Verlust des geliebten Menschen und die Erblindung ist sein großes Trauma. In der ersten Folge will er sich daraufhin auch das Leben nehmen. Ein Berliner Taxifahrer rettet ihn davor und wird zu seinem Freund. Er wird so mit einem Menschen zusammengeführt, den er früher vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte.

Sich auf Menschen einlassen... Ein Gewinn für alle...

Ganz genau...

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Mexiko City. Da wäre ich jetzt gerne. Da könnte man auch sicher viele exotische Kochexperimente wagen.




Vielen lieben Dank, Herr Hochmair. Das war ein schönes Gespräch und ich hab mich sehr gefreut, dass Sie Zeit für mich hatten.





'Ich durfte ein paar Mal in Filmen singen - das hat mir sehr viel Spaß gemacht'

Merab Ninidze

Foto: ZDF Stefan Erhard




Sechsteilige Primetime-Serie - Doktor Ballouz - immer donnerstags in Doppelfolge 08. April/15. April/22. April Dr. Amin Ballouz, Chirurg und Chefarzt einer kleinen Klinik in der Uckermark, ist kein gewöhnlicher Doktor. Knittriger Trenchcoat, kleiner Trabi und vor allem ein großes Herz im Umgang mit den Patienten sind seine Markenzeichen. Gemeinsam mit seinem Team ist er die letzte Bastion der medizinischen Versorgung in dem idyllischen, aber strukturschwachen Landstrich an der polnischen Grenze. Als junger Mann ist er aus seiner Heimat geflohen und genau dort, in der Uckermark, hängen geblieben. Aus Liebe zu seiner Frau Mara, aber ebenso zu dem Land und seinen Menschen, die ihn aufgenommen haben. Für ihn sind seine Patientinnen und Patienten und seine Kolleginnen und Kollegen seine Familie. Erst recht, seit Mara nicht mehr bei ihm ist. Ballouz ist Witwer. Seither arbeitet er noch mehr und verlässt die Klinik meist spät nachts. Zu Ballouz' Team gehören die Neurologin Dr. Barbara Forster, mit der ihn eine tiefe Freundschaft verbindet, Dr. Mark Schilling, ein zielstrebiger Oberarzt, sowie die Assistenzärztin Dr. Michelle Schwan, die in Ballouz ebenso einen Mentor findet, wie der rebellische Außenseiter Vincent, der im Krankenhaus als Reinigungskraft Sozialstunden leistet. Die Patientenfälle, mit denen es Dr. Ballouz zu tun bekommt, sind dramatisch und hochemotional. Und gleichzeitig spiegeln sich in ihnen aktuelle gesellschaftliche Themen wider.


Im Gespräch mit Merab Ninidze

Marion Graeber im März 2021


Hallo lieber Herr Ninidze. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich wirklich sehr. Sie rufen aus Wien an?

Natürlich, sehr gerne. Ja, ich bin gerade in Wien.

Im April sind sechs Folgen von Doktor Ballouz im ZDF zu sehen. Wurde im vergangenen Jahr gedreht?

Wir haben im Februar 2020 angefangen zu drehen und mussten am 18. März wegen Covid abbrechen. Ende Mai haben wir die Dreharbeiten dann wieder aufgenommen. Begleitet wurden die Drehs von zwei bis drei Tests die Woche. Auch die Hygienemaßnahmen wurden umgesetzt und die Einhaltung der Abstände zu den anderen Schauspielern. Aber wir haben das gut geschafft obwohl es nicht einfach ist unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Wir fühlen uns fast wie Helden. Lacht.

Was mögen Sie ganz besonders an Doktor Ballouz und was hat Sie an der Verkörperung dieser Figur gereizt?

Doktor Ballouz ist ein guter Mensch. Das hat er in sich. In sich trägt er aber auch diesen Schmerz über den Verlust seiner Frau, die ganz plötzlich und unerwartet gestorben ist. Doktor Ballouz nimmt sich Zeit für seine Patienten. Öffnet sein Herz. Doch nicht nur die Patienten profitieren davon. Auch er selbst. Denn mit dem Verlust seiner Frau ist so eine gewisse Leere in ihm entstanden. Nicht nur seine Mitmenschen brauchen ihn, auch er braucht sie damit er seine Sorgen und Schmerzen auf die Seite legen kann. Wenigstens für eine kurze Zeit.

Es sind sehr berührende Szenen und Momente entstanden...

Ja, danke. Die Szenen waren auch am Set für uns teilweise sehr berührend. Diese zu spielen war oft sehr emotional.

Man merkt Ihnen das an. Man möchte fast sagen, viele Szenen sind Ihnen wie auf den Leib geschneidert.. Sie strahlen eine Güte aus. Wie viel Merab Ninidze ist denn in Doktor Ballouz?

Ich glaube tatsächlich, dass ein Teil von mir in Doktor Ballouz ist. Die Rolle hat etwas in mir als Schauspieler angeregt, was in anderen Rollen nicht von mir verlangt wurde. Diese Menschlichkeit, die Wärme, die positive Haltung, aber auch diese Traurigkeit. Ballouz trifft auf die großen Fragen, worauf es keine Antworten gibt. Und trotzdem versucht er sich am Leben zu halten und nicht hinten runter zu fallen. Denn auch das hätte ihm leicht passieren können. Ich glaube die Figur hat einfach grundsätzlich auch eine Ähnlichkeit mit mir, mit meiner Geschichte. Ich bin erst mit meinem 30. Lebensjahr in den deutschsprachigen Raum gekommen. Ich hab kein Wort deutsch gesprochen und ich musste irgendwie überleben in dieser neuen Welt. Ich schätze, Ballouz ging es am Anfang seines Lebens auch so. Kriege, Bürgerkriege – man bekommt über diese Erlebnisse eine andere Sensibilität für Menschen. Menschen mit so einem Hintergrund, diesem Schicksal, sind für immer geprägt.  Vielleicht sind das eben auch die Eigenschaften, die mich mit Doktor Ballouz verbinden. Die ich Doktor Ballouz auch leihen durfte. Ich hatte manchmal auch das Gefühl dafür, wie es Ballouz geht, da ich diese, meine Erfahrungen gemacht habe. Das passiert sehr selten in unserem Beruf. Wenn du ein Leben lang spielst, wird das auch etwas zur Routine. Wenn einen dann eine Rolle so mitreißt - es war eine Freude, diese Rolle zu verkörpern. Das hat mich persönlich sehr gerührt.

Man sieht bei Ihnen immer auch ein bisschen Melancholie… Ich habe recherchiert, dass Sie auch einen Bezug zur Musik und zum Gesang haben…

Ich bin oft in meiner Heimat Georgien und kenne dort viele Künstler. Ich hatte tatsächlich nie große Ambitionen, Sänger zu sein aber ich wurde zu verschiedenen Projekten von Musikern und Komponisten eingeladen. Lacht. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe aber nicht daran gedacht, dass ich das professionell mache. Bei uns in Georgien singt jeder Mensch. Das ist ganz normal und von Geburt an in uns angelegt. Singen gehört zur Kultur und ist ein Teil von gelebter Gemeinschaft. Deswegen war das für mich auch nichts besonderes. Lächelt. Ich durfte auch ein paar Mal in Filmen singen. Auch das hat mir viel Spaß gemacht.

Gerade der Bossa Nova steht Ihnen so gut. Das müssen Sie unbedingt weiter verfolgen…

Dankeschön, vielen Dank.

Welches Musikgenre mögen Sie besonders gern?

Meine Großmutter war Musiklehrerin. Obwohl ich nicht gerne Klavierunterricht gehabt habe, bin ich doch zehn Jahre in die Musikschule gegangen. Ich hab das aus großem Respekt und großer Liebe zu meiner Großmutter gemacht, obwohl ich das manchmal gehasst habe. Lacht. Gehasst ist übertrieben…. Aber als ich jung war, dachte ich, das passt irgendwie nicht. Heute bin ich sehr dankbar dafür, dass sie mich gezwungen hat. Lächelt. Ich hab auch über den Musikunterricht viel besser Sprachen gelernt und auch das Thema, wie erarbeite ich mir eine Rolle und lerne einen Text, ist mir über den musikalischen Unterricht leichter gefallen. Auch wie man Figuren in Nuancen unterschiedlich darstellen kann, ist mir über die Musik verdeutlicht worden. Ich habe also über den Musikunterricht viel gelernt, was mir heute als Fundament und Basis für die Schauspielerei dient.

Haben Sie schon mal den Tango Argentino getanzt?

Ich musste Tangounterricht für „Der Kameramörder“ nehmen. Das war vor ein paar Jahren. Aber als ich in Budapest zum Tangounterricht kam, war das irgendwie enttäuschend. Obwohl ich gern Tango tanzen möchte. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, aber ich war irgendwie unfrei.

Sich fallen lassen dauert manchmal….

Das stimmt. Lacht.

Der Film Doktor Ballouz spielt in der Uckermark. Wie haben Sie die Natur dort empfunden?

Die Uckermark. Lächelt. Ich wusste damals gar nicht, wo das ist. Ich bin zuvor nie dort gewesen. Als man mir sagte, dass es in die Uckermark geht, musste ich auf der Landkarte schauen, wo das ist. Ich finde die Landschaft unglaublich. Das ist ein bisschen so wie in der Toskana. Irgendwie auch ganz eigen. Als ich die Landschaft gesehen habe, war diese für mich vergleichbar mit der Seele von Doktor Ballouz. Irgendwie reich an Natur und doch auch leer. Das war für mich so ein bisschen die metaphysische Übersetzung. Das konnte ich umsetzen – diesen Zustand, hinein in die Figur. Das klingt vielleicht komisch, aber so etwas kann genau so passieren.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Ich habe Sehnsucht danach, was vielleicht in meiner Jugend aufgehört hat. Der Bürgerkrieg in Georgien hat alles kaputt gemacht. Das hat die Menschen sehr geprägt. Es hat Jahre gedauert, aus diesem Trauma wieder herauszukommen. Das loslassen zu können. Ich habe die Sehnsucht nach einer gut aufgehobenen Kindheit an einem paradiesischen Ort. Aber das ist alles vorbei. Das ist weg. Und, man kann das nicht wieder haben. Aber diese Sehnsucht kann man sich manchmal wieder ein bisschen am Filmset erfüllen. In und mit einem kreativen Leben. Beim Filmset vergesse ich, dass ich diese Sehnsüchte habe, weil ich mich in Sehnsüchte von anderen Figuren hineinbegebe und mich mit ihnen beschäftige. Das ist sehr heilend.


Vielen Dank, lieber Herr Ninidze, dass Sie mir diese wundervollen Einblicke gewährt haben. Lieben Dank.  





'Ich habe in Graz neben meiner Schauspielausbildung einen besonders tiefen Tango getanzt.
Dramatisch und sehr körperlich. Das hat mich sehr an das Schauspiel erinnert. Dieses nicht alles bekommen was man möchte,
dieses verhandeln, dieses knistern.'

Matthias Lier

Foto: SRF/Sava Hlavacek


Frühling 1945 endlich Frieden in Europa. Drei junge Menschen stellen sich in der Schweiz der Nachkriegszeit grossen Herausforderungen. Die Sehnsucht nach einem Neuanfang ist riesig, aber die Vergangenheit lässt sich nicht einfach abschütteln. Eine Geschichte über den guten Willen und den Verlust der Unschuld. Frühling 1945 in der Schweiz herrscht Aufbruchstimmung auch für drei junge Menschen. Klara, 23, die idealistische Tochter der Fabrikantenfamilie Tobler, arbeitet in einem Flüchtlingsheim. Dort trifft sie auf Kinder und Jugendliche, die das KZ überlebt haben. Diese Begegnung erschüttert ihren Glauben ans Gute im Menschen und löst einen heftigen Konflikt mit ihrer Familie und ihrem Ehemann aus. Klaras Gerechtigkeitssinn verbindet sie mit ihrem Schwager Egon Leutenegger, 32. Der ehrgeizige Bundesbeamte stellt sich in den Dienst seines Landes. Sein klares Ziel: In die Schweiz geflüchtete Nazis sollen ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Dabei wird Egon von Politik und Wirtschaft Steine in den Weg gelegt. Im Spannungsfeld von Idealismus und ökonomischen Realitäten steht Klaras Mann Johann Leutenegger, 28. Sein Schwiegervater hat ihn mit der Leitung des Familienunternehmens betraut. Jetzt steht dieses vor dem finanziellen Abgrund. Mit einem ambitionierten Plan will der Jungpatron Firma und Belegschaft retten. Doch dafür müsste er sich auf dubiose Geldgeber einlassen. Wie wird er sich entscheiden? «Frieden» betrachtet mittels einer Familiengeschichte ein wichtiges Stück Schweizer Historie, das in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Es ist auch das Portrait einer Generation, die nach dem Krieg massgeblich daran beteiligt war, die Grundlagen für die Schweiz von heute zu schaffen. Und es ist eine Geschichte über den guten Willen dieser Generation und wie sie dabei ihre Unschuld verloren hat. Die Arbeit an dieser Thematik beschäftigte Drehbuchautorin Petra Volpe («Die göttliche Ordnung», «Heidi») mehrere Jahre. Die sechsteilige Dramaserie ist eine Produktion von Zodiac Pictures in Koproduktion mit SRF und Arte. Zudem unterstützten das nationale Grossprojekt die SRGSSR sowie die Zürcher Filmstiftung, der Teleproduktions-Fond und das Bundesamt für Kultur. An der Seite von Max Hubacher («Der Läufer», «Der Verdingbub»), Annina Walt («Der Bestatter», «Amateur Teens») und Dimitri Stapfer («Sohn meines Vaters») spielen Stefan Kurt («Papa Moll», «Akte Grüninger»), Sylvie Rohrer («Der Läufer»), Therese Affolter («Die kleine Hexe», «Die göttliche Ordnung») und viele andere. Die Figur Rudolf Schneider spielt Matthias Lier. Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 13. Mai und 28. August 2019 statt. Unter anderem wurde in Glarus, Zürich, Fribourg, Luzern und Bern gedreht. Regie führte Michael Schaerer («Lina», «Die kleine Hexe»).


ARTE - Reihe "Frieden" Donnerstag, 25. März, 21.10 Uhr und Donnerstag,  1. April, 21.15 Uhr




Im Gespräch mit Matthias Lier

Marion Graeber im März 2021



Hallo lieber Herr Lier, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Ich danke Ihnen, dass Sie Interesse haben. Ich freue mich auch sehr.


Wie geht es Ihnen, sind Sie in Berlin?

Ich bin in Berlin. Mir geht es gut. Ich habe die Corona-Zeit persönlich und künstlerisch gut für mich genutzt. 


Können Sie Beispiele nennen?

Persönlich hab ich die Zeit genutzt um mit meiner Partnerin einen Schritt weiter zu gehen. Künstlerisch gesehen hab ich sozusagen zu einem guten Kern in mir selbst gefunden. Ich bin zur Ruhe gekommen und konnte an meine eigene, innere Stärke andocken. Außerdem habe ich mein zweites Drehbuch geschrieben und auf den Weg gebracht.


Dann konnten Sie die Zeit ausfüllen….  

Ja, aber es ist schon auch so, dass es immer wieder auch das Hoch und das Tief gibt. Aber, das mag ich als Schauspieler auch. Dieser Wechsel und das Wissen darum, wenn ich im Tief bin, dann dauert das seine Zeit. Und dann, dann folgt auch wieder das Hoch. Ich genieße diese Phasen und versuche, mich dabei selbst zu sehen - wie ich reagiere und agiere. Das macht das Dasein lebendig. Das macht mir Spaß. Erfahrungen, die ich da sammele, kann ich dann später auch in meine Figuren einfließen lassen. 


Ich habe gesehen, Sie kennen Stuttgart?

Aber wie. Lacht. Wie meine Westentasche. In Stuttgart hat alles angefangen. In meinem ersten Leben war ich Ingenieur. Nachdem ich mein erstes Ingenieursstudium erfolgreich abgeschlossen habe, hab ich in Stuttgart-Vaihingen noch Kybernetik studiert. 

Wie lange waren Sie in Stuttgart?

Das war gar nicht so lange. Es waren drei Jahre. Aber diese drei Jahre waren sehr intensiv und haben sich dadurch wie sechs Jahre angefühlt. Ich hatte in Stuttgart wirklich eine der schönsten Zeiten meines Lebens.


Inwiefern?

Ich habe ganz tolle Leute kennengelernt. Dann war Stuttgart für mich einfach auch eine super interessante Stadt, in der viel passiert. Ständig waren irgendwelche Demonstrationen. Lacht. Dann die vielen Kulturangebote. Die Röhre, der Palast der Republik, das Nordbahnhofgelände, wo Architektenfreunde die Eisenbahnwagons hatten... Das war einfach alles 'wow'. 


Das hört sich nach einer intensiven Zeit an…

Ja, absolut. Dann nachts über den Zaun in die Weinberge und mit einer Flasche Rotwein und Blick auf Stuttgart über Gott und die Welt diskutieren. Ich hab die Zeit genossen. 


Haben Sie noch eine Anekdote?

Ja. Lacht. Wir waren kurz davor den Mercedes-Stern auf dem Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs in ein Peace-Zeichen umzuwandeln und wir waren  schon in der Vorbereitung. Damals war der Bereich um den Stern nicht gesichert. Doch kurz bevor wir loslegen wollten, wurde der Bereich doch abgesperrt und unser Traum war geplatzt. Lächelt.


Sind Sie heute auch noch gern in Stuttgart?

Ich bin immer noch gern in Stuttgart und spüre dann doch wieder den kreativen Spirit aus meiner Zeit dort, auch wenn sich vieles verändert hat. Am Forum Theater hat damals für mich alles angefangen. Nach zwei Wochen Laientheater dachte ich mir "Jetzt wirst du Schauspieler".  Dann ging ich auf die Schauspielschule in Graz und danach war ich am Theater in München.


Dann hat das alles in Stuttgart begonnen?

Ja. Ich war begeisterter Theatergänger, und Stuttgart hat ja einige Theater zu bieten. Aber ich bin nie auf die Idee gekommen Schauspieler zu werden. Das ist einfach so passiert, einfach weil das Angebot da war, drauf gekommen wäre ich nicht. 


Ein gutes Beispiel dafür, dass man sein Leben immer in andere Richtungen lenken kann… 

Absolut. Das war für mich meine Wendezeit 2.0 da ich aus dem Osten komme und dort ja  die, beziehungsweise meine, erste Wende miterlebt habe. Das Gefühl der Wende, das steht für mich für ein Gefühl des Aufbruchs, verbunden mit einer positiven Perspektive auf dem Weg ins Unbekannte. So habe ich die Wende einfach nochmal gemacht. Lächelt. Das reine Denken als Perspektive für mein Leben, das hat nicht gestimmt. Und so kam das Schauspiel. Weg vom Denken, hin zum Fühlen.


Sie schreiben auch Drehbücher … 

Das stimmt. Das hat schon am Residenztheater in München angefangen. Dort war ich vier Jahre Ensemblemitglied. Mit der Regisseurin Marie Bues, die ich übrigens in Stuttgart kennengelernt habe, hab ich angefangen, ein Theaterstück  zu schreiben. Es ist das Stück „Gib mir einen Kuss – Porträt einer Bestie“ entstanden. …  Marie wurde später künstlerische Leiterin an der Theater Rampe in Stuttgart. Wir sind bis heute eng in Kontakt.  Danach hab ich bei verschiedenen Projekten an Dialogen mitgeschrieben. Im Jahre 2017 habe ich dann gemeinsam mit einem befreundeten Regisseur ein Drehbuch über die Situation auf Lesbos geschrieben. Und nun also ein weiteres Drehbuch. Es handelt von meiner Heimat Thüringen und ich würde mich sehr freuen, wenn das alles klappt. Ein Drehbuch zu schreiben ist für mich eine wunderbare Mischung aus Denken und Fühlen. Da kommt beides zusammen. Es ist auch gar kein neuer Weg, den ich damit gehe. Es ist für mich eine Ergänzung – ich entdecke dabei die Figuren nochmal ganz anders und das macht mich auch zu einem besseren Schauspieler. 


Der Blick wandelt sich … 

Ja, genau, der Blick wandelt sich und ich kann der Figur noch gezielter und noch mehr von mir persönlich mitgeben. 


Das hört sich nach einer sehr intensiven Arbeit an… 

Es ist wahrscheinlich so, wie beim Tanz. In einer Choreographie gibt es einen Anfang, die Mitte und das Ende. Wenn man geübt ist, kennt man die Stationen und den jeweiligen Rhythmus. Der Film ist dann wie ein Tango – zuerst kommt der große Auftakt „hier bin ich“, dann kommen die Phasen der Sensibilität, dann der Wendepunkt und daraufhin der Abschluss. Diese Phasen zu verinnerlichen, das hilft dem Tänzer selbst, weil er an die Energien anknüpfen kann. Mir als Schauspieler hilft es, das ganze Drehbuch zu sehen. 


Das ist ein schöner Vergleich… Sie haben in „Der Alte – der letzte Tanz“ auch getanzt. Was bedeutet es Ihnen zu tanzen?

Ich habe in Graz, neben meinem Schauspielunterricht, Tango getanzt, bei Luigi. Das war besonders tief getanzter Tango, dramatisch und sehr körperlich. Das hat mich interessiert. Diese Spannung im ganzen Körper. Das war pure Erotik. 


Da kann wahrlich Magie entstehen… 

Absolut. Das hat mich aber auch sehr an das Schauspiel erinnert. Meine Ausbildung hab ich für die Bühne gemacht und ich habe auch die Theaterarbeit anvisiert. Auf der Bühne ist auch diese Spannung wichtig … dieses nicht alles bekommen, was man möchte … dieses verhandeln … dieses knistern…


Ein Spiel … 

Ja, genau. 


Welches Musikgenre lieben Sie?

Bei unseren Tangostunden, bei Luigi, haben wir nie traditionelle Tangomusik gehört. Wir haben zu allem getanzt. Früher in den 1990er Jahren hab ich selbst elektronische Musik gemacht. Mein Jugendzimmer sah aus wie ein Musikstudio. Alles war voll mit Synthesizern. Natürlich hab ich auch den Stuttgarter Sprechgesang gehört. Lacht.  Was mich nach wie vor sehr berührt ist, wenn Musik eine Sensibilität hat, eine Traurigkeit, eine Melancholie – und trotzdem jederzeit bereit ist, diese wieder zu brechen. Dieser spielerische und freche Umgang mit der Melancholie. Dieser Widerspruch. Das interessiert mich. …  Und natürlich David Bowie. Er ist so vielfältig und hat sich in seiner Karriere schon so oft neu erfunden.


Am Donnerstag, 25. März und am Donnerstag, 1. April wird die ARTE-Reihe „Frieden“ ausgestrahlt. Wann und wo waren die Dreharbeiten?

Wir haben im Sommer 2019 in der Region Zürich/Schweiz gedreht. 


Sie spielen den deutschen Rudolf Schneider. Was hat Sie an Ihrer Rolle und am Stoff ganz generell gereizt?

Die Figur, die ich spiele, ist Rudolf Schneider. Er verlässt mit einem Patent in der Hosentasche das Nazideutschland und flüchtet in die Schweiz.

Gereizt hat mich zum einen die Zeit, in welcher der Film spielt. Es ist das Jahr 1945 das aus der Schweizer Perspektive beleuchtet wird. Der Film ist also mal nicht ein Film, der in der Kriegszeit spielt, sondern der Krieg ist gerade zu Ende gegangen. 

Und die Figur selbst hat mich gereizt. Rudolf Schneider besitzt das deutsche Pendant der Nylonfaser. Mit diesem Patent in der Tasche ist er nun also in der Schweiz. Ich habe recherchiert, um mich der Figur zu nähern und habe starke Parallelen zum Nazi-Chemiker Johann Giesen gefunden, unter dessen Leitung, mithilfe von Auschwitz-Häftlingen, ein Werk der IG Farben errichtet wurde. Mit einem Patent in der Tasche ist er in die Schweiz geflüchtet und hat dort einem mittlerweile börsennotierten Unternehmen die Geschäftsgrundlage geliefert. (Der Zusammenhang wurde mir zwar am Set so nie bestätigt, aber zwei Tage vor dem Schweizer Start der Reihe strahlte das Fernsehen eine Dokumentation genau darüber aus.)

Was mich an der Figur interessiert hat ist, wie ein Mensch, der mit so einer Überautorität im Nazisystem agierte und geduldet hat, dass so viele Menschen zu Tode gekommen sind, wie dieser Mensch auf einmal von der Allmacht in die Ohnmacht gerät. Plötzlich ist er auf Schutz im Ausland angewiesen. Das fand ich spannend, wie ein Nazi in so einer Situation ist. Wie er kurz seine Kraft verliert um sie dann in seiner neuen Heimat Stück für Stück zurückzugewinnen. Auch, dass ich als studierter Ingenieur einen Ingenieur spielen konnte war natürlich reizvoll. 


Wie lange wurde gedreht?

Ich war nur in meinem Part dabei. Ich glaube das ging über den ganzen Sommer. Das ist dann wirklich ein Abtauchen in eine andere Welt. 


Gibt es eine Szene, die Sie besonders berührt hat?

Es haben mich sehr viele Szenen berührt. Am meisten vielleicht die Szene, wo ich sage: „Sie haben Glück gehabt, in der Schweiz geboren zu sein, Herr Leutenegger. Denn bei uns zu Hause, da hat man entweder „mitgemacht“, oder man hat sein Leben, und das Leben seiner Familie aufs Spiel gesetzt.“  Das überzeugend in der Figur zu sagen obwohl es eigentlich geheuchelt ist, das war ein spannender innerer Prozess. Ich glaube, wir Menschen sind wie ein Bus voller Persönlichkeiten. Und Rudolf Schneider hat trotz allem auch so eine sensible Seite in sich. Er ist auch ein Mensch, der leben möchte. Da ist auch der Mensch drin, der leidet. Aber er ist eben auch der, der das Sagen hat, der Erfolg hat, der mächtig ist und es genießt, wenn andere Menschen vor ihm auf dem Boden kriechen. In dieser Szene hatte die Figur was Ehrliches und was Verlogenes. Der innere Kampf zwischen den beiden Prinzipien, der hat mich berührt. 


Ich bin schon sehr gespannt … Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Mein Sehnsuchtsort ist ein Platz in einem Kino in Thüringen. Neben mir, meine mir liebsten Menschen. Auf der Leinwand die Premiere des Films für den ich das Drehbuch geschrieben habe. 


Ich drücke fest die Daumen. Vielen lieben Dank, für dieses wundervolle Gespräch, lieber Herr Lier. Ich hab mich sehr gefreut.







'Stuttgart war für mich immer schon 'cool'. Gerade auch in Bezug auf die Musik, die aus Stuttgart kommt'

Trystan Pütter

Foto: Pascal Buenning




Im Gespräch mit Trystan Pütter

Marion Graeber


Hallo lieber Herr Pütter, vielen Dank dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.
Gerne.

Sind Sie in Berlin?
Ja, ich bin zuhause in Berlin. Und Sie sind in Stuttgart?

Ja, genau. Kennen Sie Stuttgart?
Ich bin, war großer Fan, beziehungsweise bin jetzt teilweise befreundet mit Stuttgarter Musikern aus der 0711er Clique – Die massiven Töne, Freundeskreis. Stuttgart war für mich schon damals ein cooler Fleck auf der Landkarte.

Dann waren Sie schon öfter in Stuttgart?
Zu selten. Ich habe mal in Stuttgart am Theater vorgesprochen. In Ludwigsburg habe ich Filme gedreht. Von dort aus sind wir dann nach Stuttgart zum Ausgehen gefahren. Damals noch in die einschlägigen Etablissements.

Höchste Zeit wieder zu kommen...

Ja, das würde ich auch sagen...

Diesen Monat startet im ZDF die Fortsetzung von Ku'damm. Diesmal 63. Wie haben Sie den Dreh unter Pandemiebedingungen erlebt?
Unser Dreh wurde im vergangenen Jahr wegen des Lockdowns unterbrochen. Wir waren eine der letzten Produktionen vor den Schließungen. Das war natürlich schon eine sehr unsichere Zeit. Das kennen wir ja alle. Wir wussten nicht, wie gefährlich ist dieser Virus wirklich, wie geht’s weiter, wann hat das alles ein Ende? Wir haben ein halbes Jahr Pause gemacht. Das war merkwürdig und fühlte sich komisch an. Aber, wir sind ja bei Ku'damm eine große Familie. Wir kennen uns. Wenn das Team das selbe ist, greift schnell alles wieder ineinander.

Beim Tanzen kommt man sich besonders nahe...
Das stimmt. Gerade in dieser Zeit war das wie ein Flash. Ich würde am liebsten die ganze Zeit Tanzfilme drehen, damit ich Menschen wieder nahe kommen kann. (Lacht) ... Wir waren natürlich alle getestet. Das war dann also kein Problem. Die einzelnen Szenen wurden auch ein bisschen umgeschrieben. Wir hatten beispielsweise weniger Statisten am Set. Die UFA hat da ein gutes Konzept entwickelt und wir haben uns sicher gefühlt. Ich bin auch ehrlich gesagt kein ängstlicher Typ.

Was reizt Sie an Freddy? Was mögen Sie an ihm?

Freddy ist ein Freigeist und ein Rebell. Einer, der nicht in die Gesellschaft passt. Ich finde es per se sehr sympathisch, wenn Menschen sich gegen Konventionen und Richtlinien stellen und Dinge hinterfragen. Ihre eigene Wahrheit finden. Das hat mich anfangs total gereizt. Dazu kommt einfach, dass es eine sehr gut geschriebene Figur ist, die sehr viel Freude bereitet. Er hat Humor, er hat Tiefe, eine Traurigkeit und gleichzeitig eine Radikalität. Das finde ich reizvoll.

Sie tanzen viel Rock 'n' Roll. War dieser schwer zu erlernen? Haben Sie alles selbst getanzt?
Ja, alles selbst getanzt. Leider wurde das von Staffel zu Staffel immer weniger. Jetzt konzentriert sich Freddy mehr auf die Musik.
In der ersten Staffel haben wir monatelang sehr hart trainiert. Sonja Gerhardt und ich – wir haben uns das richtig drauf geschafft und dann direkt losgelegt. Das war eine Herausforderung aber irgendwann sind die Schritte drin und dann geht’s los.

Das bringt einem was für's Leben. Das ist doch pure Freude....
Tanzen ist Therapie. Totale Freude. Ein Weg das rauszulassen, was raus muss.

Tanzen Sie auch Tango?
Habe ich mal versucht. War aber leider nicht so meins. Ich finde es aber wahnsinnig toll zuzuschauen. Ich bin mehr so der Disco Freestyle Tänzer. Lacht.

Welches Musikgenre mögen Sie noch so?
Ich höre tatsächlich gerne Musik aus der Ku'damm Zeit. Ich höre gern die Beatles, den Motown Sound der 1960er. Aber eigentlich bin ich mit dem Rap sozialisiert und ich höre bis heute sehr gerne Hip-Hop Musik.

Somit haben wir den Bogen wieder nach Stuttgart geschlagen...

Genau. (Lacht).

Freddy hat in Ku'damm 63 eine Bar. Die Nacht spielt, mit der Musik, eine große Rolle. Sind Sie persönlich auch eher Nachtmensch? Und, könnten Sie sich vorstellen selbst eine Bar zu betreiben? (Mal abgesehen von den ganzen Corona Schwierigkeiten für die Branche)

Ich bin immer sehr gerne in Bars gewesen. Ja, bin eher ein Nachtmensch als ein Morgenmensch. Ich habe gerne Partys veranstaltet und hoffe, dass das auch irgendwann wieder möglich sein wird. Raus gehen, sich treffen, zusammen sitzen ... Diese Nächte fehlen.

Die Stadt ist eine andere ....
Die Stadt, die Städte verändern sich und wenn wir nicht aufpassen, dann werden sie auch so verändert bleiben. Das ist eine große Angst, die ich habe, dass all das nicht mehr stattfinden kann, stirbt. Also, die Innenstädte, auch am Beispiel von Berlin, verändern sich schon sehr stark ...

Um so länger die Schließungen andauern umso schwieriger wird das....

Ja, das stimmt. Und, die Leute kämpfen.

Auch Freddy kämpft - mit sich selbst. Er fühlt sich unwohl in Deutschland. Seine Vergangenheit holt ihn immer wieder ein...

Die Ursachen, die dazu geführt haben, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist – das müssen wir präsent halten um eine Wiederholung zu verhindern. Wir sind auch jetzt immer wieder in Situationen die schnell umschlagen können. Man muss immer wach bleiben.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich komme gerade von den Dreharbeiten zu „Das Boot“ und bin gerade kurz vor den Dreharbeiten zur neuen Staffel von Babylon Berlin. Dann werden wir einen Dreh, der auch aufgrund von Corona unterbrochen wurde, fortsetzen - eine Kinokomödie: „JGA“. Wir drehen auf Ibiza. Da wartet einiges und befindet sich sozusagen in den Startlöchern.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ich habe sehr, sehr viele Sehnsuchtsorte. Ich bin halber Waliser. Bin gerne in Wales. Ich liebe auch Portugal. Ich liebe es einfach zu reisen. Man kann sagen, mein Sehnsuchtsort ist die Reise an sich und ich hoffe, dass wir diese bald wieder antreten dürfen...


Vielen, lieben Dank, Herr Pütter. Das war ein tolles Gespräch. Hab mich sehr gefreut. Liebe Grüße von Stuttgart nach Berlin




'Die Pandemie gab mir so einen Anstoß, mich mit klassischer Musik auseinander zu setzen. Wenn man sich dann noch mit den Komponisten beschäftigt, finde ich das sehr interessant'

August Wittgenstein

Foto: Nils Schwarz



Im Gespräch mit August Wittgenstein

Marion Graeber


Vielen Dank, lieber Herr Wittgenstein, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.  Sind Sie in Berlin?

Nein, ich bin gerade im schönen Nordrhein Westfalen auf dem Land unterwegs. Ich hatte ja meinen 40sten Geburtstag, welchen ich im engsten Familienkreis im Wittgensteiner Land verbracht habe.

Da gratuliere ich Ihnen nachträglich noch ganz lieb :)

Dankeschön.

Wie erleben Sie die Hauptstadt unter Pandemiebedingungen?

Ich finde es in der Stadt schon ziemlich unheimlich und ich habe den Luxus, hier bei meinen Eltern in der Nähe eine kleine Wohnung für mich zu haben. So kann ich hin und wieder mal der Stadt entfliehen. Es ist sehr ruhig hier und die Natur ist sehr schön. Von daher ist das ganz angenehm.
Es sind ja die kulturellen Angebote und die Restaurants die eine Stadt ausmachen. Wenn das alles geschlossen ist, wie in dieser Zeit, dann verliert die Stadt viel von ihrem Charme. Deswegen versuche ich im Lockdown so viel Zeit wie möglich auf dem Land zu verbringen.

Sie sind nun aktuell im März wieder in Ku'damm 63 zu sehen. Wann wurden die drei Teile gedreht?

Alle drei Teile haben wir im vergangenen Jahr gedreht. Wir haben im Februar angefangen und wurden im März durch Corona unterbrochen. Im August konnten wir dann weitermachen. Sehr beeindruckend, wie schnell die UFA und das ZDF das wieder auf die Beine gestellt haben. Da bin ich froh, dass wir das zu Ende machen konnten.

Wie war der Dreh unter Pandemiebedingungen?

Wir hatten Vorquarantäne und am Set gab es diverse Auflagen und Hygiene-Konzepte. Es war alles sehr anspruchsvoll. Die Dreharbeiten waren anders als sonst. Gerade auch was Abstände anbelangt. Die Gemeinschaft und das Miteinander sind das Schöne bei den Dreharbeiten. Aber ich bin froh, dass wir überhaupt arbeiten konnten. Andere Bereiche hat es da viel schwerer getroffen. Die Theater, um dieses Beispiel zu nennen. Ich schätze mich glücklich, dass ich im vergangenen Jahr überhaupt drehen durfte.

Wie war es, die Schauspielkollegen von Ku'damm alle wiederzusehen?

Wir verstehen uns alle sehr gut. Wir sind gut befreundet und kennen uns schon lang. Daher ist es auch immer eine lustige Sache. Sehr kollegial. Man lernt viel, darf tollen Leuten beim Spielen zuschauen. Das macht einen Riesenspaß. Ich schätze das Ensemble und bin sehr stolz ein Teil davon sein zu dürfen.

Sie spielen in Ku'damm den Homosexuellen Wolfgang von Boost. Wie sehen Sie die Thematik, die Rolle?

Leider ist es so, dass diese Thematik nichts von ihrer Problematik eingebüßt hat. Es gibt leider immer noch Homophobie und diverse Länder, die Homosexualität unter Strafe stellen. Wir haben uns in Deutschland schon sehr weit voran bewegt, aber es ist immer noch ein Thema, welches Aufmerksamkeit verdient. Ich wurde manchmal gefragt, ob es schwierig ist, einen Homosexuellen zu spielen. Das reduziert die Figur und damit den Menschen auf seine sexuelle Orientierung und so sehe ich Wolfgang von Boost gar nicht. Seine Homosexualität ist nur der Grund für seine innere Zerrissenheit und das ist es, was die Herausforderung und den Reiz dieser Rolle für mich ausmacht. Für mich persönlich habe ich immer gerne ambivalente Rollen mit einem großen inneren Konflikt. Wir sind alle Menschen, egal ob hetero- oder homosexuell, und sehnen uns nach gleichen Dingen. Es geht um Liebe. Auch bei Wolfgang. Für mich ein Geschenk, so jemanden spielen zu dürfen.

Wie wichtig ist Ihnen Ihre persönliche Freiheit?

Wassermänner sind anscheinend freiheitsliebende Wesen. Es ist mir schon wichtig. Ich bin gerne unabhängig und bewege mich gerne frei. Trotzdem ist auch eine gewisse Zugehörigkeit wichtig.

Wie wichtig ist Ihnen generell der Beruf des Schauspielers? Ich habe gelesen, dass Sie bereits mit fünf Jahren diesen Berufswunsch hegten...

Am Anfang war das ein recht unklarer Traum. Ich hab mit meinen Eltern zusammen Filme gesehen und dachte bei mir – das will ich auch machen. Dann hab ich immer daran festgehalten – mal mehr und mal weniger. Ich habe versucht immer ein bisschen darauf hinzuarbeiten. Nach der Uni ergab sich die Möglichkeit auf eine Schauspielschule zu gehen und ich hab das einfach versucht. Das erste große Projekt war dann Jahre später auch tatsächlich der Ku'damm.

Man sollte also immer an Träumen festhalten?

Man muss aber auch aufpassen, wenn man nur träumt. Vielleicht wäre es besser, es einen Wunsch zu nennen. Man sollte einfach selber versuchen sich diesen so gut wie möglich zu erarbeiten. Es kann aber auch sein, dass man noch so viel daran arbeitet und es trotzdem nicht klappt. Es gibt so viele Leute, die so unglaublich viel Talent haben und nicht arbeiten dürfen. Es hat einfach auch mit Glück zu tun.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Ja, ich bin ja halber Schwede und hab in meiner Kindheit die Sommerzeit größtenteils südlich von Stockholm verbracht. Dort liegt mein Sehnsuchtsort und ich versuche so oft wie möglich dort zu sein.

In Ku'damm spielt ja auch die Musik eine große Rolle. Welches Genre hören Sie gern?

Ich hab in letzter Zeit viel klassische Musik gehört. Vielleicht war es in der Pandemie für mich auch so ein Anstoß, mich mit klassischer Musik auseinanderzusetzen. Es ist oftmals eine ruhige und angenehme Musik, die mich innerlich nicht so aufregt. Wenn man sich dann noch mit den Komponisten beschäftigt, finde ich das sehr interessant.

Welche Musik haben Sie in Ihrer Kindheit gehört?

Als Kind war ich ein großer Michael Jackson Fan. Ich hatte die Wand voller Poster. Später dann wurde die musikalische Bandbreite deutlich größer. Von Pop hab ich mich allerdings dann ferngehalten – weil Michael Jackson ja einfach der King of Pop war. ... Ich hab musikalisch alles durchprobiert. Allerdings hab ich nie Schlager oder Metal gehört.

Sind Sie mit einer bestimmten Musik aufgewachsen?

Mein Zuhause war nicht besonders musikalisch, aber meine Mutter hat immer aufgehorcht wenn im Radio ein guter Song lief, aber eine Lieblingsband oder sowas hatten meine Eltern nicht. 

Die Tanzschule – ein zentraler Part im Film. Tanzen Sie?

Ich tanze gerne. Leider nicht besonders gut. Tanzen geht bei mir mit der Anzahl der Biere einher, aber ich glaube, das kommt nur mir so vor, dass das dann besser wird (Lacht).

Auch der Tango?

Tango hab ich mal ein paar Stunden genommen. Das war tatsächlich sogar für den Stuttgarter Tatort.

Welchen Sport treiben Sie gerne?

Ich spiele zur Zeit sehr viel Tennis. Wenn die Anlagen mal offen haben ...
Das ist der Hauptsport auf den ich mich fokussiere. Aber ich mach auch Fitness, geh laufen, spiele ein bisschen Golf. Früher hab ich Fußball gespielt, bin Ski gefahren .. Sport ist mir sehr wichtig und ich versuche so viel wie möglich zu machen.

Würden Sie sich eher als Tag- oder Nachtmensch bezeichnen?

Tagmensch.

Wie gut kennen Sie Stuttgart?

Leider nicht gut genug. Ich hab für den Stuttgarter Tatort knapp eine Woche in der Stadt verbracht. Das hat mir gut gefallen. Ich hoffe, dass sich bald mal wieder eine Gelegenheit ergibt in Stuttgart zu drehen.

Wir sind eine schöne Weinbergregion...

Da werde ich gleich neidisch. Weinberge haben wir in Berlin leider keine. (Lacht)

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich drehe gerade ein Projekt für Constantin Television „Der Palast“. Eine 6- teilige ZDF-Event-Miniserie. Da drehen wir seit dem 25. Februar bis ins späte Frühjahr.

Was wünschen Sie sich im Bereich Schauspiel für dieses Jahr, beziehungsweise, haben Sie eine Traumrolle, einen Charakter, welchen Sie gerne verkörpern würden?

Was Schönes in Deutschland oder Schweden wäre fein. Eine Traumrolle – ich habe im vergangenen Jahr die Biografie von Raoul Wallenberg gelesen. Ein schwedischer Diplomat, der in Budapest sehr viele Juden vor dem Holocaust gerettet hat. Eine faszinierende Persönlichkeit. Wenn das verfilmt werden würde, würde ich das sehr gerne spielen.

Sie schreiben auch selbst?

Ich habe drei Drehbücher geschrieben, aber keines wurde produziert. Ich mache jetzt eine künstlerische Pause in diesem Bereich. Aber ich liebe es zu schreiben. Ich hab mir auch vorgenommen ein Buch zu schreiben. Zusätzlich schreibe ich auch für den Podcast „Schaumgeboren“, den ich gemeinsam mit Birte Hanusrichter mache.


Vielen Dank, lieber Herr Wittgenstein, für dieses so schöne Gespräch. Ich hab mich wirklich sehr gefreut, dass ich mich mit Ihnen unterhalten durfte.

Danke, für Ihre Zeit.




Musik - 'Ich höre eigentlich alles'

Claudia Michelsen


Foto: ZDF Boris Laewen - Claudia Michelsen mit Uwe Ochsenknecht




Im Telefongespräch mit Claudia Michelsen - zu den Dreharbeiten / Ku'damm 63

Marion Graeber


Vielen Dank, liebe Frau Michelsen, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr. Sind Sie in Berlin?

Ja, ich bin in Berlin.

Wie empfinden Sie die Hauptstadt in Pandemiezeiten?

Es ist eine Schwere in den Städten, weil unter anderem auch jegliche Form von Miteinander nicht stattfinden kann. Ich denke, das ist weltweit so aus verschiedensten Gründen.

Im März geht es weiter mit „Ku'damm 63“. Gedreht wurden die Folgen im vergangenen Jahr. Wie waren die Bedingungen am Set?

Wir sind natürlich sehr viel getestet worden und hatten eine gute Hygiene-Betreuung am Set. Es gab viele Maßnahmen, nach denen wir uns natürlich gerichtet haben. Ein Glück, dass wir überhaupt arbeiten konnten, im Gegensatz zu vielen anderen.  

Sie sind ein festes Ensemble bei „Ku'damm“ - wie war das Aufeinandertreffen?

Es ist ganz wunderbar. Wir freuen uns auf einander und das nun schon zum dritten Mal und immer über einen ziemlich langen Zeitraum. Wie ein kleines gemeinsames Zuhause, eine kleine gewachsene Filmfamilie.

Sie spielen in Ku'damm, Caterina Schöllack. Was reizt Sie an Ihrer Rolle?

Vier Frauen in den 1950er Jahren, die im Mittelpunkt stehen – das gab es so noch nicht. Caterina in ihrer preußischen Strenge, in ihrer bedingungslosen Art sich einzig und allein um die Versorgung ihrer Töchter zu kümmern, scheint natürlich erst einmal etwas eindimensional; das hätte mich nicht interessiert, wenn da nicht auch die Frau und Mutter dahinter zu spüren wäre. Aber diese Disziplin war für viele Frauen nach dem Krieg die einzige Lösung, um zu überleben. Sie mussten alles sein: Vater, Mutter, Versorger..wie schafft man das? Alleinerziehend mit drei Töchtern, das sollte man bei aller Strenge nicht vergessen. Warum ist ein Mensch wie er ist und wodurch hat er sich dazu entwickelt? Ich finde, ich konnte mit Catarina einen grossen Bogen bereisen über diese 3 Staffeln hinweg - 1956, 1959 und nun 1963. Es ist viel passiert und sie hat sich sehr verändert, wie ich finde.

Wie sehen Sie Caterina Schöllack in Ku'damm 63?

Dadurch, dass ihr dieser Unfall passiert, ist sie um einiges gealtert in dieser Staffel. Sie ist gebrechlicher und dadurch ist die Kraft der Caterina, die besondere Körperlichkeit verloren gegangen. Ich hätte gern noch eine kleine Runde mit der anderen Caterina gedreht, auch mit ihrer fast schon komischen Schrulligkeit, die mir ans Herz gewachsen ist. Nun ja, die Mädchen sind aus dem Haus und die Einsamkeit bekommt Raum. Und wie das so ist, fängt man in diesem Raum an zu reflektieren über das eigene Leben, über Fehlentscheidungen und über Wege, für die man sich nun mal unwiederbringlich entschieden hat. Es kommt zu einem Wiedersehen mit Fritz Assmann, was sehr schön ist. Aber Kudamm 63 ist eher ein Ensemblestück, Töchter die nun zu Frauen geworden sind und selber Kinder und Männer haben. Da gibt es enorm vieles mehr zu erzählen.


Vielen Dank, Frau Michelsen für das Telefoninterview zu Ku'damm 63

Dankeschön






'Im Moment höre ich relativ viel klassische Musik'

Dirk Borchardt



Foto: ZDF Christiane Pausch



  Im Gespräch mit Dirk Borchardt „Nächste Ausfahrt Glück“,   Sonntag, 28. Februar 2021, 20.15 Uhr und Sonntag, 7. März 2021, 20.15 Uhr ZDF Herzkino


30 Jahre nach Mauerfall treffen die Erzieherin Katharina (Valerie Niehaus) und Auswanderer Juri (Dirk Borchardt) in „Nächste Ausfahrt Glück“ in ihrer Heimatstadt Eisenach wieder aufeinander. Die Anziehung zwischen den beiden ist genauso stark wie früher – doch inzwischen ist Katharina mit Georg (Max Hopp) verheiratet und hat zwei Kinder. Zudem kümmert sie sich schon seit Jahren um Juris Vater Willi (Ernst Stötzner). Aber weil der überzeugte Marxist zunehmend wunderlich wird und sich immer wieder in brenzlige Situationen bringt, muss nun Juri ran. Und zu allem Überfluss hat Katharinas Freundin Sybille (Susanna Simon) auch noch einen Narren an dem Auswanderer gefressen.


Im Gespräch mit Dirk Borchardt

Marion Graeber im Februar 2021


Hallo lieber Herr Borchardt. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr. Sind Sie in Berlin?

Ja, ich bin in Berlin.

Wie fühlt es sich an – Lockdown in der Hauptstadt?

Für mich hat sich nicht so viel verändert. Was ich halt nicht machen kann - ich kann mich nicht mit so vielen Freunden treffen. Alles was geht, ist ab und zu ein Open Air treffen.

Und, die Vorzüge der Stadt sind uns ein bisschen genommen...

Die Vorzüge der Stadt, die liegen ja aber nicht nur im Nachtleben und im feiern. Lächelt. Aber es ist natürlich schon so, dass die Kultur im Moment so gar nicht stattfindet. Das beinhaltet für viele Kollegen große Probleme. Viele können derzeit nicht arbeiten. Das ist hart.

Hat der Lockdown Ihre Tagesstrukturen verändert?

Nein, nicht wirklich. Was ich halt vermisse, sind Umarmungen und Sport mit Freunden. .. Und, ich vermisse es auch, mehr Menschen zu sehen.  

Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?

Ich bin eher Tagmensch. Ich stehe früh auf und geh früh schlafen.

Der Drehort von „Nächste Ausfahrt Glück“, fand im August und September 2020 in Eisenach statt. Wie haben Sie den Dreh unter Corona Bedingungen empfunden?

Dadurch, dass wir immer getestet wurden, hat das alles gut geklappt. Ich hatte das Glück, dass ich von Mai bis Dezember durchgedreht habe und quasi immer getestet worden bin. Wir hatten ganz strikte Regeln. Wir haben mit Maske geprobt und ohne Maske gedreht. Der Hauptcast – das war wie in einem Kinderferienlager - wir waren unter uns und hatten wenig Kontakt zur Außenwelt. Das war auch schön.

Viele bleiben ja auch über Wochen am Drehort … haben wenig Kontakte…

Ja, das kann ich bestätigen. Ich war eineinhalb Monate auf Rügen und gut einen Monat in Eisenach. In Eisenach kann man ganz wunderbar wandern. Ich bin ein Wandersmann. Lächelt.

Im Schwarzwald kann man auch schön wandern...

Im Schwarzwald bin ich noch nicht gewandert. Dann mehr so in Berlin und Brandenburg. Lacht.

Was hat Sie am Drehbuch „Nächste Ausfahrt Glück“, besonders gereizt?

Da gibt es viel. Einmal das Thema mit meinem Vater im Film, der an Alzheimer erkrankt. Ich hab das im realen Leben. Mein Vater ist stark dement. Diese Geschichte, diese Erfahrung, die wir da gemacht haben und die ich persönlich mache, … diese Fragen, die gestellt werden … das hat mich gereizt. Wir haben das schon auf eine gewisse Humorebene gehoben, aber wir wissen, dass das Leben mit einem an Alzheimer erkrankten Menschen weitaus trauriger ist, als wir das zeigen. Juri trägt im Film einen Ring. Das ist der Ring meines Vaters.  

Das ist sehr schön und berührt mich. Es ist eine belastende Situation. Von vielen Seiten aus betrachtet. Und doch ist zu sehen, dass die Menschen, die an Demenz erkrankt sind auch in ihrer Welt glückliche Momente haben. Sie sind so in ihrer Welt…

Meinem Vater geht es gut.

Ich wünsche Ihnen alles Liebe mit Ihrem Papa.

Das ist schön. Ja, meine Mutter ist da. Sie pflegt ihn mit. Beide wohnen im betreuten Wohnen. Das ist auch ganz in meiner Nähe. Das ist gut.

Was hat Sie ganz speziell an Ihrer Rolle gereizt? Juri ist ja ein sehr freiheitsliebender Mensch. Sie auch?

Ich finde die Grundgeschichte schön. Und der Juri, ja, der hat so einen Freiheitsgedanken, den ich auch habe. Die Freiheit, das ist wohl das größte Thema von Juri. Egal wo er war, er hat immer die Freiheit gesucht. In der Geschichte, in meinem Kopf, war Juri sehr lange auf der Welt unterwegs. War er nicht nur in Kanada. Das wurde so jetzt nicht erzählt, ist mir aber so präsent. Dieses Grundthema „Freiheit“, was ich auch habe, war für mich der Grundreiz an der Figur.

Reisen Sie gerne?

Ich habe viel in deutschen Städten gelebt und ich bin auch immer viel gereist. Kurz vor dem Lockdown war ich noch einen Monat in Indien.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Das Meer

Juri trifft im Film wieder auf seine Jugendliebe. Das hat ja auch was mit besten Freundschaften zu tun. Haben Sie schöne Freundschaften aus der Jugend?

Ich hab sehr tolle und intensive Freundschaften. Ich habe auch mit ehemaligen Freundinnen noch gute Kontakte. Ich bin nicht so einer, der im Streit auseinander geht.

Sie sind in Berlin aufgewachsen. Wie hat Sie diese Zeit in der geteilten Stadt geprägt?

Sehr. Schon dadurch, dass auch meine Familie zweigeteilt war. Wir waren somit oft „drüben“. Wir mussten immer durch diese Grenzabsperrungen fahren. Das hab ich sehr als unangenehme Kindheitserinnerung in mir.

Sie sind im Film ein Musiker. Welches Genre ist Ihnen persönlich das liebste?

Im Moment hör ich viel Klassik. Ansonsten bin ich für alles offen. Normalerweise höre ich Funk und Soul. Aber ich glaube ich bin da generell nicht so festgelegt.

Wie entspannen Sie?
Ich lese und ich meditiere relativ viel.

Im zweiten Film tanzen Sie auch, machen einen Tanzkurs. Tanzen Sie auch persönlich gerne?

Ich hab mal Tango probiert. Folgendes ist passiert… Ich war da mit meiner damaligen Freundin beim Tangokurs. Dann sind wir zu einer Milonga gegangen. Die Frauen wollen dort natürlich vornehmlich mit versierten Tangotänzern tanzen und nicht mit Anfängern. Und so stand ich sozusagen in der Ecke rum und meine Freundin hatte die tollsten Tangotänzer. Insofern bin ich davon wieder abgekommen. Lacht. Tango ist sehr intensiv. Man muss viel lernen und intensiv dabei sein. Ich tanze aber unglaublich gerne, beispielsweise Walzer.

Wenn Sie das nächste Mal beim Tango sind und ich bin da, dann lass ich Sie nicht in der Beobachterrolle ;)

Oh. Das finde ich toll. Lacht… Ja, das war schon auch lustig. Ich hab mich schon auch amüsiert. Aber da steht man dann halt, wie bestellt und nicht abgeholt.




Vielen lieben Dank, Herr Borchardt für dieses so schöne Gespräch. Lieben Dank.  




'Ich mag sehr gerne klassische Konzerte. Am liebsten live.

Auch Chansons liebe ich'

Susanna Simon


Foto: ZDF Frizzi Kurkhaus




  Im Gespräch mit Susanna Simon „Nächste Ausfahrt Glück“,   Sonntag, 28. Februar 2021, 20.15 Uhr und Sonntag, 7. März 2021, 20.15 Uhr ZDF Herzkino

30 Jahre nach Mauerfall treffen die Erzieherin Katharina (Valerie Niehaus) und Auswanderer Juri (Dirk Borchardt) in „Nächste Ausfahrt Glück“ in ihrer Heimatstadt Eisenach wieder aufeinander. Die Anziehung zwischen den beiden ist genauso stark wie früher – doch inzwischen ist Katharina mit Georg (Max Hopp) verheiratet und hat zwei Kinder. Zudem kümmert sie sich schon seit Jahren um Juris Vater Willi (Ernst Stötzner). Aber weil der überzeugte Marxist zunehmend wunderlich wird und sich immer wieder in brenzlige Situationen bringt, muss nun Juri ran. Und zu allem Überfluss hat Katharinas Freundin Sybille (Susanna Simon) auch noch einen Narren an dem Auswanderer gefressen.


Im Gespräch mit Susanna Simon

Marion Graeber im Februar 2021


Hallo liebe Frau Simon. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr. Sie sind in Berlin?

Ja, ich bin in Berlin.

Ab Ende Februar wird die ZDF Herzkino Reihe „Nächste Ausfahrt Glück“ ausgestrahlt. Wann haben die Dreharbeiten stattgefunden?

Wir haben im August und September im vergangenen Jahr gedreht. Im Corona Loch. Wir haben das gerade so geschafft.

Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Das war, im Gegensatz zu heute, das Paradies. Wir haben uns natürlich regelmäßig testen lassen und auch die Hygienebestimmungen waren fester Bestandteil des Lebens am Drehort. Und doch, alles war ein wenig freier als heute.

Sie können gut Vergleiche ziehen, haben Sie doch im November im Renaissance Theater geprobt...

Ja, das stimmt. Wir hatten unsere Proben aber wir konnten die Premiere, die für Dezember geplant war, nicht halten. Geprobt haben wir auf einer großen Bühne. Unser Stück ist ein Vier-Personen-Stück in dem es um die Liebe geht. Wir durften uns nicht berühren, uns nicht näher als 1,5 Meter kommen. Das ist teilweise doch behindernd, wenn man 1,5 Meter Abstand zueinander halten muss und sich nicht berühren darf. Da muss man die Figuren ganz anders anlegen. Aber besser so, als gar nicht.

Wann wird die Premiere sein?

Wir haben jetzt mal Ostern anvisiert. Wollen wir hoffen, dass die Situation bis dahin eine bessere ist…

Wie wichtig finden Sie freundliche, lockere Theaterstücke, Filme, die Herzkino Reihe in dieser, unserer heutigen Zeit?

Ich bin momentan so auf Komödien festgelegt. Das hab ich mir auf die Flagge geschrieben. Ich finde das wahnsinnig wichtig, dass man das Lachen in die Welt sendet. Gerade in dieser Zeit. Die Herzkino Reihe „Nächste Ausfahrt Glück“ ist eine Tragikomödie mit komödiantischen Elementen. Das finde ich sehr gut und sehr erleichternd. Mich hat das gereizt, dass romantische, komische und tragische Elemente vereint sind. Ich finde die Mischung gut. Das ist für mich stimmig.

Die Demenz ist auch ein Thema in der Reihe…

Ja, das birgt auch eine gewisse Situationskomik. Aber dieses Thema wird immer von der einen Seite gesehen. Von außen. Das ist natürlich extrem traurig. Ich hatte selbst einen an Demenz erkrankten Großvater. Dass man das mal von der Seite des Erkrankten sieht, das finde ich gut. Die erkrankten Menschen leben in ihrer Welt. Sie verflüchtigen sich. Aber sie fühlen sich dort oft wohl. Ich, als Außenstehender, fühle mich nicht wohl damit - aber der Mensch, der das gerade durchmacht – wer sagt, dass er sich in seiner Parallelwelt nicht zuhause fühlt? Insofern fand ich auch die Darstellung dieser Demenz gut.

Sie spielen in „Nächste Ausfahrt Glück“ die Sybille. In einer Passage sagen Sie: „Ich hätte gern dazu gehört“…. Wie ist das zu verstehen?

Wir spielen eine Gruppe von Menschen, die eine gemeinsame Jugend hatten. Eine gemeinsame Geschichte. Das wird auch im dritten und vierten Film thematisiert. Sybille hätte gerne zu der Jugendgruppe gehört, war aber aus bestimmten Gründen nicht so integriert. Sybille hatte so ein bisschen die Außenseiterrolle.

Sie haben in „Nächste Ausfahrt Glück – Beste Freundinnen“ einen Tanzkurs mit Juri belegt. Tanzen Sie persönlich auch gerne? Vielleicht haben Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino?

Nein, ich hab leider keine Berührungspunkte zum Tango. Nur, dass ich ihn mal beim Theater spielen getanzt habe. Ansonsten nicht.

Welche Musikgenre mögen Sie?

Ich mag gerade jetzt sehr gerne klassische Live-Konzerte. Es fehl mir sehr, dass man das im Moment nicht genießen kann. Ansonsten lasse ich mich gerne von Musik berieseln. Meine Töchter hören im Auto immer ihre Musik, da höre ich dann gerne mit. Da gibt’s die ein oder anderen interessanten Titel. Lächelt. Ansonsten höre ich mir Musik gerne Situationsbezogen an. Im Theaterstück ist französische Musik zu hören. Daraufhin hab ich mir viele Chansons angehört.

Fehlt Ihnen die Kultur in der Stadt?

Ja, wir sind jetzt hier wie auf dem Land. Wir haben in den Zeiten, in denen wir alles nutzen konnten, alles als 'normal' angesehen. Aber es ist nicht normal. Es ist verdammt nochmal was sehr besonderes und ich hoffe, dass eine Welle der Wertschätzung kommt, wenn der ganze Spuk wieder vorbei ist.

Ich denke schon, dass die Menschen wieder zu den kulturellen Events strömen werden…

Ja, sie sollen strömen …

Ich habe gelesen, Sie gehen gerne im Wald spazieren – können Sie an diesem Ort gut entspannen?

Ja, das ist einfach ein fester Tagespunkt. Da ordne ich meine Gedanken, ohne, dass ich sie ordnen muss, ohne, dass ich irgendwo sitze und einen Plan mache. Es wird gedacht, was gedacht werden muss – was auf der Seele brennt. All das kommt dann ganz von alleine. Die Natur, die Bewegung – das gehört dazu – hier kann ich ordnen.

Reisen Sie auch gerne? Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Im Moment hab ich diesen Sehnsuchtsort: Eine langweilige Insel mit super klarem Wasser und konstant 30 Grad. Da möchte ich dann gerne Sandburgen bauen. Lacht.

Haben sich Ihre Tagesstrukturen in der Corona Zeit geändert?

Ich bin zu hundert Prozent ein Morgenmensch und das bleib ich auch. Da hat Corona nichts daran geändert. Aber an den Tagesstrukturen schon. Homeschooling ist angesagt. Man sieht die einzelnen Familienmitglieder jetzt sehr viel häufiger. Man ist viel intensiver beieinander. Das beinhaltet positive und negative Elemente. Das ist oft auch eine Herausforderung. Aber, meine große, siebzehnjährige Tochter sehe ich jetzt viel öfter. Das ist ein Geschenk.

Sie verkörpern viele verschiedene Charaktere. Haben Sie bevorzugte Rollen?

Ich mag Stoffe und Rollen wo die Komik und die Tragik verschmelzen. Das mag ich sehr gerne. Anschauen tu ich mir am liebsten Krimis. Ich bin ein totaler Krimi-Fan. Gerne auch Psychothriller. Lacht.

Krimis sind beim deutschen Zuschauer beliebt. Was glauben Sie, woran könnte das liegen?

Die Aufregung auf eine andere Welt. Man selber will das ja nicht haben aber ein bisschen Aufregung, ein bisschen Thrill im Leben kann man ja schon haben – ist allerdings gut, wenn das im Fernsehen passiert. Lacht.

Ihr Mann ist Wissenschaftler und arbeitet an einem Laser der gegen das Corona Virus wirken soll.

Ja, das stimmt. Die Patente werden jetzt gerade angemeldet.

Das ist sehr interessant. Technik ist auch ein wichtiger Pfeiler in der Pandemiebekämpfung….

Das Problem ist, dass es sicher nicht die einzige Pandemie bleiben wird. Es stellt sich also die Frage: „Wie kann man Wasser, Luft und einfach die Umgebung Virenfrei bekommen.


Vielen, lieben Dank, liebe Frau Simon für das schöne Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut, dass ich mich mit Ihnen unterhalten durfte.








'Ich höre schon sehr viel Klassik. Auch ein bisschen Jazz. Bei Autofahrten hab ich es aber auch gern mal leise'

Ann-Kathrin Kramer



Foto: Torsten Wingenfelder



„Tödliche Gier“, ZDF Mittwoch, 24. Februar 2021, 20.15 Uhr

Pastor Bahnert (Harald Krassnitzer) gerät samt Frau Claudia (Ann-Kathrin Kramer) und Kindern in die Gewalt von drei brutalen Gefängnisausbrechern. Die Kriminellen sind auf der Suche nach der Beute aus einem Diamantenraub, die vor Jahren in den Ruinen der jetzt renovierten Kirche versteckt wurde. Alle sind höchst angespannt. Versteckte Familienkonflikte treten zutage. Die Situation mit den skrupellosen Gangstern droht zu eskalieren.


Im Gespräch mit Ann-Kathrin Kramer

Marion Graeber im Februar 2021


Hallo liebe Frau Kramer, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Gerne.

Wo erreiche ich Sie gerade?

Ich bin im Bergischen Land.

Im  Moment gestalten sich ja doch die meisten Interviews via Telefon?!

Ja, das stimmt. Hoffen wir, dass die Zeit in der man sich wieder begegnen kann bald wieder kommt.

Der Krimi „Tödliche Gier“ wird am Mittwoch, 24. Februar im ZDF ausgestrahlt. Wann wurde der Krimi gedreht?

Wir haben im November 2019 gedreht. Also noch vor Corona. Die Drehbedingungen, so wie wir sie für dieses Projekt gehabt haben, sind heute fast schon nicht mehr vorstellbar. Wir haben in drei Zimmern gedreht. Der ganze Cast und das Team war immer zusammen, die Fenster waren vernagelt, alles war verhangen und mittags wurde ein Mal durchgelüftet.

Haben Sie im vergangenen Jahr auch gedreht?

Ich habe Anfang des vergangenen Jahres begonnen einen Film zu drehen. Wir kamen genau in den ersten Lockdown und mussten unterbrechen. Jetzt, also quasi ein Jahr später haben wir diesen Film dann fortgesetzt. Natürlich sind die Bedingungen ganz andere. Man sieht die Menschen nicht wirklich auf die man trifft Gerade, wenn man draußen arbeitet und alle um einen herum warm eingemummelt Mützen und Mundschutz tragen. Man sieht dann nur noch die Augen. Aber immerhin, wir können drehen. Die Hygienebestimmungen sind natürlich sehr streng, aber das ist auch richtig so.

Der Film „Tödliche Gier“ spielt in der Nähe von Hamburg. Wo wurde tatsächlich gedreht?

Der Drehort war zirka 80 Kilometer von Hamburg entfernt. Wir haben in Wismar gewohnt und sind von dort immer an den Drehort gefahren worden. Wir hatten also die Ostsee vor der Türe und es war wunderschön dort. Gerade auch, wenn man die Möglichkeit hatte mal über das Wochenende dort sein zu können. Wir waren ja insgesamt fast vier Wochen vor Ort.

Wie beschreiben Sie Ihre Rolle, den Charakter Claudia Bahnert?

Claudia ruht sehr in sich. Sie hat studiert, hat einen Beruf den sie mag und ist selbstständige Apothekerin. Sie hat zwei Kinder und einen Mann, den sie liebt. Ich glaube, sie ist mit sich und ihrem Leben ganz zufrieden. Sie ist aber auch ein bisschen an dem Punkt, wo sie sich fragt, ob es das jetzt gewesen ist und zu dem Zeitpunkt bricht dieses Unglück über die Familie herein. Die Geiselnahme, die Ausnahmesituation. Es ist der Überforderung in dieser Situation geschuldet, dass die Problematiken der Familie an die Oberfläche treten. Der Sohn Marius (Johannes Geller) ist noch Schüler. Die Tochter Svenja (Sofie Eifertinger) macht und hat Schwierigkeiten. Das erfahren wir im Film immer wieder. Svenja hadert mit der Familie, mit den Eltern und dem Übervater, der ihr wahrscheinlich immer wieder das Gefühl gegeben hat, wie alles so geht und richtig ist. Da müssen sich die Kinder den Eltern gegenüber emanzipieren. Ihre Rollen in der Familie finden. In diesem Stadium treffen wir also im Film auf diese Familie.

In „Tödliche Gier“ befindet sich der Zuschauer direkt im Kriminalfall.

Ja, der Film beginnt mit dem Ausbruch der Gangstern aus dem Gefängnis. Man muss den Täter nicht erst suchen.

Was reizt Sie daran, dass die Geschichte so erzählt wird?

Was mich daran reizt ist das kammerspielartige. Dieses Aufeinandertreffen all dieser Charaktere. Es geht nicht nur darum, wer ist der Täter, sondern da werden zwei Parteien gegenübergestellt. Wir sehen die Familie, die mit Strukturen kämpft und auf der anderen Seite die Gefängnisausbrecher, die auch so eine ähnliche Konstellation haben, wie eben eine Familie. Der wunderbare Thomas Sarbacher, der schon fast väterlich sagt, wo es lang geht, der gegebenenfalls auch mal beruhigt. Dann Dirk Borchardt, der eher mal austickt und wieder eingefangen werden muss. Es ist einfach schön, wenn man mit so einem tollen Ensemble zusammen spielen darf.  

Viele Charaktere, die da aufeinander treffen wie im Leben eigentlich auch.

Ja, ganz genau.

Regisseur und Drehbuchautor, Thorsten Näter verfolgt ja folgendes Motto: „Es gibt keine Probleme, nur außergewöhnliche Augenblicke“. Wie war die Stimmung am Set?

Lacht. Ich habe mit Thorsten Näter schon einige Filme gemacht und ich liebe ihn sehr. Das ist ein Regisseur, der, zumal er hier eben auch das Drehbuch geschrieben hat, ganz genau in den Geschichten steckt und weiß, was er will. Egal was man für eine Frage hat, Thorsten hat zu allem quasi schon nachgedacht. Er arbeitet auch fast immer mit dem selben Kameramann, so ist das ein eingeschworenes Team. Eine wunderbare Arbeit.

Die Musik zum Film kommt von Axel Donner. Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie am liebsten mögen?

Ich höre schon sehr viel Klassik. Ich höre auch viel Jazz. .. Und am Ende auch ein bisschen Mainstream. Für mich ist Musik auch etwas, womit ich mich entspanne. Ich höre meist sehr bewusst Musik und habe nicht dauernd das Radio an. Bei Autofahrten hab ich es auch gern mal aus.

Zur Musik gehört immer auch ein bisschen die Bewegung. Tanzen Sie gerne? Vielleicht den Tango Argentino?

Ich finde den Tango Argentino einen ganz großartigen Tanz. Als ich ein Mädchen von 15/16 Jahren war, war das schon mal sehr in Mode und da hab ich das etwas gelernt. Und natürlich auch sehr viel Astor Piazzolla gehört. Tanzen ist ein ganz wunderbares und wichtiges Ausdrucksmittel. Ich finde, dass man viel mehr tanzen sollte. Man spürt sich selbst und wie die Musik und die Bewegung Besitz von einem ergreift.

Gerade auch in der jetzigen Zeit um Glücksmomente zu schaffen?

Ja, genau. Musik kann befreien. Auf jeden Fall.

Darf ich Sie noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Ich bin glücklich, wenn ich am Meer bin. Da ist es dann im Prinzip egal, ob das der Pazifik ist, oder die Ostsee. Lächelt.




Vielen Dank, liebe Frau Kramer, für das schöne Gespräch. Das war toll. Merci  





'Musik ist die Weltsprache - ich versuche mich den ganzen Sprachen anzunähern

aber eigentlich müsste man nur die eine kennen

und das ist die Musik'

Pierre Kiwitt


Fotoausschnitt Zürich Krimi:

ARD Degeto Roland Suso Richter




Thomas Borchert ist es gewohnt, als Anwalt ohne Lizenz zu arbeiten. In "Borchert und der eisige Tod" ermittelt er sogar ohne Mandat - und gegen den Willen eines Verurteilten. Borcherts fester Glaube, mit der Wahrheit nicht nur dem Recht, sondern auch der Gerechtigkeit zu dienen, wird im zehnten "Zürich Krimi" auf die Probe gestellt. Roland Suso Richter inszenierte den atmosphärisch dichten und spannenden Film nach einem Drehbuch von Wolf Jakoby in der verschneiten Bergwelt der Graubündner Alpen.

Donnerstag, 4. Februar 2021 Das Erste 20.15 Uhr


Christian Kohlund alias Thomas Borchert hat ein untrügliches Gespür dafür, wenn ein Unschuldiger als Sündenbock herhalten soll. In "Borchert und der Mord im Taxi" deckt der charismatische Titelheld die schmutzigen Machenschaften der Reichen und Einflussreichen auf, um seinen unter Mordverdacht stehenden Mandanten frei zu bekommen. Der "Anwalt ohne Lizenz" macht sich zusammen mit seiner von Ina Paule Klink gespielten Partnerin Donimique und Pierre Kiwitt in der Rolle des Hauptmanns Furrer daran, unbequeme Wahrheiten ans Licht zu bringen, was auch seinen alten Freund Reto auf den Plan ruft. Regisseur Roland Suso Richter inszenierte den elften "Zürich Krimi" nach einem Drehbuch von Grimme-Preisträger Leo P. Ard.

Donnerstag, 11. Februar 2021 Das Erste 20.15 Uhr


Wenn etwas bis ins kleinste Detail unanfechtbar scheint, dann hat womöglich jemand nachgeholfen! Für Christian Kohlund als knorrigen Titelheld ist die allzu eindeutige Indizienlage in "Borchert und die Zeit zu sterben" der Anlass, auf seine unkonventionelle Art wieder einmal tiefer nachzubohren. Regisseur Roland Suso Richter inszenierte den zwölften "Zürich Krimi" nach einem Drehbuch von Wolf Jakoby.

Donnerstag, 18. Februar 2021 Das Erste 20.15 Uhr



Im Gespräch mit Pierre Kiwitt

Marion Graeber im Januar 2021



Hallo lieber Herr Kiwitt. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr.

Nicht zu danken. Danke, für Ihre Anfrage.

Sind Sie derzeit in Berlin?

Nein, ich bin gerade in Paris.

Sie haben deutsche und französische Wurzeln...  

Ja, das stimmt. Aber ich bin derzeit für einen Dreh in Paris. Ich drehe einen Film über Napoleon und Metternich im Jahre 1813. Das bekannteste Duell zwischen den beiden, als Metternich Napoleon den Vorschlag unterbreitet sich zurückzuziehen, damit Europa wieder Frieden erlangen kann. Ein Projekt für ARTE.

Wird in deutscher oder französischer Sprache gedreht?

Beide Sprachen.

Sie sprechen mehrere Sprachen. Stimmt es, dass Sie für einen Film extra portugiesisch gelernt haben?

Ja, das war in Brasilien. Ich habe dort eine Serie angeboten bekommen und die Sprache dann mit dem Drehbuch erlernt.

Sie haben demnach Erfahrungen mit internationalen Produktionen. Wie sind die Unterschiede?

Im Herzen sind sie alle gleich. Lächelt. Das sind Menschen, die leidenschaftlich gern eine Geschichte erzählen wollen. Und doch ist es erfrischend, denn die Filme sind oftmals so unterschiedlich wie die verschiedenen Kulturen selbst. Dann kommt noch die Thematik drauf. Das macht sehr viel Spaß. Es ist sowieso für mich sehr interessant andere Kulturen kennen zu lernen. Menschen zu begegnen. All das mag ich.

Beeinflusst Sie diese Arbeit in den unterschiedlichen Ländern mit verschiedensten Kulturen?

Ja, das beeinflusst den Dreh an sich und das beeinflusst einen auch selbst. Es inspiriert. Und, es bringt manchmal auch andere Sichtweisen und Schaffensarten zum Vorschein. Daran kann man nur wachsen.

Sind die Drehbedingungen unter Corona in Paris vergleichbar mit, beispielsweise Berlin?

Ich war vor Paris in Prag und in Zürich. In Prag hab ich parallel „Das Boot“ gedreht. In Paris liegt die Inzidenz bei 200, in Prag lag der Wert teilweise über 700. Da hört man alle paar Minuten die Ambulanz. Es ist erstaunlich, und ich kann jedem Produzenten nur mein Lob aussprechen, der sich in dieser Zeit so einem Projekt annimmt und versucht zu drehen. Eine Produktion ist ja an sich schon schwierig. Aber zusätzlich noch mit diesen Gegebenheiten rund um Corona klar zu kommen, das ist schon eine Herausforderung.

Sind Sie regelmäßig getestet worden?

Ja, wir sind regelmäßig getestet worden.

Das ist schon ein anderes Leben derzeit...

Ja, komplett. Aber ich sag immer, man darf sich nicht so sehr darauf fokussieren, was man alles nicht mehr hat oder nicht mehr machen kann. Natürlich ist das belastend, wenn man ständig eine Maske tragen muss, man keinen Sport machen kann. Auch, dass die Kinder nicht zur Schule und in den Kindergarten können. Aber all das sind im Moment eben medizinische Notwendigkeiten.

Auch für Kinder eine schwere Zeit…

Ich glaube, man muss da mit Kindern ganz vorsichtig im Umgang sein. Vielleicht im Sinne von „la vida es bella“ von Roberto Benigni. Es geht doch eigentlich nicht darum, was ich vermisse, sondern wie ich meinen Raum, der mir zur Verfügung steht, angenehm gestalte. Trotz Krise. Das ist, glaube ich, wichtig. Gerade auch für Kinder. Kinder, aber auch Jugendliche und Jung-Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren, die sich normalerweise auf in die Freiheit machen… Das ist schon schwer. Und doch, glaube ich, wenn wir uns alle einig sind, alle Masken tragen, uns an die Regeln halten, kommen wir da gemeinsam durch. Ich stehe sehr ein für das Beschützen und Achten aller.

Sie waren auch für den Zürich Krimi vor der Kamera. Drei neue Folgen werden nun im ARD ausgestrahlt. Dann sind Sie aktuell in Paris, waren zuvor in Prag. Haben Sie eigentlich eine Lieblingsstadt?

Ich finde so viele Städte gut. Ich kann mich gut an Städte anpassen und bin auch  neugierig und freue mich immer wieder auch neue Städte entdecken zu können. Ich fühle mich tatsächlich ein bisschen heimatlos. Ich liebe Paris, das ist eine wundervolle Stadt. Berlin – da lebe ich derzeit. Berlin, muss ich sagen, hat schon sehr viel von allem. Da kann man wirklich gut leben. In München hatte ich zu viele Leben aber München ist durchaus eine tolle und lebenswerte Stadt. Südfrankreich, Spanien - super. Los Angeles, liebe ich. Auch Prag und London. Es scheint so, als hätte ich noch nicht so richtig gefunden, wo ich gern bleiben will. Lacht. Ich kann beispielsweise auch keinen Lieblingsschauspieler oder Regisseur benennen – es gibt einfach zu viele.  

Kennen Sie Stuttgart?

Zu Stuttgart hab ich eine ganz besondere Verbindung, da meine Frau in Stuttgart getanzt hat. Gauthier Dance im Theaterhaus in Stuttgart. Zudem hab ich gute Freunde in Stuttgart, beispielsweise auch bei der Soko Stuttgart und Dr. Klein. Stuttgart hat sehr schöne Ecken.

Tanzen Sie Tango?

Nicht wirklich. Ich tanze immer ein bisschen, passe mich gern der Musik an. Ob ich es kann ist eine andere Frage. Lacht.

Welche Musik mögen Sie?

Ich begegne Musik gerne und lass mich dann auf sie ein. Ich war eine Zeit lang auch DJ. In jungen Jahren. Ich denke, ich habe Musikeinflüsse aus vielen Ländern. Auch über Freunde, die über die Welt verteilt sind. Ich finde, die Musik ist die Weltsprache. Ich versuche mich den ganzen Sprachen anzunähern aber eigentlich müsste man nur die eine kennen und das ist die Musik.

Dann sind Sie offen für die Musik in ihrer ganzen Fülle...

Man kann sich dem öffnen, was eine andere Kultur einem geben möchte. Das bereichert. Apropos Tango – Carlos Gardel ist sensationell – ich liebe das. Aber ich kann auch mal Heavy Metal hören oder Hip-Hop. Auch Techno und Rock 'n' Roll.   

Regisseur, Roland Suso Richter führt Regie beim Zürich Krimi. Ich habe gelesen, er verfolgt eine Besonderheit – es gibt keine Proben. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Lacht.

Wie sind Ihre Erfahrungen?

Am Anfang hat mich das auch etwas verunsichert. Aber das ist gar nicht so schlimm. Lacht. Im Gegenteil. Das gibt dem Film sehr viel Frische und man kann Dinge auch neu entdecken. Man ist auch anders wach. Das ist spannend. Was Roland Suso Richter auch gerne macht ist Szenen zusammen legen. Das heißt, man spielt dann 15 bis 20 Minuten komplett durch. Da ist man dann in einer ganz anderen Anstrengung. Roland Suso Richter weiß was er tut, er ist ein großartiger Regisseur.


Vielen Dank, lieber Herr Kiwitt für das tolle Gespräch. Merci.







'Ich tanze jeden Tag. Wenn man nicht tanzt hat man im Leben etwas falsch gemacht'

Jophi Ries

Foto: Mathias Bothor



„Ein Sommer auf Elba“ - Herzkino

Obwohl Maja und Thorsten geschieden sind, machen sie gemeinsam mit ihren Söhnen Urlaub. Der Gedanke ist gut, die Ausführung jedoch miserabel. Majas Anstrengung, mit allen etwas gemeinsam zu unternehmen, bügeln die Männer gekonnt ab. Kurzerhand lässt sie die drei alleine zurück und fährt einfach ins Blaue.

Im Gespräch mit Regisseur, Jophi Ries

Marion Graeber im Januar 2021


Hallo Herr Ries, danke, dass Sie Zeit für mich haben. Wie geht es Ihnen?

Alles super. Danke.

Am 24. Januar ist im ZDF Herzkino „Ein Sommer auf Elba“ zu sehen. Wann wurde der Film gedreht?

Wir haben im Juni/Juli diesen Jahres gedreht. Wir waren die Ersten, die mit der Öffnung Italiens wieder ins Land konnten. Am Flughafen in Zürich war es gespenstisch. Nur fünf Flugzeuge waren an der Tafel angeschrieben. Im Flieger dann, nur jeder zweite Platz besetzt.

Wie war die Situation auf Elba?

Auf Elba war es sehr lässig. Wir haben ja immer draußen gedreht. Und, es gab ein gutes Hygienekonzept. Alle wurden getestet vor dem Dreh. Die Schauspieler sogar mehrfach. Das war alles sehr gut organisiert. Ich hab jetzt aktuell in Hamburg gedreht – alle Drehs fanden in Räumen statt. Das war doch schwieriger.

Wie lange waren Sie auf Elba?

Die Drehzeit betrug zirka fünf Wochen. Ich war aber schon früher dort, weil ich noch vorbereitet habe. Das waren dann gut zwei Monate.

Waren Sie zuvor schon einmal auf Elba?

Lustigerweise war ich mit meiner Familie schon einmal auf Elba, ja. Das Hauptmotiv, wo wir das Familienhaus abgedreht haben, da war ich in Wirklichkeit schon. Als wir auf der Suche nach der Location waren, hab ich uns zu dem Haus geführt und so getan, als würde ich es auf dem Weg entdecken. Alle jubelten und meinten, wie toll das wäre und wie ich das gefunden hätte…. Dabei war ich ja heimlich schon dort. Lacht. Es war dann ein Glück, dass wir es zum Dreh bekommen konnten.  

Was hat Ihnen auf Elba besonders gut gefallen? Was macht den Film besonders?

Die Inseln sind in den „Off Zeiten“ einfach fantastisch. Gerade weil die Massen an Menschen nicht da sind. Das hat mir dieses Mal so gut gefallen. Durch Corona ging es dort ja erst wieder etwas los. Es war einfach noch besonders leer und der Ort, an dem wir gewohnt haben, war so ein fantastischer Ort. Auch der Blick auf die Hauptstadt, genau gegenüber. Wir sagten immer, dass die Italiener aber ein fantastisches Filmstudio haben, wo sie jeden Abend dieses Filmset mit diesem Blick für uns aufbauen.  

Was schätzen Sie am Herzkino? Vielleicht auch gerade im Hinblick auf Krimis im TV?

Ich hab ja als Schauspieler sehr viele Krimis gespielt und es gibt mittlerweile so eine Flut an Krimis, dass ich es eigentlich schon bald nicht mehr sehen kann. Es muss schon etwas besonderes sein, damit ich Lust habe, es mir anzuschauen. Für mich liegt der Reiz der Regie für diesen Sommerfilm ganz klar darauf, dass ich diesen so gestalte, dass ich ihn mir auch selber gern ansehen möchte. Einen leichten Stoff so zu machen, dass die Figuren und diese leichte Geschichte wirklich ernst genommen werden – das finde ich eine unglaubliche Herausforderung. Denn, es gibt schon ziemlich viele, langweilige Schmonzetten. Das versuche ich in meinen Sommerfilmen anders zu machen. Den Zuschauer ernst nehmen und die Geschichte so machen, wie ich sie mir selber auch ansehen wollen würde. Das ist der Anspruch. Deshalb kümmere ich mich auch intensiv um die Musik und den Schnitt. Das ist für mich ein unheimlicher Reiz. Hinzu kommt, dass an diesen wundervollen Orten drehen zu dürfen ein wahres Geschenk ist. Glauben Sie mir, das macht Spaß, auf Elba, Mykonos oder auf Lanzarote.

Auf Lanzarote führten Sie im Jahre 2015 das erste Mal Regie für einen Langfilm. Sie führen Regie und sind Schauspieler. Genießen Sie mit dieser Kombination Vorteile?

Ich glaube, jeder Schauspieler ist gleichzeitig bester Regisseur für Schauspieler. Du weißt halt, wie die Gattung „Schauspieler“ funktioniert. Du weißt, um die Schmerzen, um die Talente. Ich liebe Schauspieler und das ist spürbar. Der Zugang ist so viel einfacher.

Ist Ihnen beides gleich wichtig – Schauspiel, Regie?

Ich hab mir die Regiearbeit schon in den 1990er Jahren aufgebaut. Habe vier eigene Filme produziert und dann, weil ich so viele Kinder bekommen habe, erst mal wieder gespielt. Jetzt bin ich wieder schwerst bei der Regie. Es ist meine ganze Erfüllung. Und spielen tu ich jetzt noch lieber.  

Haben Sie als Regisseur die Schauspielrollen besetzt? Ihre Frau, Regula Grauwiller spielt die Hauptrolle der Maja … Wie war die gemeinsame Arbeit?

Das ist so durch Zufall entstanden. Die Produzentin hat Regula vorgeschlagen und ich hab nur gesagt „Volltreffer“. Es ist tatsächlich so, dass Regula und ich immer beide die Bücher lesen, die uns vorgelegt werden. Wir reden dann drüber, was wir spielen oder drehen wollen. Regula hatte das Drehbuch zu „Ein Sommer auf Elba“ auch gelesen und meinte, das würde sie gerne spielen. Wenn wir dann zusammen drehen ist das einfach ganz normale Arbeit. Es ist nicht anders als mit den anderen Schauspielern. Aber es klappt sensationell, denn wir sind Vertraute.  

Wie Sie bereits angesprochen haben, ist Musik für den Film wichtig. Wie gestaltete sich diese Arbeit?

Ich mache diese Filme sonst als Romantic-Comedy. Diesen, den wir jetzt auf Elba gemacht haben, der ist ein bisschen tiefer. Mit einem erwachsenen Thema. Ich glaube, dass die Sommerfilme kommerzielle Musik brauchen. Musik, die wir alle lieben. Musik, mit der wir die Menschen willkommen heißen. Es wird gute Laune verbreitet und wir verzichten bewusst auf sphärische Musik, wie sie beispielsweise im Tatort eingesetzt wird. Unsere Musik soll gute Laune und Spaß vermitteln. Deshalb möchte ich auch immer viele Songs haben. Die Zusammenarbeit mit den Musikkomponisten ist zudem immer eine ganz zauberhafte, da sie Magie erschaffen. Das besondere an einem Film zu arbeiten sind die unterschiedlichen Phasen. Alle wichtig, alle schön. Bucharbeit, dann die Dreharbeiten – dann, der Schnitt - hier entsteht der Film dann wirklich. Und dann kommt überhaupt das Schönste – die Musik. Die Musik, die das, was man erschaffen hat begleitet und so richtig hervorholt. Manchmal musst du nur schauen und nichts tun – dann kommt das Cello drauf und das erzählt alles.

Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie persönlich gerne hören?

Alles. Ich bin in Sachen Musik auch viel im Dialog mit meinen Kindern. Wir fragen uns allerdings oft: „Wo sind in der heutigen Musik die Gitarren?“. Das nervt mich ehrlich gesagt ein bisschen an den heutigen Popsongs. Und, das geht meinen Kindern witzigerweise auch so. So finden wir Musik aus den vorangegangenen Jahrzehnten spannender und besser. Ich finde, wir sind gerade, was die heutige Musik anbelangt, in einer etwas langweiligen Zeit.

Zur Musik gehört ja irgendwie auch die Bewegung. Tanzen Sie? Vielleicht Tango?

Ich tanze keinen Tango aber ich tanze jeden Tag. Ich tanze auch viel mit meinen Kindern. Wenn man nicht tanzt hat man im Leben was falsch gemacht. Gerade in diesen Corona Zeiten, wo man viel zuhause ist – ich tanze oft den ganzen Tag. Gerade auch in der Phase, wo ich Musik für den Film gehört habe, tanze ich mit der Musik mit. Wenn man einen geilen Song hört – das geht einem doch so richtig in die Beine. Lacht.


Lieber Herr Ries, vielen Dank für das tolle Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut.




'Ich höre am liebsten Musik, die mir gute Laune macht'

Bjarne Mädel

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Fotocredit: Jürgen Bauer



„Sörensen hat Angst“, Mittwoch, 20. Januar 2021, 20.45 Uhr Das Erste


Im Gespräch mit Bjarne Mädel

Marion Graeber im Januar 2021


Hallo Herr Mädel

Moin

Wie geht es Ihnen?

Mir geht’s ganz gut. Danke. Mir glüht nur etwas das Ohr, da ich nun zwei Interviewtage hinter mir habe.

Ich freu mich sehr, dass Sie auch Zeit für mich haben.

Sehr gerne.

Rufen Sie aus Berlin an?

Ja, ich wohne in Berlin.

Der Film „Sörensen hat Angst“, spielt im fiktiven, nordfriesischen Katenbüll – ein starker Gegensatz zu Berlin. Ich habe gelesen, dass die Drehorte rund um Bremerhaven stattgefunden haben. Haben Sie dort optimale Drehbedingungen gefunden? Was machte diese Orte dort so besonders?

Es ist tatsächlich so, dass der Roman von Sven Stricker in Nordfriesland spielt. Dort haben wir uns anfangs auch nach Motiven umgesehen. Da wir dann jedoch eine Förderung von der Nordmedia bekommen haben, haben wir in Niedersachsen gedreht. Das war uns von der Förderung so vorgegeben. Wir haben dann also in Niedersachsen einen Ort gesucht, der eine typische norddeutsche Atmosphäre hergibt, wie sie im Buch beschrieben wird. In Varel und Umgebung haben wir diesen Ort dann gefunden. Ich war erstaunt, weil ich die Gegend zuvor noch gar nicht kannte. Es war mir gar nicht bewusst, dass es dort am Meer so schöne Ecken gibt. Dieser Landstrich hat aber auch wirklich alles für uns hergegeben, was wir brauchten. Tolle Motive. Zumal es gar nicht leicht war, zum Beispiel so eine kleine Kate für Sörensen zu finden, die eigentlich nur aus einem Raum besteht und direkt am Deich liegt. Und nebenan dann noch eine Pension. Das alles so zu finden, wie beschrieben, das war, wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Gedreht wurde vom 20. Februar bis 19. März 2020.

Das war kurz vor dem Lockdown. Wie sind Sie damit umgegangen – wurde es schon hektisch am Set?

Ja, während der letzten zwei Drehwochen schwebte sozusagen schon das Damoklesschwert über uns. Wir hatten auch Kontakt zu anderen Produktionen, die mitten in ihrer Arbeit unterbrechen mussten. Auch wir waren natürlich vom Abbruch bedroht. Diese kleine Enklave an der See kam uns jedoch entgegen. Dort waren wir sehr unter uns und da war nicht viel Bewegung nach außen. Wir hatten auch kein Riesenensemble und keine Massenszenen. Wir haben uns dann auch deshalb alle entschieden, das gemeinsam durchzuziehen, wofür ich sehr dankbar bin. Auch für die Produktionsfirma, weil es eine kleine Produktionsfirma aus München ist (Claussen + Putz Filmproduktion). Sie mussten schon den Frankentatort abbrechen. Hätten wir auch noch abbrechen müssen, wäre das mit noch mehr Kosten für die Filmproduktion verbunden gewesen. Vom timing her waren wir ja zum Glück auch sehr kurz vor dem Abschluss. Wir wussten, dass wir das irgendwie hinbekommen. Viele Szenen, die uns noch fehlten, fanden draußen an der frischen Luft statt. Bei einer Szene hatten wir dann noch doppeltes Glück. Die Szene sollte in einem Krankenhausflur gedreht werden. Wir haben sie aus verschiedenen Gründen von Mittwoch auf Montag vorgezogen. Am Dienstag haben wir dann erfahren, dass wir aufgrund von Corona am Mittwoch dort gar nicht mehr hätten drehen dürfen. Direkt nach Abschluss der Dreharbeiten kam dann der erste Lockdown. Das war für mich dann die Zeit, den Film zu schneiden und fertigzustellen. Im Sommer hab ich dann einen weiteren Film als Schauspieler in Süddeutschland drehen können. Konnte also Geld verdienen. Dann kam der zweite Lockdown.... Mir ist wirklich bewusst, dass ich einer von den wenigen nicht fest engagierten Schauspielern bin, die so gut durch diese Zeit gekommen sind. Ich bin da so durchgerutscht – quasi unter dem Radar weiter geflogen. Es gibt so viele Künstler, die freiberuflich unterwegs sind, die es extrem schwer haben in diesen Zeiten, in denen ihr Einkommen auf Null runtergefahren wird. Mir sind aktuell ein paar Lesungen abgesagt worden. Das ist schade, trifft mich aber nicht existentiell. Beruflich habe ich also enormes Glück gehabt. Privat hab ich das alles aber natürlich auch gespürt. Mein Vater lebt in den USA. Keine Chance, ihn zu besuchen. Auch meine Mutter in Hamburg konnte ich aufgrund der Situation nicht sehen.

„Sörensen hat Angst“, wird als ein etwas anderer Krimi beschrieben. Was unterscheidet ihn von anderen?

Der Krimi bildet natürlich den roten Faden, aber die Angststörung der Hauptfigur und die humorvolle Art und Weise, wie er mit dieser Angst umgeht, stehen zunächst im Vordergrund.

Um was für eine Angststörung handelt es sich?

Die Angststörung nennt sich „Generalisierte Sorgenangst“. Sie ist immer dann am schlimmsten, wenn man ihr viel Raum gibt. Wenn man zuhause auf dem Sofa sitzt. Dann macht sie sich breit – die Angst. Funktioniert man aber, steht unter Druck von außen, dann hat die Angst nicht so viel Platz. Das kann man genauso in unserem Film beobachten. Die Geschichte an sich, der Kriminalfall und die Abgründe, die sich mit ihm auftun, das ist heftig und wird auch sehr schlimm. Für Sörensen wird der Druck und der Zeitdruck immer größer und so tritt die Angst in den Hintergrund und der Kriminalfall übernimmt die führende Rolle. Anfangs geht es also um die Angststörung und wir ziehen den Zuschauer mit etwas Heiterkeit in diesen Film. Die Zuschauer, die mich aus anderen Zusammenhängen kennen, denken vielleicht, das wird lustig mit dem Bjarne Mädel. Den kennen wir. Da gibt es meistens was zu lachen. Mit dieser Erwartungshaltung spielen wir natürlich auch. Doch, das Blatt dreht sich und es wird ernster als der Zuschauer das wahrscheinlich erwartet. Es entsteht eine Atmosphäre, die sehr bedrückend und finster wird.

Ist es schwer hier eine Balance zu halten – zwischen leichtem Humor und knallhartem Kriminalfall?

Es war ein Balanceakt, aber der Humor betrifft in erster Linie die Angststörung von Sörensen. Wie er selbst damit umgeht, ist humorvoll und wie er mit Kollegen in den Dialogen agiert. Ich finde, es ist immer eine gute Möglichkeit, mit Humor die Herzen der Zuschauer zu öffnen und sie danach mit dem zu konfrontieren , was man selbst auf dem Herzen hat, mit dem, was man zu sagen hat. Und es war unsere Absicht, ein schweres Thema mit Leichtigkeit anzugehen. Ich meine damit aber auf keinen Fall mit Oberflächlichkeit. Wir haben das alles sehr ernst genommen. Sowohl die Angststörung, als auch den Kriminalfall. Und doch gibt es da diese Menschlichkeit, der Figuren, die den Film auch bestimmen sollte.

Das Publikum schaut gerne Krimis. Warum?

Schwere Frage. Das liegt vielleicht an der Sehnsucht nach der heilen Welt, nach einer Ordnung, die man sich in einer Gesellschaft und in seinem Kopf wünscht. Menschen haben die Sehnsucht nach einfachen Bewertungen – nach Gut und Böse. Ich glaube, all das ist in einem 90minütigen Krimi überschaubar und erzählbar. Und es ist wohl beruhigend, wenn Unheilvolles am Ende erklärt und besiegt wird.

„Sörensen hat Angst“, ist Ihr Regiedebüt. Sie führen Regie und spielen die Hauptrolle. War diese doppelte Aufgabe eine große Herausforderung?

Ja. Regie zu führen und gleichzeitig als Schauspieler vor der Kamera zu stehen war definitiv eine Herausforderung aber auch ein Vorteil. Ich bin ja als Spieler ganz nah an meinen Kollegen dran. Ich spüre sofort, wenn in einer Szene etwas nicht stimmt oder der Text nicht funktioniert. Auch konnte ich bereits aus der Szene heraus, den Rhythmus mitbestimmen. Zudem habe ich die Vorarbeit mit dem Kameramann, Kristian Leschner gemacht, da konnte ich genau sagen, wie der Hauptdarsteller das dann spielen wird. Normalerweise denken sich ja Regie und Kamera ein Konzept aus, dann kommt beim Dreh noch der Schauspieler oben drauf und sagt, was er will .. Dieser Arbeitsschritt fiel in unserem Fall weg. Ich konnte mich außerdem als Spieler gut in die anderen Schauspieler hineinversetzen. Was macht Spaß, was macht Schwierigkeiten.... Ich hatte eher Angst, dass ich beim Spielen vergesse zu spielen und stattdessen den Kollegen zuschaue. Aber ich bin dann, glaube ich, durch die viele Arbeit vor der Kamera, schon so konditioniert, dass sobald das „Bitte“ kommt, ich dann in der Szene und in der Figur drin bin. Es hat mich also nicht verwirrt, die Figur zu spielen und gleichzeitig Regie zu führen. Zudem gab es die Kontrolle, ich hatte jederzeit die Möglichkeit, mir alles Gespielte direkt im Anschluss auf dem Bildschirm anzusehen. Ich muss auch sagen, ich bin generell ein bewusster Spieler. Ich begebe mich beim Spielen nicht in eine Art Trance, wo ich dann nicht mehr weiß, was ich grade gemacht habe.

Ich habe gelesen, dass Sie die Figur des Sörensen bereits in den Anfängen aktiv mitgestalten konnten.

Das stimmt. Sven Stricker (Buchautor) und ich sind schon sehr lange durch die Arbeit miteinander verbunden. Er hat diese Figur mal für mich, als Hörspiel, welches wir zusammen aufgenommen haben, geschrieben. Weil er dann noch so viele Ideen hatte, hat er in der Folge einen Roman daraus gemacht. Da die Dialoge so toll sind und sich der Roman sehr bildhaft liest, entstand dann die Idee, diesen Stoff zu verfilmen. Wobei von Anfang an feststand, dass ich die Rolle des Sörensen übernehmen würde. Wir haben dann zusammen sehr intensiv am Drehbuch gearbeitet.

Das war eine perfekte Vorarbeit...

Ja, wir haben uns in dieser Phase auch schon viele Szenenübergänge überlegt… Auch, wie wir das Ganze an sich eben umgesetzt haben wollten. Da ging die Drehbucharbeit schon in die Regiearbeit über. Wir haben da schon festlegen können, welche Momente gut sind, diese Angst von Sörensen zu zeigen und visuell klar zu machen, wie die Störung funktioniert, um dieses Beispiel zu nennen.

Musik spielt in jedem Film eine große Rolle. Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie persönlich gerne hören?

Ich höre sehr gerne Musik, die mir gute Laune macht. Ich bin meistens bei der Musik, die harmonisch und melodisch ist. Es herrscht genug Chaos um mich herum. Ich hab Phasen, in denen ich gerne Reggae höre. Das bringt dann auch schon mal die Sonne in den grauen Kreuzberger Alltag. Die Musik von Volker Bertelmann liegt oft genau an der Grenze von Musik zu Sound und Geräusch. Das fand ich sehr spannend und für „Sörensen hat Angst“  extrem passend. Sörensen nimmt Akustik in Angstmomenten ganz übertrieben wahr. Dinge, wie beispielsweise, der Milchaufschäumer oder klirrendes Besteck, sind für ihn, durch die Störung, lauter und präsenter als für uns. Das wurde durch die Musik, die Geräusche und die Akustik hervorgehoben und ausgearbeitet.

Zur Musik gehört ja irgendwie auch die Bewegung und der Tanz. Darf ich Sie fragen, ob Sie tanzen? Vielleicht Tango?

Ich weiß, dass wir das auf der Schauspielschule als Unterrichtsfach hatten. Eine Tanzschule hab ich allerdings nie besucht. Manchmal gibt es Momente, wo ich das bereue. Wie bei der Arbeit für den Kinofilm „25 km/H“, da hatte ich mit Lars Eidinger eine ausgiebige Stepptanznummer. Dafür mussten wir hart trainieren. Wenn ich also in einen Film Tango tanzen müsste, würde ich auch dafür wochenlang trainieren müssen.  



Vielen Dank, lieber Herr Mädel für das tolle Gespräch.




'Wenn ich die Ruhe habe spiele ich sehr gerne Beethoven und Bach'

Matthias Komm


Foto: Markus Hurek


„Magda macht das schon“ - Finale Staffel der RTL Abendshow

Am Donnerstag, 14. Januar ist Matthias Komm in der finalen Staffel wieder als mürrischer FamilienvaterTobias Holtkamp in der preisgekrönten Sitcom „Magda macht das schon“ auf RTL zu sehen. Diese 4. Staffel mit zehn Episoden stellt das Serienfinale dar. Auf Matthias Komms Figur kommen in dieser Staffel einige Herausforderungen zu: sein Sohn verabschiedet sich ins Ausland und das Loslassen fällt ihm schwer, dann verliert Tobias auch noch seine Anstellung und der Haussegen in der Familie hängt komplett schief.

Im Gespräch mit Matthias Komm

Marion Graeber 14. Januar 2021

 

Hallo Herr Komm, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Sind Sie in Berlin?

Ja, ich sitze im Lockdown in meiner Wohnung und hab meinen Kindern soeben schon Unterricht gegeben. Danach werde ich Mittagessen machen - der Hausmann arbeitet zuhause. Lächelt. 

Das sind schon veränderte Bedingungen, die man derzeit erlebt…. 

Ja, das stimmt.

„Magda macht das schon“ geht in die letzte Runde. Welche Gefühle begleiten Sie?

Das ist immer wieder schade. Es ist wie am Theater. Dort gibt es die Ensembles. .. Und um so länger man da ist, desto mehr wächst man zusammen. Das bildet sich so bei einem Dreh nur, wenn man eine Serie macht. Wenn man dann nach einer Serienproduktion auseinander geht ist das schon ein trauriger Moment. 

Kannten Sie Ihre SchauspielkollegInnen aus „Magda macht das schon“ bereits aus anderen Projekten?

Nein, ich kannte den Regisseur. Ansonsten waren das alles neue Gesichter. 

Sie verkörpern in „Magda macht das schon“ den Tobias Holtkamp. Was hat Sie an dem Charakter gereizt?

Am Anfang hab ich mir gedacht, das Lustige ist irgendwie, dass da so ein Mann zwischen lauter aufgeregten Frauen so als Ruhepol ganz interessant zu spielen sein könnte. Das hat mich gereizt. 
Dann, irgendwann hab ich festgestellt, so ruhig ist der gar nicht und dann kamen neue Punkte dazu, 
die man im Laufe der Arbeit findet. 

Comedy ist ein ganz spezielles Format … Wie leicht oder schwer ist das im Zusammenhang mit dem 
Schauspiel?

Ich würde sagen, Comedy ist insofern speziell, da es näher am Theater ist. Mehr Rhythmus und 
Geschwindigkeit hat. Beim Krimi, da darf man länger in die Ferne schauen… dann kommt Musik drunter. … Da wird es einem leichter gemacht. Ein Comedy Format gestaltet sich schwieriger. 

 

Wie Sie gerade sagen, Musik wird in Filmen meist zur Unterstützung der Emotionen unterlegt, bei der Comedy gibt es Musikeinspieler mehr als Abgrenzungen zwischen Szenen …. 

Früher war das oft so, dass an den Stellen, wo heute die Musik bei der Comedy ist, „Lacher“ vom Publikum waren. Früher, da wurde ja live auf der Bühne vor Publikum gespielt. Ich glaube, das hat man da ein bisschen beibehalten, so dass die Show diesen unverkennbaren Rhythmus hat. Ich kann mir vorstellen, dass das daher kommt. 

Gibt es Rollen, Charaktere, welche Sie am liebsten spielen?

Ich fühle mich eigentlich immer wohl, wenn ich in einem Kostüm bin. In einem Raum, der mir eigentlich fremd ist. Sprich, wenn ich etwas spiele, was ich gar nicht so sehr bin. 

Dann mögen Sie die Herausforderung?

Ja, genau.

Wann wurde die letzte Staffel von „Magda macht das schon“ gedreht?

Das war im Sommer 2019, als noch kein Lockdown war. Da haben wir uns auch alle noch anfassen 
dürfen. … 

Sie haben auch in 2020 unter Corona Bedingungen gedreht. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Es ist nicht schön. Wobei ich froh bin, dass man in Corona Zeiten als Schauspieler überhaupt arbeiten durfte. Raus konnte aus den eigenen vier Wänden. Andererseits ist es in unserem Beruf so, dass auch viel gelacht, sich viel umarmt wird. Man ist körperlich miteinander. Wenn das dann alles verboten ist und man Abstand halten muss, fällt das schon sehr schwer. Ich mag das auch gerne, wenn man sich um einen Tisch versammelt. Gemeinsam lacht. Alles ist jetzt anstrengender. Aber das ist für alle Menschen gerade so. Überall diese Trennwände und Abstände – man ist einfach nicht mehr so sehr miteinander verbunden. 

An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Ich hab im vergangenen Jahr ein interessantes Projekt im Rahmen des „Großstadtreviers“ gehabt. 
Da hab ich eine Folge mit meiner Frau (Tessa Mittelstaedt) gespielt, wo es um häusliche Gewalt geht. Das war eine 
ziemliche Herausforderung. 

Haben Sie eine Verbindung zu Süddeutschland?

Ja, ich war beispielsweise als Schauspieler am Stadttheater in Karlsruhe engagiert. Auch in Freiburg und Stuttgart hatte ich Engagements. In Stuttgart hab ich mal einen tollen Kurzfilm gedreht und auch für die Soko Stuttgart und Dr. Klein hab ich in Stuttgart gedreht. Die Ecke ist mir also bekannt. Lächelt
Ich mag hauptsächlich das Umland. In Stuttgart-Stadt ist schon ein wahnsinniger Verkehr. … 
Für das Essen allerdings, beneide ich euch … Das ist unfassbar lecker. Dann bin ich ja auch Motorradfahrer und wenn man Kurven fahren will ist man in Süddeutschland gut aufgehoben ..

Sie spielen auch Klavier. Welches Musikgenre ist Ihnen persönlich das liebste?

Das kommt darauf an, ob ich Klavier spiele oder Musik höre. Ich habe einen unglaublich breit gefächerten Musikgeschmack. Ich kann den Lohengrin mitsingen, wie auch diverse andere Opern. 
Und, ich hab auch Punk Musik zuhause. Ein großes Idol ist für mich Bob Dylan. Da bin ich jahrelang mit einem Freund zu den Konzerten gefahren. Wir waren in Irland, Italien, Tschechien. … Da haben wir dann schöne Wochenenden verbracht. Wenn ich Klavier spiele und Ruhe habe, spiele ich sehr gerne Beethoven und Bach. Wenn etwas Unruhe herrscht, dann improvisiere ich und singe oder spiele beispielsweise Beatles Songs. 

Sie sind ja auch Musicaldarsteller …

Ja, ich hab am Theater auch viel gesungen auf der Bühne. 

Dann tanzen Sie auch?

Nein, da lass ich lieber um mich herum tanzen. Ich steh in der Mitte und singe. Lächelt. 
Ich gehe gerne tanzen und freue mich, wenn das nach dem Lockdown wieder erlaubt ist, aber dann sind das nicht der Tango und die Paartänze, die ich tanze …. Das kann ich keiner Frau antun. Lacht. Aber mit einem Glas Rotwein in der Hand liebe ich es, den Paaren beim Tango tanzen zuzuschauen. 

Hat Sie der Lockdown in den Tagesstrukturen verändert? 

Ich hab ja drei Kinder. Einer ist schon groß und meine zwei kleinen sind vier und sieben Jahre alt. 
Wenn meine Kinder in der Schule und in der Kita sind, hat man viel Tagesfreizeit. Dann kann ich viel am Tag erledigen. Wenn beide nach Hause kommen, muss ich nicht mehr am Rechner sitzen. 
Dann ist die ganze Akquise gelaufen und der Text gelernt. Dadurch, dass das jetzt alles anders ist, bin ich auf die Nacht gekommen. Aber es macht mir eigentlich keine Freude, abends noch Text zu lernen. Ich bin morgens fitter. 

Wie entspannen Sie? Sind Sie gern in der Natur?

Ja, das war schon immer mein Ding. Ich fahr jeden Tag mit den Kindern mit dem Fahrrad eine Runde. Wenn wir mehr Zeit haben sind wir gern im Wald. Pilze suchen oder wandern. 

Dann brauchen Sie Natur und Stadt?

Im Moment sind uns ja leider die ganzen Vorteile der Stadt genommen. Es gibt weder Theater noch Kino noch toll Essen gehen … Kulturell ist leider nichts los. Aber ja, ich genieße die Stadt und die Natur. 

Auf was darf sich der Zuschauer in der finalen Staffel von „Magda macht das schon“ freuen?

Die Folgen sind sehr schön geworden und halten auch einige Überraschungen für die Zuschauer bereit. Die letzte Folge ist dann auch wirklich nochmal der Hammer. Sehr emotional. Da sind bei uns SchauspielerInnen und der Crew die Tränen geflossen. 


Vielen, lieben Dank, Herr Komm. Das war ein sehr schönes Gespräch. Hab ich mich sehr gefreut. 




'Ich habe in Argentinien gedreht und dort auch diverse Tangoplätze aufgesucht und mich zum Tango auffordern lassen.

Ein wundervoller Tanz'

Jessica Schwarz

Foto: ZDF Maria Wiesler/Holger Hill



Der Schwarzwald ist eine deutsche Sehnsuchtslandschaft par excellence – selbst international ist der „Black Forrest“ eine bekannte Größe. Eine Landschaft, in der sich Urlaubs- und Ausflugserfahrungen vieler Generationen mit Sagen, Legenden, Märchen und Mythen verbinden, die dort ihren Ursprung haben. Neben dem spannenden Kriminalfall verbinden sich auch die privaten Lebensgeschichten unserer Protagonisten auf eine sehr schöne Weise mit den Besonderheiten dieser einzigartigen Landschaft. Jenseits der Postkarte liegen aber auch in dieser vermeintlichen Idylle Gut und Böse, Schönheit und Schrecken dicht beieinander. Waldgericht – Ein Schwarzwaldkrimi (Zweiteiliger Mystery-Thriller)  

Jessica Schwarz und Max von Thun klären als Ermittler in der Umgebung von Freudenstadt ihren zweiten Kriminalfall. Regisseur O. Rosenmueller inszenierte erneut einen zweiteiligen Fernsehfilm nach dem Drehbuch von Anna Tebbe. In weiteren Rollen spielen Nadja Bobyleva, Robert Schupp, David Zimmerschied, Jeanette Hain und viele andere.  

Montag, 4. Januar 2021 und Dienstag, 5. Januar 2021, jeweils 20.15 Uhr im ZDF 


Im Gespräch mit Jessica Schwarz 

Marion Graeber im Dezember 2020



Krimis in den verschiedensten Varianten sind beliebt bei den deutschen Zuschauern. Was denken Sie, woran das liegen könnte?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube tatsächlich, dass der deutsche Fernsehzuschauer an kriminalistischen Fällen interessiert ist, an deren Auflösung, aber auch am Mitraten.  Wir sind ja ein Land, in dem  gerne Kreuzworträtsel und Sudoku gelöst werden.  Aufklärung und Auflösung scheint uns sehr zu beschäftigen,  was vielleicht auch mit unserer Geschichte zu tun hat – wo es ja  ebenfalls viel  um Aufklärung geht.  

Wie gefällt Ihnen die Region – Schwarzwald?

Wir haben in Deutschland so viele unterschiedliche Regionen. Alle haben sie ihre eigenen Geschichten. Gerade der Schwarzwald ist ein echtes Eldorado für Traditionen, Märchen und Fabeln. Ich habe die Drehbücher gelesen und mochte vor allem das mystische sehr.  Ich wusste, dass ich einen ganz wunderbaren Sommer  vor mir haben werde, mit tollen Locations und schönen Motiven. Wir waren  an ganz fantastischen Plätzen. Ich bin wirklich immer wieder überrascht, was der Schwarzwald alles zu bieten hat. Die Drehbuchautorin war zur Vorbereitung sehr viel in der Schwarzwaldregion und hat geschaut, wo all diese historischen Geschichten sind, was man daraus machen und wie man sie mit den Protagonisten verbinden kann. So verschmelzen in unserem Film Vergangenheit und Gegenwart.  

Wie haben Sie diesen Sommer empfunden?

Das Interessante und Außergewöhnliche an diesem Sommer war, dass die Menschen nicht reisen konnten, wie sie es gewohnt waren. Die Hotels im Schwarzwald aber  waren voll. Das Schöne liegt oft so nah.  

Wie haben Sie Ihre Zeit im Schwarzwald genossen? Ich fand es toll, nach den anstrengenden Drehtagen (wir haben direkt neben dem Wald gewohnt) einfach nochmal eine Runde spazieren zu gehen und den Kopf frei zu bekommen,  in der Natur sein zu können. Dafür  war ich sehr dankbar. Das ist  eine tolle Region mit viel gutem  Wetter. Man kann auch fantastisch Essen gehen. Es gibt schlimmere  Arbeitsplätze … lacht…  

Waren Sie auch mal in Baiersbronn in der Traube Tonbach?

Da haben wir auch mal  einen schönen Abend verbracht. Lächelt. Wenn man in dieser Region arbeitet, darf man sich das auch mal gönnen. Ich komme ja selbst aus einer Gastronomenfamilie  und ich interessiere mich sehr für die Küche. Das haben mir meine Eltern mit auf den Weg gegeben. Mein Neffe macht übrigens seine Ausbildung in der Traube Tonbach. Das ist ganz praktisch. Lacht.  

Wie lange waren Sie für die Dreharbeiten in Pandemiezeiten vor Ort?

Ich war lange vor Ort. Ich musste mich aber auch für andere Projekte immer mal wieder bewegen. Auch, weil ich, gemeinsam  mit meiner Schwester, ein Hotel betreibe,  was ja nicht so  weit entfernt im Odenwald  liegt. Es sollte auch zu Beginn der Dreharbeiten eine Quarantäne geben. Sechs Tage hätte man da nicht aus dem Zimmer gehen dürfen. Aber dagegen  hab ich dann doch ein bisschen rebelliert. Ich muss mich ja auch ein  wenig bewegen und Sport machen dürfen.  Man darf auch Vertrauen uns gegenüber aufbringen. Wir waren ein Team von 60 Leuten und selbstverständlich wollen wir niemanden gefährden. Ich bin jetzt zwischenzeitlich bei Corona Test Nummer 34 angekommen. Alle waren negativ. Bis jetzt hat sich das Maske tragen und Hände desinfizieren wirklich bewährt. Mit Max zusammen hab ich auch einen  Anti-Gen Test gemacht. Auch der war negativ. 

Das sind schon herausfordernde Zeiten mit großen Umstellungen… 

Wir sind in der Unterhaltungsbranche. Viele Menschen müssen in der Pandemie zuhause bleiben. Ich bin froh, dass wir überhaupt drehen durften. Es werden Filme fürs Fernsehen und für's Kino gedreht - obwohl die Kinos geschlossen haben. Das ist dramatisch. Auch die Schließung der Theater ist traurig. Die Branche hat so viele Nachteile, in so vielen Bereichen – Absicherung, Bezahlung. Das trifft viele  Menschen hart. Das geht bei sehr  vielen an die Existenz.

Auch Hotels und Restaurants sind  von der Pandemie schwer getroffen...

Was unser Hotel und die Hausbrauerei anbelangt, so versuchen wir positiv zu bleiben, aber das ist nicht immer leicht. Wir müssen uns  innerhalb der Familie  gegenseitig schon immer stark unterstützen und motivieren.  

Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie gerne hören?

Ich mag Singer/Songwriter Musik ganz gerne. Das darf auch mal ein bisschen melancholisch sein. Ich mag es auch, musikalisch  in andere Länder einzutauchen. Ich höre beispielsweise gerne französische Chansons oder auch französischen Hip Hop. Ich bin eigentlich ganz offen, was Musik angeht. Was allerdings in den aktuellen Musikcharts läuft, weiß ich nicht. Was ich auch gerne höre sind Songs aus den 1980ern und 1990ern. Das tut gut. Madonna, Prince, Fleetwood Mac, Jacques Brel. Es kann aber auch mal stimmungsvolle Elektro Musik sein. Lächelt.  

Zur Musik gehört ja auch ein bisschen die Bewegung, der Tanz. Mögen Sie Tango?

Ich habe zehn Jahre Ballett getanzt und sehr lange rhythmische Sportgymnastik und Jazzdance gemacht. Ich musste auch drei oder vier Jahre Tanzkurs machen. Lacht.  Ich musste, weil ich so einen guten Tanzpartner hatte und wir immer den Abschlussball gewonnen haben. Der Preis war stets ein weiterer Tanzkurs.  Lacht.  Ich liebe den Tanz. Finde es ganz wunderbar. Bewegung hilft mir auch immer weiter. Ich durfte auch mal vier Monate in Argentinien drehen. Dort haben wir diverse Tangoplätze aufgesucht und ich hab mich da natürlich auch auffordern lassen und getanzt. Ein ganz wundervoller Tanz, dem ich gerne mehr Zeit gewidmet hätte. Er ist intensiv, sieht nicht nur anmutig aus, sondern fühlt sich auch anmutig an. Ein toller Tanz.  

Im Schwarzwaldkrimi wird auch Dialekt gesprochen. Wie stehen Sie zu Dialekten im Film oder auf der Bühne?

Finde ich ganz wunderbar. Wir haben so vielfältige Regionen in Deutschland. Ich komme ja aus Hessen und ich hatte  auch viele Jahre,nachdem ich schon von zuhause weg war, noch einen leicht hessischen Einschlag . Inzwischen ist der natürlich weg, aber ich verfalle ganz gerne mal in den Slang. Lacht . Mit Rollenname Maris Bächle hatte ich auch keine Probleme. Ich finde der klingt so nett und freundlich. Lächelt. 


Vielen Dank, liebe Frau Schwarz. Das war ein sehr schönes Gespräch.





'Bei uns zuhause hörten wir viel Jazz und Rhythm and Blues'

Max von Thun


Foto: ZDF Maria Wiesler



Im Gespräch mit Max von Thun

Marion Graeber im Dezember 20




Lieber Herr von Thun, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr. Rufen Sie von München an?

Ja, das ist richtig.

Sehr fein. Dann sind wir nicht weit voneinander entfernt.

Woher kommen Sie? Das klingt schwäbisch.

Ja, Stuttgart ... Ihre Dreharbeiten waren zirka 80 Kilometer von Stuttgart entfernt, im Schwarzwald. Wie gefällt es Ihnen in dieser Region?

Es war ja der zweite Teil. Den ersten Teil haben wir auch schon im Schwarzwald gedreht. Von diesem Aspekt abgesehen, war es nichts  Neues. Wir haben aber auch dieses Mal wieder an tollen Orten gedreht.  Man entdeckt  sozusagen als vermeintlicher Tourist  Orte, die man sonst gar nicht besuchen  würde. Ich kenne mittlerweile ein paar schöne Ecken und fühle mich dort sehr wohl.  

Wie haben Sie den Dreh in Pandemiezeiten empfunden?

Ich habe vor dem Schwarzwaldkrimi noch einen zweiten Teil vom „Immenhof“ für's Kino gedreht. Ich dachte im April, ich würde dieses  Jahr überhaupt nicht drehen  können, hatte dann aber doch relativ viele Projekte.  Natürlich bin ich dafür sehr dankbar. Das ist ein Privileg. Viele Kollegen hat das viel härter erwischt dieses Jahr. Das Drehen zu Corona Zeiten war natürlich ganz anders. Wir hatten alle drei Tage Corona Tests. Das hat uns eine gewisse Freiheit  gegeben.  Gleichzeitig hing das aber auch wie so ein Damoklesschwert  über uns. … Was macht man, wenn sich ein Mitglied des Hauptcasts infiziert? … Unterbrechungen, Sorge um Versicherungsausfälle – das war schon eine andere Verantwortung. Ich bin schon eher  ein  vernünftiger Typ und versuche gut mit solchen Dingen umzugehen,  aber das alles  war  trotzdem ein Unterschied zu den vorangegangenen Drehs. Ganz am Anfang wurde der Dreh in Kategorie eingeteilt. Ich bin im Film verheiratet und da ging es darum, dass ich meine Filmfrau zum Abschied küssen sollte  – deshalb  mussten wir fünf Tage zuvor in Quarantäne.  

Sind Sie konstant am Drehort geblieben?

Ich war schon größtenteils am Drehort, ja . Es war auch ein, vom Wetter her,  wirklich traumhafter Sommer und wir waren in einem sehr schönen Hotel untergebracht. Mein Sohn hat mich immer wieder, an den Drehtagen, die nicht so eng gestrickt waren, besucht. Mal ist er eine Woche, mal zehn Tag geblieben. Dadurch  haben wir die  Zeit schön verbracht und ich war, ehrlich gesagt, ganz froh, nicht in München gewesen zu sein. Im Sommer, in der Zeit der ersten Lockerungen, da war vor meiner Haustüre in München an der Isar immer viel los. Im Schwarzwald war es hingegen etwas abgeschieden. Das war ganz schön.  

Wie beschreiben Sie Ihre Rolle?  Was hat Sie am Ermittler, Konrad Diener besonders gereizt?

Ganz prinzipiell  hat mich am Schwarzwaldkrimi gereizt, dass wir uns von der größeren Masse an Krimis im Fernsehen abheben, da wir sehr viel über die Mythologie, über das mystische und regionale erzählen. Das  war sehr spannend. Konrad Diener ist ein sehr rational denkender Polizist, der sehr gewissenhaft seine Arbeit durchzieht und klare  Vorstellungen  hat. Seine Kollegin, Maris Bächle  (Jessica Schwarz) ist dann doch sehr freigeistig.  Sie ist aus der Gegend und nimmt das alles ganz anders  auf. Diese Reibung fand ich sehr spannend. Im zweiten Teil hat  sich das auch alles  weiterentwickelt.   

Sind Sie Stadtmensch, der auch die Natur liebt?

Ich habe beides sehr gerne. Ich lebe hier in München direkt an der Isar. Da ist auch sehr viel Natur, alles sehr grün. Ich fahre häufig  Motorrad,  mit Freunden in die Berge und in die  Alpen. Wir haben wunderschöne  Seen. Ich mag also beide Vorzüge gerne. In normalen Zeiten genieße ich es in der Stadt abends  Essen zu gehen und Freunde zu treffen. Ich bin  aber auch viel in der Natur, schätze ihre Schönheit und fühle mich ihr nah.  Wenn ich in den Alpen bin, merke ich,  was für ein kleiner,  unwichtiger Teil ich von dem großen Ganzen bin.  Ich spüre, dass  die Berge schon  lange vor mir da  waren und  lange nach mir noch da sein werden… Das hilft  einem manchmal den Fokus  auf das Wesentliche zu richten und sich selbst nicht zu ernst  zu nehmen.

Sie sind ein Mensch mit vielen Talenten. Sie sind Schauspieler,  Autor und Musiker.  Was bedeutet Ihnen die Arbeit als Autor, die ja ganz eng mit Ihrem Sohn verbunden ist?

Ja, das macht mich, ehrlich gesagt, wirklich stolz. Ich habe da vor vielen Jahren unbewusst  was losgetreten, was sich verselbstständigt hat. Das erste „Sternenmann“  Buch  habe ich für meinen Sohn geschrieben. Es wurde mittlerweile in acht Sprachen übersetzt. Ab dem zweiten Buch  hat mein Sohn dann aktiv mitgemacht, Illustrationen abgenickt und Änderungen durchgesetzt. Seine Meinung ist mir sehr wichtig. Das Buch hat seine Fantasie  beflügelt und er bringt schöne  Ideen ein. Im ersten Lockdown haben wir zusätzlich ein Hörbuch aufgenommen. Ich habe ein kleines Studio zuhause. Mein Sohn hat ganz aktiv teilgenommen und Geräusche ausgesucht  und die Kapitelüberschriften eingelesen.  Wir haben Lieder zusammen gespielt und gemeinsam gesungen. Das macht mich stolz, weil das  etwas ist, was uns Spaß macht und eine ganz besondere  Nähe zwischen Vater und Sohn erzeugt. 

Das hört sich toll an. Das prägt ein Vater – Sohn Verhältnis. Das berührt mich.

Wir lesen auch unheimlich viel. Ich finde es generell sehr  wichtig, wenn man Kindern vorliest. Das  regt die Fantasie an und bildet  die Sprache. Mein Sohn ist rhetorisch erstaunlich  versiert. Das ist pädagogisch sehr wertvoll und gleichzeitig ein Spaßprojekt. Er hat auch  ständig neue Ideen.

Wie heißt der aktuelle Roman?

„Der Sternenmann und das große Abenteuer“. Wir  schreiben schon am nächsten Roman. Lacht.

Hat Ihr Sohn Berufswünsche in diese Richtung?

Ich habe gemerkt, dass  ihm Fantasie und Kreativität  sehr Spaß machen. Aber damit  kann man auch alles  machen. Das ist allgemein für das Leben wichtig. 

Ich habe gelesen,  Sie sind mit Jazzmusik aufgewachsen?

Ja, unter anderem. Musik ist so wunderbar. Ohne Musik könnte ich gar nicht leben. Mein Sohn hat irgendwann im Auto, vor ein paar Jahren „Guns n'Roses“ entdeckt. Von dort kamen wir zu „Metallica“ und jetzt ist er ein großer Fan von „Motörhead“.  Mein Sohn hört die harten Sachen. Die sind mir sogar zu hart.. Lacht. Aber er hört auch andere Musik. Ich versuche das Glück, welches ich zuhause  hatte, weiterzugeben. Ich bin mit viel Jazz und Rhythm and Blues aufgewachsen. Das versuche ich hier auch. Bei uns läuft unterschiedliche  Musik und ich möchte ihm schöne Musik vermitteln. Ihm die Vielfalt der hausgemachten Musik zeigen.  Ich habe auch gelesen, dass Jazz bei Kindern, ähnlich klassischer Musik, sehr positiven Einfluss auf ihre Entwicklung haben kann.  Der Jazz ist  durch seine Improvisation eine lebendige Sprache. Bei den meisten Liedern im Radio hört man nur noch einen  Klangteppich, keine einzelnen Instrumente mehr. Das versuche ich weiterzugeben. Wir spielen auch viel Schach. Ich glaube, alles was dem Hirn gut tut und der Entwicklung dient, ist  wichtig. Für alle Menschen.

Für das Gehirn auch sehr wichtig, die Bewegung. Tanzen Sie? Vielleicht Tango Argentino?

Der Tango ist ja eine Lebensphilosophie. Wir wachsen ja ganz anders auf als  die Menschen in südlichen Ländern, wo die Musik geatmet  wird, zur geistigen Nahrung gehört. Wir sind da doch etwas  Hüftsteifer. Ich bin kein Tangoexperte, hab aber schon Tangos gehört. Tanzen – weniger. Mein Sohn tanzt immer wieder und ich spiele dazu Gitarre. Also wir versuchen uns auch zu bewegen.

Tango würde so gut zu Ihnen passen…

Echt? Das höre ich zum ersten Mal. Muss ich mal drüber nachdenken. Lacht.  


Ich danke Ihnen sehr, lieber Herr von Thun. Ich hab mich so über unser Gespräch gefreut.






'Ich habe gerade in Krakau gedreht und in einem Buchladen im jüdischen Viertel den polnischen Tango für mich entdeckt.

Ich bin so begeistert von dieser Musik - das hat mich umgehauen'

Stephan Grossmann

Foto: ZDF Volker Roloff


„Familie Bundschuh im Weihnachtschaos“ Montag, 21. Dezember, 20.15 Uhr ZDF  
Turbulent statt besinnlich geht es im Leben von Gundula (Andrea Sawatzki) und Gerald Bundschuh (Axel Milberg) auch in der Vorweihnachtszeit zu, denn Gundula hat die Rechnung ohne ihre chaotische Verwandtschaft gemacht. Zwar schmückt Gundula trotz des vorweihnachtlichen Chaos tapfer das Haus, doch manche Konflikte lassen sich selbst mit Lichterketten und Lebkuchen nicht befrieden. Nur ein wahrhaftes Weihnachtswunder kann die Bundschuhs an diesem Fest der Liebe noch zusammenbringen. 



Im Gespräch mit Stephan Grossmann

Marion Graeber im Dezember 20



Hallo Herr Grossmann. Ich freu mich, dass Sie Zeit für mich haben. Lieben Dank!
Sie haben so einen schönen Dialekt. Da erinnere ich mich gleich wieder an die Dreharbeiten. 

Ja, im Film spielt Eva Löbau Ihre Frau Rose aus Memmingen. Sie spricht auch mit schwäbischem Dialekt. 
Ja, die Rose. Lächelt.

Man erkennt meine Herkunft gleich ...
Das passiert mir aber auch, weil ich bin ja gebürtiger Sachse. Das spüren und hören die Menschen gleich an der Melodie und an der Tonart der Sprache. 
Ich werde aber auch oft für einen Schwaben gehalten. Lächelt.

Da haben wir also was gemeinsam.
Ja, da verstehen wir uns. Das ist schön.

Wie ist das für Sie, mit Dialekt auf der Bühne oder im Film zu spielen? 
Es ist vorstellbar. Aber ich finde, Dialekte sind sehr stark typisiert. Ein Bayer drückt sich ganz anders aus, als ein Sachse, ein Schwabe oder ein Norddeutscher.

Dialekte sind aber auch schön.
Ja, sie helfen immer bei sich zu bleiben. Authentisch zu sein. Ich muss jedoch auch immer in der Lage sein, auf Hochdeutsch zu drehen. Ich persönlich mag es wenn der Dialekt so ganz leicht durchkommt. Wenn man spürt, wo der Mensch herkommt, wo er beheimatet ist. 

Sie hatten in der Schauspielausbildung auch Sprachtraining.
Richtig. Auf der Schauspielschule ging das für mich ab meinem 18. Lebensjahr los. Gott sei Dank schon so früh. 
Das war schwer damals in der Schauspielschule, da in unserem Jahrgang vier Sachsen waren. Die Sprecherzieherin hat wirklich gelitten. Denn, wenn wir uns privat unterhielten, sind wir wieder in unseren sächsischen Dialekt zurück gefallen. 
Wichtig ist im Sprachtraining im Grunde genommen das Training der Muskulatur. Man musste lernen, eine gewisse Spannung in der Oberlippe zu haben, um die Worte richtig auszuformulieren und nicht alles so fallen zu lassen. 
Verrückt war, Sie müssen sich vorstellen, als ich mit 21 Jahren an das Theater gekommen bin, mein erstes Staatstheater in Frankfurt am Main, da hab ich auf der Bühne gesprochen und hab gedacht, dass ich doch jetzt wie ein Schauspieler spreche. Da sagte der Regisseur: "Stopp, stopp, stopp, entschuldigen Sie mal, wo kommen Sie denn her?"
"Ich komme aus Sachsen" erwiderte ich. Und er nur: "Ja, dann sprechen Sie auch so". Diesen Satz hab ich mir als Schauspieler mein Leben lang eingeprägt. Man soll sich nicht verleugnen. Wo du herkommst, wer du bist, das ist wichtig.

Ja, den Charakter, den darf man sehen. Interessant, wenn man sich zeigt.
Ja, das ist richtig. 

Sie spielen bei den Bundschuhs den Hadi. Wie beschreiben Sie selbst Ihre Figur und was reizt Sie an ihr
?
Der Hadi, ich wachse immer mehr in diesen Menschen hinein, da wir das Glück haben, bereits in der fünften Folge zu sein. Man lernt dann seine Figur immer besser kennen. Hadi hat einige Merkwürdigkeiten hat, die ihn auch sehr umtreiben.
Irgendwie hat ja auch jeder in seiner Familie mindestens einen, der so ein bisschen ein „Hadi" ist. Der zu spät kommt und mit seiner Frau Feste sprengt. Wo die anderen Familienmitglieder sagen: Um Gottes Willen, wenn die kommen, wird alles kompliziert. Also die Verkörperung eines solchen Charakters, das reizt mich natürlich.

Wie sind die Drehs, die Interaktion mit Ihren Schauspielkolleginnen und -kollegen?
Das ist ein Fest. Wenn wir zusammen drehen, ist das wie ein Klassentreffen. Man freut sich aufeinander. Tolle Kollegen. Tolles Zusammenspiel. Wir sind ja als Schauspieler auf der Reise. Da ist es einfach selten und schön, so ein festes Ensemble zu haben, das immer wieder zusammen kommt. Da freue ich mich immer wieder auf die vertrauten Gesichter. 

Im April 2018 habe ich mit Andrea Sawatzki gesprochen und sie meinte, sie sei mit der Gesamtbesetzung so glücklich. Sie sagt: "Ich finde jede Figur für sich eigenständig, merkwürdig und kompliziert. Wie empfinden Sie generell die Besetzung der einzelnen Charaktere?
Die Rollen sind absolut hervorragend besetzt. Es gibt so kleine Wunder. Das spürt auch der Zuschauer. Das ist vielleicht nicht jedermanns Humor. Damit muss man leben. Aber die, die wir ansprechen, die spüren das. Ich muss sagen, als ich die Besetzung gesehen habe, dachte ich "das gibt es doch nicht". Wir fühlen uns auch pudelwohl in den Rollen. Wir haben noch so viele Einfälle, was alles mit der Familie Bundschuh passieren könnte. Das ist unermesslich. 
 
Es sind auch aktuelle Themen im Film verarbeitet. Beispielsweise Umweltschutz und Altersarmut. Im Fall von Hadi und Rose ist das Thema rund um Eddie Barack ein zentrales. 
Es ist wirklich ganz schwer, eine super gute Komödie zu schreiben. Man braucht da wahnsinnig viel Zeit und viele gute Autoren. Und ich finde es richtig, dass man den Spagat zwischen Komödie und aktuellen Themen macht. So sehen die Zuschauer, dass die Macher auch die Umwelt wahrnehmen.

Eine Komödie darf auch gern Tiefe haben. Themen müssen im Gespräch bleiben, damit sich etwas verändern kann. 

Genau. Es ist ja auch nicht von der Hand zu weisen, dass die Dramen und die schwere Kost hoch dotiert sind, sehr gemocht werden. Die Komödien werden eher stiefmütterlich behandelt. Doch die Königsdisziplin ist die Komödie. Es ist um ein vielfaches schwerer,  lustig zu sein, Humor zu treffen. Für die Komödie würde ich mir mehr Anerkennung  wünschen. Nach dem Motto "Schau an, das musste erst mal können, so etwas"...

Lachen ist so wichtig. Gerade heute .. Durch Filme wie diese, kann man mal abschalten, die Pandemie für eine kurze Zeit vergessen. Und doch sind da diese Themen und Inhalte. Das Leben hört in den anderen Bereichen, abseits der Pandemie, ja nicht auf.

Ja, und die Filme sind zudem gut ein Jahr zuvor gedreht worden. Um so wichtiger ist dann, was unser Leben ausmacht. Und nicht, wie Sie richtig sagen, sich im Kummer und Schmerz spiegeln. Wir leben ja auch nicht ständig nur in Dramen oder sind mit schweren Themen beschäftigt. Zum Glück!!

Weihnachten steht vor der Tür. Wie feiern Sie Weihnachten?
Ich muss sagen, das wird in diesem Jahr wahrscheinlich schwierig. Als Kind war es die allergrößte Freude, Weihnachten zu erleben. Das schöne Fest, die Geschenke, die Lichter. Dieses Jahr weiß ich noch nicht, wie wir Weihnachten feiern können. Feiern wir zu Hause, nur meine Frau und ich? Können wir zu den Eltern, können wir ihnen das zumuten, ist das vertretbar? So schwer, wie dieses Jahr, war es wirklich noch nie. Aber wir wollen den Kopf nicht in den Sand stecken. Wir wollen eben nicht das Drama, welches unseren Alltag bestimmt. 
Ich glaube, durch diese ganze Situation schätzen wir wieder sehr, was wir hatten und was wir hoffentlich bald wieder haben werden. Wenn vielleicht auch anders. Vielleicht ohne dieses "schneller, weiter, höher". Sondern einfach mehr  schätzt, was man hat. 

Empfinden Sie viele Menschen als freundlicher in dieser Pandemiezeit? Wir sitzen ja alle in einem Boot. 
Das stimmt. Wir sitzen alle in einem Boot und wir können auch bestimmen, wo es lang geht und wie man sich fühlt miteinander. Um so mehr sind mir diese Krawalle suspekt. Nicht, dass man einen Widerspruch setzt oder Fragen stellt. Aber in dieser Form? Wie das abläuft, das ist nicht mein Stil.

Darf ich Sie fragen, was für ein Musikgenre Sie gerne haben und ob Sie vielleicht gerne tanzen? Mögen Sie den Tango?

Ich habe in Krakau gedreht, da gibt es im jüdischen Viertel einen Buchladen, dort hab ich den polnischen Tango für mich entdeckt. Ich war so begeistert von dieser Musik, von dieser Art, also das hat mich umgehauen. Ich wollte gar nicht mehr aus diesem Laden raus. Das kann Musik leisten. Unfassbar. 
Ich würde wirklich in meinem Leben gern nochmal wissen wollen, ob es jemand schafft, mir den Tango beizubringen. Ich bin ja 1,98 Meter groß und ich habe gelernt, dass es beim Tango wichtig ist, dass man schiebt, führt und im Grunde genommen immer körperlich ablesen kann und soll, in welche Richtung es geht. Für mich ist es da schwierig, eine Tanzpartnerin zu finden, wo das funktioniert. Mit meiner Frau schaffe ich das mit der Körpergröße nicht. 
So bin ich eher der Cha-Cha-Cha und Rumba Typ. Der Rumba ist auch herrlich. 

Ich habe gelesen, Sie sind auch gern an der Ostsee? Sie wohnen aber in Berlin?
Ja, wir wohnen in Berlin. Wir haben aber auch eine kleine Datscha an der Ostsee. Jede freie Minute, die es zulässt, und das waren dieses Jahr einige, sind wir am Meer. 

Brauchen Sie beides, Stadt und Natur?
Total. Ich brauche beides. Dieses Wechselspiel der Gefühle entspricht meinem Wesen. 

Vielen lieben Dank, Herr Grossmann für dieses schöne Interview. Ich wünsche Ihnen schöne Weihnachten, ob zu Zweit oder mit mehreren Menschen. Vielen Dank.

Ich schick Ihnen mal die Rose und den Hadi vorbei. Lacht.

Oh, ja, sehr gerne. Da freu ich mich ;)







'Ich hab für drei Filme Tango getanzt.

Ich finde das wahnsinnig toll und verstehe, glaube ich, instinktiv ziemlich gut, was Tango ist'

Axel Milberg

 


Foto: ZDF Volker Roloff



„Familie Bundschuh im Weihnachtschaos“ Montag, 21. Dezember, 20.15 Uhr ZDF  

Turbulent statt besinnlich geht es im Leben von Gundula (Andrea Sawatzki) und Gerald Bundschuh (Axel Milberg) auch in der Vorweihnachtszeit zu, denn Gundula hat die Rechnung ohne ihre chaotische Verwandtschaft gemacht. Zwar schmückt Gundula trotz des vorweihnachtlichen Chaos tapfer das Haus, doch manche Konflikte lassen sich selbst mit Lichterketten und Lebkuchen nicht befrieden. Nur ein wahrhaftes Weihnachtswunder kann die Bundschuhs an diesem Fest der Liebe noch zusammenbringen.  


Im Gespräch mit Axel Milberg

Marion Graeber im Dezember 20


Hallo Herr Milberg. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Das freut mich sehr. Rufen Sie aus München an?

Ja, ich bin in München.  

Dann sind wir nicht so weit voneinander entfernt.

Sie sind in Stuttgart? Ja, das hab ich an Ihrer Sprache gehört.  

Ich kann es nicht verleugnen.

Ja, das ist schön.    

Nun geht es ja wieder los und die Familie Bundschuh tritt in Form einer fünften Folge wieder in unser Leben. Was reizt Sie an Ihrer Rolle des Gerald Bundschuh und wie würden Sie seinen Charakter beschreiben?

Gerald ist ein Finanzbeamter und kennt sich gut mit Zahlen aus. Er glaubt, dass man das Leben doch relativ gut in den Griff bekommt, wenn man ausrechnet, was gut ist und was falsch. Wenn man an die Berechenbarkeit des Lebens glaubt. Gerald würde gerne nach Hause kommen und ein glückliches Familienleben haben. Eines, wo die Rollen verteilt sind. So wie man das von früheren Zeiten her kennt. Aber dazu haben die anderen in der Familie nicht wirklich Lust. Das versteht Gerald aber nicht so richtig und nimmt das nicht ernst. Plätzchen backen gefällt ihm und, dass sich alle um den Tisch versammeln und vom Tag erzählen. Dass er Zeitung lesen kann … Aber zu all den Dingen kommt es nur für ein paar Sekunden und schon stehen wieder tausend Probleme ins Haus. Mir gefällt dieser leise Kampf. Gerald strahlt etwas altmodisches aus, und diese, seine Haltung trifft schmerzhaft auf die moderne Gegenwart.  

Im April 2018 habe ich mit Andrea Sawatzki gesprochen und sie meinte, sie sei mit der Gesamtbesetzung so glücklich. Sie sagt: „Ich finde jede Figur für sich eigenständig, merkwürdig und kompliziert“. Wie empfinden Sie die Arbeit und die Interaktion mit Ihren Schauspielkollegen und wie finden Sie generell die Besetzung der einzelnen Charaktere?

Nach fünf Folgen haben wir uns natürlich längst aneinander gewöhnt und wissen, wie jeder in der Familie so ist. Das ist wie in einer wirklichen Familie. Die Schärfe vom Anfang ist eher einer Strategie gewichen. Gerade im Umgang miteinander. Ich mit meiner Schwiegermutter, mit meiner Mutter, mit meinem Schwager und seiner bigotten Frau – das hat eine Entwicklung durchlaufen. Ich kann nicht in jeder Folge alle immer rausschmeißen sondern wir werden sanfter zueinander und versuchen das Schlimmste zu vermeiden. Wir bleiben im Gespräch. Insofern ist das auch ein Modell von Familie. Die Familie, die man sich nicht aussuchen kann sondern schauen muss, wie kommt man unfallfrei über die Runden.   

Sie sehen es auch so, dass die Besetzung der Charaktere toll getroffen ist?

Absolut. Die Charaktere sind krass. Am wenigsten krass ist meine Figur. Sagen vielleicht alle über ihre Rolle. Aber ich finde, Gerald ist eher jemand der reagiert. Er steht für Prinzipien  – will das Chaos vermeiden. Einer muss der Vernünftige sein. Gerald möchte, dass alle lächelnd am Tisch sitzen und, dass das Essen auf den Tisch kommt. Er denkt, er bekomme das über das Nachdenken, das Rechnen und mit Zahlen und Freundlichkeit hin. Doch, da irrt er sich. Aber wenn wir es gut gemacht haben, schauen wir ihm bei diesem Irrtum gerne zu.   

Gerald lebt seine Leidenschaften. Er ist ein großer Schlagerfan. Was ist Ihr liebstes Musikgenre?

Ich mag es grundsätzlich querbeet. Es sind immer einzelne Interpreten oder Titel, die ich mag. Das kann Jazz, Britpop oder Rock sein. Das kommt ganz auf die Stimmung an. Manch eine Musik begleitet einen auch durchs Leben. Auch Chansons - die entdecke ich gerade für mich wieder. Es gibt wirklich erstaunliche Chansons. Nino Rota, Legrand, Filmmusik, Gustav Mahler. Rachmaninow - Klavierkonzert: ein Weltwunder.   

Zur Musik gehört auch ein bisschen der Tanz. Tanzen Sie? Vielleicht den Tango Argentino?

Ich hab in drei Filmen Tango getanzt. Ich sehe auch gerne den Tangotänzern zu. Ich hab in Argentinien gedreht und war auf Milongas, die eigentlich immer erst um Mitternacht beginnen. Ich finde das wahnsinnig toll. Auch die Verzierungen, die nur von den Frauen ausgeführt werden. Also ich glaube, ich verstehe instinktiv ziemlich gut, was Tango ist.  

Bei all den Familienirrungen und -wirrungen werden immer auch aktuelle Themen bei den Bundschuhs aufgegriffen. Dieses Mal der Umweltschutz, der Klimawandel und die Altersarmut. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ich glaube, das ist wirklich unserem Regisseur, Thomas Nennstiel und unserer Autorin, Kerstin Cantz zu verdanken, dass eine Komödie nicht im luftleeren Raum eine sterile Spaßveranstaltung ist, sondern, dass sich Komödie aus den Schwierigkeiten, denen wir im Leben begegnen, speist. Echten Problemen, nicht behaupteten. Bedrohungen, an denen wir Erwachsene verzweifeln können. Und unser Kampf dagegen ist, wenn man von außen zuschaut, komisch. Wie wir mit falschen Mitteln, echte Probleme lösen wollen, in großer Verzweiflung – das ist Komik. Deswegen ist es richtig, Auskunft zu geben über Altersarmut und die Zerstörung der Umwelt und der Artenvielfalt. Dies unserem Sohn, einem 13jährigen Jungen in den Mund zu legen, wo man zuhört oder auch nicht zuhört – das ist absolut glaubwürdig.  

Probleme müssen im Gespräch bleiben um sie anzugehen …   Weihnachten ist das Fest der Liebe – wie denken Sie, kann Weihnachten in der Pandemie stattfinden? Wie feiern Sie Weihnachten?

Na, wir schauen mal, wie es mit Lockdown und dem Treffen von zwei Haushalten so weiter geht. Ich bin der Meinung, wir sollten uns um die kümmern, die alleine sind. Die einsam sind. Wir werden uns mit dem Konsum zurückhalten. Wir sollten schauen, dass niemand, den wir kennen, an Weihnachten alleine ist. Und nicht nur zur Weihnachtszeit, wie es so schön heißt. Auch wir könnten das eines Tages sein – alleine und isoliert.  Wer weiß das schon.  

Wie wichtig sind Ihnen Traditionen? Sind Sie religiös?

Nein, wir sind nicht religiös. Und Traditionen? – Es muss in jedem Fall lebendig sein und belebt. Die bloße Tradition ist zu wenig. Die Dinge, an die wir glauben, die sehen dann auch in ihrer gelebten Form unterschiedlich aus. Wir reden als Familie viel miteinander, wir kochen  – vegetarisch oder vegan.  

Haben Sie einen Weihnachtsbaum?

Wir haben tatsächlich eine Tanne im Zimmer stehen und die wird sehr aufwändig dekoriert und bleibt auch bis mindestens 7. Januar stehen. Mein Vater hat noch gesagt, dass Leute mit elektrischer Tannenbaumbeleuchtung für ihn gestorben seien. Das sehen wir anders. Wir haben keine echten Kerzen am Baum. Offenes Feuer, das wäre auch bei den vielen Kindern heikel gewesen. Aber die Tradition mit dem Baum, die ist da.  

Sie ernähren sich vegetarisch, beziehungsweise vegan?

Dazwischen. Meine Frau ernährt sich weitestgehend vegan. Aber ich esse schon auch mal gern ein Ei.  Man kann sich super vegetarisch ernähren. Es gibt so tolle Kochbücher. Die vegetarische und vegane Küche schmeckt inzwischen auch köstlich. Das hat sich komplett geändert. Ist nicht mehr nur gesund, sondern man kann so unendlich viele Gewürze kaufen, deren Namen ich erst lernen muss. Und alles sieht bunt aus, was auch wichtig ist und natürlich  knackfrisch.   


 

Vielen Dank, Herr Milberg für das schöne Gespräch. Danke für Ihre Zeit! 

Alles Gute






'Jedesmal wenn ich Tangomusik höre, bin ich begeistert. Das geht unter die Haut'

Gesine Cukrowski

Foto: ZDF Christian Lüdeke




„Weihnachtstöchter“,  Montag, 14. Dezember, 20.15 Uhr ZDF


In Rolf Silbers Komödie spielen Felicitas Woll, Elena Uhlig und Gesine Cukrowski drei zerstrittene Halbschwestern, die ausgerechnet in der Adventszeit um das Erbe ihres gemeinsamen Vaters (Peter Lerchbaumer) streiten.


Im Gespräch mit Gesine Cukrowski

Marion Graeber im November 2020


Hallo liebe Frau Cukrowski. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Wie geht es Ihnen?

Sehr gut geht es gerade. Vielen Dank.

Darf ich Sie fragen, von wo Sie anrufen?

Ich bin auf dem Rückweg aus der Camargue und sitze gerade auf dem Beifahrersitz im Auto. Mein Mann fährt.

Gab es ein Projekt in der Camargue?

Ja, ich habe dort zwei Filme (Ein Tisch in der Provence) für das ZDF gedreht.

Wie waren die Drehbedingungen zu Coronazeiten?

Ich war die ganze Zeit in einer sogenannten Quasi Quarantäne (das ist ein offizieller Begriff). Durch die langen Quarantänezeiten vor und nach den Drehtagen und meine Entscheidung aus Sicherheitsgründen nicht zu fliegen, waren wir lange am Stück vor Ort.

Eine große Distanz mit dem Auto, welche Sie zurücklegen...

Eine ganz schöne Strecke. Ja. Wir machen das in zwei Teilen. Wir kommen gerade aus Karlsruhe, wo wir einen Zwischenstopp eingelegt haben.

Dann sind Sie nicht weit von mir entfernt..

Ja, ich glaube wir fahren gerade auf Höhe Stuttgart. Lacht.

Das ist ein tolles Gefühl... Ich wünsche auf alle Fälle eine gute Fahrt.

Danke. Ich hab einen guten Fahrer. Lacht.

Am 14. Dezember zeigt das ZDF die „Weihnachtstöchter“. Wie feiern Sie Weihnachten?

Dieses Jahr muss ich sagen, weiß ich es noch nicht so richtig. Ich bin gerade dran es zu organisieren. Damit wir feiern können, muss ich schauen, ob wir einen Teil der Familie getestet bekommen. Ohne negativen Test können wir uns tatsächlich gar nicht treffen. Normalerweise feiern wir am Heiligen Abend in der kleinen Familie und dann am 26. Dezember bei meinen Eltern mit all meinen Geschwistern und den Kindern. Ob wir das allerdings dieses Jahr hinbekommen? Vielleicht müssen wir uns tatsächlich dieses Jahr aufteilen. Aber die Situation ändert sich ja ständig. Keine Ahnung. Also das wird das erste Weihnachten sein, wo wir vielleicht auch alle zuhause bleiben und am Telefon sind.

Ihre Figur in „Weihnachtstöchter“, ist Regina. Wie würden Sie Ihre Figur beschreiben und was hat Sie an ihr gereizt?

Zum einen kenne ich die Situation mit Schwestern aufzuwachsen. Lustigerweise haben meine Filmschwestern, Elena Uhlig und Felicitas Woll das jeweils gleiche Geburtsjahr, wie meine eigenen Schwestern. Nur hab ich noch einen älteren Bruder. Er ist drei Jahre älter und für ihn war es tatsächlich ein bisschen so, wie bei Regina. Er kam mit der Entthronisierung gar nicht klar. Als wir klein waren betonte mein Bruder immer gerne, wie schön es war, ein Einzelkind zu sein und, dass sein Leid anfing, als ich geboren wurde. Dann hat der Arme auch noch drei Schwestern bekommen. Das ist ja auch nicht so ganz einfach. Lacht. Man muss aber dazu sagen, dass wir, anders als im Film, alle ein ausgezeichnetes Verhältnis und die gleichen Eltern haben. Das macht es vielleicht ein bisschen einfacher. Und, wir sind alles keine Neidmenschen. Wir sind eher das Gegenteil, wir passen aufeinander auf. Das Thema Erbschaft finde ich reizvoll und spannend, weil es so viele Menschen beschäftigt. Sich da selber zu hinterfragen, wie man damit umgeht, finde ich gut.

Sie haben als Regina nicht gerade einen „glatten Charakter“.

Lacht. Das stimmt. Das haben Sie gut gesagt. Genau das reizt. Das macht immer einen besonderen Spaß. Also die Komödie ist ja eh die Königsdisziplin. Was Schöneres gibt es nicht. Und wenn es dann noch so raffinierte Dialoge hat und diese widersprüchlichen Charaktere, die da aufeinander treffen – das macht natürlich Spaß.

Kennen Sie Ihre Filmschwestern Felicitas Woll und Elena Uhlig gut?

Ja,und Elena kenne ich schon ganz lange. Wir haben aber alle drei vorher nie miteinander gedreht. Es ist ja so, dass man sich kennt und denkt „Mensch, warum haben wir eigentlich noch nicht miteinander gedreht?“. Jetzt hat es stattgefunden und ich war darüber sehr glücklich.

Anders erging es Ihnen mit Ihrem Filmpartner Roger (Max von Pufendorf)

Das stimmt, wir kannten uns vorher gar nicht. Das war tatsächlich spannend, weil Max und ich vor der ersten Szene keine Chance hatten uns kennenzulernen. Er kam ans Set und wir mussten sofort als streitendes Ehepaar loslegen. Wir waren beide sehr aufgeregt. Dann lief es so geschmiert, dass wir beide sehr erleichtert waren. Das ist natürlich irre, wenn man sich zu einer Probe das erste Mal sieht und merkt – o.k. das funktioniert, wir haben glücklicherweise auch den gleichen Spielstil. Das ist gerade bei einer Komödie wichtig, dass das nicht zu weit auseinanderklafft. Dass wir so auf einer Wellenlänge waren, das war wirklichein Glück. Man hat bei uns beiden die Steine plumpsen gehört. Lacht.

Das ist dann also schon aufregend, wenn man in ein neues Filmprojekt geht und immer andere Konstellationen vorfindet?

Ja, natürlich. Ich erinnere mich an eine Sache bis heute. Das war bei „Und Tschüss!“. Damals hatte ich mit Christoph Ohrt, den ich damals auch noch nicht kannte, in einer Folge eine Affäre. Das lief so ab: „Hallo, ich bin der Christoph“, „Hallo ich bin Gesine“ – und bitte küssen. Lacht. Die allererste Begegnung war also ein Kuss, da war ich auf jeden Fall aufgeregt. Lacht.

Wie empfinden Sie die Zuordnung der Rollen? Die drei Schwestern sind ja sehr unterschiedlich.

Es wird ja in Deutschland gerne nach Optik, oder, wie man so schön sagt, nach Typ besetzt. Und rein optisch ist die Besetzung definitiv nicht gegen den Strich gegangen. Das verletzte Nesthäkchen, die patente Sandwichschwester und die unnahbare Älteste. Also von der Optik her liegen wir voll auf den Rollen drauf. Wie wir allerdings in Wirklichkeit sind, das hat ja mit dem, wie wir aussehen, nichts zu tun. Lacht.

Hat Sie eine Szene im Film besonders berührt?

Ja, die Situation mit Max war schon eine besondere Situation, weil ich einfach nicht wusste, was auf mich zukommt. Lacht. Ansonsten war das ein Film, wo wir das Glück hatten, wirklich gute Texte sprechen zu dürfen. Man merkt einfach, wenn jemand sein Handwerk versteht, wie Rolf Silber. Er hat das Buch geschrieben und Regie geführt. Er ist ein „alter Hase“, der einfach weiß, was er macht. Wenn man mit so jemandem arbeiten darf, kann man sich auch fallen lassen. Es waren alle klasse, das Team, die Kollegen. Tim Bergmann beispielsweise, der den Thomas, den Anwalt spielt – großartig. Alle wussten, was sie machen. Dann flutscht das einfach. Lacht.

Und die Arbeit mit Ihrem Filmpapa (Peter Lerchbaumer)? Wie gestaltete sich hier der Dreh? Er erscheint Ihnen ja nur als Geist.

Das bedeutet für die Drehs keine Interaktion, kein Blickkontakt. Da muss man gegen seinen Reflex arbeiten. Wenn sich was bewegt, schauen wir automatisch hin. Wenn man das jetzt nicht darf, weil da ja eigentlich keiner sitzt, ist das etwas seltsam. Das war aber auch schon das Schwierigste daran. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, dann hat der Körper das auch verstanden. Lacht.

Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie gerne hören?

Das ist eine gute Frage, weil wir ja auf diesen langen Fahrten immer das Problem haben, welche Musik hören wir jetzt. Am schönsten finde ich, das hat sich auf der vergangenen Fahrt sehr bewährt, wenn man die Genre komplett durchmischt. Grundsätzlich mag ich starke Frauenstimmen. Mein Mann beschwert sich dann manchmal bei den Liedern, die ich gerne höre, dass diese immer so sentimental klingen. Aber das sind halt die, bei denen ich gerne mitsinge. Lacht. Ich brauche eine schöne Stimme und schöne Musik – das geht dann bei mir ehrlich gesagt durch alle möglichen Genres.

Melancholie kann ja durchaus positiv besetzt sein und hat dann nichts mit Traurigkeit zu tun.

Nein, überhaupt nicht. Das bringt mich auch nicht schlecht drauf. Im Gegenteil, mich macht das glücklich.

Tanzen Sie? Vielleicht Tango?

Tango haben wir in der Schauspielschule gelernt und ich musste für Filme Tango tanzen. Also immer wenn ich Tango höre, bin ich völlig begeistert. Das geht wirklich unter die Haut und reißt einen mit. Da entsteht direkt eine Spannung. Man kriegt mich wahrscheinlich mit den ganzen Klassikern.

Was sind Ihre nächsten Projekte? Fehlt Ihnen in Pandemiezeiten das Reisen?

Tatsächlich kann ich auf das Reisen gut verzichten. Wir haben uns aufgrund des Klimawandels sowieso umgestellt. Wir haben den Sommerurlaub im vergangenen Jahr aus diesem Grund in Berlin verbracht. Ich hab natürlich das Glück, dass ich durch Dreharbeiten immer wieder an den tollsten Orten war, so ist das für mich vielleicht einfacher. Ich hab einfach schon viel gesehen. Deshalb kann ich vielleicht auch besser darauf verzichten. Natürlich, wenn ich dann so etwas erlebe, wie jetzt, dass ich sechs Wochen in der Camargue sein kann, sehe ich das als Geschenk. Aber ich bin der Meinung, wir müssen wirklich umdenken. Ich hab auch Berlin als einen Ort entdeckt, an dem man wirklich viel machen kann. Mein Bruder verkauft alles für Brettsport (brettsport.de). Bei ihm haben wir uns ein Stand up Paddle gekauft und ich kenne mittlerweile die Berliner Seenlandschaft sehr gut. Man kann in und um Berlin, beispielsweise auf dem Wannsee, wahnsinnig viel Spaß haben. Wir haben das Glück, in so einem schönen Land zu leben. Wir lernen es jetzt nochmal besser kennen. Wir müssen uns auch wirklich umstellen. Das geht einfach nicht anders.

Mir fällt es besonders schwer, den angeordneten Abstand zu Menschen zu halten. Ich umarme gern. Wie geht es Ihnen?

Ja, das ist schon hart. Auch für den Beruf. Wir hoffen, bald wieder unsere Freiheiten zu haben und uns wieder in den Arm nehmen zu können.


Vielen, lieben Dank für dieses wirklich schöne Gespräch, liebe Frau Cukrowski





'Ich liebe es zu tanzen. Schon immer. Tango hab ich noch nicht getanzt.

Kommt vielleicht noch'

Felicitas Woll

Foto: ZDF To Kuehne




Weihnachtstöchter“,  Montag, 14. Dezember, 20.15 Uhr ZDF  

In Rolf Silbers Komödie spielen Felicitas Woll, Elena Uhlig und Gesine Cukrowski drei zerstrittene Halbschwestern, die ausgerechnet in der Adventszeit um das Erbe ihres gemeinsamen Vaters (Peter Lerchbaumer) streiten.  


Im Gespräch mit Felicitas Woll

Marion Graeber im November 2020


Was hat Sie an der Verkörperung Ihrer Figur „Diana“ gereizt?

Diana war eine ganz neue Figur für mich. Es hat großen Spaß gemacht, Diana zu spielen. Und dann fand ich das Drehbuch natürlich spannend. Diesen Konflikt der drei Schwestern so zu erzählen, dass es knallhart ehrlich, aber auch ans Herz geht, hat mich überzeugt. Und ich wollte gerne mit Rolf Silber arbeiten, der ja auch das tolle Drehbuch geschrieben hat.

Wie beschreiben Sie sie?

Zynisch, etwas unsympathisch auf den ersten Blick, verschlossen und doch angriffslustig. Aber mit einem Herzen am rechten Fleck, dass nur laut nach Liebe schreit.

Welche Szene im Film hat Sie am meisten berührt oder beeindruckt?

Die Szenen mit meinen beiden Schwestern hatten eine besondere Stimmung. Es flogen die Fetzen, nur gespielt natürlich. Das war toll zu spielen. Die Szenen, in denen wir aber emphatisch miteinander waren, waren berührend, weil sie uns das Gefühl von Verbundenheit gegeben haben.

Die Szenen mit Filmpapa (Peter Lerchbaumer), der seine Töchter quasi aus dem Jenseits besucht, wie wurden diese gedreht und umgesetzt?

Diese surrealen Szenen liebe ich sehr. Mit Geistern zu sprechen und viel die Fantasie zu benutzen. Das ist im Arbeitsprozess relativ einfach. Man dreht die Szene erst zusammen und dann nochmal getrennt voneinander. Der Rest passiert im Schnitt.

Wann und wo wurde der Film gedreht?

Der Film wurde letztes Jahr gedreht, in und um Frankfurt.

Im Film haben Sie zwei Halbschwestern. Wie war die Arbeit mit Elena Uhlig (Katarina) und Gesine Cukrowski (Regina)?

Ein großer Spaß. Wir sind alle drei kraftvolle Frauen, die ihren Beruf lieben und richtig Gas geben. Die Stimmung war sehr lustig und entspannt. Und wir haben uns in der Drehzeit sehr unterstützt. Das ist ein großes Geschenk und unbezahlbar.

Wie empfinden Sie die Zuordnung der Rollen auf die einzelnen Schauspielerinnen?

Perfekt. Ich bin sehr froh über diese Besetzung. Denn wir sind so herrlich unterschiedlich.  

Sie selbst haben ebenfalls Geschwister. Wie sind Sie aufgewachsen und wie hat Sie Ihre Kindheit geprägt?

Mit Geschwistern ist es doch immer dasselbe. Es ist anstrengend, aber man liebt sich. Mich hat meine Kindheit natürlich geprägt und ich bin ein Mensch, der sehr gerne im Team arbeitet.

„Diana“ hat ein bedrückendes Problem und tut sich schwer sich den Schwestern zu öffnen. Wie stehen Sie zu dieser Situation?

Ich kann Diana sehr gut verstehen. Sie hatte nie ein inniges Verhältnis zu ihren Schwestern. Jede von ihnen hat um Liebe und Aufmerksamkeit gebuhlt. Dadurch sind sie in einen ständigen Konkurrenzkampf gekommen und es fällt allen schwer das aufzugeben. Aber langsam bröckelt die harte Schale und Diana öffnet sich. Und sie fängt an auf ihr Herz zu hören und sich ein Stück weit als Schwester zu sehen und zu fühlen.  

Die kleine Amanda (Yuna) spielt im Film ein Waisenkind und erobert Ihr Herz. Wie war der Dreh, das Schauspiel mit ihr?

Ich bin immer so beeindruckt, wenn ich mit Kindern spiele, die wirklich aus der Seele spielen. Und das war bei ihr der Fall. Sie muss nur dasitzen und schauen und schon berührt es mich. Sie ist ein tolles Mädchen und eine tolle kleine Schauspielerin. Das ist eine Magie, die kann man nicht studieren. Die hat man oder nicht. Und sie hat sie.  

Weihnachten steht vor der Tür. Wie begehen Sie die Advents- und Weihnachtszeit?

Dieses Jahr sehr spontan. Auf jeden Fall mit meiner Familie und gemütlich zuhause.

Wie wichtig sind Ihnen Weihnachtstraditionen?

Nicht wichtig. Ich habe es gerne gemütlich und esse gerne schönes Essen. Aber es darf auch gerne spontan alles anders sein.

Wie wichtig ist Ihnen Musik an Weihnachten und welches Musikgenre (außerhalb von Weihnachten) liegt Ihnen nahe?

Ich liebe Musik und höre immer nach Stimmung. Ganz unterschiedlich, kreuz und quer. Von Joni Mitchell zu Biffy Clyro ist alles dabei. Weihnachtsmusik mag ich aber auch sehr. Es berührt mich und macht eine besondere Stimmung.  

Tanzen Sie auch gerne?

Ich liebe es zu tanzen. Schon immer. Und ich könnte ohne tanzen nicht leben, auch wenn ich im Moment nicht dazu komme oder es nicht mache. Aber es kommt die Zeit, da werde ich wieder mehr tanzen.

Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino? Mögen Sie Tanz und Musik?

Ich habe nie eine Tanzschule besucht, aber konnte schon immer gut schnell Tänze lernen. Aber so viel Tango habe ich noch nicht getanzt. Kommt vielleicht noch.

Im Film spielt auch das elterliche Haus bzw. das Haus des Vaters eine übergeordnete Rolle. Wird das Haus anfänglich von den Schwestern Diana und Katarina mehr oder weniger abgelehnt, wird es schlussendlich Heimat, Zufluchts- und vielleicht in gewisser Weise auch Sehnsuchtsort. Zumindest ein Symbol für die Familie, für Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe und Liebe. Haben Sie einen ganz persönlichen Wohlfühl- und/oder Sehnsuchtsort? Eventuell auch im Zusammenhang mit einer Reise?

Ich bin immer gerne gereist, aber es war nie ein Muss. Aber meine Reisen nach Ibiza vermisse ich sehr. Ibiza ist sehr besonders für mich. Auch Lissabon war ganz besonders. Am Meer zu sitzen und bis an den Rand der Welt zu sehen, zu atmen, dass fehlt mir gerade sehr.  Aber ich glaube uns wird auch vor Augen geführt, dass es ohne all das gehen muss und wir uns wieder auf weniger konzentrieren sollen. Die Zeit ist nicht einfach. Beruflich und privat natürlich auch. Aber es bringt mir nichts, mich darüber zu ärgern. Positiv bleiben und positiv denken.


Vielen Dank für Ihre Zeit und dieses Interview, liebe Frau Woll. Alles Gute.





'Ich tanze sehr gerne und liebe auch den Tango Argentino - als Zuschauerin. Leider habe ich nie gelernt ihn zu tanzen".

Anja Kling


Foto: ZDF Oliver Vaccaro



Das Quartett – das Mörderhaus „Zwei Tote in einem Leipziger Altbau stellen „das Quartett“ vor viele Rätsel. Streitereien, Lügen, Heimlichkeiten – jeder Bewohner des Mehrparteienhauses ist plötzlich verdächtig. Antje Engel wird erschlagen im Keller aufgefunden, während ihr Nachbar Hannes Glöckl quasi zeitgleich an einer Vergiftung stirbt. Kann das Zufall sein, oder hat der Tod des einen etwas mit dem anderen zu tun? Schnell wird Bernd Siebert, der Lebensgefährte von Antje Engel, zum Hauptverdächtigen. Doch fast jeder in der verschrobenen Hausgemeinschaft hätte auch ein Mordmotiv.

Samstag, 12. Dezember, 20.15 Uhr ZDF


Interview mit Anja Kling

Marion Graeber 09/12/20


Wann wurde „Das Quartett – das Mörderhaus“ gedreht?

Das war 2019 im Herbst.

Alle Ermittler des Quartetts haben ihre ganz eigenen, markanten Charaktere. Wie beschreiben Sie Ihre Rolle und was reizt Sie an ihr?

Mich reizt vor allem unser Zusammenspiel. Unser Quartett zeichnet sich durch ein großes „Miteinander“ aus. Es „menschelt“ bei uns ohne Hierarchie-Gehabe. Meine Maike ist zwar die Chefin des K14, aber sie setzt auf Teamfähigkeit. Das gefällt mir.

Wie sehen Sie die Besetzung der Charaktere Maike Riem, Christoph Hofherr, Pia Walther und Linus Roth - passen die Rollen zu den Charakteren der Protagonisten – sehen Sie Verbindungen?

Natürlich bringt jeder Schauspieler auch Eigenes mit ein in seine Rolle. Dennoch sehe ich zwischen meinen Kollegen und den Charakteren ihrer Rollen wenig Verbindung. Das sind die Ideen der Autoren, die meine Kollegen jeder für sich umgesetzt und zu Eigen gemacht haben.

Man bekommt im Laufe des Films und auch gegen Ende mehr Details zum Leben der Ermittler. Doch hat man als Zuschauer das Gefühl … da ist noch viel mehr. Das Quartett lief mit einem ersten Film 2019. Nun der zweite Film. Werden die Informationen zu den Ermittlern mit einem Spannungsbogen über mehrere Folgen erzählt?

Auch in Teil 3 und 4 wird es nur sehr wenig zum persönlichen Leben der Ermittler geben. Ich hoffe, wir bekommen die Chance in späteren Folgen näher darauf eingehen zu können. Aber zunächst stehen bei uns die Fälle im Vordergrund.

Das Mörderhaus“ spielt in der Stadt Leipzig. Sind Sie persönlich Stadt- oder Landmensch? .. Oder sehen Sie eventuell beide Vorzüge?

Ich bin auf dem Land groß geworden. Mit 16 zog es mich dann in die Stadt. 12 Jahre habe ich den Trubel der Großstadt genossen, mein Kinderwunsch zog mich dann wieder Richtung Land. Und jetzt bleibe ich da auch gerne.

Was ist für Sie Heimat?

Meine Heimat ist da, wo meine Familie ist.

Wie sehen Sie für sich das Thema „Nachbarschaft“?

Ich habe großartige Nachbarn. Meine Eltern wohnen nebenan, unsere Grundstücke trennt nicht mal ein Zaun. Und zu zwei anderen Nachbarn haben wir Tore in die Zäune gebaut, damit wir schneller hin- und herflitzen können.

Nachbarschaftshilfe“ gerade in der heutigen Zeit ein wichtiges Thema. Welche Erfahrungen haben Sie eventuell schon mit Nachbarschaftshilfe machen können?

Das wird bei uns großgeschrieben. Wir helfen uns alle permanent bei Arbeiten in Haus und Garten und sitzen, wenn Corona es wieder zulässt, anschließend gemeinsam an der Feuerstelle.

Die Ermittlungen in „Das Quartett“ sind begleitet von technischen Innovationen. Haben Sie für die Authentizität echte Kriminalisten zur Unterstützung am Set?

Unsere Regisseurin durfte die Technik ausführlich begutachten und hat uns ihr Wissen dann weitervermittelt.

Kriminalfälle sind immer auch eine Konfrontation mit Tod, Angst, Brutalität und diversen Verbrechen. Wie sehr beeinflussen die Dreharbeiten, diese Kriminalfälle, das eigene Leben? Nimmt man da was mit nach Hause? … Oder wie können Sie nach anstrengenden Drehtagen am besten abschalten?

Unsere „Leichen“, „Mörder“ und andere Verbrecher am Set sind ja Schauspieler. Wir reden und lachen miteinander und stehen in der Mittagspause gemeinsam beim Catering an. Insofern nimmt man nichts „Gruseliges“ mit nach Hause. Man ist nach langen Drehtagen durch die hohe Konzentration am Set so kaputt wie es andere arbeitende Menschen auch sind. Dann fahre ich heim, esse etwas, lerne den Text für den nächsten Tag, dusche und gehe schlafen. Mehr ist zeitlich gar nicht möglich.

Vielleicht hilft Ihnen auch die Musik, um Gedankenkreise zu durchbrechen? Welches Musikgenre hören Sie persönlich gerne?

Ich höre verschiedenes gerne, querbeet. Je nach Stimmung und Laune.

Zur Musik gehört auch immer ein bisschen der Tanz. Darf ich Sie fragen, ob Sie gerne tanzen, beziehungsweise Berührungspunkte zum Tango Argentino haben?

Ich tanze sehr gerne und liebe auch den Tango Argentino - als Zuschauerin. Leider habe ich nie gelernt ihn zu tanzen.

In „Das Quartett“ sind die Ermittler, so unterschiedlich sie auch sind, aufeinander angewiesen. Man hat das Gefühl „gemeinsam sind sie stark“. Wie ist der Zusammenhalt des Teams auch fernab der Kamera? … Vielleicht sind Sie so etwas wie, „Nachbarn im Herzen“?

Wir vier sind wirklich ein tolles Team. Auch ohne die Kamera ist unser Zusammenhalt groß. Es gibt keine Hierarchie, keine Missgunst, keinen Egotrip. Wir sehen uns tatsächlich als Quartett und schätzen uns einander sehr. Ein großes Glück!

Ich habe gelesen, dass bereits zwei weitere Folgen „Das Quartett“ gedreht wurden. Ist es richtig, dass das Drehende im November 2020 war? Wie haben Sie die Dreharbeiten unter Corona Bedingungen erlebt?

Wir haben Teil 3 und 4 grade in 42 Drehtagen abgedreht. Wir Schauspieler wurden jeden zweiten Tag getestet, das Team zwei Mal in der Woche. Die AHA-Regeln wurden extrem diszipliniert eingehalten, sodass alle unbeschadet durch diese Zeit gekommen sind.

Darf ich Sie noch fragen, wie Sie Weihnachten dieses Jahr feiern?

Wir werden sehen, wie die Bundesregierung entscheidet. Natürlich würde ich Weihnachten gerne mit meiner kompletten Familie verbringen. Aber ich will auch niemanden gefährden. Deshalb warten wir es ab.


Vielen Dank für dieses Interview, liebe Frau Kling





'Der Tango Argentino ist ein berauschender Tanz'

Rebecca Immanuel

Foto: Rick Friedman


In der 40. "Katie Fforde" Verfilmung will sich Helen Carter endlich ihren Lebenstraum erfüllen. Doch ihr Sohn Louis schießt quer. Hauptdarstellerin des Films zum zehnjährigen Jubiläum ist Rebecca Immanuel, die wenige Tage vor der Ausstrahlung ihren 50. Geburtstag feiert.

Im Gespräch mit Rebecca Immanuel

„Für immer Mama“ ZDF Herzkino

Marion Graeber - im November 20


Ich freu mich, dass Sie Zeit für mich haben. Wie geht es Ihnen?

Natürlich. Gerne. Baden-Württemberg, I love it. Lacht herzlich.

Mein schwäbischer Dialekt lässt sich nicht verleugnen ;)

Das hoffe ich doch. Da bestehe ich drauf. Ich schätze Baden-Württemberg, hab meine schönsten Erinnerungen aus meiner ganz frühen Karriere dort gemacht.

Inwiefern?

Ich hab ja eine staatliche Schauspielausbildung. Wie Sie wissen, gibt es da immer tausend Anwärter auf wenige Plätze. In Baden-Württemberg hatte ich meine aller-, allererste Schauspielaufnahmeprüfung. Das war 1992. Damals hab ich da tatsächlich in der Bahnhofsmission übernachtet. Als Student hat man ja wenig Geld. Ich hab die Aufnahmeprüfung gemacht und quasi das ganze Kollegium dort so aus den Latschen gehauen, dass der Leiter ein paar Wochen danach angerufen hat, um mir mitzuteilen, dass ich die letzte Runde der Prüfungen nicht mehr mitmachen muss. Ich hatte auf jeden Fall meinen Platz sicher.  

Immer schön, wenn man positive Erinnerungen an eine Region hat.

Ich finde Sie haben auch so wunderschöne Museen. 

Sie leben jetzt in Berlin?

Ja, ich lebe in Berlin.

Wie erleben Sie die Zeit der Pandemie?

Eine wirklich bedrückend schwere Zeit. Mir fällt eine Geschichte dazu ein. Welche mich berührt hat. Vor ein paar Wochen hab ich in Berlin mit meinem Sohn in einem Restaurant zu Mittag gegessen. Wir gehen da gerne hin. Wir saßen in einem Raum, gemeinsam mit einer älteren Dame. Sie war ein Tisch weiter, mit Abstand. Wir kamen ins Gespräch, kamen auf Corona und sie sagte, sie hoffe, dass das Restaurant diese Krise überleben würde. Wissen Sie, meinte sie, ich bin so alt und manchmal liege ich mit Trauer im Bett und denke, meine Generation ... der Krieg, die Nachkriegszeit, die Berliner Blockade, all das haben wir überstanden und jetzt kommt diese Pandemie und ich dachte, ich könnte meinen Lebensabend in Ruhe genießen. Das ist so traurig. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, mir tut das für die Kinder leid, die Jugendlichen, für uns, die Erwachsenen und für die älteren Menschen.

Eine wirkliche Herausforderung. Da tun gerade auch die Herzkinofilme gut. In "Für immer Mama", spielen Sie eine Frau, die ihren Lebenstraum trotz etlicher Hindernisse verwirklicht. Wie wichtig ist es, Ihrer Meinung nach, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und, wenn möglich, es nach den eigenen Wünschen und Begabungen zu gestalten und zu leben?

Liebe Frau Graeber, ich möchte mich ganz herzlich für diese tolle Frage bedanken. Diese Frage ist sehr sinnvoll und für mich von elementarer Bedeutung. Ich bin ein Mensch, der nach dem Motto lebt „love it, change it or leave it“. Und das nicht nur in Bezug auf meine berufliche Tätigkeit, meine Hobbys oder meine Beziehungsstrukturen. Ich glaube, wenn wir den Mut finden uns selber kennen zu lernen, uns selber gut zu begleiten, so wie man sein Kind gut ins Leben begleitet, so wie man seinen Partner in einer Ehe oder Liebesbeziehung gut begleitet und stützt -  wenn man diese Form von freundschaftlicher Liebe sich selber zukommen lässt, dann weiß man auch ziemlich genau, was einem gut tut und was nicht. Wo man gut aufgehoben ist und wo nicht. Das führt zu seelischer Gesundheit. Ich glaube fest daran, dass jeder von uns Gaben mitbekommen hat, die auch eine Aufgabe beinhalten. Und diese Aufgabe ist etwas, wo wir der ganzen Gruppe der Menschen, dienen. Die tolle, kürzlich verstorbene Richterin, Ruth Bader Ginsburg sagte, „Wir leben unser Leben nicht nur für uns selbst, sondern auch für die Gemeinschaft“. Und das kann ich voll unterschreiben.

War es für Sie immer schon klar und Ihr Wunsch Schauspielerin zu werden?

Jein .. Lacht.

Ich muss deswegen sagen Jein, weil mich immer der Mensch interessiert hat und ich anfangs den Wunsch hatte, Menschen gesund und heil zu machen. Als Kind war mein Wunsch daher, Ärztin zu werden. In der fünften Klasse hab ich dann Latein bekommen. Lächelt. Ich sag es offen, ich hab es zum kleinen Latinum geschafft, aber es war mühsam. Das darstellende Spiel hingegen ist mir immer zugefallen. Von der Leichtigkeit, mit der ich Texte lerne, bis zur charismatischen Präsenz, die ich schon damals auf die Bühne brachte.

Das sind Talente, die mir in die Wiege  gelegt wurden. Ich hab mit zwanzig Jahren zu meiner besten Freundin in Hamburg gesagt, ich hab das Gefühl, ich muss Schauspielerin werden, aber ich hab keine Lust, ich möchte Ärztin werden, weil mir das sinnvoller zu sein scheint.

Beim Schauspiel sind aber immer die Türen aufgegangen. Ich war auf einem Straßenfest, Fotografen haben mich gefunden. Ich war auf einer Barkassenfahrt und mich hat das Kamerateam gefunden. Das war immer so. Es hat viele Jahre gebraucht, bis ich begriffen habe, dass der Beruf einer Schauspielerin durchaus eine tiefe Sinnhaftigkeit haben kann. Nämlich indem ich Menschen inspiriere, indem ich Werte und Wissen in null Komma nichts an viele Menschen weiter geben kann, wie zum Beispiel durch unser Interview. Das hätte ich selbst als beste Ärztin von Hamburg nicht geschafft.    

Jeder hat seine Aufgabe.

Die Dreharbeiten zu „Für immer Mama“, haben im vergangenen Jahr stattgefunden?

Ja, das war im vergangenen Sommer in Massachussetts nördlich von Boston. Von dort aus sind wir an diverse schöne Drehorte gefahren. Haben Sie den Film schon gesehen?

Ja, ich durfte die Pressekopie bereits anschauen.

Und, wie hat er Ihnen gefallen?

Sehr gut. Es werden viele Themen aufgegriffen, beispielsweise das der alleinerziehenden Mutter, die für ihr Kind die eigenen Ziele zurückgesteckt hat, ein späteres Liebesglück und das Thema rund um das amerikanischen Gesundheitssystem, um diese zu nennen.

Danke. Lächelt. Ich muss Ihnen beipflichten, als ich das Drehbuch gelesen hab, musste ich lachen, war gerührt, war traurig und gespannt. Da ist wirklich alles drin. Bei der visuellen Umsetzung des Films hab ich im nachhinein dann noch die Umgebung gesehen und dachte nur wow, ist das schön. Landschaftsaufnahmen sieht man selber oft erst später - im fertigen Produkt. Gerade die mit den Drohnenaufnahmen beispielsweise.

Wie lange haben Sie gedreht?

Innerhalb von 28 Tagen USA, hatte ich nur viereinhalb Tage frei. Körperlich war das ein echter Ritt. Dadurch gab es leider nicht die Möglichkeit dort noch zu reisen. Deswegen würde ich da gern nochmal hinfahren. Lächelt.  

Reisen Sie gern? Fehlt es Ihnen in diesen Zeiten?

Ich bedauere es, dass unsere Freiheit, wenn es auch vernünftig ist, so stark eingeschränkt ist. Man reist ja nicht nur um Landschaften und neue Städte zu entdecken. Man reist auch viel, weil man Familie trifft oder mit Freunden zusammen ist. Diese Form der Einschränkung sozialer Kontakte, die ich total verstehe, ist aber, neben den schlimmen wirtschaftlichen Begleiterscheinungen, nur schwer auszuhalten.

Was schätzen Sie besonders am Herzkino?

Ich schätze an Kunst allgemein, aber auch gerade am Herzkino den Umstand, dass es den Menschen das Herz wärmt. Hannelore Hoger hat einmal gesagt: „Die Aufgabe der Kunst ist es, den Menschen das Herz zu wärmen. Denn in einer Gesellschaft wo die Herzen erkalten gibt es Krieg“. Wenn wir uns umschauen, mit all den Populisten an allen Ecken und Enden, es brennt auf unserer Welt. Um so wichtiger ist es, dass wir ein lebensbejahendes, menschliches und inspirierendes Gegengewicht schaffen. Und deswegen schätze ich die Herzkinoreihe und ganz besonders diesen Film, weil er eben auch Frauen aller Altersklassen ermutigt sich ihre Lebensträume zu verwirklichen.

Sie haben sich mit Ihrem Album auch einen Traum erfüllt

Ja, ich hab in diesem Jahr mein erstes musikalisches Album gemacht. Im Coronajahr. Viele haben mich gefragt, wie ich das jetzt machen kann. Aber ich hab mir gedacht, wenn es in der Herzen der Menschen durch Corona so dunkel ist und wir noch gar nicht absehen können, was an Weihnachten auf uns zukommt mit den Reise- und Kontaktbeschränkungen, da möchte ich etwas mitgeben was Licht bringt.

Wie haben Sie das zeitlich hinbekommen?

Lacht. Ja, trotz Homeschooling und einem anderen Herzkinofilm sowie dem Bergdoktor ist es mir gelungen, von der Idee bis zum fertigen Produkt, diese CD innerhalb von fünf Monaten auf den Markt zu bringen. Mit meinem Album möchte ich Menschen inspirieren und ihnen Kraft geben, sich ihre Lebenswünsche zu erfüllen, egal ob Mann oder Frau, jung oder alt. Mein Weihnachts-CD und der Film, beides vermittelt die Botschaft für sich und seine Herzensträume zu gehen.

Ich habe auf diesem, meinem Weg so viele Menschen, auch in meinem Umfeld, inspiriert, sich endlich selbstständig zu machen. Trotz Corona. Daraufhin haben sie plötzlich angefangen ihren Dokumentarfilm zu drehen oder sich als Stylistin zu verwirklichen. Jeder Mensch ist wichtig. Wie ein Stein, den man ins Wasser wirft, der seine Kreise zieht .. und alle Kreise berühren sich.

Auch Sie, Frau Graeber sind für Ihr Umfeld mit all dem was Sie machen wichtig. Und genau deswegen mache ich auch dieses Interview. Ich möchte vermitteln: „Glaubt an euch, ihr seid nicht nur für euch selber ein Geschenk sondern für die Gemeinschaft in der ihr lebt“.  

Das sind ganz wundervolle Worte, liebe Frau Immanuel.

Sie sind also auch in der Welt der Musik zuhause .. haben auch bei „The Masked Singer“ mitgemacht

Ich singe schon mein Leben lang. Mein musikalisches Debut ist ein nun ein Weihnachtsalbum mit englischen Coversongs und mit einem kleinen Jazzensemble umgesetzt. Ich schreibe aber auch selber Lieder auf deutsch und auf englisch. Für „Edel und Starck“ habe ich damals auch einen Liedtext geschrieben und performed. Bei „Ein Sommer in Kapstadt“, einem anderen Herzkinofilm, habe ich drei Songs eingesungen, unter anderem den Titelsong. So konnte ich mein Hobby heimlich in meine berufliche Arbeit einfließen lassen. Lacht.

Wann wird es erscheinen?

Zufälligerweise an meinem 50. Geburtstag. Am 13. November. Es heißt „Light“. Freudig. Ich wollte einfach ein Weihnachtsalbum machen, das den Menschen das Herz wärmt und sie ein bisschen auffängt in diesem herausfordernden Coronajahr. Es gibt viel laute Weihnachtsmusik, es gibt traditionelle Weihnachtsmusik. Aber wissen Sie, ich wollte etwas, was einen nach einem langen Arbeitstag etwas erdet und angenehm umschmiegt. Das hab ich so nicht auf dem Markt gefunden, da hab ich es sozusagen selbst hergestellt. Lächelt.

Wir freuen uns drauf :)

Haben Sie vielleicht auch einen Bezug zum Tango Argentino? Die Musik, den Tanz?

Ich finde, der Tango Argentino ist ein berauschend schöner Tanz. Wenn man zuschaut. Ich kann mir auch vorstellen, dass er viele Menschen fasziniert. Die Musik, muss ich gestehen, ist mir ein bisschen zu dramatisch und schwermütig. Tanzen würde ich ihn gerne, nur nicht mit anderen Männer, einzig und allein mit meinem. Lächelt.


Vielen lieben Dank, liebe Frau Immanuel für das wirklich schöne Gespräch. Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Viel Erfolg mit dem neuen Weihnachtsalbum.






'Ich bin eher Tango als Walzer'

Svenja Liesau

Foto: Fabian Schellhorn


Im Gespräch mit Svenja Liesau

Marion Graeber im Oktober 2020

„Altes Land“

Drei Frauen, drei Generationen. Ein Hof im malerischen Alten Land ist der Schauplatz der liebevoll unkonventionellen Erzählung über das Deutschland unserer Mütter und Großmütter, über wurzellose Menschen und über Reiz und Widersinn der Sehnsucht nach dem Landleben. Nach dem Bestseller von Dörte Hansen zeigt das ZDF den Zweiteiler „Altes Land“ mit einem hochkarätigen Ensemble. ZDF Sonntag, 15. und Montag, 16. November , 20.15 Uhr.


Interview

Hallo, liebe Frau Liesau. Wo erreiche ich Sie, sind Sie in Berlin?

Ja, ich lebe und arbeite in Berlin.

In den Jahren 2013 bis 2017 haben Sie in Stuttgart gelebt und gearbeitet. Wo haben Sie gewohnt? Auch in der Stadt?

Ja, im Westen. Nicht weit vom Feuersee.

Wie hat Ihnen die Zeit in Stuttgart gefallen?

Ich hab die Arbeit am Staatsschauspiel extrem genossen. Ich hab wahnsinnig viel gelernt und mit tollen Regisseuren gearbeitet.

Haben Sie sich auch mit den Stuttgartern gut verstanden?

Ehrlich gesagt hatte ich so viel zu tun, dass ich mich mehr auf der Probebühne und der Bühne aufgehalten habe als in der Stadt.

Der Film „Altes Land“ spielt in Hamburg und Umgebung. Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrer Rolle als Anne gereizt?

Es gab  vieles, was sehr interessant war an dem Drehbuch: Dass Frauenfiguren im Zentrum der Geschichte stehen und, dass Flucht ein großes Thema ist. Gerade Anne und Vera (Iris Berben) sind so starke Persönlichkeiten, die sich nicht verbiegen lassen und die ihren Charakteren folgen – gegen alle Widerstände der Familie und Nachbarn. Das hat mich fasziniert. Bei den Rollen der Anne und der Vera sind auch Parallelen zu sehen. Gerade in Bezug auf den Charakter. Sie sind beide auf der Suche nach ihrer Identität. Das ist auch ein Grund für Anne, zu ihrer Tante Vera zu gehen, der sie sich immer verbunden gefühlt hat.

Wie war es mit Iris Berben zu drehen? Bestimmt eine tolle Zeit.

Eine total tolle Zeit – mit dem ganzen Team. Das war insgesamt wahnsinnig inspirierend und super angenehm. 

Anne lebt in drei Leben: Da ist dieses Leben, als kleine Familie, welches jedoch zerbricht. Dann dieses Leben ihrer Herkunft – wohlbehütet und gut situiert. Und letztendlich das Leben mit Vera auf dem Land. Was denken Sie, sind Veränderungen in der Lebensweise möglich, oder sind wir doch durch unsere Herkunft, unser Heranwachsen geprägt?

Ich denke, eine Prägung kann in alle Richtungen ausschlagen. Je nachdem, wie man seine Kindheit erlebt hat und wie man seine Schlüsse daraus zieht. Auf diese Weise kann es zu unterschiedlichen Entwicklungen führen.

Das Landleben wird oft mit einer Romantik gleichgesetzt, kann ja aber doch auch hart sein.

Ja, also mein Ding ist es nicht.

Dann sind Sie Stadtmensch? Was schätzen Sie an dieser Form des Lebens?

Die Vielzahl an Möglichkeiten, die so eine Stadt bietet. Die Lichter, die Diversität, das Abenteuer. Ich arbeite in Berlin im Ensemble des Maxim Gorki Theaters – ich umgebe mich gerne mit Menschen.

Sind Sie ein Nachtmensch?

Bingo. Lacht. Also, wenn man mich fragen würde, mein Tag sollte 48 Stunden haben.

Vor drei geh auch ich nicht ins Bett.

Ich auch nicht. Lächelt. Lange ausschlafen kann ich allerdings nicht. Ich bringe morgens meine Tochter in die Schule und muss zu den Proben. Also, ich schlafe eher wenig.

Im Film „Altes Land“ spielen Generationen eine große Rolle. Ob in der Stadt oder auf dem Land – Generationshäuser sind überall zu finden und spielen heutzutage eine Rolle im Zusammenleben. Wie stehen Sie dazu? Könnten Sie sich vorstellen, so zu leben?

Ja, schon. Ich finde das interessant, weil ich glaube, dass jede Generation von der anderen lernen und man sich gegenseitig unterstützen kann. Auch können sich die Generatione bereichern.

Ich habe gelesen, sie tanzen klassisch und modern. Haben Sie auch einen Bezug zum Tango Argentino?

Wir hatten natürlich Tanz auf der Schauspielschule, auf der Ernst Busch, auf der ich war. Da haben wir auch Tango getanzt. In einem Satz zusammengefasst – Ich bin eher Tango als Walzer.

Kennen Sie die Tangoszene in Stuttgart oder Berlin?

Neulich hab ich auf der Museumsinsel am Abend gesehen, wie sich mehrere Leute getroffen haben, um Tango zu tanzen. Das war richtig schön.

Wie trifft Sie die Pandemie?

Wir haben wieder angefangen zu proben und ich hatte auch die erste Premiere. Die Bedingungen sind komplett umgekrempelt, ich muss aber sagen, dass ich in meinem fest angestellten Arbeitsverhältnis in einer privilegierten Situation bin, im Vergleich zu meinen freien Kollegen, sowohl im freien Schauspiel als auch in der Musik. Meine Freunde und Freundinnen dort hat die Pandemie rein wirtschaftlich noch viel mehr getroffen als mich. Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei ihnen.

Die Arbeit ist unter Corona mit einem Mehraufwand verbunden. Alles muss durchdacht werden, Konzepte werden erstellt.

Ja, ich bin sehr froh, dass wir wieder spielen können – und das vor Publikum. Diese Richtlinien, das ist nicht die Form, in der ich weiter arbeiten will. Wir müssen 1,5 Meter Abstand halten. Wenn wir lauter werden, sind es sogar 6 Meter. Es gibt keine Berührungen mehr. Requisiten können nicht mehr ausgetauscht werden, ohne, dass man sie vorher desinfiziert. Das bekommt man ein paar Mal gesagt und dann muss man das in den Körper bekommen. Aber im Vergleich – also ich nehme dieses Ofper gern auf mich, wenn ich wieder spielen darf.

Ich selbst bin auch gern in Kommunikation mit Menschen. Mag Berührungen… Die Situation ist nicht einfach.

Ja, ich frage mich manchmal, was das für einen Impact haben wird auf die kleinere, jüngere Generation. Kinder, die Abstand halten müssen, Maske tragen. Ich merke schon an mir selbst, wenn jemand an mir vorbeigeht, dass ich automatisch einen Schritt zurücktrete. Versuche, den Abstand zu wahren. Wird das wieder anders werden? Und, wenn ja, bekommt man das aus dem Körper wieder raus? Was macht das mit der Generation, die jetzt heranwächst? Das sind Fragen, die ich mir stelle. Auch, dass Kinder ihre Pausenbrote nicht mehr austauschen – was hat das für einen Einfluss, was das Teilen angeht. Das macht mir Sorge.

Vielleicht hilft Musik über das ein oder andere hinweg. Welches Genre hören Sie?

Ich höre gerne Punk. Ich höre aber auch gerne andere Musik. Heute, auf meinem Weg zur Probe, habe ich Sufjan Stevens, einen Singer/Songwriter gehört. Ich mag kein Pop. Musik hilft in den verschiedenen Lebenssituationen. Musik ist ein wertvoller Teil des Lebens. Gerade, wenn ich mit meinem Fahrrad zur Probe fahre –  merke ich, was das in Verbindung mit dem Wetter und der Umgebung, mit meiner Stimmung macht, Wie Musik mich beeinflusst. Ich brauch morgens was mit „Wumms“. Wenn ich da mit melancholischer Musik starten würde, müsste ich direkt wieder ins Bett. Lacht.



Vielen, lieben Dank für das tolle Gespräch. Das hat mich sehr gefreut





'Der Tango, der hat so viel Feuer in sich - ein ganz großartiger Tanz'
Janine Kunze

Foto: ZDF Frank Dicks


Mit zwölf neuen Fällen, darunter einem großen Jubiläum, meldet sich der Bochumer Ermittler zurück. In der 100. Folge feiern Nikolas Heldt (Kai Schumann) und Staatsanwältin Bannenberg (Janine Kunze) mit ihren Kollegen und Freunden auf spektakuläre Art in Deutschlands aufwändigstem Escape-Room „Flug des Todes“. Doch dann verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Realität. Aus einem harmlosen Spaß entwickelt sich ein Kampf ums Überleben – im wirklichen Leben.

Im Gespräch mit Janine Kunze - Marion Graeber

Im September 20

Vielen Dank, liebe Frau Kunze, dass Sie Zeit für mich haben. Wie geht es Ihnen?

Bis jetzt, Gott sei Dank, alles gesund und munter. Ich gehe ständig zu Coronatests, da ich Arbeit habe - und das nicht zu knapp (lächelt). Alles im grünen Bereich.

Alles unterliegt einer großem Umstellung. Ist aufwändiger geworden …

Ja, es ist alles sehr speziell geworden aber wir machen das alles mit und ich finde das auch ganz toll in meiner Branche – da jammert keiner. Wir alle, die Jobs haben, sind dankbar, dass wir arbeiten dürfen. Da werden Sicherheitsabstände eingehalten, Masken getragen und wir gehen, wie gesagt, ständig zu Tests. Alle gehen sehr verantwortungsvoll mit sich und den anderen um. Das finde ich großartig.

Beim Einkaufen ist es stiller geworden, freundlicher – aber es gibt auch diese andere Seite …

Ja, total. Die Menschen reagieren sehr verschieden. Ich merke auch sehr, dass viele mit den ganzen Neuerungen nicht klar kommen. Sind vielleicht auch ängstlich und verunsichert. Das ruft dann leider manchmal auch Aggressionen hervor. Ich denke, da sollte man an sich arbeiten und ruhig bleiben. Ich glaube es ist absehbar. Ich hab da Gottvertrauen und denke, es ist eine ganz eigenartige, spezielle Situation, die auch Angst macht. Doch, wenn wir jetzt alle zusammen stehen und diese ganzen Vorgaben einhalten, dann bin ich ganz fest davon überzeugt, dass wir das alle zusammen durchstehen und bald was gegen dieses Virus finden. Es heißt jetzt einfach nur durchhalten - für sich und die Gemeinschaft.

Ich denke, Sie hatten auch einen tollen Zusammenhalt bei „Heldt“. Wie fühlt es sich nach all den Jahren an, dass nun die letzte Staffel anlaufen wird?

Wir haben alle diesen Trennungsschmerz, weil wir sehr miteinander verbunden sind. Aber wir haben alle Kontakt miteinander. Es gibt auch eine Heldt-Gruppe in der wir uns regelmäßig schreiben. Wir sehen uns auch. Gerade auch mit Kai bin ich in einem sehr engen Kontakt. Es ist immer ein großer Schritt, wenn etwas beendet wird. In meiner beruflichen Karriere war ich immer wieder mal Bestandteil einer langlaufenden Serie. Das heißt, ich kenne das schon. Wir Schauspieler sind ja immer ambivalent. Auf der einen Seite sagen wir „es geht weiter“, man wünscht es sich … auf der anderen Seite ist es auch traurig, weil wir Abschied nehmen müssen. Ich glaube wir Menschen sind im Abschied nehmen sehr sehr schlecht. Wir durften bei „Heldt“ viele Dinge gemeinsam erleben. Waren Bestandteil einer unfassbar tollen Serie und eines großartigen Teams. Das war wirklich besonders. Wir sind, wie gesagt, bis heute miteinander verbunden, daran sieht man, wie wichtig uns die Kollegen sind und auch die Serie war.

Wussten Sie schon bei den Dreharbeiten, dass dies die letzte Staffel sein wird?

Es gab Gespräche und wir haben das schon alle gewusst. Ja. Das war also nicht so der mega Schlag. Kai und ich haben auch oft zusammen gesessen und uns gefragt, wie lange der Weg wohl noch geht. Als Schauspieler kommst du auch selbst mal an den Punkt, so toll das auch alles ist, einen Cut zu machen und weiter zu reiten. Das gehört auch dazu. Auf der anderen Seite wird man gern auch älter mit etwas woran man hängt und was man toll findet. Da schlagen zwei Herzen in einer Brust. Wir sind beide unendlich traurig aber wir haben beide auch Perspektiven und es geht immer weiter. Wenn was endet fängt was Neues an.

Wie wird die Serie enden? Wird es dramatisch, emotional, mit Happy End … ?

Das darf ich Ihnen ja nicht verraten (lacht). Aber ich kann Ihnen sagen, es wird in der ganzen Staffel sehr lustig, dramatisch, spannend und extrem emotional. Da haben wir uns alle nicht lumpen lassen. (Lacht). Die Leute können sich sehr sehr freuen. Ich muss auch mal danke sagen: Die Fans sind so unglaublich. Was bei Bekanntgabe des Serienendes bei Kai und bei mir passiert ist, das war echt verrückt.

„Heldt“, so wird es beschrieben, ist als Comedy Krimi an den Start gegangen. Ein Konzept mit einer gewissen Leichtigkeit … Da geht uns schon was verloren…

Das ist ganz süß, was Sie da sagen und das ehrt uns auch sehr. So war „Heldt“ und so ist „Heldt“. Wir hatten von Anfang an nicht das Konzept „wir haben einen Mord und klären auf“. Es ging auch um viele alltäglichen Dinge. So haben wir versucht die Leute auch auf andere Weise zu unterhalten indem wir lustige Aspekte aus dem Alltag mit hineingenommen haben. Auch haben wir viele emotionale Ebenen abgedeckt. Das ist auch für uns Schauspieler, die wir eben diese Rollen zum Leben erwecken durften, was ganz besonderes gewesen. Es gab Folgen, die waren extrem Fallbezogen, Folgen die sehr lustig waren, andere wieder extrem emotional bis hin zu sehr spannend und privat. Das haben wir alle auch sehr geliebt.

Die 100ste Folge findet in einem Escape Room statt. Haben Sie privat schon mal eine solche Erfahrung gemacht?

Ehrlich gesagt, nein. Wir haben uns aber alle bei den Dreharbeiten gesagt, dass wir das mal machen müssen. Zu Corona Zeiten ist das jetzt schlecht möglich aber das werde ich bestimmt mal machen. Gerade mit den Kindern ist das bestimmt ein großartiges Erlebnis.

Ich habe gelesen, die Suche nach einem passenden Flieger war schwierig ….

Wir haben da einen kompletten Flieger umgebaut. Das ist großartig geworden. Lächelt. Das war ein Riesenprojekt. Die Produktion stand vor einer riesigen Herausforderung. Es ist zudem nicht einfach auf einem Flughafengelände zu drehen. Eine großartige Aktion in Zusammenarbeit mit dem Kölner Flughafen. Eine wilde Fahrt. Lacht.

Welches Musikgenre hören Sie gerne?

Das ist bei mir sehr unterschiedlich. Ich liebe Klassik. Ich mag Chopin gerne. Ich höre wahnsinnig gerne Vivaldi. Ich liebe Mozart. Aber ich höre auch gern die aktuellen Charts. Ich deck da vieles ab. (Lächelt). Es gibt Momente da brauch ich auch traurige Musik, die ans Herz geht – Ed Sheeran, Sam Smith. Ich höre aber auch Country, beispielsweise von John Denver. Es kommt bei mir auf die Tagesform an. Offen für Neues bin ich immer. Durch die Kinder lerne ich auch viele neue Sachen kennen. Wir gehen auch viel auf Konzerte. Das gestalten wir ganz abwechslungsreich.

Wollen wir hoffen, dass das bald wieder möglich ist mit den Konzerten und Co….

Ja, es gibt so viele Einschränkungen mit denen man eben gerade leben muss. Ich wünsche uns so sehr die Normalität zurück. Aber die finden wir nur, wenn wir die Zähne zusammen beißen und positiv bleiben. Nur so kommen wir da raus. Da appelliere ich an die Menschen, die sich verwehren. Ich denke um so mehr wir uns an all die Vorgaben halten um so schneller kommen wir da raus.

Man darf auch nicht nur auf den Konsumenten blicken, sonder eben auch auf die Künstler und die ganzen Branchen die da mit dranhängen …

Es gibt fast keine Branche, die nicht gebeutelt ist. Die Techniker, die Bühnenbauer, die Caterer – was da alles dranhängt.. Da hab ich kein Verständnis für die Leute, die da so ausbrechen. Wir schaden uns so nur selbst. Ich appelliere wirklich an die Menschen – haltet durch, das ist ein Verzicht auf Zeit. Je schneller wir das gemeinsam in Griff bekommen desto schneller finden wir zu unserer geliebten Normalität und Freiheit zurück. Da müssen wir uns alle mal zusammenreißen… Viele in den Branchen sind Selbstständige … Das ist das Problem. … Und jeder schimpft auf das System. Der Staat kann nicht alles direkt richtig machen. Geduld, Weitsicht, Nächstenliebe und Verständnis ist gefragt. Das ist für uns alle neu. Ich habe Bekannte und Kollegen, die seit März nicht einen Arbeitstag hatten. So geht es vielen auch in anderen Bereichen. Da spielen sich Dramen ab. Doch in Deutschland geht es uns vergleichsweise noch gut.

Sie sind sehr sportlich. Arbeiten mit dem Power Plate … Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?

Leider nicht mehr. Ich war in der Tanzschule und ich hab auch alle Abzeichen gemacht. Danach hab ich im Club getanzt. Da war ich Jugendliche. Ich liebe es zu tanzen und gerade der Tango ist ein südamerikanischer Tanz, der hat so viel Feuer in sich. Das ist ein ganz besonders toller Tanz. Da kommen so viele Emotionen in einem auf, wenn man den tanzen darf. Ganz wunderbar.

Wo wird man Sie zukünftig sehen?

Ich hab so wahnsinnig viele Shows gemacht. Auch gibt es einen Podcast mit meiner Tochter - "Kunzes Kosmos", der derzeit einzige Mutter-Tochter-Podcast. Neue Werbespots für Poco sind ebenfalls gedreht. Ich mach also derzeit viel Shows und Moderation. Ich liebe das und hab sehr viel Spaß daran. Ich hoffe, ich kann das transportieren. Ich liebe meinen Job.


Vielen Dank, liebe Frau Kunze für das schöne Gespräch. Das hat mich sehr gefreut. Alles Liebe. 





'Mir ist die Musik der 1970er und 80er Jahre nahe. Das ist die Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Aber ich bin eigentlich gar nicht so ein großer Musikhörer. Ich muss gestehen, ich mag sehr gerne die Stille und die Geräusche, die um mich herum passieren'

Justus von Dohnányi

Foto: ZDF Frank Dicks


Der milliardenschwere deutsche Technologie-Konzern Lindemann hat sich zum Ziel gesetzt, das erste selbstfahrende Auto auf den Markt zu bringen. Bei einer Testfahrt kommt es zu einem Unfall, und eine Frau stirbt. Die Lindemanns sind es gewohnt, Probleme jeder Art mit Geld aus der Welt zu schaffen. Aber dieses Mal stehen sie im Licht der Öffentlichkeit. Jetzt gilt es für den CEO Benedikt Lindemann, das Bild des traditionsbewussten Familienunternehmens nach außen zu wahren. Doch die Machtspiele der Familie drohen zu eskalieren ..... „Breaking Even“ ZDFneo ab Mittwoch 14. Oktober, 20.15 Uhr


Im Gespräch mit Justus von Dohnányi im September 2020

Marion Graeber



In der ZDFneo-Dramaserie „Breaking Even“, spielen Sie den Firmenchef Benedikt Lindemann - wie würden Sie Ihre Rolle charakterisieren?

Lindemann ist ein Vollblutmanager. Um seine Ziele durchzusetzen geht er relativ skrupellos mit anderen Menschen um. Das betrifft seine Familie, aber auch Menschen außerhalb des Familienkreises. Dabei kennt er annähernd keine Grenzen um das durchzusetzen, was er für richtig hält.

Was hat Sie an der Darstellung besonders gereizt?

Ich fand die Idee eine solche Figur zu spielen, die so einen doppelten Boden hat, ganz interessant. Diesen durchsetzungsstarken Manager, der seine Interessen nicht alle offen legt, der dieses Spiel im Spiel spielt. Ich fand auch die Bücher gut entwickelt und geschrieben. Ich hab mich da sehr wohl gefühlt.

Gibt es Charaktere, die Sie bevorzugt verkörpern möchten oder schlüpfen Sie gern in die verschiedensten Rollen?

Ja, das Schlüpfen in verschiedene Rollen ist eigentlich mein Wunsch und war auch der Ansatz, warum man das Mal werden wollte. Schauspieler. Ich hab sehr viel Theaterarbeit gemacht. Anfangs mehr als Film. Film hab ich später angefangen. Im Theater wird man im Ensemble immer wieder in ganz andere Geschichten hineingepackt und das macht eigentlich die Vielfalt, die Freude und den Spaß aus.   

Wie bereiten Sie sich auf Rollen vor?

Das kommt ganz auf den Charakter an. Wie die Rolle angelegt ist. Manchmal gibt es historische Vorlagen, manchmal reale Personen. Manchmal ist es ein intensives Gespräch mit dem Regisseur, ein anderes Mal ein Fachbuch. Auch kann man aus der eigenen Biographie und den eigenen Erlebnissen schöpfen.

Wie finden Sie den Ausgleich zur Arbeit? Brauchen Sie Natur und Einsamkeit, Menschen und Stadt, Sport oder Musik?

Lacht. Von allem etwas. Wenn ich nicht arbeite, versuche ich mich mit den Dingen zu beschäftigen, die sie angesprochen haben. Ich lebe in Berlin und ich lebe auf dem Land. Das ist sehr angenehm. Wenn mich die Stadt inspirieren soll, dann bin ich in Berlin. Im Moment ist das natürlich durch dieses schreckliche Corona Virus nicht so einfach. Es finden leider nicht so viele kulturelle Veranstaltungen statt.

Welches Musikgenre lieben Sie?

Man wächst ja in einer bestimmten musikalischen Zeit auf. In meinem Alter sind die meisten nicht die größten Metall Fans. Lächelt. Mir ist die Musik aus den 1970er und 80er Jahren näher. Das ist die Musik mit der ich aufgewachsen bin. Aber ich bin eigentlich gar nicht so ein großer Musikhörer. Ich muss gestehen, ich mag sehr gerne die Stille und die Geräusche, die um mich herum passieren. Die in der Natur beispielsweise. Es gibt Menschen, die immer nebenher Musik hören. Das bin ich nicht.

Vielleicht tanzen Sie gerne?

Getanzt hab ich früher. Aber ich hab leider keine goldene Tanznadel. Lacht.

Auch beim Tango ist die Stille, das Innehalten wichtig.

Ja, das stimmt. Aber es kommt immer darauf an, was man für ein Leben führt. Mein Leben ist relativ unstet und alle regelmäßigen Aktivitäten, die man beispielsweise in einem Verein, mit anderen Menschen zusammen macht und erleben könnte, das ist für mich nicht so einfach umzusetzen. Ich bin viel unterwegs. Und den Dienstagabendtermin, wo ich endlich die goldene Tanznadel bekommen könnte, den verpasse ich … Lacht.

Die Dramaserie „Breaking Even“ ist ja sehr düster. Es regnet viel und es gibt häufig Nachtdrehs. Wie gehen Sie damit um? Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?

Ich war früher eindeutig ein Nachtmensch. Doch inzwischen bin ich ein Tagmensch.  Der Dreh bis in die Nacht hinein ist aus zwei Gründen schwierig. Erstens kann man tagsüber nicht mehr so viel schlafen wie früher. Das heißt der nächste Tag, wo man sich erholen sollte damit man nachts wieder drehen kann, funktioniert nicht mehr so einfach. Und zweitens, die Konzentration ist nachts schwerer aufrecht zu erhalten. Der Nachtdreh ist schon anstrengender als der Dreh am Tag. Am Anfang der Woche fangen die Drehtage sehr früh an, dann rutscht man so in eine spätere Zeit rein und am Ende der Woche sind die Drehtage sehr viel später und gehen bis in die Nacht hinein. Dann kommt das Wochenende, wo man versucht sich auszupendeln, damit man Montag in der Früh wieder gut aufstehen kann.

Bei der Produktion waren viele Schauspieler am Set. Wie war die Stimmung?

Die ist immer sehr gut zwischen den Kollegen. Manche Kollegen kennt man auch schon, hat mit ihnen schon gearbeitet. Das ist immer sehr angenehm.

Benedikt Lindemann hat ein düsteres Geheimnis. Er ist knallharter Geschäftsmann, aber auch Familienmensch. Hat Lindemann Sehnsüchte fernab von Macht und Intrigen oder ist er in sich gefangen?

Ich hab den Eindruck gehabt, dass es eine Figur ist, welche die anderen Eigenschaften und Bedürfnisse im Zuge der vielen Arbeit verloren hat. Das ist kein ungewöhnlicher Aspekt. In vielen Karrieren ist es so, dass ein bisschen die Betriebsblindheit einsetzt, dass Familie und Freunde vernachlässigt werden und auch für Hobbys keine Zeit mehr ist. Ich hab weiter den Eindruck, dass er abgestumpft ist und losgelöst vom Privatleben. Er ist der Managertyp, der einfach funktionieren muss. Er meint alles entscheiden und in der Hand haben zu müssen.

Er spürt sich nicht mehr wirklich?

Nicht mehr wirklich. Er hat auch die Verbindung zu seiner Frau und der Ehe verloren. Betrachtet man die momentane Situation, inmitten einer Pandemie, gibt es diese Biografien, in denen Menschen, die viel gearbeitet haben, zurückfallen, entschleunigen müssen.

Wie ergeht es Ihnen?

Ich hab bis März an einem Kinofilm in Holland und Belgien gedreht. Dann gab es noch Verschiebungen. Ich hatte sehr viel zu erledigen. Wir sind dann auch noch umgezogen, haben renoviert und uns eingerichtet. Die Zeit war sehr gefüllt. Dann hab ich einen Film über fünf Wochen beim Hessischen Rundfunk gedreht. Ich hab die Pandemie wie alle Menschen erfahren, aber ich hatte sehr viel um die Ohren muss ich sagen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich Däumchen drehe oder im Stillstand bin.

Bei den Filmdrehs in Pandemiezeiten werden Tests und Quarantäne eingesetzt?

Ja, man muss in Quarantäne und wir sind wöchentlich getestet worden. Wir hatten aber aktuell einen Dreh mit einem überschaubaren Team. Das war eine sehr konzentrierte Arbeit. Das war sicher auf diese Weise etwas leichter zu organisieren und zu realisieren. Das hat gut funktioniert aber man merkt schon, dass es viele Beeinträchtigungen gibt.

In der Dramaserie ist das Unternehmen Lindemann ein Technologiekonzern. Es geht um das selbstfahrende Auto. Was halten Sie davon?

Ich denke schon, dass das irgendwann passieren wird. Ich glaube aber, dass es aufgrund der Rechenkapazität und der Netzabhängigkeit noch ein Weilchen dauern wird.  

Fahren Sie gerne Auto?

Ich bin generell gern ein Autofahrer. Ich hab es auch lieber gern selber in der Hand, das gebe ich zu. Ich finde den ein oder anderen Fahrassistenten dann auch eher störend als hilfreich. Lächelt.


Vielen lieben Dank, Herr von Dohnányi für das schöne Gespräch. Ich hab mich wirklich sehr gefreut. 



Weiteres Interview zu 'Breaking Even'


Ich finde Musik schon wichtig, weil es einen auch an bestimmte Zeiten erinnert und in besondere Stimmung versetzen kann'

Lorna Ishema

Foto: Robin Kater


...gleichzeitig stößt die mit dem Fall betraute aufstrebende Firmenanwältin Nora Shaheen auf eine weitere Bedrohung: die jugendliche Aussteigerin Jenny, die mit dubiosen Methoden versucht, Konstantin, dem jüngsten Sohn der Lindemanns, nahezukommen. Als Nora herausfindet, dass Jenny einen Jahre zurückliegenden Todesfall aufklären will, in den die Lindemanns verwickelt sind, schließen sich die beiden Frauen zu einem ungleichen Ermittlerduo zusammen. Sie dringen immer tiefer in die bedrohliche Geschichte der Industiellen-Dynastie vor.


Im Gespräch mit Lorna Ishema im September 2020

Marion Graeber


Wie charakterisieren Sie Ihre Rolle als Anwältin, Nora Shaheen?

Sie ist intelligent und ehrgeizig. Was ich beim ersten Lesen besonders spannend fand ist, dass sie so einen anderen moralischen Kompass hat. Anders als die anderen Figuren. Sie kommt oft an einen Punkt, an dem sie eigenständig agiert. Sie handelt dann nicht gerade so, wie sie vielleicht handeln sollte, beweist aber immer gute Menschenkenntnis und ein instinktives Gespür. 

Es geht in 'Breaking Even' viel um Intrigen und Machtspiele innerhalb der Familie Lindemann. 

Das stimmt. Nora Shaheen bietet so einen Gegenpol. Sie hat den Anspruch, Dinge aufzuklären und Gerechtigkeit walten zu lassen. Sie handelt teilweise zutiefst gegen ihren moralischen und beruflichen Kodex und versucht auf der Opferseite zu sein. Sie verhält sich zutiefst menschlich. Es hat mich vor allem auch gereizt zu verstehen, wo das hinführt. Ich habe mich gefragt, was ist das für eine Frau, die diesen Beruf wählt. Nora Shaheen zu entdecken hat mir so viel Spaß gemacht. Ich habe einfach auch so ein großes Potential in dieser komplexen Figur gesehen.

Wo wurde die Dramaserie gedreht?

Wir haben in Köln und Umgebung gedreht.

Wann wurde gedreht? ... Es hat viel geregnet und es war alles etwas düster..

Das kam der Stimmung in der Serie sehr zugute. Lacht. Wir haben im vergangenen Jahr von Anfang Oktober bis Mitte Dezember gedreht.

Wie war die Arbeit mit Ihren Kollegen?

Sehr gut. Natürlich hatten wir ein straffes Pensum. Aber auch beim Schauen hinterher war ich wirklich begeistert von meinen Kollegen(Innen). Es macht unglaublich Spaß ihnen beim Spielen zuzugucken. Das war auch bei der Arbeit so. Ich konnte sehen, dass jede Figur was ganz Eigenes hat.

Der Technologiekonzern Lindemann bringt in der Serie das selbstfahrende Auto auf den Markt. Glauben Sie, das wird kommen oder ist das Zukunftsmusik?

Ja, das kommt bestimmt. Ich kann Auto fahren, hab aber selbst kein Auto. Wenn man sich heute die Fridays for Future Bewegung ansieht und das wachsende Bewusstsein für die Umwelt, glaube ich schon, dass die Technologie sich da weiterentwickeln wird. Ich denke es wird zuvor andere Schritte geben, wie beispielsweise bei den Elektroautos zu beobachten ist. Aber ja, ich kann mir das gut vorstellen. Ich denke nicht, dass das sehr utopisch ist.

Im Leben regiert oft schneller, weiter, höher - denken Sie, dass die Menschheit in Pandemie-Zeiten auch wieder andere Werte zu schätzen weiß?

Das ist eine große Frage. Aber was die Pandemie mit sich gebracht hat, ist so eine Art von Entschleunigung. Ich glaube, das ist sehr wichtig, dass man mal runterfährt und sich Gedanken über die eigenen Werte macht. Die Pandemie zwingt uns Menschen auch auf Missstände aufmerksam zu werden. Gerade jetzt ist die Zeit, wo dafür Gehör gefunden wird. Ob das so bleibt, weiß ich nicht. Ich denke, das ist wird die Herausforderung sein - die eigentliche Aufgabe ist der zweite Schritt. Man muss gemeinsam an den Themen dranbleiben.

Filme werden von Filmmusik unterstützt. Wie wichtig ist Ihnen Musik und welches Genre hören Sie persönlich gerne?

Ich finde Musik schon wichtig, weil sie einen auch an bestimmte Zeiten erinnert und in eine besondere Stimmung versetzen kann. Das gilt auch für die Serie. Ich fand das super cool und war oft überrascht, wie die Musik eingesetzt wurde. Das beeinflusst mich auf einer ganz subtilen Ebene. Ich selbst lege mich, was Musik angeht, nicht auf eine bestimmte Musikrichtung fest. Mich interessieren die KünstlerInnen an sich. Aktuell höre ich FKA.Twigs, die ich musikalisch, wie auch visuell unglaublich beeindruckend finde. Für außergewöhnliche Harmonien höre ich mir die live Auftritte von Chloe x Halle an. Warum machen sie Musik und was ist ihre Aussage. Natürlich spielt aber auch ein bisschen die Jahreszeit eine Rolle, welche Musik man hört. Lächelt. Ich höre Musik tatsächlich aus einem künstlerischen Aspekt.

Sie tanzen Salsa. Haben Sie auch Berührungspunkte mit dem Tango Argentino?

In der Schauspielschule hatten wir Tango Argentino, ja. Privat jedoch nicht. Aber ich finde den Tango Argentino sehr ästhetisch. Lächelt. Aber wie bei vielen Tanzstilen, ist der Ausdruck der TänzerInnen, doch das was mich am meisten anzieht.


Vielen Dank für das schöne Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut.



'Es sind immer die schönsten Projekte, wenn sich neue Welten eröffnen.

Tango tanzen - das ist tatsächlich etwas, was ich gerne machen würde'

Florian Lukas


Foto: ZDF Julia Terjung



Deutschland 1956: Bei einem Kinobesuch im Westteil Berlins sehen Theo und Kurt, Abiturienten aus dem ostdeutschen Stalinstadt, in der "Wochenschau" dramatische Bilder vom Aufstand der Ungarn in Budapest. Als im RIAS zu landesweiten Schweigeminuten für die Opfer aufgerufen wird, wollen die Schüler ein Zeichen der Solidarität setzen. Am nächsten Morgen schweigt die ganze Klasse eine Minute lang. Von der Kreispartei kommt die Anweisung, die Sache zu untersuchen. Wenn der Anstifter nicht bis Weihnachten benannt ist, wird die Klasse aufgelöst, und keiner der Schüler wird mehr in der DDR sein Abitur ablegen können.

Das ZDF zeigt "Das schweigende Klassenzimmer" am Dienstag, 13. Oktober, 20.15 Uhr


Im Telefon-Gespräch mit Florian Lukas

Marion Graeber



„Das schweigende Klassenzimmer“, nach dem gleichnamigen Roman von Dietrich Garstka

„Das schweigende Klassenzimmer“ wurde bereits im März 2018 in den Kinos gezeigt, am Dienstag, 13. Oktober, 20.15 Uhr nun im ZDF …
Wann wurde gedreht?

Wir haben im März und April 2017 gedreht.

Regisseur Lars Kraume meinte, er habe den Film absichtlich mit ostdeutschen Schauspielern besetzt (Interview in „Die Zeit“. „ Florian Lukas konnte den Rektor so gut spielen, weil er Erinnerungen aus seiner Kindheit abrufen konnte“). Wie sehen Sie das?

Na ja, ich bin 1973 geboren. Der Film spielt im Jahre 1956. Ich glaube, man möchte damit die Authentizität erringen, die es so gar nicht geben kann. 
Ich müsste 1920 geboren sein um Erinnerungen aus der Zeit einfließen lassen zu können. Ich kenne das alles also auch nur aus Erzählungen meiner Familie oder Verwandtschaft. Es ist beispielsweise so, dass die DDR 1956 auch nicht die selbe DDR von 1988 ist. Klar kann ich mich an ein paar Dinge erinnern, wie den Fahnenappell. Aber nicht mal der Gruß der Pioniere ist im Vergleich zu damals der gleiche aus meiner Kindheit gewesen. Den Direktor Schwarz, den ich spiele, den gab es zu meiner Zeit so nicht mehr. Ich musste mich hier also auch einlesen und mir die Rolle erarbeiten. Aber natürlich gibt es eine gewisse Nähe, die man sich nicht erarbeiten muss. Den Brandenburger Dialekt beispielsweise. Der liegt mir näher als der Stuttgarter. Lächelt. 

Die örtliche Nähe macht es also ein bisschen leichter?

Ja, die Hürden sind niedriger. Doch die Biografie des Direktors – da stellte sich die Frage: „Aus welchem Umfeld kommt er eigentlich?“.
Rektor Schwarz war eigentlich ein einfacher Landarbeiter. Er hat nie etwas besessen und ihm wurde auch keine große Zukunft prophezeit. Was muss das für ihn bedeutet haben einen Platz in der Gesellschaft bekommen zu haben? Er hat sich diesen ja nie erhofft. Auf der anderen Seite wird er durch dieses Amt jedoch auch erpressbar. Er läuft immer Gefahr, dass ihm alles wieder genommen wird. Das kenne ich so nur in Ansätzen und vor allem nur aus der Erfahrung anderer Menschen. 

Wie wichtig ist es Ihnen persönlich, dass man deutsche Geschichte präsent hält?

Wir dokumentieren nicht eins zu eins Geschichte. Wir sind keine Historiker. Wir versuchen mit Film Geschichte erlebbar und erfühlbar zu machen. Und wir erzählen Dinge immer in einem kleinen Ausschnitt. Aber wir tragen so unseren Teil dazu bei. Das finde ich wichtig. Ich glaube wir verstehen einander auch besser wenn wir verstehen woher wir kommen. Aber es ist problematisch zu sagen, ich besetze einen Schauspieler aus Ostdeutschland und behaupte das ist glaubwürdiger als wenn ich einen anderen Schauspielermit der Rolle betraue. Das ist marginal. Auch gerade bei historischen Stoffen. Wenn es heißen würde, ich erzähle was aus der Zeit meiner Kindheit in der DDR - ja, da weiß ich viel mehr. Ich möchte einfach nicht vermitteln, dass ich hier mein Leben spiele. Das ist nicht der Fall. 

Ja, das verstehe ich. Sie begeben sich als Schauspieler in eine Rolle. Das ist es ja auch, was den Beruf ausmacht – sich in andere Charaktere einzuarbeiten. 

Absolut. Das finde ich auch. 

Gedreht wurde „Das schweigende Klassenzimmer“ in Stalinstadt, dem heutigen Eisenhüttenstadt. Dort fand man die entsprechende Kulisse zum Film. Der Ursprungsort, des auf Tatsachen beruhenden Romans, ist Storkow. Wie haben Sie den Dreh in Eisenhüttenstadt empfunden?

Ich kenne die Stadt auch nur als Eisenhüttenstadt. Man versteht, was man gewollt hat. Viel Platz, viel Raum für Menschen, die es bis dahin gewohnt waren in feuchten, dunklen Hinterhofwohnungen zu hausen. Mit wenig Platz. Es ist ein Beispiel für einen guten Willen, der nicht funktioniert. Für mich war das sehr interessant. Die Stadt steht nicht umsonst unter Denkmalschutz.  Eisenhüttenstadt ist zirka zwei Stunden von Berlin entfernt. Es ist wirklich zu empfehlen 
die Stadt einmal zu besuchen. Sehr interessant. In Berlin vergleichbar mit der Karl-Marx-Allee. Dort ist es eine ganze Stadt, ganze Straßenzüge in diesem Stil. Höchst interessant. So hat auch die Architektur der 1950er Jahre inzwischen eine gewissen Schönheit.  

Im Film werden auch Einspieler der Wochenschau von damals gezeigt. Autos, Kleidung alles ist im Stil der 1950er Jahre. Auch Westradio wurde im Film gehört. 
Welche Musik hören Sie gerne?

Ich höre sehr gerne Klassik und das was man allgemein unter Indie-Rock verbuchen würde. Zu viel Musik höre ich allerdings nicht. Ich mag Wortbeiträge und Hörbücher. 

Tanzen Sie gerne und haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?

Leider nicht. Das bedauere ich sehr. Ich hab mal zwei/drei Tangostunden für einen Film gemacht aber das war für eine Komödie, da musste ich mich nicht so wahnsinnig anstrengen. Lacht. Es sind immer die schönsten Projekte, wenn sich neue Welten eröffnen. Tango tanzen – das ist tatsächlich etwas, was ich gerne machen würde. Habe mich schon mit der Tangoszene auseinandergesetzt. War auf Milongas. Es gibt in Berlin sehr schöne Plätze zum Tanzen, auch an der Spree. Ich kenne Leute, die da hingehen. Ich bin auch immer neidisch. Lacht. Ich hoffe, ich kann das mal machen, bevor ich 60 bin.


Vielen Dank, Herr Lukas für das interessante Gespräch.

Eisenhüttenstadt werde ich nach diesem, unserem Gespräch gerne einmal besuchen.






'Der Tango Argentino ist ein grossartiger Tanz.

Ich liebe auch die Musik sehr'

Christian Berkel

Foto: ZDF Oliver Feist

Hauptkommissar Bruno Schumann (Christian Berkel) klärt seit 2006 als Viktimologe Mord- und Kriminalfälle für das LKA in Berlin auf. Vierzehn Jahre nach dem Sendestart von "Der Kriminalist" zeigt das ZDF nun die letzten sechs neuen Folgen.


Christian Berkel im Telefoninterview

Marion Graeber



Mit Datum Freitag, 28. August laufen die letzten sechs neuen Folgen von „Der Kriminalist“. Ging der Abschied von Ihnen aus?

Ja, der Abschied ging von mir aus.

Wie schwer fällt es Ihnen sich von so einer erfolgreichen Figur zu lösen?

Ich hab mir das natürlich schon ein ganzes Weilchen überlegt. So in den vergangenen zwei/drei Jahren hab ich darüber nachgedacht, wann wohl der rechte Zeitpunkt ist. Aber, wenn man mal davon ausgeht, dass es den idealen Zeitpunkt sowieso nicht gibt, dann gibt es einen relativ idealen und ich hatte das Gefühl, das ist er. Entscheidet man sich dann einmal dafür, ist man erst mal froh und glücklich. Wenn ich allerdings so durch die Berlin fahre, denke ich, da hast du gedreht und damals waren wir hier und da. Ich war ja an unglaublich vielen Orte. Ich glaube insgesamt waren das an die zweitausend unterschiedlichen Motive in diesen vierzehn Jahren. Ich hab die Stadt innen und außen sehr genau kennen gelernt. Dann versetzt es einem so einen kleinen Wehmut-Stich. Ich bin aber auch froh, diese tolle Zeit gehabt zu haben und genau so froh bin ich jetzt wieder zu neuen Ufern aufzubrechen.

Sicher ist es auch nicht einfach sich nach vierzehn Jahren vom Schauspielteam verabschieden zu müssen…

Nein, das ist nicht einfach. Wir haben alle sehr gut zusammen gearbeitet. Das Schauspielteam und generell das ganze Team, von der Technik über die Beleuchtung bis hin zum Ton – wir hatten fast die gesamte Zeit ein konstantes Team. Das wird mir natürlich schon fehlen.

Welches Ende nimmt „Der Kriminalist“? Wird es dramatisch?

Nein, wir haben uns, ich glaube, da verrät man jetzt nicht zu viel, wir haben uns entschieden auf all diese Möglichkeiten zu verzichten. Diese klassischen Geschichten – der Kommissar wird erschossen, wird versetzt oder hat keine Lust mehr. Wir fanden, das würde der Arbeit und dem Zuschauer nicht gerecht werden. Es gibt eine letzte Folge und ich finde auch die ist sehr schön geworden. In der klingt das Ende so ganz leicht an, hat das aber nicht so zum Thema.

Was glauben Sie, warum sind Krimiserien beim Publikum so beliebt?

Ja, das ist eine gute Frage. Ich habe natürlich auch darüber nachgedacht. Eine hundertprozentig richtige Antwort kann es da nicht geben. Ich glaube, es hat damit zu tun – im Krimi, und vielleicht ist das auch eine Reaktion des Fernsehens, können wir heutzutage komplexere und auch düstere Geschichten erzählen. Das heißt auch, die Sender geben uns da mehr Freiraum die Geschichten zu erzählen. Mehr Freiraum, als wenn es ein völlig freier von Reihen und Serien unabhängiger Stoff wäre, der es dann eventuell auch ein bisschen schwerer hat beim Publikum. Ein weiterer Punkt ist, dass das Erzählen mit diesen Spannungselementen beim Publikum beliebt ist. Auch, dass die Welt, wie wir sie kennen, durcheinander geschüttelt und gleichzeitig am Ende doch wieder die Ordnung hergestellt wird.  Ich nehme an, das sind die Teile des Erfolgs.

Wie viel Christian Berkel ist in Bruno Schumann?

Auf jeden Fall eine ganze Menge, denn ich hab die Figur ja von Anfang an entwickelt. Also die Grundidee der Viktimologie kam, in Zusammenarbeit mit der Produzentin, von mir. Ich hab damals einfach nach etwas gesucht, was mir nahe ist. Mir war klar, wenn ich das eine so lange Zeit machen möchte, dann darf die Figur nicht kilometerweit von mir weggehen. Obwohl es immer eine Figur bleibt, gibt es schon eine starke Bindung zu mir.

Ich habe gelesen, es wurden jährlich hundert Drehtage für „Der Kriminalist“ angesetzt. Wie entspannen Sie?

Natur ist mir sehr wichtig. Spazieren gehen. Raus mit dem Hund. Aber das Wichtigste ist immer die Zeit mit der Familie. Auch wenn sie in dieser Phase oft leider sehr knapp war. Aber abends nach Hause zu kommen und schnell mal abschalten. Mit meiner Frau und meinen Söhnen reden – das war schon sehr wichtig. Und ein anderer Punkt der in meinem Leben immer schon eine große Rolle gespielt hat, ist das Lesen. Also ich kann mit Literatur besonders gut, ich will nicht sagen abschalten, aber in andere Welten reingehen.

Welche Rolle spielt Musik?

Musik spielt auch eine große Rolle. Wobei ich in solchen Situationen besonders gern klassische Musik mag, auch Jazzmusik. Aber ich lerne durch meine Söhne auch andere Musikwelten kennen. Ich bin für diese Dinge auch offen, aber das ist dann weniger Entspannungsmusik. Lacht.

Sie haben auch einen Bezug zum Tango Argentino ..

Ich hab einen starken Bezug zum Tango Argentino. Meine Mutter lebte lange in Argentinien. Sie hat mir viel vom Tango erzählt. Es ist nicht so, dass ich regelmäßig Tango tanze. Ich hab es einmal gelernt für eine Folge „Der Kriminalist“, da hab ich tatsächlich mal Tango getanzt. Das ist ein großartiger Tanz. Ich liebe auch sehr die Musik. Ich kann viel damit anfangen.

Der Tango Argentino ist Kulturgut…

Das stimmt. Argentinien hat auch in meinem ersten Roman eine Rolle gespielt und auch im zweiten, der jetzt im Oktober rauskommt, spielt eben die Geschichte, Argentinien, wieder eine große Rolle.

Ihr Roman „Der Apfelbaum“ soll verfilmt werden. Es soll Miniserien geben, stimmt das? Werden Sie mitspielen?

Es ist bis jetzt so geplant. Diese Erzählstruktur, dass es einerseits die Geschichte gibt und andererseits diese Perspektive des Erzählers, der sich mit seiner alten Mutter trifft und von da quasi in diese Vergangenheit mit ihr eintaucht. Das soll es in der Miniserie auch geben. Wir sind jetzt in der frühen Phase. Anfang September soll das Drehbuch für die erste Folge, die erste Fassung, kommen und ich bin schon total gespannt. Ich freue mich sehr drauf. 

Wie ist es sich mit seiner eigenen Geschichte, mit den Vorfahren, der Familie auseinanderzusetzen? Das prägt sicher und verändert vielleicht auch? Was macht das mit einem?

Ja, auf jeden Fall, das tut davor auch schon etwas mit einem. Auch, wenn sich Menschen nicht dezidiert oder bewusst damit auseinandersetzen. Sie sind trotzdem von ihrer Geschichte geprägt. Jeder von uns. Ich habe es so empfunden. Es ist ein sehr großer Gewinn sich tatsächlich intensiv damit auseinander zu setzen. Wir sind ohne diese Geschichten, ohne das, was vor uns gewesen ist, ohne die Menschen gar nicht denkbar. Und wenn wir uns selber ein Stück weit besser verstehen wollen, dann hilft es natürlich sehr, sich mit dieser Geschichte auseinander zu setzen.


Vielen Dank, lieber Herr Berkel für dieses wirklich wundervolle Gespräch. Alles Liebe.  





'Normalerweise darf man ja im Gletscher nicht drehen. Wir durften und das war echt irre für den Film'

.Jürgen Vogel


Foto: Klueter



Vor 5300 Jahren: Eine Großfamilie lebt friedlich in den Ötztaler Alpen. Während ihr Anführer Kelab auf der Jagd ist, wird die Siedlung überfallen und die gesamte Sippe brutal ermordet. "Der Mann aus dem Eis" in der Reihe "Shooting Stars - Junges Kino im Zweiten". Montagnacht, 27. Juli


Jürgen Vogel im FaceTime Interview

Marion Graeber


Wo wurde „Der Mann aus dem Eis“ gedreht?

Der Film wurde an Originalschauplätzen gedreht, beispielsweise in St. Leonhard in Südtirol. Also überall in der Gegend, wo Ötzi zuhause war und wo er dann auch gefunden wurde.

Der Film kam 2017 in die Kinos, wurde 2016 gedreht?

Ja, genau. Wir haben ungefähr sieben Wochen in Südtirol gedreht. Das war wunderschön.

Zu welcher Jahreszeit fand der Dreh statt?

Es war Herbst und wir hatten noch viele warme Tage. Teilweise war es richtig heiß am Anfang. Dann wurde es in der Folge immer kälter, bis zu minus 15 Grad.

Die Szenen im Eis, in den Eisspalten – war das tatsächlich vor Ort?

Ja, das war in der Natur. Wir waren für den Gletscher in Kärnten/Österreich. Zirka auf 3.500 Höhenmetern. Das war schon extrem. Und, kalt. Aber auch faszinierend. Normalerweise darf man ja im Gletscher nicht drehen, wir durften und das war echt irre für den Film.

Diese Enge in den Gletscherspalten – wie war das?

Da musste man gute Nerven haben, das ist teilweise gar nicht so einfach. Das stimmt. Aber ich bin da relativ angstfrei.

Auch mit der Höhe gab's keine Probleme?

Drei Leute aus dem Team hatten die Höhenkrankheit. Man musste doch relativ fit sein. Viel Lauftraining, viel trinken. Das haben einige vielleicht doch nicht ganz so berücksichtigt. Die mussten dann sogar ins Krankenhaus.

Ist man bei diesen extremen Bedingungen dann vielleicht mit einem reduzierten Filmteam unterwegs?

Wir waren schon relativ viele. Gut 30/40 Leute. Auch Bergführer hatten wir dabei. Das war gerade im Hinblick auf das Wetter wichtig. Die Gewittern und Blitzschläge in den Bergen sind nicht ohne. Das ist nicht ungefährlich. Dann das ganze Equipment…. Wir mussten viel wandern. Lacht.

Wie war das mit der Fitness? Wie haben Sie sich vorbereitet?

Viel Lauftraining. Gerade in den Bergen. Wir waren ja vorher schon da. Wir haben in einer Höhe von 1000 Metern angefangen und sind dann Stück für Stück höher. Das hilft und hält fit. 

Was hat Sie an der Verkörperung der Rolle von Kelab fasziniert?

Erstmal ist das eine interessante Geschichte. Ein krasser Kriminalfall eigentlich. Es ist super so eine Figur, von der man schon so viel gehört hat und von der wir einiges wissen, als Fiktion zum Leben zu erwecken. Auch, wenn wir nicht wissen, wie so ein Leben vielleicht hätte stattfinden können, hätte vieles so sein können. Die Bauart der Hütten, die Kleidung, die Jagdwerkzeuge – von all dem wissen wir. Vieles wurde gefunden, beziehungsweise auch Überreste hiervon. Es war interessant zu sehen, wie hochkultiviert die Menschen schon damals waren, gerade im Hinblick auf die Jagd (Waffen, Kleidung). Er hatte auch Nähzeug dabei, um Kleidung unterwegs flicken zu können. So etwas wusste ich vorher nicht. Total interessant. Für mich auch interessant, diesen Jäger zu spielen, der dann selber auch auf so einen Rachefeldzug geht. Ich finde dem Film spannend und guck ihn mir immer wieder gerne an.

Der Film kommt komplett ohne, uns verständlicher, Sprache aus. Hatten Sie das Gefühl sich diesbezüglich körperlich mehr ausdrücken zu müssen?

Man muss aufpassen, dass man da nicht „überactet“. Aber das haben wir glaube ich ganz gut hinbekommen. Lächelt. Aber klar, man hat halt die Sprache nicht. Man kann die Figur nicht darstellen mit dem, was er erzählt. Man muss da andere Mittel finden. Ich finde das aber spannend, weil es dem Zuschauer die Möglichkeit gibt, selber Dinge zu interpretieren. Ich mag diese Art Film.

Das hat geklappt ...

Ja, finde ich auch … Er ist ja auch viel alleine. Sonst würde er ja ständig mit sich selber reden. Lacht.

Ist es schwer gewesen, mit der Bekleidung, die ja aus schweren Fällen an Körper und Füssen bestand, zu agieren?

Wir haben versucht das so zu machen, wie es war. Er hatte ja auch viel dabei. Trockenfleisch und Trockenfisch beispielsweise. Da musste man schon ganz schön schleppen.

Kelab, der Mann aus dem Eis, war nicht nur auf einem Rachefeldzug, er wollte auch seinen Schrein wieder haben, der für ihn und seine Sippe sehr wichtig war. Wie wichtig ist es für Menschen an etwas festzuhalten?

Ich glaube, es geht hier um den Glauben an etwas Überirdisches. Das war Menschen schon immer wichtig. Das beweist beispielsweise auch die Höhlenmalereien. Denke, dass es für Menschen wichtig ist, an etwas zu glauben. Das hält ein Volk, eine Gesellschaft zusammen. Das ist wichtig. Gerade in Zeiten, wo es Menschen nicht so gut geht.


Vielen lieben Dank für das wirklich tolle FaceTime Interview! Ich hab mich super gefreut. Alles Liebe und bleiben Sie gesund!




"Musik ist ein wichtiges Medium, das einen im Leben

begleiten kann"

Jürgen Vogel


Im Gespräch mit Jürgen Vogel


Foto: Klueter



Im Zuge seines Films "Der Mann aus dem Eis", hatte ich auch die Möglichkeit mit Jürgen Vogel über Tanz und Musik zu sprechen.

Hierzu ein Auszug ...


Darf ich Sie fragen, ob Sie für den Tanz/Tango eine Leidenschaft hegen?

Ich habe schon mal für einen Film getanzt. Lächelt. Für „Die drei !!!“. Da musste ich viel tanzen und hatte auch Tanztraining, vorwiegend Stepptanz. Tanzen ist ein wahnsinniges Fitnesstraining. Tänzer sind sowieso wahnsinnig fit. Ich finde das toll und bewundere das auch. Dieser Ausdruck der Kreativität mit dieser Freude. Ich glaube, dass das Menschen auch glücklich machen kann. Sich durch das Tanzen und das Singen so ausdrücken zu können, ich glaube das hat, neben dem Fitnesseffekt, schon eine unglaublich tolle und auch heilende Wirkung. Auch Musik ist etwas, was gut tun kann.

Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich mag schon auch deutschsprachige Musik. Habe hierzu mal einen Film gemacht über eine Deutsch-Band. Das ist mir sehr nahe. Auch die Hamburger Jungs, da gibt es eine Verbindung in Bezug auf Generation und dem Heranwachsen. Ich höre aber auch gerne Hip-Hop und auch Klassik. Gerade Klaviermusik. Denke, ich bin da relativ breit aufgestellt. Musik ist ein wichtiges Medium, das einen im Leben begleiten kann.


Lieben Dank, Jürgen Vogel für diesen Einblick




'Al Pacino, Brad Pit, Leonardo DiCaprio - die möchte ich im Original hören'
Hannes Jaenicke


Foto: ZDF und Cineflix Roger Arpajou



 

'Mirage – Gefährliche Lügen', Erster Teil Montag, 8. Juni, 22.15 Uhr neoriginal

15 Jahre ist es her, dass die Französin Claire (Marie-Josée Croze) ihren Ehemann Gabriel (Clive Standen) bei dem Tsunami Unglück in Thailand verloren hat. Geblieben sind ihr der 15-jährige Sohn Zack (Thomas Chomel) und die Erinnerung an eine große Liebe. Nun möchte sie in Abu Dhabi mit Zack und ihrem neuen Ehemann Lukas (Hannes Jaenicke) ein neues Leben beginnen .....

An drei Montagabenden in Doppelfolgen präsentiert das ZDF die Thriller-Serie "Mirage - Gefährliche Lügen" als deutsche Erstausstrahlung. In französisch-kanadisch-deutscher Koproduktion entstand vor der Kulisse von Abu Dhabi eine spannungsgeladene Geschichte.


Im Gespräch mit Hannes Jaenicke

Marion Graeber


Wie war es, Teil einer internationalen Produktion zu sein?

Ich bin vor Weihnachten 2018 zum Casting nach Paris gereist und habe dort den Regisseur Louis Choquette getroffen. Der war so angenehm, freundlich, witzig und professionell, dass ich sofort gedacht habe "das mach ich". Wir haben dreisprachig gedreht. Das war schwer für mich, mit meinem rostigen Französisch, aber ich hatte eine grossartige Zeit. Ein Monat Abu Dhabi (da muss man jetzt nicht unbedingt gewesen sein), dann drei Monate Marokko. Es war ein spannender und spassiger Dreh.

Wann wurde gedreht?

Wir haben von Ende März 2019 bis Mitte Juli 2019 gedreht. Das Casting, wie gesagt, war vor Weihnachten 2018.

Juni/Juli – da wird es so richtig heiß. Bin selbst einmal in dieser Zeit in den Arabischen Emiraten gewesen. Wie hast du es empfunden?

Bist du da freiwillig hingefahren? Mir ist alles dort zu künstlich. Und ziemlich obszön, was sie dort mit ihren …l-Milliarden machen. Was bei uns ein VW Golf ist, ist dort ein Lamborghini oder Ferrari. Diese Art mit Geld umzugehen ist mir fremd. Dann steht in Dubai die grösste Skihalle der Welt. Also, wenn wir schon über Klima und Umweltschutz reden, dann gibt es wenig Flecken auf der Welt, wo Umweltschutz so ignoriert wird, wie in den Emiraten. … Mir ist jede griechische Insel, jeder italienische oder spanische Strand lieber. (Selbst der Strand ist in Abu Dhabi und Dubai mit Sand aufgefüllt. Unter einer 15 Zentimeter Sandschicht verbirgt sich oft Beton). Bezüglich der Hitze - wir hatten schon am Anfang 40 Grad. Wenn einem die Hitze was ausmacht, sollte man bei so einem Film nicht zusagen. Das gilt für Abu Dhabi und Marokko.

Ich denke, reisen ist wichtig, bekanntlich erweitert es den eigenen Horizont. Neue Regionen kennenlernen, Missstände sehen und einordnen .. Zusammenhänge erkennen ..

Da geb ich dir recht. Ich war jetzt einmal in Abu Dhabi, da muss ich nicht wieder hin.

Ich habe gelesen, du schaust dir gerne Filme im Originalton an.

Definitiv. Es geht immer etwas verloren bei der Synchronisation. Al Pacino, Brad Pitt, Leonardo DiCaprio – die möchte ich im Original hören. Schauspielerei hat viel mit Sprache zu tun. Al Pacino hat eine ganz eigene Sprache. Er arbeitet mit ihr, und mit Dialekten. Ich empfinde es auch einen grossen Verlust für unsere Kinder. Wenn du in die Niederlande gehst, nach Skandinavien oder in die Schweiz – da sprechen alle Kinder schon Englisch. Dort laufen Fernsehserien im Original, nicht synchronisiert. Ich finde, man nimmt dem TV Zuschauer die Möglichkeit Sprachen zu lernen, wenn alles synchronisiert wird. Finde ich schade. Trotzdem muss ich sagen, dass es hervorragende Synchronsprecher in Deutschland gibt.

Was hat dich an der Geschichte und am Charakter (Lukas) gereizt?

Lukas ist das krasse Gegenteil von mir. Er ist professioneller Gourmetkoch, ein fürsorglicher Familienvater. Mit seiner Familie zieht er nach Abu Dhabi, weil seine Frau dort eine grosse berufliche Chance bekommt. Er ist geduldig und aufopfernd und erfährt dann auf extrem schmerzhafte Weise, dass nichts so ist, wie es scheint. Ich lebe halt total anders. Ich hab keine Familie und hab in meinem Leben noch nie eine warme Mahlzeit zubereitet. Lächelt. Ich mag auch das Genre des Films (Industriespionage). Wie unschuldige Menschen in das Netz von Geheimdiensten hineingeraten. Die Geschichte ist spannend.

Gab es vor Ort Einschränkungen und Vorschriften, was den Dreh betraf?

Aber wie. Wir durften in Abu Dhabi nach 19.30 Uhr nicht mehr an den Strand. Das hab ich noch nie erlebt. In den kleinsten Fressbuden hingen überall Überwachungs-Kameras. Alles wirkte wie ein Polizeistaat. Ich fand das befremdlich.

In der Zeit der Pandemie – fehlt dir das Reisen?

Ich war im vergangenen Jahr über elf Monate unterwegs. Ich liebe es zu reisen. Das ist meine wahrscheinlich größte Leidenschaft. Aber ich habe das Zuhause-Sein während der Corona-Krise jetzt doch mal sehr genossen. 


Vielen Dank, Hannes, für das interessante Gespräch. Stay Safe, Marion



Foto: ZDF Eric Vernazobres/FTV/Storia television





'Ich bin ambivalent was die Musik betrifft - Sehr gern höre ich auch Klassik'

Maximilian Brückner


Foto: Jens Koch


Im Gespräch mit Maximilian Brückner - im Fokus der Film "Arctic Circle". Das Gespräch fand vor dem Ausbruch des Coronavirus statt.


Mitten in den Tiefen Lapplands geschehen mysteriöse Morde an russischen Prostituierten, die eine weltweite Virusepidemie auslösen könnten. Die Opfer sind mit einem seltsamen Virus, einer Kombination aus einem Herpes- und einem sexuell übertragbaren, dem sogenannten Jemen-Virus, infiziert.

Die finnische Polizistin, Nina Kautsalo und der deutsche Viren-Experte, Dr. Thomas Lorenz, ein ungewöhnliches Ermittlerduo, geraten im Laufe ihrer Nachforschungen in ein undurchsichtiges Netz von kriminellen Machenschaften. Für Nina erreichen die Mordfälle eine sehr persönliche Dimension, als sich herausstellt, dass ihre ältere Schwester Marita mit dem Virus infiziert ist. Eine verzweifelte Suche nach dem möglichen Auslöser der viralen Bedrohung beginnt und damit der Wettlauf um Leben und Tod.


Im Gespräch mit Maximilian Brückner

von Marion Graeber



Hallo lieber Herr Brückner, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Wo sind Sie gerade? 

Ich bin zuhause am Chiemsee.

Das ist schön. Dann sind wir gar nicht so weit voneinander entfernt.

Ja, in Süddeutschland - Da lebt es sich gut.

Sind Sie Naturmensch?

Wenn man hier aufwächst... Ja, ich glaube schon. Ich kenne es nicht anders und ich mag es sehr gerne so.

Dann sind Sie viel in der Natur? Im Sommer am Chiemsee und im Winter in den Bergen? Soweit ich weiß machen Sie Wassersport und fahren Ski?

Das stimmt, aber am Wochenende gehe ich nicht so oft an den Berg. Da sind so viele Menschen unterwegs. Da suche ich mir dann oft was anderes. Ich geh beispielsweise sonntags gerne schwimmen wenn es so schön ist. Wenn ich dann weiß, alle gehen Skifahren, bin ich fast alleine beim Schwimmen. Lacht.

Winterschwimmen ist schön.

Das mag ich auch sehr gerne.

Im Februar zeigt das ZDF den Fünfteiler „Arctic Circle“. Wann wurde gedreht?

Das ist schon zwei Jahre her. Erst wurde er in Finnland gezeigt, dann in anderen Ländern. Er musste synchronisiert werden. Daraufhin dann die Suche nach einem Sendetermin beim ZDF. Die Zeit vergeht.

War die Zeit im Norden von Finnland für Sie eine besondere?

Man muss echt sagen, die Landschaft ist der dritte Hauptdarsteller. Die Landschaft hat so eine Wirkung. Das macht auch was mit dem Schauspieler, mit den Menschen an sich und auch mit dem Zuschauer. Diese Landschaft macht diesen Nordic Noir Thriller auch so besonders, so eigen. Und natürlich die Finnen – weil die haben eine ganz andere Stil- und Spielart mit relativ wenig Mimik. Das ist dann sehr stoisch. Das hat eine wahnsinnige Stärke. Sehr interessant anzuschauen.

Sie sind ein international gefragter Schauspieler. Wie empfinden Sie die Drehs in anderen Ländern? Eine Herausforderung?

Ich finde es nicht mal eine Herausforderung. Es gibt doch nichts Schöneres als diese Vielfalt die wir in Europa haben zu leben und zu unterstützen. Diese Filme tragen ja auch dazu bei, dass man andere Länder kennenlernt. Bewusst oder auch unbewusst. Auch die Verschiedenheiten, die man hat. Das ist total interessant und das kann verbinden. Ich finde sowieso den europäischen Film einen der wichtigsten. Gerade in dieser Welt, die jetzt versucht sich wieder zu spalten. Es ist auch interessant zu sehen, wie spielt der Franzose oder der Italiener. So wird die Welt immer mehr eins. Das ist schön. Wenn man die alten Filme schaut, sieht man die Länderunterschiede sehr. Jedes Land hat eine eigene Art. Auch mit der Gestik und Mimik.

Internationale Zusammenarbeit also eine gute Sache?

Ich finde internationale Zusammenarbeiten eine gute Sache. Das eint uns. Ich finde das ganz großartig.

Zu welcher Jahreszeit wurde Arctic Circle gedreht?

Im Winter. Von Ende November bis Mai.

Da waren die Tage kurz …

Ja. Lacht. Manche bekommen da psychische Probleme. Ich fand es interessant.

Wie war das mit der Kälte?

Es ist eine andere Kälte als die Kälte die wir hier bei uns kennen. Das kann man gar nicht vergleichen. Hier friere ich schon bei Null Grad weil es eine nasse Kälte ist. Bei minus vierzig Grad ist keine Luftfeuchtigkeit mehr vorhanden. Es ist eine wahnsinnig trockene Kälte, die man, so finde ich, gut aushalten kann. Was sich nur über die Kälte ergibt ist allerdings, dass man irgendwann nicht mehr sprechen kann. In einer Szene haben wir gemerkt, wir müssen die kürzen oder schneller spielen. Lacht. Das hat Spaß gemacht.

War der Dreh für Sie in der englischen Sprache?

Ja, bis auf ein paar kleine Sätze.

Waren Sie zuvor schon einmal in Finnland?

Nein, noch nie.

Wie sahen die Drehpausen aus?

Es waren ja extrem viele Drehtage. Wir waren in Lappland, da gab es ein Arctic Resort. Dort waren viele Japaner und Chinesen. Riesige Hotelkomplexe. Aber man konnte dort gut Skifahren. Also, eigentlich dachte ich ja, da gibt es Berge, aber es sind nur Hügel. Trotzdem konnte man ein bisschen Skifahren. Und Langlauf  oder Skaten – das ist dort ja ganz beliebt. Und saunieren natürlich.

Was hat Sie am Charakter von Thomas Lorenz gereizt? Wie beschreiben Sie ihn?

Ich hab den Charakter so gespielt, dass es nicht so ein professoraler Typ ist, sondern ein ganz normaler, der in eine verrückte Geschichte reingezogen wird. Ich mochte die Geschichte. Sie ist nicht weit von der Realität entfernt. Ich bin mir sicher, dass es Regime gibt, die an genetisch manipulierten Viren rumbasteln um das dann als Waffe zu benutzen. Das ist erschreckend nah und nicht weit weg. So ist mein Gefühl und so ist das im Film auch glaubwürdig.

Dann nimmt man die Geschichte auch ein bisschen mit ins eigene Leben?

Es ist halt eine Geschichte, die nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Es ist eine Geschichte, die einfach so stattfinden könnte. Und, wenn man das weiß, dann wird die Geschichte noch viel härter und intensiver.

Wie beschreiben Sie den Nordic Noir Thriller?

Es ist eine spezielle Art von Krimi. Man kennt ja auch die Ingmar Bergman Filme. Die Filme sind spannend, sehr skandinavisch mit dieser ruhigen Art. Auch unser Arctic Circle will nicht mehr als er ist. Nicht mit zwanzigtausend Explosionen die Geschichte auf puschen, sondern mit den Leuten und der Langsamkeit und Ruhe wirken. Auch spürt man eben die Kälte. Nicht nur der Schauspieler. Lacht. Sondern auch der Zuschauer. Und dann die Landschaft, die einfach auch ein Hauptdarsteller ist.

Sie spielen Tuba und sie Schublattlern … Welches Genre Musik mögen Sie?

Ich höre kreuz und quer. Meistens höre ich Bayern2. Ich höre aber auch sehr gerne Klassik. Da bin ich ambivalent.

Ich bin über einen Satz von Ihnen gestolpert. In „Resturlaub“, sagen Sie, „Ich bin Tango“. Sind Sie Tango?

Ich bin nicht Tango. Lacht. Ich bin eine ganz grauenhafte Version von „Ich bin Tango“. Wir haben das mal ein bisschen in der Schauspielschule gelernt, aber wenn man da nicht dranbleibt … Es ging auch darum, den Tango zu zerstören. Es tut mir sehr leid. Lacht.

Was bedeutet es Ihnen zu reisen? Gibt es einen Sehnsuchtsort?

Ehrlich gesagt, ich habe das in der vergangenen Zeit sehr umgestellt. Ich fliege nicht mehr und fahre alles mit der Bahn. Nach Helsinki war das natürlich schwierig. Aber, was möglich ist, fahr ich mit der Bahn. Ich fahr auch relativ wenig Auto. Und, wir machen gerade weil wir kleine Kinder haben, Heimaturlaub. Wir schauen uns Deutschland an. Und in Deutschland fahr ich nur noch Bahn.

Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?

Ich bin reiner Tagmensch. Ich finde keinen Sinn darin nachts lange wach zu sein. Mit der Ausnahme wenn man feiern geht. Ansonsten, wenn es dunkel wird, dann schlaf ich.

Lieben Dank, Herr Brückner, für das schöne Gespräch. Hab ich mich sehr gefreut. Alles Liebe.



'Man kann sich wahrscheinlich auch so ein längeres Glück organisieren – das heißt dann Zufriedenheit'

Henry Hübchen


Foto: André Röhner



„Tage des letzten Schnees“, ZDF Montag, 3. Februar, 20.15 Uhr


Als Lars Eckert seine Tochter vom Eishockeytraining abholt, kommt es im dichten Schneetreiben zu einem tragischen Unfall - die Elfjährige stirbt noch am Unfallort. Kommissar Johannes Fischer (Henry Hübchen), der kürzlich seine Frau verloren hat, kennt die Eckerts und kümmert sich um den Fall. Tags darauf wird im Hof einer Wohnanlage eine Studentin erschossen aufgefunden. Markus Sellin, ein Hamburger Banker, der mit der jungen Frau eine heimliche Affäre hatte, rückt in den Fokus der Ermittlungen. Kommissar Fischer stößt auf ein fatales Beziehungsgeflecht, das Menschen, die ursprünglich nichts miteinander verband, schicksalhaft zusammengeführt hat.


Interview mit Henry Hübchen

Januar 2020


Was denken Sie, warum sind Krimis, Psychothriller und Krimidramen so beliebt beim deutschen Fernsehpublikum? Könnte es sein, dass der Zuschauer an der Auflösung eines Problems interessiert ist?

Da bin ich überfragt. Ich bin kein Soziologe und hab das noch nicht untersucht. 

Aber ja, wenn es sich um einen Krimi handelt, wo es einen Mörder gibt, kann ich mir das gut vorstellen. Da kann was dran sein. Vergleichbar mit einem Kreuzworträtsel. Lacht. 


Beim Krimidrama „Tage des letzten Schnees“, geht es um Verlust, Trauer, Sehnsüchte und Schuld – was denken Sie, folgt das Leben einem übergeordneten Plan, oder ist alles Zufall?

Das ist eine Glaubensfrage und darüber läßt sich nicht streiten. Ich glaube an keinen übergeordneten Plan. Ich glaube auch nicht, dass ich geplant war, um hier zu erscheinen auf dieser Welt. Ich glaube schon garnicht, daß ich von meinen Eltern geplant war, denn die kannten mich ja nicht. Der Zufall kommt uns zur Hilfe oder bremst uns aus.


Nach den Schicksalsschlägen in „Tage des letzten Schnees“ entsteht zwischen Lars und Kirsten Schweigen, aber auch Schuldzuweisung und Unverständnis. Auch bei Markus und seiner Frau wird über Grundlegendes nicht mehr gesprochen. Was denken Sie, wie wichtig ist es miteinander im Gespräch zu sein?

Sehr wichtig. Nicht nur in einer Zweierbeziehung sondern generell. Wenn die Sprache aufhört, wenn das Zuhören aufhört, die Überhebung sich breit macht, dann wird es schwierig. Wenn kein Gespräch mehr stattfindet, Halbwissen gepaart mit moralischer Ignoranz dominiert, ist das schrecklich.

Man blicke in die globalisierte Welt – also ich bin für „reden, reden und nochmals reden“. Und zuhören und dem anderen zugestehen, was man für sich selbst in Anspruch nimmt.  


Die eigene Verarbeitung der Dinge spielt für Johannes Fischer im Film auch eine wichtige Rolle. Er fährt stundenlang mit dem Auto hoch an die Küste, ans Meer. Welche Beziehung haben Sie zum Meer? Was tut Ihnen gut?

Die Ostsee ist für mich ein großer Faktor, wo ich mich immer wieder zur Erholung hinbegebe. Es ist ja nicht so weit entfernt von Berlin. Ich bin ein Wassermensch und weniger ein Bergmensch. Obwohl ich auch ganz gerne mal in den Bergen bin. Aber da gehöre ich eigentlich nicht hin. Es gibt kein Horizont.


Sind Sie ein Stadt- oder Naturmensch?

Ich bin so ein Zwischending. Ein bisschen Stadt und viel Natur. Wenn ich die Wahl zwischen einer Städtereise oder einer Abenteuerreise zu den Wundern der Natur habe, und die Natur ist ein einziges Wunder, dann wähle ich das zweite. 


Wie ist es mit der Musik? Sie sind auch Sänger und Komponist…

Na ja, wollen wir mal nicht übertreiben. Lacht.


Was hören Sie gerne?

Alles mögliche. Jazz, Rock, bis hin zu Rammstein, auch Klassik. Ich bin so Crossover, je nach Stimmung. Aber ich höre zu wenig neue Sachen. Es gibt so unglaublich viel Musik, die ich heute auf Knopfdruck hören kann, das ist doch der Wahnsinn. Und Musik wird immer gemacht, das hört nicht auf. Gott sei Dank.


Manch ein Rapper geht mir allerdings auf die Nerven. Lacht.



Kennen Sie den Tango Argentino?

Ich tanze schon mal, wenn es der Beruf verlangt, aber ich bin kein leidenschaftlicher Tänzer. Hören und Anschauen ja, aber nicht selber machen. Das überlasse ich den Profis und die faszinieren mich. 


Schicksalsschläge ziehen den Charakteren im Film den Boden unter den Füßen weg. Man denkt darüber nach, was Glück ist. Geht es eigentlich primär um das kleine Glück im Alltag? Wie sehen Sie das?

Glück ist ja in zweierlei Hinsicht von Nöten. Das Gefühl des Glücks: Ich bin glücklich. Und dann dieses: Ich hab Glück gehabt. … Bin über die Straße gegangen, hab gar nicht geguckt, bin nicht überfahren worden – hab Glück gehabt.

Das eine Glück, das braucht man im Leben ab und zu, auch im Beruf. Gerade, wenn man Schauspieler ist, gehört Glück auch zum Erfolg.

Das andere Glück – da muss man selber was dafür tun, für die Momente des Glücksgefühls, für diesen Glücksmoment. 

Aber man kann sich wahrscheinlich auch so ein längeres Glück organisieren – das heißt dann Zufriedenheit.





Vielen Dank, Herr Hübchen, dass Sie Zeit für mich hatten.

Ich hab mich sehr gefreut.

Alles Gute



'In jeder Musikrichtung gibt es Schönes'

Fritz Karl



Foto: Dorothee Falke


Das Ehepaar Abel und Ursel Hradschek (Fritz Karl und Julia Koschitz) betreibt ein Landhotel im Oderbruch. Der Betrieb läuft schlecht und die Hradscheks leben über ihre Verhältnisse. Als Abel bei Gartenarbeiten zufällig unter einem Birnbaum das Skelett eines Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt, reift in ihm ein raffinierter Plan. Mit Hilfe seiner Frau arrangiert er den perfekten Mord an seinem Gläubiger.

„Unterm Birnbaum“ Moderne Adaption der Fontane Novelle. Montag, 30. Dezember, 20.15 Uhr im ZDF


Interview mit Fritz Karl

Marion Graeber

Dezember 2019


Was hat Sie an der Rolle des Abel gereizt? Wie beschreiben Sie ihn?
So eine Rolle zu bekommen ist ein Fest für einen Schauspieler. Es ist eine Figur die so zerrissen ist. Abel liebt seine Frau so sehr, lebt aber weit über seine Verhältnisse und kommt in große Not. Da ist alles drin, was eine große Tragödie braucht. 

Abel ist eine Figur mit großen Tiefen, aber auch voller Lebenslust. Ein ganzer Blumenstrauß, der einem da aufgetischt wird. Es ist einfach spannend so einen Charakter zu spielen.

Nach welchen Kriterien nehmen Sie Rollen an, bzw. lehnen sie ab? Schauen Sie, was zu Ihnen passt?
Passt zu mir, würde ja beinhalten, dass ich nur Rollen spiele, die zu mir passen. Aber ich sehe meinen Beruf so, dass ich mir Rollen, Figuren und Charaktere aneigne, die mir völlig fremd sind. Es ist ja viel interessanter, sich auf diese Weise etwas zu erarbeiten.
Mein Beruf ist Schauspieler. Figuren spielen, und Menschen zu unterhalten, damit verdiene ich mein täglich Brot. Wenn ich in der Situation bin, in der ich mir Rollen heraussuchen kann, dann lehne ich die ab, die oberflächlich sind, wenig Tiefe haben und nicht wirklich einenn großen Spannungsbogen, keine Ecken, keine Kanten haben. Denen geh ich eigentlich aus dem Weg.  Aber vielleicht kommt es vor im Leben, um das tägliche Brot zu verdienen, Rollen anzunehmen, die vielleicht nicht die Qualität eines Abel Hradschek haben. Außerdem würde ich sicherlich Rollen ablehnen, die  moralisch und politisch für mich nicht vertretbar sind, beispielsweise, wenn ein Film den Nationalsozialismus verherrlicht. 

Historische Stoffe in die Gegenwart zu übersetzen, eine Chance für den Zuschauer sich mit großer Literatur auseinanderzusetzen?
Ja, sicher. Ich glaube, das ist etwas das sowohl in Deutschland als auch in Österreich ein bisschen abhanden gekommen ist. Die Engländer machen das mit einer großen Selbstverständlichkeit. Sie verfilmen ihren Shakespeare meist sogar historisch. Sie pflegen das auch. Wir haben relativ wenig Literaturverfilmungen, was schade ist. Das war schon mal stärker. Wenn man sich Schiller und Goethe, oder auch Büchner ansieht, da gibt es ganz große, spannende und theatralische Stücke, die eigentlich darauf warten, verfilmt zu werden. Am Theater wird vieles gespielt, aber ich glaube, es hätte auch wirklich im Film seine Berechtigung. Stücke modernisieren, das kann man machen. Das ist sicherlich eine Form, Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend mit Fontane gequält wurden, das nochmal auf eine andere Weise näher zu bringen.

Im Film schmieden Abel und seine Frau diesen Mordplan und kommen sich dann nahe, wie lange nicht mehr. Was halten Sie von der Kraft der Gemeinschaft? Das lässt sich ja auch in das Positive übertragen.
Das ist eine ganz spannende Szene im Film. Wie kommen wir dorthin, die körperliche Nähe, der gemeinsame Plan, dass sie sich da nicht entzweien. Sie haben diese Gemeinschaft, sind Verbündete, Gefährten, das ist schon ein ganz großes Ding. Vielleicht ist es das. Sich gemeinsam in dieser Situation, wie an einen Strohhalm aneinander zu klammern - das gibt schon Kraft. Sie sind sich nie so innig, so eng, wie in diesem Moment, in dem sie diesen Plan schmieden. Eine ganz großartige Szene. 


Ich habe über Fontane gelesen, dass es ihm stets fern lag, Gewalt darzustellen. Das ist heute in Krimis, Psychothrillern und Krimidramen anders. Warum, denken Sie, wollen die Zuschauer das heute anders sehen?
Fontane hat ja, wenn man das so liest, alles was zu hinterfragen war ausgeblendet. Er hat das nicht hingeschrieben. Was ist mit dem Pferd, wie wird der Mord begangen? Das hat er gar nicht angerührt. Wir leben heute in einer Zeit, da geht das so nicht. Da würden wir ausgelacht werden, wenn wir eine Geschichte so erzählen würden. Die Wohnzimmer in Deutschland sind voll mit ermittelnden Kommissaren. Das heißt, die Erwartungshaltung des Zuschauers ist eine andere. Da kann man das nicht mehr so erzählen, wie Fontane das gemacht hat. 

Wie ist das, diese extremen Charaktere zu spielen? Nimmt man das auch ein bisschen mit nach Hause? Wie sehr beeinflusst das?
Also, ich sehe meinen Beruf als einen handwerklichen Beruf für den man Fantasie und Talent braucht. Jetzt stellen Sie sich mal vor, jeder Schauspieler, der da im Tatort spielt, jeder Schauspieler, der einen Mörder verkörpert, zieht diese Krücke dann noch mit nach Hause. Das wäre eine Katastrophe. Fürchterlich. Da bräuchten wir ein Klinikum. Lacht. Aber es ist natürlich unterschiedlich, kommt darauf an, was eine Figur braucht. Wenn man dreht ist das ja meistens woanders. Da ist man wie in einem Kokon. Man ist in dieser Drehfamilie und in dieser Drehfamilie bleibt das dann auch. Ich gehöre nicht zu den  Schauspielern, die Rollen mit nach Hause nehmen. Das wäre eine Katastrophe und nicht gut, vor allem nicht bei den Rollen, die ich spiele. Das würde keine Familie aushalten. Die Schauspielerei ist ein Handwerk. Für diese Zeit sich da hineinversetzen, sich das anzuziehen und dann die Fähigkeit besitzen, das am Ende der Drehzeit auch wieder abzulegen. Andernfalls müssten wir am Set einen Psychologen haben, der die Schauspieler betreut und ihnen hilft wieder in das Alltagsleben zurück zu finden. 

Wie entspannen Sie? Hören Sie gerne Musik? Welches Genre?
Ich höre quer durch. Ich muss mich jetzt durch meine Kinder auch mit Gangster Rap und diesen Dingen auseinandersetzen. Aber wir haben da einen ganz guten Austausch. Sie hören dann auch mal Rolling Stones und Cat Stevens oder David Bowie. Ich höre auch klassische Musik, denn ich bin damit aufgewachsen. Ich würde mich da also gar nicht festlegen, was auch schade wäre, weil in jeder Musikrichtung gibt es Schönes. 

Tanzen Sie? Wie gut kennen Sie den Tango Argentino?
Sie hatten im Februar eine Lesung - Fritz Karl und Tango de Salon
Genau, mit dem Tango Orchester trete ich auf. Die spielen und ich lese. Lächelt. Ich bin aber kein Tänzer. Ich habe Produktionen gemacht, da hab ich getanzt, aber das war für mich immer, lacht, ich bin Skifahrer und ich habe große Oberschenkel und die sind schwer, leicht zu bewegen. Lacht. 'Schuhblatteln' wäre noch eine Möglichkeit. Lacht. Nein, als Österreicher bekomme ich natürlich noch einen anständigen Walzer hin. 

Was ist für Sie die beste Zeit, um zu sich selbst zu kommen? Würden Sie einen Spaziergang in der Morgendämmerung wählen oder doch lieber einen bei Einbruch der Dunkelheit?
Sowohl als auch. Aber ich würde keinen Spaziergang machen sondern um diese Tageszeiten gehe ich Fliegenfischen. Es gibt einen Morgensprung und den Abendsprung. Das ist wunderbar. Wobei natürlich im Sommer die langen Abende zum Fliegenfischen hervorragend geeignet sind, wenn es so lange dahindämmert. Jetzt im Winter, ich war heute in der Früh fischen,  war sehr kalt. Aber schön. Lacht. 

Dann fühlen Sie sich in der Natur besonders wohl ..
Ich bin am Berg aufgewachsen. In der Natur. Im Salzkammergut. Hier kann ich mich am schnellsten erholen und am besten meine Batterien aufladen.



Vielen Dank für das schöne Gespräch, Herr Karl


'Der Tango Argentino das ist ein Tanz, wie auch der Flamenco, der eine Ebene hat,
die einfach aus einer anderen Zeit kommt'
Nadeshda Brennicke


Die in Tschechien in der Burg Pernstejn und vor zahlreichen Naturkulissen gedrehte Neuverfimung des Grimm'schen Märchens gehört zu der ZDF Reihe "Märchenperlen". Der Film wurde als "Best Feature Film" beim San Diego International Kids Festival ausgezeichnet und erhielt den Publikumspreis des Fabulix Märchenfestivals 2019. 

Dienstag, 24. Dezember, 15.05 Uhr ZDF und ab Sonntag, 22. Dezember in der ZDF Mediathek


Im Gespräch mit Nadeshda Brennicke

Marion Graeber

Dezember 2019


Wie wichtig sind Ihnen Märchen?

Ich glaube, wie für viele Menschen meiner Generation, sind Märchen großartig. Wir sind damit groß geworden. Nicht nur mit Märchen, sondern auch mit so fantastischen Büchern, wie beispielsweise „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“. Michael Ende ist einer der wichtigsten Autoren meiner Kindheit. Das prägt. Ich hab das Glück, auch in einer Zeit aufgewachsen zu sein, wo viel vorgelesen wurde. Wo es einfach nicht das Ipad war, was man vorgelegt bekommen hat. Wo man noch während der Autofahrt Hörspiele gehört hat. Ich bin sowieso sehr Hörspiel abhängig. Lacht. Ich kann stundenlang Hörspiele anhören. Das regt die Fantasie an. Kinder denken sich heute gar keine Geschichten mehr aus. Imagination ist was Schönes und die Märchen, die damals produziert wurden, haben mehr Platz für Fantasie gelassen. Ich finde das ist bei den heutigen Anime Filmen schwierig. Schon wegen der vielen schnellen Schnittfolgen, die eine krasse Reizüberflutung darstellen. Auch „Biene Maja“ wurde ja beispielsweise neu gemacht – da geht mir der nostalgische Spirit verloren, diese Langsamkeit. Mir fehlen auch die alten Heinz Rühmann Filme, die alten Märchen aus Tschechien. Mir fehlt so die Nostalgie Ecke.

Mögen Kinder das heute überhaupt noch – diese „alten“ Märchen?

Ich glaube Kinder mögen das, was wir ihnen bieten.

Weihnachten und Märchen – gehört das für Sie zusammen?

Weihnachten bestand auch daraus, zu sehen, was meine Eltern als Kinder gern geschaut haben. Da gibt es sensationelle Filme. Darüber abends generationsübergreifend diskutieren. Schön, wenn man sich austauscht.

Haben Sie Ihrem Sohn früher auch vorgelesen?

Ja, das habe ich. Darüber hinaus haben wir auch viele alte Filme angeschaut. Viele Filme, die auch ich als Kind gesehen habe. Beispielsweise auch die Weihnachtsreihen, wie „Silas“.

Was ist Ihre Lieblingsgeschichte/-märchen?

„Momo“ ist mein Lieblingsbuch und die „Unendliche Geschichte“. Vor allem Michael Ende hat für mich Märchengeschichte geschrieben. Märchen, die so viele Subebenen haben und Weisheiten. Die begleiten mich bis heute. Es ist ein Wahnsinn, was für ein Wissen dieser Mann für Kinder verarbeitet hat. Er hat letztendlich den einzig interessanten Weg literarisch gewählt – nämlich so ein Wissen an die Jüngsten zu vermitteln. Bei mir ist das voll aufgegangen. Ich höre die Geschichten heute noch gerne als Hörbücher.


Foto: ZDF Conny Klein


Ihre Rolle als Königin und Stiefmutter in „Schneewittchen und der Zauber der Zwerge“, ist wuchtig. Sie legen all Ihre Kraft hinein. Was war das für eine Erfahrung?

Das war so toll. Ich hatte auch so einen Spaß.

War es eine große Herausforderung mehrere Charaktere in einer Person zu spielen?

Es ist einfach super, dass man so eine Chance bekommt, wie ich sie hatte.

Dazu muss man wissen, dass Ihr Exfreund, Ngo The Chau für Regie und Kamera führte

Ja, das stimmt. Wir waren lange ein Paar. Dass er mich jetzt, obwohl wir kein Paar mehr sind, für seinen Film geholt hat zeigt, was für ein schönes Verhältnis wir haben, sonst würde er mir das gar nicht anvertrauen und mich in sein sensibelstes Projekt holen. Da braucht man Verbündete – das war für mich natürlich ein schönes Zeichen - Verbündete zu sein. Es ist letztlich auch deswegen toll, weil man auf künstlerischer Ebene arbeiten kann, wo sprechen oft überflüssig ist. Wir haben ja ganz kurze Wege der Verständigung. Kennen uns. Aber das war manchmal auch ganz schön anstrengend. So hat er von mir auch die schnellste und härteste Arbeit verlangt. Ich hab in zwei Stunden 5 Szenen gedreht. Keine Pause, kein Make-up und Kleid zurechtrücken und so. Lächelt.

Die Qualität sieht man ..

Das freut mich. Ja, man hat wie gesagt ein ganz anderes Vertrauen, kann ganz woanders einsteigen wenn da einer ist, der einen kennt. Manchmal hat eine Handbewegung von mir ausgereicht und er wusste, wie es weiter gehen würde. So nach dem Motto: „Ja, genau so“ und „Ich weiß genau, was jetzt kommt“. Er gab mir die Bühne und hat mich machen lassen. Das ist einfach schön.

Wie viele Drehtage waren eingeplant?

Es waren 21 Drehtage. Ich hatte 12. Da kann man sich vorstellen, was das für ein krasses Pensum ist.

Es sind fantastische Bilder entstanden mit beeindruckenden Kostümen..

Ja, das Kostüm ist besonders. Sensationell angefertigt und bis auf den letzten Stich mit so viel Liebe kreiert. Aber es hat mich wahnsinnig beengt. Es waren 40 Kilogramm da hinten dran. Das ist nicht lustig. Ich habe schwer darum gekämpft, dass ich den Rock auch mal ablegen durfte. Manchmal hab ich nur im Oberteil gespielt. Mit dem Kostüm konnte man gar nicht so schnelle Bewegungen machen. Da bewegte sich da hinten der ganze Drachenschwanz mit. In manchen Szenen konnte ich das aber auch gut nutzen. Aber es war schon ein Kostüm, das permanent Kontrolle gebraucht hat.

Wie konnten Sie sich in dieser Zeit entspannen?

Das ist in diesem Fall ganz leicht gewesen, denn ich habe mit den tollsten Schauspielern zusammen gearbeitet. Lächelt. Sascha Alexander Gersak (Graf Sebalt) hab ich überredet, die kleine Rolle des Edelmanns zu übernehmen. Und die kleinwüchsigen Kollegen, die ich erst in dieser Produktion kennengelernt habe, die sind mir sehr ans Herz gewachsen. In Prag mit solchen Charakteren in Welten einzutauchen, die sie sonst nie im Leben haben – das ist einfach toll. Ich musste eher aufpassen, dass ich abends dann auch ins Bett kam. Lacht. Jeder Tag hätte gerne doppelt so lange sein dürfen.

Sind Sie Stadt- oder Naturmensch?

Ich brauch beides. Ich bin ein sehr großer Naturmensch. Ich hab allerdings gerade meinen Hof verkauft, weil ich nochmal was anderes brauche. Ich sehe mich jetzt gerade dort nicht mehr. Ich fand das eine Zeit lang toll etwas zu erschaffen aber das ist jetzt auch abgeschlossen. Jetzt können andere weitermachen. Ich würde gerne ein bisschen reisen. Ich bin aktuell gerade in die Stadt gezogen. Die Pferde sind etwas außerhalb. Ich finde, die Mischung ist schön. Dass man das überhaupt hat. Das hab ich aber schon durch meinen Beruf leben dürfen. Ich habe auf dem Land gelebt und war für Drehs in der Stadt. So hab ich die Stadt viel effizienter genutzt als ich das sonst gemacht hätte. Lächelt.

Gibt es für Sie einen Sehnsuchtsort?

Costa Rica. Ich bin gerade ein großer Südamerika Fan. Ein Kontinent, den ich mir jetzt erarbeiten möchte.  

Mögen Sie den Tango Argentino, als Tanz aus Südamerika?

Ich hab den Tango Argentino in der Schauspielschule mal angefangen. Ich wage zu sagen, ich habe zwar einige Talente, aber es gibt zwei Dinge, die ich nicht so gut kann – das ist das Malen und das Tanzen. Dabei würde ich wahnsinnig gern tanzen. Ich kann das auch alleine mit mir ganz gut. Lacht. Aber Partnertanz – es fällt mir unheimlich schwer, mich fallen zu lassen. Und führen lassen kann ich mich auch nicht gut. Der Tango Argentino das ist ein Tanz, wie auch der Flamenco, der eine Ebene hat, die einfach aus einer anderen Zeit kommt. Es ist eine Energie, die da passiert. Eine Dramatik.

Welche Art von Musik hören oder machen Sie gerne? Sie sind Singer/Songwriter..

Ich hab alles gemacht was nicht kommerziell ist, deswegen kennt man wenig von mir. Ich mach derzeit viele Hörbücher und Kunstprojekte. Teilweise sehr abstrakte Stoffe. Ich habe null Interesse an kommerzieller Musik, das interessiert mich künstlerisch gar nicht. Mir ist die Gefühlsebene wichtig. Momentan könnte ich mir vorstellen, spirituelle Musik zu machen. Trommeln beispielsweise. Da spiele ich als Person eine geringe Rolle, da geht es darum sich durch Ton und Klang auf eine andere Ebene zu begeben. Das finde ich faszinierend.   


Liebsten Dank, liebe Frau Brennicke. Das war ein ganz wundervolles Gespräch.

Alles Liebe.


"Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist die Schönste im ganzen Land?", fragt die Königin ihren magischen Zauberspiegel, der stets die Wahrheit spricht. Und sie tobt vor Wut, als der Name ihrer eigenen Stieftochter fällt; Schneewittchen. Diese wächst als Waise abgeschieden am Hof der eitlen, selbstherrlichen Königin auf, die das Mädchen viele Jahre vor den Augen der Welt verborgen hat. Nur heimlich kann sich Schneewittchen aus den abgeschotteten Gemächern schleichen, um wenigstens dem alten Burgschmied ab und an zur Hand zu gehen. Dort trifft sie auf Prinz Kilian, dessen Herz für die vermeintliche Schmiedegehilfin entflammt.

Als Königin Schneewittchen aus Geldnot an den reichen Grafen Sebalt verheiraten will, staunen die Bürger des Reiches bei der Brautpräsenation. Schneewittchen ist tatsächlich schöner als die Königin. In rasender Eifersucht gibt die Herrscherin ihrem Bruder Gilig den Befehl, ihre Stieftochter zu ermorden. Doch Schneewittchen überlebt mit Hilfe der Zwerge und versteckt sich bei ihnen im Wald. Dort stellen sie magische Gegenstände her, so auch einst den Zauberspiegel der Königin. Gequält von ihrer Angst vor dem Alter gibt die Königin dem Anführer der Zwerge einen neuen Auftrag. Sie sollen ihr eine Perücke herstellen, die ewige Jugend verleiht.

Als der Zauberspiegel der Königin verrät, dass Schneewittchen den Mordanschlag überlebt hat, macht sie sich selbst auf, um Schneewittchen zu vergiften.





  'Ein sehr toller Tanz – aber wahrscheinlich sagen Tangotänzer, der Tango Argentino ist kein Tanz, sondern ein Lebensgefühl'

Sebastian Ströbel

Fotos: ZDF Walter Wehner



Das ZDF zeigt sieben neue Folgen von "Die Bergretter". Zu sehen sind Geschichten rund um Bergrettungsleiter Markus Kofler (Sebastian Ströbel) und sein Team, welches mit Simon Plattner (Ferdinand Seebacher) in der neuen Staffel übrigens Verstärkung bekommt. Im Interview sprechen wir über schauspielerische Arbeit aber auch über persönliche Leidenschaften.   


Im Gespräch mit Sebastian Ströbel

Marion Graeber

November 2019


Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Wo sind Sie gerade?

Ich bin zur Zeit in Hamburg. Ich darf mich ein bisschen regenerieren. Lacht. Die Dreharbeiten sind seit fast drei Wochen vorbei und jetzt hab ich Bergretter-Frei.

Familienzeit?

Genau. Familienzeit.

Wann beginnen die neuen Dreharbeiten?

Wir fangen wieder Anfang Februar 2020 an. Da sind wir im Kaunertal und drehen die Winterfolgen und dann geht es wieder das Jahr durch.



Sie kommen ganz aus meiner Nähe, sind in Karlsruhe geboren…

Ja, ich bin in Karlsruhe geboren. Mein Vater ist Stuttgarter. Meine Eltern, beide Schwaben. Wie auch ich. Auch meine Verwandtschaft kommt aus dem Tübinger und Esslinger Raum.

Sind Sie öfter in der Region?

Ja, ich bin öfter da. Vor allem in Esslingen. Ich hab auch lange in Ravensburg gelebt. In der Nähe des Bodensees. Auch dort habe ich Freunde. Ich hab also sehr viel Kontakt ins Schwabenländle. Lacht.

Wie gefällt Ihnen die Region Bodensee?

Der Bodensee und Oberschwaben sind wunderschön. Ehrlich gesagt, ist der Bodensee mit einer der schönsten Plätze die es gibt. Unfassbar schön.

Sie leben in verschiedenen Welten. In der Stadt und in der Natur gleichermaßen. Ein Kontrastprogramm…

Ja, absolut. Aber das ist auch das, was mich irgendwie ausmacht. Einerseits die Berge, diese Wildheit und Schönheit der Natur und auf der anderen Seite die Großstadt. Das ist toll. Glücklich, wer beides hat. Ich genieße das sehr. Durch die Dreharbeiten und die Zeit in den Bergen – ich kann mittlerweile keinen Tag mehr komplett im Haus verbringen. Ich muss immer raus. Ich würde zugrunde gehen, wenn ich nicht ein oder zwei Stunden am Tag draußen sein könnte.  

Mit Hamburg haben Sie auch die Nordsee quasi vor der Türe. Lieben Sie auch das Meer, vielleicht Wassersport?

Ich liebe das Meer, aber ich bin jetzt kein extremer Wassersportler. Wir waren gerade in St. Peter Ording. Das war auch sehr schön. Mir reicht aber auch die Natur, der Wald, die Ruhe.

Waren Sie immer schon sportlich? War das Klettern immer schon Ihr Sport?

Sport war für mich immer von großer Bedeutung. Klettern war ich damals aber nicht. Wir waren wandern und ich mochte Ballsportarten. Was das Klettern betrifft, man musste damals schon in einer Gegend aufgewachsen sein, wo man klettern konnte. Mittlerweile ist der Klettersport ein Trend und in Mode und es gibt beispielsweise ja auch Kletterhallen. Groß geworden bin ich damit nicht. Das war damals nicht so ein großes Thema.

Die ganzen Stunts und die Action in den Bergen – Sind Sie Angstfrei?

Das ist doch immer eine Herausforderung … Das stimmt. Das ist das ganze Projekt „Die Bergretter“. Wir sind Hochalpin und auch die ganzen Unwegbarkeiten der Natur, Fels- und Steinschlag. Dann das Thema, wie man zu den Settings kommt…. Das ist immer ein großer Aufwand. Aber ich bin immer gut gesichert. Was man sein sollte, ist schwindelfrei. Ich hab auch ein hohes Materialvertrauen. Ich bin da eigentlich ganz ruhig, weil ich weiß, mir kann nichts passieren.

Sie hängen in manchen Szenen auch am Hubschrauber. Sind das wirklich Sie?

Ja, da hänge ich wirklich dran. Das ist toll. Ein Privileg. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl von Freiheit. Es ist aber auch schön, das am Dachstein machen zu dürfen. Über der Stadt würde das nicht so viel Spaß machen. Lacht. 




Hat Ihre Familie Angst um Sie?

Nein. Meine Frau vertraut mir da und die Kinder finden ja eh Action toll. Und ich bin ja auch verantwortungsbewusst. Klar, viele Sachen will ich selber machen, aber alle sind ganz entspannt.

So eine Schauspielrolle wie Sie sie haben, das verändert einen schon, oder?

An sich schon alleine, weil man so ein tolles Format mitgestalten kann und fast sechs Millionen Zuschauer hat. Das ist schon toll. Dann, was man alles erleben darf. Ja, das macht schon etwas mit einem.

Sie klettern auch in anderen Ländern? Beispielsweise in Israel.

Ja, in dieser Produktion bin ich als Host dabei. Ein Teil war es zu zeigen, was man alles in Israel erleben und machen kann. Das war eine tolle Erfahrung. Ein sehr lehrreiches Erlebnis.

Reisen Sie gerne?

Ja, ich bin ständig unterwegs. Ich liebe es andere Eindrücke, andere Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Ich liebe ja Menschen. Von daher ist das für mich ein 'Muss'. Ich mag das, die Welt zu sehen. Dinge zu erleben. Das finde ich toll.

Gibt es einen Sehnsuchtsort?

Ja, tatsächlich ist das Südafrika. Ich war schon einmal dort und würde gern Südafrika und Namibia nochmal sehen. Diese Weite, diese Schönheit – das ist der Wahnsinn. Und ich würde auch gern mal in den Iran.

Wann, finden Sie, ist die Stimmung besonders schön – morgens oder abends? Sind Sie ein Morgen- oder ein Nachtmensch?

Ich glaube das ist schwer zu sagen. Morgenmensch bedeutet, man muss früh aufstehen. Lacht. Also ich mag die Abendstimmung schon wahnsinnig gerne. Dieses Licht und die Atmosphäre.

Sie haben schon einmal in einem Musikvideo von Revolverheld mitgewirkt. Welche Musikrichtung lieben Sie?

Ich höre viel. Ein Album, welches ich gerade hoch und runter höre ist das neue Album von „Deichkind“. Das finde ich mega. Ich höre aber auch wahnsinnig gerne Klassik. Eigentlich bin ich nicht festzulegen, denn ich bin auch mit der „alten Musik“ verwoben.

Tanzen Sie gerne?

Ich tanze gerne auf Partys, aber ich bin kein Tanzbär. Lacht. Ich lieb es unterwegs zu sein, Musik zu hören.

Gefällt Ihnen der Tango Argentino?

Ich hab ihn mal für Filmprojekte getanzt. Mit Felicitas Woll in „Abgefahren – Mit Vollgas in die Liebe“. Und auch mit Chiara Schoras in „Countdown – Die Jagd beginnt“. Da hatte ich Tangostunden und hab diesen Tanz genießen dürfen. Ein sehr toller Tanz – aber wahrscheinlich sagen Tangotänzer, der Tango Argentino ist kein Tanz, sondern ein Lebensgefühl. ...



Vielen Dank, für das schöne Gespräch, Herr Ströbel






'Wäre fast mal ein Milonguero geworden'

Juergen Maurer



Fotos: Ingo Pertramer



Der Anfang von etwas

Nach der gleichnamigen Erzählung von Siegfried Lenz


Anne Hoppe (Ina Weisse), die als Meteorologin im Seewetteramt Hambug arbeitet, trauert seit einem Jahr um ihren Ehemann Harry (Juergen Maurer). Dieser kam am Neujahrsmorgen beim Untergang eines Containerschiffs ums Leben. Seine Leiche wurde allerdings nicht gefunden. Bei einer Gedenkfeier glaubt Anne, ihren für tot erklärten Mann unter den Gästen zu erkennen. Zunächst hält sie das nur für ein Hirngespinst, doch als nachts in ihr Haus eingebrochen wird und sie einen Blick auf den Einbrecher erhaschen kann, ist sie sicher: Der Einbrecher ist Harry.


Im Gespräch mit Juergen Maurer

Marion Graeber



Der Film „Der Anfang von etwas“ spielt in Hamburg und Nordfriesland. Welche Anziehungskraft hat Wasser auf Sie? … Sie sind in Klagenfurt am Wörthersee aufgewachsen.

Das ist richtig. Lacht. Abgesehen, dass ich leidenschaftlicher Schwimmer und an einem See aufgewachsen bin, kann man das nicht mit der Nordsee vergleichen. Die Nordsee oder auch die Elbe, das ist ein komplett anderes Gewässer. Aber grundsätzlich mag ich es total gern. Hamburg ist unheimlich definiert durch Wasser. Das lieb ich sehr, wie auch die ganze Stadt.


Sind Sie oft in Hamburg?

Ich bin immer wieder mal in Hamburg, da ich ein Mal im Jahr einen Film dort drehe. Ich genieße die Zeit jedes Mal.


Eine intensive Zeit?

Ja.


Sie waren zu Drehzwecken ja auch auf einem Containerschiff. Was war das für eine Erfahrung? Wir haben auf dem Schiff einen Tag lang gedreht. So ein Schiff mal in seiner Größe zu sehen, das ist kolossal. Tatsächlich haben wir im Hafen liegend gedreht und dann gab es noch eine Luftaufnahme vom Containerschiff mit einem Double. Schon beeindruckend… Wahnsinn. Allein, wenn man schon die Szene von der Ankunft sieht, wenn er nach Hause kommt, die Gangway runter – irre.


Sie spielen im Film – Harry. Wie beschreiben Sie die Rolle und was hat Sie an Harry's Charakter gereizt?

An der Geschichte insgesamt hat mich gereizt, dass sehr unwegbare Situationen aufgezeigt werden. Gerade in Bezug auf die Schuldfrage der beiden Hautrollen, welche sich in einer indifferenten Gemengelage auflösen und man nicht genau weiß, ist Harry der Täter oder das Opfer. Wer hat was wem angetan und was hat sich daraus ergeben. Das mochte ich an diesem Buch. Diese ambivalente Situation, wo man nicht genau sagen kann, ob Harry nun der Bösewicht ist. Je mehr sich die Geschichte entblättert, je mehr kommt man drauf, dass das alles zusammen nicht so eindeutig ist.


Ja, man kann Harry nicht als den schlechten Kerl bezeichnen. Harry ist sehr eifersüchtig. Wie stehen Sie zur Eifersucht?

Eifersucht hat immer was mit Verlustangst zu tun und mit Unsicherheit.


Wie sollte man mit Eifersucht umgehen? Mit Gewalt in der Ehe? Hilfe einholen?

Definitiv. Vor allem, wenn eine potentiell glückliche Beziehung Schaden nimmt oder zerstört wird. Es ist immer eine Frage des Ermessens, was tue ich dagegen, um eine Beziehung, den Menschen, nicht zu verlieren. Das ist bei den beiden Protagonisten ja auch ein Thema – sie wollen sich nicht verlieren.


Was denken Sie, warum holen sich so wenig Menschen Hilfe in diesen Situationen?

Ich glaube es liegt an den Rollen, den Geschlechterbildern, dass Männer das immer auch als Schwäche interpretieren. Wie ich den Harry verstanden haben ist er einfach der männliche Sturschädel im klassischen Sinne, der alles was man als Schwäche auch nur im entferntesten interpretieren könnte, sofort weg schweigt oder weg prügelt.


Er rettet ja auch seine Frau, indem er verschwindet und fern von ihr bleibt. Ist das auch Liebe? Zum Beispiel. Wenn man es gut mit ihm meint, kann man das durchaus so interpretieren. Finde ich auch.


Was halten Sie von Leidenschaften? Sie spielen Sax, Percussion und Klarinette. Welches Musikgenre lieben Sie?

Ich bin da relativ heterogen veranlagt. Ich war mit meiner Liebsten bei den Salzburger Festspielen. Eine wahnsinnige Freude.


Tanzen Sie auch?

Oh, ja. Tanzen, gerne und oft und immer wieder. Lacht.


Haben Sie schon einmal den Tango Argentino getanzt?

Ja, ich hab eine Zeit lang Tango getanzt. Wegen einer Freundin, die das sehr leidenschaftlich betrieben hat. Wäre fast mal ein Milonguero geworden. Lacht. Ist ein toller Tanz.






Liebsten Dank, Herr Maurer. Das war ein sehr schönes Gespräch.

Hab mich sehr gefreut. Alles Liebe für Sie.   






'Musik ist so reichhaltig und schön'

Benjamin Sadler



Foto: Marion Graeber



'Jenseits der Angst'

Die renommierte Modedesignerin Lisa Hembach (Anja Kling) irritiert ihre Umgebung durch ihr Verhalten. Sie wirkt fahrig, unkonzentriert und fühlt sich verfolgt. Alpträume, Panikattacken und Angstzustände quälen die eigentlich selbstbewußte, attraktive Frau. Ihr unterlaufen beruflich schwere Fehler, die die neue Kollektion und damit die Zukunft der Firma gefährden. Ihr Mann Ronald (Benjamin Sadler) und die ganze Belegschaft sorgen sich um die seelische Gesundheit von Lisa. 



'Ein verhängnisvoller Plan'

ist ein Thriller im Spannungsfeld zwischen bürgerlicher Fassade, Familie, skrupelloser Karriere und alter Schuld. Als Kriminalhauptkommissar Jan Brenner (Benjamin Sadler), verheiratet, zwei Kinder, am Morgen erwacht, liegt seine Geliebte Vesna (Katharina Nesytowa) neben ihm. Doch ihr Anblick lässt ihn erstarren: Vesna ist tot, erdrosselt mit seiner Krawatte. Er kann sich an nichts erinnern.


Im Gespräch mit Benjamin Sadler in Berlin

Marion Graeber

August/September 2019


Im Thriller „Jenseits der Angst“ trägt die Frau einen anderen Namen als ihr Ehemann – Was halten Sie persönlich davon? Sollte Zugehörigkeit auch über den Namen symbolisiert werden?


In Bezug auf den Thriller, da könnte man auch sagen, dass er das nicht will, da er selber gesehen werden möchte. Viele Beteiligten wünschen sich das, den gleichen Nachnamen zu haben, anderen wiederum ist das herzlich egal. Es wäre interessant zu wissen, ob diejenigen, die sich entscheiden den gleichen Namen zu tragen, sich weniger häufig trennen. Ich weiß es nicht. Lächelt. Es wundert mich jedenfalls nicht, dass es noch relativ tief sitzt, dass der männliche Name dominiert. Ich möchte behaupten, dass wir das in den nächsten Jahren sehen werden, dass die nachfolgenden Generationen das eventuell anders machen.


Angst und Manipulation sind beherrschendes Thema in „Jenseits der Angst“

Wie empfindet man da Dreharbeiten? Nimmt man gefühlstechnisch etwas mit nach Hause?

Nein, ich hoffe nicht. Das wäre schwierig. Gewisse Vorgänge oder Situationen, die nachklingen, das gibt es schon. Aber mit nach Hause nehmen – das tue ich nicht.  

Obwohl – man taucht ja in Emotionen ein – aber ich fange nicht an, zu Hause weiter zu manipulieren. Lächelt.


Gibt es etwas, wovor Sie Angst haben?

Spinnen. Ja, Spinnen mag ich nicht. Sobald die dann auch noch ein bisschen größer und behaart sind ….


Der Film spielt in der Modewelt – Wie stehen Sie zur Mode?

Das Thema ist mir nicht egal. Ich mag gern schöne Sachen. Immer so auf dem neuesten modischen Stand zu sein und zu wissen, was en vogue ist, das allerdings interessiert mich weniger. Ich mag schöne Dinge und gute Qualität. Auch wie es gemacht ist. Als Mann ist das auch ein bisschen einfacher. Schlicht und dunkelblau geht immer. Lacht.  


Was mögen Sie persönlich an Psychothrillern?

Letztendlich ist das immer gute Unterhaltung. Was ich mag ist, wenn ein Thriller nicht nur versucht den Thrill zu erzählen, sondern durch die Kombination der Figuren das etwas komplexer wird. Man kann in diesem Genre „Thriller“ auch ganz viel am Rande mit erzählen, in den Mittelpunkt setzen, obwohl es um ganz andere Dinge geht.


Was denken Sie, gefällt dem Zuschauer am Genre Thriller?

Ich glaube, es kommt immer darauf an. Der klassische „who done it“ - da ist man dann befriedigt, wenn man weiß, wer der Mörder ist. Wenn Thriller gut gemacht sind, dann hallen die nach. Thriller spielen mit Ängsten, zeigen auf, zu was Menschen fähig sind. Und das sind ja immer Dinge, die uns nicht so gut gefallen. Doch ziehen sie uns an. Dieser Voyeurismus oder diese Faszination von dem was scheinbar nicht möglich ist oder nicht passieren sollte, aber doch passiert.


Glauben Sie, das Vertrauen in Menschen hat sich geändert?

Grundsätzlich? Ich weiß nicht. Ich glaube es ist die Frage, wo man hingeht. In größeren Städten ist es jetzt viel liberaler und offener als es wahrscheinlich jemals war.

Aber im Zuge des wieder aufkeimenden „Nationalgeblöckes“ und den Überfremdungsängsten

steht das in keinem Verhältnis zur Angst. Wir haben in Westeuropa noch nie in so einer sicheren Welt gelebt wie heute. Ich weiß, der Versuch die Notwendigkeit und Wichtigkeit den Menschen die Sorgen und die Ängste zu nehmen sind wichtiger als zuvor und das geht auch nicht nur mit zu Hause rumsitzen und motzen. Da ist das aktive Handeln von jedem Einzelnen gefragt. Es ist wichtig, dass man sich begegnet und im Dialog ist. Im Moment ein ganz wichtiges und sensibles Thema.  


In einem weiteren Thriller „Ein verhängnisvoller Plan“ spielen Sie einen verheirateten Mann und

Familienvater, der über eine Affäre in Schwierigkeiten gerät. Was denken Sie, wie sollte man mit einer Affäre umgehen? Nach dem Motto „Was ich nicht weiß verletzt mich nicht“ oder „Ehrlich währt am längsten“.

Ich glaube das ist ein hochkomplexes Thema. Es ist grundsätzlich immer gut zu sprechen.

Ohne jetzt zu viel von der Geschichte zu erzählen würde es dem Protagonisten gar nicht in den

Sinn kommen sich hier mitzuteilen. So funktioniert dieser Mann nicht.

Aber wie man jetzt mit Seitensprüngen oder einer Affäre umgeht, das weiß ich nicht.

Ich glaube da gibt es mittlerweile einen ganzen Wirtschaftszweig, der sich darum kümmert.

Ansonsten ist es eben auch eine ganz persönliche Sache, was in der Beziehung ermittelt werden muss.  


Um Emotionen zu unterstreichen sind Filme ja immer auch mit Musik unterlegt. Was für ein Genre Musik hören Sie gerne?

Sehr breit gefächert.  Musik ist so reichhaltig und schön. Heute hat man da ganz andere Möglichkeiten als früher, gerade was die Musik angeht. Grundsätzlich mag ich alles, was Spaß bringt. Mit Volksmusik hab ich es nicht so. Lächelt. Und, auf meine Berliner Philharmoniker lass ich nichts kommen. 


Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino?

Tango hab ich noch nie getanzt. Da hätte ich auch Respekt. Ich war aber schon mehrfach

in Buenos Aires und hab den Tänzerinnen und Tänzern zugeschaut.  


Waren Sie jemals in einer Tanzschule?

Nein. Wir hatten Tanzunterricht dann aber auf der Schauspielschule. Für einige Filme musste ich dann auch tanzen. Aber mit Standardtänzen hab ich es nicht so.  



Lieben Dank für das wirklich schöne Gespräch, Herr Sadler.

Ich hab mich sehr gefreut. Wünsch Ihnen alles Liebe.






'Das interessiert mich auch – wie Musik geschrieben wird - dieses Lebensgefühl'

Judith Hoersch


Foto: Marion Graeber




Im Gespräch mit Judith Hoersch

in Berlin



Neue Folgen mit neuer Hauptdarstellerin: Ab Donnerstag, 5. September 2019, 20.15 Uhr, übernimmt Judith Hoersch die Titelrolle als Hebamme in der ZDF-Reihe "Lena Lorenz". In den vier Folgen, die bereits ab 4. September 2019, 10.00 Uhr, in der ZDFmediathek abrufbar sind, spielen in weiteren durchgehenden Rollen Eva Mattes, Raban Bieling, Fred Stillkrauth, Liane Forestieri, Jens Atzorn und Michael Roll. Regie bei  jeweils zwei Filmen führten Sebastian Sorger und Ismail Şahin.



Was hat Sie an der Rolle der Lena Lorenz besonders gereizt, was ist Lena für ein Typ und wie würden Sie sie charakterisieren?


Die Lena ist eine ganz starke, robuste und Gerechtigkeit empfindende Frau, die dahin geht, wo andere sagen „Da halt ich mich jetzt mal raus“.



Haben Sie Gemeinsamkeiten mit Lena Lorenz?


Ich glaube, was uns vereint, ist so ein großer Gerechtigkeitssinn. Obwohl wir ganz andere Berufe haben. Sie identifiziert sich sehr mit ihrer Heimat, mit Familie und mit dem Beruf der Hebamme. Ich hab‘ natürlich ganz eigene Themen  und Komplexe als Schauspielerin und Autorin. Ich finde es toll, dass es immer mehr starke Frauenfiguren im Film  gibt und da gehört Lena  dazu.



Wie gefällt Ihnen die Art, wie Lena ihr Leben lebt?


Da ist sie auch ein bisschen anders als ich. Lacht. Ich bin früh unabhängig gewesen, bin früh weggegangen. Lena ist zurückgekehrt. Lebt in einem Drei-Generationen-Haus. Das ist schon was anderes.



Lena lebt das Dorfleben. Sind Sie Stadt- oder Landmensch?


Gute Frage. Ich bin Stadt- und Landmensch, aber ich bin kein Dorfmensch. Also ich mag es gerne in der Natur, aber wenn man alles vom Anderen mitbekommt, das ist einfach too much für mich.  Lächelt.



Was bedeutet Ihnen Berlin?


Ich finde es in Berlin wahnsinnig toll. So viele Gesichter hat kaum eine Stadt.  Ich lieb schon die Großstadt. Auch die Natur. Nicht das Dorf. Ich mag schon auch die Großstadt Anonymität.


Berlin ist ein Drittel Wald, ein Drittel Wasser und ein Drittel Stadt – das darf man nicht vergessen.



Auch Demenz ist ein Thema bei Lena Lorenz. Was denken Sie, wie kann man Menschen mit Demenz im Leben halten?


Ich glaube, was ein Problem ist, und das hat generell mit älteren Menschen zu tun, dass wir nicht mehr im Familienverbund leben. Das ist die Kehrseite der Medaille an diesem Großstadtleben.



Ich habe keine Familie in Berlin. Das ist schon etwas, worüber ich nachdenke – was ist, wenn meine Eltern älter werden?


Früher war die Verantwortung für die Familie eine andere. Ich würde meine Familie nie hängen lassen. Aber so wie ich es bei meiner Oma kennengelernt habe ist es heute nicht mehr. Sie hat Zeit ihres Lebens im gleichen Ort  gelebt, meinen Opa gepflegt und die ganze Familie umsorgt. Das gibt es ja heute fast nicht mehr.



Sie haben durch die Verkörperung der Lena Lorenz einen umfassenden Blick. Es werden Leben gezeigt, vom Neugeborenen, bis hin zum älteren Menschen.


Ja, das berührt mich sehr. Das Leben ist so groß und bunt, voller Leidenschaften - wenn man sich darauf  einlässt.



Apropos Leidenschaften: Haben Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino? Vielleicht tanzen Sie gerne?


Ich tanze für mein Leben gern und hab ganz viel Stepptanz, Ballett und Jazzdance gemacht. Aber mit dem Tango Argentino hab ich überhaupt keine Berührung. Flamenco haben wir in der Schauspielschule gelernt. Das war ein Seminarteil.



Sie singen. Sind Sie gern von Musik umgeben? Welches Musikgenre lieben Sie?


Ich habe immer so Phasen. Lächelt. Wenn man durch meine Musikbibliothek scrollen würde, würde man sehen, dass ich wirklich sehr sehr viel unterschiedliche Musik habe und höre. Ich hab sehr viel Jazz, das ist schon mein Ding, aber auch immer mal wieder so richtige Pop Musik dabei. Auch nicht so ganz bekannte Musik mag ich. Weltmusik. Da gibt es tolle Sachen, beispielsweise von afrikanischen Künstlern.


Ich mag und höre auch gerne ältere Songs. Bin gerade auf einem 70er Trip. Hab den Film „Yesterday“ gesehen und hab jetzt irgendwie die ganze Zeit die Beatles gehört. Dann hatte ich auch eine frühe Elton John Phase … dann kam Joni Mitchell. Lacht. 


Ich bin auch jemand, der noch Alben hört. Mein Vater ist Musikjournalist. Das hat bei uns auch etwas mit Respekt gegenüber dem Künstler zu tun. Was ich nicht höre ist Rock. Auch kein Schlager. Ich höre auch Klassik, bin aber nicht super bewandert. 



Sie blicken also nicht nur auf die Musik, sondern auch auf den Musiker?


Das interessiert mich auch – wie Musik geschrieben wird. Dieses Lebensgefühl. Mich interessieren auch die ganzen spannenden Künstler aus dem norwegischen und schwedischen Raum. Die haben auch eine ganz spezielle Art, Musik zu machen. 



Lieben Dank für das wirklich sehr schöne Gespräch, liebe Frau Hoersch.


Ich wünsche Ihnen alles Liebe.








'Ich entdecke gerade auch über meine Kinder immer wieder neue Musik'

Alissa Jung


Foto: Maria Dominika copyright




Assistenzärztin Judith begeht unter dem Druck ihrer Arbeitsbedingungen einen Fehler, eine Patientin stirbt. Als sie darüber nicht schweigen will, stellt sich Judith gegen ein zerstörerisches System. Nach dem Tod der Patientin ist Judith erschüttert und zweifelt an ihrer Eignung als Ärztin. Doch die Klinikleitung warnt sie vor einem Schuldeingeständnis. Auch Judiths Freund Mark rät ihr, einfach weiterzumachen. Gegen ihr Gefühl verschweigt Judith, was passiert ist.

Während der Fall untersucht wird, versetzt Judiths Chefin sie in den Dienst im Notarztwagen. Karrieretechnisch fühlt Judith sich dort wie auf dem Abstellgleis. Doch die Distanz zum Klinikalltag lässt bei ihr eine neue Sicht auf die Zustände im Krankenhaus zu. Sie beginnt, ein krankes System zu sehen und muss sich entscheiden: mitschwimmen und Karriere machen oder selbst etwas verändern? "Das Menschenmögliche" ist das Fiction-Debüt der Dokumentarfilmerin Eva Wolf. Bereits in ihrem jüngsten Dokumentarfilm "Intensivstation", der für den Deutschen Fernsehpreis nominiert wurde, hat Eva Wolf sich dem Arbeitsort und Themenfeld Krankenhaus sensibel genähert.


Im Gespräch mit Alissa Jung

Juli 2019

Marion Graeber



‚Das Menschenmögliche‘ spielt in Stuttgart. Wie gut kennen Sie die Stadt?

Mögen Sie Stuttgart? Was gefällt Ihnen an der City?

Ich war im vergangenen Sommer, der ja Rekordsonnenstunden hatte, in der Stadt. In meiner Erinnerung ist Stuttgart daher ein sonniger Ort, mit freundlichen Menschen und gutem Essen. Ich habe die Moped App geliebt, kleine schöne Cafés gefunden und war nach Drehschluss häufiger in der Leutze schwimmen.


Wie gestaltete sich Ihr Kontakt zu den Stuttgartern, den Schwaben?

Ich hatte eher Kontakt zu den Stuttgartern im Team und der war sehr lustig und schön.

Wie lange wurde gedreht?

Wir haben 4 Wochen gedreht, vorher war ich aber schon 2 Wochen zu Proben da.


'Das Menschenmögliche‘ setzt sich mit vielerlei Themen auseinander.

Zum einen mit dem Beruf der Ärztin in einem Klinikum. Auch als Notärztin sind Sie zu sehen. Sie sind selbst promovierte Ärztin, wie wichtig war es Ihnen diese Rolle zu spielen?

Das Drehbuch hat mich schon beim ersten Lesen berührt, daher hatte ich große Lust die Judith zu spielen.


Wie charakterisieren Sie Ihre Rolle?

Judith ist absolut ehrgeizig, perfektionistisch, eine Ärztin mit voller Leidenschaft für den Beruf. Sie hat sich selbst den Weg den sie geht erkämpft, kommt aus einer eher schwierigen familiären Situation und ist daher auch eine Frau die Karriere machen möchte. Gleichzeitig ist sie aber auch einsam, da sie andere Menschen lieber nicht zu nah an sich heran lässt.


Sie spielen authentisch. Jeder Griff sitzt. Sie kennen diverse Situationen aus dem medizinischen Bereich. Wie war das, Ihre beiden Leben zu verknüpfen?

Das war eine große Herausforderung. Natürlich hilft es, wenn man weiß wovon man redet, aber mit dem Wissen wächst auch die Verantwortung dafür, dass alles authentisch bleibt, auch außerhalb der eigenen Rolle. Das war nicht immer einfach, aber ich mag es gefordert zu werden.


Foto: ZDF Daniel Schmid


Zeitmangel, Fehler, zu lange Arbeitsschichten, Personalmangel, Pflegenotstand, Psychopharmaka in der Altenpflege - Themen, die Sie aus Ihrem Privatleben als Ärztin kennen? Wie genau, in welchem Bereich, engagieren Sie sich?

Ich habe 2 Jahre als Kinderärztin in einer Berliner Klinik gearbeitet. Meine Erfahrungen überschneiden sich nur teilweise mit Judiths Erfahrungen. Aber im Studium läuft man viel und überall mit, da bekommt man beobachtend fast noch mehr mit, als wenn man selbst arbeitet.


Wo liegt Ihrer Meinung nach die Lösung der Probleme?

Puh, wenn ich die Lösung parat hätte, müsste ich wohl in die Politik gehen. Prinzipiell denke ich, dass unsere Gesellschaft die sozialen Berufe, Pflege, Medizin, Bildung, mehr wertschätzen muss. Es darf in diesen Bereichen nicht vorrangig marktwirtschaftlich gedacht werden. Die Berufe müssen wieder attraktiver werden, durch bessere Arbeitszeiten, bessere Personalschlüssel und bessere Arbeitsbedingungen.


Sie sind Schauspielerin und Ärztin - wie schaffen Sie es beide Berufe unter einen Hut zu bekommen?

Beides gleichzeitig geht eigentlich nicht. Das war vergangenen Sommer ein ganz schöner Spagat. Ich habe daher vorerst entschieden mich wieder auf das Filmemachen zu konzentrieren. Es fehlte mir einfach zu sehr.


Was macht der Beruf der Ärztin ... der Schauspielerin ... für Sie aus? Was bedeuten sie Ihnen?

Das Schauspiel begleitet mich seit ich 10 Jahre alt bin. Es ist Heimat und jedes Mal Neuland zu gleich. Eine Leidenschaft, von der ich nicht loskomme und auch nicht mehr loskommen möchte. An der Medizin habe ich während des Studiums vor allem geschätzt es selbst in der Hand zu haben. Ich hatte es ja letztlich in der Hand ob und wie gut ich ein Examen bestehe. Heute schätze ich den unmittelbaren Kontakt zum Menschen, zu allen, egal woher sie kommen. Und die unendlichen Lernmöglichkeiten. Ich habe auch nach Jahren des Studierens und des Arbeitens das Gefühl, dass ich noch so so viel Lernen muss. Das ist sehr gesund.


Wie entspannen Sie? Ist Sport oder im speziellen das Tanzen eine Option für Sie abzuschalten vom Alltag?

Tanzen ist toll, mache ich viel zu wenig, und auch nur nach dem Lust und Laune Prinzip, aber das entspannt in jedem Fall!


Haben Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino?

Das wäre großartig, aber da muss ich leider passen.


Auch Musik ist für viele Menschen eine Möglichkeit und Form sich von Problemen zu lösen. Welches Genre bevorzugen Sie?

Ich entdecke gerade auch über meine Kinder immer wieder neue Musik. Es geht mir da ähnlich wie mit Filmen. Nicht das Genre ist das wichtigste, sondern dass der Künstler, die Künstlerin wahrhaftig was auszudrücken hat. Prinzipiell ist es dann aber wohl vor allem die Singer/Songwriter Richtung die ich am meisten höre.


Zurück zum Film. Was möchte der Film den Zuschauern vermitteln?

In erster Linie hoffe ich, dass das Publikum mit Judith mitgeht und mitempfindet. Wenn man sich dann noch den ein oder anderen Gedanken über unser Bild von Ärzten und unsem Gesundheitssystem macht ist es noch schöner.


Im Bereich der Beziehung, der Freundschaften, der Oberflächlichkeit aber auch der Tiefe hält der Film Szenen bereit. Was sagen Sie - wie findet man ‚seinen‘ Platz im Leben?

Ich kann nur von mir sprechen. Ich finde meinen Platz im realen Kontakt zu Menschen, vor allem zu den Menschen die ich liebe.


Ein Satz aus dem Film: Leben bedeutet mutig sein. ... Etwas was auch Sie persönlich so vertreten? Wie definieren Sie ‚mutig sein‘?

Mut kann etwas großes sein, wie Carola Rackete, die entscheidet anzulegen. Mut kann aber auch etwas kleines sein, wie einem Menschen zu sagen, dass man ihn gern hat oder ehrlich zu sich selbst zu sein und eine unbequeme Entscheidung zu fällen. Mut ist in jedem Fall ehrlich und lebendig, manchmal vielleicht etwas polternd, aber in meinem Leben absolut wichtig.



Vielen Dank liebe Frau Jung. Alles Gute.







'Ich finde Musik ist ein wichtiges Element und nicht wegzudenken. Musik gehört in allen Lebensbereichen dazu. Egal in welcher Form auch immer. Und Tanzen tue ich unwahrscheinlich gerne'


Anna Fischer


Foto: Paul Zimmer



Hinter vemeintlich natürlichen Todesfällen vermutet die junge Bestatterin Morde. Sie bringt damit den ganzen Ort gegen sich auf. Das ist der Ausgangspunkt für den ebenso spannenden wie unterhaltsamen Heimatkrimi mit Anna Fischer alias Lisa Taubenbaum in der Rolle der mutigen und unbeirrbaren Bestatterin. Nachwuchsregisseurin, Isabel Braak inszenierte den ungewöhnlichen Fernsehfilm, der auf der schwäbischen Alb gedreht wurde und sich durch liebevoll gezeichnete Charaktere und einem schwarzhumorigen Unterton auszeichnet.

Der Film läuft am Samstag, 1. Juni, 20.15 Uhr, ARD



Im Gespräch mit Anna Fischer

Marion Graeber

Mai 2019



Wo genau wurde gedreht? (Am Fuße der schwäbischen Alb?)

Gedreht wurde hauptsächlich in Ortschaften und landschaftlich interessanten Locations im Esslinger Landkreis. Teile der Schwäbischen Alb gehören zum Landkreis Esslingen. Die Gegend zeichnet sich durch die sanft  geschwungene Landschaft und wunderschöne Obststreuwiesen aus, die man nur noch sehr selten woanders in dieser Vielzahl erleben kann.


Wie gefällt Ihnen die Region? Mögen Sie Stuttgart?

Zu Stuttgart: Mein Vater sagte mal zu mir, eine Weltstadt erkennt man und ist eine, wenn man in eine hinein gebeamt wird und man weiß sofort in welcher Stadt man ist ohne jemals da gewesen zu sein.Bei Stuttgart bin ich mir da nicht so sicher (lacht). Trotzdem ist Stuttgart und die ganze Region lebenswert  mit dem wirtschaftlichen Potenzial und den Menschen denen es jeden Tag wichtig ist diese noch lebensfroher zu machen.

 

Wie sind Sie mit dem schwäbischen Dialekt zurechtgekommen, wie mit der Mentalität?

Ich bin Berlinerin. Ich habe mich da eher auf das Hochdeutsch konzentriert. Aber für eine Auszeit aus dem Trubel und der Hektik bin ich auch für ein "Fleckchen Erde" wie die Schwäbische Alb gern zu haben. Dem entgegen standen natürlich die Dreharbeiten, aber in den Pausen oder am Feierabend konnte man schnell Konzentration und Kraft auftanken. Meine Erfahrungen mit einheimischen Menschen, egal wo, sind die, dass man so wie man sich selber gibt,  sich auch die Menschen verhalten. Mir kam Herzlichkeit und Wärme entgegen und etwas hinter dem Dialekt versteckt auch in der Schwäbischen Alb.

 

Sie leben in Berlin. Sind ein Stadtkind?

Wie schon gesagt bin ich Berlinerin und das "Stadtkind". Mein ganzes Aufwachsen und mein Werdegang wäre ohne Stadt und Berlin so nicht möglich gewesen. Das ganze Leben, die Möglichkeiten, die Knotenpunkte der Kommunikation und Inspiration sind für mich eine glückliche Wichtigkeit, wenn man das so sagen kann.

 

Wie viele Drehtage waren für den ARD Film angesetzt? Wurde im vergangenen Sommer gedreht?

Wir haben von Ende August bis Ende September vergangenen Jahres gedreht. Mit der Hauptrolle hat man natürlich auch die volle Anzahl an Drehtagen und das heißt wirklich straffes Programm mit wenig Ruhe, ohne Hektik aufkommen zu lassen, um einen optimalen künstlerischen Output zu bewerkstelligen. Nebenbei war ja der Spätsommer, wenn ich so darüber nachdenke, bestimmt wegen der so üppig vollhängenden Bäume auf den Obstwiesen sehr bewusst gewählt worden.


Wie war es für Sie diesen ganz anderen Einstieg in einen Krimi zu haben - gerade über diesen Beruf als Bestatterin? Wie würden Sie Ihre Rolle als Lisa Taubenbaum beschreiben?

Über den etwas andere Einstieg in die Geschichte und dem trotzdem daraus entwickelten kriminellen Genre bin ich sehr zugetan. Was die Entwicklung der Häufigkeit von Krimis im Fernsehen in letzter Zeit betrifft, bin ich schon der Meinung, dass Originalität über Schema "F" gehen sollte und muss. Mir fällt es auch dadurch leichter so eine ermittelte Figur wie die Lisa Taubenbaum als Rolle anzulegen. Es gibt größeren Spielraum für die Darstellung als einen an Paragraphen gefesselten oder psychopatischen Polizisten zu spielen. Meine Rolle der Lisa ist nicht so von der professionellen Ermittlung eines Polizisten, sondern aus Bauchgefühl, gesunden Menschenverstand, Beharrlichkeit, Herzlichkeit und Gerechtigkeitsgefühl gepaart mit dem Lokalcolorid der alten Heimat und Familie und mit den Erfahrungen ihres bisheriges Leben in Berlin. Das Ablegen des schwäbischen Dialekts und die bisherige moderne Lebensweise der Lisa ist auf jeden Fall kein Zeichen gegen das traditionell Leben auf der Alb, sondern zeigt, dass in jeder Zeit und jedem Ort Veränderungen stattfinden können und Modernes Althergebrachtes bereichert.

 

Der Tod ist im Krimi ein Part um den sich die Ermittlungen drehen. Als Bestatterin ist man jedoch anders am Tod dran. Im Gegensatz zu Szenen in der Rechtsmedizin hatten Sie mit Ihrem Part eher den Fokus auf den zwischenmenschlichen Beziehungen. Hatten Sie Berührungsängste diese Rolle zu verkörpern? 
(Hat es der schwarzhumorige Unterton in der Geschichte etwas leichter gemacht, damit umzugehen?)

Als Bestatterin hat man natürlich eine ganz andere Herangehensweise an den Tod als Kriminalisten oder Rechtsmediziner. Der Kontakt mit den Hinterbliebenen bedarf einer großen Sensibilität und Seriosität. In der Rolle , hoffe ich, kann man das ganz gut anlegen. Das Zurechtmachen der Leichname,  im echten  Leben wäre schon eine große Herausforderung für mich. Auf der anderen Seite, ist man erst einmal damit konfrontiert, entwickelt Routine und Wissen, kann man dort sicher einen Platz fürs Leben mit dem Tod finden.

 

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Im Vorfeld der Produktion durfte ich im Zuge der Recherche in einem Leichenschauhaus und einem Bestattungsunternehmen hospitieren. Vor dem Besuch hat man natürlich etwas Unbehagen, was die Mitarbeiter der Unternehmen sehr einfühlsam mir aber abnahmen. In Filmen geht es ja sehr viel um den Tod und Tote und so konnte und mußte ich mich auch schon früher mit dem Thema immer auf etwas andere Art und Weise auseinandersetzen. Den Tod für nicht das Selbstverständlichste zu halten, geziemt schon der Respekt des Toten und seiner Lebensleistung. So konnte ich mich über die würdige Zurechtmachung von Leichen sowie die plastische Wiederherstellung von Deformierungen informieren. Die Thanatopraxie ist die wissenschaftliche Bezeichnung dieser Thematik und umfasst eine interdisziplinär übergreifende Wissenschaft über Sterben und Tod.

 

Die junge, lebenslustige Lisa Taubenbaum, die aus Berlin zurück in die Heimat kehrt, ist in der Nebengeschichte auch auf der Suche nach einem Mann. Was sich aufgrund ihres Berufes als schwierig 
gestaltet. Lisa ist auf Online Portalen unterwegs um einen Mann für sich zu finden.

Die große Liebe muss einen finden. Wie wachsam ein jeder über diesen Moment ist oder ihn sucht und was er dafür investiert steht etwas konträr zur immer individuelleren Lebensweise in heutiger Zeit. So ein Onlineportal ist so eine Maschine höchst effektiv maximale Ansprüche vom Traum zur Realität werden zu lassen. Sie merken, das kann nicht so klappen wie man sich das so vorstellt. 

 

Wenn man sich, auch über den Dreh, mit dem Tod beschäftigt – was sind Ihre Vorstellungen von einem erfüllten Leben?

Mit dem Tod ist ja alles vorbei. Wann er kommt, weiß keiner so genau. Und just in dem Moment des Todes zu sagen ich hatte ein erfülltes Leben wird vom Lebensalter sehr abhängig sein. Bei einem frühen Tod wird man wohl die Lebenslust, die befriedigte Neugier und die Leichtigkeit des Lebens schätzen können und mit zunehmenden Alter kommen geschaffene Werke und Erfahrungen dazu. Das alles hinzukriegen bin ich dabei und bin mir sicher dass das jeder anderer mehr oder minder auch hinkriegt.

 

Wie wichtig ist Ihnen Musik? (Ich habe gelesen, Sie haben sich schon früh der Musik gewidmet)

Musik ist ja fast meine 1. Passion. Mit dem Musizieren hat mein ganzer kreativer und künstlerischer Weg begonnen. Mit dem Spaß an der Musik gingen auch die Türen für meinen jetzigen Werdegang auf. Die Prioritäten haben sich nur etwas geändert. Das Schauspiel ist zur Zeit der größere und zeitaufwändigere Teil meines Schaffens. die Musik aber ein Ausgleich und reines kreatives Ventil ohne Druck oder Verpflichtungen.

 

Welches Genre lieben Sie?

Film:  Action und Horror. Musik: als 90iger-Jahre-Kind und der Berliner Clubszenenkultur schwingt immer ein bisschen Techno durch die Luft, sonst hör ich ein breites Spektrum und kann mich so genretechnisch nicht festlegen. Inspiration holt man sich nicht auf der Einbahnstasse.

 

Auch das Tanzen ist ein Ausdruck von Lebensfreude. Darf ich Sie fragen, ob Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino haben? Zur dazugehörenden Musik? Zum Tanz?

Nein, ich hab mit Tango nicht wirklich was am Hut, aber ich finde Musik ist ein wichtiges Element und nicht wegzudenken, Musik gehört in allen Lebensbereichen dazu. Egal in welcher Form auch immer. Und Tanzen tue ich unwahrscheinlich gerne.

 

Im Film „Die Bestatterin – Der Tod zahlt alle Schulden“, passieren gleich mehrere Todesfälle. Ohne zu viel zu verraten – es bleibt bis zum Schluss spannend und der Zuschauer kann nur vermuten, 
wie sich die Fälle auflösen werden, wie sie zusammen hängen, und ob überhaupt. Der Zuschauer ermittelt unwillkürlich mit. Was gefällt Ihnen an diesem Drehbuch besonders?
 

Ein Kriminalfall wird aus einer völlig anderen und ich finde originellen Sicht heraus erzählt. Der leicht unterschwellige schwarzhumorige Ton des Films und die starke, energische und dennoch liebenswerte Rolle der Lisa geben die Mischung für diese Kriminalkomödie.

 

In Sachen Liebe tut sich für Lisa Taubenbaum eventuell auch etwas. Ist eine Fortsetzung angedacht? 

Tja, das ist eine große Frage, einer Fortsetzung meinerseits steht eigentlich nichts im Wege. In erster Linie muss aber erst einmal der Film den Zuschauern gefallen und alles andere wird sich dann zeigen.

  

 


Vielen Dank für das Interview, liebe Frau Fischer





'Ich hab als Jugendliche Gold in Standard und Latein gemacht.

Ich war also mal ganz gut im Tango'


Lisa Maria Potthoff


 

Foto: ZDF Marion von der Mehden



Im Gespräch mit Lisa Maria Potthoff

Marion Graeber



Der Film Sarah Kohr ist ein Thriller, kein Krimi. Wie beschreiben Sie die Unterschiede?

Ein Krimi hat meist mit einer relativ klassischen Fallermittlung zu tun. Es passiert ein Mord und ein Kriminalbeamter kommt und fragt sich durch, um zu sehen, was geschehen ist. Bei unserer Thriller Reihe Sarah Kohr ist der Unterschied, dass die handelnde Hauptperson, also die Kommissarin selber, in Gefahr gerät und Teil des Falls wird. Der Film Sarah Kohr - Das verschwundene Mädchen beginnt mit einer Situation, die Fragen aufwirft. Ist Sarah Kohr eine Auftragskillerin?

 

Sehr spannungsgeladen alles.  

 

Wir haben in Deutschland so viele Krimis. Da so ein bisschen einen anderen Akzent zu setzen, das finde ich spannend.


Die Rolle der Sarah Kohr ist tough angelegt. Auch skrupellos. Man sieht und spürt aber auch eine verletzliche Seite an dieser Frau. Was reizt Sie an der Verkörperung?

Es ist das, was Sie angesprochen haben. Sie agiert furchtlos, unkonventionell, an der Grenze zur Legalität.

Eigentlich könnte die Rolle fast für eine männliche Hauptrolle geschrieben sein. Sarah Kohr setzt sich körperlich durch. Eine Zeitung schrieb: Sie kann raufen, wie ein Kerl. Das Bild mochte ich. Die ist kein hübsches, schmückendes Beiwerk eines Helden. Sie ist die Heldin. Sie bedient sich im dritten Teil auch der Männer, wie das James Bond macht mit Frauen macht.

So beginnt sie beispielsweise eine Affäre mit dem Sohn vom Mafia Boss. Sie ist also relativ skrupellos und trotzdem ist sie eine Frau mit zarten Seiten. Das ist das, was ich an der Figur auch mag. Sie rührt mich. Weil ich so eine Einsamkeit in ihr spüre. Es ist ja auch nicht unbedingt aus einem freien Willen heraus gewählt immer alleine agieren zu müssen. Sie glaubt einfach niemanden zu haben, auf den sie sich verlassen kann. Außer vielleicht den Staatsanwalt.

 

In den nächsten Filmen wird dann auch mehr beleuchtet werden, warum sie eigentlich so einsam ist. Warum sie meint, sich auf niemanden verlassen zu können. Und warum sie denkt, immer so tapfer und mutig sein zu müssen.

Es umgibt sie ein Geheimnis. Da möchte man tiefer gehen. Hinein in die Psyche und in die Seele. 

Sie haben Kampfszenen im Film. Richtige Choreographien. Wie trainiert man da? Verletzt man sich auch mal? Gibt es einen Arzt am Set?

Wenn wir vor Ort drehen, wenn es Kampf- und Stuntszenen gibt, sind Sanitäter vor Ort. Das nennt man Set Medic. Falls man sich verletzt, kann also sofort geholfen werden. Vor dem Start des Films beginnt der Kampf-Choreograph die Szenen mit mir zu trainieren. Das sind recht intensive Trainings zu zweit, in denen er mit mir kämpft. In der Folge nehmen wir dann einen Stuntman oder einen Schauspielkollegen mit rein, der das dann auch im Fim spielt. Ich versuche relativ konsequent auch zwischen den Filmen im Training zu bleiben. Trainiere also bereits vor den Dreharbeiten. Da ich keine Kampfsportlerin bin, habe ich immer den Ansportn im Rahmen meiner Möglichkeiten besser zu werden.


Machen Sie alle Stunts, beziehungsweise Kampfszenen selbst?

Ich mache fast alles selbst. Bis auf ein paar Mini-Sequenzen, wo es sehr gefährlich wäre aufgrund von Einsturzgefahr beim Klettern auf einem Dach beispielsweise. Das macht dann auch keinen Sinn. Bei vorangegangenen Dreharbeiten gibt es eine Szene, wo ich mit einem Auto eine Vollbremsung machen muss, weil ein Baum gefällt wird. Diese Situation in der Totalen, wo die Vollbremsung passiert, weil der Baum wirklich auf die Straße fallen soll, da sitze ich nicht im Auto. Da hört mein Ehrgeiz auch auf. Aber bei den Kämpfen ist es mir wichtig, sie selbst zu machen. Das funktioniert auch sehr gut.   


Sind Sie generell sehr sportlich? War das schon immer so?

Ich war nie unsportlich. Tendenz sportlicher Typ. Ich trainiere jetzt aber schon mehr. Gerade für diese Rolle. Ich merke auch, dass sich der Körper generell verändert. Gerade im Hinblick auf Kondition und Körperspannung. Obwohl ich älter werde. Es geht nicht alles den Bach runter. Lacht.


Sich in jedem Alter fit halten. Bewegung ist sinnvoll. Der Tanz, der Tango Argentino ist auch Bewegung. Bewegung für Körper und Geist. Haben Sie Berührungspunkte?

Ich hab als Jugendliche Gold in Standard und Latein gemacht. Ich war also mal ganz gut im Tango. Ich kann mich erinnern, dass ich mit 19 Jahren eine Tango Sequenz für einen Film getanzt habe. Ich kann die Schritte jetzt sicher nicht mehr sofort, aber wenn ich mit einem Mann tanze, der gut tanzt, dann bekomme ich da sicher noch ein bisschen was hin.

 

Tanz / Choreo / Tango / Kampf - es gibt doch Parallelen

Ich finde Ihren Vergleich super. Ich beschreibe es auch oft so:  Stunts für einen Film zu trainieren, das ist wie eine Teilnahme bei Let's Dance. Das ist vergleichbar mit einer Tanzchoreographie. Ein Stunt ist wie ein Tanz. Ob ich jetzt Schritte zum Tango Argentino einstudiere, oder drei Schläge links, einen Kick unten und eine Rolle nach vorne: es ist eine Choreographie und die studiere ich mit einem Partner ein. Im besten Falle hebt man zusammen ab. Das kennen Sie sicher auch beim Tanz. Es gibt so Momente, wo man merkt: es läuft. Eins mit der Musik, eins mit seinem Partner - das gibt es beim Kampf auch. Das finde ich toll und das ist nicht unähnlich.


Auch im Kampf eine Art Harmonie erleben

Absolut. Gibt's total. Gemeinsam fliegen. Danach ist man high. (Lacht)

 

Filme sind immer auch mit Musik unterlegt. Wissen Sie vorab, was für Musik zum Einsatz kommt?

Nein.


Weiß der Schauspieler das generell nicht?

Es gibt Regisseure, die haben schon eine Idee, welche Musik sie haben wollen, so eine Art Soundtrack im Kopf. Aber meist ist es, glaube ich, dass der zuständige Musiker Vorschläge macht und das zusammen mit dem Regisseur erarbeitet.

 

Welche Musikgenre hören Sie gerne?

Wirklich quer Beet. Ich höre gerne Singer/Songwriter. Die 90er Jahre hab ich auch gerade wieder für mich entdeckt. Ich bin Prince Fan. Bin schon ein Kind der 90er.

 

Sie trainieren und praktizieren nach der Krav Maga Technik.

Ich glaube, wenn man körperlich etwas tun möchte, um sich gerade als Frau sicherer zu fühlen, ist Krav Maga die richtige Antwort. Krav Maga bedient sich an allen Kampfsportarten um das effektivste zur Selbstverteidigung herauszuholen. Man lernt da viel und schnell, wie man als vermeintlich Unterlegener sehr wohl eine Chance hat, sich zu verteidigen.

Diese Kampfkunst ist also wunderbar, um das Selbstbewusstsein der Frau zu stärken und um Kräfte zu schulen.

Für mich ist das aber gar nicht der ausschlaggebende Grund mich mit Krav Maga zu beschäftigen. Für mich und die Rolle war es wichtig, aggressiv und schmutzig kämpfen zu lernen. Krav Maga ist keine schöne, hoch stilistische Kampftechnik. Krav Maga ist dreckig, hart und grausam.

 

Kannten Sie diese Kampftechnik zuvor?

Nein, ich hab für einen Film angefangen mit Kickboxen. Dort hab ich festgestellt, dass man sehr lange die Techniken und die Schläge lernt. Ich wollte was machen, wo man sehr schnell lernt, sich in einem Kampf aggressiv und schmutzig zu verhalten. Krav Maga ist da die Antwort. Die Tritte und Schläge sind schnell. Das ist super für Stunts, wenn man wie ich, nicht zehn Jahre lang beispielsweise Taewondo gelernt hat. Ich habe auf der Schauspielschule Aikidounterricht gehabt. Davon ist leider nicht viel übrig geblieben.

 

Haben Sie auch professionelle polizeiliche Unterstützung am Set?

Ein paar fachliche Fragen versuche ich immer im Vorfeld abzuklären. Wir halten Rücksprache mit der Polizei, gerade für die Authentizität. Ich hab aber auch einen Bekannten, der ist Polizist, der sagt dann: Nein, das ist nicht logisch, aber im filmischen Sinne muss es jetzt so sein. Lacht.  

Auch unser Drehbuchautor im Falle Sarah Kohr ist in diesen Dingen sehr fit.

Vor Ort ist es mir außerdem sehr wichtig, dass der Stunt Koordinator viel da ist. Gerade beim Thema 'Wie halte ich die Waffe richtig'.


Wie sehen Ihre Drehpausen aus? Wie tanken Sie Kraft?

Wir haben ein Haus mit Garten in Berlin. Ich sitze gerne im Garten und betrachte die Kirschblüte. Zeit mit den Kindern und der Familie zu verbringen, das ist schön.

 

Für Schauspieler ist der Reiz am Beruf dieses in andere Rollen schlüpfen. Gibt es bei all diesen Charakteren, die Sie bereits spielten, etwas, was Sie besonders mögen?

Ich mag den Wechsel, die Unterschiedlichkeit. Besonders zwischen extremen Frauenfiguren. Das finde ich spannend.

 

 

 

 LIeben Dank für das besonders schöne Gespräch, Frau Potthoff

 



'Ich höre gerne klassische Musik. Am liebsten Mozart und Haydn. Auch Schostakowitsch'
Dieter Hallervorden
'Ich glaube ich bin nicht die geborene Tänzerin. Ich bin doch mehr die, die mit einem schönen Kaltgetränk in der Hand an der Bar steht. Nichtsdestotrotz ist das eine schöne Form sich auszudrücken - den Geist und den Körper zu beflügeln'
Alwara Höfels


 

Foto: ZDF Conny Klein



Im Gespräch

Dieter Hallervorden

Alwara Höfels


Marion Graeber


Im Film heißen die beiden Hauptdarsteller Olaf Hintz und Trixi Kuntze. Gibt es hierzu eine Ableitung oder eine Verbindung zur deutschen Redewendung „Hintz und Kuntz – für Jedermann“?

Dieter Hallervorden: Das müssen Sie den Autor mal fragen, wär` ich nicht drauf gekommen.

Alwara Höfels: Macht Sinn und unsere Geschichte ist ja auch eine von vielen. 


Der Film „Mein Freund, das Ekel“ enthält Konflikte zwischen den verschiedenen Generationen. Wie beschreiben Sie den Film?

Dieter Hallervorden: Es ist eigentlich kein Film über Generationskonflikte und Altersprobleme, sondern ein Film, der verpackt ist in eine unterhaltsame Story, wo sich die Figuren gegenseitig entwickeln müssen und die Chance bekommen zu zeigen, dass sie noch etwas lernen können. Auch bereit sind, umzudenken.


In der Wohnung von Olaf Hintz wohnen drei Generationen. Er selbst als pensionierter Lehrer und Trixi Kuntze mit ihren drei Kindern. Was halten Sie von Generationshäusern oder Quartiersarbeit?

Dieter Hallervorden: Es war ja früher eine Selbstverständlichkeit – früher haben Familienmitglieder aufeinander aufgepasst. Das ist heute absolut nicht mehr der Fall. Heute sind andere Modelle gefragt. Der Zusammenhalt über Familien alleine funktioniert nicht mehr. Generationskonflikte hat es immer gegeben. Die Frage ist nur, wie weit es in vielen Fällen zu totalem Unverständnis der älteren Generation gegenüber gekommen ist und wieviel Respekt dem Alter gegenüber verloren gegangen ist.


Herr Hallervorden Sie engagieren sich im Verein der deutschen Sprache. Wie hat sich Sprache verändert?

Dieter Hallervorden: Ich glaube, dass man versuchen muss, das Bewusstsein aufrecht zu erhalten, dass die Sprache ein kulturelles Gut ist. Genauso schützenswert wie Luft und Wasser. Man geht mit der Sprache sehr leichtfertig um und man übernimmt vor allen Dingen auch aus dem Englischen Worte ohne jede Notwendigkeit. Unsere Sprache ist mal von unseren Vor/Vorfahren entwickelt worden, das sollte uns Verpflichtung sein, sorgsam damit umzugehen.


Speziell im Film hat Trixi ungünstige Lebensumstände erfahren. Es gab familiäre Probleme. Sie ist vernachlässigt worden. Das eine führte zum anderen. Und doch ist es nichts, was man im nachhinein nicht noch angehen könnte. Es ist nichts wofür man sich schämen muss. Es ist nie zu spät.

Dieter Hallervorden: Der Film kann letztlich nur auf das Problem aufmerksam machen. Kinder sind das schwächste Glied in einer Gesellschaft und sie zu schützen ist wichtig.  

Alwara Höfels: Im besten Falle ist unsere Gesellschaft sensibilisiert genug und schafft Möglichkeiten aus dem Teufelskreis auszubrechen und neue Perspektiven zu schaffen.


Herr Hallervorden, Sie müssen im Film ein Ekel spielen. Ist Charakter formbar oder einmal Ekel immer Ekel – was meinen Sie?

Dieter Hallervorden: Ich glaube es ist abhängig davon, was einem das Leben so zumutet und wie man gelernt hat, damit umzugehen. Mir kann keiner erzählen, dass über 40/50 Jahre alles Sonnenschein sein kann. Es gibt immer Phasen, die mal nicht so gut laufen, wo man nicht so gut mit Leuten umgehen kann. Mit sich selbst im Reinen sein ist wichtig. Man sollte auch immer beachten: Ein Griesgram verschenkt ja seine Lebenszeit.


Es gibt 7,5 Millionen Menschen, die Analphabeten sind. Wie sollte man ihnen begegnen?
Alwara Höfels: Ich denke, Analphabetismus ist immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Wir sind kein Entwicklungsland, wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft und es ist auf den ersten Blick nicht nachzuvollziehen, wie das überhaupt möglich ist. Analphabeten mangelt es nicht an Intelligenz. Es ist vielmehr ein unglückliches Zusammenspiel von individuellen Faktoren, in der Familie, Schule oder Gesellschaft. Diese Menschen haben enorme Fähigkeiten, die sie im Laufe der Zeit entwickeln müssen und besondere Überlebensstrategien. So können wir das Thema im Film bestenfalls anreißen und versuchen eine Lobby dafür zu bieten und etwas zu sensibilisieren. Es gibt Hilfsprogramme, es wird Werbung geschaltet – aber das alles ist viel zu wenig. 


Wie war es eigentlich für Sie, Herr Hallervorden die Dreharbeiten im Rollstuhl zu absolvieren?

Dieter Hallervorden: Ehrlich gesagt, am Anfang hab ich gedacht „mal sehen, wie ich das meistere“. Zum Schluss hab ich gemerkt, dass mich der Rollstuhl gar nicht so sehr behindert hat. Schwierig war nur, dass ich den Rollstuhl so gut beherrschen musste um genau die Position zu erreichen, welche der Regisseur und der Kameramann vorher festgelegt haben. Der guten Bilder wegen.


Wie war es für Sie im Berliner Dialekt zu sprechen, Frau Höfels?

Alwara Höfels: Ich lebe seit meinem zehnten Lebensjahr in Berlin. Auch über meine Großeltern hab ich einen Bezug zu dieser Stadt. Das war kein Problem.


Bewegung ist wichtig. Tanzen ist gut für Körper und Geist. Kennen Sie den Tango Argentino oder hatten vielleicht sogar Berührungspunkte?

Dieter Hallervorden: Ich habe eine Zeit lang in Buenos Aires gelebt. Da hat mich Tangotanzen sehr interessiert. Wenn man das jedoch nicht weiterführt, dann geht es verloren. Im Moment interessieren mich andere Tanzformen mehr.

Alwara Höfels: Ich glaube, ich bin nicht die geborene Tänzerin. Wenn es um ein  Rollenprofil geht, mach ich das und kann das oft besser, als ich das als Privatperson könnte. Ich bin doch mehr die, die mit einem schönen Kaltgetränk in der Hand an der Bar steht. Nichtsdestotrotz ist das eine schöne Form sich auszudrücken – den Geist und den Körper zu beflügeln. 


Im Film hegt Trixis Sohn Murat eine Leidenschaft für die Musik. Welche Musik hören Sie gerne?

Dieter Hallervorden: Ich höre gerne klassische Musik. Am liebsten Mozart und Haydn. Auch Schostakowitsch. Bei Unterhaltungsmusik geht es quer Beet. Ob das Cat Stevens ist oder Adriano Celentano. Hauptsache es ist Musik, die mich in meiner fröhlichen Lebenseinstellung unterstützt.    

Alwara Höfels: Jazz. Aber auch die 1970er Jahre finde ich interessant. Da gab es einen enormen Output. Ich finde, das ist echte Musik, die man heute leider gar nicht mehr so hört.




Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich hatten, Herr Hallervorden, Frau Höfels.




'Jazz und Klassik hör ich am liebsten'

Christoph Maria Herbst


'Ich hab mal einen Tangokurs belegt. Das war toll'

Annette Frier



Foto: Marion Graeber







Tanzen Sie gerne? Tanzen Sie Tango Argentino? Frau Frier, sie haben in „Müttermafia“ einmal Tango getanzt.


 

Annette Frier: Ja, ich hab mal einen Tangokurs belegt. Das war toll. Gott sei Dank nicht mit meinem Mann (lacht).

 


Sie haben als Anne Merz ihrem Mann Erik Merz einen Tanzkurs geschenkt

 


Annette Frier: Ja, privat würde ich mich das nie trauen. Ich würde keinen Tanzkurs verschenken, ich würde wahrscheinlich ähnliche Antworten bekommen, wie von Erik Merz.

 

Foto: Marion Graeber

Und wie es ist mit dem Tanzen bei Ihnen, Herr Herbst?

 


Christoph Maria Herbst: Damals, als ich noch zur Schule ging, da hat man ja Tanzkurse belegt. Mit Abschlussball. Das hab ich alles gemacht. Alles im Anfängerbereich. Anscheinend hab ich es so geil nicht gefunden. Es ist auch schon 35 Jahre her. Das war eine Erfahrung und ich muss sagen – die möchte ich missen (lacht) Nein, tanzen macht ja Spaß. Da hab ich damals in den Tango rein gerochen, genauso wie in alle anderen Tänze.

 


 

 

 

 

Welches Musikgenre hören Sie?

 


Christoph Maria Herbst: Jazz und Klassik hör ich am liebsten.

 


Also Astor Piazzolla?

 


Christoph Maria Herbst: Ja, genau. Zieht mich nur manchmal zu sehr runter. Ich finde ihn doch manchmal, möchte nicht sagen deprimierend, aber die Melancholie, die ja auch zum argentinischen Tango und zur Musik gehört – holt mich dann in meinem Leben nicht zwingend ab. Aber zwischendurch höre ich das sehr gerne. Piazzolla war auch so unfassbar virtuos.

 


Annette Frier: Schwierige Frage, ich höre viel. Ich habe mal vor fünf Jahren eine Top Five von den besten Platten für mich aufgelistet. Diese würde jetzt schon wieder ganz anders aussehen. Ich bin ein großer Freund davon, dass man heutzutage die Möglichkeit hat, sich in einen Raum zu setzen und theoretisch alles an Musik abrufen, was die Welt so hergibt.

Bei mir finden Sie gerade David Bowie auf meiner Joggingliste. Habe eine ganz persönliche Reunion mit David Bowie. Aber darüber hinaus wohne ich ja auch mit zwei Kindern zusammen, wir sind zu Viert. Ich höre also auch Bibi und Tina. Ich kenne mich gut aus im aktuellen Radio-Allerlei.

 


In der Comedyserie „Merz gegen Merz“, steht die Beziehung von Anne Merz und Erik Merz im Fokus. Was denken Sie persönlich, ziehen sich Gegensätze an oder ist ein Leben im Einklang von Vorteil?

 


Christoph Maria Herbst: Gegensätze ziehen sich an finde ich prima. Yin und Yang – dadurch ist man komplett. Das finde ich spannender. Dort wo der eine ein Defizit hat, der andere vielleicht einen Überhang – vielleicht ergibt das die hundert Prozent, die es braucht.   Aber da findet hoffentlich jeder seinen Weg.

 


Aber oftmals laufen Leben auseinander. In verschiedene Richtungen

 


Christoph Maria Herbst: Man kann in einer Beziehung auch mal auseinander gehen. Hauptsache, man trifft sich immer wieder. Wichtig ist die gemeinsame Vision.

 


Also Freiräume und Toleranz?

 


Christoph Maria Herbst: Ja, genau das.

 


Menschen gehen heutzutage sehr viel schneller auseinander als früher ….

 


Annette Frier: Das sagen die Zahlen. Das ist Fakt. Doch was ist das Geheimnis für eine gute Beziehung? Bei Anne und Erik Merz ist die Frage:  Ist das vielleicht trotzdem gute Beziehung? Offensichtlich sind die Dinge, die man in der Serie sieht, das, was die beiden brauchen. Dieses aneinander reiben, um sich abzustoßen, um sich wieder anzuziehen. Da braucht jeder was anderes. Ich glaube nicht, dass es da so eine allgemeine Gültigkeit gibt. Für mich persönlich sind es eigentlich zwei Bereiche. Ich glaube, man muss wirklich gut befreundet sein und man muss sich grundsätzlich gut riechen können. Wenn man unterm Strich gerne Zeit mit seinem Partner verbringt, sich also wohl fühlt im eigenen Leben - gut! Falls das nicht so ist, wäre das für mich der Indikator, dass es vorbei ist.


Christoph Maria Herbst: Das stimmt. Es hat ja jeder so seine Marotten, seine Eigenarten. Wahre Liebe ist es glaube ich dann, wenn man beim Partner die Marotten aushalten kann, die man bei anderen Menschen, obwohl es die selben Marotten sind, nicht ertragen kann. Das glaube ich, ist das Zünglein an der Waage ob es Liebe ist oder nicht. Ich liebe dich sogar mit .........


Annette Frier: trotz


Christoph Maria Herbst: wegen


Annette Frier: für


In einer Beziehung sollte man sich immer wieder mal updaten


Annette Frier: In jedem kleinen Job gibt es ein Montagsgespräch. Wo stehen wir? Was haben wir diese Woche für Themen? Zuhause musst du dich da selber drum kümmern. Aber das macht man fast nicht.


Soll die Serie „Merz gegen Merz“ motivieren, aufrütteln. Soll gelacht, nachgedacht werden….


Christoph Maria Herbst: So ist es. Das blättern wir in acht Folgen á 22 Minuten auf und ich glaube da ist für jeden was dabei. Jeder kann sich finden in einer Situation, in der er sich befindet, die er schon mal hatte, oder in die er vielleicht noch hineinkommen wird. Und wir erzählen ja auch letztlich die Leben von drei Generationen. Mit einem genauso wichtigen Brennglas das Leben unseres Sohnes, der unter unseren Streitigkeiten leidet. Seinerseits auch seine erste Freundin kennenlernt. Und wir tauchen so ein bisschen in die Vita unserer Eltern ein. Erzählen also auch die Großeltern Ebene. Die Eltern von Anne sind beispielsweise großbürgerlich. Meine Eltern sind halt eher so die „Otto Normalverbraucher“. Liebevolle Eltern, die den Euro zweimal herum drehen müssen, bevor sie ihn überhaupt haben. Das ist so das Leben , das Erik kennengelernt hat. Jetzt aber wächst er in eine Firma rein, hat sich hoch gearbeitet. Und sagt, in der ersten Folge, er hätte am liebsten auch andere Eltern gehabt und deshalb entsteht da auch so eine merkwürdige Freundschaft und Nähe zu seinem Schwiegervater. Das ist dann wiederum für Anne wieder schwierig. Das hat alles auch mit Eifersucht zu tun – wie viel Liebe gibt man, wie viel bekommt man zurück. Das sind alles ganz menschliche Themen, die nicht nur heute interessant sind sondern immer dort, wo man mehr als zwei Menschen in einem Raum hat. Das macht „Merz gegen Merz“ zu einer spannenden, immer aktuellen Geschichte. Und dadurch, dass es auch noch von Ralf Husmann geschrieben wurde ist es auch noch „kacken lustig“.


Annette Frier: Schreiend komisch sagt man.


Christoph Maria Herbst: Auf lateinisch kackend lustig


Richtet sich die Serie an eine bestimmte Zielgruppe?


Annette Frier: Am liebsten mach ich ja Sachen, die ich selber schaue. Wir sind auch in dem Alter. Mitten im Leben. Mitten in der Beziehung. Vor zehn Jahren hätte ich das nicht so spielen wollen und können. Da hätte mich das Thema nicht so interessiert. Du kannst ja überhaupt erst, über eine langjährige Beziehung erzählen, wenn du drin bist. Als Mensch. Als Schauspieler geht das natürlich immer.


Christoph Maria Herbst: Ich glaube „Merz gegen Merz“, ist für alle zwischen 16 und 66. Beim Spielemagazin steht immer 0 bis 99 – das finde ich übertrieben. Ich lass mich aber noch auf eine 14 runter handeln. 14 bis 74. Lacht.


Denken Sie, viele Menschen sind zu bequem den langwierigen, belastenden Weg einer Trennung zu gehen?


Annette Frier: Ja, ich zum Beispiel. Kleiner Scherz. Lacht.


Christoph Maria Herbst: Ja, Leute die sich beispielsweise so einrichten und die dann auch so feststellen in einem Alter – Wen soll ich denn noch bekommen? Da ist mir der Spatz in der Hand näher als die Taube auf dem Dach. Das ist natürlich ganz grauenhaft. Genauso grauenhaft wie bei Anne und Erik Merz, die sagen – ja gut, solange der Sohn zuhause ist, sollten wir für ihn da sein. Die ganze Frage bei einer Trennung, wer zieht wohin, wo lebt dann das gemeinsame Kind.... Das ist schlimm. Vor allem eben auch für die Kinder. Jetzt arbeitet das Paar Anne und Erik auch noch in der gleichen Firma. Anne's Vater ist auch noch mein Chef. Der Schwiegervater ist dement. Ich bin kurz davor ihr Chef zu werden. Alles ist verwoben. Es wird dem Zuschauer deshalb schon eine Freude sein, zu sehen, ob sich der gordische Knoten von der Therapeutin zertrümmern lässt. Wird spannend – Gucken!





Vielen Dank für das schöne Gespräch

Es war mir ein Vergnügen


Köln, im März 2019

Marion Graeber



'Merz gegen Merz'

Was tun, wenn die Liebe geht, aber der Partner nicht? Im besten Falle lachen. Zumindest, wenn man dabei zuschauen darf. Anne und Erik Merz sind schon lange verheiratet, als ihnen auffällt, dass sie eigentlich keine Liebe, sondern nur noch Alltag leben. Die beschlossene Trennung umzusetzen ist gar nicht so leicht, denn die beiden haben nicht nur ein großes Haus und einen pubertierenden Sohn, sondern sie arbeiten auch in der Firma von Annes Vater Ludwig, bei dem ausgerechnet jetzt Demenz festgestellt wird. Unter diesen Umständen will Ludwig nicht auf seinen Schwiegersohn in der Firma verzichten. Wird das gut gehen: sich privat trennen und beruflich weiter zusammenzuarbeiten? Natürlich nicht. Aber es wird lustig.



Sendetermine im ZDF

Donnerstag, 18. April bis Ostermontag, 22. April 2019








'Wenn Menschen durch unsere Arbeit tatsächlich berührt und begeistert sind, so ist das für uns die Belohnung und der Applaus, den wir sonst nicht kriegen'

Florian David Fitz


Foto: Marion Graeber



Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer sind allseits bekannte und ziemlich beliebte Kinostars. Im Zuge ihrer Kinotour zum Film „100 Dinge“ waren sie zu Gast in der Region Stuttgart.


Marion Graeber

im Pressegespräch mit Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer



Große Aufregung herrschte da, kündigten sich schließlich zwei beliebte Charaktere aus der Filmwelt an. Über Offenburg und Baden-Baden führte sie ihre Tour nach Leonberg. Mit mehreren großen Limousinen am Haupteingang vorgefahren betraten sie den Kinokomplex.   Noch saßen die meisten Fans in den Filmvorführungen. Anfänglich war nur eine Vorführung an diesem Abend vorgesehen. Die Nachfrage so groß, sodass die Betreiber auch einen zweiten Saal fürs Publikum öffneten.


Doch, um was geht es eigentlich im Film „100 Dinge“? Nun, Toni (Matthias Schweighöfer) liebt seine Espressomaschine. Paul (Florian David Fitz) liebt sein Handy. Toni kann nicht ohne Haarpillen, Paul nicht ohne seine heiligen Sneakers. Aber vor allem kann Paul nicht ohne Toni und Toni nicht ohne Paul. Aber das wissen sie nicht. Immer geht es darum, wer besser oder cooler ist, und das haben sie nun davon: Jetzt sitzen sie da, ohne Möbel, ohne Kleidung, nackt und verfroren. Und das ist erst Tag eins. 100 Tage, haben sie gewettet, müssen sie auf alles verzichten. Jeden Tag kommt nur ein Gegenstand zurück. Und schon verheddern sie sich in Fragen, die ihnen vorher nie gekommen sind: Was braucht man wirklich? Besitzen wir unsere Dinge oder unsere Dinge uns? Gibt es den freien Willen überhaupt, und wie oft kann man eine Unterhose wenden, bevor sie auf den Sondermüll muss?


„Ich hab so eine kleine Box, wo ich Themen drin habe. Und Konsum war da schon länger drin. Ich dachte mir, das wär mal was, wo man versuchen könnte, eine Komödie draus zu machen“, sagt Florian David Fitz lächelnd. Ein dreiviertel Jahr schrieb er am Drehbuch. Auf seiner Recherche ist er auf den finnischen Filmemacher Petri Luukkainen mit seinem Dokumentarfilm „My Stuff“ gestoßen. „Ich dachte mir, das ist ein guter Aufhänger um eine Geschichte über unsere doch relativ aufregende Zeit zu erzählen“, fährt er fort. Einfluss auf sein Leben nahm seine Arbeit schon während der Zeit des Schreibens. Dabei ist er sich sicher, dass er die Phase des Konsums bereits hinter sich habe. „Ich bin keiner der sich zumüllt“, unterstreicht Fitz. Was ihn jedoch an seiner Recherche überrascht hat: „Wenn wir alle nur zehn Jahre zurückblicken, da haben wir ganz anders gelebt. Blicken wir zwanzig Jahre zurück ist das schon fast Steinzeit. Wie sehr sich die Zeit verändert und ich bekomme es gar nicht mit“. Besaßen die Urgroßeltern im Schnitt 57 Dinge, die Großeltern 200 und die Eltern 600, so sind es heute im Schnitt 10.000 Dinge, die viele ihr eigen nennen. Als Botschaft möchte Florian David Fitz seinen Film nicht verstanden wissen. „Das klingt so nach Schulfernsehen“. Wie sein Film beim Publikum ankommt, das ist jedoch etwas, was ihn durchaus reizt. „Das tolle bei der Kinotour ist, dass wir die Leute nach dem Kinofilm sehen. Wenn sie tatsächlich berührt und begeistert sind, so ist das für uns die Belohnung und der Applaus, den wir sonst nicht kriegen“. Und belohnt wurden Fitz und Schweighöfer in Leonberg ganz großartig.


Szenen aus dem Kinosaal

„Seid ihr echt?“

„Wir sind Avatare. Eine einfach wahnsinnig gute 3D Projektion. Ihr habt echt ein tolles Kino“, Florian David Fitz.


„Sehr lustig, hatten wir auch noch nie – seid ihr echt - das ist echt der Knaller“, Matthias Schweighöfer.


"Habt ihr euch in eurem Leben auch schon einmal um eine Frau gestritten?"

„Bist du von der OK oder der Closer?“, Florian David Fitz.

„Bild Leonberg“, Matthias Schweighöfer.


"Wie oft musstet ihr in den Matsch springen – ein Mal oder mehrmals?"

„Wir sind nur einmal rein gerannt“, Florian David Fitz.

„Und dann waren wir drin“, Matthias Schweighöfer.


"War das auch mit dem roten Auge echt?"

„Das war echt“, Matthias Schweighöfer. Lacht.


"Habt ihr daran gedacht ein paar hunderttausend von diesen Räuchermännchen zu produzieren?"

„Würdest du das kaufen?“, Florian David Fitz.

„Und das aus dem Schwabenland, das ist aber sehr lustig", Matthias Schweighöfer.

„Die Schwaben sind einfach geschäftstüchtig“, Florian David Fitz.



 

 

 

 


'Tango tanzen ist sehr hohe Kunst'

Karl Kranzkowski


 

Foto: Marion Graeber



Karl Kranzkowski, deutscher Schauspieler, im Jahre 1953 in Drieberg bei Schwerin geboren. Kranzkowski erhielt eine Schauspielausbildung an der Schauspielschule Roststock. Danach folgten Theaterengagements an verschiedenen Bühnen. Auch war er Ensemblemitglied des Deutschen Theaters in Berlin. Seinen ersten Filmauftritt hatte Karl Kranzkowski bei "Verbotene Liebe". Daraufhin folgten weitere Auftritte in diversen deutschen Fernseh- und Kinoproduktionen. Seit dem Jahr 2009 hat er eine feste Serienrolle in der Krimiserie "Soko Stuttgart". Seit 2014 ist er in der Krankenhausserie "Dr. Klein", ebenfalls in Stuttgart gedreht, zu sehen.



Im Gespräch mit Karl Kranzkowski - SOKO Stuttgart

von Marion Graeber

Juni 2018



Wie sehen Sie Stuttgart als Drehort im Vergleich zu Berlin, Hamburg, München und Köln?

Fragen Sie das als Stuttgarterin? (Lächelt.)


Ja.

Eine großartige Stadt mit großartigen Menschen. (Lächelt.)

Doch. Immer wenn ich in Stuttgart bin, sehe ich, dass es ganz hübsch ist hier.


Sind Sie für Außendreharbeiten ab und zu in der Stadt unterwegs?

Nein, ich bin selten mit dabei an den Tatorten. Aber in der Fußgängerzone und am Schloss hab ich schon mitgedreht.


Sie haben kurze Zeit in Bad Cannstatt gewohnt. Heute sind Sie in Göppingen zuhause.

Ja, in Bad Cannstatt wohnte ich in der König-Karl-Straße. (Lächelt.) Jetzt bin ich gern in Göppingen. Das Klima ist ein bisschen anders. Es ist luftiger. Ein Grad kälter, manchmal auch zwei.


Sie haben auch schon in Ulm gewohnt?

Das stimmt, ich habe am Theater in Ulm gespielt und dort meine Frau kennengelernt. Als wir dann für SOKO Stuttgart in die Landeshauptstadt gezogen sind, hat sich uns die Frage nach einer Wohnung gestellt. Wir wollten ein Haus haben, auch für die Kinder. Das haben wir in Göppingen gefunden.


Sind Sie nicht ab und zu in Ihrer Freizeit in Stuttgart?

Ich hab gar keine Freizeit. (Lacht.)


Wenn Sie dann doch mal Freizeit haben: Sind Sie mehr Stadt- oder Naturmensch?

Das kann ich gar nicht so genau sagen.


Sie wohnen ja quasi am Fuße der Alb...

Das hab ich noch gar nicht so richtig bemerkt. Ich finde die Berge schön, aber ich bin kein Wandersmann. (Lacht.) Ich bin froh, wenn ich meine Ruhe hab.


Gehört zur Ruhe und zur Entspannung für Sie Musik? Was hören Sie für Musik?

Dire Straits. Die Stones. Musik aus meiner Zeit.


Wie ist es mit der Bewegung zur Musik? Tanzen Sie?

Ich bin ein sehr guter Tänzer. (Lacht.)


Mögen Sie den Tango Argentino?

Ich hatte einen sehr guten Freund, einen Argentinier. Er hat mich mal mitgenommen zu einer Milonga. Er konnte den Tango tanzen, das sah toll aus. Das ist schon sehr erotisch. Ich bewundere das, aber ich glaube, ich könnte das nicht. Das ist sehr hohe Kunst.


Wie wichtig ist es Ihnen, Teil eines Serienformates zu sein?

Sehr wichtig. Gerade in der heutigen Zeit ist es für einen Schauspieler sehr schwer, von seinem Beruf leben zu können. Mit SOKO Stuttgart und Dr. Klein bin ich in zwei Serienformaten. Das ist toll.


Würden Sie junge Menschen darin bestärken, den Traumberuf des Schauspielers zu ergreifen? Die Schauspielerei, das hat mit wollen nichts zu tun. Es kommt darauf an, ob man Talent dazu hat.


War die Schauspielerei immer schon Ihr Wunsch, Ihre Leidenschaft?

Hab ich noch nicht darüber nachgedacht. Ich bin durch Zufall zur Schauspielerei gekommen. Ich war auf der Schauspielschule und hab bis dahin nicht einmal ein Theater gesehen. Mir hat das Studium Spaß gemacht. Hab auch Erfolg gehabt, bei dem was ich tat und tue. Ich war auch ein bisschen ein Faxen-Macher, ein Narr und Clown. Das war in der damaligen DDR ganz gut. Da konnte man sich viele Sachen herausnehmen. Dann hieß es nur: "Ja, der ist halt Schauspieler". (Lächelt.)


Wie beschreiben Sie den Charakter, die Rolle des Michael Kaiser?

Er ist ein sehr loyaler Typ. Stellt sich vor seine Truppe. Er ist auf eine Art und Weise auch angepasst an das System. Er ist gradlinig, scheut sich aber auch nicht davor mal den Mund aufzumachen, wenn ihm etwas nicht passt. Und wenn man es sich mit ihm verdirbt, hat man schlechte Karten.


Verstehen Sie sich alle gut im Film, im Team?

Ja, so ist es geschrieben, so soll es sein und so ist es.


Wie viel Kranzkowski ist in Kaiser?

Es ist alles von mir. Es kommt ja aus mir. Es kommt alles aus dem Schauspieler und ist immer ein Teil von ihm. Man kann als Schauspieler all die Sachen machen, die man im Leben vielleicht nicht unbedingt machen kann. Als Schauspieler kann man viele Bereiche ausleben. Ein sehr privilegierter Beruf.


Wie wichtig ist es Ihnen, offen für andere Charaktere und Filmrollen zu sein? Wieviel Zeit haben Sie für andere Projekte?

Ich hab eigentlich Zeit. Es ist so, dass die Bavaria mir bis jetzt alles möglich gemacht hat. Ich werde, wenn ich andere Projekte annehme, aus den Büchern von SOKO Stuttgart geschrieben. Für einen Kinofilm vor zwei Jahren bin ich direkt aus einem ganzen SOKO-Block geschrieben worden.


Wie wichtig ist es für Sie auch andere Rollen zu spielen? Haben Sie Angst, über ein Serienformat in eine Schublade gesteckt zu werden?

Nein, ich habe nicht die Angst in eine Schublade gesteckt zu werden. Aber ich merke, dass ich sehr wohl weniger angefragt werde, da Produktionen denken, ich habe keine Zeit. Doch das stimmt so nicht. Wenn man gut plant, ist vieles machbar.


Reisen Sie eigentlich gerne?

Inzwischen nicht mehr so sehr. Doch aus diesem eingesperrten Land damals, da wollt ich immer raus. Heute reise ich, wenn ich reise, gern in gemäßigte Zonen. Die Kanarischen Inseln beispielsweise. Da ist es nicht zu heiß und nicht zu kalt. (Lächelt.)


Haben Sie einen Lieblingsort in Stuttgart?

Was ich wirklich schön finde, ist der Kurpark in Bad Cannstatt.


Haben Sie ein Lebensmotto?

Wenn ich ein Lebensmotto wählen würde, wäre das wohl "Leben und leben lassen".




Lieben Dank, Herr Kranzkowski für das wirklich tolle Gespräch. Das war sehr schön. Alles Liebe für Sie.









'Das Glück steckt eigentlich doch in jedem Tag, den wir erleben dürfen'

Andrea Sawatzki


Foto: Frank P. Wartenberg/Glampool




Für Gundula (Andea Sawatzi) und Gerald Bundschuh (Axel Milberg) beginnt ein Chaos Abenteuer als ihr Sohn plötzlich verkündet, er wolle in drei Tagen heiraten. Mit "Ihr seid natürlich eingeladen", kommt bereits die dritte ZDF Romanverfilmung der Familie Bundschuhs in die heimischen Wohnzimmer.

"Tief durchatmen, die Familie kommt" (2015)

"Von Erholung war nie die Rede" (2016)


Im Gespräch mit Andrea Sawatzki

von Marion Graeber

April 2018



Sie haben die Bundschuhs erfunden, ihre Geschichte aufgeschrieben. Was hat Sie dazu inspiriert?


Vor den Bundschuhs habe ich einen Psychothriller geschrieben. Das war harter Tobak. Danach hatte ich Lust eine Schwarze Komödie zu schreiben. Welches Thema eignet sich da besser als jenes, das einem sehr vertraut ist. Das 'Frau Sein' in einem bestimmten Alter … um die Fünfzig. Die Angst vor dem Verlust der Attraktivität, unerfüllte Sehnsüchte, verpasste Gelegenheiten, das Gefühl, nichts hundert Prozent geschafft, sondern alles nur bruchstückhaft angerissen zu haben. Was eben auch an einer Familie liegen kann, dem ständigen Zeitmangel. Obwohl Familie haben ja eigentlich das Tollste ist. Ich begann quasi ein Ego zu mir und anderen Frauen zu entwickeln. Gundula Bundschuh. Drumherum brauchte ich eine große Familie aus sehr speziellen Individuen, die immer auftauchen, wenn es gerade am wenigsten passt. Lacht.


Sie organisiert die Leben ihrer Familie. Ist die Filmreihe deshalb so erfolgreich, weil man sich in den Charakteren der Familienmitgliedern wiederfinden kann oder andere Bekannte in ihnen sieht?


Tatsächlich steckt in fast jeder Familie ein kleiner Bundschuh. Ich merke das beispielsweise bei meinen Lesereisen. Manchmal kommen Leute auf mich zu und fragen „woher kennen Sie meine Familie?“. Lacht. Man kann sich als Zuschauer oder Leser wiederfinden. Dinge sind einem vertraut. Manchmal sieht man sich auch selbst. Mir beispielsweise ist Gundula ähnlich, weil sie mein Alter hat. Sie ist wahnsinnig perfektionistisch, schafft aber alles nur zur Hälfte oder hat zumindest das Gefühl, dass sie nichts fertig bringt. Das kenne ich. Lacht. Gundula steckt jedoch im Gegensatz zu mir in einer Art Lebenskrise. Aber das Gefühl kenne ich natürlich auch. Sie schaut auf ihr Leben zurück und findet, dass sie nicht genug geleistet hat.


Sie greifen in Ihren Filmen aktuelle Themen auf.


Das ist mir wichtig. In diesem Teil werden die weltoffenen, toleranten Bundschuhs mit Ausländern konfrontiert. Die können überhaupt kein Deutsch und die Bundschuhs können nicht mal Englisch. Dumm nur, dass die Fremden Braut und Schwiegereltern des Bundschuh-Sohnes Rolfi sind. Da kann man sich nicht einfach aus der Affäre ziehen und die Tür hinter sich zu machen. Wie reagieren unsere Bundschuhs, wenn sie die Ausländer im Wohnzimmer haben und die Sprache nicht verstehen? Wie verhalten sie sich als sie merken, dass sie gar nicht so tolerant, sondern beinah ein bisschen rassistisch sind? Mir macht das großem Spaß, die Familie Bundschuh in solche Situationen zu setzen, so dass sie sich ein bisschen entblößen müssen, ohne es wirklich zu wollen. Eventuell erkennt sich da der ein oder andere Leser oder Zuschauer wieder. Das wäre schön. Also ich zumindest hatte ein paar Momente, bei dem ein oder anderen Bundschuh, die mir sehr vertraut waren.


Sie schreiben bereits an Ihrem vierten Buch rund um die Bundschuhs. Wie lange dauert es im Schnitt, bis ein Roman fertig ist?


Das ist unterschiedlich. Die schwierigste Phase ist die Zeit bevor ich anfangen kann zu schreiben. Wenn ich den Grundgedanken suche oder den Plot. Das hat jetzt beim vierten Buch sehr lang gedauert, weil ich vergangenes Jahr so viel gedreht habe. So habe ich erst vor Kurzem mit dem Schreiben anfangen können. Wir würden auch sehr gerne weiter drehen und ich bin der Ideenlieferant. Lacht.


Was brauchen Sie während des Schreibens? Ruhe? Musik? Wo und wann schreiben Sie?


Ich brauche Ruhe, die ich aber selten habe. Lächelt. Ich schreibe am liebsten zuhause, aber manchmal auch auf Zugfahrten oder auf dem Flughafen. Ich schreibe grundsätzlich mit Ohrstöpseln, um möglichst wenig von außen mitzubekommen. Lacht.


Hatten Sie bei der Verfilmung Einfluss auf die Besetzung Ihrer geschaffenen Charaktere?


Nein. Ich hab natürlich den ein oder anderen Wunsch geäußert, der sich auch bei dem ein oder anderen Schauspieler zum Glück mit dem Wunsch des ZDF und der Produzentin gedeckt hat. Ich bin mit der Gesamtbesetzung so glücklich. Ich finde jede Figur für sich eigenständig merkwürdig und kompliziert. Ich finde das Cast ganz großartig.


Wie war die Begegnung mit den von Ihnen geschaffenen Charakteren im Film?


Ungeheuer spannend. Aber infolge dessen, dass ich beim Schreiben keine Gesichter vor Augen hatte, also ich wusste, wie die Leute sich anziehen, wie sie sich bewegen, was sie für eine Frisur haben, aber der Feinschnitt des Gesichts, der hat mir gefehlt. Das war fantastisch, die Menschen, die ich erfunden habe so vor mir stehen zu sehen. Das war mystisch.


Ihr Mann im Film ist Gerald. Er ist großer Schlagerfan. Was hören Sie privat für Musik?


Ich bin eher so der Rocker. Ich mag auch gerne Soul. Es gibt aber auch moderne Gruppen, die ich mag. Den ein oder anderen Rapper mag ich inzwischen durch unsere Söhne auch – die bringen mich jetzt auch  der heute aktuellen Musik nahe. Das finde ich  spannend.


Haben Sie schon einmal Tango getanzt?


Ja, ich musste mal als Tatort Kommissarin Tango lernen. Da war ich immer in der Tanzschule von Bad Homburg, bei den Europameistern.


Hat es Spaß gemacht?


Ja, sehr. Ein schöner Tanz, aber für mich auch der schwerste Tanz.


Haben Sie ein Lebensmotto?


Ich sage mir immer „Carpe Diem“, oder manchmal sag ich mir auch „Morgen ist auch noch ein Tag“, wenn mal alles schief ging.


Was ist Glück?


Das Glück steckt eigentlich doch in jedem Tag, den wir erleben dürfen. Es ist ein großes Glück, ein Geschenk, dass man überhaupt hier sein darf. Aber am Wichtigsten für mich ist: Glück lässt sich nicht festhalten, deshalb sollte man schöne Momente in aller Form auskosten. Und, was mich manchmal tröstet .. Glück kann man nur empfinden, wenn man auch die dunklen Seiten des Lebens kennt.  





Vielen Dank liebe Fau Sawatzki für das schöne Gespräch



 

 

 

 

Foto: ZDF Britta Krehl







'Ein großes Ziel ist es möglichst viel von der Welt zu sehen'

Maximilian Grill


Foto: Ian Siepmann Baum



Im Gespräch mit Maximilian Grill

von Marion Graeber

April 2018


Familientherapeutin Julia (Oona Devi Liebich) und Pfarrer Tonio (Maximilian Grill) müssen sich zusammenraufen, wenn sie den Menschen in ihrer Heimatgemeinde helfen wollen. Denn die beiden arbeiten gemeinsam in einer Ehe- und Familienberatungsstelle im bayerischen Alpenvorland. Neben Oona Devi Liebich und Maximilian Grill stehen Charlotte Schwab, Simon Böer, Geraldine Raths, Frederik Götz, Klaus Pohl und viele andere vor der Kamera. Regie führt Kathrin Feistl.



Interview


Haben Sie eine Beziehung zum Tango Argentino? Vielleicht tanzen Sie Tango? Der Tango spielt ja auch eine kleine Rolle im Film "Tonio & Julia".

Nein, ich selber tanze nicht Tango. Ich hab es mal in der Schauspielschule gelernt, aber ich habe es nicht fortgeführt. Wobei ich die Musik sehr gerne mag.


Welches Musik Genre mögen Sie generell?

Bei mir bewegt sich das aufgrund meiner 15jährigen Tochter ein bisschen durch alle Genres. Das Konzert, welches ich als letztes besuchte, war das von Liam Gallagher von Oasis. Ein großes Erlebnis.


Sie spielen den Antonio in „Tonio & Julia“. Sie verkörpern einen katholischen Pfarrer. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

„Tonio & Julia“ ist eine Heimatreihe am Donnerstagabend. Wir haben das vergangene Jahr die beiden Filme gedreht, die jetzt im April zu sehen sein werden. Wir produzieren bereits weiter. Vorbereitet hab ich mich durch Lektüre. Ich habe viel von Rainer Maria Schießler gelesen. Ich hatte auch einen tollen Kontakt zum Pfarrer aus Tölz. Er hat mir seine Türen geöffnet und mich nach besten Kräften unterstützt.


Was bedeutet Ihnen Religion?

Glaube bedeutet mir sehr viel. Religion im institutionellen Sinne ist nicht so mein Ding.  


Was ist Ihre Meinung zum Zölibat?

Das ist natürlich wahnsinnig schwierig, schreckt viele junge Leute ab und verführt ja auch zu einer Doppelmoral, weil es vielerorts ja so auch nicht gelebt wird. Ich finde, wenn sich jemand aus eigenen Überzeugungen für das Zölibat entscheidet ist das in Ordnung. Das zu verordnen ist, glaube ich, eine relativ kurzsichtige Sache.


Wie charakterisieren Sie Tonio?

Tonio ist sehr fest in seinem Glauben und er führt seinen Beruf sehr vorbildlich aus. In gewissen Situationen kommt er aber auch immer wieder unter Druck. Er ist ein sehr gewissenhafter und gläubiger Mann, der seine Aufgabe sehr ernst nimmt und sich um eine Gemeinde kümmert, im Sinne dieses Glaubens.


Sie sind in München geboren, wie lange haben Sie in Bayern gelebt?

Ich bin mit 20 Jahren zum Studium nach Leipzig.


Man hört, jetzt wo wir miteinander sprechen, nicht unbedingt einen bayerischen Dialekt bei Ihnen ..

So wie im Film nicht. Aber ich kann's halt. Lacht. Daheim haben wir eine leichte Münchner Färbung gehabt. Es war leicht, diese zu verstärken.


Sie hatten also keine Schwierigkeiten damit?

Überhaupt nicht. Es war eher eine Frage der Bewegung. Ein Pfarrer redet nicht mit jedem gleich. Im Gottesdienst spricht er anders als mit einem Bauern oder auch mit seinem eigenen Vater. Die Sprache ist das Instrument, welches in jeder Figur wichtig ist. Es hat aber auch besonders Spaß gemacht, mal im Heimatdialekt zu spielen. Das hab ich mir schon so lange gewünscht und ich find es wirklich schön.


Wo genau wurden die Filme gedreht?

In Tölz und Umgebung. Am Walchensee und  teilweise auch in München.


Schöne Landschaften sind zu sehen. Hatten Sie vielleicht auch ein bisschen Heimweh?

Ja, ich hatte schon ein bisschen Heimweh. Ist aber auch witzig, so am Anfang sagt man sich „Oh ja, super mal wieder in München“. Wenn man dann aber eine Zeit da ist, dann merkt man auch warum man weg gegangen ist. Ist ja auch eine spezielle Stadt, die sich sehr verändert hat seit meiner Kindheit. Es war sehr schön, wieder dort gewesen zu sein. Heute lebe ich aber gerne in Berlin.


Reisen Sie gerne?

Wir sind wahnsinnig gerne in Portugal. Dort haben wir auch in Kindheitstagen immer wieder gerne Urlaub gemacht. Das ist so eine feste Reisegröße. Generell schauen wir uns aber gerne viel an. Ein großes Ziel ist es möglichst viel von der Welt zu sehen.


Sind Sie Stadt- oder Naturmensch?

Ich lebe in einer großem Stadt. Im Urlaub bin ich auch gern mal nicht in der Natur. Aber wir machen schon auch gerne Städtetrips.


„Tonio & Julia“ ist eine Liebesgeschichte.

Tonio und Julia kennen sich aus der Jugend. Jeder der sich entscheidet Pfarrer zu werden, der war auch mal Jugendlicher. Es gibt immer Verliebtheiten. Wege entwickeln sich auseinander. Hier führen sie wieder zusammen und zwar auf einer beruflichen Ebene. In meiner Figur hab ich einen extremen Lebensweg eingeschlagen. Auf diesem Lebensweg begegnet Tonio Julia wieder und muss prüfen, ob sein Weg der richtige ist. Ich denke das lässt sich so  auf viele Situationen im Leben übertragen.


Tonio hat die Gemeinde übernommen, in der er selbst aufgewachsen ist?

Ja, er übernimmt seine Heimatgemeinde. Das passiert bei echten Pfarrern eher selten. Die werden viel umher geschickt. Ich denke schon, wenn ein Pfarrer seine Heimatgemeinde übernimmt, da muss er sich mit vielen Dingen auseinandersetzen. Bereiche, die nicht nur mit der Kirche zu tun haben. Das Hauptproblem eines Pfarrers ist auch oftmals nicht so sehr das Zölibat, sondern die Einsamkeit. Und das hat meine Figur zum Glück nicht. Er ist nach wie vor in seiner Umgebung, seinem sozialen Netz eingebunden. Ich hab lange Kriminal- und Krankenhausformate gemacht. Ich finde es schön, dass neue Felder entdeckt werden. Gerade mit Psychologie, Glaube, Konfliktlösung, Mediation und Lebenshilfe. Wirklich sehr wichtige Bereiche. Es geht um den friedlichen Umgang miteinander. Um Vergebung. Wahrheit. Um das miteinander reden – ohne das geht gar nichts. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen und die Konflikte, die sich da auftun. Es gibt in jedem Film kleine Anregungen und im Großen auch die Frage, wie das mit Tonio und Julia läuft.


Entscheidungen kann man also immer überdenken?

Ja, das ist ganz wichtig.  


Wie wichtig ist Ihnen soziales Gefüge?

Total wichtig. Das A und O sind Familie und Freunde.


In „Tonio & Julia“ ist Lebenshilfe großes Thema. Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement? Sehr wichtig.


Engagieren Sie sich auch im wahren Leben?

Ich bin nicht fest eingebunden, nehme aber in Berlin und um mich herum immer wieder soziales Engagement wahr. Bin beispielsweise immer wieder bei der Berliner Bahnhofsmission.


Haben Sie ein Lebensmotto?

Nein, lieber nicht. Ich bleib lieber flexibel. Lacht.





Lieben Dank für das schöne Gespräch, Herr Grill.

Alles Liebe





 

Foto: ZDF Erika Hauri


Foto: ZDF Erika Hauri




 

 

 

 

Foto: ZDF Erika Hauri







'Je mehr du reist, desto größer wird die Welt'

Hannes Jaenicke


Foto: Marion Graeber



Nashörner gehören zu den besonders gefährdeten Tierarten. In Afrika wurden laut der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature - IUCN) im Jahr 2015 mehr als 1300 Tiere von Wilderern getötet. Für die ZDF Doku Reihe "Im Einsatz für ... " macht sich der Schauspieler und Umweltschützer, Hannes Jaenicke vor Ort ein Bild von der für die Tiere bedrohlichen Lage. Hannes ist im März für seinen Film nach Kenia gereist. Hier das Interview zum Film.



Im Gespräch mit Hannes Jaenicke

von Marion Graeber

Dezember 2017


Die Doku wirkt anders als die vorherigen, woran liegt das?

Wir haben sowohl das Konzept, als auch das visuelle Design nochmal völlig neu konzipiert. Wir berichten aus der Perspektive des letzten noch lebenden nördlichen Breitmaul-Nashorns.


Das ist richtig toll geworden

Das find ich auch. Schön, dass du das sagst.

Schön zu hören.


Warst du schon oft in Afrika?

Bestimmt dreißig, vierzig Mal. Ich hab aufgehört zu zählen. Das erste Mal war ich mit 28 Jahren dort, jetzt bin ich 57.  


Reist du auch privat nach Afrika?

Eigentlich nur für Drehs. Aber ich hab oft Zeit dran gehängt, nach den Dreharbeiten.  


Wie siehst du das Land? Den Kontinent?

Es gibt Länder in Afrika, die machen erstaunlich gute Politik, sowohl wirtschaftlich, wie auch im Umweltbereich. Kenia und Botswana beispielsweise machen hervorragende Umweltpolitik, dort sind beispielsweise Grosswildjagd und Plastiktüten streng verboten. Es gibt aber auch Länder, die sind korrupt und heruntergewirtschaftet. Südafrika, Simbabwe, um mal zwei zu nennen. Es hängt auch immer vom Wohlstand der Länder ab – je ärmer das Land, um so korrupter, desto weniger Umweltschutz.  


Das passt für Südafrika nicht.

Nein. Südarfika hat unglaubliches Potential, ist aber ebenfalls hochgradig korrupt und hat mit Umwelt und Tierschutz wenig am Hut.


Wie werden die Nashörner geschützt?

Polizisten, Ranger – Je nach Land bewachen schwerst bewaffnete Männer die letzten Rhinos. Das ist eine Methode, es gibt aber noch viele andere.  Kenia hat einen Wildlife Service – die versuchen mit abgerichteten Hunden, gegen Wilderer vor zu gehen. Mit erstaunlichem Erfolg. In Südarfika gibt es eine Organisation, die mit Drohnen gegen die Wilderei vorgeht. Auch mit Erfolg. Viele Afrikaner geben sich wirklich viel Mühe, um ihre Tiere zu schützen, aber im Moment sind Wilderei und Jagd-Lobby einfach mächtiger. Botswana generiert Milliarden aus nachhaltigem Tourismus. Die Leute dort haben verstanden, dass sie am lebenden Tier mehr verdienen als am toten.   Es gibt aber auch Länder, die halten ein totes Tier für schnelles Geld – womit wir wieder bei der Großwildjagd oder Wilderei wären.  


Tierarten sterben aus ….

Ja, und es interessiert einfach niemanden. Unsere Regierungen machen nichts, die Industrie und Verbaucher auch nicht.


Wie soll das Artensterben so gestoppt werden?  Wie sieht es bei dem Problemthema Plastikmüll aus?

Auch da passiert bei uns viel zu wenig. Einzelne Unternehmen, wie beispielsweise REWE oder DM bemühen sich, aber die Politik bleibt absolut untätig. Deutschland ist mittlerweile Europameister beim Müll produzieren. Tierschutz, Ausbeutung .. es gibt so viele Problembereiche .... Die meisten Leute wissen genau, was Massentierhaltung bedeutet und wie es dort zugeht. Trotzdem wird weiter billiges Fleisch gekauft. Es ist ja auch eine Frage der Prioritäten: Deutschland gibt elf Prozent seines Einkommens für Nahrungsmittel aus. Der Italiener das Doppelte. Der Franzose auch. Die fahren dafür günstigere Autos. Wir kaufen die teuersten Handys, TV-Geräte, Luxusartikel – Deutschland kauft die teuersten Küchen, kocht aber prozentual weniger als die europäischen Nachbarn. Dafür gucken wir dann die unzähligen Kochshows im Fernsehen. Abgesehen davon werden rund 50 Prozent der produzierten  Lebensmittel weggeschmissen. Man könnte ja auch einfach weniger  einkaufen. Die Leute wissen ja auch, wo und wie ihre Klamotten gefertigt werden, und unter welchen Umständen. Trotzdem kaufen alle bei KIK, Primark, H&M, Zara, Mango, Hugo Boss etc. Es ist den meisten egal, wie diese Marken produzieren.


Reist du gerne?

Ich bin sehr gern zuhause. (Lächelt.) Vor allem, weil ich beruflich so viel unterwegs bin.  


Wie läuft in Afrika vor Ort die Recherche ab?

Wir sind nach fast 12 Jahren Doku-Dreh so gut verdrahtet, dass wir schnell die Adressen haben, die wir brauchen. Demnächst drehen wir eine Doku über Geparden und wir wissen ziemlich genau an wen wir uns wenden und wo wir drehen können.


Wie groß ist das Produktionsteam?

Das Kernteam sind vier Leute, beim Drehen sind wir zu fünft.


Zum Schutz der Nashörner gibt es Hunde, die auf Wilderer abgerichtet sind. Du hast dich von einem solchen Hund – im Schutzanzug – angreifen lassen. Was war das für ein Gefühl?

Der hat mich sowas von umgebrettert. (Lacht.) Ich will in Kenia definitiv kein Wilderer sein. Da hast du ohne Schutzanzug keine Chance.  


Keine Angst gehabt?

Ich bin kein ängstlicher Mensch.  


Keinerlei Angst vor Tieren?

Es gibt harmlos aussehende Schlangen in Australien, bei denen ich schnell panisch werde. Ich habe eine zeitlang in Australien gelebt. Wer dort im Outback lebt oder gelebt hat  bekommt schnell Respekt vor sehr kleinen, unscheinbaren Tierchen. Ich geh mal davon aus, dass die Karma Theorie stimmt – Ich will den Tieren ja nichts Böses. Im Gegenteil, ich bin mit Haien geschwommen und wurde nicht gebissen. War mit Eisbären, Löwen und Elefanten unterwegs …. Wenn man sich mit Tieren beschäftigt und respektvoll mit ihnen umgeht, dann tun sie einem nichts.  


Gibt es Länder, in die du gerne reisen möchtest?

Ganz viele. Je mehr du reist, desto größer wird die Welt. Es gibt auch in Europa viele wunderschöne Flecken, die ich noch nicht kenne.  


Bekommst du von Menschen eine Rückmeldung auf die Dokus, oder generell auf dein Engagement?

Seitens der Zuschauer und des Publikums sind die Reaktionen meistens großartig. Seitens der Medien sieht das manchmal anders aus, aber das ist mir ehrlich gesagt egal.


Beim Nashorn ist das Horn für viele das Objekt der Begierde. Hauptabnehmer ist Vietnam. Wie erklärst du dir das?

Das Horn findet in der Chinesischen Medizin seine Verwendung und gilt dort bis heute als eine Art traditionelles Wundermittel. Es ist zwar per Gesetz verboten, aber es wird  trotzdem weiter konsumiert. Das Horn hat die gleiche Wirkung wie Nägelkauen. Haare oder Nägel essen hätte exakt den gleichen Effekt, wie das Konsumieren von geriebenem Nashorn.


Bei uns gibt es Gänsestopfleber, Leute essen Austern und wir schmeißen Hummer in  kochend heißes Wasser … Die Schillerlocke ist ein Haiprodukt … Wir sind nicht besser als die Asiaten, wir essen nur was anderes.  


Wie können wir den Blick auf die Tierwelt und die Umwelt ändern?

Das liegt wohl am Bildungssystem. Nachhaltigkeit müsste im Grundgesetz verankert werden und es müsste ein Schulfach sein und zwar ab der ersten Klasse. Es müsste Schul- und Studienfächer geben, die sich nebst Mathe, Wirtschaft, BWL und Jura auch mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz befassen. Und wir müssen aufhören, Tiere als Geldquelle zu sehen.   Es bleibt viel zu tun.  


Liebsten Dank für das schöne, offene Gespräch Hannes!


 

 

 

 

 

 

Foto: ZDF Markus Strobel



Foto: ZDF Markus Strobel


 






Im Gespräch mit Astrid M. Fünderich und Peter Ketnath

'Mein Mann und ich haben eine Zeit lang finnischen Tango getanzt'

'Musik ist wichtiger Bestandteil des Lebens. Ich genieße aber auch oft und ganz bewusst die Stille'

 

Foto: Marion Graeber


  

Im Gespräch mit Astrid M. Fünderich und Peter Ketnath

beim ZDF Pressetag in München.

Im Oktober 2017

Marion Graeber


Über Zivilcourage, Stuttgart, die Schwaben, Autos, den Arbeitsalltag, Entspannung, Musik und Tanz.


München


Peter Ketnath: München ist meine Heimatstadt. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Es ist schön hier. Mit 19 Jahren bin ich für ein gutes Jahr in die USA. Dann bin ich zurück gekommen und hab die Schauspielschule besucht. Nach drei Jahren Schwabing bin ich dann nach Berlin. Jetzt hab ich einen Koffer in Berlin. Lacht.


Und Sie wohnen in Stuttgart

Peter Ketnath: Ja, ich hab in Stuttgart eine Arbeitswohnung.


Wie lange sind Sie in Stuttgart? Wie lange dauern die Drehs?

Peter Ketnath: Jeder Block dauert fünf Wochen. Dazwischen hat man zehn Tage 'frei'. Da werden die neuen Drehbücher vorbereitet. Im Winter hab ich dann zwei Monate Pause. Ich hab allerdings auch schon mal für ein anderes Projekt ausgesetzt.


Da geht’s dann nach Berlin?

Peter Ketnath: Sowohl als auch. Als Schauspieler muss man immer da hin gehen, wo die Projekte sind. Das kann man sich nicht so aussuchen.


Astrid M. Fünderich: Mit einer Serie macht es schon Sinn, dass man am Drehort wohnt. Schließlich drehen wir insgesamt zehn Monate. Lächelt


Wie wichtig ist es Ihnen Teil eines Serienformates zu sein?

Peter Ketnath: Es ist ein Glückszustand. Man hat das sonst nur noch am Theater – dieses 'fest engagiert sein'.


Astrid M. Fünderich: Bei dieser Marktlage würde ich schon sagen, dass dies ein Sechser im Lotto ist. Lächelt. Das Gewerbe ist schon ziemlich hart.


Sie sind extra nach Stuttgart gezogen …

Astrid M. Fünderich: Ja, wir haben vorher in Köln gewohnt.


Kommen Sie gut klar mit den Schwaben?

Astrid M. Fünderich: Ich komme sehr gut klar mit den Schwaben. Es geht ihnen zwar ein gewisser grummeliger Ruf voraus und sie sollen schwer zugänglich sein, aber das kann ich überhaupt nicht bestätigien. Ich empfinde das ganz anders. Ich hab die Schwaben als sehr offen und herzlich empfunden. Von Anfang an. Wir fühlen uns echt wohl.


Wohnen Sie direkt in der City?

Astrid M. Fünderich: Nein, etwas außerhalb.


Und Sie Herr Ketnath?

Ja, ich wohne in der City.


Am Donnerstag, 16. November, 18 Uhr wird die 200ste Folge von Soko Stuttgart, unter dem Titel „Durchgeknallt“, im ZDF ausgestrahlt. Jo kommt zu einem Unfall, wechselt unfreiwillig die Seiten – wird Geisel. Wie war das?

Peter Ketnath: Ich mach das als „Jo Stoll“ ganz bewusst, lass mich mit der Geisel austauschen. Daraufhin befinde ich mich in einer außerordentlichen Situation die außergewöhnliches Fingerspitzengefühl erfordert.


Wie sind Ihre Gedanken in Sachen Zivilcourage?

Peter Ketnath: Ich war noch nie in so einer dramatischen Situation. Musste noch keine Erste Hilfe leisten, geschweige denn war ich Zeuge eines Gewaltverbrechens. Ich denke schon, dass man die Instinkte hat in Notsituationen zu helfen. In den einzelnen Situationen muss man dann abwägen, wie Hilfe aussehen kann – selbst eingreifen. Als Geisel würde ich mich wahrscheinlich nicht austauschen lassen. Ich würde wohl eher versuchen, den Geiselnehmer zu überwältigen oder, in einer gefährlichen Situation, ihn ziehen lassen, um dann aber alle wichtigen Details für die Polizei notiert zu haben. Zivilcourage ist wichtig. Eine der Säulen in der Gesellschaft. In jedem Bereich. Es ist wichtig, dass wir das nicht verlieren.


Astrid M. Fünderich: Ich war selbst auch noch nie in so einer Situation, aber da kann ich nur zustimmen. Zivilcourage ist wahnsinnig wichtig. Ich würde mir mehr davon wünschen. Auch einen größeren Zusammenhalt. Es gibt so viele Beispiele, wo einzelne Menschen anderen in einer Notsituation helfen und dabei selbst zu schaden kommen. Warum ist das so? Warum schließen sich Menschen nicht zusammen, um anderen zu helfen? Das verstehe ich überhaupt nicht. Ich war auch noch nie in der extremen Situation, helfen zu müssen, aber ich hoffe, dass ich das hinbekommen würde. Leute zu motivieren, in der Gemeinschaft, im Zusammenschluss Hilfe zu leisten.  


Hinschauen ist wichtig...

Astrid M. Fünderich: Ja, hinschauen ist wichtig.


Peter Ketnath: Man kann nicht immer erwarten, dass die Anderen das machen. Die Polizei kommt, aber oftmals eben durch Notrufe etwas verzögert.


Wie kann man Zivilcourage stärken?

Peter Ketnath: Schulungen wären wichtig. Was macht man wie in welcher Situation. Die Schule wäre hier ein guter Ort, um Aufklärung und Training anzubieten.


Auch auf dem Schulhof passiert viel.

Peter Ketnath: Ja, in der Schule bekommt man sie auch alle. Es wäre gut diese Themen in den Bildungsplan mit aufzunehmen.


Astrid M. Fünderich: In der Schule das Gemeinschaftsgefühl stärken. Das finde ich wichtig. Es gibt ein Schulprogramm vom Lions Club: Erwachsen werden – Lion's Quest“.  Da geht’s darum seine eigenen Gefühle, und die der Anderen zu erkennen. Gemeinschaft und Zusammenhalt zu leben. Konflikte zu formulieren, gewaltfrei austragen und wenn möglich auch ganz zu vermeiden. Ein tolles Programm, welches von allen Ministerien anerkannt ist. Man könnte das in viel mehr Schulen machen.  


In der Folge „Durchgeknallt“, sieht sich Jo in einer außergewöhnlichen Situation. Sein Porsche ist in Gefahr.

Peter Ketnath: Ja, das geht gar nicht. Das ist echt der Punkt, wo die ganze Situation kippt. Lacht.


Wie ist das für Sie im echten Leben?

Peter Ketnath: Ich fahr nur alte Autos. Lächelt.


Aber auch an denen kann ein Herz hängen

Peter Ketnath: Autos sind eine lustige Spielerei. Fahrbarer Untersatz. Aber man verbringt viel Zeit in seinem Auto und kann durchaus eine Bindung zur Haptik aufbauen. Lächelt.


Astrid M. Fünderich: Mein Auto wird nächstes Jahr 20 Jahre alt und ich hab es schon seit 18 Jahren. Also, ich wäre sehr traurig ohne dieses Auto.


Mein Magazin heißt StuttgarTango. Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?

Astrid M. Fünderich: Ein bisschen. Eines unserer beiden Synchronstudios liegt über dem Tangoloft in der Stuttgarter Hackstraße. Ich hab da sogar schon mal ein Programm mitgenommen. Lacht. Mein Mann und ich haben eine Zeit lang mal finnischen Tango getanzt. Da wird ja richtig 'geschwoft'. Auch die Musik ist großartig. Sehr schräg. Lacht.


Hören Sie gerne Musik? Welches Genre?

Astrid M. Fünderich: Ich hab gar nicht wirklich eine Vorliebe für ein bestimmtes Genre. Ich entdecke immer zufällig Interpreten und Künstler und die höre ich dann. Bei den Jazz Open in Stuttgart hab ich Sebastian Studnitzky erlebt. Da kann ich mich im Moment gar nicht satt davon hören. Das ist eine sehr entspannende Musik für mich. Ich kann aber auch Techno hören, oder Klassik.


Kommt es auf die Lebenssituation an? Auf die Stimmung?

Astrid M. Fünderich: Ja, natürlich.


Peter Ketnath: Ich hab gar keine Zeit zum Musik hören. Lacht. Nein. Musik ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Ich bin auch breit aufgestellt, höre Musik je nach Gemütslage. Ich genieße aber auch oft und ganz bewusst die Stille.


Wie entspannen Sie?

Astrid M. Fünderich: Wenn ich es schaffe, versuche ich morgens 40/45 Minuten Sport zu  machen. Laufen und Yoga. Auch Krafttraining. Wenn ich nicht fit bin, mein Sportprogramm nicht machen kann, geht’s mir gar nicht gut. Es ist für mich total notwendig. Ich muss auch draußen sein. Ich brauch die Luft und die Natur.


Wie ist das für Sie?

Peter Ketnath: Vielleicht gar nicht erst stressen lassen, dann ist die Entspannung immer da. Lacht. Bewegung und Luft sind natürlich wichtig. Auch Wasser ist ein tolles Element.


Stuttgart als Drehort

Astrid M. Fünderich: Ich würde mal sagen, dass wir hier mit Soko Stuttgart wirklich eine Initialzündung gegeben haben. Mittlerweile wird in Stuttgart einiges produziert. Stuttgart ist interessant zu filmen. Stuttgart ist eine architektonisch spannende Stadt und hat viel zu bieten.


Peter Ketnath: Stuttgart ist eine starke Region. Finanzkräftig. Und Stuttgart ist noch nicht so abgefilmt, wie beispielsweise München, Berlin oder Köln. Da könnte also gut noch mehr passieren.


Wird Stuttgart unterschätzt?

Peter Ketnath: Ja, ein bisschen. Ich glaube, die Stuttgarter machen sich das Leben manchmal selber schwer indem sie immer nach Berlin und München blicken. Laut CNN ist Stuttgart ja eigentlich die 'Entspannteste Stadt der Welt'.






Foto: ZDF Markus Fenchel




 

 

 

 

Foto: ZDF Markus Fenchel



Lieben Dank für das schöne Gespräch! 







'Ich durfte mal einen Tangolehrer spielen. Da hab ich begriffen, wie unfassbar schwer das ist"

Stephan Luca


 

Foto: Marion Graeber


Architekt Richard Grimus (Stephan Luca) fährt eilig durch Kapstadts Straßen, um zu seinem Geschäftstermin zu kommen: Ein Einkaufszentrum, das er geplant hat, soll endlich in die Bauphase gebracht werden. Doch dabei sieht er erst viel zu spät einen Jungen (Likho Mango), der eilig auf die Straße gerannt kommt. Der kleine Keagan befindet sich auf der Flucht, denn er hat Abalone gefischt – eine seltene Meeresschneckenart, die auf dem Schwarzmarkt ein Vermögen bringt.  Als die Polizei anschließend nach Keagan forscht, deckt Richard den Kleinen und legt damit das Fundament zu einer ungewöhnlichen und gleichzeitig schwierigen Freundschaft. ZDF - Sonntag, 15. Oktober, 20.15 Uhr





Im Gespräch mit Stephan Luca

Marion Graeber

Im September 2017



Wann fand der Dreh zu „Kleiner Junge, großer Freund“ statt?

Ich war in den Monaten Februar und März in Kapstadt. Ich hatte eine Vorbereitungszeit und bin auch nach dem Dreh noch länger in Südafrika geblieben.


Was war das für eine Vorbereitungsphase?

Ich bin zehn Tage früher nach Südafrika geflogen. Ich hab den kleinen Jungen, Likho Mango kennen gelernt. Das war auch für den Film sehr entscheidend. Für die Geschichte. Wir haben eine schöne Bindung aufgebaut. Da entsteht ja auch was, wenn man Zeit miteinander verbringt. Länger geblieben bin ich, weil ich noch ein bisschen gereist bin. Ich war dann also insgesamt zwei Monate dort.


Wie war das mit Likho zu spielen?

Likho ist großartig. Ein ganz toller Junge. Er wurde über ein englisches Management und Castbüro in England gecastet. Er hatte noch keine so große Rolle. Kommt aus dem Township. Man merkte schnell, die Dinge, die Likho macht sind authentisch. Das ist unglaublich. Ein Beispiel, ganz gleich, wo wir waren, er hat sich in den Pausen immer hingesetzt. Man selbst fragt sich, o.k., wo ist ein Stuhl, wo könnte man gut sitzen … Likho setzte sich einfach hin. An Ort und Stelle. Lächelt.


Wie haben Sie sich untereinander verständigt?

Wir haben alle Englisch gesprochen. Das galt am Set. Wir haben mit einem großen südafrikanischen Team gearbeitet. Vom deutschen Team waren nur Regie, Kamera, Tanja Wedhorn und ich.


Wie war die Zusammenarbeit?

Die größte Sprachkombination hatten wir damals beim Dreh zu „Störtebeker“. Lacht. Wir haben in Litauen gedreht und, ich glaube, sechs Sprachen am Set gesprochen. Das war kunterbunt. Beim Dreh in Südafrika war unsere Setsprache auf Englisch. Ich hatte allerdings ein englisches und deutsches Drehbuch. Bei der Probe hab ich dann in englischer Sprache gespielt, um es auch für Likho einfacher zu gestalten. Beim tatsächlichen Dreh spielte dann jeder in seiner Sprache.


Oftmals braucht es keine Sprache, um sich zu verstehen

Das stimmt. Es ist auch eine Gefühlssache.


Wie würden Sie Ihre Rolle, Richard Grimus, charakterisieren?

Richard ist ein Workaholic. Von seiner Arbeit als Architekt getrieben. Sein Job führt ihn rund um die Welt und in dem was er tut, geht er voll und ganz auf. Sein Job steht für ihn an erster Stelle. Die menschliche Komponente, spricht man ihm nicht so sehr zu. Das ist die Fallhöhe, wo er sich als Figur befindet.


Wie sieht es mit seiner sozialen Kompetenz aus?

Das ist das Schöne an der Figur. Der Kern. Die Figur, dieser Mensch, kann sich verändern und verändert sich während der Geschichte. Anfangs stehen rein die geschäftlichen Belange in seinem Mittelpunkt. Doch plötzlich fängt er an sich mit dem Innenleben der Menschen zu befassen. Er denkt über die Menschen nach, für die er Gebäude plant und baut. Das fehlt ihm bis dahin. Sein Blick verändert sich. Diese Metapher finde ich gut – Der Architekt Richard, der über die Menschen nachdenkt, für die er baut.


Sie lernen im Film Keagan (Likho Mango) durch einen Unfall kennen. Fühlen sich verantwortlich. Werden unwillkürlich in das Leben des Jungen mit einbezogen. Was für eine Erfahrung war das?

Die Szenen im Township, die waren schon sehr besonders mit ihm. Die Familie von Likho wohnt inzwischen in einem Haus, ähnlich diesem, welches wir bespielt haben. Aber es ist Township. Realität und fiktive Geschichte überlagern sich. Likho ist ein grandioser kleiner, großer Junge. Südafrika ist bunt. Gerade auch Kapstadt. Kunstwerke sind quasi an Hauswänden. Ja, viele Gebiete entwickeln sich. Sind plötzlich hipp. Vergleichbar mit dem Meatpacking District in New York. Doch es sind zwei Welten. Du siehst Menschen am Straßenrand schlafen. Die Townships sind nah. Keagan muss sich irgendwie in seiner Welt durchschlagen. Da bleiben kriminelle Handlungen oft nicht aus. Er dealt mit Meeresschnecken.


Haben Sie diese Meeresschnecken auch mal probiert?

Es gibt eine Szene in einem Abalone Restaurant – dieses uralte und bekannte Restaurant wird es demnächst nicht mehr geben.   Die Meeresschnecken sind wahnsinnig teuer. Ich esse gern Fisch, aber die Meeresschnecken hab ich nicht probiert. Ist nicht so ganz meins. Lacht.


Sie waren schon mehrfach für einen Film in Afrika …

Ja, das ist das dritte Projekt in Südafrika. „Im Brautkleid durch Afrika“ und auch „Super-Dad“ spielten vor Ort. Nach jeder Produktion hab ich mir noch das Land angesehen. Ich reise gerne, wenn es zeitlich geht. Die Drehtage sind sehr eng und dann ist man bei dem Projekt sehr konzentriert. Wir kommen ja auch für den Dreh an atemberaubende Spots. Manchmal aber auch zu schmutzigen Hinterhöfen. Orte, die Touristen oftmals verborgen bleiben. Aber es ist sehr reizvoll für mich, bei Drehs im Ausland und auch in Städten, die ich nicht kenne. Ich schau mir gerne Land und Leute an, das interessiert mich schon sehr.


Sie sind sehr sportlich. Haben in diesem Sommer am Hamburger Ironman teilgenommen. Möcht Ihnen gern noch dazu gratulieren. Wie bauen Sie Ihren Sport auf Reisen ein? Das Wasser ist in Südafrika sehr kalt.

Ja, lacht, man muss mit einem Neopren Anzug ins Meer. Hab ich auch mal gemacht und war dann also mit einem Surfbrett unterwegs. Ich hab auch immer sehr gerne meine Laufschuhe mit dabei. Beim Laufen kann man so gut den Kopf ausschalten. Man kann herrlich laufen dort. Es gibt zwar keine richtigen Laufstrecken, man läuft mehr oder weniger oft am Straßenrand. Aber es ist einfach schön. Mit dem Rad war ich auch unterwegs.


Welche Disziplin ist Ihnen beim Triathlon die liebste? 

Schwimmen. Ich bin ja quasi als Schwimmer groß geworden. Das ist für mich im Verhältnis die schnellste und die einfachste Disziplin. Die meisten Triathleten kommen vom Radfahren oder vom Laufen.


Wie verläuft so ein Drehtag?

Man bleibt während den Drehtagen schon sehr konzentriert. Wir machen zwischendurch aber auch gerne Scherze. Ich mag das gerne. Das ist wichtig. Auch fürs Team. Diese Zeit muss immer auch da sein. Drehtage sind immer lange. Tagszenen, Nachtszenen. Auch Schwierigkeiten gibt es an so einem Drehtag genügend. Wetterwechsel, spezielle Lichtverhältnisse nutzen .. und manchmal ist es auch der Mensch an sich. Wir mussten gerade bei diesem Dreh zwei Tage wegen Magen-Darm-Grippe unterbrechen.


Hat es Sie auch erwischt?

Nein, zum Glück nicht.


Sie haben im Film so ein schönes, selbstgemachtes Armband von Keagan geschenkt bekommen. Haben Sie das noch?

Leider hab ich das nicht mehr. Hab das ganze Kostüm dort gelassen. Das Band hat gerade so die Drehtage durchgehalten. Lächelt.  


Lieben Dank für das wundervolle Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut, Sie heute persönlich in Hamburg kennen gelernt zu haben, nachdem wir vor drei Jahren bereits ein Telefoninterview führten. Dankeschön.



Foto: ZDF Anika Molnár



 

 

 

 

Foto: ZDF Anika Molnár





'Ich bin ein grosser Fan vom Tango Argentino. Der Tanz ist kraftvoll und weich zugleich'

Kai Schumann


Foto: Nadja Klier, Hannes Casper


Als 'Heldt' ermittelt Kai Schumann wieder als Bochumer Komissar Nikolas Heldt in 18 neuen Folgen der Krimi-Comedy. Im Präsidium geht es drunter und drüber: Ausgerechnet Heldt lässt sich Falschgeld andrehen. Seine heimliche Liebe, Staatsanwältin Ellen Bannenberg (Janine Kunze), entschließt sich, eine Stelle in Passau anzunehmen, und sein Chef, Hauptkommissar Grün (Timo Dierkes), rutscht in die Midlife Crisis. Als allerdings die Profilerin Julia Tietz (Ina Paule Klink) das Team der Kripo Bochum bereichert, wendet sich das Blatt und Heldt lernt eine Frau kennen, mit der sich Liebe endllich mal leicht anfühlen könnte. 


Im Gespräch mit Kai Schumann

Im September 2017

Marion Graeber



Hallo Herr Schumann, ich freu mich, dass Sie Zeit für mich haben und wir miteinander telefonieren können. Wo sind Sie gerade?

Wir drehen im Moment für 'Heldt'. Lacht. Wir drehen bereits an der sechsten Staffel. Eine Doppelfolge in Anlehnung an „Eine Leiche zum Dessert'.


Dann sind Sie im Moment in Köln?

Ja, ich bin gerade in der Nähe von Köln. Sie erwischen mich in meiner Drehpause.


Eigentlich wohnen Sie in Hamburg. Stimmt das?

Genau. Wenn ich arbeite bin ich aber immer dort, wo ich drehe. Mein Beruf ist ein Zigeunerberuf. Manchmal fällt es mir sogar schwer, die Frage nach meinem Wohnort zu beantworten. Lacht.


Das macht das Leben interessanter

Das stimmt


Was hat Sie denn am Drehbuch zu 'Heldt' gereizt?

Heldt hat das Herz am rechten Fleck. Er ist für Gerechtigkeit. Sorgt für Recht und Ordnung, ohne den starren disziplinarischen Regeln des Systems zu verfallen. Zudem ist er ein wilder, lustiger und liebevoller Mensch. Einer mit einem interessanten Charakter. Er ist ein Held unserer Zeit. Einer der viele Fehler macht. Er ist ein fehlbarer Held mit einer großen Liebe für die Menschen.


Wie viel Kai Schumann ist in Nikolas Heldt?

Nur die guten Seiten natürlich. Lacht. Wir sind uns schon ähnlich. In kleinen Momenten muss ich auch mal schmunzeln, wenn ich die Figur anschaue und mich tatsächlich selber darin sehe. Aber es ist ja auch so, dass man jede Figur, die man spielt auch zu seiner eigenen macht. Wir haben alle Anteile in uns. Nur unterschiedlich ausgeprägt.


Ist 'Heldt' auch ein bisschen 'Schimanski'?

Das ist der Vergleich von Journalisten und Zuschauern. Doch mit Schimanski kann man nichts vergleichen. Götz George ist der unangefochtene Gott dieses Genres, einer der Größten der vergangenen Zeit. Ich würde mich niemals mit ihm vergleichen.


Die Themen in 'Heldt' sind aktuelle. Welches Publikum ist Ihre Zielgruppe?

Ich hoffe, dass ich mit meinem Spiel ein breites Spektrum durch alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen erreiche. Ich glaube die Menschen sehen den Heldt gerne. Es geht nicht so brutal bei uns zu. Es passiert so gut wie nie ein Mord. Wir versuchen mit so wenig wie möglich Gewalt zu arbeiten. Und das machen wir ganz bewusst so. Wichtig ist es uns, die Menschen zu verstehen. Die menschlichen Abgründe zu erforschen. Einfach mal zuhören. Heldt kann gut zuhören.


Wie entspannen Sie nach stressigen Drehphasen?

Am besten entspanne ich durch das Nichtstun. Lacht. Ich geh schon auch gerne mal tanzen. Ich reise auch hin und wieder gerne. Aber ich bin auch total gerne zu Hause, da ich ja mit meinem Beruf schon so viel unterwegs bin.


Sie erwähnten gerade, dass Sie auch gerne mal tanzen gehen. Gefällt Ihnen der Tango Argentino?

Ich bin ein großer Fan vom Tango. Ich finde das so beeindruckend. Die Grazie der Bewegungen. Der Tanz ist kraftvoll und weich zugleich. Ich habe in der Schauspielschule Tango getanzt, danach hab ich das leider nie wieder verfolgen können. Leider. Aber meine Freundin tanzt sehr gerne. Wir wollen uns schon lange mal wieder dem Tanz widmen.  


Wie ist das mit der Musik? Was hören Sie gerne?

Ich höre meistens elektronische Musik. Ich bin ein Kind der 1990er, mit Techno und House aufgewachsen.


Haben Sie einen Wunsch für sich oder die Welt?

Frieden. Immer wieder nur Frieden. Dass alle Waffen von der Welt verschwinden und die Menschen in Frieden und Gleichberechtigung leben können. Frei, fröhlich und ohne Unterdrückung.



Lieben Dank, Herr Schumann. Das war ein sehr schönes Gespräch. Alles Liebe


 

Foto: ZDF Frank Dicks






'Der Tango ist für mich einer der faszinierendsten Tänze die ich kenne, wunderschön und emotional'

Matthias Koeberlin


Foto: ZDF Daniela Incoronato


Hauptkommissar Robert Marthaler von der Frankfurter Mordkommission wird fast gleichzeitig mit zwei Fällen konfrontiert. In einem Hotelzimmer im Bahnhofsviertel wird die Leiche einer Unbekannten gefunden. Sie wurde mit einem speziellen Schuss ins Auge brutal getötet. Zufall oder symbolischer Akt? Bevor Marthaler und der Forensiker Carlo Sabato von der Spurensicherung weitere Abklärungen machen können, tauchen der arrogante LKA-Beamte Axel Rotteck und sein junger Kollege Daniel Fichtner am Tatort auf und nehmen Marthaler den Mordfall ohne Angabe von Gründen aus der Hand. Charlotte von Wangenheim, die neue Chefin der Mordkommission bestätigt Marthaler und seinem Team, dass sie keinerlei Befugnis haben weiter zu ermitteln. Stattdessen soll Marthaler den plötzlichen Tod eines hessischen Landtagsabgeordneten untersuchen.

'Kommissar Marthaler - Die Sterntaler-Verschwörung'



Im Gespräch mit Matthias Koeberlin

Im September 2017

Marion Graeber


Was bedeutet Ihnen die Rolle des Kommissars Robert Marthaler, seit wann verkörpern Sie diese und wie charakterisieren Sie Ihre Rolle? Wie viel Matthias Koeberlin ist in Robert Marthaler? 


Mit der Figur Robert Marthaler wurde mir vor fünf Jahren die Möglichkeit gegeben einer äußerst spannenden Romanfigur ein Gesicht zu geben und Leben einzuhauchen. Ein Kommissar, der eigenbrötlerisch, stur und aufbrausend sein kann, der sich bis zur Selbstaufgabe in die zu lösenden Verbrechen stürzt und weder sich noch seine Mitmenschen schont. Marthaler ist ein positiv Besessener, der unter einer harten Schale seinen weichen Kern versteckt. Diese Zerrissenheit fand ich spannend.


Was ist, Ihrer Meinung nach, die Faszination am Krimi? 


Ich denke, dass das Böse eine vergleichbare Faszination, wie das Gute bei vielen Menschen hervorruft. Was bringt einen Menschen dazu, einen anderen umzubringen? Erkennt man das Böse im Gesicht eines Menschen? Die Tatsache, dass es uns schwer fällt eine Erklärung dafür zu finden, weshalb ein Mensch zu Taten fähig ist, die unbegreiflich erscheinen, birgt eine große Faszination und eine ungläubige Neugier das Böse zu verstehen. Ich denke, dass diese Faszination zutiefst menschlich ist.


Im Krimi geht es immer um Leben und Tod. Was ist Ihnen im Leben wichtig? 

Die gleichen Dinge, wie vielen anderen auch. Gesundheit, eine glückliche Familie, Freundschaften und das Gefühl sich in all diesen Irrsinn, der uns tagtäglich begegnet, treu zu bleiben und Glück zu empfinden.


Wie und wo tanken Sie persönlich Kraft?

Indem ich meine freie Zeit mit Familie und Freunden verbringen und mich Dingen widmen kann, die mich abseits meiner beruflichen Arbeit auch interessieren und für die oft zu wenig Zeit bleibt.


Hilft Ihnen Musik zur Entspannung? Welches Genre? 

Musik ist mein ständiger Begleiter. Da ich selbst immer Musik gemacht habe, umgibt sie mich auch in allen Lebenslagen. Musik brauche ich zum Abschalten, um mich zu motivieren, um die ganze Bandbreite der Emotionen zu untermalen oder abzufedern. Sie muss ein Gefühl transportieren. Das Genre spielt dann keine Rolle.


Mein Magazin heißt StuttgarTango. Darf ich Sie fragen, ob Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino haben? 

Leider nein. Der Tango ist für mich einer der faszinierendsten Tänze, die ich kenne, wunderschön und emotional. Ich beschränke mich auf das Zuschauen und staunen und weniger auf das eigene Probieren. (lacht)


Haben Sie ein Lebensmotto? 

Ein wirkliches Motto habe ich nicht, aber ein großes Vertrauen in die Kraft der Toleranz, des Respekts und des Humors.




Vielen Dank, Herr Koeberlin



 

 

 

 

Foto: ZDF Daniela Incoronato


Foto: ZDF Daniela Incoronato






'Der Tango, der steht noch auf meiner Liste'

Chiara Schoras


Foto: ZDF Britta Krehl



Pubertät ist, wenn man trotzdem lacht. Die Pubertät - irgendwann trifft sie jeden. Wenn man mittendrin steckt in diesem hormonellen Chaos, erscheint einem die ganze Welt verrückt. Die eigenen bis dahin heiß geliebten Eltern mutieren zu peinlichen Wesen. Tja, und Eltern erscheinen die eigenen Kinder plötzlich als Monster.

Sechs Folgen "Das Pubertier - Die Serie", ab Donnerstag, 7. September, 20.15 Uhr



Im Gespräch mit Chiara Schoras

Im August 2017

Marion Graeber


Bald gibt es sechs Folgen „Das Pubertier“ im ZDF zu sehen. Wann hat dieses Projekt für Sie begonnen?

Wir haben im März dieses Jahres angefangen zu drehen.


Wie lange hat es gedauert bis alles abgedreht war?

Wir haben bis Ende Mai gedreht.


Die Serie spielt in Berlin?

Genau.


Also quasi vor Ihrer Haustüre ...

Ja, yippie yeah. Lacht. Ich bin vor 14 Jahren nach Berlin gezogen, weil ich damals ausschließlich jedes Projekt in der Hauptstadt gemacht habe. Als ich dann hier war, habe ich keinen einzigen Film mehr in Berlin gedreht. Erst im vergangenen Jahr ging es dann wieder los. Ein sehr schönes  ZDFneo-Projekt.


Ist ein Filmdreh in der Stadt in der man wohnt einfacher in den Alltag zu integrieren? Natürlich,  man dreht und kommt abends nach Hause. Auf diese Weise kann ein normaler Alltag stattfinden.


Sie haben eine 16jährige Tochter. Wie ist das mit der Pubertät bei Ihnen zuhause?

Wir sind aus dem Gröbsten raus. Lacht. Allerdings sind wir wirklich sehr entspannt durch diese Zeit der Pubertät gegangen. Wir haben viel miteinander kommuniziert, was sehr hilfreich war. Auch in unserer Serie gehen die Eltern relativ entspannt mit dem Thema um. Jan Maybacher, von Pasquale Aleardi gespielt, versucht alles gut und richtig zu machen. Er erkennt, dass seine Tochter zu einer Frau heranwächst. Er hat Angst, seinen Status zu verlieren. Bei Problemen nicht mehr gefragt zu sein.   In der Pubertät spielen die Hormone eben verrückt. Wir stellen fest, dass unsere Eltern doch nicht so perfekt sind. Nicht alles wissen. Das Bild unserer Eltern bröckelt. Es stellen sich Fragen, wie: 'Wer bin ich', 'wer sind wir'. Die Identitätskrise ist in vollem Gange. Ich finde in unserer Serie wird das sehr schön dargestellt, diese Angst, diese Schwierigkeiten zuzulassen. Carla Maybacher, von mir gespielt, geht ganz geschmeidig damit um. Sie kann sich auch gut in ihre Tochter hineinversetzen, weil sie ja selber eine Frau ist. Ich finde es schön, dass wir eine Familie darstellen, die nicht immer sofort auf Konfrontation geht. Jan und Carla zeigen, dass man mit den Schwierigkeiten in der Pubertät auch anders umgehen kann. Humorvoll. Bejahend. Es ist ja bekannt, wenn wir draufdrücken, unsere Kinder unter Druck setzen, suchen sie das Weite. Unsere Aufgabe als Eltern ist es doch, das auszuhalten. Wir dürfen nicht vergessen, dass uns unsere Kinder brauchen. Die Pubertiere befinden sich ja in einer schwierigen Phase.


Andere Kulturen, Menschen lassen uns oft unser eigenes Leben von einem anderen Standpunkt aus betrachten. Reisen öffnet uns die Welt. Reisen Sie gerne?

Ja, absolut. Wir sind ja nicht nur ein deutscher Haushalt, sondern auch ein italienischer. Ich bin selbst in zwei Kulturen aufgewachsen. Meine Mutter ist Italienerin. Wir haben viel Zeit in Italien verbracht. Das ist meine Geschichte – und meine Tochter mittendrin. Ich finde es tatsächlich auch wichtig, mit Kindern zu reisen. Ihnen andere Kulturen zu zeigen. Ihnen zu erklären, dass die Dinge in anderen Ländern und Kulturen anders funktionieren. Man hilft ihnen damit. Man bringt sie auch ein bisschen weg von ihren eigenen Problemen. Wenn wir unterwegs sind, weitet sich unser Blick. Das verschafft uns einen Abstand zu unseren eigenen Problemen.


Sie tanzen und machen Musik. Welche Rolle spielte die Musik in Ihrer Pubertät?

Eine sehr wichtige. Ich komme aus einem sehr musikalischen Haushalt. Meine Mutter hat schon mit fünf Jahren angefangen zu singen. Meine Cousinen und Cousins sind Songwriter. Musik war schon immer ein großer Bestandteil meines Lebens. Mit zwölf Jahren hab ich meine erste Jazzplatte geschenkt bekommen. Billie Holiday. Das war wow. Was total Neues. Meine Mutter hat mir diese Liebe zur Musik mitgegeben. Gerade in der Pubertät ist man so emotional. Da habe ich mich in der Musik von Billie Holiday gefunden.  


Wie haben Sie Ihre Drehpausen verbracht?

In unseren Drehpausen haben wir tatsächlich gesungen. Pasquale ist ja auch Musiker. Musik ist grundsätzlich Medizin.


Mein Magazin heißt StuttgartTango. Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino? Leider nicht. Der Tango, der steht noch auf meiner Liste. Lächelt. Tango ist so ein sinnlicher Tanz. Emotional. Schön. Dieses gemeinsame schwingen. Aufeinander aufpassen. Sich gemeinsam auffangen. Sich der Musik hingeben. Einer der schönsten Tänze, die es gibt. Auch die Musik berührt mich irrsinnig.    


Haben Sie ein Lebensmotto? Ich glaube es gibt etwas, was mich immer begleitet hat und das ist die Neugier. Neugierig zu sein, so offen wie möglich in Situationen zu gehen, das ist immer noch etwas was mich leitet und berührt.


Vielen Dank für das schöne Gespräch Frau Schoras. Alles Liebe.  





 

 

 

 

Foto: ZDF Britta Krehl



Foto: ZDF Britta Krehl








'Astor Piazzolla hör ich sehr gerne'

Michael Kessler


Pressefoto




Michael Kessler in „Sitzheizung gibt’s nicht“, ab 10. August, 22.15 Uhr zdf neo


Im Gespräch mit Michael Kessler

Juli 2017

Marion Graeber


 


Ihre Sendung startet am 10. August auf zdf neo. Wann wurden die Folgen gedreht?

Ich hab schon einige abgedreht. Ich war auch in Stuttgart. Hugo Egon Balder fuhr mit mir mit. Er spielte ja gerade Theater in Stuttgart.


Die Folgen sind also nicht nur in Berlin gedreht?

Nein, in der ganzen Bundesrepublik. Neben Berlin, beispielsweise in Hamburg, Köln und Stuttgart. Da wo die Prominenten sind, da komm ich hin. Lacht.


Man bekommt bei „Sitzheizung gibt’s nicht“, nicht nur Einblicke ins Leben Ihrer Mitfahrgäste, sondern erlebt auch eine kleine Stadtrundfahrt. Sie besuchen beispielsweise Restaurants oder auch mal einen Schuhladen.

Ja, mit Annette Frier war ich in einem Schuhladen. In Stuttgart gehen wir in die Markthalle.  


Stuttgart von der schönsten Seite?

Ja, klar, wir gehen auch Spätzle essen. Lacht.


Wie lange dauern die Folgen, wie lange wird gedreht?

Eine Folge dauert 30 Minuten. In jeder Folge werden zwei Gäste stattfinden. Also für jeden Gast so 15 Minuten. Ich finde das muss schnell und knackig sein. Dafür drehen wir allerdings relativ lang. Nämlich so drei bis vier Stunden mit nur einem Gast. Der weiß übrigens auch nie, mit welchem Auto ich komme und er weiß auch nicht, wo ich mit ihm hinfahre. Er steht irgendwo an einer Ecke und weiß nur, der Kessler kommt gleich und holt mich ab. Mehr weiß er nicht. Ja, und dann kommt der Kessler um die Ecke und die ersten Lacher sind schon vorprogrammiert, wenn mich meine Mitfahrgäste mit dem entsprechenden Auto sehen.


Ist die Tour festgelegt, hat mit dem Gast zu tun?

Ja, wir brauchen ja auch eine Drehgenehmigung und Parkplätze. Aber das Spannende ist bei der Sendung, dass es durchläuft. Wir haben die Kameras in den Autos und draußen. Es gibt wirklich keine Unterbrechung. Es ist alles fließend. Wir steigen aus, die Kameras mit uns. Wir gehen Kaffee trinken, die Kameras sind dabei. Und so weiter.


Und das Gespräch? Machen Sie sich vorab Gedanken, formulieren vor?

Das wird alles improvisiert. Ich geh völlig unvorbereitet da rein. Möchte nicht abfragen. Es geht nicht darum was mein Gast gerade für einen Film dreht, oder wo er Theater spielt. Ich will mich einfach nur nett unterhalten. Spaß haben. Es ist ein reines Entertainmentformat.


Sie lassen dem Gespräch also freien Lauf?

Ja, völlig. Das kann alle Wendungen nehmen. Wir fahren durch Städte, wir sehen Sachen. Eigentlich reden wir meistens über alltägliche Dinge. Klar auch über den Straßenverkehr, über das Autofahren an sich. Sehr lustig. Lacht.


Die Autos, mit denen Sie Ihre prominenten Gäste abholen sind alte Autos, Oldtimer?

Das ist unterschiedlich. Da möchte ich auch kein Prinzip haben, damit der Prominente nicht schon weiß, mit welchem Auto ich da komme. Annette Friers erstes Auto war ein VW Käfer. Dann haben wir ihr also einen VW Käfer hingestellt. Lacht. Es gibt aber auch ganz andere Varianten. Bei Cordula Stratmann - Da bin ich mit einem riesigen Jeep vorgefahren. Da sagte sie mir, da würde sie nicht einsteigen, sie fände das doof. Natürlich steigt sie aber doch ein. Lächelt.


Man sieht das auch bei Bastian Pastewka. Da kommen Sie mit einem Citroen, aufgrund seiner Leidenschaft für Louis de Funès Filme.

Ja, genau.


Wie fühlt sich das an in den älteren Autos?

Da ist ja nix mit Servolenkung und so. Ja, deshalb heißt es auch „Sitzheizung gibt's nicht“. Das ist zum Teil schon sehr unkomfortabel in diesen Autos. Auch sehr laut. Man muss noch richtig arbeiten. Ich bin kürzlich mit einem Goggomobil gefahren. Da musste man erst mal den Benzinhahn aufdrehen. Das ist so, als ob man Maschinist ist und Schwerstarbeit leisten muss. Das ist schon sehr aufregend. Mit Jorge González war ich in einer amerikanischen Limousine unterwegs, die aber alle zwei Minuten ausging. Und das auf allen möglichen Kreuzungen und Verkehrsknotenpunkten. Da lief mir das Wasser runter. Alte Autos sind für Überraschungen gut und Überraschungen dürfen in diesem Format stattfinden. Das ist ja auch das Spannende dann.


Auch für Sie.

Ich liebe das ja. Ich liebe Improvisationen und ich liebe es ohne doppelten Boden zu arbeiten und zu gucken was passiert. Sich treiben lassen. Das ist meist viel besser als sich was ausgedacht zu haben, was dann doch am Ende so nicht stattfindet.


Es ist eine Herausforderung

Ja, das ist es. Ich muss ja Multitasking machen als Mann. Lacht.


Die Gespräche sind immer mit entsprechender und passender Musik unterlegt. Bei Pastewka waren es die französischen Chansons. Darf ich Sie fragen was Sie persönlich gerne für Musik hören?

Ich höre inzwischen wahnsinnig viel Klassik, weil mich das am meisten entspannt und einfach großartige Musik ist. Ich höre aber auch viel Filmmusik. Und dann noch ein bisschen Pop und Jazz. Das war's. Mit Heavy Metal können Sie mich jagen, auch mit Rockmusik. Das ist alles nicht meine Abteilung. Ich bin also relativ klassisch unterwegs.


Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino?

Ja, mit Astor Piazzolla. Das hör ich sehr gerne. Sonst hab ich mit dem Tango nicht so viel zu tun.


Sie haben also noch keinen Tango getanzt?

Nein, ich war ja auch nie in der Tanzschule.


Das wäre vielleicht eine neue Herausforderung

Das stimmt. Ich könnte mal einen Tango Tanzkurs machen. Ich hab gehört, das ist sehr schwierig.


Und sehr schön

Ja, das glaube ich. Das sieht toll aus.


Sie gehen während des Drehs mit Ihren Gästen auch in Restaurants. Ist das auf die Lebensweise Ihrer Gäste angepasst?

Ja, das machen wir schon passend. Ich gehe beispielsweise nicht mit einem Vegetarier ins Steakhouse. Aber ich geh schon mal mit einem Steak-Esser in ein Veganes Restaurant. Da musste Guido Cantz mal durch. Aber ansonsten sind das ganz unterschiedliche Orte. Wo wir das Gefühl haben, da wird er schon was finden und sich wohl fühlen.


Bauen Sie auch andere Besonderheiten in die Fahrt mit ein?

Es gibt immer auch eine zweite Location, die wir mit rein nehmen. Manchmal aber auch nicht. Mit Jorge bin ich Bowlen gegangen. Mit Tim Mälzer Billard spielen. Dort, wo das Beste passiert, das kommt in die Sendung.


Wie gefällt Ihnen das Format, worauf darf sich der Zuschauer freuen?

Auf viel Spaß. Sehr viel Spaß. Viele Kollegen kenne ich ja auch gut, die da bei mir einsteigen. Das ist ein großer Vorteil, weil man sich sprachlich die Bälle zuspielt. Wie gesagt, es soll einfach nur Spaß machen.


Wir kennen diese Form der Interviewführung aus Ihrer Zeit der „Berliner Nacht Taxe“ und aus den USA mit „Carpool Karaoke“ mit James Corden.

Ja, wir singen aber explizit nicht. Das Auto ist einfach ein guter Ort, weil es ein kleiner begrenzter Raum ist, wo man dann irgendwann auch die Kameras vergisst. Das ist der Vorteil. Das kenne ich aus der „Berliner Nacht Taxe“ Zeit.


Ist es nicht schwer, ein Gespräch zu führen, ohne Augenkontakt, ohne Mimik und Gestik des Gegenübers zu sehen?

Nein, das muss nicht sein. Das kennt man ja vom Auto fahren. Beide schauen aus dem Fenster, sie sehen was um sie herum stattfindet. Die Gespräche plätschern so vor sich hin. Ich komme auch nicht in Verlegenheit. Irgendwas fällt mir immer ein. Ich finde es langweilig über die Vita zu reden. Das wissen die Leute sowieso. Darum geht es nicht. Es geht darum, sie anders kennen zu lernen.


Gibt es Wunschgäste?

Wir haben das so gemischt, dass Leute dabei sind die ich kenne und auch Leute, die ich nicht kenne. Beispielsweise Tim Mälzer. Wir kennen uns nur peripher, nicht gut. Aber das hat prima funktioniert. Das ist auch das Tolle, das so zu erleben.


Haben Sie ein Lebensmotto?

Ehrlich währt am längsten.




Lieben Dank für das schöne Gespräch Herr Kessler




Foto: ZDF André Beckersjürgen



 

Foto: ZDF Gunnar Nicolaus

 

 


Foto: ZDF Gunnar Nicolaus



 

 

 

Foto: ZDF Frank W. Hempel









'Ich habe mit Senta Berger Tango getanzt'

Günther Maria Halmer

 

Foto: Marion Graeber

 

 

Im Gespräch mit Günther Maria Halmer

Im Mai 2017

Marion Graeber

 

 

Wie lange schreibt man so an seiner Autobiografie?

An der Autobiografie zu schreiben, das hat zwei Jahre gedauert.

 

Ist es schwierig sich mit dem eigenen Leben auseinander zu setzen?

Man wacht tatsächlich des Öfteren nachts auf. Ist in Gedanken. Es muss einem ja Stück für Stück etwas einfallen. Dann denkt man darüber nach, was stimmt, was hat man eventuell vergessen, oder auch was hat man verdrängt. All das muss man dann sofort aufschreiben. Auch nachts. Lacht.

 

Man nennt Sie einen Widerborstigen – Hat man als Widerborstiger mehr vom Leben?

Ich glaube nicht. Ich glaube, dass man auf diese Weise viel Energie verliert. Wenn man geschmeidiger ist, das gleiche Ziel verfolgt, ich glaube das ist besser. Lächelt.

 

Doch Sie sagen, es sind die Verrücktheiten, die einen weiter bringen?

Ja, Verrücktheiten in Anführungsstrichen. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen. Ich hatte große, wichtige Gedanken, aber für die Kleinbürger waren diese Gedanken verrückt.

 

Auch Musik ist immer wieder Thema in Ihrem Buch. Elvis Presley beispielsweise. Was hören Sie heute?

Ich schalte gern das Radio ein. Höre Bayern1 oder Bayern3. Auch SWR1 oder SWR3. Ich geh aber auch gern in die Oper.

 

Haben Sie schon einmal Tango getanzt?

Ja. Doch. Schon ein paar Mal. Einmal sogar mit Senta Berger. Aber das ist schwer. Als Mann, diese Haltung, die man finden muss. Tango, das ist richtige Gestaltung 

 

 

 

Gerade noch bei Markus Lanz in seiner gleichnamigen Sendung, ist Günther Maria Halmer nun auf großer Lesereise. Mit seiner Autobiografie "Fliegen kann jeder" gibt der Schauspieler Einblicke in sein Leben. 

Mit Günther Maria Halmer ist ein deutscher Schauspieler auf Tour, der als Widerborstiger gehandelt wird. Ein Mann mit Ecken und Kanten. Einer, der es von Anfang an nicht leicht hatte. Als einziges Kind einer weichen und gütigen Mutter und eines strenggläubigen, konservativen Vaters wuchs er im bayerischen Rosenheim auf. Gemeinsam mit den Eltern der Mutter, seinen Großeltern, teilten sie sich eine Altbauwohnung. Halmers junges Leben war geprägt von den vorgegebenen Wegen und Zielen seines Vaters. „Spaß am Leben zu haben war nicht vorgesehen, und alles, was sich danach anhörte, oder einfach nur „sinnlos“ schön war, wie Musik, Tanz oder Kunst jenseits des Glaubens, war von vornherein suspekt. Leben muss wehtun, sonst ist es nicht richtig, und gegessen wird, was auf den Tisch kommt“, liest er eine Passage aus seiner Biografie. So waren die Erwartungen an den einzigen Sohn hohe. Wie die meisten Männer seiner Generation hatte der Vater sehr klare Vorstellungen davon, was ein ehrbares, achtenswertes Leben war. Ein promovierter Akademiker – das war für den Vater der Gipfel eines erfolgreichen Lebens. Eines Lebens, das er für seinen Sohn vorgesehen hatte. Doch es kam anders. Gebannt lauscht das Publikum den Ausführungen Halmers. Der Schauspieler liest mit starker Stimme. Er ist laut und über seinen starken Charakter sehr präsent. Sein etwas zerzaustes, graues Haar, passt zu seinem Sinn. Zu seinem Wesen. Zu seiner Einstellung zum Leben. Halmer ist ein Reisender. Im wahren und übertragenen Sinne. Anfängliche Berührungsängste seitens des Publikums wischt er schnell weg. Er ist nahbar. In der Kommunikation mit seinen Zuhörern. Nichts ist rein vorgetragen, vielmehr erzählt. Vieles, das eigentlich nachdenklich stimmend ist, trägt Halmer mit einer gewissen Leichtigkeit vor. Lässt seine Zuhörer schmunzeln, lächeln, ja lachen. Und sie danken es ihm. Halmer berichtet aus seiner Schulzeit. Vom Scheitern und wieder Aufstehen. Von der Suche nach dem richtigen Beruf, für einen Typen wie ihn, wie er selbst erklärt. Vom Vorstellungsgespräch in einer Bank, von seiner Zeit bei der Bundeswehr, einer prägenden Reise nach Kanada und von der Aufnahmeprüfung bei der berühmten Falckenberg Schauspielschule in München. Ohne Arroganz erläutert er seinen Beruf. Gibt Einblicke in die Welt des Schauspiels und des Schauspielers an sich. Nur am Rande erwähnt er den „Tscharlie“ aus Helmut Dietls „Münchner Geschichten“, die Günther Maria Halmer Kultstatus einbrachten, um nur eine von vielen Produktionen zu nennen.    Zwei Jahre schrieb Halmer an seiner Autobiografie. Auf die Frage, wie es sich anfühlt, sich mit seinem eigenen Leben auseinander zu setzen meint er, oft sei er des nachts aufgewacht. In Gedanken versunken hat er Verdrängtem Raum gegeben und bislang Vergessenes schnell notiert. Entstanden ist ein Buch, welches den Leser in das Leben des Günther Maria Halmer eintauchen lässt. Offen und in vielen Bereichen ins Detail beschrieben. Vielleicht sollte jeder ab und an seine ganz eigene Biografie schreiben. Für sich. Sehen wo man steht. Beobachten, was man will. Herausfinden, welcher Weg als nächstes einzuschlagen ist. Oder einfach um zu sehen, wer man eigentlich ist.   Und wer ist nun Günther Maria Halmer? Nun, er beschreibt sich wie folgt: „Wenn ich versuchen soll, mein Wesen zu beschreiben, dann kommt mir ein Tannenbaum in den Sinn. Dicht und dunkelgrün, mit einem festen, etwas rauen Stamm. Immer ein bisschen zu ernst, auch wenn ein paar bunte Kugeln daran hängen. Mit Nadeln, die stechen. Kein Linde, unter deren Schatten man süße Träume träumt. Einen Tannenbaum kann man nur sehr schwer umarmen. Er bleibt allein, und wenn er sich doch mehr Nähe wünscht, wird er notwendigerweise enttäuscht werden. Oder enttäuschen. Ein Tannenbaum hat nicht nur Nadeln, er  hat auch Wurzeln. Und dort muss ich ansetzen“. Und so sind es also diese Wurzeln, die er ausgräbt, um Antworten zu finden. Antworten auf sich und sein Leben. Schön, dass er diese mit seinem Publikum und seinen Lesern teilt.  

 

 

 

Lieben Dank für das Gespräch Herr Halmer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Götz Schubert

Im Gespräch zum Film "Der Chef ist tot"

 

Foto: ZDF Martin Rottenkolber

 

 

 

 

Ergänzendes Interview mit Götz Schubert zum ZDF Film

"Der Chef ist tot"

 

 

 

Wie charakterisieren Sie Ihre Rolle? Die Rolle des Michael Baumgartner.

 

Wir lernen einen Menschen in einer krisenbehafteten Zeit kennen. Er wird zu verschiedenen Entscheidungen gedrängt. Entscheidungen, die er in seinem Leben plötzlich treffen muss. Wir lernen auch einen Menschen kennen, der die Chancen in diesen zu treffenden Entscheidungen nicht erkennt und zu den falschen Mitteln greift. Diese Mittel sind für ihn nachvollziehbar, von außen betrachtet sind sie eher fraglich. Man möchte ihm gern helfen und sagen: "Schau dich doch mal richtig um und dann siehst du schon was los ist". Aber so ist das Leben. Es wäre ja immer sehr einfach, wenn alles mit Offenheit und mit den richtigen Mitteln angegangen werden würde. So wäre das Leben leichter.

 

Er ist in seinen Gedanken und nicht zuletzt in seinem Handeln beeinflusst durch eine drohende Scheidung und er ist auch eifersüchtig, dass er in "seiner" Firma nicht auf dem Chefposten sitzt. Wie stark prägt ihn das? Wie überträgt sich das in seinen Charakter, in seine Leistung, die er fürs Unternehmen bringt?

 

Das hängt alles absolut zusammen. Er hat eine private und eine berufliche Krise. Die Probleme trägt er mit sich. Jetzt geht es darum, ob er die Signale der Anderen versteht, mit seinem Gegenüber offen umgeht, ein Ohr für ihn oder sie hat. Aber das tut er eben gerade nicht. Wahrscheinlich hat er das aber auch die vergangenen Jahre nicht getan. Ich will ihm nicht unterstellen, dass er von Anfang an so in eine Beziehung gegangen ist, aber er kümmert sich nur um sich. Kreist um sich selbst. Er bekommt beispielsweise nicht mit, was bei seiner Frau im Argen liegt, geschweige denn bei seinem Sohn. Und im Beruf ist das nicht anders.

 

Trägt er die Schuld an der Misere?

 

Er ist nicht schuldlos. Er hätte die Zeichen einfach früher sehen und verstehen müssen. Man kann also nicht sagen, es liegt an den Anderen. Die Umstände sind hart.

 

Jeder kennt das, dass man sich auch mal verrennen kann. Was empfehlen Sie diesen Menschen? Wie kann man wieder zu sich finden und sich dann auch wieder öffnen?

 

Im besten Falle erst mal anhalten. Erkennen und sich eingestehen, dass hier gerade irgendwas falsch läuft. Man könnte sich beispielsweise ein Wochenende Zeit nehmen. Jeder muss für sich selbst wissen, was ihn auf dem Boden hält. Vielleicht an den Strand setzen, aufs Meer blicken.

 

Würden Sie das so machen?

 

Das wäre etwas, was ich machen würde.

 

Könnte man das auch vorsorglich machen?

 

Absolut. Manche gehen in solchen Situationen oder bei solchen Gefühlen auf Weltreise. Aber man kann das auch ganz klein halten. Sich Zeit nehmen, durch die Natur gehen.

 

Im Film kommen Schwächen und Bosheiten zum Vorschein. Jeder schaut nur nach sich. Ist das das Leben?

 

Das ist auch eine Wahrheit, mit der man umgehen muss und da helfen sicherlich zum einen Appelle an die Empathie der Menschen, an die Zivilcourage. Und man kann es, das ist fast ein christlicher Gedanke, versuchen, es zu leben. Nicht mit den gleichen Mitteln kämpfen, sondern respektvoll sein, Anstand wahren, Empathie empfinden, helfen - das kann die Welt in einem kurzen Moment schon en bisschen besser machen.

 

Sehen Sie das so ein bisschen als Botschaft des Films?

 

Ja, rechtzeitig die Notbremse ziehen. Nachdenken. Selbstverständlich ist das schwer. Das System ist oft hart. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Nöten und Ängsten der Menschen, das wär schon ein großer Punkt. Und da muss jeder an sich selbst arbeiten. Da kommt keiner und übernimmt das. Das ist anstrengend.

 

Ja, wenn man sich auf den Film einlässt, kann man große Gedanken daraus schöpfen.

 

Vom kleinen System, welches wir im Film haben, kommt man ins große System. An die großen Gedanken. Ja, das stimmt. Das ist es auch, was mich von Anfang an daran interessiert hat.

 

 

 

Lieben Dank für das schöne Gespräch, Herr Schubert     

 

 

 

 


'Musik, an die man lange nicht mehr gedacht hat, die erwischt einen dann voll und ganz.

Das ist dann gar nicht Kopf, das ist Bauch'

Dominic Raacke


 

Foto: Steffi Henn / Glampool


Der Sommer 1986 beginnt für die Erfurter Schwestern Catrin und Maja Streesemann verheißungsvoll: Endlich halten sie die Reiseerlaubnis für ihren ersten Urlaub am Balaton in den Händen. Bepackt mit zwei Rucksäcken, Proviant von Mutter Kirsten und den guten Ratschlägen ihres Vaters Karl machen sich die beiden jungen DDR-Bürgerinnen per Auto-Stopp auf in den Süden. Die Verheißung auf grenzenlose Freiheit fernab der DDR und  die Aussicht auf das ein oder andere romantische Abenteuer beflügeln ihre Fantasie. Am Balaton angekommen, lassen sie den Blick über die weite Wasserfläche schweifen, auf der Sportboote mit West-Touristen kreuzen, und sind sich sicher: Das wird der schönste Urlaub ihres Lebens.


Doch die beiden ahnen nicht, dass sie schon bald unter Beobachtung der Stasi stehen. Denn um Fluchtversuche von DDR-Bürgern zu unterbinden, betreibt die so genannte "Balaton-Brigade" im Ferienparadies Ausspähung in Badehosen. Während Catrin auf dem Campingplatz rasch neue Freunde findet – und mit dem sympathischen Rudi aus Mühlhausen auch einen Mann, der sich ganz offenbar näher für sie interessiert – ist die jüngere Maja magisch angezogen vom Glanz des schicken Luxushotels "Balaton-Residenz", in dem ausschließlich Westtouristen wohnen. Ab 80 D-Mark für eine Übernachtung – unvorstellbar für die jungen Frauen.


Doch das Schicksal hilft  und verschafft ihnen nicht nur Eintritt in die "Balaton-Residenz", sondern auch die Bekanntschaft des ungarischen Hotelchefs Tamás. Catrin verliebt sich gleich in den charmanten Ungarn, aber Maja ist es, die ihm bei der ersten Gelegenheit einen Kuss abnötigt. Ein erster Schatten auf dem innigen Verhältnis der beiden Schwestern. Unterdessen rollt aber längst weiteres Unheil an: Mutter Kirsten hat nach einem omi¬nösen Anruf aus Ungarn allen Anlass zur Sorge, dass die Reise ihrer Töchter die komplette Familie ins Verderben stürzen könnte. Unter einem Vorwand bringt sie ihren Mann Karl dazu, den Trabi anzulassen, um Maja und Catrin hinterherzufahren.


Kirsten sorgt sich weniger um den verderblichen Einfluss des Westens auf ihre Töchter, als um ein altes Geheimnis, das an den sonnigen Ufern des Plattensees an die Oberfläche zu gelangen scheint. Denn was außer Kirsten keiner weiß: Karl ist nicht der leibliche Vater von Catrin. Und Kirstens alte Liebe  Erik, der vor Jahrzehnten aus der DDR geflohen ist, macht selbst Urlaub auf dem Campingplatz, um endlich seine Tochter zu sehen......





Interview mit Dominic Raacke  

von Marion Graeber 

21. März 2017



Dominic Raacke:    

Sie sprechen Schwäbisch, das erinnert mich an meine Kindheit.

Wo haben Sie Ihre Kindheit verbracht?

In Ulm. Ulm ist toll, eine kleine Stadt, aber durchaus selbstbewusst. Ich mag die Ulmer, die haben eine gute Mentalität.

Meine Ex-Frau ist auch aus Ulm. Ich selbst habe meine Kindheit dort verbracht. Bin da eingeschult worden. Meine Schwester ist in Ulm geboren.

Ich war allerdings ein bisschen ein Außenseiter. Wir haben oben am Kuhberg gewohnt. Dort war der Campus der Hochschule für Gestaltung. Mein Vater war Dozent. Das war so eine eigene Welt und hatte mit Ulm nicht viel zu tun. Es war ein bisschen wie in einer Raumstation, sehr internationl, die Dozenten, aber auch einige Studenten kam aus aller Welt. Da wurde man von den richtigen Ulmer schon mal schief angeschaut.

Wie alt waren Sie zu dieser Zeit?

Von 5 bis 8 ... ich wurde in Ulm eingeschult. Geboren bin ich in Hanau. Da mein Vater Dozent und später Professor war, waren wir immer ein bisschen auf Wanderschaft.

Sie stehen Veränderungen also offen gegenüber?

Man hat nicht so die Verbundenheit zu nur einer Stadt. Ich bin mehr entwurzelt. Das hat für das Leben aber auch Vorteile. Ich finde das sogar entscheidend. Für einen Schauspieler sowieso. Es ist wichtig offen für Neues zu sein.



Foto: ZDF Guido Engels


Der Film 'Honigfrauen' spielt im Jahr 1986 in der ehemaligen DDR. Hatten Sie damals Berührungspunkte mit Ostdeutschland. Familie, oder Freunde dort?

 

Nein. Die DDR war für mich wie der Pluto, weit weit weg. Das war hinter dem Eisernen Vorhang. Mir ist auch eigentlich erst später aufgefallen, dass wir dem Osten gegenüber ganz schön ignorant waren. Diese Ignoranz hing allerdings auch mit der Politik und den Medien zusammen. Man nannte die Ostdeutschen ja „Brüder und Schwestern“, dabei waren uns die Franzosen und Italiener gefühlt viel näher.

Ich finde es schade, dass das so war. Ich bin froh, dass die Mauer gefallen ist und man sich begegnen konnte. 

Wenn Sie auch keine Kontakte nach Ostdeutschland hatten, sind Sie vielleicht das eine oder andere Mal die Transitstrecke nach Berlin gefahren?

Die Transitstrecke bin ich ein paar Mal gefahren, ja. In der DDR selbst war ich nie. Auf der Transitstrecke unterwegs zu sein fand ich eher unangenehm.

In der Zeit, als ich meinen ersten Film in Berlin gedreht habe, bin ich immer am Tiergarten joggen gegangen. In der Mitte meiner Tour hab ich eine Pause am Brandenburger Tor gemacht. Bin auf die Aussichtsplattform hoch, um über die Mauer zu schauen. Wo heute das Leben tobt war damals der Todesstreifen. Man blickte auf die Grenzsoldaten mit ihren Ferngläsern und den Hunden. Das war ein hartes Regime. 


 

Foto: ZDF Leo Pinter


Welchen Effekt hat der Film auf ein jüngeres Publikum. Geboren ab 1990. Was denken Sie?

Erst mal ist es spannend, sich selber in dieser Zeit zu sehen. Ich hab ja quasi meine Eltern gespielt. Das liefert einem einen ganz anderen Blick auf die Welt.

So ist es sicher auch für die jüngeren Zuschauer interessant sich die Frage zu stellen: 'Was für eine Welt war das in der meine Eltern jung waren?'



Foto: ZDF Leo Pinter


Der Film dreht sich um die beiden Schwestern Catrin (Cornelia Gröschel) und Maja (Sonja Gerhardt). Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein können. Die ihr Leben beginnen, die Liebschaften haben und auch Konkurrenz. Das in Verbindung mit der Historie - ein interessanter Stoff.

Die Geschichte, wie sich Ost und West in Badehose am Plattensee getroffen hat. Was haben sie geliebt, gelebt, gekämpft, gelitten, gehofft und gefeiert. Und drei Jahre später war die Mauer weg, wie auch die ganze Dramatik, um die Liebe und den Schmerz. Keiner hat ja mehr daran geglaubt, dass sich diese Grenze wieder öffnen würde.

Das ist doch irgendwie auch ein Lehrstück für uns, wie die Historie ganz eigene Wege geht.


 

 

 

 

Foto: ZDF Stefan Erhard


Sie spielen im Film den Erik Waller. Erik ist der Vater der 25jährigen Catrin. Sie weiß das allerdings nicht. Wie definieren Sie Ihre Rolle?

Ich hab ein bisschen gebraucht, um mich ihr anzunähern. Ich wäre sofort auf meine Tochter zugegangen und hätte direkt gesagt: Ich bin dein Vater!

Aber das Drehbuch hat das nicht erlaubt und deshalb musste ich mich eben dem Charakter von Erik erst nähern. Er ist eine ambivalente Figur, weil man nicht weiß, ob er gut oder böse ist. Aber genau das ist ja auch spannend.

Erik ist sehr egoistisch, weil er damals seine Freundin mit dem Kind sitzen gelassen hat, um in den Westen zu gehen. Und auch jetzt, wo die Ex Freundin sagt, er solle weg bleiben, sie in Ruhe lassen, kommt er trotzdem an den Plattensee, um seine Tochter endlich einmal zu sehen. Ich kann das verstehen. Er hat Bedürfnisse und bereut sein Verhalten. Er bringt eine ganze Familiengeschichte ins Wanken und setzt damit eine Lawine in Gang. Ich finde es gut, dass er das tut. Manchmal muss man auch etwas lostreten.

In einer Passage des Films sagen Sie den Satz: Es gibt Lügen, die uns beschützen können. Was halten Sie persönlich von dieser Aussage?

Ich würde versuchen immer die Wahrheit zu sagen. Mir fällt keine Situation ein, wo mich eine Lüge wirklich schützt. Lügen fangen irgendwann an zu stinken. Es ist schwierig langfristig mit einer Lüge zu leben.

Der Film ist mit Musik aus den 1980ern unterlegt. Welche Musik hören Sie gerne?

Ich habe mich ertappt, wie ich zur Musik mit gewippt habe. Man kann sich einfach nicht entziehen, 80ies halt, meine jungen Jahre. Ich glaube, dass auch die Jungen was damit anfangen können.

Zu hören waren beispielsweise Cyndi Lauper und George Michael ...

Ja, genau, „Time after Time“. Lächelt.

Musik, an die ich lange nicht mehr gedacht habe. Die erwischt einen dann voll und ganz. Das kribbelt im Bauch, herrlich.

Haben Sie mal etwas im Bereich des argentinischen Tangos gemacht?

Ich hab mal ein Hörbuch gemacht, wo es um den Tango Argentino ging. Das war jedoch bisher mein einziger Kontakt. In Berlin, da tanzen sie bei mir um die Ecke im Sommer immer unter freiem Himmel. Ich weiß nicht, ob ich der ideale Tango Tanzpartner wäre. Lacht.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Nein, ein Lebensmotto hab ich nicht. Don’t worry, be happy! Ich bin Optimist und glaube an das Gute im Menschen. 


Lieben Dank für das schöne Gespräch, Herr Raacke. Alles Liebe.




Foto: Steffi Henn / Glampool




Foto: Steffi Henn / Glampool


 

 

Foto: Steffi Henn / Glampool






Götz Schubert über Träume, den Tango und die Musik



'Mich muss Musik immer im Herzen erwischen'

Götz Schubert

 

 

Foto: Frank P. Wartenberg


Er ist mit Leib und Seele Schauspieler - Götz Schubert. Er hat bereits in vielen preisgekrönten TV Produktionen mitgewirkt. Nun ist er bald in dem ZDF Film "Der Chef ist tot" zu sehen. Bis es so weit ist, hier ein kleiner Auszug des Interviews.


Auszug

Interview mit Götz Schubert  

von Marion Graeber 

21. Februar 2017


Es heißt: „Es gibt so viele Wünsche im Leben, meistens traut man sich nicht, sie zu erfüllen. Und trotzdem, sollte man sie tun“.  Was sind Ihre Wünsche, gibt es einen Traum?


Nein. Sie erwischen mich gerade in einer Phase .... Die Momente genießen - Das wäre das, was ich Ihnen hierzu sagen kann. Mir geht es beruflich ganz gut. Ich bin in meiner langjährigen Beziehung an einem Punkt, der sehr schön ist. Wir haben uns gerade eine Auszeit genommen und waren unterwegs auf einer Reise. Auch mit meinen Kindern bin ich glücklich. Ich muss nicht auf den Mond fliegen, um glücklich zu sein.


Vielleicht tanzen Sie manchmal vor Glück? Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino?


Mir ist mal gesagt worden, man sollte als Paar nicht gemeinsam Tango tanzen, das würde nicht gut ausgehen. Wir haben mal einen Salsa Kurs zusammen gemacht. Selbst das war … lacht … Es gab sehr viele komische Situationen .. Lacht ... Leider gibt es sowas schon als Film. Darüber kann man auch sehr viel über eine Beziehung und über ein Paar erfahren. 


Welche Musik hören Sie?


Bei der Musik ist durchaus Tango mit dabei. Ansonsten geht es Querbeet von Jazz über Swing, Klassik und Pop. Ich bin auch ein Freund von Elektronikmusik.  Ich bin ein großer Fado Liebhaber. Mich muss Musik immer im Herzen erwischen. Dieses Sentimentale, das hat dann oft irgendwas mit mir zu tun. Das trifft mich. Ich liebe Musik, wenn ich unterwegs bin. Ich hab dann meine Kopfhörer auf meinen Ohren, höre meine Musik und betrachte die Welt. Sie gibt mir auch ein Gefühl von Heimat. Ich nehme dann sozusagen mein Zuhause mit in die Ferne, das mag ich.


Sie selbst sind dann in der anderen Welt eingebunden mit Ihrer Musik


Ja, genau


Haben Sie ein Lebensmotto?


Ein Lebensmotto gibt es nicht. Das ist vielleicht mein Lebensmotto.

 „Nur nicht zwingen, nur nicht zwingen, sonst geht es gar nicht“ – Das mag ich gerne.




Lieben Dank für Ihre Gedanken Herr Schubert





Das erweiterte Interview gibt es mit der Bekanntgabe des ZDF Sendetermins zu
"Der Chef ist tot"




'Ich habe ein einziges Mal in einer Rolle einen Tango getanzt. Das war ein Weihnachtsfilm und den Tango tanzte ich mit Erol Sander' 

Valerie Niehaus




"Sie haben ein Recht auf die Wahrheit!" Nach diesem Motto rollen Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll (Valerie Niehaus) und Kriminalhauptkommissar Mirko Kiefer (David Rott) als führende Köpfe eines Kompetenzteams des LKA Berlin aufgrund neuer Indizien ungelöste Kriminalfälle aus der Vergangenheit auf. Die Herausforderung bei dem neuen ZDF-Serienformat: Ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen wissenschaftlichen Ermittlungsmethoden, vergessenen Fällen und den Emotionen von Betroffenen, die endlich Gewissheit über Schicksalsschläge bekommen, so Produzent Joachim Kosack. "Die Spezialisten - Im Namen der Opfer", ab 8. Februar, immer mittwochs, 19.35 Uhr im ZDF.



Interview mit Valerie Niehaus  

von Marion Graeber 

8. Februar 2017


Krimis sind beliebt – wie erklären Sie sich die Faszination Kriminalfilm?


Ich hab viel darüber nachgedacht. Ich glaube, dass man es genießt, wenn ein Unrecht am Ende eines Films ins Recht gerückt wird. Des Weiteren, glaube ich das beruhigt. Gerade im Angesicht von so vielen unkontrollierbaren Dingen in der Welt. Wir fühlen uns dann wohler, wenn schlechten Menschen das Handwerk gelegt wird. Außerdem sind Kriminalfilme spannend. Das fesselt einen, man ist involviert und kann mitdenken.

 

Sie sind in vielen Rollen zu sehen. Oft in romantischen Komödien, jetzt als Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll in „Die Spezialisten“. Ist es das, was Ihren Beruf ausmacht – diese Rollenvielfalt?

 

Absolut. Ich bin dankbar dafür, dass ich in meinem Beruf so divers auftreten kann. Ich mag alle

Genres. Auch in meinem eigenen Fernsehverhalten oder beim Lesen lasse ich mich gerne durch verschiedene Genres treiben.

 

Krimis und gerade bei dem was wir bei den Spezialisten machen, das hat auch noch so ein paar andere Aspekte für mich. Als Rechtsmedizinerin beschäftige ich mich in unserer Serie mit Fällen, die schon eine ganze Weile zurück liegen. Wir haben immer auch historische Aspekte mit dabei. Das ist eine gute Kombination. Gerade mit den vielen bildlichen Mitteln, die wir im Fernsehen zur Verfügung haben.

 

Wie charakterisieren Sie Katrin Stoll?


Sie ist ein hingebungsvoller, disziplinierter Mensch. Gerade in Bezug auf ihre Arbeit. Aber sie kann definitiv besser mit ihren Leichen umgehen als mit den Menschen. Sie ist Einzelgängerin. Das eben auch zu dem Preis, dass man nicht so geübt ist, wie sich die anderen untereinander verhalten. In der Hinsicht ist Katrin überfordert.  Sie ist in ihrer Arbeit erfüllt und hat viel zu geben, aber wenn es darum geht Gespräche zu führen, ist es für sie nicht so einfach. Sie hat

auch nicht besonders viel Humor. Ich finde sie deswegen schon ziemlich witzig, weil Leute, die

gar keinen Humor haben schon so unfreiwillig witzig sind. Wenn Katrin einen Witz macht geht es immer nach hinten los und wenn sie keinen Witz machen will, ist es witzig. Sie hat so eine gewisse Unbeholfenheit, obwohl sie ganz souverän auftreten will. In diesem Spannungsverhältnis bewegt sich Katrin Stoll.


Mit einem kleinen Augenzwinkern – wieviel Valerie Niehaus ist in Katrin Stoll?


Lachen – Also, ich bin auch Einzelgängerin und dadurch, dass ich das auch selber bin, hat das Porträt auch was Eigenes. Ob Einzelgänger oder Gruppenmensch - man ist meist so, weil man so zur Welt gekommen ist. Das teile ich mit ihr. Doch es ist nicht ganz so extrem bei mir. Ich habe einen Beruf, der mich zu den Menschen bringt. Da unterscheidet uns doch viel und ich wage zu behaupten, dass ich mehr Humor habe, als Katrin. Ich glaube nicht, dass man als Schauspieler so weit weg von sich selbst ist. Jeder schaut mit seinen Augen. Der Schauspieler auch. Man geht als Schauspieler selten so vollkommen weg von sich. Lacht.


In der Serie „Traumhafte Zeiten“ ist das Mordopfer in einem Gebrauchtwagen zusammengepresst zu einem Würfel 26 Jahre später als Kunstobjekt ausgestellt. Was bedeutet Ihnen Kunst – unabhängig von diesem Würfel?


Mir bedeutet in der Tat diese Arbeit, die bildende Künstler machen, sehr viel. Es ist für mich eine Sprache.  Ob ich sie verstehe oder nicht verstehe, nachvollziehen kann oder nicht – diese Sprache eröffnet mir die Gedanken- und Gefühlswelten anderer Menschen. So ist es auch beim gemeinsamen Besuch einer Ausstellung. Wie nimmt der Andere die Kunst wahr? Dann die Gespräche, die man dazu führen kann. Das ist eine wunderbare Begegnung. Das sehe ich auch, wenn ich ins Konzert  oder ins Theater gehe, eine Film sehe, der mich bewegt.  Das alles sind Künste, die uns berühren können. Vor allem in Berlin, da habe ich tolle Möglichkeiten. Aber auch anderswo gibt es immer etwas, was man anschauen kann. Es ist immer besonders, was Menschen in einem von der Muse geküssten Moment erstellt haben.


Leben und Tod sind nah beieinander. Das wird einem auch anhand von Kriminalfilmen immer wieder bewusst. Was ist Ihnen im Leben wichtig? Haben Sie ein Lebensmotto?


Eigentlich gibt es das Lebensmotto ja oder nein. Dazwischen gibt es für mich nichts und ich glaube, es liegt viel Arbeit darin, etwas klar und einfach auszudrücken. Diese Klarheit ja oder nein anzustreben, das halte ich für sehr hilfreich. Also ja und nein – mein Lieblingslebensprinzip.


Ein Film ist immer auch mit Musik unterlegt. Hier beispielsweise „Personal Jesus“ von Depeche Mode. Passend zum Film. Passend in die Zeit. Welche Musik hören Sie gerne?


Ich bin als Schauspielerin den Künsten zugewandt. Meine Musiksammlung erstreckt sich über sehr viele Gebiete und geht weit zurück. Außerdem habe ich einen  15 jährigen Sohn zuhause, da bin ich von seiner Wahrnehmung zusätzlich beeinflusst.  

Ich finde das an unserer Serie eine ganz tolle Sache. Es gibt die historischen Fakten, die eine Welt, den Zeitgeist und die Lebensweise der historischen Figuren vermitteln. Es wird gezeigt, wie Menschen damals ausgesehen haben. Die Musik, das ist auch ein ganz wichtiger Punkt, wenn man Personen, Charaktere vorbereitet. Musik löst Sehnsüchte aus oder Erinnerungen. Was hat uns belustigt, was traurig gestimmt? Als Kind der 1970er Jahre kann ich mich an das Lied von Depeche Mode natürlich sehr gut erinnern. Des Weiteren haben wir in dieser Staffel eine „David Bowie Folge“ dabei dieses Jahr.  Musik spielt wirklich eine große Rolle und es ist interessant, was es auslöst, wenn man ein Lied von früher hört. Jeder hat da seine eigenen Erinnerungen. Jeder ist involviert mit seinem eigenen Leben. Dem einen bringt es schöne Zeiten zurück, dem anderen vielleicht ein trauriges Ereignis. Es steckt eine unglaubliche Kraft in der Musik.


Haben Sie schon einmal Tango getanzt?


Ich habe ein einziges Mal in einer Rolle einen Tango getanzt. Das war ein Weihnachtsfilm und den Tango tanzte ich mit Erol Sander. Das war ein sehr schöner Tango und das hat Spaß gemacht. Darüber hinaus leider nicht. Wer weiß, was in Bezug auf den Tango, noch vor mir liegt. Es ist auf alle Fälle eine schöne Sache, mit der Sie sich beschäftigen.


Ich genieße das



Lieben Dank Frau Niehaus für das schöne Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut.




 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: ZDF Richard Hübner



Foto: ZDF Richard Hübner




'Die Tanzszenen im Film, das war für mich extrem mitreißend'

Pegah Ferydoni



Foto: Stefan Klüter






Gemeinsam mit seiner Mutter Elvira (Gaby Dohm) reist Robert Hansen (Janek Rieke) nach Indien, um dort seine mittlerweile zweijährige Nichte Suri (Margarita Novopavlovskaya) bei deren Leihmutter abzuholen. Während Elvira der Gedanke, bald Oma zu sein, begeistert, handelt der pragmatische Robert eher aus einem Pflichtgefühl heraus. Von der Existenz des Mädchens hat er erst vor kurzem erfahren, als er die Unterlagen seiner tödlich verunglückten Schwester Anke sortierte. Nun glaubt er, Ankes letztem Wunsch gerecht werden zu müssen: Er will Suri nach Deutschland bringen und für sie sorgen.

Nach ihrer Ankunft in der heiligen Stadt Varanasi erfahren sie, dass das kleine Mädchen plötzlich verschwunden ist: Ganesh, der Ex-Mann (Amit Shrivastava) von Leihmutter Parvati (Pegah Ferydoni), hat das Kind entführt. Angeblich weil er Parvati, die einer niederen Kaste angehört und in ärmlichen Verhältnissen lebt, schützen will. Denn als Mutter eines blonden und hellhäutigen Mädchens, wird sie von ihrem Umfeld geächtet.

Nur widerwillig begibt sich der vorsichtige Robert auf die Suche nach dem entführten Kind. Doch als er Suri, das Ebenbild seiner verstorbenen Schwester, zum ersten Mal sieht, gibt es für ihn keinen Zweifel mehr: Er muss seine Nichte retten. Gemeinsam mit Parvati nimmt er die Verfolgung auf – quer über den Ganges. Von Roberts abenteuerlicher Reise weiß seine Mutter jedoch nichts. In der Sorge um ihren Sohn, findet sie bei dem deutschen Aussteiger Fluppe (Heinz Hoenig) Trost.

ZDF Sonntag, 5. Februar, 20.15 Uhr "Fluss des Lebens - Geboren am Ganges"




Foto: ZDF Simon Grohe




Interview mit Pegah Ferydoni  

von Marion Graeber 

30. Januar 2017




Haben Sie Indien das erste Mal besucht?

 

Ja, das war mein allererstes Mal. Aufregend.

Wie lange waren Sie in Indien?

Etwa sechs Wochen.

Wie haben Sie das Land, die Menschen erlebt? Wie war der Kontakt zu Einheimischen?

Ein Großteil unseres Teams waren Inder. Da hatte ich gleich mal Anknüpfungspunkte. Das waren Leute aus Großstädten. Aus der Filmindustrie.

Wie war Ihre Rolle angelegt, wie haben Sie sich mit Ihrer Rolle auseinandergesetzt?

Ich habe im Film eine Frau gespielt, die aus Varanasi kommt. Dort in den Slums lebt.  Ich habe mir gewünscht, dass ich mal eine einheimische Familie besuchen darf. Das hat auch geklappt und ich hab einen Tag mit  einer siebenköpfigen Familie verbringen dürfen. Sie haben später auch meine Nachbarn im Film gespielt. Bei den Dreharbeiten hatte ich weiterhin Kontakt. Das war schon sehr besonders für mich. Ich war schon in vielen Ländern unterwegs, aber ich hatte zuvor nie die Möglichkeit mit Menschen in Kontakt zu treten, die so wenig haben. In Indien ist die Armut schon krass. Es war für mich ein großes Privileg und eine Ehre, dass mich diese Familie zu sich eingeladen hat. Ihr zuhause ist ein Zelt am Gangesufer, mitten in den Slums. Sieben Menschen auf drei Quadratmetern. Sie wohnen auf dem blanken Boden. Sie haben mich eingeladen, mir gezeigt, wie sie kochen und Wäsche waschen. Sie haben mich ohne Vorbehalte teilhaben lassen.

Warmherzige Menschen?

Ja, ganz warmherzige Menschen.

 

 

 

 

Foto: ZDF Ankit Kumar Pandey



Wie haben Sie sich verständigt?


Aufgrund meiner Muttersprache, Persisch, konnte ich ein bisschen Hindi verstehen. Ich hatte dann jeden Tag zwei Stunden Unterricht. So konnte ich mich etwas mit den Leuten unterhalten. Das war echt besonders.


Waren die hygienischen Bedingungen eine große Herausforderung?


Ja, das war eine Herausforderung. Varanasi ist eine der schmutzigsten und chaotischsten Städte. Es gibt kein Abwasser, keine Müllabfuhr. Alles wird an Ort und Stelle entsorgt. Man steht manchmal knöcheltief im Unrat. Das muss man schon ertragen können. Den Kopf ausschalten und angstfrei rangehen. Ich bin nicht krank geworden und hab auch keine Parasiten mit nach Hause genommen, obwohl ich Barfuß durch die Slums gelaufen bin. Das war auch wichtig, um meine Rolle verkörpern zu können. Berührungsängste abbauen und eintauchen.

Hatten Sie Angst vor der Reise?


Man hat so eine romantische Vorstellung von Indien. Dann kommt man dort an und alles ist so real. Da sitzen Menschen am Straßenrand und man weiß nicht, schlafen die da oder sterben sie.



Foto: ZDF Ankit Kumar Pandey



Wie sind Sie dort mit dem Tod umgegangen?


Es war für mich sehr heilsam. Das Leben findet draußen statt und das Sterben auch. Nicht wie bei uns hinter verschlossenen Türen. Alles ist in Indien sehr öffentlich. Varanasi ist eine heilige Stadt. Ein gläubiger Inder träumt davon in Varanasi zu sterben. Die Toten werden durch die Straßen getragen hin zum Krematorium. Das erlebt man täglich. Wenn man viel Zeit am Ganges verbringt, sieht man, es gibt auch viele Tote am Ganges, am Ufer, im Wasser. Man bekommt das alles mit, aber es ist das Leben und der Kreislauf. Die Menschen die dort aufwachsen leben mit dem Tod. Er ist selbstverständlich. Kein Drama. Das war etwas, was ich als extrem heilsam empfunden habe.

Mit Trauer umgehen. Vergangenes Jahr, war ja auch so ein Jahr, wo viele Persönlichkeiten gestorben sind, ich Freunde verloren habe. Ich wusste nicht so recht, wie ich damit umgehen soll. Diese Erfahrung in Indien hat mir sehr geholfen.


Hat Sie das verändert?


Verändert nicht. Ich möchte behaupten, dass ich auch vor meiner Reise nach Indien eine bewusste Lebensweise hatte. Verantwortungsvoll mit Resourcen umgehen, ökologisch nachhaltig zu wirtschaften und zu denken - das hatte ich alles vorher schon. Aber auf emotionaler Ebene war das eine beeindruckende Zeit.


Sind Sie religiös?


Für mich ist Religion kein so großes Thema, eher Spiritualität. Das ist etwas was einem in Indien auf Schritt und Tritt begegnet. Auch in der Musik und in Klängen. Man ist umgeben von Ritualen. Das hat mich bewegt.


Klänge und Farben


Ja, es ist schon alles sehr bunt. Auch das Licht ist anders. Ich glaube auch, die Inder können Farben viel besser unterscheiden als wir. Detaillierter. Das war verrückt, ich wollte mir einen roten Sari kaufen. Der Verkäufer hat hundert rote Saris vor mir ausgebreitet. Ich sah keinen Unterschied.


Sie waren im Film und in Indien auch von Musik umgeben. Was hören Sie privat?


Ich höre generell gute Musik. Für mich ist gute Musik die Musik, bei der sich der Macher was gedacht hat. Wo ein Gefühl von Freiheit transportiert wird. Ein Wunsch. Das kann Klassik sein, Jazz, Weltmusik oder auch Pop. Ich bin ein großer Popliebhaber. Bei der indischen Musik, da gibt es auch so viele Unterschiede. Tanzmusik, aber auch sakrale Musik. Alleine die Tanzszenen im Film, das war für mich extrem mitreißend. Ich hoffe, dass sich das auf die Zuschauer überträgt. Das ist ein Lebensgefühl wenn man dort mit 400 Bewohnern zu dieser Musik tanzt. Da war ein Glanz in den Augen. Das hat mich sehr getragen.


Das geht tief?


Ja, sehr tief.


Haben Sie schon einmal Tango getanzt?


Ich durfte vor einigen Jahren für einen Fernsehfilm den Tango lernen. Ich sollte ihn innerhalb von 48 Stunden bühnenreif tanzen können. Ich hatte dann einen Crashkurs bei einem argentinischen Tangotänzer. Ich habe das große Glück, dass ich aus einer Tänzerfamilie komme. Meine Mutter ist ausgebildete Tänzerin und ich habe quasi das Tanz Gen in mir. Ich kann diese Dinge schnell aufgreifen und übersetzen. Der Tango – das war auch eine wundervolle Erfahrung.

Auch der Tango geht tief. Es steht eine ganze Philosophie und Haltung dahinter. Ein Lebensgefühl, eine Sehnsucht und auch die Erotik. Diese Reibung zwischen Dominanz und Anschmiegsamkeit, das finde ich schon sehr interessant.


Haben Sie ein Lebensmotto?


Das ist eine gute Frage. Ja, schon irgendwie. Ein Gedanke, der mich trägt ist es zu sagen „Keine Angst und keine Pläne – sehen was kommt, fließen lassen“.

Erstmal ja sagen, bevor man nein sagt. Sich voll und ganz reinwerfen. Ob sprachlich, im Tanz, in der Bewegung, im Film, auf einer Reise – sich voll und ganz reingeben. Das was man tut auch so meinen, ausfüllen und transportieren.


 

Vielen Dank für das interessante Gespräch Frau Ferydoni



Foto: ZDF Ankit Kumar Pandey


Foto: ZDF Ankit Kumar Pandey

 

Foto: ZDF Ankit Kumar Pandey

 

 

 

 




'Ich brauche die Musik, um für mich den Reset Button zu finden'

Jochen Horst



Foto: Max Sonnenschein




Jochen Horst absolvierte 1986 in Graz die staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst mit Auszeichnung (Summa cum laude) im Studienbereich Schauspiel und wechselte anschließend nach London, um am Lee-Strasberg-Institut unter Anna Strasberg zwei weitere Jahre sein Studium zu vertiefen.

Horst wurde 1986 mit dem O.E. Hasse-Preis als Bester Newcomer des Jahres ausgezeichnet und einem breiten Publikum in der Rolle des Sascha in der Fernsehserie 'Das Erbe der Guldenburgs' bekannt. 1996 erhielt er für seine Rolle in 'Balko' den Adolf-Grimme-Preis.

Er wirkte in internationalen Produktionen, wie beispielsweise 1990 in 'Die Entführung der Achille Lauro' mit Burt Lancaster und 1993 'Der Zementgarten' mit. Zusätzlich arbeitet er am Theater. Jochen Horst hat mit Anouschka Renzi eine Tochter namens Chiara. Heute ist er mit Tina Ciamperla verheiratet. Mit ihr hat er einen Sohn, Chazz.


Interview mit Jochen Horst  

von Marion Graeber 

11. November 2016




Sie leben zwischen Palma de Mallorca und Berlin. Wie fühlt sich das an?


Ich wohne mit meiner Familie in Palma, bin aber hauptsächlich in Deutschland unterwegs. Ich arbeite die meiste Zeit.


Ihre Familie begleitet Sie nicht?


Meine Frau und mein Sohn sind zuhause. Mein 13jähriger Sohn geht zur Schule und braucht einen Fixpunkt. Diesen hat er in Mallorca. Es ist wichtig, dass er ein zuhause hat, auf das er sich verlassen kann.


Wie oft können Sie zu Ihrer Familie reisen?


Wir sind im 21. Jahrhundert. Die meisten Väter in der Klasse meines Sohnes sind Kapitäne, fahren zur See oder sind irgendwie anders unterwegs. Kaum ein Vater arbeitet von 9 bis 17 Uhr. Wenn Sie sich umschauen – das ist in den meisten Familien so.


Familienstrukturen haben sich geändert?


Ja, es hat sich viel in den Familienstrukturen geändert. Mich wundert das, wenn Menschen mich fragen: „Dann siehst du deine Familie vier Wochen nicht?“ … Ich denk mir: „Auf welchem Planeten wohnt ihr denn?“


Hat das auch mit dem Beruf des Schauspielers zu tun?


Ich bin seit 35 Jahren in meinem Beruf. Also in unserem Beruf war das immer schon so. In anderen Bereichen war das damals noch ein Novum. Das hat sich heute geändert. Es sieht doch in den meisten Familien heute so aus.


Fixpunkt in den Familien ist also die Frau und Mutter?


Das Verhältnis zwischen meiner Frau und meinem Sohn ist viel enger. Das ist klar. Ich bin da nicht eifersüchtig drauf. Ich bin froh, dass er ein gutes Verhältnis zur Familie hat. Ich bin eben nicht der ständig anwesende Vater. Das geht leider nicht. Ich nutze die Zeit zuhause dafür umso intensiver.


Foto: Max Sonnenschein



Sie hatten nun über einen längeren Zeitraum in Köln ein Engagement. Wo wohnen Sie da?


Es gibt Theaterwohnungen.


Was ist für Sie der Unterschied zwischen der schauspielerischen Arbeit auf der Bühne und beim Dreh am Set?


Was mir mehr Spaß macht, das ist immer das Theater. Da komm ich her. Ich bin im Theater groß geworden. Gleich mit 18 Jahren wurde ich am Staatstheater Hannover vom Fleck weg engagiert. Damals spielte ich mit Maria Schrader. Bin dann erst nach diesem Engagement zur Schauspielschule gegangen, um den Beruf richtig zu erlernen.


Sie sagen also, Sie kommen vom Theater?


Ja. Das macht mir am meisten Spaß. Wenn ich abends von der Bühne nach Hause komme, dann bin ich gut gelaunt und voller Energie. Nach einem Dreh bin ich müde. Übers Drehen geb ich sehr viel ab. Es ist wahnsinnig anstrengend. Das darf man natürlich nicht sehen. Ich versuche das dann so leicht wie möglich zu machen – das zieht Energie.


Lieben Sie auch die direkte Interaktion mit dem Publikum?


Ich gehör nicht zu den Schauspielern, die jeden Abend das Gleiche machen. Für viele Kollegen ist das schwierig. Lacht. Die beschweren sich auch ab und zu. Aber ich brauch das, um mich wach zu machen. Ich denk mir immer neue Sachen aus. Bei 160 Vorstellungen musst du dir auch immer kleine Aufgaben stellen.  Auch das Publikum hat das Recht darauf, dass sich immer ein bisschen was verändert.


Sie improvisieren also?


Viele sagen, dass es improvisiert ist. Meine Kollegen beschweren sich, wie gesagt, oft. Ich liege in meinen Improvisationen auch manchmal falsch. Gehe in die falsche Richtung. Aber das ist der Reiz des Theaterspielens. Und es ist der Reiz für die Theaterschauspieler. Es ist eine Reise.


Und die Kollegen machen diese Reise mit ...


Ja, die Kollegen machen die Reise mit. Jeden Abend. Lächelt.


 

 

 

 

Foto: Max Sonnenschein




Gab es Alternativen zur Schauspielerei?


Eigentlich nicht. Ich wollte mal Fernfahrer werden. Das find ich immer noch interessant. Auch Pfarrer - eine Zeit lang. Und Zirkusclown. Zirkusclown – das hat sich lange gehalten. Die Schauspielerei hat ja auch mit Clownerie zu tun. Lacht.


Sie lieben also auch die komische Seite des Berufs?


Richtig gute Clown-Acts, das gibt es heute fast nicht mehr. Nur ne rote Nase auf der Nase, das reicht nicht aus. Es gibt nicht mehr viele, die das können. Ist leider eine aussterbende Form.

Ich habe gelesen, Sie reisen gern?


Ich bin eigentlich schon mit 20 Jahren ausgewandert. Ich glaub ich bin so oft in meinem Leben ausgewandert, wie andere umziehen. Es gibt nicht mehr viele Abenteuer im Leben zu bestehen. Wir leben ja immer sicherer. Wir können uns über die Medien der Illusion hingeben, dass wir Abenteuer erleben. Das hat mir nie gereicht. Das war nie Ersatz. Ich reise wahnsinnig gern. Es fällt mir schwer über einen längeren Zeitraum an einem Ort zu sein.


Was bedeutet das Reisen für Sie?


Ich schau mich gerne um. Bin interessiert. Ich wollte auch immer interessiert bleiben. Ich möchte nie an den Punkt kommen, wo ich sage – jetzt reichts. Ich hoffe, das wird nie passieren.

Gibt es einen Lieblingsort?


Ich bin immer ganz gern in arabische Länder gereist. Das ist ja leider im Moment schwieriger geworden aus offensichtlichen Gründen. Ich bin kein ängstlicher Typ, aber ich merke, wenn mich Gefahr umgibt. Dann werd ich vorsichtig. Ich hab keine Angst um mich, aber um meine Familie. Ich halte auch nichts von der Deutschen Mentalität „Jetzt erst recht“.  Ich höre auf meinen Bauch.


Kennen Sie den Tango Argentino? Sind mal in Buenos Aires gewesen?


Ich war in Venezuela und in Peru. Die anderen lateinamerikanischen Länder kenne ich noch nicht. Meine Frau ist eine große Tänzerin. Daher kann ich auch ein bisschen den Tango.


Mögen Sie die Musik? Welche Musikgenres hören Sie?


Ich bin eher so der klassische Musikhörer. Wenn ich den Tango höre, dann geht das für mich über das Bandoneon. Das find ich super. Das ist die einzige Form den Tango zu erklären. Das ist meine Ansicht, aber ich bin da nicht der Experte. Lächelt.

Bezüglich der Musik, geht es mir nicht darum, die aktuellen Charts zu hören. Ich brauche die Musik, um für mich den Reset Button zu finden. Um die Stimmung zu finden, die ich brauche, um beispielsweise auf die Bühne zu gehen. Ich hab da immer Musik mit dabei. Was genau, das variiert von den klassischen gregorianischen Gesängen von Mönchen über die Doors zu Justin Biber. Ich höre immer bestimmte Sachen.


Glauben Sie an Zufall oder Schicksal?


Ich weiß nicht. Manchmal denk ich darüber nach. Mittwochs denk ich dann nein, es gibt keine Zufälle und donnerstags denk ich dann, doch.


Haben Sie ein Lebensmotto?


Ein Lebensmotto zeigt nur Prinzipien auf. So möchte ich nicht leben.  


Was ist Glück?


Glück ist, wenn man in den Umständen leben kann, die man für sich haben möchte. Glück ist geliebt zu werden und auch zu lieben oder lieben zu können. Es ist, glaub ich schwer, glücklich sein zu können, wenn man alleine ist. Es sei denn, man hat einen Hund oder einen Vogel. Glück ist ganz sicher nicht von materiellen Dingen abhängig. Glück ist auch keine Langeweile zu haben. Glück heißt auch, sich selbst zum Lachen zu bringen. Das kann ich ganz gut. Lacht.


Sind Sie glücklich?


Ich würde sagen, ein Mensch, der konstant glücklich ist, ist ein Idiot. Ich glaube, das gibt es nicht. Da wird man irre. Es gibt Glücksmomente.

Aber Sie sind ein fröhlicher Mensch ...


Ich bin jetzt kein Spaßmacher. Kein Presenter. Kein Stand Up Comedian. Ich kann auch Witze nicht gut erzählen. Ich würde mich also nicht als Spaßmacher bezeichnen der in der Bar sitzt und Leute unterhält. Wer das so möchte, der sollte mich nicht einladen. Lacht.


Kennen Sie Ihr Wesen?


Nein. Überhaupt nicht. Ich überrasch mich immer wieder. Ich bin auch sehr überrascht, wie ich auf Dinge reagiere. Was es für Dinge gibt, von denen ich nichts weiß. Ich bin froh darüber. Ich bin auch noch relativ naiv. Vielleicht gehört das auch zum Glück. Nicht diese Abgeklärtheit. Das möchte ich auch gar nicht. Das wär vielleicht auch tödlich für meinen Beruf.


Gibt es Ziele, nächste Schritte, oder lassen Sie sich treiben?


Ich lass mich treiben. Ich plane nie länger als zwei oder drei Monate. Das mach ich seit 35 Jahren so. Das ist erlernt. Ich komme aus einem Elternhaus, wo das Gegenteil gelehrt wurde. Ich hab gelernt, dass das nicht funktioniert.


Sind Sie Einzelgänger oder Gruppenkind?


Ich war schon als Jugendlicher nie in Gruppen unterwegs. Bin lieber allein oder zu zweit. Da bin ich zu sehr Individualist. Ich reagiere auf Impulse. Möchte mich nicht mit fünf Leuten absprechen müssen. Es gibt Menschen, die können das. Ich find das furchtbar.


Wie ist das mit der Familie?


Mit der Familie ist das was anderes. Da maul ich dann auch mal. Lacht. Ich bin wie ich bin. Aber ich versuche es ihnen immer recht zu machen. Mit meiner Frau bin ich jetzt seit 14 Jahren verheiratet. Es kommt mir so vor, als sei unser Zusammentreffen erst vergangene Woche gewesen. Wir haben beide sehr schwierige Beziehungen hinter uns.


Foto: Max Sonnenschein



Was ist wichtig in einer Beziehung?


Sich Freiräume zu lassen.


Was möchte Ihr Sohn einmal beruflich machen? Gibt es dafür schon Anzeichen?


Mein Sohn macht sehr viel. Unter anderem ist er in der Schule in der Theatergruppe und auch in einem Jugendtheater. Ich hab meinem Sohn allerdings gesagt, dass ich nicht will, dass er ein schlechter Schauspieler wird. Das Publikum langweilen, das ist ein Verbrechen. Doch er ist schon seit vier Jahren schauspielerisch unterwegs und es macht ihm sehr viel Spaß. Ich sehe, wie er sich entwickelt. Wie er auch eine Direktheit entwickelt, die ich sehr spannend finde und die auch was verspricht. Er ist ehrlich und unkompliziert. Und das ist eine großen Kunst.


Wächst Ihr Sohn mehrsprachig auf?


Ja, in der englischen, deutschen und spanischen Sprache. Das ist heute wichtig.


Ist es schwierig ein Kind mehrsprachig zu erziehen?


Ja, das ist schwierig. Wir müssen immer darauf achten, dass es ausgewogen ist. Unser Sohn spricht mit meiner Frau in der deutschen Sprache, mit mir in der englischen und im sozialen Umfeld in der spanischen Sprache.


Ja, Sie haben einen englischen Background.


Mein Opa, der Vater meines Vaters, ist dem umgekehrten Weg ausgewandert. Aus den USA (Chicago) nach Deutschland. Mein Vater ist schon zweisprachig aufgewachsen. Ich auch.


Verfolgen Sie ein soziales Engagement?


Sie werden mich in keiner Partei oder Vereinigung finden. Ich versuche einfach in meiner kleinen Welt ein bisschen Ordnung zu schaffen, wo ich glaube, dass es nötig ist.


Sie haben einen Blog namens Fatcherry. Was verbirgt sich dahinter?


Fatcherry ist für mich im Grunde eine Fortsetzung von facebook. Für die Berichte, die ich gern machen möchte, für die auf facebook kein Platz ist. Wenn ich einen Film posten möchte, beispielsweise. Auf Fatcherry soll man sich Inspiration holen können. Dafür braucht man Zeit.

Ich selbst verbringe viel Zeit mit Fatcherry und ich bekomme so unglaublich viel Schönes zurück. Ich hab den Blog vor zwei Jahren gegründet und möchte ihn gern weiter ausbauen. Ursprünglich hatte ich vor, einen Kunstblog zu machen, dann hab ich mir gedacht, Kurzfilme mit aufzunehmen. Es entwickelt sich in verschiedene Richtungen. Ich hab halt viel zu erzählen. Lacht.


Sie schreiben auch ein Buch?


Ich bin an meinem zweiten Buch. Bin richtig arbeitswütig im Moment. Ich hab festgestellt, dass es kein ernst zu nehmendes Sachbuch gibt, das meine Kunst beschreibt. Das setze ich jetzt um.



 

 

 

 

Foto: Marion Graeber



Vielen Dank für das offene, intensive und wundervolle Gespräch, Jo




 


'Ich bin ein Tangobär'

Harald Krassnitzer


Foto: Marion Graeber

 


Wieviel Freiheit braucht eine langjährige Beziehung - und wieviel davon verträgt sie überhaupt? Dieser Frage müssen sich Doris (Jutta Speidel) und Simon (Harald Krassnitzer) nach 38  Ehejahren stellen. Denn obwohl die Eltern zweier Kinder noch immer glücklich miteinander sind, verliebt sich Doris in den sympathischen Arzt Johannes (Peter Kremer). Doch als sie Simon die Affäre gesteht, reagiert der unerwartet: Völlig ruhig und rational überlässt er Doris die Entscheidung, mit wem sie ihr künftiges Leben verbringen möchte. Damit stellt er nicht nur seine Frau und deren Geliebten, sondern auch Freunde und Familie auf eine harte Probe.

'Wenn es Liebe ist' - ZDF Herzkino - Sonntag, 6. Nov., 20.15 Uhr


 

Interview mit Harald Krassnitzer   

von Marion Graeber 

20. Oktober 2016

 

Wie ist das mit der Toleranz in einer Beziehung?

Das ist die entscheidende Frage. Wer hat ein verbrieftes Recht auf einen anderen? Keiner hat einen Eigentumsanspruch auf den anderen in einer Beziehung. Niemand ist Herr über die Gefühle des Anderen.


Eine Beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass ich eine Entscheidung treffe, mit jemandem zusammen sein zu wollen. Diese Person beeindruckt mich offensichtlich aus irgendeinem oder mehreren Gründen. Und ich werd einen Teufel tun, diese Gründe permanent zu domestizieren oder sie weg machen zu wollen. Ich find es doch viel spannender zuzuschauen, was daraus wird. Das Schöne ist doch, und da beginnt für mich Toleranz, zu sehen, wie sich jemand entfaltet. Und, wie man jemand innerhalb einer Beziehung dabei helfen kann, ohne ihn dazu machen zu wollen, was einem selber näher liegt. Somit hat Toleranz eine sehr hohe Bedeutung.

Zwei Leben die da zusammen kommen und ein jeder das Recht hat auf seine eigene Individualität innerhalb der Beziehung?

Ja, aber es gibt ein Komittment. Beide entscheiden ja zusammen sein zu wollen. Dafür hat man die Wahl zwischen mehreren Varianten. Das wird zu Beginn einer Beziehung geklärt.

Die Basis muss also stimmen?

Ja, die Basis muss stimmen.

Im Film wird ganz offen mit der Affäre Ihrer Frau Doris (Jutta Speidel) mit Johannes (Peter Kremer) umgegangen. Ist das der richtige Weg? Sollte eine Affäre offen kommuniziert oder doch lieber verheimlicht werden?

Sagen wir mal so, ich würde etwa Kinder in der Pubertät nicht an einen Tisch holen und sagen: „Hört mal zu, eure Mama hat was mit einem anderen Mann am Laufen, der sitzt im Übrigen auch hier. Was sagt ihr dazu?“

Im Film sind da erwachsene Kinder. Menschen, die eine gewisse Möglichkeit haben etwas zu reflektieren. Und dann find ich es gut, wenn man das offen macht  und mitteilt. Es ist kein Tribunal, sondern eine Entscheidung, die mitgeteilt wird. Man kann sich natürlich auch durch die Hintertür hinausschleichen. Einen Brief schreiben. „Es tut mir leid, war ne schöne Zeit mit euch, aber ich hau jetzt mal ab“. Man kann sich auch sagen, dass einem alles völlig egal ist und dann ist man einfach weg. Es gibt viele Möglichkeiten. Diesen Weg zu gehen, wie im Film aufgezeigt, find ich den spannendsten.

Diese Offenheit beeinflusst in jedem Fall nicht nur Simon und Doris, sondern vielmehr die ganze Familie. Gerade die Tochter Julia (Annika Blendl) findet durch die Situation ihrer Eltern einen Zugang zu mehr Selbstbewusstsein.

Ich glaube, dass das oft ein Thema für Frauen ist – Wie finde ich meinen Weg. Privat oder in der Gesellschaft. In vielen Bereichen stehen wir da noch ganz am Anfang, wie beispielsweise bei Themen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Frauen in Führungspositionen und so weiter, aber auch die Rolle einer Frau zuhause.

Wie gehen Sie persönlich mit Problemen um? Kann Musik Ihnen helfen? Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?

Ich höre ich ihn gern und sehe auch gerne zu. Ich bin sozusagen ein Tangobär. Aber wenn, dann würde ich für mich tanzen, in den eigenen vier Wänden, oder vielleicht mal in unbeobachteten Momenten, weil ich das angenehm finde. Aber nicht in der Öffentlichkeit, das wäre mir unangenehm. Das ist sicherlich ein lustiger Anblick, mich Tango tanzen zu sehen. Lacht.

Ich würde Sie gerne Tango tanzen sehen

Ersparen Sie es sich. Lacht. Es gibt bestimmte Naturkatastrophen, die sollte man sich ersparen.

Wie beschreiben Sie für sich den Tango?

Der Tango ist eine Sprache. Eine Kommunikationsform. Ein Spiel. Ich sag mal, ein sehr lebendiges Schachspiel, ein Blitzschach, oder ein Strategiespiel. Es hat miteinander zu tun. Mit Führen und Gegenführen im besten Falle.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Nein, weil ich das komisch finde. Da legt man sich so einen Satz zurecht. Vielleicht am ehesten noch, was Peter Ustinov schon gesagt hat:

Es ist wichtig, dass du irgendwann mal drauf kommst, dass das, was wir da machen nicht die Generalprobe ist, sondern schon die Vorstellung.

Aber das würde ich nicht zwingend als Motto sehen.

 

Lieben Dank für das schöne Gespräch Herr Krassnitzer


Foto: ZDF Jaqueline Krause-Burberg

 


Foto: ZDF Jaqueline Krause-Burberg



Foto: ZDF Jaqueline Krause-Burberg










SOKO Stuttgart





Fotos: Marion Graeber



 

 

 

 


 

'Astor Piazzolla hab ich schon als Teenager geliebt. Mein liebstes Stück ist 'Oblivion', das extrem melancholisch und leidenschaftlich ist' 

Suzan Anbeh  

  

 

Foto: Uwe Hauth

 

 

Interview mit Suzan Anbeh    

von Marion Graeber 

10. März 2016

 

Es geht um den Tango, ihre Zeit in Paris, in Hollywood und in Berlin. Wir sprechen über Heimat, Musik und viele andere Dinge die bewegen.

 

Suzan Anbeh im deutschen Fernsehen: Im ZDF Herzkino ist Suzan Anbeh am Sonntag, 27. März, 20.15 Uhr in Rosamunde Pilchers "Schutzengel" zu sehen. Nach der Kurzgeschichte "The Birthday Treat". Als junge Frau hatte Kate gegen ihren kriminellen Ehemann Ted Kinnock ausgesagt. Da er ihr nach der Urteilsverkündung Rache schwor, wurde Kate ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Mit neuer Identität und ihrem mittlerweile erwachsenen Sohn Channing lebt Kate seitdem glücklich in Cornwall. Doch je älter Channing wird, umso mehr beschäftigt ihn die Frage nach seinem Vater. Fragen, die ihm seine Mutter nur ausweichend beantwortet.  

 

 

 

Interview: 

 

Sie tanzen Tango Argentino. Wann und wo haben Sie den Tango kennengelernt? Wie lange tanzen Sie schon?

 

Damals in Paris, 1991. Ich lebte in der Zeit bei Zingaro (Theatre  Equestre) und ich machte viel Tanz und Akrobatik und mein damaliger Freund und ich fingen an Argentinischen Tango zu tanzen aus Jux und Dollerei. 

 

Wo tanzen Sie? 

 

Leider tanze ich heute nicht mehr so viel. Wenn ich Zeit zwischen Arbeit und Kind finde, geh ich zum Ballhaus in der Chausseestrasse.

 

Foto: privat - Les toits de Paris

 

 

Sie leben in Berlin. Wie sehen Sie die Tangoszene dort?

 

Berlin ist ja bekanntlich die heimliche Hauptstadt des Tango, wussten Sie das ? 

 

Haben Sie den Tango schon einmal in Buenos Aires erlebt?

 

Nach Buenos Aires bin ich leider noch nicht gekommen. Das wär aber mal ein tolles Ferienziel. Mein Sohn hat sich allerdings in Griechenland verliebt...

 

Was bedeutet Ihnen Berlin? 

 

Ich freue mich jeden Tag in Berlin zu erwachen ! Ich bin ganz vernarrt in die Stadt. Gestern war ich in der Philharmonie.Violinen-Sonaten von Beethoven mit Igor Levit und Julia Fischer. Zum Niederknien. Ich spiele selbst leidenschaftlich Klavier.

 

Kennen Sie Stuttgart?

 

In Stuttgart hab ich zwei Mal gedreht. Ich finde es toll über die Arbeit Städte zu entdecken. Ich hab gedacht : Ach hier kann man bestimmt auch glücklich leben. Lächelt.

Ich wußte gar nicht das StuttgartTango-begeistert ist ... 

 

 

 

Foto: privat

 

 

Reisen Sie gerne?

 

Reisen sind immer eine Bereicherung, es tut gut andere Kulturen zu erleben. Es öffnet den Blick auf das Ganze und zeigt trotz verschiedener Kulturen , was uns im Kern alle verbindet. Ich fühle mich nie fremd in einem anderen Land. Und ich bin viel gereist. 

 

Haben Sie einen Lieblingsort?

 

Mein Lieblingsort ist meine Wohnung. Dorthin zurück zu kehren nach einer Reise ist immer schön. Am meisten hat mich das Okawango Delta in Afrika beeinduckt. Unser Planet ist von einer unbeschreiblichen Schönheit! Wir sollten ihn behüten wie einen Schatz.

 

Was ist für Sie Heimat? 

 

Der blaue Planet ist meine Heimat hier und jetzt. Und mein Sohn und meine Freunde sind Heimat, egal wo sie in der Welt zerstreut sind. 

 

Wie würden Sie den Tango für sich charakterisieren?

 

Tango beschreibt die Beziehung, Harmonie und Dynamik zwischen Mann und Frau so präzise wie kein anderer Tanz in meinen Augen.Wenn man Beziehungsprobleme hat sollte man unbedingt mit Tango anfangen!  Ob Mann oder Frau - man findet zu sich und feiert und spürt sich. Allein die Haltung einzunehmen gibt sofort Kraft und der Mann gibt nur mit seinem Finger am Rücken die Richtung an. Wenn man diese Haltung im Leben umsetzen kann, hat man eine gesunde Beziehung aus Kommunikation, Respekt, Nähe und Distanz (Raum).

 

Der Tango lässt sich auch als Frau in Jeans und Turnschuhen tanzen. Lieben Sie es klassisch oder modern? 

 

In Jeans würde ich Tango nicht tanzen, viel zu schade die verführerischen Waffen einer Frau nicht einzusetzen. Lächelt. Jeans ist nicht feinstofflich genug...

 

Sie lieben Astor Piazzolla - wann sind Sie das erste Mal mit seiner Musik in Berührung gekommen? Haben Sie ein Lieblingslied? 

 

Astor Piazzolla hab ich schon als Teenager geliebt. Mein liebstes Stück ist "Oblivion", das extrem melancholisch und leidenschaftlich ist (Hommage an A. Piazzolla, Gidon Kremer).  

 

Läuft auch zuhause Tangomusik? 

 

Bei uns zuhause läuft ständig Tango gemischt mit Mozart, Edvard Grieg, Miles Davis und Klezma und David Bowie. Jonathan (12) hört das auch gern. Und griechische Musik! Einmal die Woche treffe ich mich mit Paul Frielinghaus, der sehr gut Cello spielt. Dann spielen wir Hindemith oder Schubert am Klavier und am Cello.

 

Haben Sie ein Lebensmotto? 

 

Mein Lebensmotto ist: "leben und leben lassen". Und "im unperfekten liegt die Schönheit" 

 

 

Foto: privat

 

 

Sie sind mit 17 Jahren nach Paris. War das ein schwerer Schritt - weg von zuhaus? 

 

Als 17 jährige hab ich mich auf den Weg gemacht Schauspielerin zu werden. Mittlerweile lebe ich von diesem Beruf seit 25 Jahren ... 15 Jahre davon in Paris auf Theaterbühnen. Dort wurde ich mehr als liebevoll empfangen. Alles war möglich und mir schlug viel Begeisterung entgegen. Ich war fleissig und bemühte mich perfektes Theater-französisch zu lernen. Meine Intendantin sagte eines Tages, ich solle nicht übertreiben. Meine Akzent sei doch so schön! Paradoxer weise war ich ein verwirrter Teenager mit der klaren Vision, dass dies der Weg war mich zu entwirren. Über das Rollen spielen meinen Kern zu finden... Dabei hab ich mich in die wildesten Abendteuer gestürzt. Dinge getan, die ich mir nie zugetraut hätte. Mir ging es nie darum im Mittelpunkt zu stehen. Davor hat es mir eher gegraut. Die Ensemble Arbeit hat mir dann die Augen geöffnet. Fruchtbare Arbeit funktioniert nur Ego-befreit. Das Bewusstsein hat leider nicht  jeder und dann gibt es immer wieder anstrengende Situationen. Die Zeit in Paris war eine goldene, lehrreiche, die mich tief geprägt hat.  

 

 

 

 

Foto: privat - Theater Paris

 

Bestehen noch Kontakte zu französischen und amerikanischen Schauspielkollegen? 

 

Bis heute sind mir viele Freundschaften geblieben. Wir verstehen uns als Familie, reisen zusammen mit unseren Kindern und besuchen uns regelmäßig wann immer es geht. Jonathan spricht Französisch und hat seine Freunde  dort. Auch in England und den USA sind große Freundschaften entstanden. Leider können wir uns nicht so häufig sehen.    Ich bin dankbar durch meinen Beruf so tollen Menschen begegnen zu können.  

 

 

Foto: privat - in Los Angeles

 

 

 

Was reizt Sie am deutschen Film? 

 

Deutschland hat mir noch mal ganz andere Möglichkeiten eröffnet und mir erlaubt  Beruf und Familie zu verbinden. Jonathan war überall mit dabei bis zu seinem sechsten Lebensjahr. Er hatte bis zu dem Datum schon zwei Mal den Globus umkreist. Als Schauspieler hat man in Deutschland die Möglichkeit verschiedenste Rollen zu spielen denn es gibt extrem viele Formate. Je verschiedener desto besser! Auffallend ist, dass die Franzosen respektvoller mit ihren Schauspielern umgehen, sie gar lieben und ihnen zur Seite stehen bis zum bitteren Ende... ansonsten ist jeder Dreh, egal wo, immer ein Abenteuer und jedes mal anders.   

 

 

 

Foto: ZDF Jon Ailes "Schutzengel" - mit Heiko Ruprecht

 

 

Haben Sie einen Lieblingsschauspielkollegen/kollegin?

 

Petra Schmitt-Schaller bewundere ich sehr sehr !  

 

Verfolgen Sie ein soziales Engagement? 

 

Soziale Engagements  sind mir wichtig und  auch, dass der Jonathan ein Gefühl dafür bekommt wie schön es ist, für andere dazu sein, etwas zu geben. 

 

Ihr Wunsch .....  

 

Ich wünsche mir für die Welt: Mögen sich alle von dem zerstörerischen Kleingeist ihres Egos befreien. Freude heißt die starke Feder in der Natur, Freude! Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr (Schiller).   

 

 

Foto: Uwe Hauth

 

 

 



 Herzlichen Dank liebe Suzan. Alles Liebe! 

 

 

 

 

 

'Wilsberg liegt mir schon sehr am Herzen. Mit dem bin ich ja schon so lange zusammen'

Leonard Lansink 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

Als Wilsberg kennen und lieben wir ihn. Nun ist er für's ZDF Herzkino "Familienbande" am Sonntag, 13. März, um 20.15 Uhr zu sehen. Ein Inga Lindström Film.

 

Es war kein leichtes Jahr für Eva (Gesine Cukrowski). Nach dem Seitensprung von Ehemann Carl (Siegfried Terpoorten), mit dem sie eine Anwaltskanzlei in Stockholm führt, versuchen die beiden, ihre Ehe wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Das ist leichter gesagt, als getan. Und nun ist auch noch Adoptivsohn Nils (Michelangelo Fortuzzi) kurz vor den Ferien von der Schule geflogen, weil er sich in den Schulrechner gehackt hat. Eva kann den Urlaub bei ihrem Vater Sven (Leonard Lansink) zuhause auf dem Bauernhof also kaum erwarten. Dieser liefert sich gerade einen Wettbewerb mit Landarzt Björn (Helmut Zierl) um ein Essen mit der anspruchsvollen Anna (Karin Düwel), hinter der beide Männer her sind. 

 

 

Interview mit Leonard Lansink   

von Marion Graeber 

01. Februar 2016

 

 

Sie spielen in dem Herzkino Fernsehfilm „Familienbande“ von Inga Lindström den Sven. Sie

sind Vater, Großvater, Schwiegervater und verliebt in Anna. Wie wichtig sind Ihnen

menschliche Beziehungen?

 

Das ist mir ganz wichtig. Ich hab ja ne Frau und bin ganz glücklich. Familie trägt man ja so

mit sich rum - da ist es natürlich besser, wenn man die mit Vergnügen rumträgt.

 

Sie sind bei Ihren Großeltern aufgewachsen. War das eine gute Zeit?

 

Das war sowas wie Eltern, nur älter. Großeltern sind oft gnädiger mit den Enkeln, als mit

den eigenen Kindern. Wahrscheinlich weil die mehr Erfahrung haben und das alles schon

mal mit ihren eigenen Kindern durchgemacht haben.

 

Sie spielen im Film auch einen Tierarzt. Haben Sie keine Berührungsängste in Bezug auf

Tiere?

 

Nein überhaupt nicht.

 

Auch nicht bei den großen Tieren?

 

Nein, ich hatte früher auch Pferde.

 

Reiten Sie?

 

Ja, früher viel. Bis ich mich am Sprunggelenk verletzt habe. Ich bin gerne und viel

geritten. Mit Pferden hab ich keine Probleme. Und Kühe sind ja nicht so richtig schlau. Pferde sind

auch nicht so richtig schlau, aber sie sind sozial netter. Das dürfen Sie gern sagen. Lacht

 

Im Film spielt auch ein Hängebauchschwein mit. War das gut zu trainieren?

 

So ein Hausschwein wäre optisch wahrscheinlich besser gewesen, weil alle hätten gedacht,

warum werden wir jetzt nicht Vegetarier. Aber das Hängebauchschwein war das Tier,

welches die Tiertrainerin dann irgendwie auch trainieren konnte.

 

Sind Sie Vegetarier?

 

Nein

 

War es möglich das Hängebauchschwein, wie einen Hund zu trainieren?

 

Ich glaube, das hätte lange gedauert, dem Hängebauchschwein diese Dinge beizubringen.

Das ist natürlich eindeutig mehr Arbeit. Da hätte man viel mehr Zeit investieren müssen.

Das Geheimnis dabei ist der Schneideraum, der das passend macht.

 

ZDF: Arvid Uhlig - Karin Düwel (Anna) und Leonard Lansink (Sven)

 

 

Sie leben in Berlin. Sind Sie Stadt- oder Naturmensch?

 

Ich lebe schon gerne in Berlin. Ist die größte Stadt in der Gegend. Das kommt mir schon

sehr entgegen. Aber in Wirklichkeit fahr ich schon auch gern mal raus.

 

Sie reisen gern?

 

Ja, ich war jetzt gerade in Kapstadt. Das war ganz prima, weil man dem grauen Berliner

Winter etwas entfliehen konnte. Von Minus 10 nach plus 30 Grad. Mir gefällt auch Istanbul

oder London. Aber für London ist im Moment natürlich auch nicht gerade die beste

Reisezeit.

 

Wo möchten Sie gerne hinreisen?

 

Ich war noch nie in San Francisco. Das sollte ich mal machen, alle schwärmen immer und

bekommen dabei feuchte Augen. Meine Frau auch. Sie war schon dort. Das sollte mir meine

Frau mal zeigen.

 

Wie erarbeiten Sie sich eine Rolle? Was ist der Unterschied für Sie zwischen einer Rolle in

einem Fernsehfilm und in „Wilsberg“?

 

Wilsberg liegt mir schon sehr am Herzen. Mit dem bin ich ja schon so lange zusammen. In

Familienbande gefällt mir meine TV-Tochter Eva – Gesine Cukrowski. Sie ist großartig, das

passte ganz gut. Wir kennen uns noch von „Der letzte Zeuge“. Das ist zwar lange her, aber

wir verstehen uns blendend. Es ist super mit ihr zusammen zu spielen. Marek Harloff

kannte ich vorher nicht, aber auch er ist ein super Kollege. Die Kinder waren auch prima.

Mir kommt das sehr entgegen, einen Charakter zu spielen, der so muffelig durch die

Gegend läuft. Aber man merkt im Grunde schnell, der ist ein ganz warmherziges Wesen.

 

Aber Sie persönlich sind überhaupt nicht muffelig

 

Ja, das ist aber beruflich bedingt. Eigentlich rede ich vor 11 Uhr nicht viel. Lacht.

 

Wie tanken Sie Kraft, haben Sie ein Hobby?

 

Wir haben ja einen Hund - mit dem muss ich ja üben, damit er wenigstens das kann, was

das TV-Schwein kann. In der Großstadt müssen die Tiere ja auch nett und freundlich sein,

sonst macht das den anderen Menschen keinen Spaß. Ja, und sonst bin ich mit meinen TVProjekten

ganz gut beschäftigt.

 

Mögen Sie Musik?

 

Ich hab mal Querflöte gelernt. Das ist aber auf  Dauer ziemlich eintönig und außerdem ein

nicht sehr wandlungsfähiges Instrument. Aber ich höre gerne Musik.

 

Foto: ZDF Thomas Kost - Wilsberg

 

 

Was hören Sie?

 

Ich bin Klassik Fan.

 

Kennen Sie Astor Piazzolla?

 

Natürlich. Er ist ja der Tangospezialist.

 

Mögen Sie Tango?

 

Ja hören, tanzen nicht. Harte Männer tanzen nicht.

Tango ist, die Frau geht dahin, wo der Mann hingeht. Ich sollte das mal lernen für eine

Rolle. Es war die Hölle. Ich hab nicht mal den Anfang verstanden. Es war sehr schwierig,

wenn man nie tanzt.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Möglichst lange, möglichst gut.

 

Verfolgen Sie ein soziales Engagement?

 

Ich bin bei der Krebsberatungsstelle in Münster Schirmherr. Freu mich, wenn die ein

bisschen mehr Geld zur Verfügung haben, als die sonst haben. Dafür sorgen wir dann so ein

bisschen.

 

Ein Wunsch

 

Wär schon schön, wenn alles ein bisschen netter wär.

 

 

 

 

Foto: ZDF Thomas Kost - Wilsberg

 

 

 

 

 

Lieben Dank für das schöne Interview, Herr Lansink. Alles Liebe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

'Wenn mein Mann und ich mal ganz viel Zeit haben, machen wir einen Tango Argentino Tanzkurs, weil ich das supergeil finde'

Anna Loos

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

 

Anna Loos über die Rolle der Helen Dorn - Gefahr im Verzug, Samstag, 5. März, 20.15 Uhr mit einem ganz persönlichen Blick auf den Tango Argentino.

 

Eine Bombe explodiert auf einem blebten Platz und tötet fünf Menschen. Die LKA Ermittlerin Helen Dorn (Anna Loos), die vor Ort war, um sich mit einem Mann zu treffen, ist unter den Verletzen und wird mit einem Knalltrauma ins Krankenhaus eingeliefert. Ein terroristischer Hintergrund ist wahrscheinlich, da kurz darauf ein Bekennervideo im Netz auftaucht.  

 

  

 

 

Interview mit Anna Loos  

von Marion Graeber 

20. Januar 2016

 

 

Was bedeutet Ihnen die Rolle und die Verkörperung der Helen Dorn? Wie charakterisieren Sie Helen Dorn?

 

Es gibt ja viele Tatort-Teams und auch die Polizeirufe. Beide Formate hab ich angeboten bekommen. Mein Mann (Jan Josef Liefers) macht ja auch einen Tatort.

Ich hab da lang überlegt. Also dieser Sonntagabend und der Tatort, das ist ja so eine Marke in Deutschland. Wie auch der Polizeiruf. Für die Leute gehört es einfach zum Sonntagabend.

Dabei sind nun nicht alle Teams meine Lieblinge. Ich finde es oft mittelmäßiges oder biederes Fernsehen. Ich suchte eine Herausforderung. Ich wollte etwas Neues.

Das ZDF hatte dann die Idee eine Krimireihe mit mir zu entwickeln. Mir war es wichtig, dass nicht nur ein / zwei gute Filme gedreht werden und dann die Luft raus ist. Ich wollte gerne, dass diese Reihe ständig fortschreitet, das bedeutet viel Arbeit. Das war sozusagen die Grundvereinbarung vom ZDF und mir. Und ich finde es großartig, dass Sie ihr Wort gehalten haben und mir auch Menschen an die Hand geben, Produzenten, Regisseure, Autoren, die das wirklich so vorantreiben. In die Richtung an die wir gemeinsam glauben. Es ist ein Krimi der in Moll spielt. Wir wollen mehr dieses Melancholische, eher graue Timbre haben. Auch die Hauptfigur, Helen Dorn, ist eher sperrig, sie lacht nicht und ist kein fröhlicher Mensch. Ihr Job nimmt sie mit. Auch wenn man es ihr nicht auf den ersten Blick ansieht, ist sie sehr emphatisch. Sie ist eine Figur, die privat und beruflich Probleme hat, kein Team-Player ist und sich nicht an Regeln hält.

Wir wollen die Zuschauer langsam an diese Figur gewöhnen. Wollen sie herausfordern, dass sie sagen „die schau ich mir jetzt an, weil die verstehe ich oder die will ich jetzt verstehen, sie interessiert mich“. Wir haben die Rolle absichtlich nicht als normale Kommissarin angelegt, sondern als LKA Beamtin. Wir leben heute in einer globalen Welt. Da geht es nicht nur um die tote Nachbarin. Die Kriminalfälle heute sind länderübergreifend. Dahin wollen wir Helen Dorn führen. Und auch den Zuschauer, so dass er Lust bekommt, diese Schritte mit uns zu gehen. Das ist unser langfristiges Ziel.  

 

Foto: ZDF Willi Weber - Anna Loos als Helen Dorn

 

 

Wie viel Anna Loos ist in Helen Dorn?

 

Nicht so viel. Lacht. Ich bin vom Typ her ganz anders. Ich würde sagen, ich hab keine soziale Störung. Ich lach gerne und bin ein sehr positiver Mensch. Ich mach gerne Spaß und liebe Menschen. Ich mag auch die Interaktion mit ihnen, wie generell mit allen Lebewesen. Da unterscheide ich mich schon sehr von Helen Dorn.

Es gibt im Film den Satz „Ich würd auch nicht gern mit mir arbeiten“. Ich würd gern mit ihr, Helen Dorn, arbeiten. Ich finde generell die Leute, die einen nicht sofort in den Arm nehmen, sondern erst mal anschauen und genau zuhören, sehr interessant.

 

Warum schauen wir gerne Krimi?

 

Das ist kein deutsches Phänomen. Krimis werden auf der ganzen Welt geschaut. Ich bin jemand, bin dem Fernsehen schon fast verloren gegangen. Ich schau gerne Serien, gerne Kinofilme - auch zuhause. Krimis, ich glaube das ist ein gutes Entertainment. Täter und  Opfer das sind immer Figuren die an ihren Grenzen unterwegs sind, spannende Charaktere im Wirbel sozialer Brennpunkte. Das hat immer eine Problematik und eine soziale Komponente. Außerdem kann bei einem Whodunit jeder Zuschauer Kommissar sein und das unterhält die Menschen.

 

 

 

Foto: ZDF Willi Weber

 

 

 

 

Im Krimi, auch in Helen Dorn, werden viele Themen angesprochen. Drogenkonsum, Terroranschläge, Korruption, Krankheiten, Vater- und Tochterbeziehung, Stalking usw … Kann ein Krimi allen Themen gerecht werden?

 

Man ist im Krimi in so viele Leben hineinversetzt. Wer handelt warum, wie? Das ist eine geile Form, vieles zu erzählen. Du hast die Hauptfiguren, das sind die Ermittler. Aber die eigentlichen Hauptfiguren sind ja all die Anderen um die sich der Fall dreht. Man hat die Betrachtungsweise der Ermittler und die der Anderen. 

Es geht schon in Minute drei los. Das Problem ist da. Das ist vielleicht spannender als sich in der ersten halben Stunde langsam an das Thema heranzutasten.

 

Und das eine Problem wird dann zum Schluss gelöst ….

 

Oder auch nicht. Ich glaube allerdings, dass es wichtig ist, dass es am Ende eine Auflösung gibt. Ob negativ oder positiv ich glaube, dass dies einen Zuschauer erleichtert. Nicht so wie in einem Sozialdrama, wo der Zuschauer mit einer unglaublichen Depression zurückgelassen wird. Das ist einfach nicht für jeden der Abschluss den er sich für seinen Alltag wünscht. Ich mag sowas, aber ich glaube der Zuschauer ist erleichtert, wenn er am Ende eine Lösung hat. Er weiß wer, wie, warum reagiert hat. Ob man es nun versteht oder auch nicht.

 

Mit dem Thema der Terroranschläge ist der Film sehr aktuell. Leider.

 

Ja, das stimmt. Das hat uns ein bisschen überholt. Als wir den Film konzipiert haben, da gab es Charlie Hebdo und die Pariser Anschläge noch nicht.  

 

 

Foto: ZDF Willi Weber

 

 

 

 

Wie verhalten Sie sich, fühlen Sie sich durch die Terrorgefahr eingeschränkt, oder haben Sie mehr Angst?

 

Naja, ich hab zwei Töchter, natürlich hab ich um sie Angst. Wobei ich eigentlich ein angstfreier Mensch bin. Aber seitdem ich meine Kinder hab, hab ich schon Angst. Aber das hat nicht direkt mit den Terroranschlägen zu tun.

 

 

Foto: ZDF Willi Weber

 

 

Eine ganz persönliche Frage: Mögen Sie den Tango Argentino?

 

Ich hab mal einen Kurs gemacht für einen Film und dann hab ich mit meinem Mann beschlossen, dass wir mal, wenn wir Rentner sind und ganz viel Zeit haben, einen Tango Argentino Tanzkurs machen, weil ich das supergeil finde.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

Ich mach mein Ding, egal was die anderen sagen

 

 

 

 

Lieben Dank für das tolle Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut.

Alles Liebe für Sie und Ihre Familie.

 

 

 

 

 

 

 

 'Ich lach gerne - Ich finde das ist ein absoluter Lebensantrieb'

Gabriel Merz 

 

Pressefoto

 

 

 

 

Gabriel Merz starb vor zehn Jahren den Serien-Tod in der Soko Leipzig. Nun kehrt er zurück. Gemeinsam mit seinem Freund Marco Girnth ist er am Drehort. Im echten Leben unterstützen die beiden Freunde Bernadette Kowolik mit ihrer Akion „Hoffnung Spenden“. Das Interview hierzu ist unter „Kinderhilfe“ zu lesen.

 

 

Interview mit Gabriel Merz 

von Marion Graeber 

15. Januar 2016

 

 


Wo bist du geboren, wo aufgewachsen?

 

Ich bin in Stuttgart geboren. Im Marienhospital. Aber ich war nur ein Jahr in Stuttgart. Ich hab schlecht auf die Stuttgarter Luft reagiert und so ist meine Mutter mit uns in die Nähe von Freiburg gezogen. Schauinsland. Da gab es unser Haus und das Haus unserer Nachbarn. Einen Kilometer weiter entfernt dann erst der nächste Bauernhof. Natur pur.

 

Heute lebst du in Berlin. Bist du eher Stadtmensch oder fühlst du dich in der Natur wohl?

 

Optimal wäre es natürlich, wenn man so beides haben könnte. Wenn das eine in dem anderen möglich wäre. Als Kind ist es in der Natur toll. Aber wenn du dann Teenager bist, dann ist es halt total langweilig. Ich wollte dann eigentlich nur noch weg. Ich würde es auch immer vorziehen in der Stadt zu leben. Die Jahre auf dem Land haben mir gereicht. Lacht.

 

Sprichst du schon Berliner Dialekt?

 

Ich war damals total geschockt, als ich das erste Mal in Berlin war. Ich saß in einem Café, lauter coole Leute. Dachte bei mir, da kommt man ja nicht gegen an. Bis sie den Mund aufgemacht haben, da hab ich gehört, dass es Schwaben waren. Lacht.

Die einzige Möglichkeit von dem Schwäbischen Sing/Sang weg zu kommen war irgendwann, mir den Berliner Sing/Sang anzugewöhnen. Ich dachte damals ich spreche Hochdeutsch. Ich glaube das denken alle Schwaben. Weit entfernt. Lacht.

 

Du hast deine Teenagerzeit in Stuttgart verbracht?

 

Ja. Ich war 15 Jahre, als wir zurück nach Stuttgart zogen. Bin in Stuttgart-Vaihingen in die Waldorfschule gegangen. Mit 21 Jahren bin ich dann wieder weg.

Stuttgart hat zwei Seiten. Wenn man es negativ betrachtet hat es eine Kleingeistigkeit, ist spießig. Auf der anderen Seite ist es familiär und es gibt ein großes Vertrauensverhältnis untereinander. Meine Frau hat in der Vergangenheit immer wieder am Schauspielhaus Stuttgart gespielt. Heute sehe ich Stuttgart mit anderen Augen. Stuttgart hat sich schon gewandelt. Die Jugend hat mehr Möglichkeiten. Es gibt viele Cafés. Stuttgart hat ja auch eine tolle Musikszene. Ist heute eine Stadt mit Atmosphäre.

 

Stuttgart hat eine große Tangoszene. Tanzt du Tango?

 

Mit meiner Frau hab ich mal zwei Lindy Hop Workshops gemacht. Lindy Hop ist so ein bisschen spielerischer. Tango ist leider keine Option. Es hat so was Wichtiges. Tango reizt mich aber von der Musik her. Die ist toll.

 

Welche Musik hörst du noch?

 

Ich hör so quer durch. Aktuelles, Radio, Filmmusik, RnB, Soul, Sachen aus den 70ern und 80ern …Ich hab so viele Lieder auf meinem Laptop und entdeck immer wieder neue. Lacht.

 

Dein Weg zur Schauspielerei

 

Mit 16 hab ich mal ne Wette gemacht, dass ich entweder Sänger oder Schauspieler werde. Für den Sänger hat es nicht gereicht. Für den Schauspieler dann doch.

In der Waldorfschule macht man in der 12. Klasse ein Theaterstück. Da musste ich den Mephisto spielen. Das hat mir so Spaß gemacht, dass ich mich direkt an der staatlichen Schule für Schauspiel in Stuttgart beworben hab. Das Abitur hab ich dafür abgebrochen. Bin aber an der Schauspielschule hochkant rausgeflogen. Dann hab ich mir gesagt, ich gehe in den Regiebereich. Hab hospitiert am Stuttgarter Schauspielhaus. Gesangsunterricht genommen. Über den Gesangsunterricht bin ich nochmal zum Vorsprechen an andere Schulen. Hab eigentlich nur zwei staatliche Prüfungen gemacht. Eine in Frankfurt und eine in Stuttgart. Hab dann auch relativ früh schon an Workshops bei amerikanischen Lehrern teilgenommen. Das ist eine ganz andere Herangehensweise. Auf den Schauspielschulen wird man ja direkt auf das Theater vorbereitet. Ich wollte aber nicht nur Theater machen, sondern insbesondere auch Film und Fernsehen.

Mit 24 bin ich dann aber doch am Theater gelandet. Hab dann versucht zum Fernsehen zu kommen. Das hat aber ein bisschen gedauert. Das kann so ein frustrierend langer Weg sein. Ich war kurz davor aufzuhören. Aber es hat ja doch geklappt.

 

Was wäre die Alternative gewesen?

 

Zum Schauspiel – Regie und Drehbuch.

 

Du spielst viel in Krimis mit

 

Ja. Ich glaube tatsächlich hab ich immer schon dieses Räuber- und Gendarmding im Kopf gehabt. Das ist das Format, was ich am Kernigsten finde. Ich glaub das können die Deutschen echt am besten. Mich reizt auch dieser Thrillerbereich.

 

Wie wichtig ist dir Humor?

 

Ich lach gerne. Mach auch gern schlechte Witze. Ich finde das ist ein absoluter Lebensantrieb. Aber Humor hat ja auch immer damit zu tun, in welcher Verfassung man sich gerade so befindet. Da braucht man schon auch Entspannung dafür.

 

Du treibst Sport?

 

Im Moment ist mein Sport das Boxen. Boxen macht Spaß. Ist super cool, aber auch total anstrengend. Man kann sich sehr verausgaben. Ich mach das aus sportlichen Gründen, um fit zu sein. Was mir noch mehr Spaß macht, was ich aber gerade nicht praktizieren kann, wegen dem Wetter, das ist Volleyball. Volleyball, das könnt ich den ganzen Tag spielen.

 

Kommt dir die Sportlichkeit zugute? Machst du deine Stunts selber?

 

Schlägereien hab ich eigentlich immer selber gemacht. Hab ich auch gemocht. Kommt in deutschen Serien leider nur selten vor. Aber es passiert schon auch immer wieder mal was. Angebrochene Rippe und so. Actionfilme hab ich viel in der Jugend gemacht. Damals hab ich auch überlegt Stuntman zu werden. Fand ich geil.

 

Hast du ein Lebensmotto?

 

Nein, eigentlich nicht.

 

Dein soziales Engagement

 

Soziales Engagement ist ein schwieriges Thema. Wenn du beispielsweise in Afrika bist, siehst du, dass das soziale Engagement von vielen Leuten komplett versandet. Viele Kleider-, Sach- und Geldspenden kommen überall an, nur nicht dort wo sie gebraucht werden. Du läufst über riesige Märkte und siehst die alten Nike Sportschuhe die gespendet wurden und für 30 Euro an Einheimische verkauft werden.

Ich mit dem Verein „Hoffnung Spenden“ in Uganda. Das Tolle an dem Verein ist, dass es ein kleiner Verein ist. Bernadette hat ihn ins Leben gerufen. Sie ist ultra herzlich. Sie hat Straßenkindern ein Dach über dem Kopf gegeben. In ihrem Haus gibt es nur zwei Regeln: Es wird nicht geschrien und es wird nicht geschlagen. Das war für die Kinder schon eine Herausforderung. Aber sie sind ganz tolle Menschen geworden. Mit einer tollen Sichtweise. Diese Sichtweise findest du in der Bevölkerung nicht. Auch nicht in der Regierung. Gerade die Regierung hat leider kein Verständnis für die eigene Bevölkerung. Sie versuchen sich nur mit allen Mitteln ihren eigenen Status aufrecht zu erhalten. Mein Eindruck ist es, dass es bis zu 100 Jahre dauern kann, bis diese Länder von der Kultur her demokratisiert sind.

SozialesEngagement ist dann toll, wenn man wirklich weiß, dass es ankommt.

Es gibt hier in Deutschland ja so ein paar Läden, wo man an der Kasse aufrunden kann – aber wo das aufgerundete Geld hingeht – who knows? Es geht ja bei den großen Initiativen auch darum, den Apparat zu finanzieren.

Aber soziales Engagement ist grundsätzlich gut. Es gibt auch in Deutschland viele Bereiche, viele Kinder, die unterstützt werden können. Man muss nur genauer hinschauen, wo und wen man unterstützt.

 

Ein Wunsch

 

Am Ende geht es immer darum, ein Leben zu führen, in dem man sich selbst verwirklichen kann. Spaß hat. Ein Leben zu führen, in dem man mit Menschen zusammen sein kann, die man liebt.

 

 

 

Liebsten Dank, Gabriel! Alles Gute! 

 

 

 

 

 

 

'Ich wünsche mir, dass wir uns als Erdenbürger gut verstehen' 

Stefanie Stappenbeck  

 

Foto: Stefan Klueter

 

 

 

 

 

"Die 7. Stunde" ist ein neuer Vernau-Thriller mit Jan Josef Liefers und Stefanie Stappenbeck nach dem gleichnamigen Roman der Bestseller-Autorin Elisabeth Herrmann. Der Berliner Anwalt und Lebenskünstlers Joachim Vernau bekommt ein lukratives Angebot: Er soll die Jura-AG einer teuren Privatschule leiten und übernimmt die siebte Stunde. Was er anfangs nicht weiß: Ein Mädchen aus seiner Klasse hat vor kurzem Selbstmord begangen. Außerdem kommt Vernau dahinter, dass an der Schule, die in den Räumen einer ehemaligen Nervenheilanstalt beheimatet ist, Rollenspiele nach alten Krankenakten stattfinden. Und plötzlich wird eine seiner Schülerinnen Opfer eines Giftanschlags.

 

 

 

 

Interview mit Stefanie Stappenbeck 

von Marion Graeber 

06. Dezember 2015

 

 

Was ist für Sie die Faszination TV Krimi?

Beim Krimi schafft man es immer, wieder wichtige Themen durch die spannende Krimihandlung so zu verpacken, dass man unbedingt dran bleiben will. Man kann Geschichten erzählen, beispielsweise über Rechtsanwälte, Schulen oder Altenheime. Über alle Lebensbereiche, die uns täglich betreffen, oder uns auch nicht betreffen. Auf die wir aber neugierig sind. Wie bei „Die 7. Stunde“ im Eliteinternat.


Warum sind die Einschaltquoten bei den Krimis so hoch?

Wir sind ein neugieriges Volk. Wir mögen es gerne spannend.

 

Im Krimi geht es immer auch um Leben und Tod. Was ist Ihnen wichtig im Leben?

Meine Familie. Und mein Bemühen um inneren Frieden.Wir haben auf der Welt so viel Krieg, so viel Zerstörung und alles bricht scheinbar um uns zusammen. Ich glaube, wenn jeder Einzelne Frieden in sich trägt und mit sich selber macht, überträgt sich das auch in die Außenwelt.

 

 

ZDF: Conny Klein

 

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

Gut genug reicht – es muss nicht perfekt sein.

Das ist die berühmte 80/20 Regel. Sie kommt aus der Wirtschaft. Kann man aber in allen Lebensbereichen anwenden. Wenn man sich beispielsweise zu 80 Prozent gesund ernährt, oder wenn eine Beziehung zu 80 Prozent stimmt, ist das genug. Perfektion bedeutet Stress. Die 80/20 Regel soll vor übermäßigem Perfektionismus und Verausgabung schützen.

 

Wie war die Arbeit für „Die 7. Stunde“?

Es macht total Spaß eine Anwältin zu spielen, die einen ungewöhnlichen Hintergrund hat. Sie verhält sich ja auch oft nicht wie eine typische Anwältin. Und mit Jan Josef zu spielen,das ist sowieso eine einzige Freude. Lacht.

 

Kann man also trotz schwieriger Themen fröhlich sein am Set?

Ja, es geht immer um die Szene. Dass sie gut wird - und das mitLeichtigkeit, Humor aber auch Konzentration.

 

Wie viele Drehtage benötigt man für einen Film?

Vier bis fünf Wochen reine Drehzeit. Dazu kommt die Vor- und die Nachbereitung.

 

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rollen vor?

Das ist ganz verschieden. Ich betreibe intensive Drehbuchstudien. Schreibe mir dabei Fragen an den Rand. Beim nächsten Lesen haben sich die Fragen dann meistens schon erledigt, weil ich ja schon einmal durch bin. Lacht. Wenn ich Inspiration brauche, gehe ich manchmal auch zu Drehbuchcoachs. Drehbuchaufstellungen finde ich auch sehr hilfreich. Ich schau immer auf das Projekt und ermittle dann, was ich so brauche.


Wie stark werden Sie von Rollen beeinflusst? Am Beispiel der Anwältin Marie Luise Hoffmann in „Die 7. Stunde“?

Marie Luise war in den schwierigen Situationen, die der Film erzählt, nicht selber dabei. Ich bin also in der Rolle diejenige, die von außen beobachtet und versucht von außen zu helfen. Mich beschäftigt privat eher die Frage, wie können Situationen außer Kontrolle geraten? Wie kann es soweit kommen? Ich gleite da jetzt also nicht so ab. Das passiert eher, wenn man die Rollen spielt, in denen man mitten im Geschehen ist.


Wie tanken Sie Kraft?

Meistens tanke ich in der Ruhe meine Kraft. Ich bin eigentlich ein sehr hektischer Mensch. Erholsam ist für mich, was für andere Folter ist. Lacht. Lange Flugreisen beispielsweise. Da bin ich gezwungen mal sehr lange still zu sitzen. Das tut mir sehr gut. Wenn ich irgendwie kann, versuche ich mich auch immer wieder mal selber auszutricksen. Lege mir Telefontermine, so wie heute. Oder ich widme mich einem guten Buch oder der Zeitung. Und ich gehe spazieren - das ist ja das Allerschönste der Welt.

 

Wo gehen Sie spazieren?

Ich geh überall spazieren. In der Natur und auch in Städten.

 

Hilft Ihnen auch die Musik zur Entspannung?

Ja, Musik hören wir viel. Auch unsere kleine Tochter . Wenn Adele „hello“singt, singt unsere kleine Tochter „it‘s me“. Lacht. Musik spielt eine große Rolle für uns.

 

Ihr Mann ist Musiker. Welche Musik spielt er?

Alles von experimentalem Jazz bis Hard Rock. Wir hören zuhause sehr gern Singer/Songwriter Musik.  

 

Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino? Dem Tanz, der Musik?

Zu Argentinien schon. Dort hab ich eine der schönsten Reisen meines Lebens gemacht.    

Tango selbst hab ich noch nie getanzt. Aber das ist eine gute Idee. Sollte ich mal machen.  

 

Sie spielen in Kriminalfilmen, aber auch romantischen Komödien. Auch an der Seite von Stephan Luca in „Super Dad“, um nur ein Beispiel zu nennen. Was mögen Sie lieber, oder hat alles seine Berechtigung?

Ich glaube, es ist wie in fast allen Berufen. Je grösser die Bandbreite, desto mehr Spaß macht es. Von der überforderten Mutter bis zur eiskalten Anwältin. Vom Hippie zur Konzernchefin. Für mich ist die Hauptsache mit tollen Leuten vor und hinter der Kamera zu arbeiten. Ich habe für mich gemerkt, wenn das gegeben ist, ist die Rolle zweitrangig. Man holt auf diese Weise das Beste aus sich heraus. Auch für die Rolle.

 

 

ZDF: Conny Klein

 

 

Verfolgen Sie soziales Engagement?

Ja, ich engagiere mich unter anderem im Karuna eV für Kinder und Jugendliche. Auch für die Lungenkrankheit Lymphangioleiomyomatose (LAM) betreibe ich Aufklärungsarbeit. Und für „Plant-for-the-Planet“ – der Verein wurde von Kindern ins Leben gerufen. Das find ich ganz großartig. Außerdem spende ich Geld an verschiedene Organisationen, wie Greenpeace, Foodwatch und ein Schulprojekt in Indien. 

(Plant-for-the-Planet) ist eine Kinder- und Jugendinitiative, deren Ziel es ist, bei Kindern und Erwachsenen ein Bewusstsein für globale Gerechtigkeit und den Klimawandel zu schaffen und letzteren aktiv durch Baumpflanzaktionen zu bekämpfen Anm. d. Red.)

 

Ein persönlicher Wunsch …

Dass ich mich mit meiner tollen Familie privat und mit meinen tollen Kollegen beruflich weiter entwickeln darf.


Ein Wunsch für die Welt …

Dass wir uns als Erdenbürger gut verstehen und mehr an das denken, was uns verbindet, als an das, was uns trennt.

 

 

ZDF: Conny Klein

 

 

 

 

 

 

Herzlichen Dank für das schöne Interview. Alles Liebe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 'Bei uns in der Familie wurde immer sehr viel getanzt. Mein Vater hat mit mir Walzer getanzt als ich ganz klein war. Mit mir auf seinen Füßen'.

Katharina Böhm