Kunst und Schauspiel


"Ein klassisches Konzert in meiner Jugend hat mich mit voller Wucht getroffen. Die Begeisterung für klassische Musik hat sich daraufhin in meinem ganzen System festgesetzt"

Pasquale Aleardi

Fotoausschnitt: ZDF Walter Wehner



„Weihnachtspäckchen haben alle zu tragen“ – Herzkino
Sonntag, 3. Dezember 2023, 20.15 Uhr

Adika (Yann Mbiene), der vor dem Fest als Paketfahrer jobbt, verliert trotz Stress selten seine gute Laune. Nur wenn er sich mit Pflegerin Tessa (Zoe Valks) um Parkplätze streitet, geht ihm das gegen den Strich. Eigentlich findet er Tessa interessant, aber traut er sich auch, sie anzusprechen? Tessa wiederum versucht, bei der resoluten Seniorin Charlotte Haslhuber (Sylvia Eisenberger) die Stimmung zu heben. Die feiert Weihnachten das erste Mal ohne ihren Mann. Und Frank Donneck (Pasquale Aleardi) hat eine schwere Last zu tragen.


Im Gespräch mit Pasquale Aleardi

Marion Graeber im November 2023


Hallo Herr Aleardi. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr.
Sehr gerne.

Wo sind Sie im Moment? Sie leben in Zürich….
Genau, ich bin gerade von den Dreharbeiten aus Frankreich zurückgekommen und bin jetzt zuhause in Zürich.

„Weihnachtspäckchen haben alle zu tragen“ wurde im Wettersteingebirge, in Mittenwald gedreht. Stimmt das?
Ja, wir waren direkt in Mittenwald.

Der Weihnachtsfilm wurde dieses Jahr im Januar gedreht. Wie war es möglich die Weihnachtsstimmung aufrecht zu erhalten?
Ehrlich gesagt, war das sehr einfach. Das echte Weihnachten war noch nicht lange her. Lacht. Ich hatte das Gefühl, alles riecht noch nach Blätterteig und Tannennadeln. Zudem wird in meiner Familie Weihnachten immer besonders doll gefeiert und so war das mit der Weihnachtsstimmung das kleinste Problem. Wir hatten auch das große Glück, dass unsere Gebete erhört wurden – es hat während unserer Dreharbeiten genau zum richtigen Zeitpunkt geschneit. Besonders schön war auch, dass das ganze Set, das ganze Produktionsteam, eine tolle Weihnachtsatmosphäre mit einem eigens aufgebauten Marktplatz geschaffen hat.

Das ist schön. Ich finde ja, dass der Januar eigentlich ein schwieriger Monat ist. Im November und Dezember leuchtet noch alles. Im Januar werden die Lichter ausgemacht…
Ja, da ist die Party dann vorbei. Lacht. Irgendwie haben wir sie dann aber, Gott sei Dank, wieder steigen lassen.

Dann haben Sie eine verlängerte, schöne Weihnachtszeit gehabt.
Ja, auf jeden Fall.

Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrer Rolle gereizt? … Ich durfte den Film vorab als Pressekopie sehen…
Und wie hat er Ihnen gefallen?

Es sind viele Themen aufgegriffen worden. Das finde ich gut. Migration, Home Office, … es geht um's Älterwerden, um Einsamkeit, um die Zustände in der Pflege, um gleichgeschlechtliche Liebe, um Verlust von Menschen … und dann Ihre ganz spezielle Thematik. Ihre Rolle hat mich berührt.
Ja, da ging es mir genauso. Als ich das Buch gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich die Rolle spielen wollte. Insbesondere, weil mich der Wunsch nach Versöhnung und Verzeihung, welche die Figur Frank Donneck in sich trägt, wirklich berührt hat. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist „Ist das Leben nicht schön?“ von Frank Capra aus den 1940er Jahren - unser Film hat mich irgendwie an ihn erinnert. Insofern hab ich mich gefreut, Teil eines Weihnachtsfilms zu sein, der in seiner Aussage wichtig ist. Gerade im Bezug auf Frank Donneck. Ihn zu spielen war natürlich eine sehr schöne Herausforderung aber gleichzeitig hat es mich auch gerührt. Denn, wenn man so Figuren spielt sieht man auch, wie gut es einem selbst geht. Das mag kitschig klingen aber wenn man einen Charakter, wie den von Frank Donneck spielt, ein Mann, der so eine Last mit sich trägt – das lässt einen das eigene Leben mehr wertschätzen.

So bleibt also schon was hängen von den Charakteren, die Sie verkörpern. Also, Sie nehmen Gedanken und Gefühle mit?
Ehrlich gesagt, ist das der Grund warum ich diesen Beruf ausübe. Es gibt keine einzige Rolle, die ich gespielt habe, die ich nicht spielen wollte. Keine einzige. Auch, wenn nicht jeder Film so herauskam wie ich mir das vorgestellt habe. Aber trotzdem und grundsätzlich ist es das, was für mir an erster Stelle steht wenn ich etwas lese – dieses, was kann ich beisteuern. Wie auch jetzt bei unserem Interview – man lernt sich ein bisschen kennen und je intensiver das stattfindet um so mehr nimmt man mit.

Man bereichert sein Leben…
Ja, es ist so eine verdichtete Form von Leben. Mir fällt spontan noch ein weiteres Beispiel ein: Wenn ich als Kommissar durch einen Raum gehe und diesen Raum scanne um eine Spur zu finden, dann könnte ich das hundert Mal machen ohne, dass es mir nur eine Sekunde langweilig wird. Ich schaue und betrachte immer anders. Ob beruflich oder privat. Etwas zu spielen ist ebenfalls eine Verdichtung von Leben. Genau das ist es auch, was ich immer wieder bewusst suche.

Es weitet den Blick. Auch das Reisen lässt einen Eindrücke und Inspiration aufsaugen und mit nach Hause nehmen. Reisen Sie gerne?
Ich liebe es vor allem, wenn man viel Zeit hat um sich auf die Reise vorzubereiten. Leider ist das immer weniger der Fall aber wenn es so ist, dann reist man wirklich auch in der Fantasie. Das bereichert. Auch die Auseinandersetzung mit den Werken in einem Museum, mit den Künstlern, bei der Musik mit den Musikern, beim Schauspiel mit den Schauspielern – all das ist Vorbereitung, der Versuch zu verstehen und zu kombinieren. Mensch und Kunst.  Es ist die Möglichkeit tiefer vorzudringen, sich Kunst, Mensch und Aussage  anzunähern.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Wir fahren jedes Jahr in den Süden nach Griechenland. Fast immer nach Kalamata. Das kann ich nur empfehlen. In Griechenland sind nicht nur die Inseln toll, man kann auch auf dem Festland wunderbar die Küsten abfahren und magischen Orten begegnen.

Ihre Mama ist Griechin, Ihr Papa Italiener. Ihr Name ist so wunderschön…
Es gab einen berühmten Philosophen, Aleardo Aleardi. Ein Dichter. Ich glaube wir haben ihm unseren Namen zu verdanken.

Im Film „Weihnachtspäckchen haben alle zu tragen“ spielt sich die Handlung in dem dörflichen Charakter von Mittenwald ab. Sie leben in Zürich. Direkt in der Stadt? Sehen Sie sich als Stadtmenschen?
Ich bin grundsätzlich schon mehr der Stadtmensch. Wir wohnen direkt in Zürich. … Überall wo ich gelebt habe, hab ich mir immer Wohnungen gesucht, die über einem Restaurant waren – oder Restaurants in unmittelbarer Nähe waren. Ich finde es einfach großartig Menschen zu beobachten und dem Trubel zuzuschauen. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich aus einer Familie komme, wo auch Trubel war. Als ich dann nach Deutschland bin, wollte ich mir den Trubel erhalten. Lacht. Ein Beispiel: bei großen Feiern, auch Weihnachten, lief bei uns immer der Fernseher im Hintergrund. Diese Geräuschkulisse bewirkt bei mir sofort positive Gefühle. Man fühlt sich sicher. Dann geht es um das kulturelle Angebot, welches es in Städten gibt. Kunst in all ihren Formen sehen zu können – das ist schon etwas, was ich sehr schätze. Aber natürlich liebe ich auch das Meer. Das ist ein Kraftort für mich. Auf das Meer könnte ich nicht verzichten. Ich könnte mir sogar vorstellen nur am Meer zu leben. Vielleicht ändert sich das aber einfach auch mit fortschreitendem Alter.

Ich habe gelesen, dass Sie auch mit den unterschiedlichsten Musikgenres aufgewachsen sind. In der Küche lief griechische Musik, bei den Geschwistern jeweils Elvis und Supertramp. Sie selbst haben mit zehn Jahren Klavierspielen gelernt. Sie haben viel klassische Musik gespielt und gehört. Wie sind Sie zur klassischen Musik gekommen?
Ich hatte eine ganz tolle Klavierlehrerin. Sie hat mir die klassische Musik nahe gebracht. Was mich außerdem wie ein Blitz durchfahren hat – als ich so elf, zwölf Jahre alt war, haben wir, von der Schule aus, ein klassisches Konzert besucht. Das hat mich mit so einer Wucht getroffen. Das hat sich mir im gesamten System festgesetzt. Wenn ich besser im Noten lesen gewesen wäre, wäre ich bestimmt Dirigent geworden. Lächelt. Das mach ich dann im nächsten Leben. Klassische Musik hat nochmal eine andere Komplexität und Tiefe. Was gerade in so unruhigen Zeiten schon was meditatives hat. Das beruhigt mich sofort. Ich liebe auch Filmmusik.

Dann ist klassische Musik Ihr bevorzugtes Musikgenre?
Zu über 60 Prozent. Ansonsten bin ich auch vielseitig. Höre beispielsweise gerne Jazz. Aber es stimmt schon. Gerade nach Dreharbeiten, wenn es körperlich intensiv war, dann beruhige ich mich mit klassischer Musik oder mit Filmmusik.

Pasquale Aleardi und die Phonauten sind am 1. Dezember in Stuttgart…
Hurra. Lacht.

Da möchte ich dabei sein…
Ich muss sagen, Sie werden es wirklich nicht bereuen. Ich kann das mit guten Gewissen empfehlen.

Wie beschreiben Sie Ihre Musik?
Wir nennen es Antidepressionsmusik mit dem Ziel Menschen, die aus dem Konzert wieder rausgehen, glücklich zu entlassen. Wir spielen Funk, Soul, Swing – mit eigenen, ironischen Texten, die darauf abzielen, hauptsächlich gute Stimmung zu verbreiten.

Wichtig in der heutigen Zeit…
Das kann man wohl sagen. Es gibt absolut nichts schöneres, als wenn man am Ende des Konzerts einfach vergessen hat, wo man ist und wer man ist. Lacht.
Unsere Besucher sind, auch wenn sie anfangs verhalten sind, im Laufe des abends wirklich happy. Das ist unser Ziel. Und, das gelingt uns zu 99,9 Prozent.

Das ist wundervoll. Ich freue mich.

Wie wichtig ist es Ihnen generell so vielfältig künstlerisch tätig sein zu können? Ich nehme an, Sie würden auf nichts verzichten wollen…
So ist es. Ich glaube, das hat mit meinem Background zu tun. Der ist so kulturell vielseitig. Wie Sie schon richtig recherchiert haben. Bei meiner Mutter in der Küche lief griechische Musik, bei meiner Schwester Supertramp und bei meinem Bruder Elvis – ich bin von einem Zimmer ins andere und war sofort in einer anderen Welt und in einer anderen Stimmung. Generell kamen mir, als Schauspieler, die unterschiedlichen Kulturen (Griechenland, Italien, Schweiz, Deutschland) auch extrem zugute. Ich schöpfe daraus. Meine Interessen und meine Liebe zur Kunst ist groß. Ob das gute Bücher sind, Bilder, ich zeichne und male selbst, das Musik machen – wenn ich eins nach dem anderen machen darf, dann geht es mir gut. Privat und beruflich. In diesem Jahr war es wieder toll und ganz bunt. Und musikalisch, da sind wir sowieso ganz durchgeknallt. Lacht. Es ist so vielseitig – aber das Leben ist ja auch so.

Musik findet ja viel in der Nacht statt. Sind Sie Nachtmensch?
Ich liebe die Nacht. Ich liebe Nachtdrehs, weil die den ganzen Ablauf umdrehen. Wenn man ans Set kommt, sagt man sich „Guten Morgen“ … und das am Abend. Das finde ich toll, weil sich alles ad absurdum führt. Ich muss sagen, ich hab die Nachtdrehs aber auch schon mal besser vertagen. Das Alter schlägt zu oder der Schlafmangel, durch die Kinder. Lächelt. Grundsätzlich bin ich aber schon ein Nachtmensch. Das merke ich dann, wenn die Kinder nicht da sind. Da wird es gleich wieder zwei Uhr nachts.

Kreative Prozesse in der Stille der Nacht – man nimmt Dinge anders wahr…
Absolut. Das stimmt.

Ich habe Joja Wendt gefragt „Wenn Sie ein Lied wären, welches wären Sie?“ Was wäre Ihre Antwort auf diese Frage gewesen?
Spontan denke ich an „Smile“ von Charlie Chaplin.

Diese Verbindung von Klassik, Jazz und traditionellem Tango – mögen Sie Astor Piazzollas Tango Nuevo?
Ja, total.

Tanzen Sie vielleicht auch?
Ich musste für einen Film Tango tanzen. Das fand ich wahnsinnig toll. Vor allem, dieses Zusammenspiel. Eigentlich müsste man Tango für alle Schauspieler und Schauspielerinnen einführen. Eine tolle Übung. Lächelt.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration? Sie schreiben Musik und Texte selbst…
Das ist eine gute Frage. Meistens, wenn man so ein bisschen loslässt und entspannt. Ob das unter der Dusche ist oder sonst wo. Ich höre dann innerlich Melodien. Sind diese stark genug, nehme ich sie sofort summend auf mein Iphone auf. Wenn ich die Melodie dann auf dem Klavier spiele, fällt mir manchmal direkt ein Text dazu ein. Oft machen wir Phonauten das aber auch zusammen.  Was die Phonauten betrifft entsteht eigentlich alles in Kooperation. Einer hat eine Idee oder ein Thema – daraus entstehen Musik und Text.

Sie schalten sich dann zusammen?
Ja, genau.

„DADA DIRLA DADA“ … Ich habe gelesen, dass Ihre Mutter Ihnen das vorgeklatscht hat…. Wie ist das Lied entstanden?
Ja, den Refrain kennt man im ganzen Balkan. Es dient absolut der guten Stimmung und man konnte gut einen Antidepressionssong daraus machen.

Wie entstand „Bevor du in die Kiste gehst“?
Das war mein Therapieprogramm während der Pandemie, als wir nicht raus durften. Da bin ich jeden Tag vier bis fünf Stunden dran gesessen. Das hab ich genossen. Weil ich auch so viel dabei gelernt habe.

Mit „Bevor du in die Kiste gehst“ sagen Sie, Sie feiern das Leben….
Ja, man sollte überhaupt das Leben feiern. Wir wissen alle nicht, wie lange wir da sind. Man denkt immer, nur die anderen sterben. Aber wir sind alle vergänglich. Deswegen hab ich am Anfang unseres Interviews auch von dem Meisterwerk „Ist das Leben nicht schön“ erzählt. George Bailey (James Steward) will sich das Leben nehmen. Da zeigt ihm der Engel Clarence (Henry Travers) auf, wie das Leben ohne ihn ausgesehen hätte. Wir denken immer, wir haben keinen Einfluss auf Dinge, oder all das macht keinen Sinn. Aber es macht eben schon Sinn und man hat einen größeren Einfluss als man sich das denkt.

Darf ich Sie fragen ob Sie religiös oder spirituell sind?
Gute Frage. Wir waren in der katholischen Kirche und auch in der griechisch-orthodoxen. Was ich geliebt habe war, dass die griechisch-orthodoxe Kirche immer so etwas mystisches umgab. Es wurde viel gepredigt und auch gesungen. In den vorderen Reihen ging alles geordnet zu und in den hinteren wurde gequatscht und über Gott und die Welt geredet. Diese Lebendigkeit fand ich immer sehr spannend. Insofern glaube ich schon, dass es eine höhere Intelligenz gibt. Dass wir mehr sind als Fleisch und Blut. Ich kann es mir einfach nicht anders vorstellen. Ich merke das schon, wenn ich ein Konzert gebe. Dieser Energieaustausch, der da stattfindet. Am Anfang sind alle verhalten, gegen Ende tanzen alle auf den Tischen. … Auch Albert Einstein sagte ja schon „Energien gehen nicht verloren“.

Noch ein paar kurze Fragen/Antworten

Kaffee oder Tee?
Beides

Lieblingsplatz zuhause?
Sofa vor dem großen Fernseher und am Klavier

Sie malen gern?
Ja, da rutsch ich gerade wieder so rein. Jetzt, wo meine kleinen Jungs gerne malen. Falls ich hoffentlich alt werde und mich vielleicht nicht mehr so gut bewegen kann, werde ich wahrscheinlich nur noch am Klavier sitzen und malen….

Lieblingsjahreszeit?
Tendenziell schon Frühling und Sommer

Und zum Abschluss noch die Frage nach Ihrem Lieblingskinderbuch…
Wichtiger waren für mich damals die Hörbücher. Eines, welches mich sehr geprägt hat war „Das Dschungelbuch“. Das hab ich rauf und runter gehört. Dadurch wurde auch mein Deutsch besser, denn ich bin mit der griechischen und der italienischen Sprache aufgewachsen. Später kam in der Schule noch Französisch dazu. Für mich war in der Folge auch wichtig nach Deutschland zu gehen. Ich wollte Theaterspielen und mir war bewusst, dass ich dafür Hochdeutsch brauche.
Zurück zum Dschungelbuch – wir geben als Phonauten auch gerne bei unseren Konzerten die Zugabe „Ich wär so gern wie du“. Lächelt.

Ich freu mich schon drauf. Tickets sind gekauft.
Das finde ich super.

Dann möchte ich gerne mit meinem Lieblingslied von Ihnen schließen:
„Ich find dich/Sie toll“… Lieben Dank, für das schöne Gespräch.
 

Lacht. Danke. Bis Dezember.



Information: Das Konzert "Pasquale Aleardi und die Phonauten" wurde wegen Krankheit auf den 23. Januar 2024 verschoben






"Ich habe meine Musik im Herzen und im Kopf"

Maren Kroymann

Fotoausschnitt: ZDF Willi Weber


Zwei Jahre nach der erfolgreichen Komödie "Mona & Marie" über die zwei ungleichen Schwestern gibt es nun ein Wiedersehen. Monas 70. Geburtstag steht vor der Tür - oh Gott! Was für eine Zahl. Nur gut, dass sie nicht weiß, dass ihre Schwester Marie eine Überraschungsparty für sie organisiert. Zu allem Überfluss läuft die Pension schlecht, die Küchengeräte streiken, Monas Tochter Sophie wird von ihrer Frau betrogen, und dann kommt auch noch die Liebe in den Weg .....

"Mona & Marie - Ein etwas anderer Geburtstag"  Komödie - Montag, 4. Dezember 23, 20.15 Uhr ZDF


Im Gespräch mit Maren Kroymann

Marion Graeber im November 23


Hallo liebe Fau Kroymann. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich.
Guten Tag, Frau Graeber. Ja klar, sehr gerne.

Sie leben in Berlin… Sind Sie gerade zuhause?
Ja, ich bin in Berlin. Ich habe gerade meine neue Folge „Kroymann“ abgedreht. Vor mir habe ich meine Tournee, welche mich auch nach Süddeutschland führt. Jetzt sitze ich an meinem Schreibtisch, vor meinem Rechner. Lächelt.

Sie sind in Tübingen aufgewachsen. Mein Dialekt ist Ihnen bestimmt vertraut.
Das höre ich immer gerne. Ich habe den schwäbischen Dialekt erst später gelernt, da ich Berliner Eltern hatte. I kanns aber scho au no.

Mein Papa ist in Berlin groß geworden. Meine Mama am Bodensee. Bei mir hat sich der Stuttgarter Dialekt durchgesetzt. …
In welchem Zeitfenster waren Sie in Tübingen?

Ich bin kurz nach meiner Geburt nach Tübingen gekommen. 1967 hab ich mein Abi gemacht. Dann war ich ein Jahr in den USA, dann wieder zwei Jahre in Tübingen, wo ich auch Theater gespielt habe. Dann habe ich ein Jahr in Paris studiert. In Berlin war ich ab dem Wintersemester 1971/72.

Haben Sie auch Sehnsucht nach der Region?
Ja. Ich schaue immer, dass ich zwei/drei Mal im Jahr nach Tübingen komme. Organisiere mir Auftritte, spiele mein Programm. Am 21. November beispielsweise, gebe ich eine Lesung in Stuttgart. Ich liebe Tübingen sehr. Habe eine gute Freundin dort und zwei meiner Brüder mit ihren Frauen.

Lieblingsjahreszeit für einen Heimatbesuch?
Ich muss hauptsächlich in der Weihnachtszeit nach Tübingen kommen, an einem Adventssonntag. Da zwinge ich dann meine Brüder mit mir Weihnachtslieder zu singen. Wie früher.

Das ist schön. In Tübingen gibt es ja auch den Schokomarkt …
Hab’s leider noch nicht geschafft den zu besuchen. Muss mal schauen, ob ich das dieses Jahr hinbekomme.

In "Mona & Marie II" geht es, wie auch im ersten Film, um Frauenfreundschaft, Familie, Verbindung zur Schwester, gleichgeschlechtliche Liebe, Affären,
Krankheit, Liebe in unterschiedlichen Lebensphasen…. Wie wichtig ist Ihnen diese Themenvielfalt?

Ganz wichtig. Das sind alles Themen, die ich immer wieder behandle. Auch in meiner Satiresendung „Kroymann“ geht es oft um die Entwicklung von Frauen im Alter und deren Darstellung. Da gibt es im Fernsehen, meiner Meinung nach, viel zu wenig gute, komplexe Frauenrollen. Das Drehbuch zu „Mona & Marie“ hat mir daher so gut gefallen – wir sind da ja so ein bisschen „Jenseits von Gut und Böse“, wie immer gesagt wird. Wir sind nicht mehr durch „fuckability“ gekennzeichnet. Ich find’ gut, dass Frauen unabhängig von Männern leben können. Unsere Filme interessieren Frauen. Aber auch Männer. Der erste Film von „Mona & Marie“ hatte ja eine unglaublich hohe Einschaltquote. DieZuschauer*innen mochten das also – zwei ältere, selbstständige Frauen, die sich offensichtlich, auch als Schauspielerinnen, gut verstehen. Diese Themen mit Humor behandeln zu können – das macht Spaß und ist wirklich sehr lustig.

Absolut. Sie haben aber auch einen so tollen Humor. Ich liebe auch den Film „Zu dir oder zu mir“ mit Ihnen und Walter Sittler.
Ich mochte den auch sehr. Schön, dass Sie das sagen. Da haben wir damals auch noch am Drehbuch mitgearbeitet, zusammen mit dem Regisseur Ingo Rasper. Da haben Sie recht, dass da mein ganz persönlicher Humor mit einspielt.

Als SchauspielerIn gibt man auch immer sich selbst mit in die Rolle. Sehen Sie das auch so?
Ja, das stimmt – so wie es die Rolle zulässt oder erfordert. Nicht zuviel, nicht zuwenig von sich – das ist die Kunst. Ich freue mich, dass ich so ein bisschen eine wiedererkennbare Form von Humor habe – eine Art „Kroymann“-Style.

Wie ist Ihr Zusammenspiel mit Ulrike Kriener?
Es ist einfach toll, mit Ulrike. Wir haben schon mehrfach zusammen gespielt. Und sind auch im richtigen Leben befreundet. Lächelt. Ihr Ruhrpott-Humor, verbindet sich mit meiner Art ganz wunderbar. Wir haben diese Fähigkeit völlig unsentimental zu sein und das ist für unsere Form von Humor wichtig. Ich lieb das einfach mit Ulrike.

Ja, eigentlich sind Sie ganz unterschiedlich, aber ergänzen sich ganz wunderbar. Sie agieren so ein bisschen mit Schlagabtausch ...
Ja, genau. Wir haben ein ähnliches Gefühl für Timing. Wir spielen wahnsinnig gern zusammen. Das flutscht gut.

Im Teil I leben Sie in „Mona & Marie“ ein High Socity Leben in Düsseldorf – in der Fortsetzung leben Sie bei Ihrer Schwester Marie an der Nordsee. Wo wurde gedreht?
Bei Leer, auf dem Festland. In Ditzum ist eine Küste so gestaltet, dass man sofort glaubt, auf einer Insel zu sein. Es ist sehr schön da. Die Innenaufnahmen haben wir dann bei Köln gedreht.

Reisen Sie gerne?
Ich bin ja ein neugieriger Mensch. Ich hab das große Privileg, dass ich durch die Dreharbeiten viel sehe. SchauspielerInnen lernen durch die Arbeit immer wieder neue Gegenden kennen. Das ist super. In der vergangenen Zeit hab ich aber so viel gedreht, dass ich auch mal froh bin, zuhause zu sein.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Väterlicherseits habe ich Vorfahren in der Nähe von Flensburg. Mein Name „Maren“ ist auch ein norddeutscher. Irgendwie fühle ich mich im Norden sehr wohl. Ich liebe auch das Meer, und dieses Wetter dort. In den 1980ern bin ich mehrfach nach Spiekeroog gefahren. Das war sehr schön. Aber das wechselt dann auch wieder.

Je nach Lebensphase?
Ja, genau. Ich fahre auch gerne nach Bayern. Ich bin gern in Tübingen. Und, wandern auf der Alb find ich auch schön. Generell ist es einfach auch toll, dieses Land durch Dreharbeiten so kennenlernen zu dürfen.

Auch etwas, was in der Pandemie passiert ist – Menschen haben sich im eigenen Land etwas besser umgesehen…
Ja, das war etwas Positives in der schrecklichen Zeit der Pandemie. Man hat da genauer hingeschaut.

Sie sind Schauspielerin, Kabarettistin, Sängerin. Ihre erste Liebe zur Musik sagen Sie, sei der Rock 'n' Roll gewesen. Stimmt das?
Wir haben den amerikanischen Soldatensender AFN gehört, der von Stuttgart aus sendete. Beziehungsweise, mein Bruder Burkhard. Er hat mit seinem Tonbandgerät die Radiomusik aufgenommen. Ich hab mitgehört. Meine erste Liebe war Elvis Presley. Da war ich so acht/neun Jahre alt. Diese Musik habe ich auch in meinem ersten Kabarettprogramm „Auf Du und Du mit dem Stöckelschuh“ aufgegriffen.

Welches Musikgenre hören Sie heute?
Kein bestimmtes. Ich hab die klassische Musik ganz tief in meinem Herzen. Mit fünf Jahren bin ich ins Chörle gegangen. Hab mich dann durch alle Bach- und Schütz-Oratorien gesungen. Bach ist für mich das A und O.

Spielen Sie ein Instrument?
Ich hatte Klavierunterricht und bin bis zu den leichteren Mozart-Sonaten vorgedrungen.

Popmusik?
Auch ganz wichtig. Das Phänomen Popkultur gibt es ja erst seit den 1950er Jahren. Diese Musik zu hören, das bedeutete auch sich von der Welt der Eltern abzugrenzen. Durch meine Brüder, wie gesagt, Rock 'n' Roll …. In meinem Bühnenprogramm „In my Sixties“ singe ich die ganzen Lieder, die mich in meiner Pubertät begleitet haben. Da kommt auch Tübingen immer wieder mit ins Bühnenprogramm. Da bin ich ganz treu – spreche viel über meine Jugend. Nochmal zur Musik: Ich höre wenig die Musik von früher, denn die hab ich im Herzen und im Kopf. Ich hab die gesammelten Werke von Elvis zuhause aber ich leg sie selten auf. Ich hab die Gefühle, die ich beim Hören der Musik habe, auch wenn ich mich daran erinnere. Brasilianische Musik, Samba, Jazz – gehören auch zu meinen musikalischen Vorlieben. Genauso wie französische Chansons. Über die ich in den 80ern mal eine regelmäßige Radiosendung gemacht habe.

Brauchen Sie auch die Stille?
Ich arbeite sehr viel und habe dadurch eine Reizüberflutung. Ich muss viel Text lernen und aufnehmen. Ich singe auch. Und höre dann wenig Musik. Ich will mich auf Musik einlassen. Ich bin kein Mensch, der so nebenbei Musik hört. Höchstens mal während ich koche. Da läuft mal das Radiogerät und ich lerne neue Bands kennen. Das kann ich dann auch genießen. Ansonsten bin ich schon auch auf die Stille angewiesen, ja.

Tanzen Sie gern?
Ich war im Stuttgarter Ballett und habe eine Ausbildung zur klassischen Tänzerin durchlaufen. Ich tanze sehr gern. Leider nicht oft, weil mir die Gelegenheit dazu fehlt. Ich baue die Bewegung aber immer wieder gerne in meine Programme ein.

Mögen Sie den Tango Argentino?
Find ich ganz toll. Ich habe einen Neffen und eine Nichte, die beide schon seit Jahren Tango Argentino tanzen.

Sie machen täglich Sport?
Ich schwimme. Habe mir das Kraulen beigebracht. Das ist mir wichtig. Ein toller Alterssport, da die Gelenke entlastet werden. Das mach ich im Sommer im Freibad auf einer 50 Meter Bahn. Bin auch gern im Wald spazieren oder fahre Fahrrad. Ich versuche mich jeden Tag eine Stunde zu bewegen.

Ich habe gelesen, dass Sie über amerikanische Filme zum Schauspiel gekommen sind. Stimmt das?
Das ist etwas übertrieben. Ich fand als Kind die amerikanischen Filme eben besonders beeindruckend. Die liefen bei den alljährlichen Filmkunstwochen in der "Blauen Brücke" in Tübingen. Da liefen früher immer die Klassiker. Mit James Dean beispielsweise. Bin aber auch immer schon am Showbusiness interessiert gewesen. Eartha Kitt, Marilyn Monroe – fand ich auch immer spitze. Ich mag die amerikanische Kultur, die Literatur. Ich hab eine große Lust auf Entertainment. Ich wollte dann irgendwann auch eine eigene Show und habe dafür ein Bühnenprogramm entwickelt. Dadurch wurde ich fürs Fernsehen entdeckt.

Sie haben schon viele Talente. Können viel abdecken. Sie sind die erste Frau mit einer Satiresendung im deutschen Fernsehen.
Ja, das stimmt – ich war die erste Frau mit einer eigenen Satiresendung. Da hatte ich aber auch Glück, dass mir das der Chef von Radio Bremen damals angeboten hat. Er hat auch Rudi Carrell, Hape Kerkeling und Loriot entdeckt. Ein toller Typ – ich bin ihm sehr dankbar.

Chancen sehen und ergreifen…
Ja, das ist ganz wichtig. Im Ergreifen bin ich ziemlich gut. Lächelt.

Da freuen wir uns als Zuschauer…
Das ist schön. Lächelt.

Haben Sie ein Lieblingskinderbuch welches Ihnen vorgelesen wurde oder Sie als Erstlingslesebuch selbst gelesen haben?
Uns wurde nicht vorgelesen – ich habe immer selbst gelesen. Mein erstes Buch hat mir meine Patentante geschenkt – Grimms Märchen. Es war ja noch die Zeit, bevor es wirklich Kinderliteratur gab. Später dann kam Astrid Lindgren – das hab ich verschlungen. Vor allem Kalle Blomquist.

Eine Schnellfragerunde

Kaffee oder Tee?
Tee

Lieblingsessen?
Gemüsecurry mit Reis. Aber auch schwäbischer Kartoffelsalat. Den mach ich auch selber.

… mit Maultaschen?
Die kaufe ich mir dazu. Die mache ich nicht selber.

Ihr Lieblingsplatz zuhause?
Ich muss schon sagen, der Küchentisch ist mir sehr lieb. Ich koche sehr gerne und halte mich einfach gerne hier auf. Ich geh auch gerne auf den Markt und kaufe frisches Gemüse. Das landet ja dann auch in der Küche. Lacht. Ich habe aber auch andere schöne Orte in meiner Wohnung – aber die Küche ist doch ein Lieblingsplatz.

Nachtmensch oder „Der frühe Vogel fängt den Wurm“?
Beides. Nach dem Klimakterium fing es an, dass ich nicht mehr so lange schlafe. Und trotzdem hab ich nachts zwischen 23 bis 2 Uhr kreative Momente. Wenn ich zuhause bin mach ich dann einfach auch mal ein Mittagsschläfle. Lächelt. Grundsätzlich versuche ich dann aber wieder früher ins Bett zu gehen. Ich hab nämlich auch zwischen 6 und 7 Uhr ganz gute Gedanken. Da sitze ich dann oft schon an meinem Rechner, so dass ich bis 10 Uhr bereits viele gute Sachen erledigt habe.

Ich möchte mich ganz lieb für das schöne Gespräch bedanken, liebe Frau Kroymann. Das war so schön.
Ich danke Ihnen, Frau Graeber. Ade




"Mein Sehnsuchtsort, der mich immer zu meinen Sehnsuchtsorten bringt, ist der Flughafen"

Martin Gruber


Fotoausschnitt: ZDF Pietro Domenigg



Nahe eines Cafés in einem berüchtigten Viertel wird ein Mann namens Nix erschossen und eine offensichtlich Engvertraute neben ihm schwer verletzt. Eine ältere Zeugin im Haus gegenüber, Welly Zach, glaubt den Täter zu kennen: Ferdl. Sie berichtet, dass er und das Mordopfer sich schon oft die Köpfe eingeschlagen hätten. Nichts Außergewöhnliches in dem kleinkriminellen Milieu. …

SOKO Wien – Der gschupfte Ferdl Staffel 14 Folge 5
Freitag, 3. November 2023, 18 Uhr

Hallo lieber Herr Gruber, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Das ist schön.
Aber natürlich. Sehr gerne. Ein Gespräch mit Ihnen an einem sonnigen Freitagvormittag. Wie ist das Wetter bei Ihnen?

Herrlich. Danke. Wir sind nicht weit voneinander entfernt. Sie leben in München?
Das stimmt. Aber ich drehe und arbeite in Wien, wo ich auch derzeit bin. 

Das wäre meine nächste Frage gewesen – wie gut lässt sich das Privatleben in München mit der Drehsituation in Wien verbinden?
Wir drehen eine Staffel in Wien, das sind zwischen 13 und 16 Folgen. Die restliche Zeit des Jahres bin ich, je nach Engagement, in München.

Sie sind viel unterwegs…
Ja, das gehört zum Job dazu. Ich mach das schon seit über 30 Jahren. Aber ja, das stimmt, ich bin schon viel weg.

Ich durfte die Staffel 14 Folge 5 als Pressekopie sehen. Wie sind Sie mit dem österreichischen bzw. Wiener Dialekt zurecht gekommen? Sie sprechen in der Folge Hochdeutsch.
Ja, ich bin der einzige der Hochdeutsch spricht. Das ist so gewünscht. Es ist ja eine Koproduktion zwischen ZDF und ORF. Da gibt es bei der Soko Wien also den Piefke, einen Deutschen, der den Kommissar mimt. Die anderen Darsteller um mich herum, bis auf Maria Happel, sind eingefleischte Österreicher, nicht Wiener – das muss man dazu sagen. Alles übrigens sehr liebe Kollegen. Aber Sie haben schon recht, es gibt tatsächlich einige Ausdrücke, die ich nicht gleich verstand. „Der kommt in die Häfen“, ist ein Beispiel dafür. Ich dachte mir, Österreich ist ja nun wirklich kein Land, das viel Meer um sich hat – welcher Hafen ist denn gemeint? Es hat gedauert, bis ich verstanden habe, dass Häfen eigentlich Gefängnis bedeutet. So gibt es ein paar weitere Beispiele und Herausforderungen. Wobei man sagen muss, der österreichische Dialekt ist dem bayerischen nicht ganz fern.

Ich kenne Menschen im Norden Deutschlands, die die Rosenheim Cops anschauen und tatsächlich verstehen. Das funktioniert also auch mit Dialekt.
Man versteht es immer aus dem Kontext heraus. Das war bei den Bergrettern nicht anders. Die Zuschauer schauen nicht unbedingt wegen den Schauspielern sondern auch aufgrund der Umgebung. Wie die Bergwelt hat auch Wien optisch, visuell eine Menge zu bieten. Die wahnsinnig tolle Altstadt, die alten Bauwerke – Wien ist eine schöne Stadt.

Wobei ich schon anmerken möchte, dass viele Zuschauer schon auch wegen den Schauspielern die Formate sehen.
Das ist dann natürlich gut, wenn das so ist. Lächelt.

Sie verkörpern in Soko Wien den Max Herzog. Wie ist die Figur angelegt?
Es ist ja beim seriellen Format so, dass nur begrenzt Zeit bleibt, den Figuren spezielle Kanten und Ecken zu verleihen beziehungsweise den Charakter auszuarbeiten. Wir drehen vier Drehbücher parallel und nicht chronologisch. Es ist also so, dass man versucht, die Figur relativ nah bei sich selbst anzulegen. Der Text, der Dialog, welcher einem in den Mund gelegt wird sowie die fiktiven Umstände, also die Geschichte an sich, lässt dann einen Mix entstehen den wir dann hoffentlich authentisch rüberbringen.

Also ist die Geschichte im Vordergrund, nicht die Figur?                                                                                                                                 Ja, wir leben leider nicht in der "Dr. House" oder in der "Breaking Bad" Welt, wo die Hauptfiguren die Geschichten tragen. Wo man das Gefühl hat, dass sich die Geschichten nach den Figuren entwickeln. Bei uns ist es so, dass wir ein festes Geschichtsgerüst haben. In dieses Gerüst werden die einzelnen Figuren gesetzt. Da gibt es feste Gesetze - 5 Episodenfiguren, 6 feste Hauptdarsteller – und jeder dieser Figuren muss eine Zeit von 2 bis 10 Minuten gewährt werden. Das teilt sich dann zu 52 Minuten Ausstrahlungszeit. Wir leben diese Geschichten und glauben an diese – so entstehen die Figuren. Tatsächlich hab ich aber zum Casting eine Figurenbeschreibung bekommen. Da stand beispielsweise, dass die neue Figur Thomas Neuer heißt. Da hab ich mich dann aber dagegen ausgesprochen. Der Name war mir viel zu nah an unserem Welttorhüter Manuel Neuer. Wir haben uns dann auf Max Herzog geeinigt. In der Figurenbeschreibung stand also, dass Thomas Neuer eine polnische Mutter hat und wahnsinnig gerne Borschtsch isst. Außerdem soll er eine Schildkröte zuhause haben. Lacht. Das sind alles Ideen, welche der Autor schreibt, hineinwirft, in die Geschichte, um der Figur ein bisschen Hintergrundinformation zu geben. Was dann aber tatsächlich bleibt, entwickeln sich bei der Besetzung. Es gibt also keine polnische Mutter, kein Borschtsch – wir haben lediglich eine Dartscheibe in die Geschichte aufgenommen. Das war's. Nur, dass er ein deutscher Kommissar ist, der sich mit Korruptionsfällen auseinandersetzt, das steht fest.

Wenn man die Serie verfolgt entwickelt sich ja wahrscheinlich von alleine ein Charakter, weil Sie als Schauspieler Ihrer Figur ja einen Charakter verleihen. Das passiert ja fast schon automatisch...Sie geben Ihrer Rolle etwas von sich…
Richtig. Es ist ein Geben und Nehmen. Vom Autor, vom Schauspieler, von der Produktion. Das braucht aber ein paar Jahre bis sich das wirklich entwickelt. Ich bin jetzt das dritte Jahr dabei – wir sind mit der Ausstrahlung weit hinterher – und wir befinden uns tatsächlich jetzt in einer ganz anderen Situation. Die Autoren sehen, wie sich die einzelnen Schauspieler bewegen, wie sie sprechen. Auf diese Weise entwickeln sich Charaktere quasi wie von selbst aus und können dann von den Autoren so auch weitergeführt werden.

Sie sagen, Sie sind schon drei Jahre dabei und die Ausstrahlung hinkt hinterher. Dann müssen Sie bei meiner nächsten Frage in Ihrer Erinnerung graben. Wie war es sich in ein bestehendes, festes Team einzufügen?
Da muss ich in mein Archiv. Lacht. Ich erinnere mich gut, es war, glaube ich, für mich wesentlich aufregender als für das bestehende Team. Man muss ja dazu sagen, die Soko gab es zu dem Zeitpunkt als ich eingestiegen bin schon 17 Jahre. Das ist sehr lange und dementsprechend lange sind die Leute vor und hinter der Kamera dabei. Des Weiteren muss man bemerken, dass Stefan Jürgens große Fußabdrücke hinterlässt, denn auch er war 14 oder 15 Jahre dabei. Ich bin also da hingekommen und habe darüber nachgedacht, ob ich der Sache wohl gerecht werde, das kann. Ich habe noch nie zuvor einen Kommissar gespielt. Ich war also durchaus nervös vor dem ersten Drehtag. Ich hab mich, mit Hilfe eines Freundes, der bei der Polizei arbeitet, akribisch vorbereitet. Er hat mir sehr geduldig einige wichtige Dinge beigebracht, die man als Kommissar so wissen muss. Ich hab da dann aber auch festgestellt, was für ein unglaublich schwieriger Job das im echten Leben ist. Am Set benehmen sich alle recht anständig. Diese Unberechenbarkeit, die es im echten Leben ja gibt, der möchte ich nicht begegnen. Mein größter Respekt. Polizisten sind die Helden unseres Alltags. Ich bin froh, dass ich das spielen darf und nicht erleben muss. Das wäre im richtigen Leben nicht mein Job.

Was ich gesehen habe, hat mir gut gefallen.
Das freut mich.

Dürfen Sie etwas sagen zum Übergang. Was passiert in der Folge wo Sie einsteigen und Stefan Jürgens aussteigt?
Ich sag mal so, es gibt eine eskalierende Situation auf dem Revier. Diese führt dazu, dass Carl Ribarski (Stefan Jürgens) den Hut nimmt.

Spielen Sie in einer Folge gemeinsam?
Wir leben mehr oder weniger in parallelen Welten. Meine Figur wird insofern eingeführt, als dass es einen Fall gibt, der länderübergreifend ist. Es gibt einen Täter, der in Deutschland gesucht wird und bei der Soko Wien auftaucht. Da kommt dann Max Herzog ins Spiel. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Sokos haben alle so ihren eigenen Drive, Charakter und Charme – Sie haben in einigen Soko Folgen selbst auch mitgewirkt – was ist das Besondere an Wien?
Wien selbst. Ich war bei den anderen Soko Formaten zwar dabei aber nicht so intensiv wie in Wien. Das waren nur wenige Tage als Gastschauspieler. Es ist diese visuelle Reichhaltigkeit in Wien, die das Format so schön macht. Aber es stimmt – jede Soko hat einen ganz eigenen Stil. Da gibt es ganz spezielle und unterschiedliche Vorgaben für jedes einzelne Soko Format. Für mich persönlich ist jetzt natürlich die Soko Wien das "non plus ultra", da ich ein Teil davon bin. Lächelt.

Warum denken Sie, ist Krimi, Soko und Co so beliebt beim Zuschauer? Was ist der Reiz für den Zuschauer, was für den Schauspieler?
Ich denke, dass der Reiz für den Zuschauer darin liegt, dass er die Möglichkeit hat mitzuraten. Das ist das gleiche Phänomen wie bei „Wer wird Millionär“. Jeder ist ganz froh, wenn er nicht auf dem Ratestuhl sitzt, freut sich aber, wenn er die Antwort zuhause auf dem Sofa weiß. Ich denke, das gilt generell auch ein bisschen für die Krimis. Für den Schauspieler, für mich gesprochen – ich bin ein Arbeitstier. Ich liebe es zu arbeiten und mag deshalb auch das serielle Format. Ich liebe es auch in einem festen Gefüge zu sein, das man sonst, als freischaffender Künstler, nur selten hat. Das kommt auch dem Theater so ein bisschen nahe. Wobei ich mit der Aussage vorsichtig sein muss, da der Arbeitsaufwand Theater und Serie doch unterschiedlich ist.

Sie waren auch schon mit dem Traumschiff unterwegs. „Kolumbien“ und „Macau“. Reisen Sie privat auch gerne?
Durchaus. Das ist eines meiner Steckenpferde, neben der Fotografie. Ich muss gestehen, dass ich bevor ich meinen Fuß das erste Mal auf das Traumschiff gesetzt habe, nicht gedacht habe, dass das so eine spannende Geschichte ist. Man belächelt so ein bisschen die eher seichten Geschichten, die da erzählt werden. Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich hab mich noch niemals so gut amüsiert wie auf diesen Reisen. Das war fantastisch. „Macau“ übrigens hätte eigentlich anders heißen müssen. Ich bin in Auckland zugestiegen und hab sämtliche Südseeinseln erlebt .. Bora Bora, Tahiti, auf der Osterinsel hab ich geschmust und bin über Lima wieder zurückgekehrt. Lächelt.

Sie haben viel gesehen. Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ich glaube, ich habe Sehnsuchtsorte. Der Sehnsuchtsort der mich immer zu meinen Sehnsuchtsorten bringt ist der Flughafen. Für mich fängt der Sehnsuchtsort also am Flughafen an.

Ich habe gelesen, dass Sie Gitarre spielen. Stimmt das?
Ja, aber nicht mehr aktiv. Ich hab als Teenager auch Akkordeon gespielt. Das Gitarrenspiel hab ich in New York nochmal aufgegriffen und gut zehn Jahre gespielt aber das ist jetzt doch auch schon länger her. Ich bin vielleicht noch der Lagerfeuer Gitarrist. Lacht.

Was ist Ihr liebstes Musikgenre?
Ich höre wahnsinnig gerne Musicals. Des Weiteren höre ich grundsätzlich gerne Heavy Metal und Hard Rock. Gerade auch beim Autofahren – wenn ich mir nicht gerade ein Hörspiel anhöre.

Sie sind auch sportlich. Mir ist natürlich gleich aufgefallen – Sie tanzen?
Ja, ich bin bis zum silbernen Abzeichen in der Tanzschule gekommen und habe auch Turniere getanzt.

Auch mal den Tango Argentino getanzt?
Ich habe einen Freund in Los Angeles – ein fantastischer Tango Argentino Tänzer. Ich kann das leider so nicht. Lächelt.

Vielleicht ergibt sich mal die Möglichkeit – wenn Sie die Begabung schon mitbringen.
Das weiß ich nicht, ob ich die Begabung mitbringe. Ich habe nur gesagt, dass ich es gemacht habe. Lacht.

Sie haben in vielen verschiedenen Formaten mitgewirkt. Spielten in großen Naturkulissen und auch in Weltstädten … Wofür schlägt Ihr Herz – Natur oder Stadt?
Definitiv beides. Ich brauche die Stadt genauso wie die Natur.

Sind Sie Nachtmensch?
Ich bin mehr „der frühe Vogel fängt den Wurm“ Mensch.

Und noch eine Frage zum Abschluss: Welches war Ihr erstes Kinderbuch?
Definitiv „Die drei Fragezeichen“. Lächelt.

Ich kenne Menschen, die das auch im Erwachsenenalter noch hören. Gehören Sie da auch dazu?
Ich gehöre mittlerweile dazu, da meine Tochter das hört. Lacht.

Das ist toll. Ich gehöre ja der „Hanni und Nanni“ Fraktion an.
Auch nicht schlecht. Lacht.

Hab mich sehr gefreut. Vielen Dank, lieber Herr Gruber. Weiterhin viel Spaß und Freude in Wien.                                                                              Ich danke Ihnen.








"Mein Sehnsuchtsort ist immer da wo ich gerade bin"

Mark Waschke


Fotoausschnitt: ZDF Klemens Hufnagl





Die Sommerreihe "Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten" der ZDF-Nachwuchsredaktion Das kleine Fernsehspiel startet mit dem Film "Der menschliche Faktor", in dem ein mysteriöser Einbruch die Beziehungen innerhalb einer Vorzeigefamilie infrage stellt. Nina (Sabine Timoteo) und Jan (Mark Waschke) leiten zusammen eine Werbeagentur. Als Jan ohne Rücksprache mit seiner Frau den heiklen Auftrag einer politischen Partei annimmt, überlegt Nina, aus der gemeinsamen Firma auszusteigen. Um ihre Ehe zu retten, verbringen sie ein Wochenende im Ferienhaus. Doch die Ankunft wird von einem mysteriösen Einbruch überschattet. Während der Vorfall anfangs wieder zusammenschweißt, droht die unterschiedliche Wahrnehmung der Geschehnisse das fragile Familienidyll bald darauf wieder zu zerstören. Das ZDF zeigt "Der menschliche Faktor" am Mittwoch, 9. August 2023, 23.15 Uhr. Ab Freitag, 4. August 2023, ist der Film 90 Tage lang in der ZDFmediathek abrufbar.



Im Gespräch mit Mark Waschke
Marion Graeber im Juli 23

Hallo Herr Waschke, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich.
Sehr gerne.

Sind Sie gerade in Berlin?
Ich bin gerade in Berlin und bereite mich auf meine Rolle für einen Film vor, den ich nächste Woche für's ZDF in Hamburg drehe.

Das Drama „Der menschliche Faktor“ spielt ebenfalls in Hamburg und an der belgischen Küste.
Ist das korrekt?

Genau. Wir haben für „Der menschliche Faktor“ vorwiegend in Hamburg gedreht und sind für die entsprechenden Szenen nach Belgien an die Küste gefahren. Das Ferienhaus, welches in Belgien beheimatet sein soll, steht allerdings am Stadtrand von Hamburg. Wir haben es sozusagen, über den Schnitt, nach Belgien verlegt. Man geht über einen Hügel und ist plötzlich in den Dünen. Das hat gut funktioniert.

Dann sind nur die Szenen am Meer an der belgischen Küste?
Das ist die sogenannte kleine belgische Küste. Eine merkwürdig anmutende Natur mit einer dagegen stehenden Stadtatmosphäre.

Ich habe den Film vorab als Pressekopie gesehen und war die ganze Zeit in Alarmbereitschaft. Ich dachte jeden Moment, dass etwas passiert. Es geht um Brüchigkeit von Fakten und Beziehungen. Also, um den menschlichen Faktor. Was hat Sie am Drehbuch gereizt?
Wie Sie sagen, diese Brüchigkeit. Dass, das was so scheinbar konstant greifbar und klar ist, auch ganz anders aussehen kann. Das Unheimliche im Alltäglichen. Das Unberechenbare im scheinbar kontrollierbaren Alltag. Das interessiert mich als Schauspieler grundsätzlich. Als dieses Drehbuch kam und diese Figur, war ich sofort Feuer und Flamme. Die Geschichte schlägt einen schönen Verbindungsbogen vom kleinen familiären Umfeld zu den großen gesellschaftlichen Fragen und wie letztendlich alles zusammenhängt.

Ich fand es auch filmisch gut umgesetzt – wie diese Blickwinkel immer wieder verschoben wurden…
Genau

Und, es war auch so ein meist düsteres Kamerabild. Der Film ist auch nur wenig mit Musik unterlegt. Man hört dafür sehr viele Alltagsgeräusche.
Ja, auf jeden Fall. Grundsätzlich wird in TV Filmen gerne über eine Szene, die nicht so gut funktioniert, Musik gelegt, so dass der Zuschauer zu verstehen bekommt, wie das denn nun alles gemeint ist. Es geht auch darum, das alles mal auszuhalten - mit den Alltagsgeräuschen - das finde ich übrigens eine sehr gute Beobachtung von Ihnen.

Ich finde auch, man ist aufmerksamer… Ich war sehr im Film…
Sehr gut. Genau.

Wenn wir gerade von Geräuschen sprechen, von  Musik – welches Musikgenre mögen Sie? Ich habe gelesen, dass Sie auch schon Sänger einer Punkband waren. Stimmt das?
Lacht. Ja, das stimmt. Ich würde persönlich sagen, dass ich kein bestimmtes Musikgenre favorisiere. Vielleicht wäre es einfacher zu sagen, was ich nicht mag. Beispielsweise ertrage ich es nicht, wenn Musik so vor sich hin plätschert. Ich höre auch wenig Radio. Nur wenn es gesprochene Beiträge gibt oder ich weiß, dass Musik gespielt wird, die ich hören will.  Wenn ich von außen gezwungen werde Musik zu hören, die nicht meine ist – das ist mir echt zu viel. Es gibt bestimmte Musik, die gar nicht geht – die Musik der anderen. Lacht. Was ich mag ist experimentelle, laute Gitarrenmusik, Soul, Chanson. Aber auch Bachkantaten. Musik muss was mit mir machen, da muss sich was auftun.

Muss Tiefe haben?
Ach, ich finde Tiefe ist immer so ein Begriff. Ich finde die Tiefe gibt es auch an der Oberfläche. Das mag ich auch am Filme machen. Wir Deutschen, wir wollen immer so tief und nachdenklich sein. Wir sagen, dass die Amerikaner alle oberflächlich sind. Finde ich gar nicht. Ich denke, gerade so an der Oberfläche gibt es auch die Tiefe. Im Film beispielsweise, da erinnert man sich oft an Kleinigkeiten die auf dem Tisch stehen. Oder man erinnert sich an jemanden, der sich kurz umdreht und sich komisch mit der Hand durch die Haare fährt. Das alles sind Oberflächlichkeiten. Auch, wie Menschen miteinander umgehen. Wie ein unbedachtes Wort ausgesprochen wird. All das geschieht an der Oberfläche. Und dann tun sich Abgründe auf. Ich finde das ganz tiefe und das ganz profane liegt ganz dicht beieinander. Ich erlebe archaische, tiefe Momente genauso im Supermarkt beim Einkauf als auch in der Natur oder in der Musik.

Es ist wichtig es zuzulassen..
Ja, das Hässliche, das Schöne, das Erhabene, das Oberflächliche und das Simple.

Man kann, wenn ich das Wort nochmal benutze, die Tiefe, nicht erzwingen. „Sich in die Tiefen fallen zu lassen“ - das geht nicht auf Abruf. Man muss offen dafür sein…
Die größten Abgründe können sich in Sekunden auftun. Die höchsten Höhen auch. „When I don't know what to do I start looking at things“. Ich sitze hier gerade an meinem Schreibtisch, egal wo ich hinschaue, ich kann das Wunder der Welt in jedem kleinen Abschnitt meines Sichtfeldes sehen. Das finde ich ganz wichtig. Man muss nicht immer hinausrennen um das Ungewöhnliche zu sehen. Auch hier wieder das Unheimliche im Alltäglichen – was auch im Film steckt. Oft ist es direkt vor unser aller Augen. Alles ist möglich.

Ein gehaltvolles Leben, wenn Sie das Wunder der Welt auch im Kleinen sehen….
Ja, wobei natürlich beides wichtig ist. Es ist absolut notwendig rauszugehen und zu kämpfen. Für mehr Menschlichkeit, für mehr Gerechtigkeit – die Gesellschaft verändernd. Das ist wichtig. Und doch kann ich gleichzeitig zufrieden sein mit dem, was ich habe.

Jetzt wo wir so reden, weiß ich nicht, ob meine nächste Frage passt. Denn vieles kann eine Herausforderung sein. Trotzdem:
Wie wichtig ist es Ihnen, herausfordernde Rollen zu spielen?

Wie Sie sagen, vieles kann eine Herausforderung sein. Manchmal ist es schon eine Herausforderung morgens aufzustehen oder ein kompliziertes Buch zu lesen. Ich will auch nicht unterteilen zwischen herausfordernden und weniger herausfordernden Rollen. Ich finde im Gegenteil, wenn ich Kolleginnen und Kollegen beim Spielen zuschaue, ist gerade das scheinbar Alltägliche die Herausforderung. Einen Psychopathen oder Serienkiller zu spielen, das schreit nach äußeren Reizen. Mich interessiert das Kratzen an der Oberfläche.  Schauen, was darunter ist. Ihre Frage nach der Musik: Ein guter Popsong kann gut gebaut sein, ganz einfach sein – dann kommt die Seele zum Schwingen. Ein anderer hingegen bringt das nicht hervor. Da gibt es keine Objektivität. Das ist für jeden anders.

Würden Sie sich auch gerne zur Musik bewegen? Tanzen Sie?
Lacht. Das ganze Leben ist ein Tanz. Lacht. Ich finde, es gibt auf jeden Fall in unserer mitteleuropäischen, speziell in unserer deutschen Kultur, kein gesundes und schönes Verhältnis zu unserem Körper und zu der Art und Weise wie wir uns bewegen. Entweder machen wir Sport, Yoga oder Achtsamkeitsmeditation. Doch im Alltag, so finde ich, sollten wir fühlen, wie es uns geht. Im Moment. Dem eigenen Körper und den Körpern der Anderen lauschen. Sich darauf einlassend. Vielleicht hab ich gerade Lust mich auf dem Boden zu rollen, zu springen oder zu hüpfen. Meistens macht man das nicht. Tanzen ist organisiert und enthält Regeln. Es geschieht dort, wo es vermeintlich hingehört oder erlaubt ist. Ich liebe es zu tanzen. Aber ich finde, es ist ähnlich, wie mit Alkoholkonsum und dem einhergehenden überschwänglichen Verhalten. Ein Beispiel: Es ist absolut o.k. wenn man als heterosexueller Mann einem männlichen Kollegen, unter Alkoholkonsum, um den Hals fällt und einen Kuss gibt. Wenn man das nüchtern macht ist das nicht so. Diese Grenzen und Gewissheiten zu erschüttern, das ist meine Aufgabe als Schauspieler. Die Frage aufzuwerfen ob es o.k. ist oder eben nicht, was die Gesellschaft vorgibt.

Beim Tango lauscht man den Körpern. Folgt dem Herz, dem Gefühl….
Ich finde, die Parallele zwischen dem Tanz und dem Schauspiel ist die Aufforderung. Darauf folgend die Möglichkeiten, die sich ergeben und gestalten lassen.

Ich habe in einem Interview gelesen, dass Sie sich nicht komplett in eine andere Rolle begeben wollen. Das passt zu unserem Gespräch. Sich nicht in eine Rolle pressen lassen – Freiräume haben ….
Ich hoffe, dass das mit der künstlichen Intelligenz noch dauert. Kunst funktioniert über das Ungeplante, über Fehler, über den Versprecher, den Stolperer. „Ich verwandle mich in eine Rolle“ das ist schwierig. Wir denken, wir sind so klar und definiert. Dabei wissen wir doch selber nicht, was wir sind. Wenn wir wirklich in die Richtung blicken „wo wir sind“, wenn wir versuchen uns selbst wahrzunehmen, so begreifen wir, dass alle Worte nicht da hinkommen, nicht ausreichen, um uns wahrzunehmen. Insofern finde ich spielen einen verrückten Vorgang. Wir versuchen etwas bewusst zu gestalten, was wir selber nur sehr amorph wahrnehmen.

Da denke ich direkt, im Gegensatz dazu, an Influencer. Auch an das Ehepaar im Film. Inhaber einer Werbeagentur, Kommunikationsexperten. Wie gefährlich ist es, wenn sich zu viel um das Image, um diese scheinbar heile Welt dreht?
Da kann ich wenig dazu sagen, da ich mich in der Welt der Influencer nicht bewege. Aber, wenn es um Rundfunkgebühren geht oder um die gerechte Bezahlung von gutem Journalismus, da hab ich einen klaren Standpunkt. Ich breche immer eine Lanze für guten Journalismus und gute Berichterstattung. Gute Recherche sollte so viel Geld kosten, dass das kein Werbeträger investieren wollen würde.  Wenn ich da an die vielen ganz schlecht bezahlten Journalisten denke, die nur freie Anstellungsverhältnisse haben – ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist – aber genau da muss man investieren.

Es wird immer unterschätzt. Unsere Arbeit, unser Einsatz, unsere umfassende Recherche, die Zeit, die wir investieren um guten und wahren Journalismus zu betreiben. Ich kann nicht über Sie schreiben, wenn ich nicht mit Ihnen spreche. Ich muss ein Gefühl für Sie entwickeln. Mich mit Ihnen beschäftigen. Ich mach das sehr gerne und liebe das.
Absolut. Es ist auch erschreckend, auf welche Art und Weise viele Menschen Nachrichten und Berichte konsumieren. Bei kurzen Videos schießen uns doch ganz andere Bilder in den Kopf als bei einem gelesenen, langen Zeitungsartikel. Ich glaube, es ist wichtig die eigene Resilienz zu stärken, den Zweifel erhaben zu halten und die wahren Dinge zu sehen.

Wichtig auch die Kommunikation in der Familie, mit Freunden. Da läuft im Film „Der menschliche Faktor“ einiges aus dem Ruder.
Ich finde ganz grundsätzlich die Perspektive im Film sehr berührend. Wir sind Teil von etwas Großem. Ob man das jetzt Natur nennt oder das große Ganze. Es geht um intuitive Intelligenz. Viele hören auf ihr sogenanntes Bauchgefühl. Doch es gibt noch die Intuition. Intuition ist nicht Gefühl. Manchmal haben wir Gefühle, die unserer Intuition entgegenstehen. Ich finde Intuition ganz entscheidend.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Um so älter ich werde gehe ich in die Herausforderung, immer den Ort, an dem ich gerade bin, zu meinem Sehnsuchtsort zu machen.

Haben Sie ein Lieblingsbuch aus Ihrer Kindheit?
Ich habe sehr viel vorgelesen bekommen und ich habe auch sehr viel selbst gelesen. Ich hätte kein Buch, das ich jetzt als ein besonderes Buch, nennen könnte. Es sind all die Geschichten, wo es darum geht, dass es eben nicht nur diese eine Welt gibt sondern auch noch viele andere. Es geht darum, sich alles genau anzusehen. Vielleicht auch ein zweites oder drittes Mal hinzusehen um Neues zu entdecken.

Vielen, herzlichen Dank, lieber Herr Waschke. Das war unglaublich interessant.



"Bei Funk Music hält mich nix auf dem Barhocker"

Jasmin Schwiers



Foto: ZDF Thomas Kost


Familie, so heißt es kann man sich nicht aussuchen - man muss nehmen, was man kriegt. In der neuen achtteiligen ZDF Sketchcomedy "Wir sind die Meiers" zeigt die typisch deutsche Familie Meier den Zeitgeist Deutschlands im Jahr 2023. Da treffen Boomer auf die Generation Z, Schwaben auf Berliner, Wokeness auf Tradition. In aufwendiger Maske treten alle Mitglieder des 13-köpfigen Ensembles in mehreren Rollen auf. Ab Freitag, 23. Juni 23, 22.30 Uhr.




Im Gespräch mit Jasmin Schwiers

Marion Graeber im Juni 2023


Hallo liebe Frau Schwiers, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr.
Wie schön. Ich freue mich auch.


Sind Sie gerade zuhause in Köln?
Ja, genau ich bin zuhause in Köln.

Die neue Sketchcomedy „Wir sind die Meiers“ zeigt sich in verschiedenen deutschen Städten, beispielsweise Berlin, Potsdam, Kassel, Balingen – wo wurde hauptsächlich gedreht?
Gedreht wurde in Köln.


Haben Sie eine deutsche Lieblingsstadt?
Ja, Köln.

Das ist perfekt…
Ja. Lacht. Ganz klar Köln. Meine Wahlheimat. Ich möchte auch nicht mehr hier weg.

Sie sind aus Eupen, Belgien.  Waren auch viel in Aachen, stimmt das?
Genau. Meine Eltern wohnen einen Steinwurf hinter der Grenze, in Belgien. Da bin ich in die Grundschule gegangen und hab später den Führerschein gemacht. Die weiterführende Schule habe ich aber in Aachen besucht. Und da wurde auch gefeiert.

Haben Sie eine internationale Lieblingsstadt?
Schwer zu sagen, aber ich würde sagen, Paris ist wunderschön.

In der Pandemie konnte man nicht so viel reisen und man hat gemerkt, wie schön Deutschland und Europa ist …
Das stimmt. Ich hab neulich in Wiesbaden gedreht. Da hab ich noch gedacht: ein bisschen wie Klein-Paris hier. Wenn man auf den richtigen Straßen unterwegs ist, hat man auf jeden Fall ein bisschen Pariser Flair.

Die Bedingungen am Set, haben die sich im Rückblick auf die Pandemie etwas verändert?
Wir machen teilweise immer noch Coronatests. Das ist aber von Produktion zu Produktion unterschiedlich. Da sind auf jeden Fall noch Reste der Pandemie spürbar. Ich habe morgen beispielsweise eine Kostümprobe. Da muss ich heute Abend auch noch einen Coronatest machen. Das sind so die Nachwehen.

Auch die Masken sind verschwunden?
In körperlich engen Situationen, wie beispielsweise in der Maske, ist das Tragen von Masken schon noch gegenwärtig. Man kommt sich hier einfach sehr nahe. Die SchauspielerInnen bleiben unersetzbar. Wenn wir einmal angedreht sind, dann sind wir nicht mehr so leicht zu ersetzen. Wir sind so ein bisschen die heiligen Kühe. Lacht.

Ein Ausfall wäre auch richtig teuer…
Das ist richtig.

„Wir sind die Meiers“ zeigt, wie es heißt, die typisch deutsche Familie. Dreizehn Schauspieler und Schauspielerinnen verkörpern mehrere Charaktere. Welche waren Ihre?
Ich spiele zwei Meiers und habe noch andere Anspielrollen. Beispielsweise eine Antragsstellerin, die auf einem deutschen Amt verzweifelt oder eine Fernsehmoderatorin. Meine Meiers sind ein Ballermann-Star, Manu Meier (wo sind die Hände?!) und Vicky Meier, eine übermüdete Radiomoderatorin. Man springt als Zuschauer von einem Mikrokosmos in den nächsten und jeder hält so seine Absurditäten bereit. Lacht. Jede Familie hat ja ihr schwarzes Schaf - bei den Meiers sind es auf jeden Fall mehr.

Sicher eine große Spielfreude…
Vor allem kann man bei Sketchcomedy auch mal in die Überhöhung gehen. Das macht wahnsinnig viel Spaß.

Wir haben ja schon eine Krimiflut im deutschen Fernsehen. Wie wichtig finden Sie Comedyformate im deutschen Fernsehen?
Ich finde das total erfrischend. Ich war irgendwann übersättigt von den ganzen Krimiformaten. Wobei man sagen muss, es ist nochmal etwas anderes, ob man einen Krimi guckt oder darin mitspielt. Aber vieles wiederholt sich. Es wird immer ein Mörder gesucht und der wird dann auch gefunden – es ist immer ein ähnliches Rezept, nach dem gekocht wird. Bei Sketchcomedy bekommt man viele verschiedene Facetten angeboten. Diesen Abwechslungsreichtum finde ich total sehenswert. Ich bin die vergangenen drei Jahre immer mehr für Comedy angefragt worden, womit ich ja damals am Anfang meiner Laufbahn auch angefangen habe. Es geht also gerade irgendwie zurück zu den Wurzeln. Das ist total schön.

Wie haben Sie sich auf Ihre Rollen vorbereitet und wie viel kreativen Spielraum hatten Sie?
Erstmal habe ich Textberge gelernt. Lacht. Das ist ein kreativer Prozess, der schon einen gewissen Spielraum bietet: Wie legt man eine Rolle an? Dann kommen Make-Up und Kostüm dazu. Unsere Maskenbildner hatten zig Perücken und falsche Gesichtsteile, damit wir uns alle maximal verändern können. Das Spielen hat dann viel mit Intuition zu tun, mit Situation. Man denkt immer, Comedy gehe leicht von der Hand – tatsächlich muss man aber sehr akribisch sein. Timing ist ein großes Thema. Der Grad der Überhöhung. Wenn eine Figur komisch ist, soll die andere dann auch komisch sein oder als realistisch angelegte Person im Kontrast dagegen stehen? Da gibt es viel zu beachten. Es ist Detailarbeit und es sind viele Dinge, die man gleichzeitig bedienen muss. Ein herausforderndes Fach. Es gibt Figuren, die einem naheliegen. Ich habe beispielsweise, in einem anderen Format, mal Evelyn Burdecki parodiert. Danach habe ich ein Lob bekommen von Marina Hill, die sagte, ich hätte sie super getroffen. Das war natürlich ein Ritterschlag für mich! Aber die Evelyn, die lag mir einfach. Ich hab sie ziemlich schnell gehabt. Andere Figuren hingegen fallen KollegInnen leichter, daran würde ich mir die Zähne ausbeißen.

Toll zu sehen, wie passend die Besetzung gewählt ist… Wenn man das als Zuschauer sieht, sagt man sich „das passt“.
Ja, aber meistens steckt viel Arbeit dahinter. Das kann man gar nicht immer benennen, woran das liegt. Stimmfarbe, Statur, Wirkung. Ich verlasse mich viel auf meine Intuition. Es ist immer ein Prozess des Entdeckens.

Als Manu Meier sind Sie Musikerin. Ihr Bruder René ist Musiker. Darf ich Sie fragen, welches Ihr liebstes Musikgenre ist?
Ich würde sagen Singer/Songwriter. Richtung Gregor Meyle, Benni Sings. Diese Art Musik höre ich gerne. Und Funky Soul. Bei Funk Music hält mich nix auf dem Barhocker.

Somit bewegen Sie sich auch gerne… Tanzen auch ein Thema?
Ich habe früher viel getanzt. Habe Ballett gemacht, Jazz Dance, Hip Hop… seit ich die Kinder habe, bleibt leider nicht mehr so viel Zeit dafür.

Mal Tango Argentino getanzt – privat oder für eine Rolle?
Tango habe ich mal im Sportunterricht gelernt. Da hatten wir mal ein paar Stunden Unterricht. Aber ich glaube nicht, dass man in der Vollpubertät die volle Leidenschaft des Tango erfährt. Das war vielleicht nicht das beste Zeitfenster. Ich hatte aber immer eine große Affinität zum Tanz. Tanzen ist Träumen mit den Beinen, hab ich mal in nem Kalender gelesen…

Wie sehen Sie auf die vielen Themen, die komödiantisch bearbeitet werden? In der Politik ist ständig von Zeitenwende die Rede. War früher alles schöner?
Ich glaube nicht, dass früher alles schöner war. Ich glaube, dass wir heute in einer Zeit leben, in der Problemfelder heller beleuchtet werden. Es ist inzwischen bekannt, dass es auch früher beispielsweise schon Missbrauch in Kirchen gab. Man hat nur nicht darüber gesprochen. Und ich habe mal einen Tagesschau-Beitrag aus den Achzigern gesehen, der damals schon über die drohende Klimakrise berichtete. Der wurde versendet und ist dann offensichtlich verhallt. Ich kann das Gefühl nachvollziehen, dass man sagt „Damals war die Welt noch in Ordnung“, aber im Grunde ist das ein Trugschluß. Ich habe jetzt zwei wahllose Beispiele angeführt aber die kann man um ein Vielfaches erweitern. Auch damals wurden Dritte-Welt-Länder ausgebeutet, auch damals wurden Tiere mit Antibiotika für die Massentierhaltung „fit gemacht“. Aber der Informationsgrad war noch nicht so hoch, wie er heute ist.

Hat man früher verdrängt?
Ich glaube, das Verdrängen ist eher heute ein Problem. Jede Mensch strebt nach Glück, nach Zufriedenheit. Wir lassen uns gerne zerstreuen. Aber selbst in den sozialen Netzwerken gibt es Spendenaufrufe, die uns auf die Krisen in der Welt aufmerksam machen. Als nächstes wird einem aber wieder ein niedliches Katzenvideo angezeigt. Das kriegt man emotional ja gar nicht zusammen, ohne in gewisser Weise abzustumpfen. Und ich fühle mich oft ohnmächtig. Was kann ich allein schon tun? Ich bin ein winziges Puzzle-Teil in einem unüberschaubar großen Mosaik… Und diese Ohnmacht führt dazu, dass man wieder in die Ablenkung geht, sich berieseln lässt, Katzenvideos schaut…  Das ist ein Kreislauf, dem wir alle verfallen, glaube ich.

Es sind so viele Themen heutzutage, die alle wichtig sind…
Absolut. Wir sehen Klimakrise, Krieg, Hungersnöte, Flüchtlingswellen... Wenn man sich das aus dem Weltraum anschauen würde, was wir hier auf unserem kleinen Planeten veranstalten, ist das schon absurd. Man hat das Gefühl jeder Ameisenhaufen ist nachhaltiger organisiert, als wir Menschen das sind. Das bekommen wir irgendwie nicht gut hin, unsere Ressourcen zu schützen und gut zu verteilen. In Comedy liegt eine große Chance Gesellschaftskritik auf eine satirische Art und Weise zu üben. Einige von unserem Meiers-Ensemble haben vor zwei Jahren einen Kinofilm gedreht „Die Geschichte der Menschheit - leicht gekürzt“. Im Grunde geht es genau darum – eine Abrechnung mit der Natur des Menschen durch alle Epochen der vergangenen 2000 Jahre. Der Film erzählt auf sehr lustige Weise, dass wir Menschen bis heute im Kern eigentlich nichts dazugelernt haben. Weil jeder auf sich selbst schaut. Und nicht das große Ganze im Blick hat.

Wichtig auf Reise zu gehen, um einen Blick für andere Menschen, andere Kulturen zu bekommen. Damit im besten Fall auch ein Verständnis entwickelt werden kann. Reisen Sie gerne? Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ja, ich habe einen Sehnsuchtsort. Ein kleines Stückchen Land in Portugal. Am Fluss, der Portugal von Spanien trennt. Da haben wir ein kleines Domizil, das ist für uns seit vielen Jahren unser zweites Zuhause.

Wenn ich Sie fragen würde – Sie haben die Wahl in Portugal, in der Natur am Fluss entlang zu fahren oder in der Nacht durch die Großstadt, die Lichter, die Bars und Restaurants genießend …. Für was würden Sie sich entscheiden?
Oh, schwierig. Kann ich nicht beides haben? Lacht. Ich trage beide Herzen in mir. Ich glaube, die Balance ist der Schlüssel.

Und, meine Frage, zum Abschluss:
Welches Buch war Ihr erstes Kinderbuch, welches Sie selbst gelesen haben, oder welches Ihnen vorgelesen wurde?
Ich weiß, dass ich irgendwann „Der Hobbit“ gelesen habe und das hat mich definitiv an's Lesen gebracht. Aber da war ich schon Teenager. Davor war ich Märchen-Fan. Oh - und vom kleinen Vampir!

Lesen Sie Ihren Kindern auch vor?
Oh, ja. Jeden Abend. Eigentlich in zweifacher Ausführung, weil die Große andere Sachen hören möchte als die Kleine. Wir lesen wahnsinnig viel.

Vielen Dank, liebe Frau Schwiers für das schöne Interview





"Ich hatte eine wirklich tolle Zeit in Stuttgart. Insbesondere natürlich, weil ich meinen Mann in Stuttgart kennengelernt habe"

Victoria Trauttmansdorff


Fotoausschnitt: HR/Degeto/Peter Porst


Was, wenn der Koffer auf dem Weg nach Tokio ist, man selbst aber in Rüdesheim am Rhein festsitzt, weil die Mutter ins Koma fällt? Und das ohne einen Cent in der Tasche, weil die Kreditkarte gesperrt ist? „Sayonara Loreley“ Freitag, 09. Juni 2023 20.15 Uhr ARD

Im Gespräch mit Victoria Trauttmansdorff

Marion Graeber im Februar 23


Hallo liebe Frau Trauttmansdorff, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich.
Gerne.

Sind Sie gerade zuhause? … Sie leben in Hamburg …
Ja, ich bin zuhause.

Am 09. Juni läuft in der ARD die charmante Komödie „Sayonara Loreley“.
Die Komödie spielt in Rüdesheim. Wie hat es Ihnen dort gefallen und wie waren die Dreharbeiten? Ich habe im Interview mit Katharina Marie Schubert erfahren, dass Auswirkungen des Hochwassers während dieser Zeit zu sehen waren und auch durch Corona nicht wirklich viel los war in Rüdesheim.

Meine Figur, Gisela Werner hat ein Geschäft, einen Laden im Hunsrück. Dieses Geschäft steht aber tatsächlich für Drehzwecke in Rüdesheim. So hatte ich also meine Drehtage auch in Rüdesheim. Bezüglich des Hochwassers ist es so, dass wir zu Anfang der Dreharbeiten, die 2021 stattgefunden haben, noch herrlich am Rheinufer spazieren gehen konnten. Doch während der Zeit hat sich das geändert und wurde schwieriger. Einmal bin ich mit dem Zug angereist und die Schwierigkeiten begannen schon in Koblenz. Von Bingen aus bin ich mit der Fähre rüber nach Rüdesheim. Das war die letzte Fähre. Weitere konnten dann aufgrund des Hochwassers nicht fahren.
Und ja, das stimmt, durch Corona war Rüdesheim absolut leer. Es waren keine Menschen in der Stadt.

Im Film sieht man überfüllte, mit Menschen belebte Gassen … Da hat man dann sicherlich viele Komparsen engagiert.
Ja. Lacht. Das stimmt. Das war vor allem für die Gaststätteninhaber und die vielen Geschäfte sehr schwierig.

„Sayonara Loreley“ war der Eröffnungsfilm des 18. Festivals des deutschen Films 2022 in Ludwigshafen und gilt als moderner Heimatfilm. Was ist für Sie Heimat?
Meine Heimat ist Österreich. Ich bin in Wien geboren.
Aber Heimat ist generell auch da wo meine Familie ist.

Sie haben Ihren Mann in Stuttgart kennengelernt…
Das stimmt. Lacht. Ich war zwei Jahre in Stuttgart am Staatstheater.

Hat Sie Ihre Zeit in Stuttgart geprägt?
Ja, das war eine wirklich tolle Zeit. Insbesondere natürlich, weil ich meinen Mann in Stuttgart kennengelernt habe. Ich war damals in einer Wohngemeinschaft mit Ben Becker. Wir hatten Spaß und es war immer lustig.

Im Film geht es um das Reisen. Ihre Filmtochter will nach Tokio findet aber, durch das Schicksal der Mutter, die ganze Internationalität und Tokio eben in Rüdesheim. Reisen Sie persönlich gerne und haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ich reise wahnsinnig gerne. Wenn ich dazu noch arbeiten kann, drehen kann an diesen anderen Orten, ist das für mich besonders schön. Denn, so lernt man das Land, die Kultur und die Menschen kennen.
Und, mein Sehnsuchtsort ist Italien. Aber ich träume auch von den Azoren, von Südamerika und Afrika. Da war ich leider noch nicht. Mein Cousin lebt in Südafrika und lädt uns immer zu sich ein. Leider hab ich durch meinen Beruf, insbesondere durch die Engagements am Theater, so wenig Zeit.

Sind Sie Stadt- oder Naturmensch?
Ich glaube ich bin ein Stadtmensch. Obwohl ich sehr gerne auch in der Natur bin und eine starke Verbindung zu ihr habe. Doch hab ich ein Leben lang in der Stadt gelebt. Es wäre so ein bisschen Selbstbetrug zu sagen, dass ich ein Naturmensch sei.

Wann haben Sie Ihre kreative Zeit? Morgens oder abends?
Das ändert sich gerade ein bisschen. Ich war eigentlich immer nachtaktiv. Je älter ich werde um so lieber stehe ich morgens auf. Das finde ich auch toll. Diese Ruhe, diese Zeit für sich.

Der Tag ist jungfräulich…
Ja, das spürt man irgendwie…

Ihr Schauspielkollege Armin Rohde sagt im Film „Das richtige Abenteuer ist im Kopf und wenn es da nicht ist, ist es nirgendwo“. Was halten Sie von dieser Aussage?
Da hat er wahrscheinlich recht. Lacht. Man muss schon Fantasie haben, Wünsche und Träume, damit sich etwas entwickeln kann.

Wahrscheinlich kommt es auf den Blick an, den man ganz individuell auf das Leben wirft – man kann aus dem Leben ein Abenteuer machen…
Ja, es kann auch ein Abenteuer sein zur Apotheke zu gehen. Meine Mutter hat uns immer sehr geschult. Für sie war alles ein Abenteuer. Die kleinsten Aktivitäten, wie beispielsweise „spazieren gehen“. Man kann einfach immer etwas entdecken. Diese Gabe, das ist ein Geschenk, welches sie uns gemacht hat.

Eine weitere Aussage im Film „Mit dem Strom schwimmen ist langweilig“.
Und nicht so anstrengend. Lacht.

In „Sayonara Loreley“ geht es auch um die Vielfältigkeit der Liebe. Um diese verschiedenen Formen der Liebe. Einmal Ihre Liebe zu einem Mann aus Ihrer Jugend, die jedes Jahr für zwei Wochen gelebt wird. Und, die Liebe zu Ihrer Tochter – und umgekehrt. Des Weiteren die Liebe, beziehungsweise Freundschaft zwischen Frauen. Liebe ist nicht zu beeinflussen.
Wie blicken Sie in diesem Zusammenhang auf die Liebe? Wieviel Individualität ist wichtig? Mutter und Tochter träumen doch unterschiedliche Träume.

Komplett unterschiedliche Träume – obwohl ich finde, dass auch die Mutter viel vom Leben wollte. Aber sie ist auch so ein bisschen eine frustrierte Person. Sie sieht ihre Pflicht als ihr Abenteuer. Sie muss auch das Geld zusammenhalten.

Aber sie nimmt sich ihre Auszeit für zwei Wochen jedes Jahr. Trifft ihre Liebe.
Ja, das fand ich so toll am Drehbuch. Es lohnt sich eine Liebe zu leben, auch wenn es nur für zwei Wochen im Jahr ist.

Der Film wird auch mit Musik unterlegt. Vermittelt Leichtigkeit. Welche Musik lieben Sie?
Ich liebe Balkan Jazz. Ich liebe aber viele Arten von Musik. Country, moderne, junge Interpreten, französische Chansons, Mozart – ich höre gerne Musik.

Je nach Stimmung…
Ja, das ist so prägend. Auch für die Stimmung.

Da fällt mir ein, in „Nord Nord Mord“ tanzen Sie Tango Argentino.
Lacht. Stimmt. Da haben wir in einer Folge Tango getanzt. Leider tanze ich privat keinen Tango. Obwohl ich das super gerne machen würde. Vielleicht mach ich das jetzt. Lacht.

Darf ich Sie fragen, welches Kinderbuch Sie gelesen haben oder was Ihnen vorgelesen wurde?
Also, ich bin ja so halb „englisch“ aufgewachsen. Meine Mutter ist in England groß geworden. So waren meine ersten Bücher andere. Meine Mutter verbot damals meinem österreichischen Großvater uns deutsche Märchen vorzulesen. Weil sie die so brutal fand. Als ich das erste Mal mit sieben Jahren mit meinem Großvater im Kino saß, es lief „Schneewittchen“, hatte ich so Angst bekommen, dass ich das Kino fluchtartig verlassen habe. Ich habe immer von kleinen Häschen gelesen… Alles ganz harmlos. Das war dann schon erschreckend.

Dabei wird es gefördert, Märchen zu vermitteln…
Meine Mutter hat das überhaupt nicht verstanden, da sie so nicht aufgewachsen ist. Doch mein österreichischer Großvater hatte schon Wilhelm Busch zuhause. Meine Mutter war diesbezüglich vollkommen ratlos.

Vielen Dank, liebe Frau Trauttmansdorff für das schöne Gespräch








"Man kann in der melancholischen Musik Trost finden - weil man sich in seinen Emotionen verstanden fühlt"

Katharina Wackernagel

Foto: ZDF Marion von der Mehden




„Laufen“
Juliane Hansen (Anna Schudt) beginnt ein Jahr nach dem Suizid ihres Lebensgefährten Johann König (Maximillian Brückner) mit dem Laufen. Japsend, sich und die Welt verfluchend, erläuft sie sich ein neues Leben. Unter der Regie von Rainer Kaufmann entsteht in Hamburg und Umgebung für das ZDF das Drama „Laufen“ nach dem gleichnamigen Roman von Isabel Bogdan und dem Drehbuch von Silke Zertz. Julianes Erinnerungen an Johann tauchen beim Laufen ungefragt auf – die romantisch-verspielten Momente mit ihm, aber auch die Wut, die sie immer wieder packt, weil er sie im Stich gelassen hat. Tief sitzt der Vorwurf seiner Eltern (Gaby Dohm und Michael Abendroth), dass sie doch hätte merken müssen wie schlecht es ihm gegangen sei. Es braucht ihre gute Freundin Rike Brandt (Katharina Wackernagel), um sie zumindest für kurze Momente auf andere Gedanken zu bringen, sie zu trösten, ihr die Meinung zu sagen oder sie auch eben mal aus ihrer Regenjacke zu befreien, deren Reißverschluss sich verklemmt hat. Schritt für Schritt weitet sich Julianes Tunnelblick am Ende ihres langen Laufs.


Im Gespräch mit Katharina Wackernagel

Marion Graeber im März 2023


Hallo liebe Frau Wackernagel, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr.
Ich danke Ihnen.


Der Fernsehfilm der Woche „Laufen“ wird am Montag, 24. April um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Wann wurde gedreht und wo?
Wir haben im September und Oktober 2021 in Hamburg gedreht. Der Film lief bereits auf dem Filmfest in München. Dort hab ich die Premiere gesehen.

Der Film beinhaltet vielen Themen. Im Fokus steht die Trauerarbeit. Da heißt es „Die Trauer erfasst das ganze System eines Menschen“. Sie spielen die Freundin der Trauernden Juliane (Anna Schudt) – wie wichtig, denken Sie, ist es wirklich gute Freundschaften zu haben?
In unserer Geschichte wird der selbstgewählte Tod eines Mannes erzählt. Julianes Mann Johann. Für Juliane ist der Verlust ein großer Schlag und die Trauerarbeit ist schwer. Ich denke schon, dass meine Figur (Julianes Freundin Rike) eine Art Anker in diesen zwei ersten Jahren der Trauer ist. Ich glaube, dass diese bedingungslose Akzeptanz der Freundin sehr wichtig ist. Rike hält schlechte Launen aus, Wutanfälle und manchmal auch Julianes selbst bemitleidenden Momente. Es gehört zu einer Freundin, all das zu ertragen. Rike ist zwei Jahre lang rund um die Uhr für Juliane da. Und ich muss sagen, das ist schön an der Figur. Nur einmal, am Ende dieser zwei Jahre, platzt ihr der Kragen. Es ist der Moment in dem sie erkennt, dass sich Juliane hinter ihrer Trauer versteckt obwohl sie sie schon überwunden hat. Denn, sie ist viel stärker als sie zugeben mag. Es liegt jetzt an ihr, es anzupacken und weiterzugehen. Das finde ich auch einen ganz wichtigen Moment im Film.


Rike muss viel aushalten….
Ich glaube, dass in dieser Zeit, wenn deine beste Freundin so einen Verlust erleidet kein Platz für Höflichkeiten oder eigene Befindlichkeiten ist. Rike fühlt sich einige Male zurückgestoßen, doch es geht um Juliane. Um ihren Schmerz. Ihren Verlust. Um ihre Trauer. Und doch ist es auch wichtig der Freundin mal den Kopf gerade zu rücken. Und das tut Rike auch. Aber ganz klar, in dem Moment wo es „um die Wurst geht“, ist Rike an Julianes Seite.

Im Film ebenfalls Thema „Ehe ohne Trauschein“ und die Akzeptanz in der Familie und auch in der Gesellschaft. Im Grunde wissen wir, dass das kein Thema mehr sein dürfte…
Dass das nicht mehr zeitgemäß ist, ist keine Frage aber ich glaube, dass es immer noch ein Thema ist. Es wird generell immer noch so dargestellt als sei es wichtig verheiratet zu sein. Ich denke eigentlich ist das doch ein Privatvergnügen – Menschen sollen ihre Liebe so feiern können, wie sie mögen.

Juliane ist Johann sehr nahe. Kennt ihn… ein bisschen im Gegensatz dazu Johanns Eltern…
Das stimmt, im Film beispielsweise werden Julianes Schwiegereltern gezeigt, wie sie bei der Trauerfeier überhaupt nicht wussten, was ihr Sohn wirklich mochte. Sie sahen nur ihre eigene Projektion – das sieht man am Beispiel der Torte mit weißer Schokolade, die serviert wurde. Dabei hasste Johann weiße Schokolade. Man sieht, wie engstirnig die Eltern agieren und wie es in der Beziehung zum Sohn doch Probleme gab. Offenbar kein gutes und aufrichtiges Verhältnis. Juliane hingegen kannte ihren Mann – auch ohne Trauschein.

Juliane ist Musikerin, spielt Cello. Was denken Sie, inwieweit kann Musik in der Trauerarbeit helfen?
Also, dass Musik überhaupt ganz viel leisten kann, weiß man über die Psychotherapie. Nicht nur in der Trauerzeit sondern auch in der Depression. Ich glaube, jeder Therapeut empfiehlt Musik in den Momenten, in denen man sich wie in einem abwärts laufenden Strudel oder in tiefe Ecken gedrängt fühlt. Es ist gut, Gedanken umzuleiten. Das geht gut indem man nach draußen geht, sich bewegt. So wie Juliane das mit dem Laufen macht. Und es geht eben auch gut mit der Musik. Auch die melancholische Musik bedeutet nicht, dass es einen zwangsläufig in die Tiefen reißt. Das geht einem als Zuschauer des Films vielleicht manchmal mehr so, weil die Musik das Emotionale so sehr unterstützt. Aber ich finde, man kann auch in der melancholischen Musik Trost finden, weil man
sich so verstanden in ihr fühlt.

Dieses gewollt in die Melancholie gehen...
Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie gerne mögen?

Das kommt bei mir sehr auf die Stimmung an. Ich habe beispielsweise, ich nenne es mal einen Trick. Lächelt. Wenn ich merke, dass ich morgens nicht gut in den Tag komme, zu einer Morgenmelancholie neige, dann nehme ich meine Kopfhörer mit  Musik, die mich belebt, mich fröhlich macht. Dann gehe ich raus und laufe. Das ist der totale Kick für den Tag. Musik und Laufen - die beste Medizin.

Dann machen Sie in der Früh bereits Sport?
Freiwillig stehe ich nicht gerne früh auf. Lächelt. Aber ich bin durch meinen Beruf oft dazu gezwungen. Und, wenn ich Sport mache, dann muss es immer morgens sein – da hab ich die meiste Energie.

Tanzen ist auch gut für Körper und Seele
Absolut

Tanzen Sie gern? Haben Sie schon einmal den Tango Argentino getanzt?
Ich habe ein bisschen Tango gelernt, da ich einen Kurzfilm nach einem Musikstück von Astor Piazzolla gemacht habe. Das war einer meiner ersten Kurzfilme. Ein sehr schönes Projekt. Da hab ich ein paar Schritte gelernt. Leider hab ich danach nicht weiter die Tanzschule besucht, so dass ich nicht behaupten kann, Tango zu können. Lächelt.


Bestimmt trotzdem eine tolle Erfahrung …
Wunderschön…

Wenn wir gedanklich in Lateinamerika sind – ich habe gelesen, dass Sie sich für Survival International stark machen.
Das stimmt.


Waren Sie einmal in Lateinamerika? Reisen Sie gern?
Ich reise sehr gerne, muss aber sagen, dass ich noch nie im Amazonasgebiet war. Ich würde das sehr gerne machen. Das hatte jetzt auch mit der Pandemie zu tun, dass ich in den vergangenen drei Jahren so gut wie nicht gereist bin. Aber das steht auf jeden Fall an. Ich hab Survival auch erst vor zwei Jahren kennengelernt. Survival kam auf mich zu und ich finde das ist ein sehr wichtiges Projekt. Ich würde jetzt mal sagen, sobald es die Zeit erlaubt, würde ich dem Thema gerne noch näher kommen und in die Regionen reisen.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Das gibt es schon. Aber das sind Plätze, wo ich schon mal war. Wo ich mich hinträumen kann. Da gibt es so Stellen in Norwegen. Da war ich schon öfter. Das waren so unglaubliche Momente im Sommer. An diesen Tagen, wo es gar nicht dunkel wird. Ich mag Norwegen. Die Natur, die Berge, das Meer, die Felder, die Wälder – es ist so satt und reich. Norwegen hab ich als ein wunderschönes Land, als einen wunderschönen Ort, als einen Sehnsuchtsort abgespeichert.

Depressionen im Film ein großes Thema, Suizid … Ich finde es wird gute  Aufklärungsarbeit geleistet und doch, sollten wir unseren Blick auf den Einzelnen mehr schärfen? Nicht so einfach in unserer unruhigen Zeit…
Ja, das ist wichtig. Ich glaube, dass sich Menschen heute besser denn je zurückziehen können ohne, dass man das sieht. Sie sind in den sozialen Medien präsent und haben sich doch ein Stück weit vom tatsächlichen Leben verabschiedet. Für das Umfeld ist das nicht sichtbar. Verstehen Sie mich richtig, das eine widerspricht dem anderen nicht. Ich finde auf jeden Fall, dass man wachsam sein sollte. Ich habe nur schon so oft von Fällen gelesen in denen Menschen Suizid begangen haben und man dies nie für möglich gehalten hätte. Ich sehe da eine Gefahr.

Sie stammen ja aus einer Künstlerfamilie aus dem süddeutschen Raum.
Ja, ich bin in Freiburg geboren. Meine Mutter kommt aus Ulm. Sie ist in Stuttgart aufgewachsen und war später auch in Stuttgart am Theater.

Haben Sie manchmal Sehnsucht nach Süddeutschland?
Nein, das kann ich so nicht sagen. Dazu habe ich viel zu wenig Zeit meines Lebens dort verbracht. Was ich aber feststelle – wenn ich im süddeutschen Raum bin, dort drehe und arbeite, finde ich das sehr schön.

Durch Ihre Künstlerfamilie sind Sie geprägt. Ich glaube, Sie haben mit 17 mit dem Schauspiel begonnen. Hatten Sie je einen anderen Berufswunsch?
Nein. Lacht. Also einen Wunsch hatte ich nie. Ich hab zwar zwischendurch überlegt, was könnte ich denn noch so machen … aber einen anderen Wunsch hatte ich nie und hab ich auch heute nicht.


Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, welches Ihr liebstes Kinderbuch war?
„Wo die wilden Kerle wohnen“. Ein Buch, welches mich am meisten begleitet hat. Und jetzt, wo ich so viele Neffen und Nichten habe, ziehe ich das auch immer wieder mal raus und gebe es auf diese Weise weiter. Lächelt.

Das ist schön. Ich dank Ihnen sehr, liebe Frau Wackernagel für das schöne Gespräch.
Sehr gerne.






"Ich bin für jede Art von Musik offen. Sie muss nur für mich gut klingen"

Patrick Kalupa

Foto: ZDF Rudolf Wernicke



Im Gespräch mit Patrick Kalupa

Marion Graeber im März 2023


„Dr. Nice – Hand aufs Herz“
ZDF, Sonntag, 16. April 23, 20.15 Uhr
„Alte Wunden“ ZDF, 23. April 23, 20.15 Uhr


Hallo Herr Kalupa. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich.
Ich freue mich auch.

Sind Sie in Berlin?
Ja, ich bin zu Hause in Berlin.

Vor Corona gab es noch die Pressetage, heute begegnen wir uns am Telefon….
Das stimmt. Aber ich habe auch vor der Pandemie hier und da Telefoninterviews gegeben. Klar, Live-Interviews sind schöner. Ich würde jetzt gerne mit Ihnen bei
Kaffee und Kuchen sitzen. (Lacht.)


Das hätte mich auch gefreut.

Sie haben einen Flossverleih …
Das stimmt. Mit „rentafloss“ haben wir eine Flossvermietung am Wentowsee in Brandenburg, nordöstlich von Berlin. Viele Jahre schon. Wir waren eine der ersten, die das angeboten haben. Mit unseren Flößen kann man ausgiebige und mehrtägige Ausflüge unternehmen. Man hat alles bei sich, was man braucht, und kann anlegen, wo es einem gefällt. Es ist wie Rucksacktour & Zelten auf dem Wasser. Wir halten es bewusst naturverbunden und puristisch. Im Sinne von „Raus aus dem Alltag, zurück zur Natur'.

Hört sich spannend an… Dann ist Ihnen „Wasser“ nahe? Der Film „Dr. Nice“ spielt in der Region Flensburg, an der Ostsee.
Wann wurde gedreht?

Wir haben die ersten beiden Filme zu Mitte Oktober 22 abgedreht. Wir waren einen Monat an der Küste und auch noch in Berlin und Umgebung.

Ich durfte bereits zwei Filme sehen…
Ja, die zwei Filme sind fertig und bereit zur Ausstrahlung ab April. Es gibt bereits den Auftrag des ZDF für zwei weitere Filme, die wir bald drehen.  Na klar gehen wir von guten Einschaltquoten aus und wollen dann die Geschichten weiter und weiter erzählen! Gesponnen sind sie schon. (lacht)

Ich finde, „Dr. Nice“ hat Potential und wird einen super Sonntagabend auf ZDF bieten. Können Sie Ihren Charakter beschreiben? Was hat Sie an Dr. Nice gereizt?
Da gibt es vieles: Dr. Nice ist ja ein sehr egozentrischer Edelnomade. Er ist relativ entwurzelt und hat nichts, woran er sich festhalten kann. Sein größter Halt war sein Beruf. Durch seine Verletzung und die Adoptionsgeschichte schlittert er in eine völlig neue Lebenssituation. Plötzlich hat er eine Tochter - doch nicht nach Australien, sondern hinein ins Dorfgefüge. Er erfährt eine ihm bisher unbekannte Anerkennung, persönlich wie beruflich. Es war sehr interessant für mich, in diesem Menschen und seinem neuen Leben zu wühlen. (lacht)


Dr Nice wirkt unnahbar und nahbar zugleich. Wenn man genau hinschaut sieht man, wie sehr er an Menschen interessiert ist. Er hat einen weichen Kern. Es geht ihm um die Menschen.
Ich hab Dr. Nice als einen Alien gesehen, der auf die Erde, in dieses Dorf kam und Dinge sah, die er früher so nicht wahrgenommen hat und die ihm nicht wichtig schienen. Jetzt gerät er mittenrein.


Es eröffnet sich ihm eine neue Welt...
Ja, total. Er erfindet sich neu.

In einer Szene tanzt Dr. Nice. Auch da spürt man diese Gefühlsseite an ihm. Tanzen Sie auch gerne?
Ich tanze gerne und habe mit meiner Frau sogar mal einen klassischen Tanzkurs gemacht. Das war eine große Freude – und nicht immer so einfach.

Haben Sie mal den Tango Argentino getanzt?
Meine Frau tanzt Tango, daher wurde ich tatsächlich schon mal dazu aufgefordert.

Welches Musikgenre hören Sie gerne?
Ich bin für jegliche Musik offen, die für mein Ohr gut klingt. Früher hab ich viel Elektromusik und Hip Hop gehört. Berlin hat eine große Elektromusik-Szene. Ich höre auch Jazz, Klassik und Entspannungsmusik.

Je nach Stimmung…
Ja, Musik ist mir wichtig und kann so viel.

Im Film wird auch der Ärztemangel thematisiert….
Ja, gerade auf dem Land - die Landärzte sind rar gesät.

Auch die Bürokratie und die damit einhergehende Hausarztzulassung im ländlichen Raum wird beleuchtet.
Absolut, wir haben nichts ausgelassen und zeigen auf, wie wichtig es ist, dass sich Dorfgemeinschaften gut aufstellen.

Sie selbst haben ein Handwerk erlernt, bevor Sie den Weg des Schauspielers gegangen sind...
Stimmmt. Ich habe vor der Schauspielerei einen Handwerksberuf erlernt. Maurer und Betonbauer. Zu meiner Jugendzeit war man zufrieden, wenn man eine Lehre bekommen hat. Heutzutage wollen alle studieren. Früher hieß es noch „Das Handwerk hat goldenen Boden“. Ich konnte mich da ausprobieren und viel Leidenschaft entdecken. Es war das Fundament für all das, was da noch kam. Zuhause baue ich alles selbst. Diese Zeit damals hat mich gestärkt und ich möchte sie nicht missen. Wenn ich ein paar Jahre zurückreisen sollte – ich würde es wieder machen.


Dr. Nice ist ja eigentlich auf dem Weg nach Australien. Reisen Sie persönlich auch gerne? Waren Sie schon einmal in Australien und haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ich bin früher viel gereist. In Australien war ich noch nicht. Vielleicht wäre Neuseeland ein Sehnsuchtsort. Man kann dort innerhalb von fünf Stunden Entfernung sowohl Skifahren als auch Wellenreiten. Und beides mag ich. Mit 16 Jahren war ich für ein Jahr in den USA. Das war ein Jahr, das mir die Welt eröffnet hat. (Lächelt.) Meine Reiselust und Einstellung hat sich in den letzten Jahren verändert. Ich finde aktuell Deutschland, Irland und Schottland interessant. Ich muss nicht mehr zwölf Stunden im Flugzeug sitzen.

Wenn ich Sie frage, ob Sie lieber mit dem Floss in den Sonnenaufgang oder den Sonnenuntergang treiben wollen würden – wie wäre Ihre Antwort?
Ich würde lieber in die aufgehende Sonne rudern. Der Wärme entgegen. Vor Jahren waren wir auf verschiedenen Inseln in Thailand. Mit dem Kanu bin ich sehr früh einmal um die Inseln gefahren, um der Gefahr eines Sonnenbrands zu entgehen. Das Wasser war in den Morgenstunden ganz ruhig. Das war wunderschön.

Darf ich Sie zum Abschluss fragen, ob Sie ein Lieblingskinderbuch haben, welches Sie als Erstlings-Lesebuch selbst gelesen haben, oder welches Ihnen vorgelesen wurde?
Da muss ich überlegen. Gullivers Reisen fällt mir da ein.


Lesen Sie Ihren Kindern vor?

Meine Frau und ich lesen unseren Kindern täglich vor. Zum Beispiel „Das NEINhorn“, von Marc-Uwe Kling. Da gibt es dann auch noch den „WASbär“, den „NAhUND“ und die „KönigsDOCHter“. Ich finde das Vorlesen für die Sprachentwicklung der Kinder sehr wichtig – und als Gemeinsamzeit unentbehrlich.


Vielen Dank, lieber Herr Kalupa für das schöne Gespräch






"Ich bin immer viel unterwegs. Das ist Teil meiner Persönlichkeit"

Jochen Horst


Foto: Max Sonnenschein






ZDF Herzkino "Hanna und die Sache mit dem guten Leben" Sonntag, 26. März 23, 20.15 Uhr

Die Journalistin und Podcasterin Hanna (Sina Tkotsch) trennt sich von ihrem Freund, weil er sich Kinder wünscht und dies mit ihr offenbar nicht möglich ist. Da trifft sie auf den Restaurator (Maximilian Klas). Er renoviert die Orgel in der Kirche, in der ihr Vater Carl (Holger Daemgen) Pfarrer ist. Doch Bille (Dana Golombek von Senden), Hannas Mutter, will eine Annäherung zwischen den beidden verhindern. Sie hat dafür ganz eigene Gründe, die keiner vermutet hätte. Lasse (Jochen Horst), der Zeitungsverleger und Chef von Hanna, versucht derweil erfolglos, eine Annäherung zwischen Mikaels Tochter Luna und seinem Hund Robin zu verhindern. Denn der alleinstehende Herr mag Kinder nicht sonderlich.  ......



Interview mit Jo Horst

Marion Graeber Ende des Jahres 2022


Hallo, ich freue mich, dass wir heute nach sechs Jahren wieder aufeinander treffen.  Damals in Köln, es war der 11. November, haben wir uns drei Stunden in einem Café unterhalten. Ich denke gerne daran zurück.

Ich erinnere mich. Das ist doch schön.Lächelt.

Wie geht es Ihnen?
Danke, es geht gut.

Ich erinnere mich, dass Sie vor der Pandemie viel in Hamburg, Berlin und auch Köln waren. Damals hatten Sie ja ein Engagement in Köln, wohnten in der Stadt …. Hat die Pandemie etwas verändert?

Nein, eigentlich nicht. Ich bin immer viel unterwegs. Das ist auch Teil meiner Persönlichkeit. Ich bin sehr gerne unterwegs und sehr gerne mit meiner Familie zusammen – das ist gut miteinander vereinbar. Man kann beides haben: diese gewisse Freiheit und die Verbundenheit.

In Spanien war der Lockdown auch hart. Waren zu dieser Zeit die Schauspielprojekte etwas weniger?
Die Engagements sind mal mehr und mal weniger. Das wechselt sich ab und ist in unserem Beruf einfach so. Es gibt Phasen mit vielen unterschiedlichen Projekten und Phasen die ruhiger sind. Wie gesagt, das ist Teil des Berufs. Man definiert sich als Schauspieler ja mehr durch die Zeit in der man nicht arbeitet.

Das ZDF zeigt „Hanna und die Sache mit dem guten Leben“. Wie laufen die Dreharbeiten derzeit im Hinblick auf die Coronaschutzmaßnahmen?
In der Branche sind die Regularien andere als im öffentlichen Leben. Das Problem ist ja, dass man auch als Geimpfter das Virus übertragen kann. Man muss bei uns geimpft sein und wenn jemand positiv getestet ist, und die Tests finden täglich statt, darf man nicht zum Dreh. Das ist die Regel.
Was Schweden anbelangt, da sind alle Regularien abgeschafft und man ist zu dem Punkt zurückgekommen wie vor der Pandemie. Schweden ging ja, wie wir wissen, von Anfang an einen Sonderweg.

„Hanna und die Sache mit dem guten Leben“ hält einige Überraschungen bereit. Was denken Sie, wie wichtig sind Herzkino-Filme – gerade in der heutigen Zeit? Es gibt ja doch auch viele Kriminalfilme im TV.
Es gibt vor allem viele schlechte Krimis im TV. Ich hab nichts gegen Krimis, aber die Geschichten sind nicht mehr besonders spannend. Das liegt auch daran, dass wir mittlerweile durch die ganzen Streamingdienste spannende Filme sehen können. Diese Umstellung hat hier in diesem Land noch nicht so wirklich stattgefunden. Die Erzählstruktur hat sich verändert. In Deutschland wird noch auf Formate gesetzt die nicht mehr so spannend sind. Da haben wir den direkten Vergleich zu den Streamern. All die Sachen, die aus England kommen – beispielsweise die Dokumentationen. Fast jede Dokumentation ist spannender als die regionalen Geschichten, die im linearen Fernsehen erzählt werden. Das ist natürlich ein großes Problem und da wird man in den nächsten Jahren genau drauf schauen müssen. Um ehrlich zu sein – ich schau mir die Sachen nicht mehr an.

Was schauen Sie?
Ich schaue viele englische und amerikanische Serien. Es ist im Grunde das, was im Moment die Welt sieht, wie beispielsweise „The Crown“. Ich sehe mir auch gerne die älteren Formate an – „Colombo“, um hier ein Beispiel zu nennen. Ich konsumiere einfach gerne Sachen, die spannend erzählt sind. Es gibt zu viele Formate, wo die Spannung fehlt. Und es geht nur um die Spannung. Nur darum.

Wie beschreiben Sie Ihre Rolle, Ihren Charakter „Lasse“?
Lasse ist jemand, der sich sehr früh daran gewöhnt hat keine Kinder zu haben. Die Szene in der Lasse erfährt, dass er doch einen Sohn hat, da führten wir ein langes Gespräch. Die ganze Erklärung, die seine damalige Freundin im Film gibt ist schon sehr problematisch. Denn ein Mann hat immer das Recht zu erfahren, dass er Vater geworden ist. Was er dann mit dieser Information tut, ist individuell verschieden. Da muss jeder mit sich selbst im Klaren sein oder ins Klare kommen. Auch der Kommentar, warum seine damalige Freundin diese Information für sich behalten hat (sie wolle, dass das Kind glücklich wird) ist eine absolute Unverschämtheit und eine ziemlich weibliche Arroganz, die ich natürlich nicht allen Frauen zuschreibe. Kurzum, ich finde die ganze Thematik sehr problematisch. Für den Film ist dieser Konflikt natürlich super. Auch für die Figur Lasse. Er hat ein Leben lang gedacht er sei kinderlos und ist damit auch relativ glücklich geworden. Aber er merkt, dass er das wahre Glück erst finden wird als er neben seiner Enkelin sitzt. Ich glaube, hier ist der Knackpunkt und ich habe versucht das so zu spielen. Nicht, dass er Kinder nicht mag sondern, dass er sie als Fremdwesen empfunden hat und den Umgang mit ihnen erst lernen muss. Das war das, was ich dann mit der Figur erzählen wollte.


Das prägt. Das Leben ohne das eigene Kind – eine gestohlene gemeinsame Lebenszeit...
Ganz klar.

Lasse ist Herausgeber einer Zeitung, Journalist. Ein Beruf, den Sie sich hätten auch vorstellen können? Sie sind Autor – wir haben 2016 darüber gesprochen. Zu dieser Zeit schrieben Sie an Ihrem Buch „Schauspieler@work“
Nein, ich bin überhaupt kein Verlegertyp. Der Verleger muss schauen, dass er das was seine Journalisten schreiben gut verkaufen kann. Klar, der Verleger muss auch gut schreiben können und viel lesen. Mich hat allerdings immer Werbung interessiert. In die Werbung wäre ich sehr gerne gegangen. Aber ich war mit 18 Jahren schon am Staatstheater insofern hat sich die Frage nicht ergeben.

Journalist vielleicht … ?
Na ja, als Schauspieler ist man ja doch auch immer ein bisschen Journalist. Man muss immer hinschauen, muss wissen, was mit Menschen passiert, wo Dinge passieren, welche Themen man nehmen kann um sie spielen zu können. Ich recherchiere immer, wenn ich eine Figur spiele. In unserem Fall, wie eben ein Verleger agiert, was er macht, wie eine Lokalzeitung funktioniert, eine regionale und eine internationale. Ich arbeite da also auch investigativ. Es gibt also schon Parallelen. Lächelt.

Was bedeutet Ihnen „schreiben“?
Ich schreibe sehr gerne. Heute vielleicht noch mehr und lieber als vor zehn/zwanzig Jahren. Die Möglichkeiten heute Texte herauszubringen sind viel besser geworden. Wie beispielsweise im Self-Publishing. Wobei das Self-Publishing leider nicht sehr anerkannt ist. Es wird doch mehr im Buchhandel gekauft. Self-Publishing - das hat immer noch so etwas anrüchiges. Was völlig zu Unrecht ist, denn in den meisten Fällen liest man die interessanten Sachen eher dort. Schreiben hat heute eine viel größere Bedeutung bekommen. Selbst wenn Sie 50 Menschen finden, die das lesen was Sie schreiben, haben Sie immer noch eine Leserschaft von der Sie vielleicht nicht profitieren können, die zumindest aber das nachempfinden kann, was Sie denken und schreiben.

Es hat immer ein „Gschmäckle“ wenn man keinen Verlag findet …
Ja, da hat sich mal der Spiegel im Rahmen eines anderen Films, den wir für RTL drehten, lustig gemacht. Da frag ich mich, was diese Bösartigkeit soll. Das verliert ja nicht an Ernsthaftigkeit wenn es anstatt in einem Verlag im Self-Publishing veröffentlicht wird. Deutschland ist ein komisches Land.

Ich habe zwei Kinderbücher geschrieben, leider hat man den Eindruck man will gar nicht, dass Manuskripte eingeschickt werden….
Es ist eine deutsche Boshaftigkeit. Ich habe das von Kollegen aus England oder den USA so nie erfahren. Da ist es völlig egal woher das Buch kommt. Wenn das Thema und der Autor stimmen wird es über Amazon bestellt. Da wird nicht diskutiert in welchem Verlag das Buch gedruckt wurde oder wer es auf den Markt bringt.

In Deutschland muss man bei einem guten Verlag sein damit man suggeriert das Buch ist 'was wert'….
Ja, leider ....

Darf ich zum Abschluss fragen, was Ihr erstes Kinderbuch war, welches Ihnen vorgelesen wurde oder Sie als Erstlesebuch selbst gelesen haben?
Das war für meine Generation (Kindheit in den 1960ern) der Struwwelpeter. Lacht. Da gab es nur das und das war ziemlich traumatisch. Die Bilder hab ich heute noch im Kopf und die Geschichte kann ich bis heute noch auswendig.

Wurde Ihnen das Buch vorgelesen und gezeigt?
Ich musste mir das selber anschauen. Lacht. Aber ich fand das schon sehr brutal.

Ich dank Ihnen ganz lieb, für das schöne Gespräch und hoffe auf ein baldiges, nächstes Mal.
Vielen Dank. Ja, sehr gerne - auf ein baldiges, nächstes Mal.







"Ich tanze gerne. Ich finde das super. Eine tolle Art sich zu bewegen"

Thomas Heinze



Fotoausschnitt: ZDF Erika Hauri


„Der Alte“ – acht neue Folgen
Personalwechsel bei der erfolgreichen ZDF-Krimireihe! Nach den ersten beiden Folgen gibt es einen neuen Hauptdarsteller: Hauptkommissar Caspar Bergmann (Thomas Heinze) leitet künftig die Mordkommission II in München. Annabell Lorenz (Stephanie Stumph) bleibt dem Ermittler-Team erhalten.
Ab Freitag, 10 März 2023 – 20.15 Uhr ZDF


Im Gespräch mit Thomas Heinze

Marion Graeber im Februar 2023


Hallo Herr Heinze, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Das ist schön.


Hallo, liebe Grüße ins Schwabenländle.

„Der Alte“ läuft ab März mit neuen Folgen im ZDF. Sie sind ab dem 24. März als neuer Chefermittler mit von der Partie. Wie fühlt es sich an, Teil eines Krimiklassikers zu sein?

Das fühlt sich sehr gut an und es erfüllt mich mit Stolz. Ich bin sehr gerne der Nachfolger von Jan-Gregor Kremp in der Kultrolle „Der Alte“.


„Der Alte“ gibt es bereits seit dem Jahre 1977. Sind Sie so ein bisschen mit ihm aufgewachsen?

Dank meiner Mutter durfte ich tatsächlich mit 13 Jahren Siegfried Lowitz um 20.15 Uhr im TV sehen. Ich hab das sehr genossen. Ich mochte „Der Alte“ sehr gerne. Er war auf Augenhöhe mit „Der Kommissar“. Den mochte ich auch sehr gerne. Ich finde die auch heute noch sehr spannend, aufgrund der hohen Qualität (geschrieben, inszeniert, gespielt, gedreht). Das war gutes Fernsehen.

Eine Anfrage zu einer TV Serie zu bekommen ist schon etwas anderes als für einen TV Film. Zumal Sie in Berlin wohnen und der Dreh in München stattfindet. War es für Sie trotzdem gleich klar, dass Sie das machen wollen?


Ja, das ich das machen will war klar. Ich habe mich dann neben vielen anderen um die Rolle beworben. Das ZDF und die Produktion haben sich ausführlich mit allen Bewerbungen auseinander gesetzt. Es hat mich sehr gefreut, als schließlich der Anruf mit den Worten kam: „Thomas wir freuen uns, wenn du unser neuer „Alter“ wirst“.

Ich habe gelesen, dass die Dreharbeiten ein halbes Jahr in Anspruch nehmen.

Genau, das ist so. Ich wohne in Berlin und wir drehen jeweils acht Folgen im Jahr in Zweier-Blöcken in München. Das sind dann vier Blöcke à 6 Wochen. Dann ist man ungefähr bei einem halben Jahr.


Sie haben in München studiert. München ist Ihnen also vertraut.


Ja, ich war auf der Falckenberg-Schule und habe mich wieder sehr auf München gefreut. Vor allen Dingen ist die Kombination aus Berlin und München
spannend. Berlin ist toll, sehr lebendig, eine Stadt, die sich ununterbrochen verändert, permanent im Wandel ist. Berlin ist laut und brodelt. München hingegen ist mehr gemütlich. Ein ganz angenehmer Gegensatz zu Berlin. Lächelt.

Mögen Sie auch Stuttgart?


Ich mag Stuttgart. Ich komme nur leider viel zu selten nach Stuttgart. Ich hab mal in Stuttgart Theater gespielt. Ich erinnere mich, dass ich sehr gerne da war.

„Der Alte“ wurde im Sommer 2022 gedreht – ein heißer Sommer. War das herausfordernd?


Das war in erster Linie für das Kostümbild und die Maske eine große Herausforderung … und der Grund dafür, dass ich meistens kein Sakko trug. Lacht.
Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass ich Hitze und Wärme viel lieber mag als Kälte. Kälte ist mir sehr viel unangenehmer.

Dann sind Sie ein Sommermensch?


Absolut und zu einhundert Prozent.

Bergmann ist sehr direkt und hat einen unglaublichen Blick fürs Detail. Er wirkt als Chefermittler teils unnahbar, hat aber durchaus auch nahbare Momente. Gerade da der TV Zuschauer auch etwas über die Privatperson Caspar Bergmann erfahren darf. Wie beschreiben Sie selbst Ihre Rolle, den Charakter Caspar Bergmann?


Ich kann ehrlich gesagt gar nicht mehr viel hinzufügen, weil Sie das super beschrieben haben gerade. All das, was Sie gesagt haben, ist absolut richtig. Emotional ist Bergmann ein bisschen zurückhaltend. Nennen wir es eine hanseatische Zurückhaltung und er hält seine Mitmenschen aus seinem Umfeld auf Distanz. Er hat mit dem Tod seiner Frau noch nicht abgeschlossen. Die einzigen Personen, die er an sich ran lässt, sind seine Tochter und Enkeltochter. Persönlich ist er nicht nur auf der Suche nach einer neuen Unterkunft in München, er versucht auch irgendwie „anzukommen“, abzuschließen mit der Trauer um seine Frau, was ihm bisher noch nicht gelingt. Außerdem ist er ein Mensch, der immer in Bewegung ist. Er macht sich nach fast jedem Fall noch zu Fuß auf den Weg – läuft – um die Dinge, die er da erlebt hat zu verarbeiten. Das sind Seiten, die ich sehr gerne an ihm habe. Er ist auch sehr direkt und scheut sich nicht davor ziemlich offen gegenüber Herausforderungen zu sein. Doch auch seine Geduld ist manchmal endlich. Wenn es ihm reicht, dann kann er auch massiver
werden, den Druck erhöhen und einen schärferen Ton anschlagen.

Mein nächster Punkt wäre tatsächlich die Bewegung gewesen. Es ist mir aufgefallen, dass Bergmann ein Bewegungsmensch ist. Hier und da sagt er, dass er noch ein paar Schritte gehen würde und man sieht ihn beim Abspann auch laufen. Einmal beispielsweise am Sendlinger Tor. Sind Sie selbst auch ein Bewegungsmensch?

Ich bin auch ein Bewegungsmensch. Auch wenn ich telefoniere. Lacht. Heute hab ich mich dazu gezwungen ein bisschen konzentrierter zu sein und nicht die ganze Zeit durch die Wohnung zu rennen, wie ich das normalerweise mache. Denn, ich bewege mich ständig. Dieses Laufen, was Bergmann macht, man weiß ja – nicht umsonst lässt man Soldaten im Gleichschritt marschieren. Das dient zur Gleichschaltung der beiden Hirnhälften. Beim Laufen passiert eine Menge, man kann Gedanken freisetzen, Dinge verarbeiten – das tut einfach wahnsinnig gut. Wenn man eine Gegend zu Fuß erkundet sieht man auch viel mehr.

Mein Papa hat immer gesagt, dass man Städte erlaufen muss, um sie kennenlernen zu können.


Ja, das sehe ich auch so.

Caspar Bergmann ist ein spannender Charakter, den ich echt mag. Er ist unnahbar und nahbar zugleich. Ist ja immer so eine Sache, wie neue Charaktere beim Zuschauer ankommen.


Absolut, insofern freut mich das sehr. Das ist sehr schön. Vielen Dank.


Haben Sie früher, als Kind, auch Krimis gelesen? … Oder was war Ihr erstes Kinderbuch?

Ich hatte ja eine amerikanische Kindheit und mich hat „Doctor Dolittle“ beeindruckt. Ich mochte es, dass er mit den Tieren sprechen konnte. Und, dann gab es da noch eine Buchreihe, die hieß „Encyclopedia Brown“. Echt witzig, dass Sie das jetzt fragen. Da ging es um einen Kinderdetektiven (Leroy Brown, Spitzname Encyclopedia). Den mochte ich total gerne. Das war so aufgebaut, dass man den ganzen Fall, die ganze Geschichte am Ende selbst lösen konnte. „Wer war es, weißt du es?“ hieß es da. Es fällt mir überhaupt jetzt erst auf, dass ich schon damals gerne Kriminalfälle löste. Lächelt.

Wie Caspar Bergmann….

Ja, Bergmann macht es auch Spaß Chefermittler zu sein. Er sieht seine Fälle als Herausforderung und Kriminalrätsel, die es zu lösen gilt.

Encyclopedia Brown – eine tolle Verbindung


Absolut. Und meine Lebenspartnerin heißt Jackie Brown.

Die TV Zuschauer lieben Krimis. Was glauben Sie warum das so ist und was unterscheidet „Der Alte“ von anderen Krimiformaten?

Ich glaube „Der Alte“ ist ähnlich, wie „Miss Marple“, „Sherlock Holmes“ und „Columbo“ eher ein Alleinermittler. Sie alle haben so etwas wie ein Team, aber den Fall lösen sie und es macht unglaublichen Spaß ihnen dabei zuzusehen. Ebenso ihre persönlichen Eigenarten, die haben richtigen Kultstatus. „Columbo“ beispielsweise, der sich immer kurz vor dem Ausgang umdreht und dann kommt diese letzte, tödliche Frage …. Lacht. Die meisten TV Formate haben ein Ermittlerduo im Fokus. Da unterscheidet sich „Der Alte“. Ich glaube, das ist eine ganz gute Abwechslung im Vergleich zu vielen anderen Krimis.

Ich hätte jetzt noch zwei Fragen ganz persönlicher Natur. Nicht schlimm.


Lacht. Ich bin ja nicht gezwungen zu antworten. Lacht.

Tanzen Sie Tango Argentino?


Tango Argentino ist speziell. Doch ich habe in meiner Jugend einen Tanzkurs in einer Tanzschule gemacht. Jahre später kam ich mal wieder an der Tanzschule vorbei, da traf ich auf meinen „alten“ Tanzlehrer der sagte: „Mensch, Thomas, das ist gut, dass du hier vorbeikommst. Mir fehlt ein Junge. Hättest du Lust nochmal einen Tanzkurs zu machen?“ Klar, dachte ich mir. Einmal kostet es nichts und ich bin schon davor sehr gerne in den Tanzkurs gegangen. Nicht nur wegen den Mädchen. Lacht. Tanzen finde ich super. Eine toller Art sich zu bewegen.

Die Bewegung kommt Ihnen entgegen….


Ja, das stimmt absolut.

Und die letzte Frage, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?


Sehnsuchtsort – Sie meinen einen Ort, an den ich mich hinsehne? Das Meer. Aber wohlgemerkt den Blick auf das Meer, vom Land aus.

Und in der Wärme….


Lacht. Ja. Ich finde das Meer großartig und ich liebe es auf das Meer zu blicken. Ich würde allerdings ungern mitten auf dem Meer sein. Es ist für mich unheimlich, ich weiß ja, dass es dann da unter mir unfassbar tief ist. Da fühle ich mich nicht wirklich wohl. Ein Ort nach dem ich mich immer wieder sehne – wir haben in Spanien ein kleines Häuschen. Und: Da können wir auf das Meer schauen.

Das hört sich ganz herrlich an. Vielen Dank. Wünsche Ihnen alle Liebe.


Das ist super nett von Ihnen. Das wünsche ich Ihnen auch. Vielen Dank. Auch für die vielen tollen Sachen, die Sie über „Der Alte“ gesagt haben.

Vielen Dank, lieber Herr Heinze für das schöne Gespräch






"Ich tanze sehr gerne. Ich finde es toll wenn man sich für einen festlichen Anlass festlich kleidet "
Adnan Maral


Fotoausschnitt: Pressefoto ARD



Die Kriminalitätsrate in der deutsch-tschechischen Grenzregion wächst: Illegale Lachsfischerei, Drogengeschäfte, tödliche Rivalitäten. Das Team der ansässigen Wasserschutzpolizei ist gefragt wie nie. Die Hauptkommissarin Maike Junghans (Carina Wiese) und ihr Kollege Sami Fares (Adnan Maral) sowie die Kommissar:innen Moritz Kretschmär (Ferdi Özten) und Jana Macourek (Barbara Prakopenka) lösen gemeinsam die schwierigsten Kriminalfälle an Land und auf dem Wasser. Im Wechsel mit „WaPo Bodensee“, „WaPo Berlin“ und „WaPo Duisburg“ zeigt Das Erste ab dem 14. Februar 2023 die neue achtteilige Krimiserie „WaPo Elbe“ - immer dienstags, 18.50 Uhr und zeitgleich in der ARD Mediathek. „WaPo Elbe“ reiht sich damit in ein erfolgreiches Konzept aus Krimiserien rund um die Wasserschutzpolizei auf Deutschlands Gewässern ein.  


Im Gespräch mit Adnan Maral

Marion Graeber im Januar 2023



Hallo lieber Herr Maral. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben, da freue ich mich sehr.
Natürlich, sehr gerne. Ich danke Ihnen.

Sie wohnen in der Nähe vom Ammersee. Sind Sie gerade zuhause?
Nein, ich bin tatsächlich gerade in unserem Büro in München von unserer Produktionsfirma.

Mit der neuen „WaPo Elbe“ haben Sie das Element Wasser um sich. Sie leben in der Nähe des Ammersees, in München haben Sie die Isar und Sie sind in Frankfurt am Main aufgewachsen. Was bedeutet Ihnen das Element Wasser?
Der Ammersee ist ein Lieblingsort. Wasser generell ist für mich „Lieblingsort“. Wasser gibt mir persönlich „Ruhe“. Ich kann mich an das Wasser setzen – ob das nun das Meer ist, ein See oder ein Fluss. Wasser hat für mich, wie gesagt, etwas Beruhigendes. Ich bin immer wieder erstaunt, was das mit mir macht.

Mit der ersten WaPo ging es 2017 am Bodensee los – was denken Sie ist das Erfolgsrezept der WaPo?
Ich glaube, Krimis bewegen Menschen generell. Wir erzählen nun Krimis, Geschichten, die auf, am oder in der Verbindung mit Wasser passieren. Wir haben hier also die Möglichkeit andere Geschichten zu erzählen, wie beispielsweise bei den Soko Reihen. Das Element Wasser gibt hier andere Spielmöglichkeiten.

Andere Geschichten erzählen….
Genau. Absolut. Geschichten, die man so noch nicht kannte.

Was denken Sie – was fasziniert Menschen an Krimis?
Die Formate werden immer besser gemacht und umgesetzt. Ich glaube der Mensch an sich ist fasziniert von dieser Spannung, welche die Kriminalfälle umgibt. Ich persönlich schaue gerne Krimis. Aber nicht zu viel. Ich bin auch so ein Komödienmensch. Lacht.

Die Komödie als ausgleichendes Format….
Ja, absolut. Wenn ich abends zwei Stunden am TV sitze möchte ich gut unterhalten werden. Ich lache halt auch sehr gerne. Auch privat. Ich nutze da jede Gelegenheit und nehme jede Möglichkeit zum Lachen an. Lacht.

Was war Ihr erstes Buch, das Sie als Kind selbst gelesen haben oder welches Ihnen vorgelesen wurde?
Also, ich war ja nicht im Kindergarten. Bin mit zwei Jahren mit meinen Eltern nach Deutschland gekommen. Soweit ich mich erinnern kann bin ich später als Kind in die Stadtbibliothek um die Ecke gegangen. Das war toll. Da hab ich mir dann Comics angesehen. „Asterix“ und „Tim und Struppi“. Lacht. Das waren so meine Bücher. Die hab ich geliebt. Man darf nicht vergessen, dass meine Eltern nicht so gut die deutsche Sprache beherrschten. Da zählte dann die Eigeninitiative.

Annäherung über Bilder und kurze Texte…
Ja, genau und das war bei den Comics am einfachsten – die Zeichnungen und die kleinen Texte in den Sprechblasen.

Sie sind in Frankfurt/Main aufgewachsen und leben heute in der Nähe des Ammersees – was lieben Sie mehr Stadt oder Land?
Also ich genieße es sehr auf dem Land zu leben. Bin aber auch froh, wenn ich hin und wieder in die Stadt reinfahre, weil ich mich dann daran erinnere bald auch wieder hinaus zu fahren aufs Land. Lacht. Ich genieße das Stadtleben bin aber froh, wenn ich dann wieder zuhause bin. Ich mag das kleine, das persönliche, ruhige Leben. Das tut mir momentan sehr gut. Das hätte ich ja auch eigentlich nie gedacht, da ich in Frankfurt, in der Stadt, aufgewachsen bin. Wir leben jetzt aber schon fast 20 Jahre auf dem Land. Lächelt.

Das hat doch auch viele Vorteile….
Absolut. Unsere Kinder lieben das auch sehr. Diesen klaren Freundeskreis, dieses direktere Leben. Wir sind schon auch öfter in Berlin oder generell in der Stadt. Da wird dann auch immer viel unternommen. Und doch sind alle dann auch wieder froh zuhause zu sein.

Sind Sie Frühaufsteher oder gehen Sie spät ins Bett?
Ich bin Frühaufsteher. Ich liebe das. Zu sehen, wie der Tag so unberührt beginnt. Die Sonne geht auf und es beginnt das Neue. Das ist etwas was mich total erfüllt. Ich suche nicht die Nacht um kreativ zu sein.

Zu Beginn unseres Gesprächs haben Sie gesagt, dass Sie am Wasser Ruhe finden. Haben Sie einen Sehnsuchtsort? Vielleicht am Wasser?
Ich würde sehr gerne direkt am Wasser wohnen und morgens meinen Espresso trinken und danach direkt ins Wasser springen. Lacht.

Oh herrlich…. Das ist eine schöne Vorstellung.
Lacht…. Und am Abend am Wasser einen Wein …. Lacht….

Das hört sich perfekt an … Wie würden Sie Ihre Rolle Sami Fares beschreiben?
Sami Fares ist ein Mensch mit viel technischem Wissen. Er ist generell ein Mensch der voller Interessen ist. Außerdem hat er immer so eine Verbindung, so etwas gefühlvolles. Er ist ohne Familie und sucht seine Familie auf dem Revier, wo er sie auch findet.

Ich konnte zwei Folgen bereits schauen „Vatertag“ und „Gegen den Strom“ - wird man noch mehr in die Geschichten der einzelnen Charaktere hineingeführt?
Ja, da kommt noch mehr. Das musste sich erst entwickeln. Das ist ja auch so ein Ding wenn man ein neues Format entwickelt. Ich mag beispielsweise das Revier so sehr. Am Anfang gab es das noch gar nicht – bis die Produktion angerufen hat und sagte, sie habe da was gefunden. Das Revier ist eigentlich der Kraftraum des Ruderclubs. Ein toller Ort – man kann so schön auf das Wasser schauen und das Leben dort beobachten.

Es gibt acht neue Folgen. Wann wurde gedreht?
Im vergangenen Jahr von April bis Juli.

In Filmen wird mit Musik eine Szene, ein Thema unterstrichen. Bei der ersten Folge „Vatertag“ beispielsweise mit „Papa was a rollin' stone“. Welches Musikgenre ist Ihnen persönlich das liebste?
Ich mag Funk und Motown. Damit bin ich aufgewachsen. Ich mag Grandmaster Flash und Chaka Khan. Auch Whitney Houston und Michael Jackson mag ich.

Es hat schon Bedeutung, mit welcher Musik man selbst aufwächst…. Das begleitet einen….
Ja, das stimmt absolut. Ich hab natürlich auch die Beatles gehört oder Supertramp aber es gibt Musik die mich mehr bewegt. Was ich nicht bin ist Rock und Heavy Metal.

Apropos Bewegung – tanzen Sie? Vielleicht den Tango Argentino?
Ich tanze sehr gerne Walzer. Tango hab ich tatsächlich noch nicht getanzt. Früher hab ich Breakdance gemacht. Lächelt. Manchmal sind meine Frau und ich zu Opernbällen eingeladen – das ist schön. Ich liebe es Walzer im Smoking zu tanzen. Ich finde es toll, wenn man sich zu einem festlichen Anlass festlich kleidet.

Sie haben mit Ihrer Frau eine Produktionsfirma, waren auch schon als Autor tätig. Was bedeutet es Ihnen künstlerisch vielfältig aktiv sein zu können und wird es ein weiteres Buch von Ihnen geben?
Wenn ich mehr Zeit hätte. Lächelt. Damals als ich geschrieben habe bin ich extra um 4.30 Uhr aufgestanden und hab mich an den Schreibtisch gesetzt. Das schaffe ich jetzt nicht mehr. Ich genieße es auch sehr, dass wir mit unserer Produktionsfirma unsere Ideen verwirklichen können. Worum es mir geht ist, Geschichten zu erzählen. Das Medium Film ist uns dabei sehr nah. Das ist unsere Leidenschaft. Ich kann auch mit einem Buch Geschichten erzählen aber es braucht viel mehr Zeit.

Es gibt auch eine Bücherschwemme – das muss man klar sagen….
Absolut. Ich war damals in Frankfurt und in Leipzig auf der Buchmesse. Da wurden tausende Bücher neben meinem veröffentlicht und man denkt nur „wow“. Wir unterhalten Menschen gerne. Im April/Mai kommen wir wieder mit unserer Grillsendung, welche wir für den BR produziert haben. Da freue ich mich drauf. Ich grille für mein Leben gern. Und es gibt so viel zu erzählen. Es geht um Nachhaltigkeit, Regionalität und was Ernährung generell bedeutet.


Haben Sie eine Wunschrolle oder einen Wunschkollegen, eine Wunschkollegin? Schwierige Frage eigentlich – aber ich probiere es mal 

Lacht. Für mich endet es nicht mit der einen Wunschrolle. Ich hab viele Wunschrollen. Bin ein großer Fan von Denzel Washington und Liam Neeson (mit ihm hab ich auch schon gedreht). Ich finde diese Kombination aus Action mit Drama grandios. Ich finde auch die Schauspieler toll – sie sind älter und es geht nicht um den Superbody … Auch mit Regisseur Jean-Luc Godard hätte ich gerne gearbeitet. Aber wir haben auch bei uns ganz wundervolle Menschen in der Branche.


Vielen Dank, lieber Herr Maral für das schönen Gespräch. Viel Erfolg mit der neuen WaPo







"Ich bin musikalisch sehr breit aufgestellt. Ich setze Musik nach Stimmung ein"

Götz Otto

Foto: Pressefoto Zaucke


Im Gespräch mit Götz Otto

Marion Graeber im November 22


Bezaubernde „Märchenperlen“: An Heiligabend, 24. Dezember 22, 16.30 Uhr, zeigt das ZDF den Spielfilm „Das Märchen vom Frosch und der goldenen Kugel“ von Regisseur Ngo The Chau, eine freie Adaption des bekannten Märchens der Brüder Grimm.

Hallo Herr Otto, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich.
Sehr gerne. Schön, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich auch.

Wo erreiche ich Sie in diesem Moment?
Ich bin zu Hause in der Nähe des Starnberger Sees.

Für das Märchen „Das Märchen vom Frosch und der goldenen Kugel“ waren Sie in Prag und Umgebung. Stimmt das?
Das ist richtig.

Sie waren schon drei Mal auf der Burg, welche auch für „Das Märchen vom Frosch und der goldenen Kugel“ als Kulisse gedient hat - wie fühlt es sich an, mehrfach auf dieser Burg gespielt zu haben? Sie waren, laut meiner Recherche, drei Mal der König?

Ich war drei Mal König. Sehr gut recherchiert. Ich bin beeindruckt. Lächelt. Ja, das ist tatsächlich schon sehr eigenartig wenn man als Schauspieler auf eine Burg kommt und schon öfter dort gearbeitet hat. Es fühlt sich so an, als ob einem die Burg gehöre. Lacht. Und das ist total gemein, weil sie gehört mir natürlich nicht. Lacht. Aber, ehrlich gesagt ist das auch ganz o.k. denn die Burg ist sehr kalt. Ich bevorzuge doch den Blick aus meinem Fenster zuhause.

Es entstehen viele Märchen in Prag und Umgebung. Warum, denken Sie, ist das so?
Da gibt es mehrere Gründe. Ich glaube, einer der Hauptgründe ist, dass es die Locations dort gibt und diese auch bespielt werden können. Im Sinne von hier können Dreharbeiten stattfinden. Bei uns in Deutschland ist es mit den Drehgenehmigungen etwas schwieriger aufgrund der vielen Auflagen. In Tschechien finden auch viele internationale Dreharbeiten statt. Es gibt eine gute Infrastruktur. Es gibt Studios, Techniker und so weiter. Alles in angenehmer Nähe. Und was speziell die Märchen angeht: Die Tschechen haben eine riesengroße Märchentradition, die sehr weit zurückgeht. Es sind wundervolle Märchenfilme entstanden.

Ich habe gelesen, dass für „Das Märchen vom Frosch und der goldenen Kugel“ eine neue Studio-Technologie in Einsatz kam. Können Sie das erläutern?
Bei Märchen braucht man ein märchenhaftes Bild und das ist in der heutigen Zeit einfacher mit dem Computer herzustellen als faktisch mit einem Szenenbild. Bis dato stand der Schauspieler vor einem grünen, manchmal auch blauen Schirm. Für den Schauspieler ist es dann so, dass dieser dann eigentlich keine Ahnung hat, wie das Bild am Ende aussieht. Das sind teilweise absurde Situationen. Mit der neuen Technik sieht man zwar noch, dass es animiert ist, aber man weiß, wo man sich befindet. Man entwickelt ein besseres Gefühl dafür. Das ist ein großer Vorteil.

Was denken Sie, wie wichtig sind Märchen für Kinder und vielleicht auch Erwachsene? Märchen können ja doch auch brutal sein.
Im Original gibt es Märchen die verstörend sind. Das stimmt. Doch die Gebrüder Grimm haben die Märchen nicht umsonst zusammengetragen. Sie sind unser kulturelles Erbe. Wenn man sich nun unser Märchen ganz konkret anschaut, sieht man, dass es eine Adaption ist. Das heißt, wir haben das Märchen der Gebrüder Grimm in unsere heutige Zeit geholt und es auf eine Art und Weise erzählt, wie man sich das heute auch erschließen kann. Ich finde das ist ganz hervorragend gelungen.

Was war Ihr liebstes Kinderbuch, welches Sie selbst als Erstlingsbuch gelesen haben, oder welches Ihnen vorgelesen wurde?
Meine Eltern hatten leider keine Zeit mir ein Buch vorzulesen. Die Bücher an die ich mich erinnern kann waren durchaus mit Märchenbüchern vergleichbar. In meinem Buch spielte ein Salamander die Hauptrolle und sein bester Freund ist ein Frosch. Kennen Sie die Bücher?

Ich habe ein Bild.
Ja, ich glaube das waren meine ersten Bücher die ich selbst gelesen habe.

Reisen Sie gerne?
Ich finde es ist ein Hauptprivileg meines Berufes, dass ich an Orte reisen kann um dort zu arbeiten. Ein Hauptaspekt warum ich meinen Beruf so großartig finde. Denn es macht einen Unterschied ob man an einem Ort arbeitet oder ihn als Tourist bereist.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Nein, Sehnsucht nicht. Ich hab Interesse. Mich interessiert viel. Wenn meine Familie jedoch im Sommer in den Urlaub fährt denke ich mir auch schon mal „lasst mich mal zuhause sein“ - ich bin so viel unterwegs..

Welches Musikgenre mögen Sie?
Ich bin da sehr breit aufgestellt. Musik hat ganz viel mit Emotion und Stimmung zu tun. Ich setze Musik bewusst nach meiner Stimmung ein. Da ist alles drin. Von Klassik über Jazz bis Hip-Hop. Was ich nicht gerne höre ist diese Radioschleifen-Musik. Die halte ich kaum aus.

Tanzen Sie gerne? Haben Sie schon mal den Tango Argentino getanzt?
Ich habe auf der Schauspielschule Tango getanzt. Mit meiner Frau habe ich kürzlich einen Salsa Kurs belegt. Leider kommen wir zu selten zum Tanzen.

Sie haben schon viele Charaktere verkörpert. Gibt es eine Traumrolle?
Meine Traumrolle ist immer die nächste die da kommt und von der ich jetzt noch gar nichts weiß.

Gibt es einen Wunschschauspieler oder eine Wunschschauspielerin?
Ich würde gerne mal mit Robert De Niro drehen. Aber wenn das nicht passiert ist das auch nicht schlimm.

Ihr Lieblingsfilm? Ich habe gelesen, Sie finden Jeff Bridges und den Film „The Big Lebowski“ gut.
Ja, das ist absoluter Kult. Jeff Bridges mag ich sehr sehr gerne. Er hat eine großartige Alterskarriere. Da kann man sich viel abschauen.

Das „Märchen vom Frosch und der goldenen Kugel“ wird an Heiligabend ausgestrahlt. Darf ich Sie fragen, wie Sie Weihnachten feiern?
Weihnachten ist ein Fest welches bei uns in der Familie sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Ich mag Weihnachten überhaupt nicht, freue mich aber sehr darüber, dass Weihnachten ein Familienfest ist. Wir kommen zusammen und ich freue mich auf einen schönen Abend mit guten Gesprächen.


Vielen Dank, lieber Herr Otto für das schöne Gespräch. Alles Liebe.






"Haben Sie schon mal Tango Argentino getanzt?"

"Nein, ich bin mehr Freestyle"

Eva Löbau

Foto: SWR Benoit Linder





Im Gespräch mit Eva Löbau – 26. Oktober 22

Marion Graeber


Im „Tatort – Die Blicke der anderen“ ermitteln Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) in einer Kleinstadt im Breisgau: Es gibt selbstredend keinen Maßstab dafür, wie sich eine Frau zu verhalten hat, deren Mann und Sohn vermisst werden. Und doch irritiert das stoische Verhalten von Sandra Vogt die Kommissare Franziska Tobler und Friedemann Berg in besonderem Maß, während sie versuchen, die Familientragödie aufzuklären. Lisa Hagmeister
verkörpert im „Tatort – Die Blicke der anderen“ diese Frau, die von ihrer Umgebung zur Außenseiterin erklärt wird.


Hallo liebe Frau Löbau. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich.
Sehr gerne.

Unser Telefoninterview findet früh am Tag statt – sind Sie Frühaufsteherin?
Lacht. Ich bin tatsächlich Frühaufsteherin. Ich schaffe es aber schon abends eine Theatervorstellung durchzustehen.

Sind Sie gerade in Berlin?
Ja, ich bin in Berlin. Ich habe aber auch einen Wohnort in München. Ich pendle.

Ich habe den Schwarzwald-Tatort gesehen. Er bildet den Auftakt in die ARD Themenwoche „Wir gesucht – Was hält uns zusammen“.
Ja, das stimmt. Wir zeigen in unserem Tatort die Ausgrenzung einer Person in einem dörflichen Rahmen. Die Schwelle der Ausgrenzung ist hier sehr gering. Sie ist unsichtbar und fast unaussprechbar. Ich hab mir die Projekte im Vorfeld zur Themenwoche angesehen. Es geht beispielsweise um ausländerfeindliche Übergriffe, um den Hass auf Politiker, es geht um Streitereien bezüglich eines Parkplatzes - Die verschiedenen Ebenen der angeführten Konflikte sind verwirrend und gleichzeitig interessant. Ein „Wir“ Thema haben wir also auch in unserem Schwarzwald-Tatort aufgegriffen.

Sandra ist auf der Suche nach Liebe, nach Anerkennung. Sie begibt sich in eine Affäre. Ist es nicht das, wonach wir alle suchen? Liebe und Anerkennung?
Für uns, als die Ermittelnden, geht es bei der Affäre eher darum, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es nicht strafbar ist, eine Affaire zu haben. Und doch beeinflusst das unseren Blick auf Sandra.Sie macht sich mit ihrem Verhalten verdächtig. Sie ist ja auch deswegen so verschwiegen, weil sie die moralische Verurteilung fürchtet. Sie war in ihrer Umgebung schon früher Vorurteilen ausgesetzt.

Ein wichtiger Punkt der Geschichte ist, dass Sandra nicht aus der näheren Nachbarschaft stammt. Im schwäbischen Dialekt sagt man ja „Reigschmeckte“ - Sehen Sie hier Unterschiede auf dem Land/in der Stadt?
Ja, auf jeden Fall. Im Stadtleben ist es einfach viel geläufiger, dass viele von irgendwoher zugezogen sind. Gerade auch in Berlin.

Bevorzugen Sie das Stadt- oder das Landleben?
Ich glaube, dass ich durch meine Familie, die in gewisser Weise auch „reigschmeckt“ war, das städtische und kulturelle Leben gesucht habe. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und hab als Jugendliche schon bald das Kino, das Theater und weitere Kulturstätten aufgesucht. Die findet man in der Stadt. Lächelt. Aber ich bin auch gern in den Bergen beim Bergsteigen und Wandern.

Sie sind in Waiblingen geboren und in Plochingen aufgewachsen. Wie lange waren Sie in der Region Stuttgart?
Bis zu meinem 20. Lebensjahr.


Haben Sie manchmal Sehnsucht nach der alten Heimat?
Ich bin oft da und es ist auch schön für mich im Schwarzwald den Tatort zu drehen. So kann ich meine Freundinnen und Freunde öfter sehen und das ist sehr schön. Lächelt. 


Sie bilden ja auch mit Ihrem Tatort-Kollegen ein „Wir“. Wie ist die Zusammenarbeit?
Uns ist das Drehbuch wichtig, die Themen, die Regie, die Redaktion – all die Menschen die am großen Ganzen mitarbeiten. Wir achten darauf, dass die Themen eine Relevanz haben. Interessant sind. Dass das Werk ein gutes Werk ist. Die Charaktere der Ermittelnden werden uns dabei immer wichtiger. Wir achten darauf, dass das Interesse an den Kommissaren nicht nachlässt – nicht beim Zuschauer und nicht bei uns selbst. Wir suchen ergiebige Spielmöglichkeiten mit viel
Aussagekraft. 


Dann können Sie auf die Entwicklung der Rollen mit einwirken?
Ja, ab einem bestimmten Zeitpunkt sind wir ein Teil des Teams. Gemeinsam sprechen und erarbeiten wir Themen und Charaktere.

Der Blick in andere Länder, auf andere Kulturen, auf die Menschen – wie wichtig ist Ihnen das? Reisen Sie gern?
Tatsächlich bin ich nicht gerne Touristin. Ich frage mich immer, was meine Berechtigung ist, dort zu sein. Ich würde sehr gerne mehr reisen aber nicht als Touristin. Dieser Blick auf die Sehenswürdigkeiten, das ist für mich ein verantwortungsloser Blick. Man geht an die schönen Orte, beteiligt sich aber nicht an der Gesellschaft. Mich interessiert der Austausch.


Mitleben wollen…

Ja, genau. Ich bin mal, in einer fremden Stadt, nach dem Weg gefragt worden. Das war für mich ein großes Glücksgefühl. Glaubwürdig in einer Umgebung zu wirken. Wie bei der Schauspielerei. Aber da stellt sich auch die Frage: „Verschwinde ich im Bühnenbild oder bin ich sichtbar?“ Lacht.

Auch bei der Musik kann man ein „Wir“ leben. Welches Genre ist Ihr liebstes?
Ich höre viele Singer/Songwriter. Aber auch Klassik. Ich höre sehr gerne Radio, speziell die Sender mit guten Gesprächsbeiträgen. Wenn es dann noch um Biografien von Musikern geht, finde ich das ganz wunderbar.

Haben Sie schon einmal Tango Argentino getanzt?
Nein. Lacht. Ich bin da mehr Freestyle.

Haben Sie ein Lieblingskinderbuch, welches Ihnen vorgelesen wurde oder Sie als Erstlesebuch geliebt haben?
Kinderliteratur war sehr wichtig für mich. Ich hatte sehr viele Kinderbücher. Alles von Christine Nöstlinger. „Die feuerrote Friederike“ beispielsweise.  Lächelt. Auch Astrid  Lindgren. Am Beispiel von „Michel aus Lönneberga“. Das war für mich sehr wichtig. Gerade weil ich mich als Kind auch nicht als Mädchen fühlte. Michel war für mich eine Identifikationsfigur. Dieser missverstandene, freche Junge. Ich hab teilweise sogar gesagt, ich hieße Michel. Ja, das war ein wichtiges Buch für mich.
Aber auch Otfried Preußler und James Krüss. Krüss hat mich in die Literatur eingeführt. Dann „Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“ von Irmgard Keun. Das war auch ein sehr wichtiges Buch für mich. Hier schlagen wir einen Bogen zum Tatort und zur Themenwoche „Wir“.

Sehr vielseitig…
Ja, und dazu kommt die Wichtigkeit des Bildungszugangs. Neben den Eltern und der Familie beispielsweise die Stadtbibliotheken aber auch Vereine. Dann, Pädagogen, Menschen, die offen sind und Begabungen erkennen und fördern.

Auch wir hatten mit unserem Gespräch ein „Wir“ und ich bedanke mich lieb für Ihre Zeit und diese schöne Gesprächsmöglichkeit. Vielen Dank.
Vielen Dank. Sehr gerne.



 




"Des isch doch kein Zufall mehr"

Stephan Luca

Foto: ZDF Hendrik Heiden





Neuer Sendeplatz – neuer Einsatzort mit Beförderung! Christine Eixenberger als Feuerwehrfrau ist zurück mit vier neuen Abenteuern – voller Action und mit ganzem Einsatz. Die  ZDF-Reihe wird nicht mehr sonntags im "Herzkino", sondern donnerstags um  20.15 Uhr ausgestrahlt. Nach den ersten  zwei neuen Folgen, in denen Marie noch die Bürgersprechstunde in Weilheim leitet, macht die toughe Oberbayerin ihre große Leidenschaft zum Beruf und wechselt zur Freiwilligen Feuerwehr nach Murnau: als hauptamtliche Kommandantin. Dabei lernt sie den attraktiven Kollegen Peter (Stephan Luca) kennen. Seine herzliche Begrüßung und Unterstützung beflügeln.

Im Gespräch mit Stephan Luca
Marion Graeber

7. September 22

Hallo lieber Herr Luca, vielen Dank, dass Sie  Zeit für mich haben. Da  freue ich mich sehr.
Gerne. 


Wir haben uns vor genau  fünf Jahren beim  ZDF Pressetag in Hamburg bereits persönlich  kennenlernen dürfen. Heute am Telefon.
Des isch  krass. Da reden wir doch von „Des isch doch  kein Zufall mehr“. Lacht.

Ich habe Ihnen damals, als kleine Verbindung zur alten Heimat, ein Sindelfinger Badehandtuch mitgebracht.
Richtig, ich erinnere mich. Herrlich. Vielen Dank. Das gute  Sindelfinger Freibad. Mein Kindergarten.

Sind Sie noch oft in der Stuttgarter Region?
Ja, meine Eltern wohnen da und mein Bruder mit  seiner Familie. Ich genieße meine alte Stuttgarter Heimat  sehr.

 
Haben Sie einen Lieblingsplatz in Stuttgart?
Das ist natürlich das Zuhause meiner Eltern. Da bin ich groß geworden. Das ist definitiv mein Lieblingsplatz. Dann gibt es noch ein paar weitere  Lieblingsplätze - den Tennisclub beispielsweise, wo ich mich doch sehr viel nach der Schule aufgehalten habe. Das war so unser Spielplatz. Das Sindelfinger Freibad, mein Kindergarten. Lächelt. 


Sie  sind bei „Marie fängt Feuer“ ab November beim  ZDF zu sehen. Wie ist es, sich einem bestehendem Team anzuschließen?
Herrlich. Man trifft auf wunderbare  Kolleginnen und Kollegen. Christine Eixenberger beispielsweise, die das Ganze auch wirklich führt und sich mit neuen beruflichen und persönlichen Aufgaben befassen muss. Wir haben uns alle zur Vorbereitung kennengelernt. So durften wir mit der Freiwilligen Feuerwehr in Murnau sehr eng zusammen arbeiten. Im Vorfeld also und auch während der Drehzeit. Wir durften uns da finden und immer weiter in die Themen gemeinsam rein arbeiten. Mutig und klar von der Produktion und dem Sender auf den neuen  Sendeplatz auf den Donnerstagabend gesetzt.

 
Wie beschreiben Sie Ihre Rolle Peter Angerer? Wie war das mit der Schutzkleidung der Feuerwehr zu agieren?
Ich habe schon einmal einen Feuerwehrmann gespielt. Deswegen war mir der Feuerwehrmann an sich nicht unbekannt. Auch die Tätigkeit war mir bekannt – wir drehten damals einen großen  Actionfilm  indem der Berliner Fernsehturm brannte. Ich weiß also um  die  Anstrengungen von Feuerwehrmännern und -frauen. Im ersten Teil mit mir von „Marie fängt Feuer“  beschäftigt uns eine Flutkatastrophe. Im zweiten Teil dann steht ein junger Mensch im Mittelpunkt. Dann die berufliche und private Herausforderung von  Marie.  Peter ist ein Heimkehrer. Man hört ihn auf  serbisch fluchen. Er kommt aus der Region und ist in dieser groß geworden. Doch dann wurde es ihm  zu eng und er ging. Jetzt ist er wieder da. Die  Figur hat also auch noch  ein Geheimnis.  Beruflich gesehen ist Peter in Festanstellung als Vize Kommandant mit großer Vorfreude auf eine Kommandantin, die er von früher her kennt. Da kommen zwei Charaktere zusammen. Jeder hat seinen Dickschädel, seinen Standpunkt. Die Figuren mögen sich, können aber auch mal unterschiedlicher Meinung sein. Das ist etwas, was ich sehr mag. Es gibt also viele schöne, interessante Geschichten zu erzählen.

Hatten Sie Einfluss auf die Rolle?
Ja, ich durfte in der Vorbereitung und in der Entwicklung der Figur mitarbeiten. Das ist herrlich, wenn man im Vorfeld so eine Geschichte zusammensetzt und Biographien entwickelt. Das finde ich, ist auch  großartig gelungen. Chrissi Eixenberger ist auch eine wirklich tolle Kommandantin. Sie kennt ihre Figur in und auswendig. Das ist sehr schön erzählt mit all diesem Mut, der Verzweiflung, der Erschöpfung und auch der Liebe. Das macht das Format auch besonders.

Es ist wirklich spannend. Man  möchte wissen, wie es weitergeht. Ich konnte Folge drei und vier bereits sehen und habe auch mit Christine Eixenberger bereits sprechen dürfen.
Es ist herrlich, wenn Sie sagen, dass man sehen möchte, wie es weitergeht. Das ist ja auch unser Ansatz. Eine tolle Arbeit mit einem Regisseur, den ich schon lange kenne. Wir haben schon gemeinsam einen Film in Afrika gedreht. Auch in Mallorca. Wir kennen uns lange. Auch die Arbeit mit dem Kameramann. Ein tolles Team. Ich wünsche uns, dass wir den Weg fortsetzen  können.  Aber, wenn Sie sagen, er hat bei Ihnen auch schon diesen Ansatz und die Neugier hervorgerufen, dann ist das uns eine Freude. Es gibt auch wirklich  Schönes zu erzählen.

Da bin ich echt gespannt drauf.
Bei der Feuerwehr ist das Thema Teamgeist, Freundschaft, sich aufeinander verlassen können ein großes. In „Unbequeme Wahrheiten“ geht es um Kinder und Jugendliche. Ich habe für den Stuttgarter Zeitungsverlag auch schon den ein oder anderen Bericht über Feuerwehren geschrieben – die Jugendarbeit bei den Feuerwehren – da wird schon viel getan. Wie blicken Sie hierauf?

Da wird wahnsinnig viel getan. Ich weiß nicht, wie  es in Stuttgart ist aber ich hab das Gefühl, also in Murnau, da muss man sich nicht so große Sorgen um die Zukunft der Feuerwehr machen. Der Zulauf ist groß. Die jungen Mädchen und Jungen begeben sich schon früh in die Jugendfeuerwehr. Großartige Freundschaften entstehen. Diese halten oftmals ein Leben lang. Auch die ganze innere Organisation – Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen werden aufgefangen. Das alles  findet im Team statt. Das sind die Helden und Heldinnen unserer Zeit. Das alles wollen wir glaubhaft erzählen, mit all den Zwischentönen, den Schwierigkeiten. Aber auch mit viel Humor und Lebensfreude. Wir haben hier eine große Bandbreite an Möglichkeiten.

Die Pandemie hat uns in unserem Teamwork ausgebremst. Die sozialen Beziehungen haben gelitten. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Das war ein großer Stopp. Ich war gerade in der Vorbereitung auf einen Film in der Bavaria. Dann kam das Signal, dass es nicht weitergehen kann. Da hat sich schon viel verändert. Auch der Blick auf unsere Gesellschaft, auf unsere jetzige Zeit. Wir müssen immer noch damit umgehen. Wir sind gerade in einer Produktion, werden jeden Tag getestet. Wir haben also sehenden Auges damit zu tun und das wird uns noch eine Weile begleiten, wenn nicht, sogar dauerhaft. Es hat uns aber auch andere Dinge klar gemacht. Den großen Zusammenhang. Ich bin viel in den Bergen unterwegs und da sieht man eben auch dieses „immer mehr, noch weiter, noch größer“. Oft ist es doch einfach gut, mit dem zu leben, was da ist. Die Qualität zu halten, was wir haben. Da gibt es viele, große politische Dinge, das würde jetzt die Zeit sprengen aber man kann das auch in einem Format wie unserem transportieren. Man muss nicht wegschauen, man kann Dinge auch annehmen. So hat es auch für mich persönlich eine Veränderung gegeben. Nach vielen Jahren Hamburg hab ich jetzt mein Standbein gewechselt und bin von Hamburg nach München. In Hamburg hab ich meinen Anker gesetzt, München ist dazu bekommen. Neuer Wind, neue Lebenssituation. 


Ich habe immer dieses Gefühl, dass Sie Ihr Gleichgewicht zwischen Stadt und Natur halten. Hat sich da etwas verschoben oder haben Sie dieses Gleichgewicht nach wie vor?
Das Gleichgewicht ist gewachsen. Ich weiß um die Qualität der Zeit die ich in der Natur verbringe und das fordere ich immer mehr heraus und nutze das auch immer sehr. München ist hier auch ein guter Standort für den Weg in den Süden. Stuttgart ist es jetzt zwar nicht geworden, aber ich bin einfach auch mit der Nähe zum Süden aufgewachsen. Meine Welt sind die Berge und ich liebe das Meer. Das hat für mich so eine Kraft.  Dankbar begebe ich mich in meine beruflichen Aufgaben und ich weiß, was ich tue um mich dann wieder auftanken zu können. Dieses Auftanken findet bei mir in der Familie und in der Natur statt.  


Auftanken geht oft auch mit Hilfe der Musik. Nun begann wieder die Zeit der Konzerte. Ich durfte beruflich bei Till Brönner und Gregory Porter in Bruchsal dabei sein. Hatten Sie bereits wieder Konzerterlebnisse?

Nein, leider noch nicht. Ich kam tatsächlich noch nicht dazu. Das fehlt. Doch ich hatte auch Karten für Gregory Porter. Da hab ich was aufzuholen. Lächelt.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, welches Kinderbuch Ihr liebstes war?
Also ich war lange keine Leseratte. Da war immer der Sport. Doch dann packten mich Wolfgang von Eschenbach und Tonja Pölitz. Da bin ich drin versunken. Da ging ich auf  Zeitreise. Dann hab ich mich früh auf  die Theaterebene begeben und viele Theaterstücke gelesen.

Vielen Dank, lieber Herr Luca. Das war super schön.
Viele Grüße in die Heimat.


Das werde ich gerne ausrichten. Lieben Dank.
Tschüssle und bis zum nächsten Mal.

Vielen, lieben Dank und alles Liebe. Bis zum nächsten Mal. Ich freue mich!





'Wenn es einen Tanz gibt, den ich gerne können würde, dann wäre das auf alle Fälle der Tango Argentino'

Dominic Boeer


Fotoausschnitt: ZDF Marc Meyerbroeker





Donnerstag, 27. Oktober 2022, 18:00 Uhr  ZDFmediathek, ab Donnerstag, 20. Oktober 2022, ab 10 Uhr

Nur das flimmernde Blaulicht der Streifenwagen beleuchtet die stockfinstere Stuttgarter Straße, nachdem Edgar Malak, Mitarbeiter eines Pfandhauses, überfahren und tot aufgefunden wird. Fehlende Bremsspuren sprechen für eine vorsätzliche Tat. Die Besitzerin des Pfandhauses, Selina Mai, ist bestürzt. Zusammen mit der Kollegin Bella Bauer waren sie und das Opfer wie eine Familie. Zumal sich Edgar Malak liebevoll um Selinas Tochter gekümmert hat.
Der biologische Vater, Marc Stromberg, zeigt dahingegen wenig Interesse an seinem Kind, sondern mehr daran, seiner Exfrau Selina das Leben schwer zu machen. Hat er etwas mit dem Mord zu tun? Es gibt jedenfalls Hinweise darauf, dass er sich in der Mordnacht im Pfandhaus aufgehalten hat - entgegen der Aussage von Selina Mai. Was gibt ihr Anlass, zu lügen? Und auch Thorsten Eckert, ein unangenehmer Kunde aus dem Pfandhaus, gerät ins Visier der Ermittlungen. „Ich mach dich fertig, du Schwein!“ – soll der in der letzten Auseinandersetzung zu Edgar Malak gesagt haben. Die Kommissare finden zudem heraus, dass es in der Vergangenheit immer wieder zu Einbrüchen im Pfandhaus kam. Stehen diese im Zusammenhang mit dem Mordfall? Die Ermittlungen erweisen sich als verzwickt und zudem hängt Kollege Jo Stoll mit einer Motorradpanne in Spanien fest. So organisiert Kriminaldirektor Kaiser kurzerhand eine Urlaubsvertretung aus dem hohen Norden: Kriminaloberkommissar Lars Pöhlmann aus Wismar.


Im Gespräch mit Dominic Boeer
29. August 2022  Marion Graeber


Hallo lieber Herr Boeer. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr. Wie geht es Ihnen und wo sind Sie gerade?
Ich bin gerade in meinem Wismarer Hotelzimmer. Es ist herrlich. Ich schaue über den Marktplatz, rede mit Ihnen und mach es mir gemütlich.

Sie drehen gerade für die Soko Wismar?
Ja, wir drehen fast zehn Monate im Jahr für die Soko Wismar. Einen großen Teil davon drehen wir in Berlin, einen weiteren Teil vor Ort in Wismar. Heute habe ich drehfrei.

Sie sind Ende Oktober in der Soko Stuttgart zu sehen. Ihr erstes Mal in Stuttgart?
Ich spielte tatsächlich schon vor vielen Jahren mal den Bösewicht bei der Soko Stuttgart und hab mich sehr darauf gefreut wieder kommen zu dürfen. Diesmal in einer ganz anderen Funktion.

Wie hat sich diese Möglichkeit ergeben?
Ich hatte gerade bei der Soko Wismar meine drehfreie Zeit. Eigentlich sollte ich auf das Traumschiff. Durch einige Coronafälle stand allerdings der Dreh und dann wurde es für mich zu eng um noch teilzunehmen. Da rief mich das ZDF für die Soko Stuttgart an. Ich sollte als Lars Pöhlmann von der Soko Wismar in Stuttgart einspringen. Für mich war sofort klar – das mach ich. Da musste ich das Drehbuch für meine Zusage gar nicht lesen. Lacht. Ich hab mich wahnsinnig gefreut. 

Wie gut kennen Sie die Soko Stuttgart Crew?
Mit Karl Kranzkowski bin ich seit vielen Jahren befreundet. Auch Astrid M. Fünderich kenne ich. Im Gegensatz zu Benjamin Strecker. Also, ich dachte mir, da hab ich echt Lust drauf und ich freute mich wirklich sehr, alle zu sehen.

Wie war die erste Szene in Stuttgart?
In meiner ersten Szene komme ich auf die Stuttgarter Kollegen zu und begrüße sie mit einem herzlichen „Moin“. Da sah ich schon, wie hinter den Kameras die Köpfe zusammen gesteckt wurden. Lacht. Aber so ist das im Norden.

Sie haben ja auch gleich ein Fischbrötchen bestellt…
Ja, das stimmt. Lacht. Aber das sah doch etwas anders aus als die Brötchen von der See.

Was hat Sie an Ihrem Einsatz in Stuttgart noch gereizt?
Interessant war, dass da eine Rolle nach Stuttgart kommt, die eigentlich schon fertig angelegt ist. Eben nur in einem anderen Umfeld agiert. Das hat man so auch ein erstes Mal gemacht.

Eine tolle Idee…
Das finde ich auch. Es ist eine Umstellung für alle. Jeder hat ja seinen ganz eigenen Spielrhythmus. Total spannend.
Ich hab übrigens zwei neue schwäbische Lieblingswörter – Oschterfescht und Ausschtecherle. Lacht. Ich hör das einfach gerne.

Haben Sie eine Anekdote vom Dreh?
Tatsächlich ja. Ich hatte fünf Drehtage. Am ersten Drehtag wurden die Action-Szenen abgedeht. Am Folgetag dann hab ich in der Früh noch ein bisschen Sport gemacht und hab mir den schlimmsten Hexenschuss meines Lebens zugezogen. Ich war quasi bewegungsunfähig und musste gespritzt werden. Das half nur teilweise. Aber wir haben die Tage mit dem Hexenschuss durchgezogen. Leider hatte ich deshalb auch keine Möglichkeit mal wieder durch Stuttgart zu schlendern. Das war schon sehr schade. Ich hoffe, es ergibt sich bald wieder die Gelegenheit nach Stuttgart zu kommen oder wir laden jemanden von Stuttgart nach Wismar ein….

Ansonsten komme ich. Ich bring auch ein paar Ausschtecherle mit.
Lacht.   

Reisen Sie eigentlich gerne?
Ich reise total gerne. Habe gerade die schönste Reise meines Lebens gemacht. Ein Roadtrip mit meinem elfjährigen Sohn. Wir sind einfach ohne Ziel Richtung Süden gefahren und waren am ersten Tag schon in Innsbruck. Dann ging es weiter an den Gardasee, nach Verona und Venedig. Das war so schön.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ich mag Mexiko wahnsinnig gerne aber auch den amerikanischen Süden. Es gibt so viele schöne Orte.
Welches Musikgenre mögen Sie? Ich hab gesehen Sie mögen Elvis …
Ich liebe die 1950er Jahre. Guter alter Swing, Rock 'n' Roll. Ich kenne da fast jeden Song und so gut wie jeden Interpreten. Wenn ich abends im Hotelzimmer sitze und noch etwas Zeit habe, dann nehme ich mir meine Ukulele und spiele ein paar alte Elvis Songs und singe dazu.

Haben Sie schon mal Tango getanzt?
Ja, aber das ist schon lange her. Das war in der Tanzschule. Den argentinischen Tango sehe ich ab und an in Berlin. Da gibt es beispielsweise ein schön beleuchtetes Tangoschiff am Berliner Dom. Von der Brücke aus hab ich mir das gern angesehen. Wenn es einen Tanz gibt, den ich gerne können würde dann wäre das auf alle Fälle der Tango Argentino.

Ihre Kollegin in Wismar, Katharina Blaschke ist eine Tangotänzerin…
Ja, das stimmt.

Haben Sie ein Lieblingskinderbuch, welches Sie selbst gelesen haben oder Ihnen vorgelesen wurde?
„Ivan kommt groß raus“ von Ole Lund – das hab ich geliebt. „Die drei Fragezeichen“ habe ich auch gelesen und gehört. Dann ging es schon schnell zu Edgar Wallace und den Krimis. Krimis ziehen sich doch auch durch mein Leben.

Haben Sie diese Bücher auch Ihrem Sohn vorgelesen?
Ja, auf jeden Fall. Da hab ich mich sogar immer richtig drauf gefreut. Ich habe meinen Zivildienst im Kindergarten gemacht. Da ging das schon los. Dort hab ich auch viel vorgelesen. Beim „Das Grüffelokind“ dachte ich mir auch, dass ich das gern mal meinem Kind vorlesen würde. Was ich auch mit meinem Sohn teile ist das Thema Fußball. Fußballbücher, Fußballbilder, Fußballalben. 

Eine ganz eigene Welt in die uns unsere Kinder entführen….
Ja, das ist super schön. Man geht auch wieder in die eigene Kindheit….

Eine genussvolle Zeit…
Sehr. Deswegen war auch unser Urlaub so wundervoll. Wir sind so viele Kilometer zusammen gefahren. Viel Zeit gemeinsam zu reden und gemeinsam zu lachen.

Das ist wunderschön. Vielen, lieben Dank, lieber Herr Boeer für das tolle Gespräch. Ich wünsche alles Liebe.








"Meine Frau tanzt wahnsinnig gerne. Wir tanzen so gerne langsamen Walzer zusammen. Ein unglaublich schöner Tanz"

Walter Sittler

Foto: ZDF Patrick Pfeiffer




Der pensionierte Kommissar Robert Anders (Walter Sittler) ist aus Gotland in seine alte Heimat zurückgekehrt und gerät in den Fokus von Mordermittlungen.

Montag, 3. Oktober 22, 20.15 Uhr ZDF




Im  Gespräch mit Walter Sittler im Juli 22

Marion Graeber


Hallo Herr Sittler, vielen Dank, dass  Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr. Sind Sie gerade in Stuttgart?
Tag, Frau Graeber. Ja, ich bin zuhause in Stuttgart. Jetzt beginnt sozusagen die Sommerfrische. Noch eine Vorstellung und dann geht es  im September weiter.

.
Stuttgart  ist doch eine gute Stadt und auch dem Bodensee nahe. „Der Kommissar und der See" wird am Bodensee gedreht.
Ja, Stuttgart ist im Prinzip eine gute Stadt. Es gibt auch Schwierigkeiten, wie in jeder anderen Stadt auch. Man kann hier aber gut leben. Die Lokale sind gut, das  Essen ist gut und die Menschen sind freundlich. Ich bin ja schon lange in Stuttgart und kenne mich einigermaßen mit den Schwaben aus. Lächelt. Und es stimmt, man ist von Stuttgart  aus schnell in der  Natur und auch relativ  schnell am Bodensee. Uns geht es gut hier. Keine Frage.

Ich habe gelesen, dass  neben Lindau auch in Hamburg gedreht wurde. Stimmt das?
Genau, das stimmt. Das Polizeikommissariat beispielsweise: Das Gebäude steht zwar in Lindau, die Szenen innen werden aber in Hamburg gedreht. Man geht also quasi in Lindau in das  Haus hinein und kommt dann innen in Hamburg an. Lacht.  Das funktioniert und das  ist auch in Ordnung.

Ein tolles Haus, dieses  Familienhaus  am  Bodensee.
Das ist ursprünglich von einem Zeppelin-Ingenieur als Sommerhaus im Jahre 1911 gebaut worden. Ein schönes Haus mit einem schönen Seegrundstück und einem Bootshaus. Es  ist auch heute noch ein Sommerhaus. Ob das aber noch der Ursprungsfamilie gehört, das weiß  ich nicht.

Wie fühlt es sich an am Bodensee zu drehen? Es ist die alte Heimat des  Kommissars  Robert  Anders und ja auch ein bisschen von Walter  Sittler...
Die Bodenseeregion ist schon wahnsinnig schön, das muss man sagen. Es sind sehr freundliche Menschen dort und die Vorstellung, eine Figur nach über 40 Jahren wieder in die Heimat zurückkommen zu lassen, gefällt mir. Ich selber habe  im Leben ja keine richtige Heimat – aber das zu spielen, dass jemand nach Hause kommt und Leute vorfindet, die er vor 40 Jahren verlassen hat. Ganz wundervoll. Natürlich sind die Zeit und das Leben vorangegangen, doch wenn man die Menschen aus der Kindheit und Jugend trifft – das ist einfach wie 'gestern'. Und dann zu sehen, was die Zeit doch verändert hat.... Ja, wie alle geworden sind, was  aus ihnen geworden ist, welche Dramen passiert sind, wer wen richtigerweise oder auch fälschlicherweise geheiratet hat und wer überhaupt noch lebt... Das gibt Futter. Lächelt. Auch die Beziehung zwischen dem nun in Rente gegangenen Kommissar und der neuen Kommissarin in Lindau ist interessant. Dass wir das so gestrickt haben, dass das die Tochter der ehemaligen Freundin von ihm ist, das ist super. Dadurch hat man ganz andere Anknüpfungspunkte und muss nicht so viel erklären. Das gefällt mir. Diese Nähe, die nie verloren geht, obwohl man sich so lange nicht gesehen hat. Auch was  man damit vermitteln kann ist einfach schön. Man kommt an einen Ort, wo man die Gegebenheiten kennt. Das ist eine andere Art der Erzählung als wenn man wo hin kommt, wo man ganz neu anfangen muss. 

Ein toller Film und er schließt sich so gut an „Der Kommissar und das Meer". Wie eine Selbstverständlichkeit. Ich habe den letzten Gotland Film in der Mediathek  gesehen und den Bodensee Film via Presselink.
Wir wollten auch, dass die Figur des Robert Anders, keine Rücksicht auf sich selber nehmen muss, sondern, dass er immer  da ist, wo er herausfinden kann, was wirklich passiert ist. Anders  ist sich einfach sicher, dass er ein guter Polizist ist. Er versucht immer die Geschichte zu beruhigen, damit die Betroffenen nicht weiter unsicher sind. Das ist ein Fundament, welches einfach toll ist. Deshalb kann er auch vielfältig reagieren und arbeitet nicht einfach eine Liste ab.

Interessant auch das Aufeinandertreffen der beiden Kommissare...
Ja, die Bodensee-Kommissarin ist ähnlich wie er.  Sie hat Vorbehalte gegen ihn, weil er der Exfreund ihrer Mutter ist und jetzt passiert das.... Ohne zu viel zu verraten... Lacht.... Ich finde das ganz wunderbar, wie das ist.

 
Die Ermittlungsarbeit von Robert Anders ist eine andere – er geht auf Menschen zu und spürt, wenn etwas mit den Menschen nicht stimmt. Ist es auch das, was  Sie an der Figur, beziehungsweise am Konzept reizt?
Das ist, was mich gereizt hat. Er weiß, wie es nach der Polizeischule ginge und trotzdem weiß er eben, dass man es manchmal anders machen muss. Dran bleiben und nicht immer mit der Autorität der Polizei arbeiten. Das ist nicht immer  zielführend. Wenn er muss, macht er das. Aber er  macht es doch lieber anders. Er sucht die Lücke im Panzer des  Täters.

 
Er kommt über seine Art viel näher an die Menschen und erkennt schnell, wer unschuldig ist und wer im Visier der Polizei steht...
Ja, genau. Es führt natürlich am Ende dazu, das hatten wir in vielen Filmen in Gotland auch, dass beispielsweise eine Mutter von zwei Kindern ins  Gefängnis gehen muss, weil sie eben was angestellt hat. Ist das jetzt richtig oder nicht? Natürlich ist es richtig, aber es ist falsch zugleich. Und das ist ein wichtiger Punkt in der Figur. Was heißt 'richtig'? Natürlich müssen Täter zur Rechenschaft gezogen werden, aber man muss den Schaden, den man damit anrichtet, auch auffangen. Das ist übrigens  ein Manko in der  tatsächlichen Gesellschaft. Der Täter kommt 20 Jahre ins Gefängnis – aber was ist mit den Opfern, beispielsweise, den beiden Kindern? Mir ist schon auch wichtig, dass die Figuren in der Wirklichkeit verankert sind. Ich will keine Fantasiefiguren. Das sind andere Filme.

Von 2007 bis  2021 – eine lange Zeit in Gotland. Vermissen Sie den Norden etwas?
Meine Frau hat kürzlich gesagt, dass wir noch einmal nach Gotland gehen sollten, ohne die Arbeit. Und das geht mir auch so. Es war wirklich sehr schön. Von mir aus hätte es auch weiter gehen können, aber es gab entsprechende Entscheidungen. Aber wir haben 29 Filme gedreht. Also, wir werden sicher nochmal hingehen. Inseln sind sowieso immer  besonders. Und Gotland – Gotland ist so vielfältig. Da hat man eine Ruhe, die drängt sich nicht auf. Wenn du kommst ist es  gut, wenn nicht, ist es auch o.k. Das ist wunderbar.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Mein Sehnsuchtsort ist zuhause.

Was denken Sie generell, reizt den Zuschauer am Genre Krimi und wie können sich einzelne Formate abheben?
Ich glaube einmal ist es  der Nervenkitzel. Ob man das so macht, wie wir das als Drama machen oder ob man mit Action arbeitet – der Zuschauer wählt, was ihm gefällt. Ein Til Schweiger Tatort ist beispielsweise das Gegenteil von dem, was wir machen. Beides  hat seine Existenzberechtigung. Die Lebensgeschichten und die Taten ohne viele Umschweife erzählt zu bekommen, also nackig, um das mal so zu sagen, geht direkt auf das Drama. Das ist es, worum es bei uns geht. Im Theater beispielsweise lässt man auch alles Überflüssige weg und erzählt, was unterhalb der Oberfläche passiert. Das sind die Geschichten, die erzählt werden, um sich selbst und die Welt ein bisschen besser zu verstehen. Ob das  jetzt Krimis sind, Dramen oder Lustspiele – das sind verschiedene Zugangsmöglichkeiten. Und dann ist es ganz einfach auch Unterhaltung. Und das  ist auch wichtig. Damit man raus kommt, nicht immer nur in sich selbst 'rumkocht'. Einfach mal zwei Stunden raus  aus  der eigenen Welt. Bei einem Lustspiel sich mal so richtig auslachen oder bei einem Drama mitfiebern und rätseln. Und, das ist ein wichtiger Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft, übrigens. Die Kunst ist wichtiger Bestandteil der Demokratie. Wer die Kunst tötet, tötet die Demokratie. Das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, das  stammt auch nicht von mir – aber das ist es, was auch ich fühle und denke.

 
Bei „Der Kommissar und das Meer" in Gotland wurde in der schwedischen, isländischen und deutschen Sprache gedreht. War das kompliziert?
Es ist ja so, dass wir wissen, was wir gegenseitig reden. Und, obwohl wir in verschiedenen Sprachen sprechen, weiß man, wenn sich einer verirrt hat oder etwas übersprungen wurde. Warum das so ist, kann ich Ihnen nicht erklären. Lacht. Die Schwierigkeit war eher, dass  man nicht versucht ist, sich gegenseitig zu unterbrechen. Nicht ins Wort zu fallen. Das kann man dann nämlich nicht schneiden. Es ist ein bisschen mühsam zu warten, bis  das Gegenüber zu Ende gesprochen hat. Wie im richtigen Leben, da unterbricht man sich ja doch auch ab und zu. Ansonsten war es schön, in den verschiedenen Sprachen zu sprechen und zu drehen.

Wie auch in Gotland sind die Schauspieler vom Bodensee aus unterschiedlichen Ländern. Walter Sittler (Deutschland), Nurit Hirschfeld (Schweiz), Dominik Maringer (Österreich) und Murali Perumal ist deutsch/indischer Herkunft... Zufall oder so gewollt?
Das kann ich nicht mit Sicherheit beantworten. Wir hatten eine lange Zeit überhaupt keine Kommissarin, weil so viel gedreht wurde. Dann hat die Casterin aus Hamburg Nurit Hirschfeld vorgeschlagen – und das ist ganz wunderbar. Da ist viel Zufall dabei, wer gerade Zeit hat und wer wen besonders gut findet. Ein Glück und vielleicht einfach ein schöner Zufall.

In der letzten Gotland Folge wird Tango getanzt. Tanzen Sie gerne?
Meine Frau tanzt wahnsinnig gerne. Sie hat viel getanzt in ihrem Leben. Wir haben einmal versucht, einen Tango zu tanzen, aber das ist nicht so gut gelungen. Ich glaube, das  war hauptsächlich meinetwegen, weil ich mir hätte mehr Zeit nehmen müssen. Was wir aber machen – wir tanzen so gerne langsamen Walzer zusammen. Das ist so ein unglaublich schöner Tanz. Wenn wir auf einer Feier sind oder wir ausgehen – da tanzt meine Frau wie der Lump am Stecken. Lacht. Manchmal tanzt sie auch zuhause. Einfach so.

Das ist so schön.
Ja, das  ist herrlich. Sie ist eine Tänzerin.

Haben Sie ein Lieblingsmusikgenre?
Ich bin viel mehr mit Klassik aufgewachsen als meine Frau. Sie hört gerne Rock, Blues und Singer/Songwriter. Das ist auch das, was unsere Kinder hören. Unsere Tochter in Schweden ist  ja auch Singer/Songwriterin

Dann hören Sie viel Musik?
Ja, wir hören das, was  meine Frau gerne hört und die Musik unserer Tochter. Das ist sehr schön.

Robert Anders wird nun also im Herbst am Bodensee sein. Ist ein weiterer Film geplant?
Das Buch ist da und wir fangen Ende September an und machen wieder einen Herbstfilm.

Kommt darin auch die Jugendliebe, gespielt von Katharina Böhm, wieder  vor?
Sie wird im nächsten Film leider nicht dabei sein, da sie selbst so viel arbeitet. Aber die Figur ist vorhanden und wir wünschen uns, dass  sie wieder kommt. Ich auch.

Was mögen Sie lieber – den Nachtdreh oder den Dreh zur Morgendämmerung?
Ich komme leicht raus morgens. Das hängt vielleicht mit den Kindern und dem Beruf zusammen. Ob morgens oder abends – ich mache das, was verlangt ist. Das gehört zum Beruf. Da bin ich relativ gefühllos.

Haben Sie ein Lieblingskinderbuch?
Es  gab eines, ich behaupte, es heißt „Der Drachenmythos". Ich hab es aber verloren und nie wieder gefunden. Es ging um bronzene, silberne und goldene Ritter. Der goldene Ritter hat am Ende dann gewonnen. An viel mehr erinnere ich mich leider nicht. Ich hätte es  gerne wieder, aber ich hab es leider nie wieder gefunden.

Ich wünsche Ihnen, dass  Sie es wiederfinden.
Ich war  bisher nicht erfolgreich und fürchte jetzt, dass ich vielleicht auch den Titel verwechselt habe.

Vielen lieben Dank für das  schöne Gespräch, lieber Herr Sittler.




'Ich mag tanzbare Musik. Alles was mich berührt und mich erreicht liebe ich an der Musik. Das kann auch Klassik sein'

Tom Radisch

Fotoausschnitt: ZDF Manju Sawhney

 

 





„Malibu - Camping für Anfänger“
Sonntag, 18. September, 20.15 Uhr Folge 1 ZDF Herzkino

Im Gespräch mit Tom Radisch

Marion Graeber


Hallo Herr Radisch, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich. Ich höre Vögel zwitschern. Sind Sie unterwegs?
Es sind ja gerade Schulferien und wir sind ein bisschen auf dem Land. Wir haben ja sehr warm derzeit. Das ist schon fast wie auf Kreta. Lächelt.

In nicht all zu ferner Zukunft sollen wir Mailänder Temperaturen in Deutschland haben, heißt es...
Das wird sicher kommen. Viele versuchen den Klimawandel noch zu relativieren. Doch, wenn man sich an die Kindheit in den 1980er und 1990er Jahren zurückerinnert – da gab es in den Monaten April und Mai auch noch verregnete Wochen.

Oder weiße Weihnachten im Dezember …
Selbst vor gut zehn Jahren gab es in Berlin noch Schnee und Eis. Da hat sich massiv geändert. Da hat sich was verändert. Da passiert schon was.

Sie sind demnächst im Herzkino „Malibu – Camping für Anfänger“ zu sehen. Der Campingplatz ist am Plöner See?
Am Plöner See waren wir nur ein paar Tage. Aber das spielt da. Für den Dreh waren wir an einem See nahe Hamburg, wo wir auch gedreht haben.

Wann wurde gedreht?
Dieses Jahr von April bis Juni. Es war noch gar nicht so richtig sommerlich. Im Gegenteil, manchmal war es so kalt, dass wir in Szenen beim Sprechen den Atem vor lauter Kälte gesehen haben.

Folge 1 konnte ich bereits über den Presselink anschauen. Es sind jedoch gleich zwei Folgen entstanden. Wurden beide Teile gemeinsam gedreht?
Ja, da wurde am Stück gedreht. Wie fanden Sie das Ergebnis der ersten Folge?

Ich finde es gut. Es zeigt, dass jeder auch auf sich achten muss und sein Leben leben muss. … Ohne jetzt zu viel vorwegzunehmen. Was sagen Sie – sollten Paare auch individuelle Veränderungen gemeinsam durchlaufen? Sich mit Toleranz und Verständnis begegnen und gemeinsam nach Lösungen und Wegen suchen? Paare müssen sich ja nicht immer gleich trennen, wenn sich der Fokus auf das Leben verändert. Menschen entwickeln sich. Manchmal eben auch in unterschiedliche Richtungen....
Das stimmt. Leider denken viele schon bei kleinen Unterschiedlichkeiten gleich an Trennung. Wenn Kinder im Spiel sind, ist es vielleicht nochmal anders. Ich denke, man sollte nicht krampfhaft an Beziehungen festhalten – wegen den Kindern. Wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr. Da kann man dann auch nicht die Kinder dafür vorschieben. Man muss aber auch sagen, dass eine Beziehung immer auch Arbeit bedeutet. Man muss auch mal über die eigenen egoistischen Strukturen hinweggehen, diese bearbeiten und schauen, wo die Verbindungen, die Gemeinsamkeiten sind. Ich plädiere ja immer dafür, dass bei genügend Verbindung und Liebe zwischen zwei Menschen, an einer Beziehung festgehalten werden sollte. Bekanntlich ist es ja so, dass bei einer neuen Liebe nach kurzer Zeit auch wieder Baustellen aufkommen. Immer wieder wird von diesem Idealbild der perfekten Liebesbeziehung gesprochen. Von dieser Seelenverwandtschaft. Ich weiß nicht, ob es das wirklich gibt. Eigentlich ist es doch spannend zu erforschen, wie man wieder an den Punkt kommen kann, dass die bestehende Beziehung wieder aufregend wird und es einfach wieder funkt.

Wie im Film kann ein Paar auch in getrennten Wohnungen 'gemeinsam' leben.
Ja, das stimmt. Man kann ja auch Dinge mit Freunden oder Menschen mit gleichen Interessen machen. Man muss nicht alles in einer Beziehung gemeinsam erleben. Das wird oft falsch verstanden. Es ist einfach auch nicht möglich, dass der Partner alles teilen muss, was man selbst toll findet. Das ist auch ein Überanspruch. Menschen sind nunmal verschieden.

Ihre Filmfrau hat sich für ein Leben auf dem Campingplatz entschieden. Sie spürt die Luft, den Wind, das Wasser – braucht sichtbar etwas anderes in ihrem Leben...
Sie braucht das für ihre Heilung. Sie ist durch ihren Pflegeberuf absolut am Ende. Sie hat Panikattacken, ein Burnout. Auf dem Campingplatz trifft sie Menschen, die ihr was geben und denen sie etwas geben kann. Alle sind ganz eigene, spezielle und auch etwas skurille Persönlichkeiten. Das ist für sie so ein bisschen Lebenselixier. Sie merkt, sie muss ihr Leben ändern. Sie will also den Campingplatz weiterführen, den meine Figur geerbt hat. Ich will den Platz eigentlich gar nicht haben. Lächelt. Aber ich mache es für meine Frau.


Es sind viele Themen im Film. Pflegeberufe, Burnout, Freiheit, selbstbestimmtes Leben, Flüchtlingsthematik, Religion, gleichgeschlechtliche Liebe und verschiedene Lebenskonzepte… Ist es das, was Sie auch am Drehbuch gereizt hat?
Ja, das kann ich so sagen. Ich habe auch schon zahlreiche Angebote für diesen Sendeplatz abgelehnt, bei diesem Thema war es jedoch anders. Das hat mich interessiert. Da geht es um tiefgreifende Prozesse. Lebensprozesse, die wirklich auch meine Generation betreffen. Immer wieder dieses hadern, dieses nicht wissen, was man im Leben eigentlich will. Die Frage, was eigentlich ein nachhaltiges und gutes Leben ist. Geht es wirklich nur darum, Karriere zu machen und sich zu verbrennen? Oder, hab ich den Mut dieses eingefahrene, vermeintlich sichere Terrain gegen dieses große Unbekannte einzutauschen? Meine Figur, Stefan ist ziemlich verankert in seinem Karrieredenken. Seine Frau hingegen ist an einem anderen Punkt in ihrem Leben.

Ein gutes Leben, das leben der eigenen Freiheit – was ist für Sie persönlich Freiheit?
Das ist eine große, philosophische Frage. Ich glaube im Grunde fängt die Freiheit in uns selbst an. Ein Bewusstseinszustand, den es zu erreichen gilt. Freiheit ist also ein Gefühl in mir. Wenn mein Denken weit und offen ist – dann fühle ich mich frei.

Freiheit kann man auch in der Musik erleben. Was haben Sie für einen Musikgeschmack?
Ich höre alles mögliche. Ich war als Jugendlicher schon relativ früh von dieser Hippie Kultur begeistert. Woodstock, Led Zeppelin, Pink Floyd, Janis Joplin. Diese ganzen Sachen haben mich total fasziniert. Ich hatte immer schon so eine Affinität zur Hippie Kultur. Das ist vielleicht auch so eine Form von Freiheit. Tanzen, aussteigen aus dem System, den engen Gedanken. Später kam dann noch Elektromusik dazu. Ich mag tanzbare Musik. Alles was mich berührt und mich erreicht liebe ich an der Musik. Das kann auch Klassik sein.

Schon mal Tango getanzt?
Den Tango hab ich im Rahmen meines Schauspielstudiums kennengelernt. Ein sehr schöner Tanz.

Reisen Sie gerne? Das muss ich ja jetzt fragen – campen Sie auch?
Ich bin mit Camping aufgewachsen. Ich bin noch in der ehemaligen DDR geboren. Da es nicht so viele Möglichkeiten für's Reisen gab, waren viele campen. Meine Großeltern hatten eine feste Parzelle auf einem Campingplatz. Dort war ich oft. Ich kenne das also ziemlich gut. Ich kann allerdings nicht behaupten, dass ich das so weitergeführt hätte. Lacht.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Die wilde Küste, das ist mein Ding. In Portugal beispielsweise. Diese unglaublichen Strände, die Naturgewalt, das Meer, die riesigen Wellen.

Haben Sie demnächst eine Reise geplant?
Wir fahren in diesem Jahr mit dem Zug nach Italien. Wir werden dort auf einem kleinen Bio-Bauernhof mit Weinanbau unseren Urlaub verbringen. Man muss nicht unbedingt immer ins Flugzeug steigen. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel. Ich verstehe schon, wenn Menschen die Welt sehen wollen. Ich persönlich bin der Backpacker, der sich viel Zeit für Menschen und Kultur nimmt. Ich denke, so lernt man die Welt am besten kennen.

Sind Sie Nachtmensch oder kommen Sie morgens in der Früh auch gut raus?
Als Familienvater kann ich morgens gut früh aufstehen. In meiner Studienzeit war das anders. Lacht.

Wie gut kennen Sie Stuttgart?
Ich kenne Stuttgart ganz gut. Wir sind sehr mit dem Theater verbunden. Ich mag die Stuttgarter Markthalle, dort kann man lecker essen.

Hatten Sie in ihrer Kindheit ein Lieblingskinderbuch?
„Der kleine Maulwurf - Der Maulwurf kommt in die Stadt“. Das ist mir total eingängig und ich lese es auch gerne meinen Kindern vor. Irgendwie ist es auch brandaktuell. Das ist sozialkritisch und sehr schön geschrieben.

Vielen Dank, lieber Herr Radisch für das Gespräch. Das war schön.








"Musik spielt bei uns eine große Rolle"
Brigitte Zeh


Fotoausschnitt: ZDF Marc Meyerbroeker





„Lehrer kann jeder!“
Komödie ZDF, Donnerstag, 8. September 22, 20.15 Uhr
ZDFmediathek, ab Donnerstag, 1. September 22, 10 Uhr

Wenn das Leben dir Zitronen gibt – wage den Quereinstieg: Nachdem Mathematiker Richard (Christoph Maria Herbst) sowohl seine Frau Anke (Brigitte Zeh) als auch den Job verliert, kommt ihm die geniale Idee, als Lehrer an der Schule seiner Frau anzuheuern. Doch Anke ist alles andere als begeistert über den neuen „Kollegen“, der Schulalltag gleicht eher einer Höhle voller Löwen und im Lehrerkollegium heißt Sportlehrer Christoph Geiger (Kai Lentrodt) den Neuankömmling zunächst herzlich willkommen, doch irgendetwas ist merkwürdig an ihm.

Im Gespräch mit Brigitte Zeh
Marion Graeber
03. August 22

Hallo liebe Frau Zeh, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr.
Ich freue mich auch, liebe Grüße ins Ländle. Ich bin gerade in Schweden aber immer voller Sehnsucht.

Sie sind in Schweden?
Ja, ich sitze hier gerade in Schweden im tiefsten Wald, was ich als großes Glück empfinde.

Sie sind im September mit „Lehrer kann jeder!“ im ZDF zu sehen. Ich habe gelesen, der Dreh fand während des Schulbetriebes statt. Wie war das und wo wurde gedreht?

Wir haben an einer Berliner Schule während des Schulbetriebes gedreht. Heißt, wir mussten immer mit dem Klingelzeichen die Dreharbeiten unterbrechen, denn kurz darauf haben sich alle Klassenzimmertüren geöffnet und es war ein Riesenlärm. Während den Szenen ist es ja immer still, sonst hat man alle Geräusche mit auf dem Ton. Das ganze Team sowie das gesamte Ensemble ist immer zusammengezuckt, wenn es klingelte. Es hat uns einfach an unsere Zeit in der Schule erinnert und wir waren so dankbar, dass wir heute unseren Beruf ausüben dürfen und nicht mehr als Schüler in der Schule sitzen müssen. Lacht.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit?
Meine Erinnerungen reichen von ganz toll bis ganz schrecklich. Da war alles dabei.

Waren Sie in Stuttgart auf der Schule?
Ich war in Esslingen auf zwei Gymnasien.

Was denken Sie, was zeichnet einen guten Lehrer aus?
Zuallererst ist das jemand, der hoffentlich Kinder mag. Der neugierig ist. Der neben seiner Fachkompetenz auch eine Freude daran hat, Wissen und Lebensfreude zu teilen.

Das Drehbuch hat Marc Terjung während des zweiten Lockdowns geschrieben. Zu einer Zeit, als Eltern zu Lehrern wurden. Was haben Sie für Erfahrungen in dieser Zeit gemacht?
Der Lockdown hat uns deutlich gezeigt, dass Lehrer eben NICHT jeder kann. Außerdem hat der Lockdown aufgezeigt, dass das Schulsystem Schwächen aufweist – in der Schule und in der Politik. Die Schulen stehen politisch gesehen in der Kette einfach viel zu weit hinten. Ich muss sagen, ich habe den Vergleich zu Schweden, weil ich hier auch Familie habe und hier zeitweise arbeite – Schweden hat die Schulen nicht geschlossen. Wir dürfen nicht vergessen: Kinder sind nun mal unsere Zukunft.

Sie haben die Zeit ebenfalls mit Ihren Kindern erlebt. Wie war das?
Das war spannend. Lacht. Es geht ja nicht nur darum, die Kinder im home schooling zu unterrichten. Kinder mussten so viel entbehren. Schulreisen beispielsweise. Diese sind so prägend und so wahnsinnig wichtig für die eigene Schulbiographie. Ein Chorausflug - ich war auf einem musischen Gymnasium - das hat mein Leben als Kind z.B. total geprägt.

War es das, was Sie am Drehbuch gereizt hat – mit dieser Thematik nochmal zu arbeiten?
Das hat mich total gereizt, wobei meine Aufgabe im Film eher die Ehegeschichte ist. Im Grunde bin ich die Lehrerin, die ihrem Mann die Liebe beibringt und damit aufzeigt, wie er seine/unsere Ehe retten kann. Richard (Christoph Maria Herbst) ist genial und hochbegabt, aber wie ein großes Kind. Anke provoziert ihren Mann indem sie eine Affäre mit dem Sportlehrer (Kai Lentrodt) anfängt. Das ist die größtmögliche Provokation für einen Mathematiker. Sie wirft einfach alles was sie hat in eine Waagschale damit ihr Mann die Kurve bekommt.

Wie war die Stimmung am Set?
Total super. Die Zusammenarbeit mit Christoph ist ein Traum. Dieser Mann, das weiß man, macht eine tolle Arbeit. Er ist aber auch so eine Timing Machine. Christoph und Kai haben auch die ganze Zeit rumgealbert. Es war einfach super lustig.

Ich durfte auch schon mit Christoph Maria Herbst sprechen – er hat einen so schnellen Humor….
Unglaublich. Ich kam aus dem Lachen gar nicht mehr raus.

Sie sind viel gereist und ich weiß um Ihre Verbindung zu Schweden. Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ja, ich spiele nächstes Jahr wieder Theater in Schweden. Schweden ist auf jeden Fall ein Sehnsuchtsort. Ich hab hier Familie.

Fehlt Ihnen Stuttgart ab und zu?
Ich bin tatsächlich sehr verwurzelt mit der Region. Ich komme aus dem Umland, oberhalb von Esslingen. Mir fehlt Aichwald mit seinen Strukturen ganz oft. Da funktionieren ein paar Dinge, wie beispielsweise das Ehrenamt und die Vereinsarbeit ganz toll. Eine gut funktionierende Gemeinde mit einem schönen Miteinander.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in der Region?
Streuobstwiesen und die Weinberge.

Sie waren am Staatstheater Stuttgart und auf der John-Cranko-Schule. Was bedeutet Ihnen Musik und Tanz?
Beim Ballett hab ich das erste Mal Bühnenluft geschnuppert.

Wenn man mit klassischer Musik aufwächst – das bleibt einem so ein bisschen. Sie spielen auch Klavier?
Ja, das stimmt. Das bleibt erhalten. Und ja, ich spiele Klavier und gebe das auch meiner Tochter weiter. Mein Sohn spielt Schlagzeug. Musik spielt bei uns eine große Rolle. Wir haben, glaube ich, acht Gitarren.

Haben Sie auch schon Tango getanzt?
Das war auf der Schauspielschule ein Unterrichtsfach. Ich erinnere mich daran, dass die Jungs in der Klasse damals nicht so begabt waren, wie ich fand. Ich wollte dann immer führen. Lacht.

Was ist Ihr liebstes Kinderbuch, welches Sie in Ihrer Kindheit gelesen haben?
„Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. Und auch „Momo“. Ich war ein großer Michael Ende Fan. Ich hab ihm sogar als Kind mal einen Brief geschrieben.

Vielen Dank, liebe Frau Zeh für das so schöne Gespräch.
Viele Grüße in das wundervolle Ländle.

Sehr gerne. Richte ich aus. Vielen Dank!








"Ich tanze megamäßig gerne"

Friedrich Mücke

Foto: ZDF Marion von der Mehden


„Liberame – nach dem Sturm“ ist eine Serie, die auf ungeahnte und fatale Weise die aktuelle Situation von Geflüchteten, deren Traumata und Zukunftsängste spiegelt und erlebbar macht, indem sie Herz und Verstand gleichermaßen erreicht. Jeder einzelnen Figur kann man folgen und ihr Handeln nachvollziehen, auch wenn es schlimme Folgen haben könnte. „Liberame“ heißt die Segeljacht, mit der fünf Freunde aus Hamburg bester Laune ihren Urlaub antreten und im Mittelmeer in See stechen. Alles ist perfekt: das Wetter, der Wind, die Stimmung. Bis die Freunde plötzlich auf ein havariertes Boot mit verzweifelten Geflüchteten treffen und vor eine schwere Entscheidung gestellt werden: Helfen wir und riskieren, juristisch belangt zu werden? Oder helfen wir nicht und werden uns moralisch-ethisch dafür ein Leben lang verantworten müssen? Denn noch heute ist man zwar verpflichtet, auf hoher See Hilfe zu leisten, indem man zum Beispiel die Küstenwache ruft, darf Geflüchtete in Europa aber nicht an Land bringen. Für die Segler in der Serie kommt es anders als gedacht, und der Name der Segeljacht erfährt eine ungeahnte Bedeutung: „LIBERAME“ heißt „Erlöse mich“.

Skipper Jan (Friedrich Mücke) stellt sich eine entscheidende Frage: „Ich dachte, wir sind alles gute Menschen!“. Gutes wollen, heißt eben nicht immer, Gutes bewirken. Diese komplexe Thematik hat der Regisseur Adolfo J. Kolmerer mit dem Kameramann Christian Huck in Kinoqualität inszeniert und allen Darstellerinnen und Darstellern genügend Raum gegeben, das Handeln ihrer Charaktere zu verstehen
und nicht zu verurteilen. Das gesamte Ensemble beeindruckt durch spielerische Kraft, Authentizität und großes persönliches Engagement. „Liberame“ ist nicht nur Ausdruck und Symbol einer schicksalhaften Begegnung von Menschen auf dem Mittelmeer, sondern umreißt auch den Kern der Serie – denn genau danach sehnen sich alle Figuren: nach Befreiung. Nach Erlösung von Schuld, Zweifeln und Trauer.


„Liberame – nach dem Sturm“, Sechsteilige Drama-Serie
Im Gespräch mit Friedrich Mücke

Marion Graeber, Freitag, 1. Juli 22


„Liberame – nach dem Sturm“ feiert mit zwei Folgen Filmpremiere auf dem Filmfest München. Sie sind demnach in München?
Sie erreichen mich in München. Das ist korrekt.

Wie fühlt es sich nach all den Corona-Beschränkungen an, wieder auf Premieren, Filmfesten, Veranstaltungen und Festivals zu sein?
Die Freude ist groß, dass alles wieder möglich ist, aber man merkt, es hat Auswirkungen. Wir sind weiterhin traumatisiert. Solange die Krankenhäuser nicht voll sind, ok, aber es ist halt die Frage, ob wir jetzt nicht alle dazu beitragen, dass es wieder schlimmer wird. Das weiß halt gerade auch keiner zu beantworten. Es ist ja tatsächlich so, dass die Ansteckungen wieder dramatisch zunehmen. Das ist sehr auffällig. Klar, die Branche feiert und die Leute gehen aus. Das ist super und fühlt sich auch toll an. Ich hab allerdings heute Morgen entschieden, dass ich während der Premiere meine Maske tragen werde. Nur zu den Fototerminen werde ich sie absetzen. Die Einschläge, sprich die Infektionen, sind einfach zu nah und ich stecke im Dreh. Deswegen fühlt es sich schon wieder ein bisschen wie ausgebremst an.

Eine gute Entscheidung. Maske tragen hilft. Wie Sie sagen, das Leben hat wieder Fahrt aufgenommen. Auch wird wieder mehr gereist. „Liberame“ wurde 2021 in Hamburg und auf Malta gedreht. Wie hat es Ihnen auf Malta gefallen und wie war die Stimmung am Set?
Ich war noch nie auf Malta. Aber Malta war eine Entdeckung – in aller Widersprüchlichkeit. Da gibt es diese hässlichen Betonbauten, die man da hin gezimmert hat. Man versucht die Gegend für die Jugend attraktiv zu halten. Auf eine ganz furchtbare Art. Das ist Disco-Tourismus. Oder andersherum gesagt, Tourismus-Discos werden aus dem Boden gestampft. Daneben hat es aber unfassbar schönes Wasser, tolle Strände. Eine Urlaubsinsel. Klar, man musste dafür fliegen. Das ist mittlerweile auch so ein Problem. Aber, anders geht es nicht. Ich war begeistert, ob der Nähe. Kurz vor Afrika, da merkst du die Hitze. Die Sprache und das Essen – Fusionen, die Spaß machen. Die Sprache – eine absolute Faszination für mich. Ich bin gleich am ersten Tag im Taxi gesessen und hab den Taxifahrer gefragt, was das denn für eine irre Sprache ist. Dieser Mix aus arabisch, englisch, französisch, italienisch … Und dann haben wir Musik aus Malta gehört. Ich bin total begeistert. Und die Stimmung am Set? Die war dementsprechend fantastisch. Das deutsche und das maltesische Team – einfach perfekt.

Mit 'fliegen müssen' meinen Sie wegen Corona oder wegen Umweltschutz?
Ganz klar wegen des Umweltschutzes. Bezüglich Corona dachte man schon, vielleicht verändert sich etwas. Man hatte die Hoffnung. Aber natürlich gehen die Menschen zurück in die Flugzeuge.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ich war jetzt lange nicht mehr an der Ostsee. Das ist etwas, was ich aus meiner Kindheit kenne. Ist interessanter Weise auch ohne Flugzeug erreichbar. Also, die Ostsee feire ich zu jeder Jahreszeit.

Was hat Sie am Drehbuch zu „Liberame“ gereizt? Ich habe die Interviewbestätigung einen Tag vor unserem Gespräch erhalten, zusammen mit den Links zu den sechs Folgen. Hab alle am Stück angeschaut. Tolle Serie!

Bravo. Großartig. Gratulation.

Ich hätte es gar nicht geschafft aufzuhören. Ich fand es extrem spannend und man konnte sich in jede Rolle, jede Person, jeden Charakter einfinden. Dann die Regie und die Kameraführung….
Toll, dass Sie das gesehen haben und erwähnen. Mich hat das total interessiert. Es ist die Form der Serie, meine Rolle und das Duo Adolfo J. Kolmerer (Regie) und Christian Huck (Kamera) ist echt stark. Ich bin so dankbar über diese sechs Folgen. Es ist eigentlich nicht neu, dass in Filmen und Folgen zwischen den Zeiten so hin und her gesprungen wird. Der Inhalt, das was erzählt wird – du entwickelst einfach ein Interesse an allen Figuren und es ist total besonders, dass man da nicht nur mit einer Figur durch geht. Alle Figuren bekommen eine große Bühne, mit all ihren unterschiedlichen Positionen. Eine Anordnung, die man schnell versteht. Dann die Krimi- und Thrillerelemente, das Drama … das fand ich im Buch schon sehr spürbar.

Das stimmt. Man fühlt mit jedem einzelnen Charakter mit und die Geschichte greift einen an. Toll und auffallend auch das Intro, die Aufmachung, die Farbe und die Kameraführung des Films…
Oh, ich danke Ihnen. Das geb ich sofort so weiter, das ist ja etwas, was du beim Dreh nicht unbedingt so mitbekommst.

Haben Sie ein Lieblings-Musik-Genre?
Gute Frage. Ich höre so viel. Sicherlich in der vergangenen Zeit Blues, Soul, Rock. Muddy Waters (US-amerikanischer Bluesmusiker) fasziniert mich gerade. Da bin ich aktuell auf der Suche nach mehr, denn ich kenne noch nicht so viel von ihm.

Sind Sie Frühaufsteher oder Nachtmensch?
Frühaufsteher.


Tanzen Sie gern?
Ich tanze megamäßig gerne und auch zu viel. Lacht. Nochmal, vielen Dank, dass Sie den Look der Serie erwähnen. Adolfo J. Kolmerer und Christian Huck – toll, was die beiden machen. Da werden wir noch viel mehr sehen in Zukunft…..

Vielen Dank, lieber Herr Mücke, für das tolle Gespräch. Alles Liebe.
Ich danke Ihnen, auf bald.








"Musik bedeutet mir sehr viel. Musik war meine erste Liebe"

Mohamed Achour


Foto: ZDF Marion von der Mehden


Im Gespräch mit Mohamed Achour
Marion Graeber, Freitag, 1. Juli 22

Hallo lieber Herr Achour. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr.
Vielen Dank. Ich freue mich auch.

Wie fühlt es sich nach all den Corona-Beschränkungen an, wieder auf Premieren, Filmfesten, Veranstaltungen und Festivals zu sein? Sie sind auch vor Ort in München …
Genau. Es fühlt sich gut an in München. Aber ich werde doch hier und da noch die Maske aufsetzen.

Was hat Sie am Drehbuch zu „Liberame“ gereizt? Ich habe die Interviewbestätigung einen Tag vor unserem Gespräch erhalten, zusammen mit den Links zu den sechs Folgen. Hab alle am Stück angeschaut. Die Serie greift einen an...
Ja, genau das habe ich auch so empfunden und das ist es, was mich gereizt hat. Die Serie schafft es, dass man für jede Figur Mitgefühl und Verständnis empfindet. Man bekommt die einzelnen Geschichten und Beweggründe des Handelns jeder Figur nahegelegt. Alles andere als scherenschnittartige Erklärungsversuche. Persönlich hat mich die Figur von Ismail gereizt. Er steckt in einem Dilemma, fühlt sich zum Teil für den Tod seiner Tochter verantwortlich.

Er ist ein liebevoller Ehemann und Vater....
Ja, er will immer nur das beste, doch verschlimmbessert alles.

Wie hat es sich angefühlt in zwei Sprachen spielen zu können?
Das war toll für mich und hat riesigen Spaß gemacht. Diese Rolle bekommen zu haben hat mich echt glücklich gemacht.

Gleich in der ersten Folge kommt die Frage auf: „Sollte man das Vergangene ruhen lassen oder aufdecken und besprechen?“
Das kommt sehr auf die Thematik an. Im Falle von Ismail muss ich sagen, dass er einfach keine Wahl hatte. Er erlebte ein Trauma und dieses Trauma hat ihn einfach nicht losgelassen. Es musste bearbeitet werden. Meine persönliche Meinung ist, dass es für Ismail und Jan bestimmt gut gewesen wäre, professionelle Hilfe zu bekommen.

Menschen werden mit ihrem Charakter geboren. Glauben Sie daran, dass Charakter im Leben änderbar oder formbar ist?
Das glaube ich. Ich glaube, dass sich der Charakter, dass sich Handlungsweisen, verändern können. Gerade dann, wenn man an den Punkt kommt, wo man eigene Fehler erkennt. Das klingt „groß“ aber jeder hat ja irgendwie Fehler. Ich meine auch nicht, dass sich ein Charakter in seiner Ganzheit verändern kann. Aber ich glaube an die Möglichkeit, gerade wenn man älter wird, sein Verhalten, welches einen vielleicht in schlechte Situationen gebracht hat, zu verändern.

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?
Wie ich das immer tue. Ich habe viel an dem Text und an der Situation der Figur gearbeitet. Des Weiteren hab ich mir viel Literatur dazugeholt. Ich bin dem Thema auch nahe, da der Syrien-Krieg für mich schon sehr viel früher eine Realität war, weil meine Familie aus Syrien kommt.

War die Rolle mit diesem persönlichen Hintergrund schwerer zu spielen oder war es vielleicht sogar eine Art Befreiung?
Ich glaube, es hat mir eher geholfen. Ja, das glaube ich.

Sie sind auch Musiker und Sänger. Was ist Ihr Liebings-Musik-Genre?
Wow – im Moment Retro Crunch.

Was bedeutet Ihnen Musik?
Ich bin jetzt hauptberuflich Schauspieler. Ich mache, wenn ich am Theater bin, durchaus ab und zu mal Abende, an denen ich singe. Es gibt auch ein Theaterstück, ein Musical, wo ich als Dragqueen auftrete und singe. Das Stück heißt „Hedwig and the Angry Inch“. Musik bedeutet mir sehr viel. Immer schon. Musik war meine erste Liebe. Ich war schließlich Musiker und Sänger, bevor ich Schauspieler wurde. Ohne Musik könnte ich nicht sein.

Tanzen Sie auch gerne?
Ja, ich tanze schon gerne. Leider tanzt man immer zu wenig. Es gibt immer weniger Situationen, wo man sich gehen lassen kann. Lächelt. Aber ich finde es wunderbar. Ich hoffe, dass ich heute Abend ein bisschen tanzen kann.

Das wünsche ich Ihnen…
Sind Sie ein Morgenmensch oder gehen Sie gern spät ins Bett?
Ich glaube, dass ich durch die Kinder inzwischen ein Morgenmensch geworden bin.

Haben Sie ein Lieblingskinderbuch?
Nein, das habe ich nicht. Das gab es damals nicht so. Meinen Kindern lese ich gerne den Räuber Hotzenplotz vor. Lächelt.


Vielen Dank, lieber Herr Achour für das schöne Gespräch. Alles Liebe.










"Ich höre auch gerne Radio. Das liegt vielleicht an meiner Radiovergangenheit"

Tim Niedernolte

Foto: ZDF Rico Rossival





Im Gespräch  mit Tim Niedernolte

Marion Graeber im Juni 22


25 Jahre „hallo deutschland“ ZDF, Freitag, 17. Juni 22, 17.10 Uhr



Hallo Herr Niedernolte, vielen Dank für Ihre Zeit. Ich freue mich sehr.
Ich danke Ihnen. Schön, dass Sie sich für unser Jubiläum interessieren.

Sie leben in Berlin und in Mainz. Ist das richtig?
Das stimmt. Ich lebe in Berlin bin aber gerade in Mainz, da ich diese Woche Sendewoche habe. Ich pendle also.

Wie wohnen Sie in Mainz?
Ich hatte in Mainz über zehn Jahre ein WG-Zimmer. Nun hab ich mich für ein Hotel entschieden. Das genieße ich im Moment. Ich muss kein Frühstück vorbereiten, nicht putzen… Lacht.

Mainz eine zweite Heimat?
Mainz ist für mich so ein bisschen Arbeitsheimat. Dadurch, dass ich nicht über Wochenenden in Mainz bin, fühlt es sich auch immer etwas wie eine Reise an. Freitagabend fahre ich immer nach Hause nach Berlin zu meiner Familie. Ich bin also länger in Berlin als in Mainz. Sonst würde das auch nicht funktionieren.

Wie Sie gerade sagten, haben Sie Sendewochen. Das heißt, Sie wechseln sich die Moderation wöchentlich mit Lissy Ishag…
Ja, genau.

„hallo deutschland“ ist eine Live Sendung. Wie ist Ihr Einfluss auf die Themen?
Das ist richtig. Wir senden live. Die Themen bestimmen wir als Team und ich bin ein Teil davon. Da wird viel diskutiert. Es gibt mehrere Sitzungen am Tag und in der Folge legen wir dann die Themen fest. Wir senden aber auch Reportagen, die mit mehr Vorlauf geplant werden müssen. Wenn wir einen Auswanderer besuchen, beispielsweise.

In „hallo deutschland“ wird eine große Bandbreite an Geschichten aus ganz Deutschland erzählt. Spannend und ausgewogen….
Das ist unser Anspruch – diese Bandbreite an Emotionen und Menschen an denen wir stets nah dran sind. Das Leben ist breit gefächert und bunt. All das wollen wir zeigen.

Wie beschreiben Sie die Inhalte und das Konzept von „hallo deutschland“?
Wir berichten aus dem Leben mit all den Facetten, die es gibt. Lachen, weinen, trauern aber auch Spaß haben und lieben – da ist alles drin.
Wir berichten aus Deutschland aus den verschiedenen Bundesländern. Wir versuchen hier dem Zuschauer einen breiten Mix zu bieten, so dass sich alle finden und wir alle abholen können. Ich bin natürlich vorbereitet, wenn ich die Sendung moderiere und wenn ich mich einlese, freue ich mich über die vielen, spannenden Beiträge. Das ist auch für mich äußerst reizvoll und ich bin dankbar, Gesicht und Moderator dieser Sendung sein zu dürfen.

Durch die Pandemie haben sich viele Menschen verstärkt auf die Heimat, auf Deutschland, konzentriert. Die Geschichten kommen einem näher…
Das ist ein interessanter und guter Gedanke. Es stimmt, dass die Menschen während der Pandemie mehr auf die eigene Region und auch auf das eigene Land geblickt haben. Viele haben neue Interessen entwickelt. Dinge gesehen, die eigentlich immer schon da waren. Diese Wertschätzung für naheliegende Regionen, zu denen man gar nicht weit reisen muss.

Am 17. Juni ist Jubiläumssendung. Sie moderieren an diesem Tag gemeinsam mit Lissy Ishag?
Genau, das ist richtig. Da freue ich mich sehr drauf, denn das gab es noch nie.

Wird die Sendung etwas länger sein?
Ja, ein bisschen. Lächelt. Wir haben von den Kollegen von „Leute heute“ die Sendezeit als Geschenk zum Jubiläum bekommen. So können wir uns ein bisschen austoben. Es wird viele Rückblicke, Überraschungen und viele besondere Momente geben. Lächelt.

Was wünschen Sie „hallo deutschland“ zum 25. Jubiläum?
Ich wünsche mir das, was den Kern unseres Teams und unserer Sendung ausmacht. Neugierig bleiben, mit diesem Blick auf Themen, Menschen und deren Bedürfnisse. Die Welt dreht sich weiter und die Bedürfnisse ändern sich. Ganz normal in 25 Jahren. Und doch schaffen wir es, den Kern der Sendung in eine immer wieder neue Medienzeit und in das jeweilige Zuschauerverhalten zu transportieren.

Sie waren mit „hallo deutschland“ mit einem Campingbus auf Tour. Reisen Sie persönlich gerne?
Sehr gerne. Natürlich sehr eingeschränkt in den vergangenen Jahren. Die größeren Reisen fehlten mir sehr. Ich bin aber mit meiner Familie in dieser Zeit oft an die Ostsee, nach Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gefahren. Wir haben schöne Erfahrungen gemacht. Ich finde, es ist egal, ob man durch die halbe Welt reist oder eine Tour, ein paar Meter von der Haustür entfernt, macht. Wichtig ist, mit wem man unterwegs ist und wen man auf seinen Touren trifft. Wenn man sich darauf einlässt, kann man schon im nächsten Stadtteil viel entdecken. Das schätze ich sehr. Und, das Reisen erweitert immer den Horizont.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ich durfte schon einige Male schöne Orte besuchen. Ich würde gerne mal wieder nach Südeuropa reisen. In Sardinien war ich zuletzt bei meiner Hochzeitsreise. Ich finde das Meer, die Wärme, der Duft von Oliven und Wein ganz wundervoll. … Wenn ich dann noch ein Surfbrett habe.... Lacht.

Welches Musikgenre hören Sie gern?
Da bin ich ganz breit aufgestellt. Ich mag Rock und Alternativ Music. Nicht Hardrock, lieber klassischen Rock. Dann höre ich gern deutschen Pop und Singer Songwriter Musik. Ich finde es toll, dass die deutsche Sprache in der Musik so eine Popularität erfährt. Ich liebe Sprache, schreibe selbst auch Bücher.

Hören Sie gern Radio?
Ich höre gern Radio. Ich bin oft zu bequem mir eine Playlist zu erstellen. Ich mag es auch, mich überraschen zu lassen – welcher Song ist wohl der nächste... Vielleicht liegt das aber auch an meiner Radiovergangenheit.

Haben Sie schon einmal Tango Argentino getanzt?
Ja, aber nie im großen Stil. Doch, ich bin ein großer Fan vom Tango Argentino und ich liebe es, den Tänzerinnen und Tänzern zuzusehen. In Berlin auf der Museumsinsel, beispielsweise. Diese tollen Bewegungen, dieses Körpergefühl, die Melancholie.

Sie verfolgen auch ein soziales Engagement
Ich habe ein Projekt in Berlin, das heißt blu:boks berlin. Der Gründer und Initiator ist ein guter Freund von mir. Es geht darum, dass man bei Kindern und Jugendlichen über künstlerisch, kreative Arbeit Talente weckt und fördert. Das vermittelt Selbstwert und Selbstbewusstsein.

Sie sind auch Autor. Was bedeutet es Ihnen auch schriftstellerisch tätig sein zu können und wie beeinflusst Sie das?
Meine Bücher entstehen aus eigenem Erleben. Das beeinflusst mich insofern, dass ich Dinge, sowohl beruflich als auch privat, im Sinne der Menschlichkeit betrachte. Ich möchte Menschen inspirieren, Werte zu leben.

Mit der Menschlichkeit schlagen Sie einen Bogen zur Sendung „hallo deutschland“.
Vielen Dank, das ist schön, dass Sie das sehen. Wenn man mich nach meinen Hobbys fragt, benenne ich ganz klar meine Familie, Fußball, Sport und mit Freunden Essen gehen. Aber im Grunde ist es ganz einfach: es ist Zeit mit Menschen zu verbringen. Mit der Familie, mit Freunden. Ich komme aber auch mit Taxifahrern ins Gespräch oder mit Leuten am Bahnhof. Ich interessiere mich einfach dafür, was andere Menschen umtreibt. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch eine spannende Geschichte zu erzählen hat.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, welches Kinderbuch Ihr liebstes war?
„Frederick die Maus“ von Leo Lionni. Die Maus, die Farben sammelt für den Winter um den anderen Mäusen die Schönheit des Frühlings zu zeigen. Der Vorrat an Farben trägt die Mäuse durch die schwere Winterzeit. Das ist ein faszinierendes Buch, welches ich heute meinen Kindern vorlese.


Vielen Dank, für das schöne Gespräch, lieber Herr Niedernolte und eine ganz schöne Jubiläumssendung







"Ich tanze wahnsinnig gerne"

Manuel Rubey


Fotoausschnitt: ZDF Petro Domenigg / Filmstills.AT2




Nach "Drachenjungfrau" und "Das dunkle Paradies" ist „Flammenmädchen“ der dritte Landkrimi aus dem Salzburger Land. Der Fernsehfilm ist ab 16. Mai 2022 sechs Monate lang in der ZDFmediathek zu sehen.
Erst brennen Scheunen, dann geht ein altes Haus in Flammen auf: Seit Monaten folgt ein Brandanschlag dem nächsten. Ein Feuerteufel, den alle fürchten und den bisher niemand fassen konnte, treibt sein Unwesen. Als schließlich in den ausgebrannten Trümmern des verlassenen Hauses eine bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leiche gefunden wird, schaltet sich das LKA ein. Postenkommandantin Franzi Heilmayr (Stefanie Reinsperger) und der LKA-Kriminalbeamte Martin Merana (Manuel Rubey) glauben zunächst an puren Zufall – bis Indizien plötzlich in eine ganz andere Richtung weisen, von der tödliche Gefahr ausgeht. 

„Flammenmädchen“ ZDF, Montag, 23. Mai 22, 20.15 Uhr


Im Gespräch mit Manuel Rubey

Marion Graeber im Mai 22



Lieber Herr Rubey, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich.
Ich freue mich, dass Sie sich Zeit nehmen. Das ist schön.

Sind Sie gerade in Wien?
Ja, ich bin in Wien.

Der Landkrimi „Flammenmädchen“ spielt im Salzburger Land. Wie zuvor ebenfalls „Drachenjungfrau“ und „Das dunkle Paradies“.
Ja, das stimmt. Wir haben die Folgen an vielen verschiedenen Orten im Salzburger Land gedreht.

Der Landkrimi zeigt einen Kriminalfall mit einem menschlichen Drama im Mittelpunkt. Man weiß bereits zu Beginn, wer Täter beziehungsweise Täterin ist. Im Laufe des Films wird der Zuschauer dann mehr und mehr in die Geschichte mit hineingenommen. Wie gefällt Ihnen diese Art der Krimi-Erzählform?

Mir gefällt diese Art der Erzählform sehr gut. Mich interessieren Menschen und ihre kleinen Dramen sowie die Beweggründe, die sie handeln lassen, wie sie handeln. Das alles interessiert mich tendenziell mehr als die Kriminalfälle an sich. Natürlich gibt es auch spektakuläre Fälle und doch finde ich das Zwischenmenschliche meistens spannender.


Warum glauben Sie sind TV Krimis beim Zuschauer so beliebt?

Ich glaube, es ist diese Mischung. Die Sensationsgier und die Lust am Verbrechen aus der voyeuristischen Perspektive. Bei Leid zusehen, das ist so alt wie die Menschheit. Was die Erzähltechniken anbelangt, so ist in den vergangenen Jahren viel passiert. Man traut sich immer mehr auch das Private und die Figuren abseits des Kriminalfalls zu zeigen. Ich hab das Gefühl, dass der Zuschauer das immer mehr annimmt.

Wie charakterisieren Sie die Rolle des Martin Merana? Was macht ihn aus und was reizt Sie an ihm?
Was mich sehr reizt ist, dass er sehr klug ist. Ich glaube, er ist klüger als ich. (Lächelt). Er ist sehr analytisch und weniger von Emotionen geleitet. Und, wir haben uns zusammengereimt, dass er schon auch viel verdrängt. In seiner Vergangenheit ist so einiges schief gelaufen. Man könnte in diesem Zusammenhang auch sagen, dass er beziehungsgestört ist. Doch, wie wir alle, sucht er auch Zuneigung und jemanden, der ihn versteht. Ich finde diese Kombination  spannend.
Außerdem ist er humorvoll und schlagfertig. Das nimmt mich sehr für ihn ein.

Sie sind mit Simon Schwarz befreundet. Er ist in der Rolle des Andreas Moser in „Flammenmädchen“ zu sehen. Wie ist es, gemeinsam mit Freunden arbeiten zu dürfen?
Es ist sowieso schon ein Traumberuf und wenn es dann noch zusammenkommt, dass man mit befreundeten Menschen arbeiten kann, dann ist das ein Privileg und wunderschön. Wenn man zwischen den Szenen einfach mal lachen und über etwas anderes reden kann, das tut einfach gut. Das ist ein Geschenk.

Sie sind sehr vielseitig. Sie sind Schauspieler, Kabarettist, Buchautor und Sänger, beziehungsweise Musiker. Was bedeutet es Ihnen künstlerisch so vielseitig tätig sein zu können?
Das ist eher passiert. Ich finde das immer komisch, wenn ich das lese oder höre. Ich suche Geschichten und gute Pointen. Ich glaube, das ist das, was mich antreibt. Ich glaube, das Lachen ist das allerwichtigste, gerade in diesen Zeiten. Geschichten lassen uns begreifen, dass wir Menschen sind. Das sind so meine Hauptparameter und das ist meine Motivation. Und in welcher Form das dann daher kommt ist eigentlich zweitrangig. Schreiben hab ich mal begonnen, weil man mir nicht die Rollen angeboten hat, die ich wollte. Und Musik machen ist auch so ein ständiges experimentieren. Es freut mich einfach, dass ich mich in den verschiedenen Genres bewegen kann.


Sie haben mit „Mondscheiner“ eine Rockband gegründet. Später folgte die Band „Familie Lässig“. Welches Musikgenre präsentieren Sie, welches mögen Sie?
Das war auch so etwas, was mir sozusagen passiert ist. „Familie Lässig“ war ursprünglich eine einmalig zusammengecastete Band. Wir wollten für eine Flüchtlingsorganisation Geld für die Bezahlung von entstandenen Stromkosten sammeln. Wir waren also eine einmalig zusammengetrommelte Truppe, die sich zum Teil gar nicht kannte. Wir hatten aber so viel Freude am Konzert, und die Zuhörer anscheinend auch, dass daraus immer ein bisschen mehr wurde. So machen wir jedes Jahr eine kleine Tour. Musikalisch haben wir mit dem covern unserer Lieblingslieder angefangen. Irgendwann kamen dann noch eigene Lieder dazu. Wir reden in unseren Konzerten aber auch viel. (Lacht)

Was bedeutet Ihnen Musik?
Ich habe immer Musik gehört und gemacht. Musik hat einen großen Stellenwert in meinem Leben. Wenn ich mich allerdings für einen Beruf entscheiden müsste, so würde ich mich für den des Schauspielers entscheiden.

Ist „Familie Lässig“ auch in Deutschland auf Tour?
Wir haben schon in München gespielt und am Freitag, 8. Juli 22 sind wir in Regensburg bei einem Festival das uns eingeladen hat. Grundsätzlich strecken wir unsere Fühler aus. Immer unter der Berücksichtigung, dass wir sechs Menschen sind, die noch so viel anderes machen. Oft ist es schwierig gemeinsame Termine zu finden.


Tanzen Sie gern?
Ja, ich tanze wahnsinnig gerne aber auch wahnsinnig schlecht und ich zelebriere das mit Hochgenuss. (Lacht)

Haben Sie ein spezielles Konzerterlebnis?
Ja, als eine Frau zu mir kam und meinte ihr Mann habe mich tanzen gesehen und er traue sich nun auch. (Lacht)

In „Flammenmädchen“ steht das Schicksal eines Mädchens im Vordergrund. Sie haben selbst auch Familie. Was macht das mit Ihnen?
Man versucht den Kindern ein Rüstzeug mitzugeben, dass sie sich in dieser Welt zurechtfinden. Das ist bei „Flammenmädchen“, und da sind wir wieder bei der Psychologie, natürlich nicht passiert. Dieses Kind ist völlig verloren, weil es diesen trinkenden Vater und die nicht anwesende Mutter hat. Ich glaube, wir können immer nur begleiten. Wenn wir sehen, dass Kinder Betroffene sind, das macht immer etwas mit uns. Das ist einfach schrecklich. Wenn Erwachsene nicht miteinander klar kommen, ist das eine Sache, aber wenn man die Kinder, die man in die Welt gesetzt hat, wenn man da nicht schafft sie zu begleiten, das ist tragisch. Das macht mit jedem was. Egal, ob man selbst Kinder hat oder nicht.

Sie sind als Künstler viel unterwegs. Reisen Sie gerne?
Ehrlich gesagt reise ich nicht sehr gerne. Ich bin wahnsinnig unflexibel und hab es gerne geordnet. Beruflich reisen ist o.k. Da ist alles gut organisiert und ich bin in guten Hotels. Wenn ich privat verreise, dann eigentlich nur aus Liebe zu meiner Familie.

Bei meiner Frage nach Ihrem Sehnsuchtsort, wäre Ihre Antwort eventuell  "Familie"?
Ja, mein Sehnsuchtsort ist meine Familie. Und, der zweite Sehnsuchtsort ist tatsächlich Sizilien. Da hab ich was gefunden, wo ich gerne bin.

Lieber in Sizilien früh morgens am Strand spazieren oder in der Nacht durch die Straßen von Wien?
Im besten Falle beides. Ich bin mittlerweile mit meiner Stadt Wien ausgesöhnt. Ich wollte immer weg. Dann haben wir früh die Kinder bekommen und wahrscheinlich sind wir zu bequem und faul geworden. Ich hätte gerne in Berlin oder New York gelebt. Mittlerweile bin ich wahnsinnig gern in Wien. Ich laufe gern auch nachts durch die Stadt. Hab aber auch nichts dagegen dann morgens in Sizilien aufzuwachen.

Wenn ich Sie zum Abschluss fragen darf, welches Buch war Ihr liebstes Kinderbuch?
Auf jeden Fall alles von Astrid Lindgren. Wenn ich eines hervorheben sollte wäre das „Die Brüder Löwenherz“.


Vielen Dank, lieber Herr Rubey für das schöne Gespräch.








"Von Klassik über Elektro bis hin zum Jazz - mein Musikgeschmack ist stimmungsabhängig"

Antoine Monot Jr.

Fotoausschnitt: ZDF Bettina Mueller



Inhalt Staffel 8 Folge 1
Eine Paketbombe explodiert und reißt Susanne Hartung (Viola Pobitschka) in den Tod. Ihr Bruder Max (Leon Ullrich) soll sie wegen eines Erbstreites, bei dem er leer ausging, getötet haben. Benni Hornberg (Antoine Monot Jr.) übernimmt das Mandat.
Bennis Privatdetektiv Leo Oswald (Wanja Mues) versucht im Restaurant Frankfurter Häusje mehr über den ehemaligen Wirt Peter Stollner (Michael Benthin) herauszufinden. Er kannte Susanne gut. Sie gab ihm in der Trauer um seine Tochter, die kürzlich bei einem Unfall ums Leben kam, Halt.
Leo und Benni finden heraus, dass auch Caroline Hartung (Lisa-Marie Janke) durchaus ein Mordmotiv hat: Das Opfer hatte zuvor die selbstkreierte Limonade "Babbelnade" des Ehepaares Hartung aus dem Sortiment des Getränkehandels Ehrental genommen – mit weitreichenden finanziellen Folgen für Caroline und Max! Inhaber des Getränkehandels ist Fred Ehrental (Tom Keune), der Lebensgefährte von Susanne. Auch seine Ex-Freundin Tessa Grunert (Dela Dabulamanzi) scheint nicht ganz über die Trennung von Fred hinweggekommen zu sein. Hat sie Susanne aus Eifersucht getötet?



Im Gespräch mit Antoine Monot Jr.

Marion Graeber im Mai 2022


Vielen Dank, lieber Herr Monot, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich.
Sehr gerne. Ich freue mich auf unser Gespräch.


Ich bin Ihr erstes Gespräch heute…
Ja, das ist völlig richtig.

Dann gehen wir das ganz entspannt an...
Das ist super. Das machen wir.

Sind Sie gerade in München?
Ja, ich bin zuhause in München.

„Ein Fall für zwei“ spielt in Frankfurt/Main und Umgebung. Ich habe gelesen, dass Sie in der Walddorfschule in Frankfurt waren. Dann haben Sie einen Bezug zur Stadt?
Ich bin ja grundsätzlich ein Hesse. Habe viele Jahre meines Lebens in Hessen gelebt. Unter anderem, beispielsweise sieben Jahre in der Nähe von Fulda und eben auch in Frankfurt. Insofern ist mir die Stadt sehr vertraut. Ich war damals um die 15 Jahre alt. Ein Alter also, in dem man eine Stadt auch schon sehr bewusst wahrnimmt. Sie kam mir damals immer so groß vor und heute ist sie ganz klein (lacht).

Die 8. Staffel startet nun im Mai mit 4 Folgen. Wie genau wurden die 4 Folgen gedreht? Fasst man Szenen zusammen?
Wir drehen immer zwei Folgen parallel. Sie müssen sich das so vorstellen – wenn wir auf Leos Hausboot sind, drehen wir alle Szenen aus zwei Büchern die auf dem Hausboot spielen. Bei den Szenen in meiner Kanzlei wird das genau so gemacht und so weiter. Da muss man gedanklich immer ein bisschen hin- und herspringen. Lächelt.

„Ein Fall für zwei“ ist als Alternative zur klassischen Krimiserie angelegt. Keine Kommissare, differenzierte Ermittlungsarbeit …. Wie gefällt Ihnen diese Art der Krimi-Erzählform?
Oh, sehr gut. Was bei uns ja außergewöhnlich ist, unser Krimi fängt an, wenn der Beschuldigte im Gefängnis landet. Da hört ein normaler Krimi ja auf. Das ist bei uns die Abwechslung. Wir haben auch immer die Situation, dass Benni (die Rolle, die ich spiele) etwas in seinem Mandanten sieht. Eine Unschuld. Zusammen mit Leo geht er dann auf Spurensuche.

Wie ist das, wenn man sich nach den Staffelpausen wieder begegnet?
Unser Team wechselt regelmäßig durch, manche sieht man dann nach ein paar Jahren wieder andere kommen nicht mehr. Die größte Konstante am Set für mich ist auf jeden Fall Wanja. Ich freue mich immer sehr ihn zu sehen. Wir machen „Ein Fall für zwei“ jetzt seit neun Jahren und Wanja und ich sind inzwischen befreundet. So haben wir auch zwischen den Drehs Kontakt und tauschen uns aus. Es ist immer wieder schön, mit Wanja die drei/vier Monate in Frankfurt zu drehen.

Wie ist das, auf Benni (Ihre Rolle) zu treffen?
Der Benni ist eine Rolle, die ich spiele. Ich spiele sie, indem ich die Texte bekomme und in Situationen gesteckt werde, die ein Anwalt hat. In meinem Privatleben können mir diese Dinge so gar nicht begegnen.

„Ein Fall für zwei“ spielt in Frankfurt am Main. Sie leben in München an der Isar und ich habe Sie schon auf Sylt bei Kampen Jazz by Till Brönner gesehen.
Was bedeutet Ihnen das Element Wasser?

Kampen Jazz by Till Brönner ist eine tolle Veranstaltung. Ich bin jedes Jahr sehr gerne dort. Und, ich liebe Wasser. Meine Frau und ich, lieben Wasser. Am besten ist es, wenn es salzig ist. Lächelt. Es darf aber auch gerne Süßwasser sein, beispielsweise bayerische Seen. Lächelt.

Hoffen wir, dass Kampen Jazz bald wieder stattfindet….
Ja, das ist wirklich klasse, was Till Brönner und Dariush Mizani da auf die Beine gestellt haben.

Vielleicht sehen wir uns das nächste Mal… Ich geb mich dann zu erkennen….
Super. Sehr gerne. Ich bitte darum.

Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Ihr liebstes ist? Sie sind als Sohn Ihres Vaters, Jean-Francois Monot, Komponist und Dirigent sicher mit klassischer Musik aufgewachsen?
Mein Musikgeschmack ist sehr breit gefächert und stimmungsabhängig. Ich höre gerne Klassik, Elektro und Jazz. Auch die Popmusik der 1980er und 1990er Jahre. Die Musik meiner Jugend. Ich hör aber auch gerne Schlager.


Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?
Tangomusik höre ich privat eher weniger. Ich kann mich aber durchaus dafür begeistern. Ich habe früher auch eine Zeit lang Tango getanzt.

In Staffel 8 Folge 1 kommt Ihre Filmtochter aus Paris zu Ihnen nach Frankfurt….Reisen Sie privat gerne? Und, haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Stefanie und ich reisen für unser Leben gern. Wir lieben die Karibik. Ich persönlich liebe New York. Generell die USA, die Ost- und die Westküste. Wir können uns aber auch total für die Toskana begeistern. Für Österreich, Tirol und das Zillertal. Sie sehen schon, es gibt für uns ganz unterschiedliche Orte, die super sind. Wir lieben das Reisen.


Darf ich Sie zum Schluss noch fragen, welches Kinderbuch Sie gerne gelesen haben oder vorgelesen bekommen haben?
Ich habe gerne „Babar der Elefant“ von Jean de Brunhoff gelesen. Das hab ich geliebt. Stefanie hat ein Kindermalbuch veröffentlicht. Ich mal das auch total gerne aus. Das macht den Kopf frei.


Das stimmt. Es gibt ja auch Mandalas für Erwachsene.
Ja, die sind super.



Vielen Dank, lieber Herr Monot für das schöne Gespräch.






'Ich tanze gerne ohne Partner. So kann ich ganz frei tanzen. Ganz so, wie ich mich dann in diesem Moment fühle'

Susan Hoecke


Fotoausschnitt: ZDF Moovie GmbH / Hardy Spitz





Im Gespräch mit Susan Hoecke

Marion Graeber im April 2022


„Wendehammer“
ZDF, Folge 1 – Stille Wasser – Donnerstag, 12. Mai 22, 20.15 Uhr
ZDFmediathek ab Donnerstag, 5. Mai 22

Inhalt:
Franziska (Susan Hoecke), Meike (Meike Droste), Samira (Elmira Rafizadeh) und Nadine (Friederike Linke) sind seit Kindertagen Freundinnen und heute Nachbarinnen in Doppelhaushälften im Wendehammer. Julia (Alice Dwyer), neu zugezogen, wäre gerne Teil des Kleeblatts. Sie ahnt nicht, dass die vier eine gemeinsame Leiche im Keller haben – oder besser auf dem Grund des Sees, dessen Pegel gerade bedenklich sinkt, seit ihm Steinerts Baustelle das Wasser abgräbt. Der Bau muss gestoppt werden! Nur wie? Und dann haben alle natürlich auch ganz eigene Probleme. Der ganz normale Vorstadtwahnsinn also – konzentriert im Wendehammer!

Interview

Hallo liebe Frau Hoecke, danke Ihnen für Ihre Zeit. Ich freue mich.
Ja, sehr gerne.

Hatten Sie schon einen langen Interviewtag?
Ich bin eben erst aus Lissabon zurückgekommen, mit den Interviews geht es jetzt erst los und Sie sind die Erste.

Das ist schön. Dann würde ich gerne mit einer schönen Frage anfangen. Gleich in der ersten Folge „Stille Wasser“ haben Sie eine kleine Tanzszene. Darf ich Sie fragen, ob Sie persönlich gerne tanzen?
Ich tanze total gerne – aber lieber alleine, als mit einem Partner. Beim Tanzen möchte ich mich ungerne an Schrittfolgen, Regeln oder Choreographien halten, sondern einfach so tanzen, wie ich mich in dem Moment fühle. Da bin ich ganz anders als meine Rolle (Franzi). Sie kann wahrscheinlich alle Standardtänze hoch und runter. Lächelt.


Ohne feste Choreographie wäre der Tango Argentino...
Für Franzi wäre das genau das Richtige. Für mich persönlich hätte das bedeutet, ein Jahr früher mit den Tanzproben anzufangen, um das dann beim Dreh halbwegs ordentlich hinzubekommen. Lacht.

Sie spielen als Franzi eine Perfektionistin. Was hat Sie an der Rolle gereizt und sind Sie selbst auch perfektionistisch veranlagt?
Ich persönlich bin nicht ganz so stark perfektionistisch veranlagt wie Franzi. Natürlich hab ich eine gewisse Vorstellung davon, wie Dinge im besten Fall zu laufen haben. Trotzdem bin ich auch dankbar, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Ich denke mir dann, dass mir das Leben etwas in den Weg wirft, um daraus zu lernen, wie ein Hinweis, bestimmte Dinge einfach mal anders anzugehen. Ich komme damit klar, für Franzi hingegen würde wohl eine ganze Welt zusammenbrechen. Für sie gibt es feste Strukturen und diese sind Grundpfeiler, an denen sie sich festhält. Alles was mit Spontanität zu tun hat, bringt sie völlig aus dem Konzept.

Eine gewisse Leichtigkeit tut ja auch gut….
Ja, absolut. Aber Franzi fehlt diese Leichtigkeit gänzlich. Ich glaube, es gibt in Folge sechs eine Szene, in der Franzi mal herzhaft lacht. Das Lachen geht dann sogleich in weinen über. Alle aufgestauten und zurückgehaltenen Emotionen, brechen auf einmal aus ihr heraus. Sie ist einfach der Typ „bloß nicht anmerken lassen, wie es einem wirklich geht“. Wir sind da also ganz verschieden und diese Verkörperung von Franzi war für mich eine wahnsinnige Herausforderung. Das, was mich ausmacht, ist meine Lebendigkeit, mein Vertrauen ins Leben und jeden Tag aufs Neue zu schauen, was es für mich bereithält. Für Franzi ein No-Go.

Sicher auch der Reiz am Schauspiel – dieses in andere Leben eintauchen….
Das stimmt. Da bin ich dankbar. Es hätte ja auch sein können, dass ich für eine andere Figur gecastet werde. Einer Figur, der ich näher bin. Ein echtes Geschenk also, die Franzi. Lacht.

Wie ist das Casting abgelaufen?
Die Castings liefen über einen relativ langen Zeitraum. Wir hatten drei große Konstellationscastings. Maike, Friederike und ich sind gemeinsam durch die Runden gegangen und haben uns immer wieder gefreut, dass wir gemeinsam weiter sind. Wir hatten dann nach dem Casting auch einen langen Vorbereitungszeitraum, was heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist. Wahrscheinlich auch einer der Gründe, weshalb „Wendehammer“ wirklich ganz toll geworden ist.

Das stimmt. Ich durfte ja schon einige Folgen sehen. Bin also sozusagen eine Fortgeschrittene. Es ist ja wirklich ein großer Cast. Wie war die Zusammenarbeit? Sind Sie einigen Kollegen erstmals „vor der Kamera“ begegnet?
Ich habe mit keinem der SchauspielerInnen vorher schon einmal gedreht. Das war so spannend. Fünf Frauen, die so unterschiedlich sind und so gut miteinander funktionieren.  Das ist toll und macht großen Spaß. Wir haben uns über die Drehzeit auch wunderbar angefreundet.

Der Drehort ist ein fiktiver. Wo wurde gedreht und ist das für die Geschichte überhaupt relevant?
Wir haben außerhalb von Berlin gedreht, aber für die Geschichte ist das nicht relevant, es könnte eine Vorstadt überall in Deutschland sein.

Das Vorstadtleben in der Doppelhaushälfte – auch ein Lebensmodell für Sie?
Ich dachte immer, dass ich ein kompletter Stadtmensch bin. Doch ich merke mehr und mehr, dass es mich immer wieder hinaustreibt. Vor allem im Winter, da versuche ich immer irgendwo zu sein, wo ich noch nie war. Ich wohne in Berlin-Mitte und ich liebe es dort, aber ich habe auch Lissabon für mich entdeckt, wo ich seit einem Jahr viel Zeit verbringe. Im Vergleich zu Berlin ist Lissabon dann eher wie ein Dorf. Alles ist viel ruhiger und entspannter. Jeder kennt irgendwie jeden und ich merke, wie sehr mir das gefällt. Aber, ein Vorort mit Doppelhaushälfte – da würde ich wahrscheinlich durchdrehen. Lacht.

Würden Sie lieber früh morgens am Meer entlang fahren oder spät in der Nacht durch die Großstadt?
Früh morgens am Meer. Mir tut das Meer einfach gut. Da fühle ich mich glücklich und frei.

Welche Musik würden Sie bei Ihrer Tour hören?
Das kommt ganz darauf an, wie es mir gerade geht. Wenn ich wach werden muss, ist das eine andere Musik, als am Abend. Lächelt. Ich liebe elektronische Musik, bin aber auch ein riesengroßer Fan von Hermanos Gutiérrez. Eine unfassbar tolle Musik um abzuschalten. Liegt vielleicht auch daran, dass ich fünf Wochen in Mexiko war. Man verbindet Musik aus Lateinamerika immer auch gleich wieder mit dem Meer, der Luft, der Freiheit.

Franzi ist immer top modisch angezogen. Wie wichtig ist Ihnen Mode?
Das Kostüm von Franzi ist außergewöhnlich. Wir hatten eine wirklich tolle Kostümbildnerin. Überhaupt sind alle Figuren dem jeweiligen Charakter unfassbar gut angepasst angezogen. Franzi ist stilsicher, wie keine andere. Ich wäre froh, wenn ich das Händchen von Franzi hätte. Lächelt. Ich bin eher der sportliche Jeans-T-Shirt-Turnschuh-Typ, da kann man nicht viel falsch machen. Wenn ich mich für eine Veranstaltung “zurecht” machen muss, sende ich mehrere Fotobeispiele an meine Freundinnen, die dann meistens sagen „auf gar keinen Fall“. Lacht. Die meisten Sachen kaufe ich Second Hand und trage Sie dann hoch und runter, einfach der Umwelt und Nachhaltigkeit zuliebe.

Ich habe gelesen, dass Sie sich bei dem ersten Gang nach West-Berlin damals als erstes eine Barbie Puppe besorgt haben….
Das stimmt. Ich hab allerdings schnell gemerkt, dass sie mich doch nicht so glücklich macht, wie angenommen. Am darauffolgenden Tag habe ich ihr erstmal die Haare kurz geschnitten. Ich fand das stand ihr besser, aber ich war vielleicht auch einfach kein Puppenmensch. Lieber war ich mit den Jungs auf dem Fußballplatz und bin mit aufgeschürften Knien nach Hause gekommen. Äußerlichkeiten haben mich nicht interessiert.


Ich danke Ihnen sehr für das tolle Gespräch, liebe Frau Hoecke.





'Ich liebe argentinische Tangomusik'

Simon Licht

Foto: ZDF Ralf Wilschewski





Inga Lindström: Geliebter Feind - Herzkino
Sonntag, 27. März 2022, 20:15 Uhr
ZDFmediathek, ab Samstag, 19. März 2022, 10.00 Uhr

Um herauszufinden, warum der Traditionsgasthof ihrer Familie bedroht wird, nimmt Elli (Pia Amofa-Antwi) verdeckt einen Job als Chauffeurin an. Steckt ihr neuer Chef Lucas Hansen (Gerrit Klein) hinter der Sabotage? Lucas ist rechte Hand des Unternehmers Viggo Berg (Simon Licht). Je tiefer Elli in Lucas' Welt eintaucht, desto näher kommen sich die beiden. Auch Lucas kleine Tochter Ronja (Ida Wieland) wächst Elli ans Herz. Doch irgendwas verschweigen Ellis Vater Karl (Joachim Raaf) und dessen Mutter Hilda (Carla Becker), Ellis Oma.


Im Gespräch mit Simon Licht

Marion Graeber - März 22


Hallo Herr Licht, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr.
Ich grüße Sie. Sehr gerne.

Sind Sie in Berlin?
Ja, ich bin in Berlin.

Für „Geliebter Feind“ waren Sie in Schweden unterwegs. Genauer gesagt in Stockholm und Umgebung. Wie war das?
Wir haben außerhalb von Stockholm gedreht. Es war spannend in einem Land zu drehen, welches nicht nur wunderschön ist, sondern auch so einen ganz anderen Weg in der Pandemie geht. Einen anderen Zugang zu Restriktionen hat und eben anders mit dem Thema umgeht. Da wir als deutsche Produktion dort waren, war am Set für uns aber alles wie gewohnt und wir haben uns an alle Vorgaben gehalten.

Der Dreh an sich war also vergleichbar …
Genau. Der Dreh war nicht ganz anders als in Deutschland. Wie gesagt, es war eine deutsche Produktion und wir haben die Vorsorge und die Vorgaben in dieser Zeit der Pandemie eingehalten. Aber klar, wir sind schon auch mal nach Stockholm gefahren und hatten ein wenig Kontakt zur Außenwelt. Das war dann so ein bisschen der private Eindruck, den man gerade im Umgang mit der Pandemie in Schweden, gewinnen konnte. Vieles war einfach dann auch ungewohnt. Wir waren ja immer mit Maske unterwegs. Skurril wurde es für uns beispielsweise in einem Fahrstuhl, wenn eben Menschen ohne Maske eingestiegen sind. Da denkt man dann „was ist denn hier verkehrt“. Man hat die Leute dann entweder angesprochen oder ist halt ausgestiegen, wenn es einem zu viel wurde. Es ist einfach seltsam. Gerade auch im öffentlichen Bereich oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Zwei Jahre Pandemie – das verändert einen auch persönlich….
Ja, das stimmt. Das kann man wirklich so sagen.

Das wird spannend, wie das Leben ohne Maske dann wohl wieder sein wird…
Glücklicherweise gehen doch viele Menschen weitestgehend verantwortungsbewusst mit dem Thema um. Maske tragen und Abstand halten.

Die Pandemie eine echte Herausforderung für die Kulturbranche…
Die Kulturbranche hat unter den Restriktionen unfassbar gelitten. Neben der Gastronomie eben mit am meisten. Es gibt meines Erachtens keine Branche die auch so nachhaltig geschädigt wurde. Was bei uns für Maßstäbe angesetzt wurden, das ist schon beispiellos.
Die Leute am Theater gingen komplett in die Knie. Ganze Stuhlreihen wurden ausgebaut, Stühle in den vorhandenen Reihen freigehalten… Publikumsmöglichkeiten reduziert. Und das obwohl Luftfilteranlagen eingebaut wurden … Die Theater hat man als erstes zu und als letztes wieder auf gemacht.
Dann die ganzen Branchen, die da mit dranhängen…. Es gibt in unserem Beruf ja kein Kurzarbeitergeld, keine Absicherung. Da sind viele Menschen sozusagen zwischen den Welten gewandelt. Durch einen Rost gefallen. Und das ist ja noch nicht wirklich alles vorbei… Ich muss also sagen, ich bin sehr froh und glücklich in meinen Beruf arbeiten zu können.


Wie gut kennen Sie Stuttgart?
Stuttgart ist toll. Ich arbeite viel in Stuttgart. Hier leben nette Leute. Es gibt gutes Essen und guten Wein. Lächelt.

Was hat Sie denn gerade an diesem Drehbuch (Geliebter Feind) und Ihrer Rolle (Viggo Berg) gereizt?
Das sind immer diese Fragen. Lacht. Ich muss ganz offen sagen, es hat mich gereizt, dass ich einen Job habe. Die Herzkino Reihe ist ein hervorragendes Format. Ein Premiumprodukt des ZDF und ich bin sehr froh, in einer Hauptrolle dort gespielt zu haben. Punkt. Denn das ist das Entscheidende an dieser Frage. Wir sind in diesen Zeiten auch einfach nicht in der Position zu fragen, was einen an einem Format oder Drehbuch reizt. Ich habe einen Beruf, ich habe Kinder und ich hab Verpflichtungen. Das ist eine ganz klare Position. Aber es hat mich natürlich doch gereizt, in diesem schönen Format eine Rolle zu haben, die zu mir passt. Die kernig ist, die ein Geheimnis hat - von Anfang an eine zwielichtige Person (wie das ja oftmals in meinen Rollen ist). Nur eins, um nicht zu viel zu verraten: Die Person macht eine unglaubliche Wandlung durch. Lächelt.

In „Geliebter Feind“ geht es unter anderem um familiäre Strukturen, Missverständnisse, Entfremdung. Sind Sie für klare Ansagen? Probleme anpacken und ansprechen?
Durchaus. Ich bin ein Mann der klaren Worte, wie Sie vielleicht merken. Lächelt. Es gibt eine Fragestellung und eine Lösung. Und, vielleicht wissen Sie, dass ich ein Startup Unternehmen gegründet habe und dieses gemeinsam mit einem Partner leite. Auch hier gibt es immer wieder Fragestellungen für die man Lösungen finden muss. Viele Menschen neigen zu diesem „schauen wir mal“….

Das sind Sie nicht….
Nein, so kann ich mein Leben nicht führen. Man muss Dinge und Probleme ansprechen. So handhabe ich das auch in meiner Familie. Es gibt immer wieder Schwierigkeiten im Leben. Da muss man drauf zugehen und versuchen Lösungen zu finden. Je älter man wird, je weniger Zeit hat man ja auch sich mit Problemen zu beschäftigen. Man hat doch das Gefühl, dass man damit nicht lange rumlaufen will.

Sie sind ein Mann, der sein Leben in die Hand nimmt. Auch in „Geliebter Feind“ sind diese Botschaften enthalten.
Ja, unbedingt. Sowohl in meinem Beruf als Schauspieler, wie auch als Unternehmer.


Foto: privat



Erzählen Sie gern etwas über Ihr Startup – KHULULA.eco
Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, den Outdoorsport nachhaltiger zu machen. Wir sind in unseren naturverbundenen Sportarten Segeln, Surfen, Kiten, SUP usw. verantwortlich für unendlich viel Kunstoff und Chemie in unserer Ausrüstung und unserer Kleidung. Wir belasten die Natur durch unsere „ach so sauberen“ Sportarten sehr. Das wollen wir ändern. Wir haben das erste nachhaltige Serienklassenboot der Welt. entwickelt und bauen lassen. Aus Flachsfaser und recycelten Materialien. Den ECO-Optimisten. Ein Boot, in dem Kinder und Jugendliche segeln lernen und von Anfang an Bewußtsein dafür bekommen, die Natur zu schützen. Und mehr noch: Eine nachhaltige Segelkampagne. Dazu haben wir eine Nachhaltigkeitsstrategie für Vereine und Verbände entwickelt und werden Anfang April den ersten E-commerce Shop für ausschließlich nachhaltige Outdoursport Produkte launchen. BlueOutdoors.eco. Wir möchten es den Kunden leicht und übersichtlich machen, ausschließlich nachhaltige Outdoorsport Produkte für ihren Sport zu shoppen.


Eine wirklich tolle Sache!

Apropos segeln… Lieber in den Sonnenaufgang oder gen Sonnenuntergang? Was ist schöner?
Das ist eine schöne Frage. Aber auch eine gemeine. Lacht. Ich bin ja einer, bei dem das Glas immer halb voll ist. Von der Sache her segle ich gerne in den Sonnenaufgang. Das hat was mit Aufbruch zu tun, mit nach vorne gehen. Aber so bei Sonnenuntergang, in einer natürlichen Bucht, mit Familie und Freunden – das ist auch sehr schön.

Sie machen viel Sport?
Ich mache sportlich sehr viel. Ja. Segeln in erster Linie, aber ich gehe auch vier Mal die Woche in den Fitnessclub. Sport, das hat was mit Körperbewusstsein zu tun, ist aber auch perspektivisch. Meine jüngste Tochter ist sechs Jahre alt und ich möchte gerne, auch für sie, vital und energiereich sein.

Haben Sie schon mal Tango Argentino getanzt?
Ich liebe argentinische Tangomusik. Piazzolla ist wundervoll. Getanzt habe ich den Tango noch nicht. Ich weiß nicht, ob ich dafür talentiert genug bin. Lacht.

Piazzolla verbindet Klassik mit Jazz … Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?
Da bin ich nicht homogen. Lächelt. Ich liebe klassische Musik aber ich komme aus einer Generation, wo man die Platten aus den Regalen der Eltern geholt hat. Ich mag also auch die Rockmusik der 1970er Jahre.

Zum Abschluss würde ich Sie gerne noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?
Der wäre bei mir tatsächlich vor Anker, auf einem schönen nachhaltig gebauten Schiff. Im Sonnenuntergang, in einer Naturbucht. Ein Ort der Ruhe, auf dem Wasser.



Das ist ein ganz wundervoller Gedanke und ich danke Ihnen liebst für das schöne Gespräch.




'Für mich muss Musik in den Moment passen'

Milan Peschel


Foto: Luis Zeno Kuhn





Doppelhaushälfte - Achtteilige Comedyserie/neoriginal ZDFneo: 15. März 2022 ab 21.45 Uhr
ZDF Mediathek ab Dienstag, 8. März 22, 10 Uhr
Alle Folgen zum Binge-Watching


Ein Doppelhaus im Grünen, gleich hinter Berlin – zwei Welten unter einem Dach. Mari (Maryam Zaree), Theo (Benito Bause) und Maris Tochter Zoe (Helena Yousefi) sind aus er Mitte Berlins ins Umland gezogen um die ländliche Idylle zu genießen. Vom Dach der rechten Doppelhaushälfte, bei Andi (Milan Peschel), Tracy (Minh-Khai Phan-Thi) und ihrem Sohn Rocco (Minh Hoang Ha), weht die Deutschlandflagge. Ex-Polizist Andi sieht es als seine Pflicht an, dafür zu sorgen, dass sich die Neuen an die hiesigen Gepflogenheiten halten und ordentlich in die Nachbarschaft integrieren.


Im Gespräch mit Milan Peschel - Anfang Februar 22

Marion Graeber



Hallo Herr Peschel, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich.
Sehr gerne.


Sie hatten Geburtstag…
Ja, im Januar.

Da möchte ich Ihnen nachträglich gerne gratulieren. Alles Gute.
Das ist aber sehr nett von Ihnen. Vielen Dank.

Sind Sie in Berlin?
Nein, ich bin in Dortmund.

Beruflich?
Ja, ich bin hier gerade am Theater.

Aber Sie wohnen eigentlich in Berlin?
Ja, das stimmt.

Die Comedyreihe „Doppelhaushälfte“ spielt in Berlin, bzw. im Umland. Wo genau wurde gedreht und wann?
Wir haben im Sommer 2021 im Süden von Berlin gedreht. In Kleinmachnow.

Wie viele Drehtage waren für die 8teilige Comedyreihe angesetzt?
Wir haben so zwei Monate gedreht.

Was hat Sie am Drehbuch zur Reihe gereizt und wie charakterisieren Sie Ihre Rolle, Andi Knuppe?
Andi ist jemand, der ohne es zu wissen, bereitwillig in jedes Fettnäpfchen tritt, welches sich ihm bietet. Aber er schafft es auch immer wieder da raus zu kommen. Ich glaube, das ist es auch, was mich an der Figur gereizt hat. Dass da jemand ist, der uns mit unseren eigenen Vorurteilen konfrontiert. Denn, wir glauben immer zu wissen, was Andi meint und wie er tickt. Doch er belehrt uns stets eines besseren.


Andi lebt in besagter Doppelhaushälfte im Berliner Umland. Eine Lebensform, die Sie sich auch vorstellen könnten? Oder sind Sie doch eher der Stadtmensch?
Ich bin mehr für die klaren Verhältnisse. Entweder richtig in der Stadt leben, oder wirklich auf dem Land.

Mehr so der Aussiedlerhof?
Genau.

Weil das gerade zur Lebensform passt – sind Sie mehr ein Morgen- oder ein Nachtmensch?
Das kommt ganz darauf an. Lächelt. Mal so und mal so. Da möchte ich mich nicht entscheiden.

Sie können also auch morgens ganz früh raus?
Ja, das kann ich auch. Das macht mir manchmal sogar ganz große Freude.

Andi Knuppe ist stark im Dialekt verhaftet. Wie ist es für Sie im Dialekt zu spielen und wie wichtig finden Sie es generell Dialekte und Regionalität zu zeigen?
Das ist eine gute Frage. Ich höre Dialekte sehr gerne. Ich finde das toll, weil es zeigt, wo jemand herkommt. Ich finde auch nicht, dass das etwas ist, was man verstecken sollte. Das hab ich in meiner Kindheit auch gelernt. Bei uns in Ost-Berlin hat jeder berlindert. Ob Arbeiter oder Akademiker. Das war in West-Berlin teilweise auch so aber es war auch so ein bisschen ein Statussymbol, wenn man nicht berlinert hat. Denn, man wurde dort mit einem starken Berliner Dialekt schnell der Arbeiterklasse zugeordnet. Das war im Osten nie ein Problem. Ich finde es schön, Dialekte zu sprechen und zu hören. Ich höre gerne den bayerischen Dialekt und auch den schwäbischen. Ich mag das, wenn man das hört. Bei Ihnen hört man das ja auch so ein bisschen. Ich finde es einfach auch toll, wenn man Menschen über die Dialekte verorten kann. Und es hilft mir auch als Schauspieler. Wenn ich im Dialekt sein kann finde ich in die Figur. Das ist toll.

Mein Papa hat seine Kindheit und Jugend in Berlin verbracht. Obwohl wir jetzt in Stuttgart leben, hat mein Papa im privaten Bereich, immer wieder in den Berliner Dialekt gefunden.

Wenn ich an Maris Bruder denke, der seinem Leben immer wieder eine neue Richtung geben möchte, gerne die Frage – Denken Sie, man sollte seinem Leben immer wieder mal eine neue Richtung geben? Darüber nachdenken, sich neu auszurichten?
Ich glaube, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Was für den einen gut ist, ist für den anderen vielleicht eine Katastrophe. Man kann also keine Lebensmaxime daraus machen. Menschen sind unterschiedlich. Was ich wichtig finde ist, neugierig bleiben. Auf andere Leute zugehen. Menschen nicht nach Äußerlichkeiten beurteilen. Neugierig sein auf Menschen und die Dinge, die einem so begegnen.

Auf das eigene Innere hören….
Ja, absolut. Aber dabei die Menschen um einen herum nicht vergessen. Es ist auch nicht gut, sich nur auf sich selbst zu konzentrieren - auf die eigenen Wünsche und die eigene Freiheit. Man darf seine Mitmenschen nicht vergessen.

Wie wichtig sind Ihnen, bei der Krimiflut im TV, Komödien und Sitcoms?
Hab ich mir nie Gedanken gemacht, weil ich kein Programmgestalter bin. Anscheinend gibt es eine große Sehnsucht nach Krimis. Die TV Zuschauer sehen gerne, wie Verbrechen aufgeklärt werden. Ich finde „lachen“ sehr wichtig. Lachen ist gesund und baut Brücken.

Der Einsatz von Musik und Klängen ist bei einer Sitcom auch sehr speziell. Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Ihnen das liebste ist?
Ich hab keine Lieblingsmusik. Genauso wenig hab ich Lieblingsrollen. Musik muss für mich im Moment passen. Das kann sich also immer wieder ändern.

Sie sind in vielen künstlerischen Bereichen tätig. Sind TV-Schauspieler, Theater-Schauspieler, Regisseur und Sie sprechen Hörbücher ein… Wie wichtig ist Ihnen diese Vielfalt?
Abwechslung ist in jedem Leben gut.

Das bereichert…
Absolut. Aber viele Menschen können sich das nicht aussuchen. Ich hab da großes Glück und den Luxus das so zu leben. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich habe gesehen – Sie malen auch?
Ja, bereits seit den 1980er Jahren.

Haben Sie ein Lieblingskinderbuch?
Das Buch, das ich als Kind am meisten gelesen habe war „Tim Taler“. Und, das Buch „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ des Autors Alexander Wolkow hab ich auch geliebt. „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ das baute sich so ein bisschen auf „Der Zauberer von Oz“ auf. Ein Mädchen, das in ein Land verschlagen wurde und dort einer mit Stroh gefüllten Vogelscheuche, einem eisernen Holzfäller und einem feigen Löwen begegnet ist.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ja, mein Zuhause. Unser Haus auf dem Land. Das ist unser Sehnsuchtsort.
Wir haben das große Glück, dass wir vor zwanzig Jahren ein Haus für wenig Geld auf dem Land gekauft haben. Neben unserem Leben in der Stadt leben wir also auch auf dem Land.

Dann können Sie beide Welten leben..
Ja, absolut.

Haben Sie schon mal Tango getanzt?
Nein, ich hab noch nie Tango getanzt. Ich finde die Musik schön und ich finde es auch schön, die Menschen zu beobachten, die Tango tanzen. Aber ich werde damit nicht mehr anfangen.

Wer weiß, vielleicht kommt doch mal eine Rolle auf Sie zu bei der Sie Tango tanzen …
Ja, dann muss ich. Lacht.


Vielen Dank, lieber Herr Peschel für das schöne Gespräch.






'Abends höre ich gerne klassische Musik. Ich liebe aber auch Oldies'

Panagiota Petridou

Foto: Christoph Kassette


Die Retourenjäger

Über 500 Millionen Retouren wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zurückgesendet. Diese Retouren versuchen nun fünf verschiedene Händlerinnen und Händler in einer Autktion zu ersteigern. Dabei wissen sie aber bis zum Ende nicht, was sich unter der Box verbirgt. Einzig 30 Sekunden vor Beginn bekommen sie einen kurzen Einblick auf die Palette. Dann müssen sie entscheiden, ob die Jagd sich lohnt. Moderiert wird die Sendung von Panagiota Petridou.


Im Gespräch mit Panagiota Petridou

Marion Graeber im Februar 2022


Hallo liebe Frau Petridou, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr.

Sehr gerne.

Sie leben in der Region Düsseldorf?

In Solingen.

Dann erreiche ich Sie zuhause?

Genau. Ich sitze auf der Couch. (lacht)

Das ist schön.

Ja, (lacht) das finde ich auch.

Im Februar startet das neue Format „Die Retourenjäger“. Können Sie mir einen kurzen Ausblick geben, um was es geht, was Ihre Aufgabe ist und wer die Mitstreiter sind?

Ja, es geht hauptsächlich um riesige Paletten von Retouren. Deutschland ist Retouren-Weltmeister. Nirgendwo wird so viel zurückgeschickt wie bei uns. Normalerweise werden diese Retouren vernichtet, weil es zu teuer ist diese wieder zu vermarkten. Es gibt aber Leute, die kaufen die Paletten auf und verkaufen diese an Händler weiter. Wir haben also Händler in die Sendung eingeladen und bieten ihnen Retourenpaletten an. Dabei handelt es sich um 400 bis 500 Kilogramm Warenprodukte.  Wir haben fünf verschiedene Händler, die um diese Paletten bieten. Das Spannende daran ist, dass sie nicht wissen, was das für Retouren sind. Alles was sie sehen ist eine große, verhüllte Kiste. Man kann also, wenn überhaupt, nur schemenhaft erkennen, um was für eine Ware es sich handeln könnte. Die Händler haben dann dreißig Sekunden Zeit einen Blick darauf zu werfen und dann geht es los. Meine Aufgabe ist es, die Händler anzuleiten und zu animieren. Ich bin also die Auktionatorin. Nach der Ersteigerung öffnen wir dann die Paletten gemeinsam, um zu schauen, ob es sich für den Händler gelohnt hat oder ob es ein Flop war. In der Folge tauchen wir in die Warenthematik ein um zu sehen, was die Menschen so zurückschicken und auch woher die Sachen kommen. Auch wie und wo die Händler die Retouren weiterverkaufen betrachten wir. Das ist eine komplett eigene Welt in die wir eintauchen und die Zuschauer mitnehmen.  

Das heißt, Sie sind für die Moderation zuständig und bieten nicht selbst mit?

Nein, ich biete nicht mit. Ich sorge dafür, dass da ordentlich Anreize geschaffen werden. Die Händler sind die Menschen, die sich im wahren Leben mit diesem Thema beschäftigen. Da schauen wir drauf. Ich muss aber ehrlicherweise sagen, dass ich mir schon mal was von der ein oder anderen Palette genommen habe. Lacht. Da sind schöne Sachen dabei. Es hat mich schon auch gereizt mitzubieten, aber das ist leider nicht Sinn der Sendung. Lacht. Ich habe das Feld dann also doch den anderen überlassen.

Also die Händler sind keine Personen, die wir aus den Medien kennen?

Nein.

Welche Beträge werden da gehandelt?

Alles ist möglich. Man weiß nicht, ob man die Katze aus Gold oder aus Pappmaschee bekommt. Das ist der Unterschied zur klassischen Versteigerung. Man kann also gespannt sein.  

Das kennt man von Flughäfen mit lange liegengebliebenen Koffern.

Ja, genau.

Das Onlinegeschäft hat sich in der Pandemie noch verstärkt. Was halten Sie persönlich davon?

Ich persönlich bin der Mensch, der gerne Menschen sieht. Ich fasse auch gerne die Ware an. Haptik ist mir wichtig. Auch möchte ich die Farben sehen und beispielsweise Kleidung vor dem Kauf anprobieren. Ich bin also nicht die klassische Online Shopperin. Aber es kommt durchaus schon auch vor, dass ich mal was online bestelle. Wir sind ein bequemes Land und nutzen eben auch diese Angebote. Aber ich finde es schon immer auch ein bisschen schwierig, den Überblick zu behalten. Es wird uns einfach gemacht mit dem kostenfreien Rückgaberecht beispielsweise. Mich würde es freuen, wenn wir mit der Sendung einen Impuls geben könnten. Gerade in Bezug auf den Nachhaltigkeitsgedanken.

Unterstützung der kleinen Geschäfte und regionalen Boutiquen….

Ja, und dann haben wir noch die große Problematik mit dem Umweltschutz. Ich finde durch die ganzen Lieferdienste hat sich auch das Stadtbild verändert. Dann die Staus, der CO2 Ausstoß…. Andererseits schafft der Onlinemarkt auch Arbeitsplätze. Wenn wir alle nur ein paar weniger Pakete bestellen würden, hätten wir schon was erreicht.

Meine nächste Frage liegt ja etwas auf der Hand. Darf ich Sie fragen, was Sie für ein Auto fahren?

Einen Mini?

Ja, genau. Wir haben aber mehrere Autos. Vom voll-elektrischen Auto über den Hybrid bis zu einem Oldtimer. Mein Mann und ich sind beide im Autoverkauf. Es ist uns  aber auch generell wichtig, dass wir uns umweltbewusst verhalten und auch  an weiteren Stellen nachhaltig leben. 

Hören Sie Musik beim Auto fahren?

Ich bin ehrlich gesagt der klassische Radiohörer. Ich telefoniere aber auch sehr viel, wenn ich Auto fahre.

Bevorzugen Sie ein bestimmtes Musikgenre?

Abends höre ich gerne klassische Musik. Ich liebe auch Oldies. Dadurch, dass wir eine Kneipe hatten und so viele deutsche Schlager gespielt wurden, höre ich auch gerne diese Musik. Als Jugendliche habe ich House Music gehört. Je nach Stimmung gibt’s auch mal Pop aber auch ruhige Musik tut oft gut. Ich kann also sagen, dass ich ein bunter Vogel bin. Lacht.

Wenn Sie die Wahl hätten, am frühen Morgen durch eine wunderschöne Naturlandschaft zu fahren oder nachts durch die Stadt… was würden Sie bevorzugen?

Morgens die Landschaft. Abends sehe ich wie ein Maulwurf. Da bin ich ganz nah am Lenkrad. Ich entscheide mich also für die Landschaft. Ich wohne selbst im bergischen Land. Ich liebe diese Landschaft.

Reisen Sie gerne und haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Ehrlich gesagt, sind meine liebsten Reiseziele in Europa weil man da schnell ist und lecker essen kann. Und, es sind nette Menschen da. Man muss also gar nicht so weit weg. Und ich würde gerne mal nach Australien, aber das werde ich bestimmt in naher Zukunft machen.


Liebe Frau Petridou, vielen Dank, für das schöne Interview. Viel Erfolg und Spaß für das neue Format.







'Ich verstehe die Faszination für den Tango'

Tim Bergmann

Fotoausschnitt: ZDF Hagen Keller




„Muttertag – Ein Taunuskrimi“

Die beiden Taunus-Ermittler Graf Oliver von Bodenstein und Pia Sander werden in ihrem neuen Fall mit einem Serienmörder konfrontiert, der seine Opfer immer an Muttertag tötet.

ZDF Zweiteiler - Montag, 14. Februar und Mittwoch, 16. Februar, jeweils 20.15 Uhr - ab Montag, 7. Februar 2022 in der ZDFMediathek



Im Gespräch mit Tim Bergmann

Marion Graeber im Januar 2022


Hallo Herr Bergmann, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich.

Sehr gerne.

Sind Sie derzeit in München?

Ich bin in München, ja, noch. Nächste Woche breche ich zu Dreharbeiten nach Thailand auf.

Ich habe gelesen, dass die Dreharbeiten für den Taunuskrimi „Muttertag“ im Taunus aber auch in

München und Umgebung stattgefunden haben. Stimmt das?

Das ist richtig. Die eigentliche Geschichte des Buchs spielt zum großen Teil im Taunus, genau wie bei den vorigen Fällen. Dass auch in München gedreht wurde, war in der Tat vor allem Corona geschuldet. Es wurde aber natürlich auch im Taunus sehr viel gedreht, sodass der Zuschauer keinen Unterschied zwischen den Drehorten und Motiven bemerken wird.

Wann waren die Dreharbeiten?

Wir haben im April 2021 angefangen. Im Juli waren wir fertig.

Dreht man einen Zweiteiler am Stück?

Ja, der Aufwand ist im Prinzip das Doppelte eines normalen Fernsehfilms. Er ist ja auch am Ende doppelt so lang.

Zirka 45 Tage? Ist vielleicht der Vorteil, dass man gut im Thema bleibt?

Es ist eigentlich nicht so ausschlaggebend, ob es 25, 30 oder über 40 Drehtage sind. Viel wichtiger ist, dass wir mit den 180 Minuten, die Möglichkeit für einen größeren Raum haben, um dem Werk von Nele Neuhaus gerecht zu werden. Hinzu kommt, dass sich die Sehgewohnheiten der Zuschauer:innen unter anderem durch die Streaming-Dienste verändert haben. Krimis werden mittlerweile gerne als Miniserie, oder auch als Serie über mehrere Staffeln, produziert und konsumiert. Insofern bin ich froh, dass wir uns nicht in dem knappen Zeitrahmen von 90 Minuten bewegen müssen.

Hat sich die Filmbranche an die Drehbedingungen in Pandemie-Zeiten gewöhnt?

Ja, das würde ich sagen. Es ist natürlich letztendlich nichts, worüber sich die Menschen vor, oder hinter der Kamera freuen, aber wir sind froh, dass wir überhaupt drehen können. Am Anfang der Pandemie stand natürlich alles still. Auch bei uns, in der Filmbranche. Aber dann wurden gute Hygienekonzepte entwickelt, die das Arbeiten wieder möglich gemacht haben. So konnte dann auch in Zeiten des Lockdowns und Teillockdowns weitergearbeitet werden. Das Wichtigste ist, dass es in dem Moment vor der Kamera keinen Unterschied zu früher gibt. Wir können uns uneingeschränkt begegnen, und auch nähern. Wir erzählen ja auch Geschichten, jenseits von Corona, und da ist es natürlich unabdingbar, dass das unter ganz normalen Bedingungen passiert.

Den Taunuskrimi gibt es bereits seit 2013…

Die ersten Dreharbeiten waren 2012. Seitdem sind inklusive „Muttertag“ neun Krimis entstanden.

Wie charakterisieren Sie Ihre Rolle, Oliver von Bodenstein und was bedeutet er Ihnen?

Also, erst einmal muss ich sagen, dass mir Oliver insofern sehr viel bedeutet, weil er mich so lange schon begleitet, und ich ihm relativ viel Lebenszeit widme. (lacht)  Das mache ich wirklich sehr gerne. Es ist ein Geschenk, dass man mit einer Figur soviel Zeit verbringt, und auch mit ihr älter wird. Unabhängig vom Genre, von der Art der Rolle, ist es immer ein vielschichtiges und komplexes Unterfangen, einen Charakter zu verkörpern und zu spielen. An Oliver von Bodenstein fällt natürlich erst einmal sein „von“ auf. Als Adliger ist es sicher nicht üblich zur Polizei zu gehen. Die Wahl seines Berufes, hat sicher Unverständnis und Vorwürfe seitens seiner Familie ausgelöst. Insofern braucht man grundsätzlich Selbstbewusstsein, um dem Stand halten zu können. Von Bodenstein ist ein sehr pflichtbewusster und verantwortungsvoller Mensch und er geht seinen Weg aus Überzeugung. In der Leitungsfunktion sieht er sich ganz selbstverständlich, jedoch ohne seine Kolleginnen und Kollegen diese Hierarchie spüren zu lassen. Ich glaube, er begrüßt es vor allem, mit Pia sehr vertraut arbeiten zu können, ohne, dass sich die beiden viel auf privater Ebene austauschen müssen. Er geht mit seinen Gefühlen sicher nicht hausieren. Neben seinem Humor, mag ich an ihm, dass er bereit ist, die ein oder andere Grenze zu überschreiten. Bei den Ermittlungen des Taunuskrimi „Im Wald“ ist er ja selbst privat sehr in die Ermittlungen involviert. Jetzt, in „Muttertag“, ist er aufgrund dieser Erfahrung bereit, auch seiner Kollegin Pia, der es nun ähnlich geht, einen gewissen Freiraum zu geben. Er weiß einfach, was es heißt, einen Fall auf dem Tisch zu haben, bei dem es private Berührungspunkte gibt. Neben den offensichtlichen Eigenschaften, gibt es aber immer einen großen Raum an Dingen, die man gar nicht so benennen kann. Wenn ich eine Rolle spiele, treffe ich nicht in jeder Sekunde, nicht auf allen Ebenen, nur bewusste, sondern vor allem auch unbewusste, instinktive Entscheidungen. Dabei schöpfe ich ganz aus mir selbst. Die Grenze zwischen meinem Charakter, und dem der Rolle, ist dabei fließend.

Der „Taunuskrimi - Muttertag“ blickt in menschliche Abgründe. Wie können Sie Abstand wahren? Wie entspannen?

Das ist gerade das Reizvolle, dass man sich als Schauspieler diesen Themen widmen kann. Den menschlichen Abgründen und hier, bei „Muttertag“, nochmal speziell dem Phänomen „Serienmörder“. Ein Verbrechen das wir Gott sei Dank eher selten sehen. Aber es kommt natürlich vor. Ein Serienmörder war vielleicht Jahre oder Jahrzehnte ein lieber Nachbar, ein Familienmitglied, ohne aufzufallen. Und auf einmal wird klar, was für ein Grauen in unmittelbarer Nähe stattgefunden hat. Das ist faszinierend und abstoßend zugleich. Ich habe sehr nachvollziehen können, was Nele Neuhaus an so einer Geschichte faszinierend fand, und mir war klar, dass so ein komplexer Fall, gerade für eine Verfilmung, eine wunderbare Vorlage bietet. Ich finde, das sieht man dem Ergebnis auch an. Und um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich muss gar nicht groß Abstand nehmen, weil ich das sehr genau zu trennen weiß. Und tatsächlich macht es, wie gesagt Freude, sich diesen Abgründen zu widmen. Das ist eben das Tolle an diesem Beruf. Das Geschenk. Man kann sich als Schauspieler in verschiedene Leben begeben, weit jenseits des eigenen privaten Raums.

Der Taunuskrimi ist packend bis zum Schluss. Ich finde es auch toll, dass man die Anfangsszene erst zum Schluss auflöst…

Unbedingt. Das war eine sehr kluge Entscheidung.

In „Muttertag“ finden immer wieder Rückblenden statt. Diese werden mit der passenden Filmmusik untermalt….

Das ist wunderbar, nicht wahr?! Im Hinblick auf die Musikrechte, sind solche bekannten Stücke ja manchmal nicht ganz einfach. Insofern bin ich sehr froh, dass es geklappt hat. Das ist künstlerisch sehr gut gelungen und erweitert das Erleben der Szenen ungemein.

Was ist Ihr persönlich liebstes Musikgenre?

Das war immer schon unterschiedlich. Ich spiele privat Geige und Bratsche. Hab in Orchestern gespielt. So bin ich der klassischen Musik nahe. Ich spiele aber auch Saxophon und habe insofern auch mit Jazz zu tun. Generell begrüße ich unbedingt die musikalische Vielfalt.

Je nach Stimmung?

Absolut.

Darf ich Sie zum Schluss noch fragen, ob Sie Tango Argentino tanzen und ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Den einen Sehnsuchtsort habe ich nicht. Aber natürlich gibt es Urlaubsorte, die ich schon öfter bereist habe. Mit dem ja sehr faszinierenden  Tango habe ich ein paar Berührungspunkte gehabt, jedoch noch nicht so sehr vor der Kamera. Leider. Meine Frau ist Choreographin und Tänzerin – insofern ergeben sich also Berührungspunkte mit dem Tanz im Allgemeinen auf vielen Ebenen. Spätestens, wenn wir zusammen arbeiten. Ich war schon fünf mal in ihren Tanztheater-Produktionen, als Schauspieler, Teil ihres Ensembles. Ich finde aber auch andere Tänze sehr reizvoll. Auf der Schauspielschule haben wir zum Beispiel historische Tänze und ihre Epochen beleuchtet. Auch der Tango war dabei, und Tänze aus der Renaissance. Die „Pavane“ zum Beispiel. Durch die Erarbeitung erschließt sich die Welt der Renaissance körperlich. So ist ein Tanz der unmittelbare Schlüssel zu einer Kultur, den Menschen und der Zeit.



Vielen, lieben Dank für das schöne Gespräch, Herr Bergmann. Ich hab mich sehr gefreut. Danke.   





'Mich reizt die Zerrissenheit meiner Figur Karl, wie er sich arrangiert und in kleinen Schritten

für das Gute im Schlechten kämpft'

Matthias Lier


Foto: Ovid Film



Die "Endjährigkeit" wird eingeführt – die Zwangssterbehilfe ab 80 –, gerade als der hochbetagte Milo bei seinem Sohn Karl einzieht. Bald wird auch Milo 80. Eine scheinbar aussichtslose Situation, die das zerrüttete Verhältnis der beiden auf eine letzte Probe stellt.

Karl arbeitet in einer Kreisleitstelle des BJD, "Bündnis Jungbrunnen Deutschland", das die Macht im Staat übernommen hat. Es hat sich der radikalen Verjüngung des überalterten Landes verschrieben. Karl berät junge Paare bei der massiv geförderten Familienplanung. Das ist die scheinbar schöne Seite der neuen Politik.

Die Kehrseite sind immer drastischere Kürzungen von Renten und Sozialleistungen für alte Menschen. Kosten für Medikamente oder Operationen werden kaum noch übernommen, Sterbehilfe funktioniert beinahe auf Zuruf. Je älter ein Mensch wird, desto weniger ist er wert für das verarmte und desolate Land.

Als Milo nicht mehr weiß, wie er bei gekürzter Rente und gekündigter Wohnung überleben soll, taucht er bei Karl auf. Er ist durch seine Arthritis pflegebedürftig, seine Gelenke müssen regelmäßig gespritzt werden. Bald appelliert er an seinen Sohn, mit ihm vor dem Irrsinn des BJD-Systems zu fliehen. Karl willigt schließlich ein, und zusammen bereiten sie die Flucht vor: nach Schweden – von der Küste über das Meer.

Bei der Arbeit in der Behörde versucht Karl, an nützliche Informationen für das riskante Vorhaben zu kommen. Dabei wird seine Chefin Lena, die fest hinter dem BJD steht, auf Karl aufmerksam. Lena ist schon Mitte 30 und müsste laut der herrschenden Doktrin längst Kinder haben. Immer mehr scheint sie Karl als möglichen Partner und Kindsvater zu sehen, scheint sich sogar in ihn zu verlieben. Da Karl hofft, Lenas Einfluss und Kontakte nutzen zu können, um die Flucht möglich zu machen, lässt er sich auf ein gefährliches Spiel ein.




Was sagst du zum Drehbuch, zur Geschichte?

Als ich das Drehbuch das erste Mal in der Hand hatte dachte ich: Wow. Der Film spielt im Deutschland 2050, in dem aufgrund einiger globalen Katastrophen beginnend in den 2020er Jahren die soziale Ordnung zusammengebrochen ist. Das Bündnis Jungbrunnen hat die Macht übernommen und versucht die total überalterte Gesellschaft zu stabilisieren. Im Juli 2019, als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand gehalten habe, war das für mich eine wunderbar fremde Welt in die ich eintauchen wollte. Eine richtige Geschichte mit Fantasie, obwohl mir von anfang an die Prisanz des Thema Jung gegen Alt bewusst war und ich mir als Künstler ohnehin regelmäßig Gedanken zu meiner Rente und dem Älterwerden mache.  Ich musste erst Mal das Wort Triage nachschlagen. Kurz nach Drehschluss kam Corona, und die Filmwelt wurde auf absurde Weise real.

Was reizt dich an der Figur, welche du verkörperst?

Mich reizt die Zerrissenheit meiner Figur Karl, der sich als Mitarbeiter des Bündnis Jungbrunnen in seiner dystopischen Welt im Deutschland 2050 eingerichtet hat, sich arrangiert und in kleinen Schritten für das Gute im Schlechten kämpft - das erinnert mich ein bisschen an die DDR, in der ich groß geworden bin - bis sein abtrünniger Vater aus dem Nichts auftaucht, und ihn vor das Dilemma stellt, sich selbst und alles was ihn ausmachtaufzugeben, um ihn zu retten, den Vater der nie da war.

Wo und wann wurde der Film gedreht?

Wir haben Endjährig fast ausschließlich in der Stuttgarter Umgebung gedreht, in Fellbach, Esslingen, Nürtingen. Einen wichtigen Drehort kann ich nicht nennen, dann würde ich Spoilern.  Der Dreh begann im September 2019 und endete im Februar 2020, ein Monat vorm realen Lockdown. Ich kannte die ganzen Gefühle da bereits schon aus dem Film, es war fast wie ein déjà vu für mich, aber es war gruselig zu begreifen, dass der Film plötzlich Realität wurde und keine letzte Klappe fallen wird.



Dank dir, Matthias







'Ich höre sehr gerne französische Musik'

Frank-Markus Barwasser

Foto: Erwin Pelzig (c) ZDF/Cathy Guilleux



Im Gespräch mit Frank-Markus Barwasser „Beim Pelzig auf der Bank“ (3sat)

Marion Graeber /November 21


Die Coronakrise, die Demokratie, das Leben – alles nervt? Für das dreiteilige Roadmovie-Doku-Talkformat „Beim Pelzig auf der Bank“ ab Mittwoch, 1. Dezember 2021, 20.15 Uhr in 3sat, lädt Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig zu Gespräch und Getränk auf seine „Freundschaftsbank“ ein. Abgeschaut hat er sich die Idee aus Simbabwe. Dort gibt es sogenannte Freundschaftsbänke, auf denen psychologisch geschulte Frauen die Sorgen der Mitmenschen anhören und Ratschläge geben. Marktplatz, Werkstore oder Wohnviertel – wo Erwin Pelzig sein mobiles „Sprechzimmer“ aufbaut, kann sich jede und jeder zu ihm setzen. Auch prominente und nicht prominente Expertinnen und Experten bittet Pelzig auf die Bank. Mit dabei unter anderen Soziologe Harald Welzer und Theologin und Pfarrerin Margot Käßmann.



Hallo Herr Barwasser, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich.

Sehr gerne.

Wo erreiche ich Sie gerade

Ich bin zuhause in Mainz.

Mit „Beim Pelzig auf der Bank“ waren Sie auf Deutschlandtour. Wie kann ich mir das vorstellen? Wo haben Sie Ihre Tour begonnen, wie viele Kilometer haben Sie zurückgelegt und wie viele Stationen gab es? 

Wir waren in acht Städten, in Berlin, München, Köln, Bonn, Dortmund, Duisburg, Ahaus und in der Uckermark. Ich hatte ein Fahrrad dabei, an dem eine klappbare Bank  hing., Alles natürlich coronakonform. Dort habe ich dann meine Gespräche geführt. Die Grundidee stammt von einem Psychater aus Simbabwe. Der hat sogenannte Freundschaftsbänke aufstellen lassen. Darauf sitzen psychologisch geschulte ältere Frauen, die Menschen mit Problemen zuhören und sie beraten. Diese Idee hat mir sehr gut gefallen und ich dachte „Mensch, Pelzig, alle chatten, posten und bloggen aber keiner hört zu. Jetzt ist es Zeit zuzuhören“. Auf meiner Bank.

War das Ihre Idee? 

Wie gesagt, adaptiert aus Simbabwe. Ich hatte ungeplante und auch geplante Begegnungen. Manches ergab sich, weil mich, Menschen erkannt haben. Also den Pelzig , nicht mich. Richtig verabredet war ich aber auch. Zum Beispiel mit Harald Lesch, Harald Welzer oder Margot Käßmann.

Es gibt aber auch Zufallsbegegnungen? 

Klar, da hätte ich mir gerne noch ein paar mehr gewünscht aber wir hatten leider eine begrenzte Drehzeit. Aber ob zufällig oder nicht, es gab keine Vorgespräche mit mir.

Also kein Skript? 

Nein. Bei niemandem.

Wie lange dauerten die einzelnen Gespräche? 

Manchmal bis zu 40 Minuten. Das war dann auch die Kunst im Schnitt, daraus fünf bis sechs  Minuten zu bauen. Leider haben wir nicht alles untergebracht. Ich bin ja nicht nur auf der Bank gesessen sondern habe beispielsweise auch das  Futurium in Berlin besucht oder das Fraunhofer Institut in Bonn. Mit Margot Käßmann saß ich in der  Berliner Gedächtniskirche und wir haben über Unsterblichkeit gesprochen. Zwischen den Gesprächen wird es in den Filmen dann auch sogenannte Wissensinseln geben, auf denen Informationen vermittelt werden.

Was waren die Kernthemen? 

Drei Folgen, drei Themen: Corona, Demokratie und Zukunft. Letzteres unter Berücksichtigung des digitalen Aspekts.

Können Sie sagen, welches der Themen das dringlichste war

Das läßt sich nicht so einfach beschreiben. Alles hat ja irgendwie mit allem zu tun hat. Was mich stark umtreibt ist die Zukunft der Demokratie. Es gibt eine Studie der Universität Cambridge die besagt, dass die Mehrheit der weltweit unter 30jährigen nicht mehr restlos  von der Idee der Demokratie überzeugt ist. Das beschäftigt mich schon sehr . Ein Gespräch dazu fand mit dem Politikwissenschaftler Hans Lietzmann statt im ehemaligen Arbeitszimmer von Konrad Adenauer in Rhöndorf bei Bonn. Oder großartig auch das Interview mit Suat Yilmaz. Toller Mann. Der kämpft in Dortmund für junge Menschen aus sogenannten Problemvierteln, will sie für Demokratie und Grundgesetz begeistern. Das hat mich schwer beeindruckt. Dieses Wohlwollen, Wohlwollen im allerbesten Sinne des Wortes.. Das Gegenteil zu Hass und Aggression, was durch Corona ja noch verstärkt worden ist. Ja, die Demokratie steht als Idee ziemlich unter Druck und das ja auch zu Recht angesichts der Widersprüche und Ungerechtigkeiten, die sie in der Praxis  zuläßt. 

Wenn Sie sich als Gast auf das Bänkchen gesetzt hätten, was wäre Ihr Thema gewesen? 

Der Zustand der Demokratie. Anspruch und Wirklichkeit. 

Gibt es etwas, was Sie besonders  berührt hat auf Ihrer Tour? 

Ich war in Duisburg an einer Gesamtschule. Die unterrichten dort das Fach 'Glück'. Dabei geht es darum, Jugendlichen Dinge zu vermitteln, die in den klassischen Schulfächern eher nicht vorkommen. Ziele zu setzen, Ziele zu erreichen. Trial and error. Nicht aufgeben, herausfinden, was ich will und was nicht. Kommunizieren können. Das alles hat ja auch mit Demokratie zu tun und es  ist gut, diesen Jugendlichen zu helfen, die eigene Persönlichkeit zu finden. Das  Engagement der Kinder und Lehrerinnen fand ich schwer beeindruckend. Meine Güte, arme Stadt, arme Schule. Da ist kein Geld da, um mal ein paar  Blumen in die Kübel zu pflanzen, aber sie bauen an einer Vision von Glück. Hat mich sehr berührt. Dieses  Wohlwollen tut auch insofern gut, weil wir die Hasser und Hetzer viel stärker wahrnehmen. Da fällt alles andere zu leicht hinten runter. Insofern war es auch ermutigend zu erleben, dass es eine ganze Reihe von Menschen gibt, die nicht nur reden. Sondern machen.

Reden ist wichtig aber man braucht auch manchmal Abstand zu Dingen. Was hilft Ihnen da? Vielleicht Musik? 

Mir hilft Musik und mir hilft die Nacht. Ich bin sehr gern in der Nacht alleine. Ich sitze in meinem Arbeitszimmer und ja, ich höre Musik, denke aber auch nach oder lese. Ich mag das sehr gerne. Ich kann mich da in mir selbst verlieren.

Wie lange sind Sie wach? 

Ich liebe es, die Sonne aufgehen zu sehen. Wenn Sie mich lassen, halte ich lange durch. Aber ich hab einen fünfjährigen Jungen – die Vernunft bringt mich also dann doch immer rechtzeitig ins Bett.

Welches Musikgenre mögen Sie? 

Das ist stimmungsabhängig. Klassik, Pop, Weltmusik, kunterbunt. Nach wie vor  hänge ich besonders an der Musik meiner Jugend. Bob Dylan ist da ganz vorne. Da bin ich wohl ein bißchen stehen geblieben. Was ich auch besonders mag, ist die französische Musikszene.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben? 

Ich habe seit 20 Jahren ein zweites Standbein in Frankreich an der Atlantikküste. Das ist ein echter Sehnsuchtsort. Vor fünf Jahren bin ich ja aus privaten Gründen von Bayern nach Mainz gezogen. Das Mittelrheintal ist schön, obwohl dort viele eigentlich hübsche Orte noch immer den muffigen Charme der 50er Jahre ausstrahlen. Aber die Leute sind freundlich und entspannt. Ich bin hier gut angekommen, aber Bayern kenne ich Tournee bedingt wie meine Westentasche, die Menschen, die Dialekte, die Eigenarten. Diese Vertrautheit vermisse ich manchmal schon.

Vielen Dank, lieber Herr Barwasser für das schöne Gespräch





'Rockmusik mag ich sehr gerne'

Marcus Mittermeier

Foto: ZDF Jürgen Olczyk





Im Gespräch mit Marcus Mittermeier

'Die Welt steht still'

ZDF Montag, 15. November 2021 20.15 Uhr

Das Drama von Regisseur Anno Saul erzählt den fiktiven Stoff der preisgekrönten Autorin Dorothee Schön über eine Ärztin in der Coronakrise: Als die Bilder aus Bergamo um die Welt gehen, steht das Leben der Konstanzer Intensivmedizinerin Dr. Caroline Mellau (Natalia Wörner) Kopf. Caroline wird Mitglied des Klinikkrisenstabs und ist rund um die Uhr im Einsatz. Gleichzeitig sitzt ihr Mann Stefan (Marcus Mittermeier) als Musiker von einem Tag auf den anderen ohne Einkommen zu Hause, die Kinder können nicht in die Schule gehen. Dorothee Schön hat für den Film intensiv bei Klinikpersonal recherchiert, ihre eigene Tochter ist Intensivmedizinerin.


Unser Gespräch haben wir Mitte Oktober am Telefon geführt

Marion Graeber




Hallo Herr Mittermeier, ich freue mich, dass Sie Zeit für mich haben. Vielen Dank.

Ich danke Ihnen.

Sind Sie gerade zuhause in Bayern?

Ja, ich bin zuhause und bereite mich gerade auf die neuen Folgen 'München Mord' vor, die seit Oktober wieder gedreht werden.

Für 'Die Welt steht still' führte Sie Ihr Weg nach Konstanz. Wann und wie lange haben die Dreharbeiten angedauert?

Wir haben den Film genau ein Jahr nach dem historischen Zeitpunkt gedreht - also, nachdem die pandemische Lage über Deutschland kam. Wir waren für die Dreharbeiten im März 2021 für zehn Tage in Konstanz.

Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Phase der Pandemie in Verbindung mit den Dreharbeiten zum Film 'Die Welt steht still' gemacht?

Man muss sich das so vorstellen: Im März 2020 wurden alle Dreharbeiten in ganz Deutschland unterbrochen. Alles wurde stillgelegt. Die Produzenten, die Gewerkschaften etc setzten sich dann gemeinsam an einen Tisch und haben Hygiene-Konzepte erarbeitet. Diese Hygiene-Konzepte gelten bis zum heutigen Tag. Als die Dreharbeiten dann im Juni 2020 wieder aufgenommen wurden, wurde mit Testungen, Masken und Desinfektion am Set gearbeitet. Das ist bis heute so. Auch die kommenden Filme, die ich drehen werde, werden so stattfinden. Wir fühlen uns wahnsinnig sicher beim Dreh. Wir leben während der Dreharbeiten wie in einer 'Bubble'. Wir leben zusammen und haben im Prinzip kaum Kontakt zur Außenwelt. Man bewegt sich in dieser Zeit anders. Wir machen natürlich schon auch mal einen Spaziergang durch die Stadt aber man geht nicht in eine Kneipe oder in ein Restaurant. Abgesehen davon war das im März 2021 auch nicht möglich. Inhaltlich waren die Dreharbeiten sehr intensiv. Das Gefühl, das alles nochmal zu erleben, was wir im März 2020 erlebt haben, das war schon sehr beeindruckend. Diese Bilder aus Italien nochmal zu sehen: Ärzte, die keine ausreichenden Masken und Schutzkleidung haben – das hat schon sehr stark nachgewirkt.

Der Film hat mich komplett berührt. Inhaltlich und aufgrund der tollen schauspielerischen Leistung.

Vielen Dank.

War es das, was Sie am Film gereizt hat, die vielen verschiedenen Schicksale, all die Themen? ... Natalia Wörner als Intensivmedizinerin. Sie als Musiker mit Existenzängsten. Die Teenie-Tochter mit Liebeskummer. Der Sohn im Homeschooling. Oma im Pflegeheim. Impfgegner, Coronaleugner. Der Zusammenhalt Europas in der Pandemie....

Absolut. Ich suche immer nach Stoffen, die inhaltlich oder für mich als Schauspieler interessant sind. Der zentrale Aspekt dieses Projekts war für mich, dass da ein historischer Moment in unser aller Leben verfilmt wurde. Ich bin gespannt, wie die Zuschauer den Film aufnehmen werden. Über nichts wurde in der vergangenen Zeit so viel geredet wie über Corona. Der ein oder andere wird vielleicht sagen, dass er damit jetzt nichts mehr zu tun haben möchte.  Wer ihn aber sieht, der wird ihn mögen. Es ist einfach so, dass wir mit diesem Film ein Zeitzeugnis geschaffen haben. Ich erinnere mich an den Podcast von Drosten, wie er alles so wahnsinnig genau vorausgesagt hat. Diese einzelnen Schritte – das spiegelt der Film mit all der einhergehenden Problematik sehr gut wider. Sie sprachen das Altersheim an, wie sich Familien nicht mehr begegnen, sich nicht mehr umarmen, nicht einmal mehr anfassen durften – das war alles so, als würde man das nochmal durchleben.

Ihre Rolle als Musiker,  Künstler – wie beschreiben Sie selbst Ihren Charakter?

Ehrlich gesagt, wir Fernsehschauspieler haben es relativ gut erwischt. Wir sind kaum betroffen gewesen. Wir hatten nur den Break im vergangenen Jahr und nach der Erarbeitung der Hygiene-Konzepte konnten wir wieder weiterarbeiten. Anders erging es da den Musikern und den Theaterschauspielern. Und keiner wusste, wie lange das geht. Ob daraus überhaupt ein kontrollierbarer Zustand werden würde. Auch wusste keiner, wie sich die medizinische Lage entwickelt. Medikamente, Impfstoff und so weiter. Für viele Künstler war das eine sehr harte Zeit. Man muss aber auch sagen, dass die Situation für alle neu war. Auch für die Regierung.

Was denken Sie, was hat das mit den Menschen gemacht – gerade in Bezug auf Zusammenhalt, Empathie, gegenseitige Unterstützung ... ?

Da sprechen Sie etwas entscheidendes an. Ich glaube, dass die Mehrheit gesehen hat, dass wir wieder auf uns als Gesellschaft achten und uns auch um die Schwächeren kümmern müssen. Wenn Corona was gebracht hat dann, dass das Thema Solidarität etwas ganz wichtiges sein muss. Auch für weitere Krisen, beispielsweise die Klimakrise. Wir müssen da Lösungen finden, wie wir den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken können.

Hat sich der Blick auf Kunst und Kultur in der Krise geändert? Wie denken Sie darüber?

Das wäre zu hoffen. Ich hoffe, dass die Leute wieder zurückkommen. Das wird man sehen, wenn die Theater wieder voll öffnen.

Sie spielen im Film die Oboe. Was ist Ihr Lieblingsinstrument?

Ich spiele selbst leider kein Musikinstrument aber ich mag das Klavier sehr gerne. Wir haben auch eines hier stehen. Leider spielt keiner drauf. Lächelt. Ich hab aber das Gefühl, dass ich das nochmal lernen muss. Ich hatte bisher nur noch nicht die Gelegenheit. Was ich sicher weiß, dass ich die Oboe nicht erlernen werde. Das ist so ein schwieriges Instrument. Ich hatte einen Trainer, keinen Lehrer, weil ich nicht das Oboenspiel lernen konnte, sondern trainiert habe, wie es aussieht, wenn man die Oboe spielt. Ich hab mich also im Prinzip für die Nachahmung entschieden. Lächelt.

Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?

Ich mag Rockmusik schon sehr gerne.

Die Impfquote steigt und damit die Möglichkeit am Leben wieder teilzuhaben. Welche Gefühle begleiten Sie auf dem Weg zurück ins soziale Leben?

Ich hab mich sehr stark darum bemüht, eine Impfung zu bekommen. Als die Hausärzte mit den Impfungen angefangen haben, hab ich mich sehr schnell auf eine Liste setzen lassen und als ich dran war, war ich sehr froh. Für mich ist mit der Impfung eine Barriere in Bezug auf Begegnungen gefallen. Sich endlich wieder angstfreier gemeinsam an einen Tisch zu setzen - man weiß eben, dass man besser geschützt ist. Das ist schon eine große Erleichterung und ich kann es auch jedem, der noch nicht geimpft ist raten, das so schnell wie möglich nachzuholen. Nicht nur für die Gesellschaft sondern auch für jeden Einzelnen selbst.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Ich hab vor sieben Jahren einen Film auf Hawaii gedreht. Das klingt jetzt sehr nach Klischee, aber das ist schon wunderschön dort. Da möchte ich gerne wieder hin. Generell sind die Vereinigten Staaten für mich sehr faszinierend. Andererseits waren wir in der Pandemie nun viel im eigenen Land unterwegs. Wir haben wunderschöne Orte kennengelernt. Manchmal muss man also auch gar nicht so weit fahren. Unsere Dreharbeiten haben uns beispielsweise nach Ravensburg und Lüneburg geführt. Wunderschöne Städte.



Ich danke Ihnen lieb, Herr Mittermeier für das tolle Gespräch. Das war schön.






'Ich mag junge Bands, die sich nicht auf ein Genre festlegen lassen'

Christine Eixenberger

Fotoausschnitt: ZDF Susanne Bernhard





Im Gespräch mit Christine Eixenberger

Marion Graeber


"Marie fängt Feuer"


Hallo liebe Frau Eixenberger. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr.

Sehr gerne.

Sind Sie zuhause?

Ja, ich bin gerade zuhause in Bayern.

Die Dreharbeiten zu 'Marie fängt Feuer' finden auch in Bayern statt.

Das ist richtig.

'Marie fängt Feuer' ist ein Heimat- und Familienfilm. Was bedeutet es Ihnen Teil dieses Formats zu sein? Sie sprechen auch Dialekt...

Das stimmt. Auch 'Marie' ab und an im Dialekt sprechen zu lassen, war mir tatsächlich von Anfang an ein Anliegen. Das hab ich schon in den ersten Gesprächen mit der Produktionsfirma zum Thema gemacht. Ich finde Dialekt wichtig, gerade auch im Hinblick auf Authentizität. Man sollte nicht nur unsere schöne bairische Landschaft zeigen, sondern auch den dazugehörigen Dialekt. All das gehört zu Heimat und Identität der Menschen, die hier leben – das macht uns aus. Die Produktion war sehr aufgeschlossen – bis zu einem gewissen Grad. Lacht. Denn, es ist ja schon so, dass wir auch Fans im hohen Norden haben und auch da wollen wir natürlich verstanden sein. Lächelt. Es ist so ein bisschen wie im privaten Bereich – spricht das Gegenüber Hochdeutsch, passt man sich etwas an. Ist man mit der Familie zusammen, rutscht man in den Dialekt. Genau so ist das auch im Film. Das finde ich schön. Heimat- und Familienfilm, das ist 'Marie fängt Feuer'. Es geht über die verschiedenen Folgen hinweg auch sehr um die Familiengeschichte der Reiters. Das kann ich persönlich sehr gut nachvollziehen, denn ich habe auch eine sehr starke Verbundenheit mit meiner Familie. Familie ist das, worauf es im Leben ankommt. Das hat uns nicht zuletzt auch die Corona Krise gezeigt. Die Familie, das sind die Menschen, auf die man sich verlassen kann. Ich weiß, nicht jeder hat dieses Glück, aber Film und Fernsehen hat ja auch immer ein bisschen Vorbildcharakter. Man sollte nicht alles verklären, im Gegenteil: Konflikte sind auch in einer starken Familienkonstellation Gang und Gäbe – aber man sollte immer versuchen, Probleme gemeinsam zu lösen.

Die Themen nehmen Bezug auf das alltägliche Leben…

Wir haben ganz viele Fans, die bereits von Anfang an zuschauen. Viele freuen sich total, dass es weiter geht. Es gibt aber auch Stimmen die sagen, dass sie manche Themen am Sonntagabend nicht sehen wollen. Politik, Tod oder Fremdenhass beispielsweise. Die Folge 'Fremdenhass' fand ich persönlich aber eine ganz wichtige. Und, eigentlich ist es genau an diesem Sendeplatz richtig, diese Dinge zu zeigen. Auch um zu verdeutlichen, dass wir Leute brauchen, die aufstehen und sich für andere einsetzen.

Es geht auch um Rollenbilder…

Ja, das ist auch ein wichtiger Punkt. Beispielsweise, dass Männer auch Schwäche zeigen dürfen. Mehr noch, dass Schwäche zeigen eher eine Stärke ist. So gesehen bei 'Marie fängt Feuer – Schattenhaft'.

Wie beschreiben Sie Ihre Rolle, Ihren Charakter Marie Reiter?

Marie ist einfach eine junge Frau, die wahnsinnig bei sich ist. Die „immer grad raus ist“, wie man bei uns sagt. Sie nimmt nicht oft ein Blatt vor den Mund. Was man ihr manchmal als Übergriff zuschreibt. Lächelt. Aber es ist einfach so, dass sich Marie für ihre Umwelt und ihr Umfeld interessiert. Sie hat ein ständig waches Auge. Sie ist herzlich und humorvoll. Allerdings kümmert sie sich sehr um die Konflikte anderer Leute und schaut auf der privaten Seite auch gern mal weg. Mit der Bürgersprechstunde hat Marie auch ganz klar ihre Passion zum Beruf gemacht. Sie ist ein extrem wacher Geist und ein großer Menschenfreund.

Wie viel Christine Eixenberger ist in Marie Reiter?

Es ist ja so, dass in jedem Charakter, den man spielt, auch ein Stück von einem selbst einfließt. Man braucht auch einfach so einen Punkt wo man an den zu spielenden Charakter anknüpfen kann. Was uns absolut verbindet, das ist die Heimat- und Familienverbundenheit. Auch, dass Marie ihre Passion zum Beruf gemacht hat. Das ist bei mir auch so. Es gibt also verbindende Elemente. Allerdings ist es so, dass ich als Christine Eixenberger Probleme im privaten Bereich extrem schnell lösen möchte. Das ist etwas, was mich von Marie unterscheidet.

Sie sind auch Kabarettistin. Kennen Sie Lampenfieber und was machen Sie dagegen?

Lampenfieber kenne ich. Vor allem jetzt, wo meine Kollegen und ich so lange nicht mehr auf der Bühne vor Publikum auftreten konnten. Ich hatte ja schon ein paar Vorpremieren und da hat sich doch etwas Nervosität eingeschlichen. Die vergangenen eineinhalb Jahre hat einfach die Routine und das Gespür für das Gegenüber gefehlt – klar! Außerdem war ich mir nicht sicher, ob mein Publikum sich, beispielsweise vom Humorverständnis her möglicherweise in eine andere Richtung bewegt hat. Lacht Und, was ich gegen das Lampenfieber mache? Ich halte mich meist schon zehn Minuten vor dem Auftritt in Bühnennähe auf und schaue auch mal durch den Vorhang um zu sehen, wie die Leute so drauf sind. Lächelt. Es kommt auch immer ein bisschen darauf an in welcher Region man auftritt. Da gibt es schon ganz unterschiedliche Mentalitäten auf die man sich dann gerne einstellen möchte. Ich schätze absolut jede Region für ihre Eigenarten und ich freue mich immer auf die Bühne. Diese zehn Minuten vor der Show sind mein persönliches Warm-Up. Und dann mache ich noch eines für das Publikum, damit das auch was davon hat und wir uns ungefähr auf gleicher Temperatur befinden, wenn es dann losgeht. Lacht.

Was haben Sie in der Pandemie vermisst?

Ich habe es schon vermisst, einfach im Café zu sitzen und die Menschen um mich herum anzuschauen. Zu sehen, wie sie sich verhalten, wie sie miteinander sind… Es wird ein interessanter Weg werden, wenn KünstlerInnen und Publikum wieder aufeinandertreffen. Ich dachte ja tatsächlich zwischendurch: „Was ist, wenn Youtube, Facebook und deren Algorithmus meine Leute in eine ganz andere Humorecke verschlagen hat“. Und, ich war auch unsicher, ob ich mich persönlich auf der Bühne überhaupt noch wohlfühlen würde. Aber als ich das erste Mal nach dem Lockdown wieder auf der Bühne stand, hat mich das sofort wieder voll reingezogen. Diese unbändige Freude, dass man sich wieder begegnen, miteinander nachdenken und lachen darf. Ich trage wirklich gerne alle Corona Schutzmaßnahmen mit – die Hauptsache ist, dass wir die Kulturlandschaft ganz schnell wieder beleben dürfen.

In 'Marie fängt Feuer' wird in den neuen Folgen gern auch deutschsprachige Musik eingesetzt. Die Texte passen oft zu den jeweiligen Szenen. Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?

Die Regisseurin, Katrin Schmidt und ich haben uns tatsächlich dafür eingesetzt auch bayerische Interpreten mit in die Folgen einzubeziehen. Das unterstreicht den bairischen und frischen Charakter der Reihe noch ein wenig mehr. Auch ich habe ein Faible für bayerische und österreichische Liedermacher. Doch grundsätzlich bin ich nicht festgelegt auf ein Genre. Mein Vater ist selbst Musiker (Schlagzeug, Gitarre, Vocal), deshalb habe ich schon früh Bryan Adams oder Whitesnake auf Vinyl gehört. Blues mag ich auch sehr gerne und junge Bands, die sich nicht auf ein Genre festlegen lassen, sich ausprobieren. Das finde ich klasse. Ich selbst fange auch gerade wieder an ein bisschen Gitarre zu spielen.

Zur Musik gehört immer auch der Tanz – Tanzen Sie?

Ich tanze gern. Habe beispielsweise Charleston und Lindy Hop Tanzkurse belegt. Auch lateinamerikanische Tänze hab ich gelernt.

Würden Sie lieber einen Spaziergang in der Morgendämmerung machen oder bei Einbruch der Dunkelheit?

Ehrlich gesagt bin ich nicht so der Morgenmensch. Das ist auch der Grund, warum ich ins Kabarett gegangen bin. Länger arbeiten und später in den Tag starten. Also, alles was vor neun Uhr morgens stattfindet ist für mich befremdlich. Da schau ich mir lieber Fotos davon an. Lacht.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Ich wohne und lebe sehr privilegiert in den Alpen und habe eine wunderschöne Landschaft um mich. Was mich sehr interessiert sind die skandinavischen Länder. Vor allem Norwegen. Ich brauche nicht unbedingt den Strand und die Hitze. Ist schon auch schön, aber diese Weite und diese Natur in Norwegen, die in vielerlei Hinsicht noch so unberührt ist – da träume ich mich schon manchmal weg.





Vielen Dank, liebe Frau Eixenberger für das tolle Gespräch. Ich hab mich total gefreut.




'Ich bin sehr in der klassischen Musik verhaftet'

Devid Striesow

Foto: ZDF Jürgen Olczyk




Im Gespräch mit Devid Striesow

Marion Graeber im August 2021



„Für immer Eltern“, Donnerstag, 2. September 2021, 20.15 Uhr, ZDF


Wenn das eigene Kind wieder zu Hause einzieht: Die neuen Pläne des Ehepaars Anja (Anja Schneider) und Michael Wagner (Devid Striesow) sind erstmal vom Tisch, als dessen erwachsener Sohn Niklas (Max Schimmelpfennig) plötzlich sein Kinderzimmer zurückfordert. Doch die neue, alte Konstellation hat auch Reizvolles. Die Familie rückt wieder zusammen.


Hallo Herr Striesow - vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr.

Ich freue mich auch.

Sind Sie in Berlin?

Ja, ich lebe in Berlin.

Sie sind auf Rügen geboren. Sehen Sie sich als Stadt- oder Naturmenschen?

Ich muss sagen, dass ich eher Landmensch bin.

Ich frage das deshalb, weil Sie im Film „Für immer Eltern“ als Michael Wagner (Ihre Rolle) aus der ländlichen Region in die Stadt ziehen. Dort beginnt für Sie und Ihre Frau Anja (Anja Schneider) ein ganz neues Leben. Eines mit neuen Freiheiten aber auch mit Problemen und Herausforderungen. Denn, nicht nur der Wohnraum ist ein anderer, auch die Kinder sind alle aus dem Haus. Das Ehepaar fällt wieder auf die Ursprungssituation zurück – auf sich als Paar.

Ein Problem würde ich das nicht nennen. Aber, es kann schon sein, dass man als Eltern in ein Loch fallen kann, wenn die Kinder ausziehen um ihrer Wege zu gehen. Ich persönlich hätte jetzt keine Probleme damit, meine Zeit wieder frei zu gestalten. Das ist für mich unproblematisch.

Über die Familienzeit gehen oft eigene Hobbys verloren…

Ja, das sehe ich positiv. Man kann auch immer nochmal neu anfangen.

In „Für immer Eltern“ zieht Sohn Niklas wieder zu den Eltern. Anja und Michael verfallen in alte Muster…

Ich denke, als Eltern kümmert man sich ein Leben lang um die eigenen Kinder. Es muss ja nicht sein, dass sie wieder bei den Eltern einziehen. Aber ich finde und glaube schon, dass sich Eltern immer mit den Kindern verbunden fühlen. Und, in alte Muster zurückfallen kann man auch wenn man, beispielsweise auf „alte Freunde“ trifft. Ich glaube eher, dass die Problematik im Film daher rührt, dass der Wohnraum knapp ist. Es gibt zu wenig Wohnraum und viele Wohnungen sind einfach zu teuer. Das sieht man auch in der Szene, als Niklas mit seinem Vater zu einer Wohnungsbesichtigung geht. Niklas, der Sohn versucht was eigenes zu bekommen, doch es ist eigentlich fast unmöglich. Der Film spielt in München, aber ich kenne das auch aus Berlin. Entweder man bekommt keine Wohnung, weil kaum welche auf dem Markt sind. Oder die Wohnungen die auf dem Markt sind, kann man sich nicht leisten. Im Film ist der Sohn aus seinem WG Zimmer rausgeflogen. Auch wenn das so nicht passiert, sind ja oft selbst die WG Zimmer zu teuer.

Ein aktuelles Thema. Dazu kommt, dass viele junge Menschen heutzutage durch die Pandemie (Jobverlust, Kurzarbeitergeld…. ) gar nicht zuhause ausziehen können, oder wieder zu den Eltern zurückkehren müssen.

Das stimmt absolut. Ich kenne einige, die Berlin, manchmal auch das Land, verlassen. Manche ziehen viele Kilometer weit raus in eine andere Gegend. Andere arbeiten jetzt in der Krise von zu Hause aus. Sie brauchen nur ihren Laptop und können von überall aus arbeiten. Manche ziehen nach Portugal oder in die Staaten.

Es heißt, dass Kinder heutzutage oft auch etwas in „Watte gepackt“ und behütet werden. Sehen Sie das auch so?

Behütet ist ja in Ordnung.

Sie sind früh von zuhause ausgezogen. Was für eine Erfahrung haben Sie gemacht?

Mir hat das sehr gut getan, schnell von zuhause auszuziehen. Behütet sein ist meines Erachtens aber nochmal etwas anderes. Meine Kinder werden liebevoll umsorgt und das heißt, dass man sich um sie kümmert. Man weist sie aber auch darauf hin, wie es läuft, wenn sie mal ausziehen und selbstständig werden. Kinder sollen sich ausprobieren können und viel dürfen – das liegt für mich in der Natur der Dinge. Früher wurden sich die Kinder oft selbst überlassen und sie mussten vieles selbst herausfinden. So allgemein kann man das also nicht benennen. In der DDR war das damals so, dass beide Elternteile gearbeitet haben. Kinder waren lange in der Krippe und im Kindergarten. Auch heute sind viele Eltern beruflich stark eingebunden. Aber das muss jeder für sich selbst klar bekommen, wie viel Zeit für's Kind möglich ist. Ich hab jedenfalls meine Kinder am liebsten alle um mich … und dann wird das immer sehr lustig.

Dann sind Sie Familienmensch…

Ja, klar. Am besten ist, wenn alle beisammen sind. Lächelt.

Ihre Filmfrau Anja fordert mehr Zeit für sich. Bereitet den Auszug aus dem gemeinsamen Schlafzimmer vor. Sie braucht Zeit für sich. Wie sehen Sie das Thema „Individuum im Familienverbund“?

Das ist auch eine Sache, wie man sich seine Zeit organisiert. Natürlich muss man bestimmte Dinge im Beruf vorbereiten. Ich, als Schauspieler muss beispielsweise Recherche betreiben, mich mit Literatur auseinandersetzen, usw. Ich bereite mich vor, bevor ich an Set gehe. Ich kann viele Dinge nicht erst am Set klären. Dafür muss ich meine Zeit organisieren.

Quasi einen eigenen Raum geben…

Ja, auch in einem Zimmer, wo ich gegebenenfalls auch mal abschließen kann. Da sind wir dann wieder bei der Wohnraumsituation und bei den Wohnraumpreisen. Ich kenne Eltern, die mit Kopfhörern am Tisch arbeiten, damit die Kinder, die sich im gleichen Raum aufhalten, spielen können.

Auch etwas, was Familien unter Corona herausfordert…

Hut ab vor den Familien, die das alles unter einen Hut bringen mussten. Da kenne ich Geschichten…. Beispielsweise die von einem Vater, der im unteren Bett des Stockbetts mit seinem Laptop sitzt und arbeitet. Der Wahnsinn…..

Und, wenn dann in der Familie noch Musikinstrumente gespielt werden, wird es noch schwieriger. Ich habe gelesen, Sie haben Geige gespielt. Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?

Ich bin schon sehr in der klassischen Musik verhaftet.


Anmerkung

Klassik drastisch: Lippenbekenntnisse zweier Musik-Nerds

Buch von Devid Striesow und Axel Ranisch

„Die Welt der Klassischen Musik ist eine Schatzkammer des Glücks“

Klassik drastisch: Podcast Deutschlandfunk Kultur


Dann ist Musik schon etwas was in Ihrem Leben nicht fehlen darf?

Absolut.

Wie hat sich Ihr Berufswunsch „Schauspieler“ entwickelt?

Das hat sich tatsächlich aus meiner musikalischen Laufbahn heraus entwickelt. Ich habe Musik und Deutsch auf Lehramt studiert und ich wollte eigentlich als Gymnasiallehrer arbeiten. Dann kam der Zivildienst und ich entschied mich nach Berlin zu ziehen. In Berlin dachte ich mir „bewirbst du dich mal an einer Schauspielschule“…  und das hat auch gleich gut geklappt. Und so konnte ich Berlin erobern. Lächelt.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Mein Sehnsuchtsort ist immer das Meer.

Es prägt, wie man aufwächst?

Das Meer prägt einen auf jeden Fall.



Vielen Dank, lieber Herr Striesow für das schöne Gespräch. Das hat mich sehr gefreut.




'Der Autorin und Regisseurin Petra Lüschow ist ein super Buch gelungen mit absurden Situationen. Sie trifft genau meinen Humor und schafft Figuren, die der Knaller sind'

Helgi Schmid


Pressefoto: Das Erste / Tatort Frankfurt




"Wer zögert, ist tot" ARD Degeto und hr zeigen neuen Frankfurt-Tatort im Ersten - Sonntag, 29. August 2021


"Wer zögert, ist tot" lautet der Titel des mittlerweile 13. Tatorts um das Frankfurter Ermittlerteam Janneke und Brix.

Mitten am Tag wird auf einem Golfplatz nahe Frankfurt Frederick Seibold (Helgi Schmid) von vier mit Hundeköpfen Maskierten niedergesreckt. Als er in einem dunklen Kellerloch wieder zu sich kommt, sind die beiden Frankfurter Hauptkommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) bereits mit seinem Fall betraut: Die Ex-Freundin Fredericks, Bille Kerbel (Britta Hammelstein) hatte einen abgeschnittenen Finger erhalten, en sie schnurstracks zur Polizei gebracht hat. ...


Im Gespräch mit Helgi Schmid zum Tatort Frankfurt

Marion Graeber im August 2021



Tatort ist Kult - was denken Sie, woran liegt das?

Die Reihe bietet nicht nur eine Menge Abwechslung, jeden Sonntag ist man in einer anderen Region, jedes Team hat seinen eigenen Stil, die Filme sind qualitativ sehr gut, mit wundervollen Kolleg*innen und tollen Regisseur*innen. Mir persönlich gefallen die Fälle aus Frankfurt und Wiesbaden besonders - hier wird ganz wunderbar mit Genres und Zitaten gearbeitet und es entstehen einmalige Filme.

Allgemein sind Krimis gern gesehene TV Formate - wie denken Sie hierüber? 

Krimis haben einen Vorteil zu anderen Formaten: die Zuschauer*innen kennen die Grundstruktur, die Guten suchen die Bösen, am Anfang passiert ein Mord und am Ende wird dieser aufgeklärt. Im Fernsehen hat man „nur“ 90 Minuten Zeit eine Geschichte zu erzählen, in manchen Formaten sogar weniger. Da hilft es den Zuschauer*innen nicht noch das ganze Setting erklären zu müssen. Alles was zwischen Mord und Aufklärung passiert unterscheidet sich letztlich nicht vom Liebesfilm, der Komödie oder anderen Genres. Das beweisen die Tatorte jeden Sonntag.

Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrer Rolle im Frankfurter Tatort gereizt? 

Jede Figur handelt egoistisch und versucht für sich das Beste rauszuschlagen, dabei trauen sie sich weit über Grenzen hinaus. Es wird getäuscht, gezockt und gekämpft. Frederick ist dabei einer der größten Zocker. Das ganze Leben ist für ihn ein Spiel, und der Hauptgewinn das große Geld, wenn es schon nicht die Liebe sein kann.

Gibt es eine Szene, welche Sie besonders berührt hat? 

Beim Lesen des Drehbuchs habe ich schon viel gelacht. Der Autorin und Regisseurin Petra Lüschow ist ein super Buch gelungen mit absurden Situationen. Sie trifft genau meinen Humor und schafft Figuren, die der Knaller sind.




Vielen Dank, lieber Herr Schmid für den Einblick in Ihre Arbeit beim Tatort Frankfurt







'Musik - Ich höre fast alles außer Schlager und Speed Metal'

Marco Girnth


Fotoausschnitt: ZDF Thomas Leidig




SOKO Leipzig – Take Away

Neue Folgen - SOKO Leipzig feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum. 2001 ging die SOKO Leipzig als erster Ableger der SOKO 5113 auf Sendung. Über 450 Fälle hat das Team seitdem gelöst und ermittelt seit 2004 in der Primetime am Freitagabend um 21.15 Uhr

Freitag, 27. August 21, 21.15 Uhr ZDF

Ralf Harting (Knud Riepen) wird in einem Mietshaus brutal überfallen. Während der Befragung der Geschädigten erfahren Ina (Melanie Marschke) und Kim (Amy Mußul), dass seine Ex-Freundin Caro (Maike Jüttendonk) in großer Gefahr schwebt. Als Jan (Marco Girnth) und Tom (Steffen Schroeder) an ihrem freien Tag eine Pizzeria betreten, überschlagen sich die Ereignisse. Sie treffen nicht nur auf Caro, die vergeblich auf Ralf wartet, sondern finden auch den flüchtigen Täter im Lokal tot auf. Die beiden Ermittler werden sofort in Alarmbereitschaft versetzt, doch Jan fällt es in der angespannten Situation schwerer die Nerven zu behalten. Schließlich erfährt Tom den wahren Grund für Jans merkwürdiges Verhalten.

Im Gespräch mit Marco Girnth

Marion Graeber im August 2021


Hallo Herr Girnth, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich.

Ich mich auch. Danke.

Sind Sie gerade in Berlin?

Ja, ich bin derzeit in Berlin.

Wie viel Zeit verbringen Sie in Leipzig?

Wir drehen 25 Folgen im Jahr SOKO Leipzig. Wobei ich zwischen zwei und vier Folgen pausiere. Im Moment beispielsweise hab ich nach dem Ende der Sommerpause nochmal einen weiteren Monat frei, da ich „Frühling“ in Bayrischzell drehe. Ansonsten beschäftigt uns SOKO Leipzig schon von Januar bis Dezember mit nur kleinen Unterbrechungen. Wir drehen bis zu vier Folgen am Block. Dann gibt es einen Regiewechsel. Dann geht’s wieder weiter. Im Sommer dann eine große Sommerpause von vier Wochen.

Eine intensive Zeit. Dann kennen Sie Leipzig schon sehr gut…

Ja, Leipzig ist für mich eine zweite Heimat.

Haben Sie Lieblingsplätze?

Ja, klar. Lächelt. Wenn ich abends unterwegs bin, bin ich beispielsweise gern in der Gottschedstraße. Joggen gehe ich im Auenwald. Man kann auch gut zum Cospudener See raus fahren. Der Cospudener See ist ein ehemaliges Braunkohletagebau-Gebiet welches rekultiviert und richtig schön angelegt wurde. Es gibt tolle Restaurants und man kann super Wassersport betreiben. Leipzig ist wirklich eine Reise wert.

… und gar nicht weit entfernt von Berlin

Mit dem Zug komm ich in gut einer Stunde von A nach B.

Da ist es nach Stuttgart ein bisschen weiter..

Ich war tatsächlich gerade in der Nähe von Stuttgart – in Esslingen. Wir sind mit einem alten amerikanischen Wohnmobil unterwegs gewesen. Und da wir Freunde in Stuttgart haben, sind wir auf einen Besuch vorbeigefahren. Ich habe aber auch schon mal in Stuttgart gedreht. Ich bin begeistert von Esslingen. Und Stuttgart ist auch schön.

Sie können auf 20 Jahre SOKO Leipzig zurückblicken. Wie fühlt es sich an, von Anfang an Teil eines Formats, einer Serie zu sein?

Es hat eine Beständigkeit und es ist ein Stück Heimat. Du schließt aber immer auch einen Kompromiss, wenn du in einer laufenden Serie bist, denn du kannst nicht so viel anderes mehr machen. Man ist ja schon belegt. Aber mit einer gewissen Ankündigungsfrist war immer auch viel möglich. „Frühling“ beispielsweise. Es wurde immer auch Rücksicht genommen, wenn wir zusätzlich andere Projekte wahrnehmen wollten. Das heißt, wenn es möglich war, hat man versucht den Drehplan so zu stricken, dass man Slots zwischendurch hatte. Aber Sie haben natürlich recht, es ist schon eine Entscheidung Part einer Serie zu sein. Wenn man also sagt, ich fühle mich hier wohl, ich will hier bleiben, dann schneidet man sich automatisch auch andere Optionen ab. Aber das ist ein Kompromiss, den ich gerne für die SOKO Leipzig schließe.

Oftmals gehen Schauspieler ja auch von Projekt zu Projekt. Teil einer Serie zu sein gibt auch etwas Sicherheit …

Ja, total. Zumal ich es bei uns auch so schön finde, dass die Person hinter der Figur, also das private Leben, in der Dramaturgie auch so mitgenommen wird. Die Figur ist mit mir zusammen zwanzig Jahre älter geworden und hat sich auch immer wieder in den unterschiedlichsten Krisensituationen wiedergefunden. All die Höhen und Tiefen. Das war für mich selber auch immer spannend. Wo geht die Figur hin? Was macht sie jetzt? Es entwickelt sich immer weiter.

Haben Sie Einfluss auf die Entwicklung Ihrer Rolle?

Mitspracherecht nach dem Motto „Wo geht es hin“ haben wir als Schauspieler nicht. Aber der Fokus liegt schon auf Mitsprache. Wir reden über die Rollen und dürfen Ideen mit einfließen lassen und Wünsche äußern. Dann gibt es Autorenkonferenzen. Obwohl die Autoren selbstständig arbeiten haben wir Kontakt und können uns einbringen. Ab und an werden Anregungen aufgenommen. Wir sind dann selber immer ganz gespannt, was daraus geworden ist.

Wobei Sie als Schauspieler ja immer auch etwas von Ihrem eigenen Charakter mit in die Rolle geben. Wie viel Marco Girnth ist in Jan Maybach?

Gute Frage. Natürlich greife ich auf meinen Erfahrungsschatz zurück, wenn ich die Rolle interpretiere und ich überlege mir, wie sich die Situation für Jan darstellen würde – da schwingt also immer auch das eigene Erleben mit. Die eigene Erfahrung, die man im Leben gesammelt hat. Aber letztlich und trotz eigener, biografischer Schnittmengen – beide sind aus Köln, beide haben Jura studiert und beide haben sich anders entschieden, als der Vater das wollte – ist Jan schon deutlich anders als ich. Ich schaue manchmal aber auch neidvoll auf seine Fähigkeiten, seine Entschlussfreudigkeit und seine Kompromisslosigkeit. Ich brauche da manchmal einfach länger bis ich eine Entscheidung treffe. Ich hole mir da gern auch mal einen Ratschlag. Lächelt. Wenn sich Jan also mal wieder zu schnell zu etwas entschlossen hat, denke ich mir, gut dass ich das anders mache. Lacht. Aber ich sehe Jan schon in so einer Parallelwelt neben mir. Wo ich so schaue und mich frage, wie es ihm geht….

Wie hat sich eigentlich der Dreh in den vergangenen zwanzig Jahren so entwickelt?

Ja, das ist tatsächlich schon anders geworden. Aber es funktioniert noch nach den gleichen Mustern. Nur schneller. Früher haben wir auf Filmmaterial gedreht. Jetzt drehen wir auf Chips. Das verändert den Workflow. Auch haben wir seit 2009 zwei Kameras. Das ist insofern eine Erleichterung, da du viel mehr Schnitte setzen kannst. Wenn früher beispielsweise fünf Leute eine Filmszene hatten, konntest du davon ausgehen, dass Minimum fünf Einstellungen gedreht wurden. Da spielst du so eine Szene dann mindestens zwölf Mal, mit Proben bis zu zwanzig Mal. Das dauert dann bis zu vier Stunden, bis die Szene im Kasten ist. Die ganze Zeit dann die Spannung und das Gefühl aufrecht zu halten – das ist die Aufgabe und die Schwierigkeit. Heute ist das ein bisschen leichter. Durch die verschiedenen Kameras wird gut die Hälfte der Zeit gespart. Das bringt allerdings auch mit sich, dass man viel schneller sein muss. Das Tagespensum erhöht sich. Da musst du dann wirklich auf zack sein und deinen Text parat haben. Ich persönlich mag es ganz gerne, wenn man sich nicht zu sehr mit einer Szene aufhält sondern im Fluss bleibt. So kommt mir diese Form der Arbeit entgegen. Doch das Tagespensum ist straff. Auch für das Team – die Umbauten, die Motivwechsel. Das ist schon alles sehr viel hektischer geworden.

Krimi und SOKO sind beliebt. Warum denken Sie, ist das so?

Für einen Drehbuchautor ist der Krimi ein Quell der Freude. Es können immer wieder neue Geschichten erzählt werden. Du kannst aus jedem Kriminalfall ein Einzelschicksal erzählen. Kannst die Kommissare involvieren, so dass sie an diesen Schicksalen teilnehmen können oder vielleicht selbst Teil des Verbrechens sind. Dann gibt es immer wieder neue Konstellationen. Man kann in harte Abgründe schauen und hat zum Schluss dann doch immer diesen Lösungsfaktor. Der Täter wird gestellt und der Fall gelöst. Du kannst mitraten und bist so während du schaust fast interaktiv dabei. Das bedeutet, der Zuschauer ist immer auch gefordert. Spannung – Unterhaltung – Lösungsmoment. Also, für mich ist es schon klar, warum Krimis (es gibt unzählige) so gut funktionieren. Auch in Romanform.

Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?

Ich höre fast alles, außer Schlager und Speed Metal. Ich bin da relativ weit gesteckt. Manchmal bin ich von mir selbst überrascht, wofür ich mich begeistern kann. Lächelt. Mein Sohn entdeckt gerade den Hip Hop der 1990er Jahre und auf seine Frage, was ich damals so gehört habe, reflektiere ich das. Da bin ich dann wieder in die Musik eingestiegen und ich kann mich total in dieses Lebensgefühl von damals versetzen.

Sie sind sehr sportlich. Sie laufen Marathon?

Ja, wobei das im Moment ein bisschen eingeschlafen ist, da der Berlin Marathon die vergangenen zwei Jahre nicht stattgefunden hat. Aber ich bin ihn fünf Mal gemeinsam mit einem Freund gelaufen.

Wie lange müssen Sie für einen Marathon trainieren?

Ich bin immer schon gelaufen und fand das immer so toll, dass man das so einfach in sein Leben einbauen kann. Man nimmt die Sportschuhe mit und egal wo man ist – man kann einfach laufen gehen. Allerdings konnte ich mir lange nicht vorstellen länger als eineinhalb Stunden zu laufen. Ein Freund hat mich dann zum Marathon gebracht. Wenn du dann ganz ernsthaft dein Trainingsprogramm verfolgst, kannst du das mit dem Marathon in vier bis fünf Monaten schaffen. Bin in der Trainings- und Vorbereitungszeit sechs Mal die Woche gelaufen. Zwei Monate vor dem Marathon heißt es dann um sechs Uhr morgens aufstehen und rein in die Laufschuhe.

Welche Phasen gibt es beim Marathon?

Ich habe meinen ersten Marathon als unglaublich schön empfunden. Sonst hätte ich auch keine weiteren vier gemacht. Lacht. Du läufst los, bist gut vorbereitet, hast gut trainiert. Man genießt beim Lauf dann diese Atmosphäre. Die Läufer, die Zuschauer am Wegesrand. Das trägt dich bis Kilometer 16. Bis dahin merkst du gar nichts. Dann folgt ein Runners-High. Das geht durch bis Anfang Kilometer 20. Ab dann merkst du was – aber es geht noch. Du funktionierst. Nach 30 Kilometern kommt man dann auf den Ku'damm. Da bekommst du dann so einen Schub. Doch bei Kilometer 37 kommt dann der „Mann mit dem Hammer“. Lacht. Dann gibt es nur noch eins: „Schmerz weg beißen“. Und dann im Ziel bist du einfach nur glücklich und vollkommen fertig. Lächelt. Ich habe gerade noch mit meinem Yogalehrer gesprochen, er meint: „Ich hasse es Yoga zu machen aber ich liebe es getan zu haben“. Genau so ist es. Wenn man es gemacht hat, ist es ein beglückendes Gefühl.

Das ist beim Tango tanzen anders – da ist man schon währenddessen glücklich. Tanzen Sie Tango?

Ich hab es schon einmal versucht aber ich kann es nicht. Lacht.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie gerne reisen und eventuell auch einen Sehnsuchtsort haben?

Ich reise für mein Leben gern und unser Sehnsuchtsort ist Costa Rica. Da wollten wir eigentlich im vergangenen Jahr wieder hin.

Dann waren Sie schon öfter dort?

Zwei Mal. Wir wollten auch direkt nach dem zweiten Mal wieder hin. Das war 2009. Doch wir haben uns dann gesagt, dass wir auch noch was anderes von der Welt sehen wollen. Und, wir haben viel gesehen. Aber überall wo wir waren haben wir uns gesagt: „Schön, aber nicht ganz so schön wie Costa Rica“. Lächelt.

Wahrlich ein Sehnsuchtsort

Ja, wirklich.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie, dass Sie ganz bald wieder Ihren Sehnsuchtsort besuchen können. Vielen Dank für das tolle Gespräch.







'Ich hab bei einem Dreh in Russland Menschen auf einem öffentlichen Platz

Tango tanzen sehen. Das hat mich total geflasht'

Helgi Schmid


Foto: Lily Erlinger




Im Gespräch mit Helgi Schmid „Immer der Nase nach“ Donnerstag, 26. August 21, ZDF 20.15 Uhr

Inhalt/Auszug:

Aussortiert – und das mit knapp 50! Beruflich wie privat fühlt sich Schaufensterdekorateurin Tanja (Claudia Michelsen) ins Off gelegt. Aber sie reckt mutig das Kinn. Natürlich kann sie noch mithalten!

Tanja erfährt Bestätigung durch Nick (Helgi Schmid), einem Schreiner in den Mitdreißigern, den sie auf einer Party kennenlernt. Sie üben aufeinander eine prickelnde Anziehungskraft aus, die Tanja nach und nach auch zu genießen lernt.


Im Gespräch mit Helgi Schmid

Marion Graeber im August 21



Hallo Herr Schmid. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich.

Gerne doch!

Sind Sie gerade in Mannheim?

Ja, ich bin in Mannheim.

In Mannheim gibt es die besten Dampfnudeln.

Ist das so? ... Beim Grimminger?

Ja, genau.

Ich sehe Sie kennen sich aus mit Dampfnudeln in Mannheim. Lacht. Der Grimminger ist direkt bei mir gegenüber. Ich werde nachher gleich rübergehen und das testen. Und wenn mich das nächste Mal jemand fragt, warum ich als Schauspieler in Mannheim und nicht in Berlin wohne, sage ich, dass es in Mannheim einfach die besten Dampfnudeln gibt. Lacht.

Nicht nur ich hab einen Bezug zu Mannheim. Auch Sie haben einen Bezug zu Stuttgart. Sie haben nämlich hier an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst studiert.

Ja, das stimmt. Ich habe im Jahre 2005 mit meinem Studium in Stuttgart begonnen und 2009 bin ich für mein erstes Engagement nach Freiburg gezogen. In Stuttgart habe ich anfangs in Untertürkheim, in einem Studentenwohnheim gewohnt. Für die ersten beiden Jahre war das super. Aber irgendwann war ich dann doch froh, eine Wohnung direkt oberhalb der Musikhochschule gefunden zu haben und so der morgendliche Weg etwas kürzer wurde.

Würden Sie sich als Stadtmenschen bezeichnen?

Ich war kürzlich bei Freunden im Pfälzer Hinterland. In einem Haus mit fantastischem Blick über die Weinreben. Da dachte ich „wow“, das hat durchaus seinen Reiz. Und das obwohl ich tendenziell lieber in der Stadt lebe. Es könnte also gut sein, dass sich meine Einstellung in den nächsten Jahren ändert. Egal ob Stadt oder Land, ich schätze mich glücklich durch meine Arbeit viele unterschiedliche Orte kennenzulernen und regelmäßig in andere Lebensentwürfe eintauchen zu können. Ein Privileg.

In „Immer der Nase nach“ spielen Sie den Mitdreißiger Nick der sich in eine 15 Jahre ältere Frau verliebt. Was denken Sie – Liebe kennt kein Alter?

Ja. Lacht. Auf jeden Fall. In Filmen wird oft die Geschichte erzählt, dass ältere Männer jüngere Frauen haben. Dass der Altersunterschied umgedreht stattfindet, wird selten erzählt. Für mich ist das nicht verständlich, schließlich kennt Liebe eben kein Alter.

Worauf legen Sie in einer Beziehung wert?

Ich lege Wert darauf, dass man nie aufhört miteinander zu sprechen. Es ist wichtig, dass der Partner oder die Partnerin begreift, wo man selbst gerade steht und was einen beschäftigt.

Ich sage immer, man muss sich immer mal wieder updaten.

Ja.

Was mögen Sie am Drehbuch „Immer der Nase nach“? Es sind einige Themen enthalten, wie beispielsweise: Altersunterschied, Umweltaspekte, Beziehung generell - zur Tochter, zur Mutter, Frau ab 50 auf dem Arbeitsmarkt, Jugendsprache und so weiter...

Das Drehbuch hat einen tollen Humor. Das habe ich von Anfang an so empfunden und das hat mir super gefallen. Dadurch fließt die Geschichte und behält ihre Leichtigkeit trotz all der großen Themen. Und meine Figur Nick finde ich spannend, weil er so wunderbar unbelastet ist und sich einfügt. Nichts verurteilt. Das Drehbuch erzählt kleine Weisheiten und beleuchtet nebenbei die großen Themen unserer Zeit.

Der Zuschauer kann sich mit den Themen befassen, die für ihn wichtig sind.

Ja, wie bei einem Kunstwerk, gibt es Raum für Interpretation. Es geht nicht nur um zwischenmenschliche Konflikte, sondern auch um ganz unterschiedliche gesellschaftliche Themen. Das hat mich berührt und macht diesen Film ganz besonders.

Man wird als Zuschauer praktisch von einem Thema berührt, nimmt die anderen Inhalte aber auch mit...

Genau, so sehe ich das auch.

Sie spielen unterschiedliche Rollen in verschiedenen Formaten. Unter welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Rollen aus?

Ich suche nach Rollen, bei denen ich neue Seiten zeigen kann. Ich mag Herausforderungen. Es reizt mich, immer wieder neu herauszufinden, wie ich Charaktere und Geschichten umsetzen kann. Entweder gibt mir eine Rolle die Möglichkeit etwas, was mir liegt, weiter zu erforschen oder ich suche nach einem Charakterzug, der nicht der eigene ist, um ihm auf den Grund zu gehen.

Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?

Die Schauspielerei hat mich immer schon begleitet. Ich habe es immer schon gemocht, Aufmerksamkeit zu bekommen. Lächelt. Ich habe jahrelang Klarinette gespielt und stand mit Musikinstrument auf der Bühne. Ohne Instrument auf die Bühne zu gehen, habe ich mich anfangs aber nicht getraut. Irgendwann war ich dann in einer neuen Musik AG, in der sich die Grenzen zwischen Musik und Schauspiel verschoben haben. Eine hilfreiche Überleitung. Danach war ich bereit für die Theater AG und wollte unbedingt Schauspiel studieren.

Wie alt waren Sie als sich das so entwickelte?

Da war ich so 15 Jahre alt.

Ihr Bruder, Stefan Karl Schmid ist Jazzsaxophonist. Welches Musikgenre mögen Sie gerne?

Ich liebe Jazz. Vielleicht auch, weil mein Bruder immer Jazz spielte, während ich meine Hausaufgaben gemacht habe. Lächelt. Ich selbst spiele alles mögliche. Meistens hat die Musikauswahl dann auch etwas mit der Theaterbühne zu tun und ist somit mit dem Schauspiel verbunden.

Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?

Wir hatten Tanzunterricht in der Schauspielschule. Flamenco. Bei Tango muss ich immer an ein Erlebnis in Russland denken: während Dreharbeiten bin ich mit einem Kollegen auf der Moskwa Boot gefahren. Die Sonne ging langsam unter und rechts vom Fluss tauchten plötzlich Menschen auf, die auf einem Platz Tango tanzten. Ich war total geflasht und hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit Tango Argentino im Moskauer Sommer. Ein wundervolles Bild.

Sie sind künstlerisch in ganz verschiedenen Bereichen unterwegs. Wie wichtig ist es Ihnen, künstlerisch so breit gefächert aufgestellt zu sein und macht alles gleichermaßen Spaß?

Für mich ist es erfüllend, ganz unterschiedliche Disziplinen ausüben zu können. Die Herausforderung liegt darin, immer einen Schritt weiter zu gehen. Bei jedem Drehbuch, jeder Rolle herauszufinden, wie weit ich in die Charaktere rein gehen kann. Bei jedem Feature zu versuchen es noch besser zu durchdringen, so dass der Zuhörer den größten Wert daraus ziehen kann. Gleich was ich tue, immer wieder hineinzuspringen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und dadurch als künstlerische Persönlichkeit zu reifen, das ist für mich der Spaß an der Arbeit.

Wenn Sie wählen könnten zwischen einem Spaziergang zu früher Morgenstunde oder einem Spaziergang in der Abenddämmerung – was würden Sie wählen? Im Film sagt Nick, er könne vor vier Uhr nachts nicht schlafen gehen…

Ja. Das war die Rolle. Ich schlafe sehr gerne schon vor vier Uhr nachts. Lacht. Ich bevorzuge den Spaziergang in der Abenddämmerung.

Reisen Sie gerne und haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Island ist für mich ein totaler Sehnsuchtsort. Das Land, aus dem meine Mutter kommt. Neulich war ich für Dreharbeiten in Hamburg. Dort habe ich wieder gemerkt, wie das Meer und der Wind diese Sehnsucht in mir weckt. Es wird wieder Zeit einen Sommer dort zu verbringen.

Dieses spezielle Licht im Norden...

Das ist abgefahren. In Island ist jeder ein super Fotograf egal, wie und wann man dort ein Foto macht. Das Licht ist klarer und die Farben kräftiger, dazu noch diese Landschaft. Ein Traum.

Ich hoffe, dass wir ganz bald wieder unbeschwerter reisen können... Ich danke Ihnen ganz lieb für dieses wirklich schöne Gespräch, lieber Herr Schmid.

Ich danke Ihnen sehr. Und jetzt gehe ich direkt rüber zum Grimminger und teste das mit den Dampfnudeln. Lacht.






'Mein erstes Musikinstrument war das Akkordeon'

Tom Beck

Foto: Lou van Door





Getrennt und doch im selben Haus abwechselnd wohnen – das ist „Nesting“, ein besonderes Modell für Trennungsfamilien. Dessen Vor- und Nachteile im Alltag durchleben Julia (Bettina Lamprecht), Noch-Ehemann Robert (Matthias Koeberlin) sowie ihre gemeinsamen Kinder Marie (Lola Höller) und Maxi (Linus von Emhofen). Die Komödie inszenierte Regisseur Tobi Baumann nach dem Drehbuch von Stefan Betz. „Nestwochen“ Komödie Donnerstag, 19. August, 20.15 Uhr



Im Gespräch mit Tom Beck

Marion Graeber Juli/August 21


Hallo Frau Graeber, ich grüße Sie. 

Und das im schwäbischen Dialekt. Ich freue mich. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben, Herr Beck. 

Ja, ich hab es mal probiert. Aber vielleicht blieb es bei einem Versuch. 

Das war perfekt. Wir würden Sie einbürgern. Sind Sie gerade in Berlin? 

Ja, ich wohne in Berlin und bin auch hier wenn ich drehfrei habe. Momentan bin ich unter der Woche in München.

Kommen Sie mit Dialekt auch gut durchs Berliner Leben? 

Ja, det is schon so, dass mir och der Berliner Dialekt jut jefällt. Lacht. 

Die Komödie „Nestwochen“ spielt in Köln und Umgebung. War Ihnen „Nesting“ bereits vor Drehbeginn ein Begriff? 

Ja, ich hab das tatsächlich schon mal gehört. Aber das war wirklich unmittelbar vor dem Dreh. Ich kenne das Prinzip „Nesting“ jedoch nicht aus meinem persönlichen Umfeld. 

Was hat Sie am Drehbuch gereizt und wie beschreiben Sie den Charakter Ihrer Rolle (Dr. Sascha Dombrowski)? 

Also ich sag mal so, das ist ja schon ein sehr kostenintensives Modell. Als Schwabe würde ich sagen, dass das a bissle teuer isch. Lacht. Aber ohne Witz – das ist schon ein Modell, das muss man sich leisten können. In meiner Rolle als Sascha hat mich das Thema nicht so getroffen. Ich bin ja quasi nur das Trostpflaster für Julia. Vielleicht der Mann, den man sich mal nimmt, um auf andere Gedanken zu kommen. Um sich bestätigt zu fühlen. Aus Julias Sicht ist das, glaube ich, auch nicht dazu gedacht, etwas ernstes zu werden. Julia tut da eine Bestätigung einfach gut. Natürlich sind auch für Männer Bestätigungen wichtig, ich will da gar nicht gendern, aber vielleicht haben es Männer ein bisschen leichter jemanden kennenzulernen. Gerade auch nach so einer Trennung. Sascha ist sehr bemüht, manchmal auch etwas zu sehr. In erster Linie möchte er ja eigentlich gefallen und maximal gut ankommen. Für ihn ist die Karriere das wichtigste und er ist sich ja auch selbst irgendwie immer am nächsten. Und doch, Sascha kommt Julia irgendwie gerade recht. 


Für Julia scheint es aber auch o.k. zu sein. Sie macht nicht den Anschein, dass Sie von einer Beziehung in die andere gehen möchte… 

Ja, das glaube ich auch nicht. Aber Sascha vermittelt da so einen Eindruck, dass man auf die Idee kommen könnte, er suche etwas für länger. Da spult sich so ein Mechanismus bei ihm ab. Dabei möchte er doch nur gemocht werden.

Sie haben Ihre Ausbildung an der Bayerischen Theaterakademie in München im Studiengang Musical gemacht. War es Ihnen von Anfang an klar im Bereich Musik und Schauspiel aktiv sein zu wollen?

Nein, gar nicht. Ehrlich gesagt war mir von Anfang an klar, dass ich in Richtung Musik gehen will. Das mit dem Musical, das kam, weil ich in einem Laien-Musical in der Nähe von Nürnberg mitgespielt habe. Nach dem Abi und der Bundeswehrzeit hatte ich dann keine Ahnung, was ich machen soll. Da hab ich erfahren, dass man auch Musical studieren kann. Dachte ich mir „Was gibt es denn geileres?“. Daraufhin hab ich mich beworben und wurde genommen. Zu der Zeit hatte ich mit der Schauspielerei noch gar nicht viel am Hut. Ich hab also Musical gemacht und besetzte eine Hauptrolle. Über ein Casting bin ich dann aber eines Tages auf einen Agenten gestoßen. Er hat mich gefragt, ob ich nicht auch Bock auf TV habe. Klar hatte ich. Und so bin ich da rein gerutscht. Ich glaube, ich war für die bayerische Theaterakademie damals ein willkommenes Geschenk – da ist einer, der hat zwar keine Ahnung vom Filmgeschäft, bringt aber wahnsinnig viel mit und hat Lust darauf zu spielen. Den können wir formen so wie wir ihn brauchen. Aber so ist das ja manchmal, wenn man Dinge nicht so fokussiert, nicht zu verbissen an Dinge herangeht und es vielleicht zu sehr will - ich hatte ja einfach auch nichts zu verlieren. Hab vorgesprochen und wurde im Anschluss in Berlin und München direkt genommen. 

Sie spielen Akkordeon, Orgel, Klavier, Schlagzeug und Gitarre. Stimmt diese Reihenfolge? 

Ja, das Akkordeon war mein erstes Instrument. Meine Mutter hat mir auf meinem Miniakkordeon damals Farben aufgeklebt. Nach denen hab ich gespielt. Dann kam die Orgel. Aber das hat nichts mit einer Kirchenorgel zu tun. Es war eine Heimorgel, so eine, die in den 1980er Jahren ein absoluter Hit war. Bei uns im Dorf hat sich dann auch so eine Fahrgemeinschaft gebildet, weil wir mindestens immer fünf Kinder waren, die zum Unterricht gefahren werden wollten.

Das Akkordeon ist dem Bandoneon nahe. Mögen Sie den Tango Argentino? 

Mag ich schon, aber ich kann ihn nicht spielen. Hab es noch nie versucht. Das Akkordeon ist bei mir eher volkstümlich behaftet. Auch in den Bands, in denen ich das hätte spielen können, hätte es eher eine französische Note bekommen. 

Wie sieht es mit Tango tanzen aus? 

Nein, das hab ich auch noch nicht gemacht. Das mit dem Tanzen ist auch schon viele Jahre her. Die Akademie habe ich 2003 abgeschlossen. Seitdem hab ich nicht mehr großartig viel getanzt. Als Tänzer würde ich also nicht mehr durchgehen. Da müsste ich mich schon ordentlich dehnen und vielleicht ein halbes Jahr Yoga machen.

Ihre 4B Tour konnte 2020 auch aufgrund der Pandemie eigentlich nicht stattfinden. Sie haben Autokinokonzerte gegeben. Wie ist es für Sie, hoffentlich bald wieder vor Publikum spielen zu können? Wie wichtig ist Ihnen die Interaktion mit Ihren Zuhörern? Fehlt Ihnen das? 

Ja, total. Es ist schon grausam, dass so viele Dinge verschoben werden mussten. Mich hat das vergangene Jahr nicht ganz so hart getroffen wie die Menschen, die ihr Leben im Live-Geschäft haben. Aber, ja, wir freuen uns sehr darauf, wenn wir wieder direkt vor den Menschen spielen dürfen. 

Ich liebe Clubkonzerte.. 

Ja, ich auch und ich kenne es fast gar nicht anders. Bei mir sind die Konzerte in einer Clubgröße von 600 Besuchern. Das ist ein überschaubarer Bereich, wo man auch in die Interaktion mit den Zuhörern gehen kann. Und das ist mir auch sehr wichtig. Meine Konzerte leben davon. Ich möchte mit dem Publikum zusammen eine gute Zeit haben und es integrieren. Habe aber auch schon bei Konzerten mit über zehntausend Menschen gespielt, beispielsweise als Vorband von Sunrise Avenue, da hab ich es auch geschafft, das Publikum mit einzubeziehen. Das ist ein Credo. Aber ja, im kleinen Rahmen ist es intimer aber ich möchte auch, dass sich die Besucher meiner Konzerte bei größeren Events angesprochen fühlen. 

Haben Sie einen Sehnsuchtsort? 

Die variieren mit Sicherheit aufgrund meines Berufes und meiner örtlichen Veränderung, die ich immer wieder vornehmen muss. Ich glaube auch, dass das ein bisschen durch Jahreszeiten und Stimmung beeinflusst wird. Mal sind es die Berge, mal das Meer. Grundsätzlich hängt es sehr davon ab, mit wem man da unterwegs ist. Solange das meine Familie ist, ist alles gut. Hauptsache wir sind zusammen. 

Lieben Dank, Herr Beck für das so schöne Gespräch. Das hat Spaß gemacht. Danke. 

Tschüssle






'Ich mag sehr gerne Johann Sebastian Bach. Diese Musik bewegt mich sehr'

Denis Moschitto


Foto: Pascal Bünning


 

Getrennt und doch im selben Haus abwechselnd wohnen – das ist „Nesting“, ein besonderes Modell für Trennungsfamilien. Dessen Vor- und Nachteile im Alltag durchleben Julia (Bettina Lamprecht), Noch-Ehemann Robert (Matthias Koeberlin) sowie ihre gemeinsamen Kinder Marie (Lola Höller) und Maxi (Linus von Emhofen). Die Komödie inszenierte Regisseur Tobi Baumann nach dem Drehbuch von Stefan Betz. „Nestwochen“ Komödie Donnerstag, 19. August, 20.15 Uhr, ZDF Ab Donnerstag, 12. August, 10 Uhr, ZDF Mediathek




Im Gespräch mit Denis Moschitto

Marion Graeber Juli/August 21


Hallo Herr Moschitto, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Sehr gerne.

Sind Sie in Köln?

Ja, ich bin in Köln. Ich bin gebürtiger Kölner und in Köln geblieben.

Die Komödie „Nestwochen“ wurde auch in der Region Köln gedreht …

Ja, genau. Das war schön, denn ich bin doch auch oft für Drehs unterwegs.

In „Nestwochen“ spielen Sie Enzo, den Freund von Robert (Matthias Koeberlin). Sie waren es, der seinem Freund „Nesting“ vorgeschlagen hat. War Ihnen „Nesting“ vor Drehbeginn schon ein Begriff?

Nein, tatsächlich kannte ich das nicht. Ich muss sagen, ich habe ja selber keine Kinder und hab mich hierzu nachträglich schlau gemacht. „Nesting“ klingt irgendwie vernünftig auch wenn es Schwierigkeiten birgt.

Wir wollen nicht zu viel verraten aber wie beschreiben Sie den Film?

Was ich ganz schön finde ist, dass er nicht erzählt, dass die Familie wieder so zusammen kommt, wie sie eben vorher war. Man arrangiert sich und der Film zeigt versöhnliches. Ich möchte sagen, er umarmt so ein bisschen das Chaos und die Familienform „Patchwork“. So in dem Sinne „es ist zwar alles etwas durcheinander aber es kann trotzdem funktionieren“.   

Man darf die Schwierigkeiten sehen. Das Leben läuft auch nicht immer glatt.

Ja, das finde ich auch.

Ich habe gelesen, dass der Film Zuversicht geben soll, denn es gibt viele Möglichkeiten, Familie und Beziehung zu leben. Man sieht auch, wie wichtig Kommunikation ist. Es wirft sich die Frage auf, ob das alles so auch passiert wäre, wenn die Kommunikation des Ehepaares eine bessere gewesen wäre….

Das sehe ich ganz genauso. Kommunikation spielt eine große Rolle - im Film und in unser aller Leben. Das haben Sie richtig auf den Punkt gebracht. Es gibt sehr viele Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Es werden mehr Ehen denn je getrennt. Die Leittragenden sind immer die Kinder. Da braucht es gute Modelle. Der Film zeigt hier Möglichkeiten auf.

Hat Sie das am Drehbuch gereizt? Und wie genau charakterisieren Sie Ihre Rolle?

Ich entscheide so etwas hauptsächlich nach den Rollen. Also, ich frage mich, ob ich Lust habe das zu spielen. Darüber hinaus schaue ich, mit wem arbeite ich zusammen. Denn es geht letztendlich immer um Lebenszeit. Ich hab einen wundervollen Beruf aber ich möchte auch Freude daran haben. Insofern ist mir dieses Zusammenspiel wichtig.   Ich fand das Buch gut und mochte es gleich. Das war schon mal toll. Lächelt. Aber hauptsächlich hat mich der Charakter meiner Rolle gereizt. Mit Matthias Koeberlin hab ich auch vor Jahren schon einmal gedreht. Er ist ein toller Kollege. Auch die anderen. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen.

Es ist schön, wenn es passt…

Ja, es muss passen. Von außen sieht das oft so aus als wäre das alles ganz leicht und ganz wundervoll wenn man in der Filmbranche unterwegs ist. Aber das kann auch sehr harte Arbeit sein – gerade, wenn die Arbeitsbedingungen und/oder die Stimmung nicht gut ist. Und zu Enzo: Das ist eine Figur, die in meiner filmischen Biographie nicht zu selten vorkommt. Der beste Freund des Protagonisten, der glaubt, sich mit Frauen und Beziehungen auszukennen. Der so ein bisschen ein Windbeutel ist. Lacht. Ich mag das gerne, so diesen etwas einfacheren Charakter mit einem großen Herz. Das spiele ich gerne. Ich hoffe, es ist mir gelungen, dass man ihn sieht und sich denkt „ja, das ist wirklich ein lieber Kerl. Ein guter Freund. Jemand auf den man sich verlassen kann“.

Wurde der Film im Herbst 2020 unter Coronabedingungen gedreht? Was haben Sie für Erfahrungen gemacht?

Ja, Filme in der Pandemie zu machen, das lief und läuft unter erschwerten Bedingungen. Aber, die Filmbranche hat sich da sehr früh schon sehr gut aufgestellt. Kurz bevor Corona los ging hab ich noch einen anderen Film gedreht. Den mussten wir abbrechen. Nach zwei Monaten Pause ging es dann, mit einem sehr guten Plan und ohne Menschen zu gefährden, wieder los. In der Filmbranche haben alle händeringend versucht das möglich zu machen – da wollte einfach keine Produktion die sein, die das eventuell an die Wand fährt. Deshalb wurde und wird da wahnsinnig gut aufgepasst. Ich hab mich auch immer sehr sicher gefühlt. Alles hat sehr gut funktioniert.

In der Pandemie haben sich viele Menschen auf das Zuhause, auf die Familie und auf enge Freunde zurückbesonnen. Sehen Sie diesen Trend auch so?

Ja, da blieb vielen keine andere Möglichkeit als sich auf den Nucleus zu konzentrieren. Das ist natürlich sehr privilegiert. Ich lebe in einer Beziehung, die sehr gut funktioniert. Wir haben da überhaupt keine Schwierigkeiten miteinander gehabt. Viele haben aber auch ganz andere Rahmenbedingungen. Aber das stimmt schon, viele haben sich während der Pandemie auf das Wesentliche konzentriert.

Hat sich Ihr Leben in den Strukturen verändert? Hat sich etwas verschoben?

Eigentlich gar nicht. Ich hab mich viel mit Freunden ausgetauscht. Viel über zoom. Das hat sich geändert. Normalerweise bin ich immer sehr viel unterwegs.

Als Kind waren Sie in der Theater AG, später dann haben Sie Philosophie studiert. Was hat Sie bewogen wieder zum Schauspiel zurückzukehren?

Ich hab die Schauspielerei nie aufgehört. Ich hab das parallel immer gemacht. Dabei zu bleiben und daraus eine Karriere zu machen, das hat sich so ergeben. Ich hab halt gemerkt, wenn ich meine Zeit und meine Arbeit da reinstecke, dann kann ich da was draus machen und als Schauspieler arbeiten. Die Philosophie hat mich immer sehr interessiert. Das tut sie heute noch. Ich habe aber während des Studiums gemerkt, dass es etwas ist, was ich nicht studieren muss und was sich gut als Hobby betreiben lässt. Die Schauspielerei war immer da. Schon ganz konkret ab der Oberstufe. Und, das hat mich dann auch nicht mehr verlassen.

Sie schreiben Bücher, sind beim Radio, sind Sprecher, beispielsweise auch für Hörspiele und Hörbücher. Ist es Ihnen wichtig, breit gefächert künstlerisch tätig zu sein?

Das ist mir tatsächlich wichtig, weil ich gerne Dinge mache, die mir Freude bereiten. Also man hat in Deutschland immer so ein bisschen das Bild, wenn es nicht weh tut, wenn man nicht schwitzt, dann ist es keine richtige Arbeit. Aber gerade in künstlerischen Berufen ist das so nicht zu hundert Prozent der Fall. Ich gehe auch nicht zu einem Konzert und schau den Musikern bei der Arbeit zu – ich möchte sehen, dass sie eine gute Zeit da auf der Bühne haben. Und so fasse ich das auch für meinen Beruf auf. Ich beschäftige mich mit Dingen, die mich interessieren. Ich liebe Hörspiele und ich spreche sie gerne ein. Das macht mir Freude. Und die Tatsache ist ein Privileg.

Ich habe Sie mal mit einem Akkordeon gesehen. Spielen Sie ein Musikinstrument?

Ich bin nicht ganz unmusikalisch. Ich habe mal Klavier gespielt. Akkordeon musste ich für ein Projekt spielen. Meine Klavierfähigkeiten haben mir dabei etwas geholfen aber ich muss sagen, das Akkordeon ist ein schwer zu spielendes Instrument.

Das Bandoneon ist dem Akkordeon nahe – das bringt mich zu meiner Frage nach dem Tango Argentino. Haben Sie hier Berührungspunkte?

Nein, eigentlich gar nicht.

Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?

Ich bin sehr breit aufgestellt. Aber ich habe angefangen Klavier zu spielen, weil ich Barockmusik mag. Eigentlich hätte ich Cembalo spielen lernen sollen. Ich mag sehr gerne Musik von Johann Sebastian Bach. Das kann ich immer hören. Ich mag aber auch elektronische Musik und Popmusik, gerade wenn ich draußen unterwegs bin. Lächelt. Alles was mich berührt, kann ich mir anhören.

Je nach Stimmung?

Ja, total.

Ich habe gelesen, Sie lieben Japan. Woher kommt das?

Als Jugendlicher habe ich Kampfsport gemacht, da hat mich Asien immer sehr interessiert. Auch Sprachen interessieren mich. Ich bin ja mit mehreren Sprachen um mich herum aufgewachsen. Dann wollte ich immer schon noch eine weitere Sprache lernen, eine die ein anderes Schriftsystem hat. Und ich finde japanisch klingt einfach auch fantastisch. Vor zehn Jahren hab ich dann also die Herausforderung angenommen. So ist meine Liebe für dieses Land entstanden. Ein wirklich großartiges Reiseland. Ich mag auch Japaner. Sehr spezielle Menschen. Ich mag sie sehr gerne.

Wenn man die Sprache kann, kann man ganz anders in das Land und in die Kultur eintauchen …

Ja, das stimmt.

Nach Stuttgart ist es nun nicht gerade eine große Reise, aber kennen Sie die Stadt?

Ich habe Freunde, die aus Stuttgart kommen und ich war auch schon in Stuttgart. Aber, dass ich die Stadt kenne, das kann ich nicht sagen. Leider. Aber ich bin mir sicher, Stuttgart ist eine Reise wert. Lächelt.

Auf jeden Fall .. Sind Sie Stadtmensch?

Eigentlich schon. Ich bin in Köln groß geworden. Aber ich merke tatsächlich, mit zunehmendem Alter, dass mich das ländliche Leben, die Ruhe auch reizt. Doch in der Stadt und gerade in einer Stadt wie Köln zu leben, das kann sehr angenehm und einfach sein. Man hat alles, was man braucht in der Nähe. Vielleicht in zwanzig Jahren. Da könnte ich mir vorstellen, dass man nochmal auf andere Ideen kommen könnte.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Da gibt es so einige. Ich verbinde mit Italien sehr viel. Mit meinem Vater und mit den Urlauben, die wir dort hin unternommen haben. In Italien, am Meer zu sein, das löst immer etwas ganz besonderes in mir aus. Japan ist mein absoluter Sehnsuchtsort. Wenn ich Bilder sehe, die Farben, die Städte, die Landschaften – da bekomme ich schnell Fernweh. Also, meine Sehnsuchtsorte sind Italien und Japan.



Vielen Dank, lieber Herr Moschitto für das tolle Gespräch und für die Einblicke, die Sie mir in Ihr Leben gewährt haben. Das war mir eine Freude.







'Ich höre gerne Schlager- und Popmusik'

Elena Uhlig

Fotoausschnitt: ZDF Walter Wehner



Eine spezielle Hochzeitskomödie: Die 42jährige Anna (Meike Droste) ist als Single glücklich und will sich nicht ein Leben lang binden. Ganz anders ihre beste Freundin Daisy (Elena Uhlig), die sich nichts sehnlicher wünscht als einen Heiratsantrag, und Annas Tochter Clara (Vita Tepel), die gerade ihre aufwendige Traumhochzeit plant. Der ganze Trubel wirft Anna unerwartet in eine Identitätskrise: Keiner ihrer Verflossenen hat ihr je einen Antrag gemacht. Schließlich legt sie es darauf an, ebenfalls gefragt zu werden.

'Mich hat keiner gefragt' - Donnerstag, 12. August, 20.15 Uhr ZDF


Im Gespräch  mit Elena Uhlig

Marion Graeber im August 2021



Hallo liebe Frau Uhlig, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr. Sind Sie gerade in München?
Ja, ich bin in München. 

Die Komödie „Mich hat keiner gefragt“, spielt auch in München. War das für Sie eine Erleichterung quasi 'zuhause' zu drehen? 
Ich muss tatsächlich sagen, als die Anfrage kam und ich wieder einmal eine beste Freundin spielen sollte - das hab ich ja öfter - habe ich mir das schon überlegt. Ich weiß ja, dass ich eine beste Freundin bin. Auch im Leben. Aber einer der  ausschlaggebenden Punkte für den Film war der Drehort München und Meike Droste. Da hab ich gesagt, her mit dem Ding. Sehr gerne. Ein großes Thema in unserem Beruf ist ja – entweder man hat sein Leben oder den Beruf. Als ich meine Schauspielausbildung abgeschlossen hatte, da hab ich ein Angebot von einem Theater bekommen. Ich weiß noch, wie ich damals zum Intendanten sagte, dass ich mich total geehrt fühle, ich mir aber gerne vorher noch die Stadt anschauen wolle. Ich wollte also eine Woche Urlaub machen, um mir die Stadt, in der ich dann leben sollte, anzuschauen. Einfach auch, um zu sehen, ob ich da leben kann. Der Intendant war dann allerdings richtig sauer und meinte, ich müsse mich schon gleich entscheiden. Ich hab ihm dann entgegnen müssen, dass ich leider absagen muss, wenn ich mich so kurzfristig zu entscheiden habe. Ich muss doch schauen, ob ich glücklich werden kann. Ich kann doch auch nur gut spielen, wenn ich gut lebe. Das wurde damals leider alles ganz falsch verstanden. Leben und arbeiten – das muss miteinander vereinbar sein. Das ist auch etwas, das mich manchmal mit dem Beruf auf Kriegsfuß stehen lässt. Für dieses Thema kämpfe ich seit Jahren. München war da natürlich toll. Da wird man mal später zum Set abgeholt, kann die Kinder noch zur Schule bringen und ist auf jeden Fall auch nachts zu hause, um die Kinder ins Bett zu bringen. Das ist einfach spitze. Man kann bei seinen Lieben sein und hat die Chance auch seinen Beruf auszuüben. Das ist doch wirklich ein Geschenk. 

Dann hat alles gut gepasst…. 
Ja, das stimmt. Und ich muss auch sagen, dass ich das Buch einfach schön finde.

Sie hatten einen guten Drive, hatten Spaß… 
Wir hatten wahnsinnig viel Spaß. Wir haben uns auch so aufeinander gefreut und viel gelacht. Das war wirklich, wie eine gemeinsame Zeit mit einer Freundin. 

Das sieht man… 
Das ist schön… 

Drehs unter Corona Bedingungen sind für Schauspieler und generell in der Filmbranche wahrscheinlich schon ein bisschen zur Gewohnheit geworden. Wie empfinden Sie das? 
Das ist schwierig. Grundsätzlich finde ich es ganz schön, dass man nicht mehr alle küssen muss. Lacht. Es ist ja schon auch etwas komisch für den Künstler – man kennt sich eigentlich gar nicht und küsst sich ständig. Das ist ja auch anstrengend. Beispielsweise, wenn man mal einen schlechten Tag hat. Was einem aber schon fehlt, ist eine gewisse Form von Nähe. Wenn man so das gesamte Team vor sich hat und alle tragen Masken, da sieht man auch keine Reaktionen mehr und das finde ich schon schade. Normalerweise bekommt man mal ein Lächeln, eine Bestätigung … so etwas findet quasi nicht mehr statt. Das ist schon schräg. Ich war im Dezember 20 in einem Hotel für die Drehzeit eines Weihnachtsfilms. Das war grauenhaft. Das war „The Shining“ par excellence. Ein Hotel mit vierhundert Betten und gerade mal fünf belegten Zimmern. Da wollen Sie nicht sein. Leere Hotelflure und Essen in Plastik verpackt vor der Türe abgestellt … 

Alles unpersönlich und man ist alleine… 

Ja, genau. Ich dachte mir anfangs, dass ich ja meine zwei, noch nicht schulpflichtigen, Kinder mitnehmen könnte, aber das war nicht möglich. Und selbst wenn, es war ja alles geschlossen. Da hatten es die Kinder zuhause besser. Andererseits hat mir Corona auch meine Freiheiten gebracht. Beispielsweise durch Instagram. Ich glaube, das hätte sonst so gar nicht stattgefunden. Ich bin da, mit dem Gedanken, dass ich die Menschen unterhalten will, so hineingestolpert. 

Auch mit dem Videotagebuch haben Sie vielen Menschen eine Freude in einer unsicheren Zeit geschenkt..
.                                                                               Das ist schön. Was da plötzlich passiert ist. Das geht ja durch alle Altersklassen. Menschen haben darauf gewartet und sich auch gegenseitig in den Kommentaren geschrieben. Da war das Gefühl – man ist nicht alleine. 

Man konnte lachen und hatte etwas, worauf man sich freuen konnte… 
Das möchte ich auch tatsächlich nicht missen. Das ist etwas zum Thema München und Familie. Da war die Chance zu sagen, ich bin Künstlerin durch und durch. Ich will moderieren und eigentlich bin ich ja auch die Entertainerin. Das liebe ich. Menschen zum Lachen bringen, das hab ich schon als Kind geliebt. Jetzt hab ich endlich die Chance, es selber in der Hand zu haben. Der Zuschauer und ich entscheiden. Finden wir das gut oder nicht. Da sind keine Redakteure oder Redakteurinnen zwischengeschaltet. Man bekommt sein Feedback ganz unmittelbar.

Sie haben, glaube ich auch so eine unbändige Lust in vielen Bereichen tätig zu sein. Stimmt das? 
Ich habe einen Satz von Ihnen gelesen „Stillstand verursacht Stress“… 
Ja, das macht mir total Stress. Lacht.

Nichts schlimmer als Langeweile? 
Ich finde schon auch, dass Langeweile wichtig ist, um in einen künstlerischen Prozess zu gehen. Was ich nicht mache, sind beispielsweise Handyspiele. Damit vertrödle ich meine Zeit und mein Leben nicht. 

Über Langeweile Kreativität generieren? 
Genau, ich glaube ja auch, dass ich ein Helfersyndrom habe. Kein Wunder, bei vier Kindern. Lächelt. Ich beschütze auch gerne. Das ist etwas, das mir wichtig ist. Ich bin auch wirklich eine gute, beste Freundin. All diese Gedanken waren von Anfang an präsent. Ich bin der Meinung, Künstler müssen Menschen unterhalten.

Vielleicht ist es auch einfach „gesünder“ etwas zu tun zu haben…
 
Für mich zumindest schon. Herr Karl und ich hatten auf diese Weise auch ein schönes, gemeinsames, berufliches Projekt. Wir sind eben auch beide Künstler. Es war und ist uns wichtig, unsere Kunst auch gemeinsam zu machen. Ich sehe das ein bisschen so: Wir sind wie ein Instrument. Das muss auch gespielt werden, sonst verstimmt es. Wir haben also einfach weitergespielt… 

Apropos Instrument – welches Musikgenre ist Ihnen das liebste? 
Ich höre gerne Schlager- und Popmusik.

Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino? 
Nein, den hab ich nicht.

Mit Ihrem Mann durfte ich auch schon sprechen und er meinte, einen Walzer würde er können… 
Ja, einen Walzer bekomme ich auch gerade noch hin. Ich finde es ja auch schade, dass das Tanzen nicht mehr ganz so angesagt ist, wie das früher war - zumindest die Standardtänze. Vielleicht hat sich das durch „Let`s dance“ etwas verändert… Tanzen, das ist Nähe und sich zur Musik zu bewegen ist einfach toll. 

Wenn ich Sie frage, ob Sie lieber einen Spaziergang in der Morgendämmerung oder einen mit Einbruch der Dunkelheit machen würden, was wäre Ihnen lieb? 
Bei Einbruch der Dunkelheit. Ansonsten müsste ich ja morgens früh aufstehen. Lacht. Ich habe einen Spätrhythmus - bin eher die Nachtigall und nicht die Lerche.

Was hat für Sie den größeren Reiz – am Set auf Leute zu treffen, die man bereits kennt oder auf Kollegen, mit denen man zuvor noch nicht gearbeitet hat?
 
Meike Droste kannte ich zuvor noch nicht, aber ich dachte mir, dass ich sie mögen könnte. Wir haben uns dann ein Mal im Vorfeld getroffen und manchmal trifft man ja auf Menschen und weiß sofort - das passt. Arbeit ist immer auch Lebenszeit. Wenn man dann am Set eine gute Zeit hat, ist das auch immer etwas, das man mit in sein Leben nimmt. Das finde ich ganz toll.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben? 
Die Nordsee. Das Meer kommt und geht, es gibt keinen Stillstand.


Vielen Dank, liebe Frau Uhlig für das schöne Gespräch





Kunst


'Meinen Sehnsuchtsort finde ich in der Meditation'

Irene Müller

Foto: privat


Im Gespräch mit der Stuttgarter Künstlerin Irene Müller

Malerin, Bildhauerin, Video- und Aktionskünstlerin

Marion Graeber im Juni 2021


Wo bist du aufgewachsen?

In Ulm an der Donau.

Spielte Kunst und Kultur in deiner Kindheit und Jugend eine Rolle?

Ja, das war für mich schon immer sehr wichtig. In der Phase als Jugendliche hat mich die zeitgenössische bildende Kunst sehr inspiriert und meine Eltern haben mich in meinem Drang, mich in Bildern auszudrücken, gefördert. Das Schulfach „Bildende Kunst“ war dann auch neben Naturwissenschaften und Sport eines meiner Abiturfächer. Eine tolle Kombination meiner Interessengebiete. Sieben Jahre klassischer Klavierunterricht führten mich an die klassische Musik heran, was ich erst später so richtig zu schätzen wusste. Theater- und Museenbesuche begleiteten meine Kindheit und Jugend.

Dann besuchst du Museen bereits seit deiner Kindheit und Jugend...

Ja, seit meiner Kindheit gehörten Besuche unterschiedlichster Museen, Galerien und Kunstvereinen dazu; anfänglich standen diese kulturellen Ereignisse auf dem sonntäglichen Plan meiner Eltern, später mit Schulklasse und auf Eigeninitiative.

Hast du ein Lieblingsmuseum?

Direkt eines herauszustellen wäre zu einseitig. Es kommt ja immer darauf an, was gerade ausgestellt wird. Ob eine gute Ausstellung in der Tate Galerie in London oder im Kunstmuseum Stuttgart gezeigt wird, ist ja dann vom Ort eher unabhängig. In Bezug auf kunstgeschichtliche Museen haben mich in letzter Zeit das Kunsthistorische Museum in Wien und die National Gallery in London beeindruckt. In nächster Zeit steht dann mal der Louvre und das Naturhistorische Museum in Wien an.

Eine Lieblingsstadt?

Venedig im Herbst. Diese Stadt zieht mich trotz Massentourismus in ihren Bann. Es geht eine unerklärliche Anziehungskraft von ihr aus. Irgendetwas ist dort anders...

Lieblingskünstler?

Das ändert sich immer wieder und ich lasse mich gerne überraschen. Da fällt mir mein Besuch im vorletzten Jahr im kunsthistorischen Museum in Wien ein. Als ich den Raum mit den riesigen Rubensgemälden betrat, hat mich die unbändige Energie und Kraft der Werke unglaublich überwältigt. Mit Rubens
hatte ich mich zuvor noch nicht groß beschäftigt. Es sprechen mich auch viele zeitgenössische Werke unterschiedlicher Disziplinen an, beispielsweise  das Kunstwerk mit dem Roboter des Künstlerduos Sun Yuan und Peng Yu. Die Kunstbiennale in Venedig bietet da immer wieder einiges.


Reist du gerne - gibt es ganz besonders inspirierende Reisen/Länder/ Plätze für dich?

Ich reise sehr gerne. Inzwischen eher in Europa, früher möglichst ausserhalb. Nachhaltig beeindruckt haben mich die Landschaften des Himalaya in Nepal und Ladakh (Indien). Die bizarren Berge in Guilin (China). In weiten, menschenleeren Landschaften zu stehen, war und ist für mich sehr existenziell (beispielsweise die gigantischen Naturparks in den USA, Neuseeland, Australien, Südostasien. Einige der Ereignisse auf Reisen haben eine Spur in meinem künstlerischen Schaffen hinterlassen. Inzwischen gewinnen für mich auch nähere Ziele an Relevanz: die Nordseeinseln mit ihren weiten Stränden und dem wilden Meer. Eine Urlaubsreise führte mich auf die Insel Amrum, ohne Hintergedanken bezüglich der künstlerischen Verwertbarkeit. Daraus kristallisierte sich hinterher das fortlaufende Projekt „WEGE – Wattenmeer“ mit Müller & Sohn heraus. Von Menschen gemachten kulturellen Orte können ebenfalls Inspirationsquelle sein und was in mir bewegen, beispielsweise die Woche im damals menschenleere Bagan in Myanmar, eine historische Königsstadt mit über zweitausend erhaltenen Sakralgebäuden aus Ziegelstein habe ich immer wieder vor Augen.
Ich erfahre immer wieder, dass es Orte gibt an denen etwas unsichtbares ist, was einen erfüllt und zu sich selbst führt und nachhaltig beeindruckt.

Wie definierst du selbst deine künstlerische Arbeit?

Die ursprüngliche Grundlage meiner Arbeiten bildeten Webcams. Ich nutzte zufällig im Internet gefundene Webcams und deren Bildmaterial als Grundlage meine Skizzen und deren malerische Umsetzung. Das digitale „found footage“ habe ich abstrahiert, neu komponiert und uminterpretiert. Aus anonymen, digitalen Einzelbildern entstehen analoge, malerische Originale. Die Arbeit am Bild führt so zu einer kontextuellen Auseinandersetzung an der Schnittstelle von Fotografie und Malerei. In diesem Kontext entstanden auch zahlreiche Videoarbeiten.

Kannst du deine künstlerische Arbeit anhand einzelner Projekte konkretisieren?

Das Vietnam Projekt. Während meiner Asienreise 1995 fand ich auf einem Müllhaufen an die tausend Passfotonegative von Menschen aus Hoi-An und Umgebung. Während der französischen Kolonialzeit in den 50er Jahren war es für jeden Einwohner Pflicht, einen Pass zu besitzen. Die dazu benötigten Passfotoaufnahmen waren für viele dieser Menschen die erste Begegnung mit einem Fotoapparat. Dieser Fund stellt laut dem damaligem Direktor der Ludwigstiftung das bis damals größte je gefundene zusammenhängende Konvolut aus dieser Zeit und dieser Art dar. Diese Portraitfotos dienen mir bis heute zur Vorlage für die Umsetzung in Malerei.

Eine weitere Arbeit entstand während meines Aufenthaltes 2004 in Ladakh, Nordindien. Dort fand ich Passfotos von Absolventinnen der Mahabodhi School in Ladakhs Hauptstadt Leh. Die Portraits zeigen Mädchen, die aus sehr abgelegenen Regionen des Himalaya kommen. Auch diese Fotovorlagen erfuhren eine Transformation in Malerei: die „Mahabodhi Girls“.

2007 entstand während mehrmaliger Aufenthalte in Kalifornien durch die eigene Beobachtung urbaner Anlagen die Gemäldeserie Promenaden. Im selben Jahr beobachtete ich ausserdem mittels der Webcam der Forschungsstation Neumayer II in der Antarktis eine große Eisscholle. Die Webcam lieferte mit ihren stündlich aktualisierten Fotos die Inspiration für die Gemäldeserie „Atka Bay“. Die Kamera war Richtung Schneeschmelze ausgerichtet und während des Beobachtungszeitraums von Januar bis Dezember 2007 schob sich ein großer Eisberg ins Bild. Durch das Vergleichen der vielen Aufnahmen war eine schleichende Fortbewegung des Eisgebildes festzustellen und auch eine leichte Veränderung der Form. Fünf der unzähligen dokumentarischen Momentaufnahmen habe ich in Malerei umgesetzt.

Ab 2012 beginne ich das „Wildschweinprojekt“ (damaliger Arbeitstitel), basierend auf zahlreichen Fotos der Wildkamera eines Jägers aus dem Schwarzwald. Dieses künstlerische Experiment entwickelte sich zu dem Projekt, der „SUPERWILDVISION“, das bislang im Schwarzwald, am Stadtrand von Stuttgart und auf 2500 m Höhe in den Zillertaler Alpen, Österreich durchgeführt wurde. Seit Sommer 2018 begann das vierte Projekt der „SUPERWILDVISION“ in der Nähe von Windhoek, Namibia. Dort wird voraussichtlich auch 2021 dieses Experiment fortgeführt. „SUPERWILDVISION“ hat den Charakter eines Forschungsprojekts, das sich an der Schnittstelle von Kunstwahrnehmung bei Tieren und intermedialer Gestaltung bewegt. Die Tiere werden während der mehrmonatigen Dauer eines Projekts durch eine Wildkamera mit Infrarotfunktion aufgezeichnet. Sobald sich ein Tier tagsüber oder nachts vor der Kamera bewegt, beginnt die Kamera mit der Aufzeichnung. So entsteht eine Dokumentation über das monatelange Treiben der Tiere. Dieses „Footage“ werte ich aus und extrahiere daraus „Filmstills“. Diese dienen mir wiederum als Vorskizze für die darauffolgende Umsetzung in Malerei. Das gemalte Bild bekommt so auf mehrfache Art und Weise eine Bedeutung. Zum einen dient es als „Anschauungsobjekt“ für die Tiere am jeweiligen Projektort, zum anderen entstehen daraus in einer Interaktion Bilder, die sich thematisch auf die Geschehnisse vor der Kamera beziehen. So durchläuft das Werk mehrere Phasen bis es am Ende sein endgültiges Format erreicht hat.

Was bedeutet dir Kunst, und was bedeutet es dir künstlerisch tätig zu sein?

Die Kunst hat  in meinem Leben einen großen Stellenwert. Sie ist für mich wie ein Schlüssel zum Leben. Sie ist auch jenseits der Worte. Während des  schöpferischen Prozesses in meinem künstlerischen Tun bin ich synchronisiert mit dem Leben – ein sehr wertvoller Zustand. Es bedeutet mir sehr viel, einen Großteil meiner Zeit mit meiner künstlerischen Tätigkeit zu verbringen. Genau genommen stoppt diese Tätigkeit ja auch nicht, wenn ich durch den Wald gehe oder sonst wo bin und sonst was mache. „Es“ arbeitet immer weiter und weiter ... Da ich mein Leben aber nicht in „Arbeit, Freizeit, Wochenende, Urlaub“ aufteile, empfinde ich mein künstlerisches Tun als  einen fortlaufenden Prozess. Meist befinde ich mich mit diesem Prozess in Einklang, aber natürlich gibt es auch Tage des Zweifels, der Unruhe, des Getrenntseins, der Unzufriedenheit, denen ich mit Beharrlichkeit, Kontinuität, Zuversicht und möglichst viel Humor zu entgegnen versuche. Klappt meistens.

Was bedeutet dir dein Leben und Wirken in Stuttgart?

Stuttgart hat für mich zum Arbeiten und Leben die richtige Größe. Kunstmuseum, Galerien, Kunstverein, Theater, Oper, einen Großhändler für Künstlerbedarf und gleichzeitig viel Wald und Grünflächen in erreichbarer Nähe zu Fuß – das hat man nicht überall. Nach so vielen Jahren in Stuttgart habe ich hier schon auch Wurzeln geschlagen.

Erläutere gerne Stationen deines 'Weges' ...

In Ulm bin ich geboren und aufgewachsen. Die 80er Jahre verbrachte ich mit studieren im süddeutschen Raum und mit reisen in den USA, Australien und Neuseeland. Ich begann ein Jurastudium in Freiburg, studierte dann Malerei an der Freien Kunstschule in Stuttgart und Kommunikationsdesign und Malerei an der Hochschule Augsburg. Schliesslich schloss ich das Studium 'Visuelle Kommunikation' an der Merz Akademie in  Stuttgart mit Diplom ab. 1990 richtete ich ein künstlerisches Atelier ein und war parallel zu meiner künstlerischen Arbeit bis 2014 als Art Direktorin für ein Designbüro sowie im Bereich Grafik in Verlagen tätig. Mit meinem Partner Diethard Sohn gründete ich 2015 das Label „Müller & Sohn“. Es sind einige gemeinsame Projekte entstanden und werden kontinuierlich weiterentwickelt und fortgesetzt. Wir wohnen und arbeiten im Stuttgarter Süden.

Was mich nachhaltig beeindruckt hat war 2003 eine Zusammenarbeit mit dem Aktions- und Bühnenkünstler Christoph Schlingensief. Die Arbeit mit Schlingensief war im Rahmen des Projekts „Church of Fear“. Rückblickend betrachtet war diese Zeit ein starker Antrieb für meine weitere künstlerische Entwicklung. Seit 2014 arbeite ich schwerpunktmäßig als Malerin, Bildhauerin, Video- und Aktionskünstlerin.

Was bedeutet dir die Musik?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Sie ist wichtig, ist immer dabei – gehört zum Leben dazu.

Welches Musikgenre bevorzugst du?

Jede Jahreszeit, jede Lebensphase, jeder Gefühlszustand verlangt, finde ich, nach unterschiedlicher Musik. Tendenziell sprechen mich eher Moll-Tonarten an. Eigentlich erstaunlich, da ich in meinen Bildern häufig eine farbenfrohe Farbpalette verwende; das eine schließt das andere wohl nicht aus. Verstärkt in der dunklen Jahreszeit komme ich auf klassische Musik zurück (bevorzugt Klavier), höre aber ausserdem gerne Indie und genreübergreifende Musik, die sich nicht so richtig einordnen lassen, gerne auch jazzige Klänge.

Mit welcher Musik bist du im Elternhaus aufgewachsen?

Klassik.

Was hast du in deiner Jugend gehört?

Rock, Jazz Rock, Jazz, Pop

Brauchst du für deine künstlerische Arbeit die Stille oder begleitet dich die Musik?

Während der praktischen, künstlerischen Tätigkeit begleitet mich fast immer Musik, während die Ideenfindung oft in den Momenten hinter den Geräuschen stattfindet; meist, wenn ich nicht über Gedanken nachdenke.

Was brauchst du für deine Inspiration? Was, um kreativ zu arbeiten?

Sowohl Einflüsse von aussen, als auch die Zurückgezogenheit und ganz wichtig ist die Natur.

Arbeitest du bevorzugt nachts oder doch lieber in den Morgenstunden?

Der frühe Morgen ist nicht so meine Zeit.

Tanzt du? Dein Lieblingstanz ... Hast du einen Bezug zum Tango Argentino?

In meiner Kindheit und Jugend habe ich klassisches Ballett gelernt, später HipHop, im Tanzkurs in der Schule den ersten und einzigen Kontakt zu Tango erfahren und seit über 25 Jahren ist mein „Tanz“ Tai Chi. In der Musik des Tango Argentino spricht mich die zarte, melancholische Tendenz stark an. Im Jahr 2001 hat mir das Album von der Band „Gotan Project“ den Tango musikalisch näher gebracht.

Mit Müller&Sohn art projects verbindet dich künstlerisches Schaffen mit deinem Partner Diethard Sohn. Was bedeutet dir diese gemeinsame Arbeit?

Es bedeutet mir sehr viel und ich möchte diese Zusammenarbeit auch für meine künstlerischen Entwicklung nicht missen, obwohl es manchmal eine Herausforderung ist ;-). Gegründet haben wir das Label im Jahr 2015 – ein Labor, ein Experiment mit offenem Ausgang. Unsere Herangehensweisen sind meist sehr unterschiedlich und die Eigendynamik der Prozesse nicht absehbar, führen dann aber immer wieder zu erstaunlichen Werken. Zu Beginn eines Projekts haben wir das Endresultat nicht vor Augen. Rückblickend kann ich erkennen, dass wir spielerisch mit Videoaufnahmen unserer Aktionen (meist im Naturraum) begonnen haben, welche inhaltlich und formal verwoben in Skulpturen und in gemeinsam gemalten Gemälden mündeten. Mir kommt diese Arbeitsweise sehr entgegen, da nicht von Anfang an alles durchkonzeptioniert ist und die möglichen Resultate anfangs überhaupt nicht absehbar sind. Es ist sehr schön diese Entwicklung gemeinsam zu erleben und daran zu wachsen. Diese Vorgehensweise und auch ganz klar die dazugehörigen Auseinandersetzungen mit Diethard, stellen letztendlich eine Bereicherung für mich dar.

Hast du einen Sehnsuchtsort?

Ja, zu diesem Ort, der eigentlich kein Ort im herkömmlichen Sinne ist, finde ich in der Meditation.

Ein/dein Wunsch ...

Bald mal wieder auf das weite Meer schauen



Vielen Dank, liebe Irene für die Einblicke in dein Leben.





'Anarchistisch und doch in geordnetem Schritt, der zärtlichen Melodie des Bandoneons folgen, ein Spaziergang zwischen purer Lust

am Leben und sanfter Melancholie, Erotik und Tod ... Tango'

Diethard Sohn


Foto: privat



Im Gespräch mit dem Stuttgarter Künstler Diethard Sohn

Malerei und Skulptur

Marion Graeber im Mai 2021



Was bedeutet dir Kunst?

  • In erster Linie sehe ich mich als Maler. Genau gesagt als Zeichner und Maler mit einer Tendenz zur Plastik.
    Die Malerei definiert sich aus der Fläche, die Zeichnung auf der Linie und die Plastik aus der Formbarkeit eines Stoffes. Im Gegensatz zu letzterer steht die Skulptur. 
  • Kunst bedeutet für mich ein Gegenpol zu Berechenbarkeit von Rationalität und empirischer Wissenschaft. Treibende Kräfte in der Kunst sind Intuition und Kreativität und Selbstbestimmung des Autors oder wenn es mehrere sind der Autoren.
  • Die Kunst ist frei.


Was bedeutet es dir künstlerisch tätig zu sein? 

  • Diese Frage kann ich schwer beantworten, weil ich mir nicht vorstellen kann nicht künstlerisch tätig zu sein.
    Ein Beispiel: Ich arbeite aktuell an einem Portrait einer Quitte. Dabei versuche ich die Quitte möglichst realistisch und dabei so darzustellen wie ich diese Quitte nicht nur sehe, sondern wie ich sie empfinde. 


Wie hat sich deine Liebe zur Kunst entwickelt?

  • Als kleines Kind spürte ich wie stark Form und Farbe auf mich wirken. Ich erinnere mich wie mich ein Nierentisch mit in poliertem Messing gefasster Kirschfurniertischplatte in den Bann zog, oder Muster und Zeichnungen auf damaligen Tapeten oder auf einem Papierkorb, bestehend aus einer Papptonne mit bedruckter Folie überzogen.


Gibt es einen Schlüsselmoment, mit welchen dir klar wurde, dass der Weg eines Künstlers, der deine ist? 

  • Als ich Schüler am Gymnasium war nutzte ich die Unterrichtsstunden um meine Hefte voll zu zeichnen. Das waren glückliche Stunden, und mir wurde mehr und mehr klar, dass ich diesen Weg weiter gehen muss.


Inwieweit bist du mit Kunst und Kultur aufgewachsen? 

  • Meine Eltern waren kunstinteressiert. Bei uns im Haus hingen Siebdrucke von Soulages und Bubenik, Radierungen von Moog ... und diverse Originale aus dieser Zeit.


Welche Rolle spielte Kunst und Kultur in deiner Kindheit und Jugend?

  • Als ich Kind war zogen wir mehrmals um. Eine Station war Hofheim im Taunus. In unmittelbarer Nachbarschaft eröffnete Herrmann Krupp seine Galerie 66. Für mich als sieben jähriger Bub war das was ich dort sah wie eine Offenbarung. Da waren Bilder von Reipka, Moog, Stankowski, Bubenik, Simon Dittrich, Otmar Alt und vieles mehr. Eine neue, eine andere Welt tat sich da auf. Weit weg von brauner Soße und Kroketten.


Wenn du künstlerisch tätig bist - was brauchst du - Stille oder vielleicht Musik? 

  • Mal so, mal so. 


Welche Musik ist dir die liebste? 

  • Beim Arbeiten höre ich gerne Rockmusik, Independent oder Jazz, ab und an Klassik.


Zur Musik gehört die Bewegung. Tango spielt in deiner Kunst ebenfalls einen wichtige Rolle. Tanzt du auch selbst den Tango Argentino? 

  • Nein ich tanze nicht.


Was ist ‚Tango‘ für dich? 

  • „Anarchistisch und doch in geordnetem Schritt, der zärtlichen Melodie des Bandoneons folgen, ein Spaziergang zwischen purer Lust am Leben und sanfter Melancholie, Erotik und Tod ... Tango“ .. ist natürlich eine Sicht mit Augenzwinkern bezüglich der Entstehung, der Entwicklung und Tango heute wie ich ihn hier in Stuttgart beobachten konnte.


Was inspiriert dich?

  • mich inspirieren Träume, Menschen im täglichen Leben und selbstverständlich die Natur in ihrer unglaublichen Vielfalt und evolutionären Intelligenz.


Wie arbeitest du und wann? Wann bist du besonders kreativ? 

  • es ist unterschiedlich. 
    Manchmal ist da eine Idee, manchmal entwickelt sich die Idee oder gar ein Konzept aber auch erst beim Malen. 
    Unabhängig davon ist der erste Punkt, Klecks oder Strich auf der Fläche dann wie das Betreten einer vollkommen unberührten weissen Schneedecke. Das hat immer auch etwas mit Zerstörung zu tun. Man braucht Energie. Und dann, wenn da etwas ist, dann wird es leichter, meist folgt dann der Rest. Immer im Dialog mit dem Bild. Dazwischen gibt es dann immer wieder Phasen der Stagnation, der Kritik, des Selbstzweifels. In solchen Momenten ist es dann oft auch gut raus zu gehen. 
    Ich arbeite viel und gern beim Joggen oder beim Wandern. Der monotone sich ständig wiederholende Bewegungsablauf beim Laufen oder gehen in Wald und Wiesen, im Gebirge oder am Meer, regt zu „meditativem“ Denken an. Und hilft den Prozess voran zu treiben.


Bist du ein Morgen- oder ein Nachtmensch?

  • Was die Malerei angeht sicher eher ein Nachtmensch. Ich beginne den Tag zwar recht früh am morgen aber zum Malen komme ich meist erst im Laufe des Vormittags und dann zieht sich der Tag eben oft unmerklich hin bis ich gegen Mitternacht die Pinsel auswasche.


Erläutere dein Schaffen, deine Werke, deine Projekte ...

  • Meine Arbeit bewegt sich in einem Spektrum zwischen comichaften kubistischen Strukturen und hyperrealistischen Darstellung. Ein verbindendes Element in meiner Arbeit ist sehr häufig das Portrait. 
    Für mich als Maler ist es dabei wichtig nicht in irgendeiner Zeit hängen zu bleiben, oder mich in vergangenem zu suhlen, sondern mich aus formal-ästhetischer Sicht der Formen und Formensprache unserer Zeit zu bedienen, dazu gehört die gesamte Geschichte der Malerei aber eben auch die Genres Comic, die Pop-Art und selbstverständlich auch Street-Art. 
    Ich würde mich in keine dieser Genres einordnen wollen, das wäre mir zu einseitig, das bin ich nicht, weder das eine noch das andere, aber selbstverständlich haben Zitate aus diesen Genres oder auch Hinweise, Elemente ihren Platz in meinem Werk, aber immer in eigener Art.
    Ein Beispiel: Das Quittenportrait. Manche sagen es erinnert sie an Dürer. Ja sicher auch Dürer malte sehr detaillierte Pflanzenbilder und doch sind sie in der Führung der Linien, in der Farbgebung und Form eindeutig der Renaissance zuzuordnen, während mein Quittenportrait eben in der Art der Darstellung, Farbgebung und Linienführung ganz eindeutig aus der heutigen Zeit ist. Das ist sehr interessant und es sind oft nur Nuancen, die man aber eigentlich nicht übersehen kann.

    Der Comic-Strip definiert sich aus der sequenziellen Darstellung von narrativen Bildern, auch Text oder Textbilder. (Expressive Darstellung von Text und entsprechender Typographie). Der Comic selbst definiert sich durch Vereinfachung oder auch Überzeichnung und gleichzeitig Verdeutlichung von z.B. typischen Formen, Farben, Bewegungen, Mimik, Gestik und Haltung. Comic ist sehr expressiv.


Du lebst in Stuttgart - welche Beziehung hast du zu dieser Stadt? 

  • Stuttgart ist irgendwie überschaubar


Hast du einen Lieblingsplatz in Stuttgart?

  • Ich geh öfter mal in den Landschaftsschutzgebieten um die Weinsteige herum laufen oder spazieren. Da gibt es sehr schöne Ecken. 


Mit Müller&Sohn art projects verbindet dich künstlerisches Schaffen mit deiner Partnerin Irene Müller. Was bedeutet dir diese gemeinsame Arbeit?

  • Inzwischen sehr viel. Anfangs fühlte es sich seltsam an, da wir sehr unterschiedliche Herangehensweisen an die Malerei und überhaupt an unsere Ausdrucksformen und Mittel haben.
    Irene hatte immer schon ein Interesse an dokumentarischem Foto- und Videomaterial und integrierte dieses in ein dynamisches Wechselspiel mit Malerei. So kam sie über eine Freundin, eine Fotokünstlerin, die am ZKM in Karlsruhe tätig war dann auch in Kontakt mit Christoph Schlingensief. War dann viel als künstlerische Mitarbeiterin mit ihm unterwegs, unter anderem auch an einer Aktion von Christoph, dem „Pfahlsitzen“ auf der Biennale in Venedig.

     Wohl hatten wir auch Gemeinsamkeiten. Die aber zunächst eher ausserhalb der Malerei lagen, z.b. das Wandern. Und so entdeckten wir auf unserem Weg durch die Alpenlandschaft Österreichs in recht regelmäßigen Abständen rote Ruhebänke, die sich wie ein Rythmus durch die Landschaft zogen. Es war wie ein roter Faden, der uns das gemeinsame Interesse nämlich Wege zu gehen aufzeigte.

    Wie sehen eure gemeinsamen Projekte aus


    Wir nahmen diesen Rythmus auf. Wir schnitten rote Streifen aus Stoff und begannen selbst die Landschaft in einem Rythmus zu markieren, ohne diese dauerhaft zu verändern. Weil wir noch nicht so richtig wussten, was wir da tun und warum wir das tun, dokumentierten wir diese Aktionen mittels Action-Cam.

    Das war der Beginn des gemeinsamen Projektes „WEGE“
    Ideen und Erkenntnisse, die sich daraus ergaben, skizzierten wir und setzten sie anschließend in Malerei, Skulptur, Foto und Film um. Es entstanden neue, gemeinsame Werke, bei denen wir beide die Autoren sind. Und so gaben wir dem Kind einen Namen und entwickelten das Label Müller & Sohn. 

    Müller & Sohn versteht sich als ästhetisches Experimentier- und Forschungslabor im Spannungsfeld von Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Videokunst. Im Zentrum unserer Arbeit steht die Auseinandersetzung mit der Natur und ihre Phänomene. Und die Veränderungen, die sie durch den Eingriff des Menschen erfährt. 


Mit ‚Wege‘ seid ihr auch gerne auf Sylt. Was reizt dich an dieser Insel? 

  • Sylt hat eine unsichtbare Anziehungskraft, in erster Linie ist es wohl die Natur und ihre Kraft, über 40 km zusammenhängender Sandstrand bieten uns eine unglaubliche Spielwiese. Das Watt, die Wanderdüne, davor die “Mondartige” Landschaft, Ebbe und Flut, die Gezeiten, die Wolken, der peitschende Wind und natürlich die facettenreiche oft tosende launische Nordsee mit ihrem sich ständig wandelndem Gesicht.

    Ursprünglich zog uns die Forschungsstation des Alfred Wegener Institutes nach Sylt. Uns interessierte die Frage was Kunst und Wissenschaft aus der Sicht der in der jeweiligen Sparte tätigen Menschen in der heutigen Zeit verbindet. Wo gibt es Gemeinsamkeiten, z.B. in der Motivation oder im Arbeitsprozess und wo gibt es Gegensätze. Hierzu befragten wir Wissenschaftler. Wir durften ein wissenschaftliches Labor besuchen und erfuhren sehr viel auch über die Historie und den Wandel in wissenschaftlicher Arbeit.


Hast du Vorbilder in der Kunst?

  • Meine Vorbilder in der Bildenden Kunst sind Künstler aus der Renaissance, wie Francesco del Cossa, Jean Fouquet oder natürlich auch Albrecht Dürer, Henry Matisse, den ich hier besonders hervorheben möchte, Miro, die Kubisten, Tamara de Lempicka aber auch diverse Comiczeichner. 


Hast du einen Sehnsuchtsort? 

  • Der Ort meiner Sehnsucht ist glaube ich nicht von dieser Welt.




Lieben Dank, lieber Diethard,  für diese Einblicke in dein Leben




'Ich bin wach und offen für das was es da gibt'

(Florian Anderer über das Tanzen)

Florian Anderer

Foto: Urban Ruths


Zwangsräumung in Berlin: An einem kalten Novembermorgen muss Otto Wagner (Peter René Lüdicke) mit seiner Familie die Wohnung verlassen. Nach der Übernahme des Mietshauses durch die Ceylan Immobilien wird es Stück für Stück entmietet. Alte Verabredungen gelten nicht mehr und so sorgt die Umzugsfirma von Axel Schmiedtchen (Ingo Hülsmann) für eine schnelle, besenreine Übergabe. Vor kurzem war das Haus noch ein Sinnbild der berühmten "Berliner Mischung". Jetzt will Gülay Ceylan (Özay Fecht), die Chefin des kleinen Familienunternehmens, das Haus luxussanieren, um es später in Eigentumswohnungen umzuwandeln."Tatort: Die dritte Haut".

Das Erste. Sonntag, 06. Juni 21.


Im Gespräch mit Florian Anderer

Marion Graeber

Mai 2021


Hallo lieber Herr Anderer. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Ich freue mich über Ihre Anfrage.

Sind Sie gerade in Berlin?

Ja, genau. Ich bin in Berlin. Ich lebe hier.

Sie kommen ursprünglich aus Karlsruhe, da dachte ich mir, mein Dialekt wird kein Problem für Sie darstellen….

Lacht. Stimmt. Den hab ich auch. Allerdings wurde mir dieser in der Schauspielschule abtrainiert. Lächelt.

Im Theater, wie auch im Film wird teilweise auch im Dialekt gespielt. Wie stehen Sie dazu?

Ich habe tatsächlich gerade eine Anfrage für ein Tatortcasting bekommen, da ist der badische Dialekt ausdrücklich erwünscht.

Können Sie diesen immer problemlos abrufen?

Ja, ich kann und lerne Dialekt schnell. Auf meinen Onlineprofilen habe ich auch eingetragen, dass ich mehrere Dialekte bedienen kann. Habe das nun aber doch wieder auf die Dialekte reduziert, die ich wirklich gut kann. Denn, in dem Augenblick in dem man spielt muss man an so viele Dinge denken – da ist kein Platz für die Gedanken „wo und wie bewege ich mich korrekt im Dialekt“….  

Welchen Dialekt haben Sie neben dem Heimatdialekt eingetragen?

Berlinerisch - ich lebe schon so lange in Berlin.

Fehlt Ihnen die Region (Süddeutschland) ein bisschen?

Ja, schon. Mir fehlt ein bisschen das badische Klima. Das vermisse ich. Ich komme aus der Rheinebene. Mit der Fähre ist man schnell im Elsass. Auch die Nähe zur Pfalz – das hat schon so einen speziellen Charme. Ich hab in meiner Heimatregion auch schon fast tropische Sommer erlebt. Dann diese Vegetation. Das vermisse ich alles schon etwas.

Sie verkörpern im „Tatort – Die dritte Haut“ die Figur des Thomas Dahlmann. Was hat Sie persönlich an der Rolle gereizt und wie charakterisieren Sie sie?

Am Drehbuch hat mich gereizt, dass dieser Tatort einer ist, wo es um die Sache geht. Nicht die persönlichen Differenzen, die Psychosen oder Schicksale unter den Kommissaren stehen hier im Mittelpunkt, wie das im Moment modern ist. Es geht tatsächlich um den Fall. Und dann hat mich tatsächlich überrascht, dass man so sehr in die Thematik eintaucht, dass man ganz ohne Verfolgungsjagd und Schießerei auskommt.

Ein Mietshaus soll geräumt werden – ein Mietshaus, welches zu einem Luxusobjekt werden soll.

Ja, genau. Thomas Dahlmann hat sich in die Familie des Immobilienunternehmens eingeheiratet. Ich habe gleich gesehen, dass er kein 0/8/15 Immobilienhai sein soll. Er hat menschliche Züge und ist nicht so ein Stereotyp von Immobilienmogul. Er ist ein Mensch, den man nachvollziehen kann. Man erkennt, aus welchen Beweggründen er wie und warum handelt.

Wie sehen Sie das Problem – Mietshaus/Luxussanierung?

Ich sehe das sehr kritisch, wie sich das in Berlin entwickelt und wie die Berliner immer mehr an den Rand gedrängt werden. Wie alles so Hochglanz saniert wird. Eine seltsame Entwicklung. Der Prenzlauer Berg beispielsweise (ich lebe hier im Norden in einer 1920er Jahre Bauhaussiedlung), war mal so ein interessanter, vielseitiger und diverser Bezirk. Jetzt ist er glatt. Alles ist hier auch nur ein Steinwurf entfernt, man kann hautnah miterleben, wie sich die Stadt verändert.

Die Dreharbeiten zum Tatort haben im November und Dezember 2020 unter Corona Bedingungen stattgefunden. Das Thema Corona ist außerdem im Film verankert und dieser Tatort gilt folgend als Zeitdokument. Wie haben Sie die Dreharbeiten empfunden?

Dadurch, dass ich nur eine Szene habe, in der ich konkret die Maske im Bild trage, hat mich das nicht sehr beeinflusst. (Ich habe in dieser Szene ein Gespräch mit der Kommissarin – die Szene war kurz und ich hab gar nicht registriert, dass ich eine Maske trage). Es ist auch so, dass das Tragen der Maske alltäglich geworden ist. Auch am Set trägt man vor der Drehszene Maske.

Wie denken Sie, kann man Emotionen trotz Maske gut transportieren?

Ich weiß nicht, ob der Tatort so expressiv gespielt wird. Mein Eindruck ist eher, dass beim Fernsehen reduziert gespielt wird. Nicht so groß, wie beim Theater. Dieses permanente reduzieren – da wird die Maske keinem einen zusätzlichen Stein in den Weg legen.

Gibt es eine Szene im Film, welche Sie besonders berührt hat?

Ich hab ein Streitgespräch mit meiner Filmfrau Yeliz (Sesede Terziyan). Dieses findet auf dem Balkon meiner Schwiegermutter statt. Das war eigentlich kein hochemotionaler Streit. Eher ein unterkühlter Dialog. Aber genau darin lag so viel Verletztheit der Figur. So eine Kränkung. So ein Missverständnis. Das hat mich nicht kalt gelassen. Das war sehr intensiv.

Ich habe gelesen, Sie spielen Schlagzeug. Mögen Rockmusik. Rockmusik - Ihr Lieblingsgenre?

Ich höre viel Musik. Aber, ja, tendenziell Rockmusik.

Wie sieht es mit dem Tanz aus? Vielleicht mögen Sie auch den Tango Argentino?

Ich habe schon gesehen, dass Ihr Steckenpferd der Tango ist. Lächelt. Mit dem Tango hab ich bisher nur eine Erfahrung gemacht. Das war am Theater in Hildesheim im Jahr 2008. Eine Choreographin fragte mich, ob ich mit ihr eine fünfminütige, ziemlich abgefahrene Tangochoreographie einstudiere und diese dann bei einer Veranstaltung präsentieren würde. Innerhalb von drei Tagen haben wir uns das mit allem drum und dran erarbeitet. Das war ziemlich interessant.  

Hatten Sie danach keine Ambitionen, den Tango weiter zu tanzen?

Nicht konkret den Tango. Was mich aber weiter animiert hat war – wach und offen zu bleiben für das, was es da gibt. Ich habe auch so einen Signature-Move. Hab viele tänzerische Angebote gemacht. Und sei es nur, sehr hüftbetont zu gehen. Auch kleine Tanzeinlagen und Stunts waren dabei.

Sie sind im Fernsehen, wie auch im Theater zu sehen. Mögen Sie beides gleichermaßen?

Mein Herz schlägt für das Theater. Tatsächlich begeistert und fasziniert mich aber auch das Fernsehbusiness. Da ist so viel Logistik gefragt bis so ein Film steht. Dieses Zusammenspiel von so vielen Departements. Wenn man einen Film schaut denkt man, das sei alles so aus einem Guss gemacht. Dabei wird die erste Szene beispielsweise am letzten Tag gedreht und der große Showdown findet am ersten statt. Man muss immer darauf achten, dass der DreiTage-Bart nicht plötzlich voller ist oder man glattrasiert daher kommt. Lacht. Ein echtes Wunderland für mich….  

Wollten Sie schon von früher Kindheit an Schauspieler werden? Gab es einen Schlüsselmoment?

Ich habe früh gemerkt, dass meine Qualitäten in diese Richtung gehen. In der Grundschule habe ich Till Eulenspiegel gespielt. In die Theater AG bin ich relativ spät gekommen. Als es Richtung Abiturvorbereitung ging, hatte ich eine ganz tolle Englisch-Grundkurs-Lehrerin. Sie meinte, die Theater AG brauche Männer. Außerdem machte sie mich darauf aufmerksam, dass das Staatstheater Karlsruhe Leute für die Gründung eines Jugendclubs für eine erste Produktion suchte. Ich bin dann mal da hin und konnte direkt in „Die Welle“ mitspielen. Das hat den Wunsch, Schauspieler zu werden, für mich zementiert. Dann hab ich erfahren, zum Leidwesen meiner Eltern, dass man für die Aufnahme an die staatliche Schauspielschule keinen speziellen Numerus Clausus braucht. In der Oberstufenzeit war ich dann auch viel am Theater. Hab das alles aufgesaugt, viel gespielt. Nach dem Abi bin ich dann in die Bewerbungsphase „Schauspiel“ gegangen.
Ich war auch mit der Klasse zuvor beim Berufsinformationszentrum. Da kamen so abstruse Vorschläge. Ich konnte mich mit nichts identifizieren. Ein paar Wochen danach kam dieses Casting am Staatstheater Karlsruhe – da hat sich das für mich geklärt.

Sie waren mit der Schauspielerei in der Schweiz und in Ostdeutschland ..

Ja, angefangen hab ich mit meinem Studium in Bern. Dort habe ich auch gespielt. Ebenfalls in Luzern. Ich war auf einer kleinen Bühne in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, in Hildesheim, Schwerin. Dann der große Sprung an die Volksbühne Berlin.

Da konnten Sie viele Erfahrungen sammeln.

Ja, das war mir sehr wichtig, diese Erfahrungen sammeln zu können. Als ich in dieser Schauspielblase in Berlin eingetaucht bin, hab ich festgestellt, dass viele so einen ganz anderen Werdegang hatten. Viele sind von den großen, angesagten Schauspielschulen schon im letzten Studienjahr an die großen Theater geholt worden und ich frage mich, ob das so gut ist. In Hildesheim hab ich am Staatstheater gespielt. Dieses musste fusionieren und ich hab mich plötzlich auf einer Landesbühne wiedergefunden. Mit dem Bus bin ich von einem Spielort zum anderen gefahren. Diese Flexibilität und Improvisation hat mich oftmals auf den großen Bühnen gerettet.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Also, ganz aktuell hab ich tatsächlich einen – Phuket. Vor einigen Jahren war meine Freundin mit ihrem Sohn dort und sie schwärmt von dort. Wir haben also beschlossen, dort hin zu reisen, sobald das wieder möglich ist.


Vielen, lieben Dank für das schöne Gespräch, lieber Herr Anderer. Hat mich sehr gefreut. Merci






'Ich tanze sehr gerne. Am liebsten tanze ich einen Walzer'

Timo Jacobs

Foto: Robert Schultze



Zwangsräumung in Berlin: An einem kalten Novembermorgen muss Otto Wagner (Peter René Lüdicke) mit seiner Familie die Wohnung verlassen. Nach der Übernahme des Mietshauses durch die Ceylan Immobilien wird es Stück für Stück entmietet. Alte Verabredungen gelten nicht mehr und so sorgt die Umzugsfirma von Axel Schmiedtchen (Ingo Hülsmann) für eine schnelle, besenreine Übergabe. Vor kurzem war das Haus noch ein Sinnbild der berühmten "Berliner Mischung". Jetzt will Gülay Ceylan (Özay Fecht), die Chefin des kleinen Familienunternehmens, das Haus luxussanieren, um es später in Eigentumswohnungen umzuwandeln.

"Tatort: Die dritte Haut". Das Erste. Sonntag, 06. Juni 21.



Im Gespräch mit Timo Jacobs

Marion Graeber

Mai 2021

Sie verkörpern im "Tatort: Die dritte Haut" die Figur des Micha Kowalski. Kowalski lebt auf der Straße, getrennt von seinen Lieben, die in der Georgiestraße in Berlin wohnen. So beobachtet er sehnsuchtsvoll das Mietshaus, in welchem auch ein/der Mord geschieht ... Was reizt Sie an Ihrer Rolle und wie charakterisieren Sie sie?

Die Sehnsucht dort zu sein, wo er nicht ist, frühe Verletzungen, die ihn davon abhalten sich so zu verhalten, wie es eventuell besser für ihn wäre und das Gefühl seiner Familie gegenüber als Versager dazustehen, das ist für Micha Kowalski nicht zu ertragen. Da badet er sich lieber in dem Gefühl seiner Unzulänglichkeiten. Wie gerne wäre er einfach nur ein guter Vater. Aber er stürzt sich von einer Katastrophe in die nächste. Das ist das Leben. Vielschichtig und ambivalent. Sich darin zu bewegen ist ein tolles Abenteuer. Gerade in dem Beruf als Schauspieler.

Die Dreharbeiten zum Tatort haben im November und Dezember 2020 stattgefunden. Also unter Corona-Bedingungen. Das Thema Corona ist auch im Film verankert. Dieser gilt folgend als Zeitdokument. Wie haben Sie die Dreharbeiten empfunden?

Ich habe einen sehr respektvollen, liebevollen Umgang erlebt. Es waren ein paar schöne Tage. Gerade in dieser Zeit der häufigen Abschottung, war es natürlich besonders schön mal wieder raus zu kommen. Dann noch mit Kollegen, die man so mag und schätzt, wie Meret Becker und Mark Waschke. Wir kennen uns alle schon sehr lange. Ich war ja bei Merets Einführung als Kommissarin mit von der Partie und habe mit ihr viele, tolle Filme gedreht. Zum einen meinen eigenen Film, die irrwitzige Komödie „Mann im Spagat“ oder auch „Back to Nothing“ unter der Regie von Miron Zownir. Die Arbeit mit dem Regisseur Norbert Ter Hall, ein sehr guter Regisseur - es war wie eine Grillparty mit einem Blues von Bo Diddley. Irgendwann war es dann leider vorbei.

Ist   es   eine   große   Herausforderung   Mimik   und   Emotion   mit   Maske   und   Abstandsregeln   zu transportieren? Wie wurde das im Film umgesetzt?

Viele Kollegen beschweren sich ja über Corona. Alles sei so schwierig geworden mit der Schauspielerei. Ich verstehe das nicht. Es ist doch einfacher. Man braucht nur noch das halbe Gesicht. (Scherz)

Wir wurden ja alle ständig getestet und hielten natürlich unseren Abstand zueinander. Die Spielregeln sind wirklich nicht so schwer zu verstehen. Dann sind wir Schauspieler in Quarantäne, falls wir Szenen haben, in denen wir uns Nahe kommen müssen. Das ist auch alles gut organisiert gewesen und das habe ich auf anderen Sets auch so erlebt. Toi Toi Toi - im Großen und Ganzen sind wir da doch gut durchgekommen. Allerdings diese Tests mit den sehr, sehr langen Stäbchen, welche durch die Nase an dem Brokkoli im Kopf kitzeln...  Und wenn du dann denkst, es sei vorbei, dann kommt das zweite Nasenloch an die Reihe ... Das hat schon einiges an Armlehnen-Festkrallen erfordert.

Ich habe gelesen, dass dieser Tatort auch dokumentarische Züge hat, da das tägliche Leben in der Stadt in die Geschichte integriert ist. Die Geschichte spielt auf der Straße, auf Plätzen, unter Brücken und im öffentlichen Verkehr. .. Mitten unter Passanten. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich mag dieses arbeiten gern. Als junger Mann habe ich sehr viel so gedreht und habe da ein Gefühl von Godard und Cassavetes. Auch an die frühen Filme, die ich mit Klaus Lemke im Hamburg gedreht habe. Als ich in der BVG meine Schallplatte abgespielt habe: „Schönen guten Tag, meine Damen und Herren, ich bin Micha Kowalski und seit 7 Jahren obdachlos"  usw.. .. da war ich das dann auch. Die echten Fahrgäste hatten mir dann tatsächlich Geld gegeben und nach dem „Cut“ des Regisseurs (der natürlich sehr leise war um kein Bohei zu machen) na ja, da war ich dann doch etwas im Konflikt und habe dem Aufnahmeleiter der Produktion das Geld gegeben. Was er damit gemacht hat, weiß ich nicht. Ich war ja in der Rolle.

Gibt es eine Szene im Film, welche Sie besonders berührt hat?

Das kann ich leider gar nicht so gut beantworten, wie ich möchte. Ich denke, wenn ein Schauspieler sagt, er sei berührt, ist das oft kein gutes Zeichen. Allerdings wurde ich zuerst für die Rolle des Busfahrers gecastet und wenn dieser erzählt, wie er sein Leben lang ehrliche Arbeit geleistet hat und dann, mit seiner Berliner Art, den Vergleich zu den jungen Menschen zieht, die oft sehr schnell, sehr viel Geld verdienen und, dass die ihm die Wohnung „wegnehmen“, da haben sich mir beim Lesen die Innereien gekräuselt.

Thema des Tatorts ist die Zwangsräumung eines Mietshauses in Berlin. Das alte Haus soll zum Luxushaus saniert werden. Ältere Menschen/Mieter müssen weichen. Wie sehen Sie persönlich diese Thematik?

Der soziale Wohnungsbau sollte viel mehr gefördert werden.

Darf ich Sie fragen, wie Sie wohnen und wie wichtig Ihnen nachbarschaftliche, soziale Kontakte oder auch daraus entstehende Freundschaften sind?

Ich wohne in einem Altbau in Kreuzberg. Da der Vermieter keine Sanierungen in den Wohnungen vornimmt, sondern lediglich mit dem Haus spekuliert, habe ich noch eine humane Miete. Freunde in der Nähe zu haben ist mir wichtig. Ein lockere Nachbarschaft ist auch toll. Harmonie tut ja jedem gut, solange wir uns nicht zu sehr in einer Pflicht fühlen.

Zur Unterstützung von Emotionen und Szenen gehört im Film auch immer die Musik. Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Ihnen das liebste ist?

Ich limitiere mich ungern. Wenn ich auf meine Schallplattensammlung schaue, dann finde ich da jede Menge Rhythm and Blues, Upbeat, Punk, Garage, Postpunk, New Wave, Jive, Power Pop, Filmscores, offene Pianoklänge und auch etwas Tango, ja. Es sollte bitte etwas knistern. Spaß machen. Elektronische Musik schafft das bei mir nicht so.

Ich habe gelesen, Sie sind gern im Clärchens Ballhaus. Das ist eine tolle Location. Auch für den Tango Argentino :) Sie tanzen gern? Vielleicht auch den Tango Argentino?

Ich tanze sehr gerne, ja. Das fehlt mir auch wirklich sehr. Das Clärchens ist eine wirkliche Wohlfühloase. Am liebsten tanze ich einen Walzer. Ich gehe aber auch auf kleine Konzerte in Bars. Dive Bars.

Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?

Licht und Schatten reichen sich die Hand. Aber ich ziehe den Tag vor.

Sie haben im Jahr 2015 in Soko Stuttgart gespielt. Wie gut kennen Sie die Stadt? Mögen Sie Stuttgart?

Ich find es schön. Ich habe einen guten Freund in Stuttgart und ihn besuche ich gerne.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Wenn ich einen konkreten Ort hätte, wäre ich hoffentlich dort. Ich habe Plätze und Erinnerungen, die ich zum Glück überall hin mitnehme. Das ist wertvoll, denke ich.


Ganz lieben Dank, für das schöne Interview. Merci

 



'Ich tanze gern. Tanzen ist was Wunderbares'

Saskia Vester


Foto: Saskia Vester mit Wolfgang Fierek - ZDF Bernd Schuller


„Marie fängt Feuer“

ZDF Sonntag, 09. Mai und 16. Mai, jeweils 20.15 Uhr - Neue Folgen der Herzkino-Reihe

„Marie fängt Feuer – Spiel des Lebens“

Marie gelingt es gerade noch rechtzeitig, zwei Kinder auf einem See zu retten. Ihr Vater hatte sie einfach vergessen. Seit dem Tod seiner Frau verfällt er immer mehr seiner Spielsucht. Und auch Philipp, der Vater von Maries Sohn Max, scheint zu vergessen, dass er Vater ist. Er verschwindet einfach und lässt den enttäuschten Max zurück. Marie muss ihre Familie schützen und entscheidet, dass Philipp keinen Platz in ihrem Leben hat. Sie will einfach das gemeinsame Leben mit Stefan genießen. Und so überraschen sich Marie und Stefan gegenseitig am Polterabend von Angie und Marco mit ihrem spontanen Entschluss, endlich zu heiraten.

„Marie fängt Feuer – Coming out“

Ausgelassen feiern die Wildegger die Hochzeit von Marie und Stefan. Endlich haben sie sich das Jawort gegeben. Dabei ahnen sie nicht, welcher Schicksalsschlag ihnen allen bevorsteht. Parallel findet Marie heraus, dass Stefans Seitensprung nicht ohne Folgen geblieben ist. Er wird wieder Vater. Eine erneute Prüfung für die beiden. Doch Marie ist klar, dass Stefan zu seinem Kind stehen muss – genauso wie sie zu ihrer Beziehung steht. Max ist frisch verliebt. In seine Mitschülerin Kirsten. Doch deren Leben gerät völlig aus den Fugen als sie ihren Vater beim Fremdgehen erwischt – mit ihrem Sportlehrer. Vollkommen überfordert sucht Kirsten die Hilfe von Marie.



Im Gespräch mit Saskia Vester

Marion Graeber

im April 2021


Hallo liebe Frau Vester, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr. Sind Sie in München?

Ja, wir sind zuhause.

Sind wir gar nicht so weit voneinander entfernt…

Genau. Lächelt. Quasi um die Ecke…

Für „Marie fängt Feuer“ waren Sie tatsächlich auch quasi um die Ecke. Gedreht wurde und wird in den Ammergauer Alpen. Wie weit ist das von Ihnen entfernt und wie viele Drehtage sind jeweils angesetzt?

Ich fahr von hier gute eineinhalb Stunden bis zum Drehort. Drehtage sind das immer so ungefähr 21.

Entstanden sind nun bereits die Filme 11 und 12. Im Jahre 2016 kam „Marie fängt Feuer“ das erste Mal im TV. Wie ist es nach den Drehpausen wieder auf die SchauspielkollegInnen zu treffen?

Herrlich. Das ist einfach herrlich. Beim Kindermädchen Henriette stoße ich immer wieder auf ein neues Team und bin mit allen möglichen Sprachen konfrontiert. Da genieße ich es sehr ans Set von „Marie fängt Feuer“ zu kommen. Das ist so „coming home“. Lächelt. Alles ist irgendwie gemütlich. Wir haben eine so schöne lockere Atmosphäre, so unaufgeregt. Man kennt sich, hat keine weite Anreise - das tut einfach gut.

Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrer Rolle Irene Reiter gereizt?

Die Figuren Irene und Ernst Reiter, finde ich sehr amüsant. Wie die immer miteinander kappeln und sich streiten. Ich mochte die Irene von Anfang an. Ihre Bodenständigkeit und ihre Klarheit.

Wie viel Saskia Vester ist in Irene Reiter?

Ich sehe mich nicht so sehr in Irene Reiter. Natürlich ist man in jeder Figur auch ein bisschen selbst zu finden. Das macht es auch authentisch. Das muss so sein. Aber ich bin schon ein anderer Typ. Ich bin nicht so pragmatisch und so cool wie Irene.

In „Marie fängt Feuer“ werden immer auch aktuelle Themen behandelt. Wie wichtig ist es Ihnen, dass gesellschaftlich relevante Themen in TV Filmen ab und an behandelt werden?

Das ist mir eigentlich gar nicht wichtig. Wichtiger ist, dass man eine gute Geschichte erzählt. Auch wie man sie erzählt. Und, dass sie gut geschrieben  ist. Es hängt auch ein bisschen vom Genre ab, wie man gesellschaftlich relevante Themen behandeln kann. Bei „Marie fängt Feuer“ ist das eine Mischform. Eine Unterhaltungssendung mit privaten Themen. Und, beim Film ist man per se bei der Unterhaltung - sonst würden wir eine Dokumentation machen. Lächelt.

Musik unterstützt Emotionen. Auch im Film. Haben Sie ein Lieblingsgenre?

Musik hängt für mich mit Stimmung zusammen. Ich höre gern Reggae, Jazz, Pop aus den 1980ern und auch Country Musik. Was ich nicht so gerne höre ist klassische Musik – die macht mich eher traurig.

Ich habe gelesen, Sie mögen gerne die Natur und im speziellen Ihren Garten. Stimmt das?

Lacht. Ja, das stimmt. … Aber welcher Mensch mag keine Natur? In der Natur tanken wir Kraft. Ohne Natur wären wir nicht auf dieser Erde.

Das stimmt. Aber, es gibt auch ausgesprochene Stadtmenschen….

Ja, da haben Sie recht. Für mich ist beides wichtig. Wir wohnen am Stadtrand und ich kann die Stadt haben, wenn ich will und bin der Natur trotzdem nahe. Das finde ich ideal.

Auch habe ich bei meiner Recherche gelesen, dass Sie Flugangst haben. Nun sind Sie mit „Das Kindermädchen“ weltweit unterwegs.

Ja. Lacht. Was soll man machen, wenn man so eine tolle und fantastische Rolle angeboten bekommt. Dann muss man das machen und eben reisen. Aber eigentlich ist das Reisen persönlich gar nicht mein großer Wunsch. Gerade auch wegen meiner Flugangst. Außerdem reise ich wirklich viel. Ich packe im Jahr zirka zwanzig Mal meinen Koffer ein und aus. Lacht.

In der Folge „Das Kindermädchen – Südafrika“ fliegen Sie in einem kleinen Sportflugzeug. Haben Sie das tatsächlich gemacht?

Nein. Das war im Studio. Aber ich habe gerade im vergangenen Jahr „Das Traumschiff“ gedreht. Wir waren auf den Malediven und ich musste in ein kleines Wasserflugzeug steigen. Das war für mich der Horror.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Mein Sehnsuchtsort ist da, wo meine Kinder sind und meine Familie ist.

Hatten Sie immer den Wunsch, Schauspielerin zu werden?

Ja, absolut. Ich hab schon mit fünf Jahren gesagt, dass ich Schauspielerin werden möchte.

Ich habe Sie in Interviews auch schon über Existenzängste bei SchauspielerInnen reden hören. Gerade in Corona Zeiten wieder ein großes Thema.

Ja, das ist richtig. Ich hatte jetzt unglaubliches Glück. Ich habe im vergangenen Jahr sechs Filme drehen dürfen. Fast so, als gäbe es kein Corona. Ich weiß das auch wirklich zu schätzen. SchauspielerInnen und TheaterschauspielerInnen die auf dem freien Markt sind, in der Selbstständigkeit, die haben es schwer. Es gibt zwar eine Corona Unterstützung aber man will ja auch spielen. Wir wollen spielen. Aber ohne Publikum können wir das nicht. Ein Musiker kann zuhause musizieren, ein Autor schreiben – wir SchauspielerInnen sind auf unser Publikum angewiesen.

Tanzen Sie gerne? Vielleicht auch den Tango Argentino?

Ja, ich tanze schon gern. Aber ich kann nicht so gut mit einem Partner tanzen weil ich immer führe. Lacht. Den Tango mag ich total gerne. Ich musste mal für einen Film Tango lernen. Das ist eine tolle Sache.

Was sind Ihre nächsten Projekte? Ich habe gelesen, „Marie fängt Feuer“ wird bereits ab dem 20. April weiter gedreht?

Das ist richtig. Und auch „Das Kindermädchen“ ist wieder mit neuen Folgen geplant. Außerdem hatte ich auch Theaterproben. Das Stück ist fertig geprobt und wir warten darauf die Premiere spielen zu dürfen. Eigentlich sollte die Premiere im März sein, nun ist sie in den Dezember verschoben.

Wie heißt das Stück?

„Willkommen bei den Hartmanns“ - es ist die Bühnenadaption des Films und ein richtig gutes Stück.



Vielen Dank, liebe Frau Vester für das schöne Interview





'Ich höre viel Jazz und auch viel Klassik'

Sabine Vitua

Foto: MKnickriem



„Ein Tisch in der Provence“

Medical-Reihe im "Herzkino" ZDF, Sonntag, 11. April 2021, 20.15 Uhr und Sonntag, 18. April 2021, 20.15 Uhr

 

In ihrer gerade eröffneten Landarztpraxis kreuzen Véro (Friederike Linke)  und Hugo (Nico Rogner)  in zwei neuen Folgen der "Herzkino"-Reihe verbal die

Klingen. Und auch in Véros Familie gibt es Konflikte. So lüftet Mutter Thérèse (Sabine Vitua)  ein jahrzehntelang gehütetes Geheimnis.


Im Gespräch mit Sabine Vitua

Marion Graeber April 2021


Hallo liebe Frau Vitua. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Da höre ich einen schwäbischen Dialekt. Lächelt.

Ja, meine Herkunft kann ich nicht wirklich verbergen...

Das Schwäbische ist mir sehr vertraut. Ich habe von meinem 10. bis 19. Lebensjahr in Isny im Allgäu gelebt.

Das ist schön...

Ich finde das sehr angenehm, dass wir heute an einem Nachmittag telefonieren können. Für mich als Nachtmensch ist das perfekt....Wie sieht das bei Ihnen aus?

Ich muss sagen, das hat sich jetzt doch alles durch die Pandemie etwas verschoben. Gerade dadurch, dass man am Abend nicht mehr so schön in die Restaurants gehen kann. An sich mag ich die Nacht sehr gerne. Ich hab aber das Problem, dass ich den Morgen auch so gerne mag. Wenn ich etwas arbeiten muss, mach ich das lieber morgens. Beispielsweise Text lernen. Dann wird es aber doch schwierig mit dem früh aufstehen, wenn man spät ins Bett kommt. Aber generell bin ich schon ein Mensch, der gerne spät ins Bett geht und den Abend und die Nacht genießt.

Da bleibt nicht viel Zeit zum Schlafen...

Ja. Lacht. Ich bin nicht so ein Freund des Nachmittags. Den könnte ich dann gerne 'wegschlafen'.

Das wäre auch eine Möglichkeit...

Man weiß ja leider, dass sich nicht alle Menschen nach den eigenen Bedürfnissen richten. Lächelt. Bei einem Drehtag kann ich dann leider nicht sagen, dass ich gern mal ein paar Stunden verschwinden würde. Aber die Menschen im Süden, die haben für mich so einen guten Rhythmus. Eine unglaublich lange Siesta ... und dann werden sie wieder aktiv. Das finde ich toll. 

Das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen. Die Lebensart in der Provence beispielsweise. Das wäre doch die Lösung für uns.

Absolut.

Wie haben Sie die Dreharbeiten für die Herzkino Medical-Reihe „Ein Tisch in der Provence“ empfunden? Ich habe gelesen, dass Sie die Provence auch als einen Sehnsuchtsort beschreiben...

Ja, das stimmt. Das empfinde ich wirklich so. Die Provence hat eine der schönsten Landschaften. Da bin ich sicherlich vom Allgäu geprägt. Ich mag es landschaftlich sehr gerne hügelig. Ich mag es nicht, wenn die Berge zu hoch sind aber dieses hügelige finde ich wunderschön. ... Und im Hintergrund, weit weg, die hohen Berge und das Wasser. Herrlich. Da bin ich in Berlin und Brandenburg natürlich aufgeschmissen. Lacht.

Ja, in Isny und generell die ganze Bodenseeregion, ist eine Region mit hoher Lebensqualität...

Ja, ich denke beispielsweise an die Möglichkeiten des Skifahrens und an das Schwimmen im  Bodensee. Ich war auch lange in Zürich am Theater. Den Süden finde ich auch wirklich besonders  schön.

Mütterlicherseits ist meine Familie aus Ravensburg....

Ah, das ist interessant. Unser Landkreis.

Wie lange wurde in der Provence gedreht?

Wir haben ja jetzt aktuell Teil drei und vier gedreht. Durch Corona war ich fast durchgängig, sprich zwei Monate, in der Provence. Es gab nur zwei Unterbrechungen. Das eine Mal war, als mein Mann 60 Jahre alt wurde. Da sind wir nach Mecklenburg gefahren. Das weitere Mal, da hatte ich eine Lesung in Isny.

Das war bestimmt eine intensive Zeit in der Provence...

Ja, das stimmt. Aber wir haben  nicht ständig alle zusammen gesessen.

Jeder braucht auch mal Zeit für sich...

Ja, das hat sich immer wieder ganz gut gruppiert. An den Wochenenden waren wir dann des öfteren alle zusammen. Aber mit meiner Spieltochter, muss ich sagen, hatte ich eine sehr intensive und schöne Zeit. Wir haben auch zusammen gelernt. Das war toll.

Wie haben Sie den Lockdown in Frankreich zu dieser Zeit erlebt?

Das war natürlich sehr hart. Man durfte sich nur einen Kilometer vom Wohnort entfernen. Da waren wir wirklich froh, dass wir drehen konnten und auf diese Weise ein bisschen 'raus' kamen.

Gut, etwas 'zu tun zu haben'...

Ja, wir haben teilweise schon angefangen im Supermarkt rumzubummeln. Das war dann wie ein Ausflug. Man durfte ja nicht ans Meer oder sonst wo hin. Frankreich hat das sehr radikal gemacht aber sie hatten auch enorme Zahlen.

Haben Sie die Lebensart in der Provence trotzdem etwas genießen können?

Abends bei Austern und Wein draußen sitzen und Text lernen – ja, das war herrlich.

Extreme Lockdown Erfahrungen. Auch zuhause ...

Ja, das muss man schon sagen. Wir wurden auch munter so ein bisschen dicker. Wir waren ja viel zuhause und haben gekocht. Wenn man nicht mehr so viel erlebt, da ist man dann nur noch am essen... Mein Mann ist da viel disziplinierter. Ich hatte das Gefühl, ich esse für drei Personen. Lacht.

Sie kochen gerne?

Ja, ich koche gerne. Auch gern für viele Menschen. Und wenn man dann so zusammen sitzt – das finde ich toll. 

Haben Sie ein Lieblingsgericht?

Ich bin nicht so sehr der Fleischliebhaber. Ich esse gerne variantenreich. Fisch und Meeresfrüchte mag ich wahnsinnig gerne. Ich bin aber auch sehr 'Pasta'. Ich könnte jeden Tag Nudeln essen.

Nudeln machen glücklich...

Absolut. Wenn man dann noch gute Zutaten verwendet, wie beispielsweise gute Öle und Gewürze. Herrlich. Ja, ich mag die südliche und auch die arabische Küche.

Wie charakterisieren Sie Ihre Rolle 'Thérèse'?

Thérèse ist für mich eine Festung, ein ganz harter Brocken. Eine sehr unglückliche Frau. Eine stolze Frau. Wir haben ja in der Provence dieses Haus, wie eine Burg – sehr unwirklich. Die Provence ist ja auch nicht so wahnsinnig lieblich, eher rau. Auch durch den starken Wind, den Mistral. Da muss man schon Kraft haben, dagegen standzuhalten. Mir kam es schon fast südspanisch vor. Stark, einsam, hart – so ist Thérèse. Sie ist sehr konservativ, sehr festhaltend an ihrem Status. Es ist so wichtig für sie, dass sie aus einer Arztfamilie kommt, dass ihr Mann Arzt war. Da war sie lieber unglücklich, als all das aufzugeben. Also, eine sehr schwierige Frau. Ihre Tochter ist diesem Leben zum Glück einmal ausgebrochen. Die Liebe zu ihrer Tochter hat Thérèse tatsächlich auch wach gerüttelt. Das finde ich besonders interessant.

Man sieht schon, dass sie starke Emotionen hat. Man sieht Schmerz, Liebe und Trauer.

Ja, absolut.

Das haben Sie toll verkörpert...

Das ist schön. Danke.

Haben Sie eine Lieblingsszene oder einen Part, der Sie besonders berührt oder herausgefordert hat?

Es war besonders schwierig meiner Tochter zu sagen, dass sie einen anderen Vater hat. Das war schon hart. So viele Jahre zu lügen und dann diesen Schritt zu gehen. Thérèse ist auch aggressiv - sie kann nichts mehr unternehmen, um das alles zu unterdrücken und damit kommt sie überhaupt nicht zurecht.

Das ist auch eine Verzweiflung...

Total. Ich glaube, wenn sie nicht so christlich wäre, würde sie sich aus dem Staub machen. Ich glaube wirklich, dass das ganz furchtbar ist, so etwas zu offenbaren. Ich muss sagen, diesen Mutter-Tochter-Konflikt finde ich schon unglaublich interessant. 

Ich habe gelesen, Sie sind sehr modeaffin... Wie können Sie diesbezüglich auf Ihre Rolle Einfluss nehmen?

Man bespricht das, entschieden wird das aber vom  Regisseur und von der Redaktion. Die südländischen Frauen haben ja immer so eine Eleganz. Die schwarzen Röcke bis über das Knie.. das ist für mich der Süden. Das ist eine ganz bestimmte Generation von Frauen. Es war mir sehr wichtig, dass Thérèse jemand ist, der auf sich selbst achtet. Auch in der größten Verzweiflung.

Was tragen Sie gerne?

Ich hab wahnsinnig gerne Hosen an. Ich liebe Kleider auch  und finde Frauen in Kleidern wunderschön aber weil ich so praktisch und immer so schnell unterwegs bin hab ich viel Hosen an.

Sie können viele Sachen tragen und toll aussehen... Elegant.

Oh, mehr davon ... Lacht. Freue ich mich.

Ich habe gelesen, Sie lieben es zu reisen... Gibt es einen Ort, den Sie gerne noch einmal sehen oder einen, den Sie gerne noch besuchen wollen?

Da gibt es ganz viel. Ich würde wahnsinnig gern nach Neuseeland. Da war ich noch nie. Die Reiseführer stehen schon bereit. Und, was ich gerne wieder sehen würde ist Island. Da war ich schon zwei Mal. Ich fand es dort so aufregend schön. Ich liebe die Natur und die Städte. Ich würde auch wahnsinnig gerne wieder nach Rom. Und nach Paris –  das ist schon fast ein Zuhause.  Wenn wir schon über das Reisen sprechen... Istanbul würde ich auch gerne sehen, St. Petersburg... auch Litauen würde ich gerne bereisen. Zwei meiner engsten Freundinnen leben in Wien und Kopenhagen. Beides wahnsinnig schöne Städte. Helsinki, Finnland... auch wundervoll...

Ich finde auch Prag sehr besonders. Überall erklingt Musik. Insbesondere Jazz und Klassik...

Ich bin für einen Dreh sechs Wochen in Prag gewesen. Wunderschön.

Musik spielt auch in Filmen eine große Rolle. Musik hebt Szenen hervor, begleitet emotional... Was ist Ihr liebstes Musikgenre?

Ich hab gar nicht so im Kopf, wie das bei „Ein Tisch in der Provence“ ist... Mir ist das ehrlich gesagt bei Filmen oft zu viel Musik und somit manchmal auch zu manipulativ. Musikalisch bin ich persönlich gerade in der „The Mamas & The Papas“ Phase. So ein bisschen Hippie .. Ich höre aber auch Jazz und ganz viel Klassik. Ich würde mal sagen, außer Hip-Hop höre ich eigentlich alles.

Ja, wenn Sie das so sagen, fällt mir auf, dass Sie wahrscheinlich gar nicht wissen, welche Musik wo im Film zum Einsatz kommt...

Ja, ich weiß auch nicht, wie der Film geschnitten wird... Ich habe keine Ahnung und gehe ins volle Risiko. Lacht.

Das ist interessant. So hat ein Film also verschiedene Ebenen. Verschiedene Emotionen...

Ja, total. Es ist immer überraschend. Das fühlt sich oft nach drei Filmen an. Das Buch, das Schauspiel und dann der Schnitt mit der Musik.

Da denkt man als Zuschauer gar nicht unbedingt darüber nach...

Natürlich nicht. Das ist auch gut so. 

Man sieht das Endprodukt..

Ja, ich glaube das ist auch ein großes Glück, wenn dann alles stimmt und richtig zusammen gekommen ist.

Ein Gesamtkunstwerk...

Ja, absolut.

Zur Musik gehört ja auch der Tanz. Tanzen Sie? Tango Argentino?

Den Tango Argentino hab ich auf der Schauspielschule gelernt. Das finde ich wahnsinnig interessant. Aber ich tanze lieber so für mich alleine. So ein bisschen freier und wilder.

Gefühle rauslassen ...

Ja, ganz genau.

Darf ich Sie zum Schluss noch fragen, ob Sie eine Traumrolle haben und ob Ihnen immer schon klar war, dass Sie gerne Schauspielerin werden wollten?

Nein, es war nie mein Traum, Schauspielerin zu werden. Das kam so. Eigentlich hätte ich gerne wissenschaftlich gearbeitet. Literatur interessiert mich bis heute am meisten. Mich über eine andere Rolle ausdrücken zu können, das finde ich aber auch sehr reizvoll. Musiker zu sein, das wäre vielleicht  noch toller. Lacht. Ja, etwas neues zu erleben und zu verkörpern  – das ist schon ein unfassbarer Anreiz. Das ist glaube ich auch das, warum man von diesem Beruf dann nicht mehr lassen kann. Ich mag auch die Vorarbeit, also das Erarbeiten einer Rolle, sehr gerne. Wie läuft die Figur, wie schaut so jemand ... Ja, ich glaube, diese Vorarbeit mag ich am liebsten.


Vielen, lieben Dank, liebe Frau Vitua. Das war ein so schönes, fröhliches Gespräch. Das war mir eine große Freude. Alles Liebe.

 

 




'Beats und lyrische Sprache, das ist etwas, was mir sehr am Herzen liegt und mir sehr gefält.

Elektronische Rhythmen mit klassischer Literatur'

Philipp Hochmair

Foto: Nils Schwarz



„ Blind ermittelt – Tod im Fiaker“: Sophie (Patricia Aulitzky) besucht mit ihrem Bruder Alexander Haller (Philipp Hochmair) eine barrierefreie Ausstellung in der Privatbank Schachner, die von ihrer guten Freundin und Bankiersfrau Solveig (Florence Kasumba) kuratiert wird. Als deren Mann auftaucht, bricht er vor ihren Augen tot zusammen. Auch Sophie wird vergiftet, als sie Erste Hilfe leistet. Eindeutig ist Zyankali im Spiel. Niko (Andreas Guenther) hat beobachtet, dass sich der Bankier davor bei einem Kutscher Kokain besorgt hat, und wird in die Fiaker-Szene eingeschleust. Doch auch der Prokurist Dr. Hohmann (Gabriel Raab) und die junge Witwe Solveig scheinen etwas zu verbergen zu haben…

„ Blind ermittelt – Lebendig begraben“: Der Tag, an dem Ex-Kommissar Alexander Haller (Philipp Hochmair) durch einen Bombenanschlag seine Verlobte und das Augenlicht verlor, hat sein Leben für immer verändert. Als bei einem Mordopfer eine rätselhafte Notiz mit genau diesem Datum auftaucht, bittet ihn seine Nachfolgerin Laura Janda (Jaschka Lämmert) um Unterstützung. In den Polizeiakten stoßen sie auf eine Spur: An dem Tag des Anschlags gab es einen weiteren Todesfall. Ein Verdächtiger nahm sich in der Untersuchungshaft das Leben. Doch wie hängen die Fälle zusammen? Zusammen mit seiner rechten Hand Niko (Andreas Guenther) rollt der ehemalige Chefermittler den abgeschlossenen Fall wieder auf. Während Haller nach dem Mörder sucht, ist dieser ihm längst näher, als er denkt. Denn der Unbekannte hat auch mit dem Ermittler noch eine Rechnung offen.

An der Seite von Philipp Hochmair und Andreas Guenther spielen wieder Patricia Aulitzky, Jaschka Lämmert und Michael Edlinger. In Episodenrollen sind Florence Kasumba, Emily Cox, Gabriel Raab, Alexander Beyer u.a. zu sehen.


 Das Erste „Blind ermittelt - Tod im Fiaker“, Donnerstag, 8. April  und  Blind ermittelt - Lebendig begraben“, Donnerstag, 15. April

Folge 4 und 5 - jeweils um 20.15 Uhr


Im Gespräch mit Philipp Hochmair

Marion Graeber 01.04.21


Hallo lieber Herr Hochmair. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr.

Natürlich...

Wo sind Sie gerade...

Ich bin in Wien.

Haben Sie auch so schönes, sonniges Wetter?

Ja, endlich Frühling.

Nun ist es wieder soweit und Das Erste strahlt zwei neue Folgen von „Blind ermittelt“ aus. Wurden die Filme im vergangenen Jahr unter Corona Bedingungen gedreht?

Ja, das war der heiße Sommer 2020 in Wien. Glühende Stadt. Es war meine erste Corona-Film-Erfahrung. Wir wurden alle regelmässig getestet und hatten sehr strenge Auflagen am Set. Zum Glück sind alle gesund geblieben und wir konnten beide Folgen erfolgreich zu Ende bringen..

Sicher auch ein extremes Erlebnis, plötzlich die Crew, das Team um einen herum mit Masken vermummt zu sehen...

Ja, das stimmt. Bis auf die Schauspieler hatten alle permanent Masken auf. Keine Reaktionen der anderen sehen zu können, war wirklich seltsam. Auf jeden Fall ein Verlust. Es ist immer schön, die Reaktion des Teams zu spüren.

Die Mimik fehlt…

Ganz genau.

Die erste Folge von „Blind ermittelt“ wurde im Jahr 2018 ausgestrahlt. Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrem Charakter „Alexander Haller“ gereizt?

Das war eine ganz neue Herausforderung. So einen Ermittler gab es im Fernsehen bis jetzt noch nicht. Alexander Haller verliert bei einem Anschlag sein Augenlicht und muss von einem Tag auf den anderen damit zurecht kommen. Als Sehender weiß man vielleicht gar nicht, wie anders und gefährlich der Alltag für Blinde ist. Blinden Menschen auf diese Weise ein Forum zu geben, ist sicher ein wichtiger Aspekt dieser Reihe. Jeden von uns könnte dieses Schicksal jederzeit treffen.

Bei „Tod im Fiaker“ (Folge 4) wird der Zuschauer in eine Kunstausstellung mitgenommen. Dort sind Wege für Blinde installiert. Auch Säulen mit Erklärungen zur Kunst in Blindenschrift sind vorhanden. Eine tolle Sache...

Ja, eine schöne Vision, wie man Kunst für jeden zugänglich machen könnte. Ein Kunstexperiment.

Eine großflächige Umsetzung wäre wünschenswert...

Absolut. Dafür sind Filme auch da. Solche Dinge zu erfinden und auszuprobieren.

Wie herausfordernd ist es einen blinden Ermittler zu spielen? Ich habe gelesen, Sie haben sich it „Dialog im Dunkeln“ vorbereitet...

Genau. Das interaktive Museum „Dialog im Dunkeln“ von Blinden für Sehende in Hamburg und Wien hat mir auf der Suche nach dem Charakter und seiner Wahrnehmung sehr geholfen. Aber es war für uns alle eine Herausforderung, die Welt eines Blinden im Fernsehen für Sehende erfahrbar zu machen.

Gibt es eine Szene, welche Sie besonders berührt hat? ... Wobei diese Frage wahrscheinlich eine schwierige ist... sind Sie ja bereits bei Film 5 angelangt..

Was mir besonders gut gefallen hat ist tatsächlich die fünfte Folge „Lebendig begraben“, in der es darum geht, wie Alex Haller in seine Vergangenheit zurückgeworfen wird. Wo er nochmal in seinem Kopf überprüfen muss, was damals in den Tagen um seine Erblindung passiert ist. Er muss sich mit den Fehlern seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Das war sehr spannend. Für den Zuseher stellt sich eine Art Innensicht her, in Alexander Hallers Gedanken. Wir mussten hier auch eine andere Ebene finden, damit der Zuschauer die Möglichkeit bekommt, mitzugehen – hinein in Hallers Welt. Das ist vielleicht auch der Unterschied zu anderen Krimis. Wir erleben Alexander Hallers Wahrnehmung ein Stück weit mit.

Sie haben sich schon früh mit Literatur und Kunst beschäftigt. Was bedeutet es Ihnen, künstlerisch tätig zu sein?

Wie auch bei „Blind ermittelt“ geht es ja in der Kunst um eine andere Wahrnehmung. Eine Erweiterung der Perspektive. Zu zeigen, dass es noch eine andere Realität neben der Alltagsrealität gibt. Damit zu spielen, ist letztendlich mein Anliegen. Auch, dass wir uns dieser anderen Realität widmen dürfen. Fernab der täglichen Sorgen. Es gibt die Welt der Fantasie, die Welt der Kunst.  Darum freut es mich auch, dass Ihnen in Folge 4 aufgefallen ist, wie wichtig und besonders es ist, auch blinden Menschen eine Kunstausstellung zu ermöglichen. Man darf freier assoziieren und muss die Welt nicht immer nur so abbilden, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheint.

Gibt es eine Tageszeit, welche Sie besonders lieben? In welcher Sie Ihre Kreativität besonders gut leben können? Und vielleicht auch besondere Orte?

Wenn Sie mich nach einer Tageszeit fragen, ist die Nacht mein Freund. Wenn die Welt schläft und eine andere Konzentration und Ruhe einkehrt. Aber auch der Morgen, wenn sich das Leben regt und der Tag noch frisch vor einem liegt. Einen Ort kann ich jetzt nicht benennen. Ich versuche mich in Flexibilität zu üben und überall etwas Interessantes zu entdecken. Im Lockdown, wo man an einen Ort gebunden ist, ist das ja auch eine besondere Herausforderung. Wo sich der Bogen schließt und wir auch wieder bei „Blind ermittelt“ angelangen. Bei nicht sehenden Menschen ist es der Kosmos, der nach innen verlagert ist. Vielleicht ist man im Lockdown eben auch gezwungen, etwas mehr nach innen zu gehen. Man verzichtet auf das Reisen, auf eine Dynamik von außen. Man muss jetzt ins Innere reisen, herausfinden, wo man stattfindet, ganz ohne äußere Veränderungen. Sich neu entdecken, neue Wege gehen oder vielleicht auch gehen müssen...

Alexander Haller ist in „Blind ermittelt“ Jazzliebhaber. In „Jedermann“ und mit Ihrer Band „Die Elektrohand Gottes“ steht die Rockmusik im Vordergrund. Was ist Ihr liebstes Musikgenre?

Jedermann Reloaded“ ist eine Solo-Adaption von Hoffmannsthals Stück „Jedermann“ mit Rockmusik. Unser neuestes Projekt ist wieder ein Crossover aus Literatur und Musik und heißt „Schiller Rave“. Es ist die Begegnung von Schillers Balladen mit Techno und elektronischen Beats. Also wenn Sie mich nach meiner Lieblingsmusik fragen – mich interessiert das Experiment klassische Literatur mit ungewöhnlichen Sounds zu konfrontieren und somit auch ein junges Publikum dafür zu begeistern.

Zur Musik gehört auch immer die Bewegung. Tanzen Sie gerne?

Natürlich… (lächelt) Gerade als Schauspieler mit Rockband ist dieses Crossover aus Theater und Rockkonzert oder Techno-Performance so konzipiert, dass es sich auf den Zuschauer übertragen soll. Es gab auch schon Vorstellungen, in denen Zuschauer von ihren Stühlen aufgesprungen sind und mitgetanzt haben. (lächelt) Das war ein Erlebnis, als wir beispielsweise in einem Schwimmbad Open Air spielten und die Menschen plötzlich anfingen zur Glocke von Schiller zu „dancen“ und zu „raven“.

In „Blind ermittelt  - Tod im Fiaker“ fällt auf, dass alles bis ins Kleinste durchdacht ist. Überall im Film begegnet man Pferden...

Ja. (lächelt). In dieser Folge wird das Thema des Fiakers immer wieder zitiert. Das ist auch am Beispiel der beiden Musiker mit den Pferdeköpfen sichtbar. Sie sind stadtbekannte Wiener Straßenmusiker, die wir in den Film eingebaut haben.

Auch ist mir die Verschlusskappe einer Whiskey Flasche aufgefallen – ein Pferdekopf...

Diese Flasche stand zufällig in der Bar, in der wir gedreht haben. Die haben wir dann gleich verwendet.

Ich habe gelesen, Sie kochen gerne. Haben Sie ein Lieblingsgericht?

Ich koche am liebsten mit Dingen, die ich zufällig am Markt entdecke und noch nicht kenne. Ich lass mich dann treiben und schaue was passiert. Ich probiere gern aus. Das alles ist auch eine Form der Abenteuerlust. Man kennt ja das Sprichwort: „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht“. Aber ich finde, dass man mit neuen Gerichten und Kochexperimenten seine Wahrnehmung lebendig halten kann.

In „Blind ermittelt“ geht es auch um tiefe Beziehungen. Wie wichtig sind Ihnen tiefe Begegnungen mit Menschen?

Das ist essentiell und macht unser Leben aus. Die tiefe Begegnung mit Menschen, so glaube ich, ist es, warum wir auf dieser Welt sind. Das ist auch für Alexander Haller besonders und entscheidend. Sein wichtigster Partner, seine Ehefrau stirbt bei dem Anschlag bei dem er auch sein Augenlicht verliert. Dieser Verlust des geliebten Menschen und die Erblindung ist sein großes Trauma. In der ersten Folge will er sich daraufhin auch das Leben nehmen. Ein Berliner Taxifahrer rettet ihn davor und wird zu seinem Freund. Er wird so mit einem Menschen zusammengeführt, den er früher vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte.

Sich auf Menschen einlassen... Ein Gewinn für alle...

Ganz genau...

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Mexiko City. Da wäre ich jetzt gerne. Da könnte man auch sicher viele exotische Kochexperimente wagen.




Vielen lieben Dank, Herr Hochmair. Das war ein schönes Gespräch und ich hab mich sehr gefreut, dass Sie Zeit für mich hatten.





'Ich durfte ein paar Mal in Filmen singen - das hat mir sehr viel Spaß gemacht'

Merab Ninidze

Foto: ZDF Stefan Erhard




Sechsteilige Primetime-Serie - Doktor Ballouz - immer donnerstags in Doppelfolge 08. April/15. April/22. April Dr. Amin Ballouz, Chirurg und Chefarzt einer kleinen Klinik in der Uckermark, ist kein gewöhnlicher Doktor. Knittriger Trenchcoat, kleiner Trabi und vor allem ein großes Herz im Umgang mit den Patienten sind seine Markenzeichen. Gemeinsam mit seinem Team ist er die letzte Bastion der medizinischen Versorgung in dem idyllischen, aber strukturschwachen Landstrich an der polnischen Grenze. Als junger Mann ist er aus seiner Heimat geflohen und genau dort, in der Uckermark, hängen geblieben. Aus Liebe zu seiner Frau Mara, aber ebenso zu dem Land und seinen Menschen, die ihn aufgenommen haben. Für ihn sind seine Patientinnen und Patienten und seine Kolleginnen und Kollegen seine Familie. Erst recht, seit Mara nicht mehr bei ihm ist. Ballouz ist Witwer. Seither arbeitet er noch mehr und verlässt die Klinik meist spät nachts. Zu Ballouz' Team gehören die Neurologin Dr. Barbara Forster, mit der ihn eine tiefe Freundschaft verbindet, Dr. Mark Schilling, ein zielstrebiger Oberarzt, sowie die Assistenzärztin Dr. Michelle Schwan, die in Ballouz ebenso einen Mentor findet, wie der rebellische Außenseiter Vincent, der im Krankenhaus als Reinigungskraft Sozialstunden leistet. Die Patientenfälle, mit denen es Dr. Ballouz zu tun bekommt, sind dramatisch und hochemotional. Und gleichzeitig spiegeln sich in ihnen aktuelle gesellschaftliche Themen wider.


Im Gespräch mit Merab Ninidze

Marion Graeber im März 2021


Hallo lieber Herr Ninidze. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich wirklich sehr. Sie rufen aus Wien an?

Natürlich, sehr gerne. Ja, ich bin gerade in Wien.

Im April sind sechs Folgen von Doktor Ballouz im ZDF zu sehen. Wurde im vergangenen Jahr gedreht?

Wir haben im Februar 2020 angefangen zu drehen und mussten am 18. März wegen Covid abbrechen. Ende Mai haben wir die Dreharbeiten dann wieder aufgenommen. Begleitet wurden die Drehs von zwei bis drei Tests die Woche. Auch die Hygienemaßnahmen wurden umgesetzt und die Einhaltung der Abstände zu den anderen Schauspielern. Aber wir haben das gut geschafft obwohl es nicht einfach ist unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Wir fühlen uns fast wie Helden. Lacht.

Was mögen Sie ganz besonders an Doktor Ballouz und was hat Sie an der Verkörperung dieser Figur gereizt?

Doktor Ballouz ist ein guter Mensch. Das hat er in sich. In sich trägt er aber auch diesen Schmerz über den Verlust seiner Frau, die ganz plötzlich und unerwartet gestorben ist. Doktor Ballouz nimmt sich Zeit für seine Patienten. Öffnet sein Herz. Doch nicht nur die Patienten profitieren davon. Auch er selbst. Denn mit dem Verlust seiner Frau ist so eine gewisse Leere in ihm entstanden. Nicht nur seine Mitmenschen brauchen ihn, auch er braucht sie damit er seine Sorgen und Schmerzen auf die Seite legen kann. Wenigstens für eine kurze Zeit.

Es sind sehr berührende Szenen und Momente entstanden...

Ja, danke. Die Szenen waren auch am Set für uns teilweise sehr berührend. Diese zu spielen war oft sehr emotional.

Man merkt Ihnen das an. Man möchte fast sagen, viele Szenen sind Ihnen wie auf den Leib geschneidert.. Sie strahlen eine Güte aus. Wie viel Merab Ninidze ist denn in Doktor Ballouz?

Ich glaube tatsächlich, dass ein Teil von mir in Doktor Ballouz ist. Die Rolle hat etwas in mir als Schauspieler angeregt, was in anderen Rollen nicht von mir verlangt wurde. Diese Menschlichkeit, die Wärme, die positive Haltung, aber auch diese Traurigkeit. Ballouz trifft auf die großen Fragen, worauf es keine Antworten gibt. Und trotzdem versucht er sich am Leben zu halten und nicht hinten runter zu fallen. Denn auch das hätte ihm leicht passieren können. Ich glaube die Figur hat einfach grundsätzlich auch eine Ähnlichkeit mit mir, mit meiner Geschichte. Ich bin erst mit meinem 30. Lebensjahr in den deutschsprachigen Raum gekommen. Ich hab kein Wort deutsch gesprochen und ich musste irgendwie überleben in dieser neuen Welt. Ich schätze, Ballouz ging es am Anfang seines Lebens auch so. Kriege, Bürgerkriege – man bekommt über diese Erlebnisse eine andere Sensibilität für Menschen. Menschen mit so einem Hintergrund, diesem Schicksal, sind für immer geprägt.  Vielleicht sind das eben auch die Eigenschaften, die mich mit Doktor Ballouz verbinden. Die ich Doktor Ballouz auch leihen durfte. Ich hatte manchmal auch das Gefühl dafür, wie es Ballouz geht, da ich diese, meine Erfahrungen gemacht habe. Das passiert sehr selten in unserem Beruf. Wenn du ein Leben lang spielst, wird das auch etwas zur Routine. Wenn einen dann eine Rolle so mitreißt - es war eine Freude, diese Rolle zu verkörpern. Das hat mich persönlich sehr gerührt.

Man sieht bei Ihnen immer auch ein bisschen Melancholie… Ich habe recherchiert, dass Sie auch einen Bezug zur Musik und zum Gesang haben…

Ich bin oft in meiner Heimat Georgien und kenne dort viele Künstler. Ich hatte tatsächlich nie große Ambitionen, Sänger zu sein aber ich wurde zu verschiedenen Projekten von Musikern und Komponisten eingeladen. Lacht. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe aber nicht daran gedacht, dass ich das professionell mache. Bei uns in Georgien singt jeder Mensch. Das ist ganz normal und von Geburt an in uns angelegt. Singen gehört zur Kultur und ist ein Teil von gelebter Gemeinschaft. Deswegen war das für mich auch nichts besonderes. Lächelt. Ich durfte auch ein paar Mal in Filmen singen. Auch das hat mir viel Spaß gemacht.

Gerade der Bossa Nova steht Ihnen so gut. Das müssen Sie unbedingt weiter verfolgen…

Dankeschön, vielen Dank.

Welches Musikgenre mögen Sie besonders gern?

Meine Großmutter war Musiklehrerin. Obwohl ich nicht gerne Klavierunterricht gehabt habe, bin ich doch zehn Jahre in die Musikschule gegangen. Ich hab das aus großem Respekt und großer Liebe zu meiner Großmutter gemacht, obwohl ich das manchmal gehasst habe. Lacht. Gehasst ist übertrieben…. Aber als ich jung war, dachte ich, das passt irgendwie nicht. Heute bin ich sehr dankbar dafür, dass sie mich gezwungen hat. Lächelt. Ich hab auch über den Musikunterricht viel besser Sprachen gelernt und auch das Thema, wie erarbeite ich mir eine Rolle und lerne einen Text, ist mir über den musikalischen Unterricht leichter gefallen. Auch wie man Figuren in Nuancen unterschiedlich darstellen kann, ist mir über die Musik verdeutlicht worden. Ich habe also über den Musikunterricht viel gelernt, was mir heute als Fundament und Basis für die Schauspielerei dient.

Haben Sie schon mal den Tango Argentino getanzt?

Ich musste Tangounterricht für „Der Kameramörder“ nehmen. Das war vor ein paar Jahren. Aber als ich in Budapest zum Tangounterricht kam, war das irgendwie enttäuschend. Obwohl ich gern Tango tanzen möchte. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, aber ich war irgendwie unfrei.

Sich fallen lassen dauert manchmal….

Das stimmt. Lacht.

Der Film Doktor Ballouz spielt in der Uckermark. Wie haben Sie die Natur dort empfunden?

Die Uckermark. Lächelt. Ich wusste damals gar nicht, wo das ist. Ich bin zuvor nie dort gewesen. Als man mir sagte, dass es in die Uckermark geht, musste ich auf der Landkarte schauen, wo das ist. Ich finde die Landschaft unglaublich. Das ist ein bisschen so wie in der Toskana. Irgendwie auch ganz eigen. Als ich die Landschaft gesehen habe, war diese für mich vergleichbar mit der Seele von Doktor Ballouz. Irgendwie reich an Natur und doch auch leer. Das war für mich so ein bisschen die metaphysische Übersetzung. Das konnte ich umsetzen – diesen Zustand, hinein in die Figur. Das klingt vielleicht komisch, aber so etwas kann genau so passieren.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Ich habe Sehnsucht danach, was vielleicht in meiner Jugend aufgehört hat. Der Bürgerkrieg in Georgien hat alles kaputt gemacht. Das hat die Menschen sehr geprägt. Es hat Jahre gedauert, aus diesem Trauma wieder herauszukommen. Das loslassen zu können. Ich habe die Sehnsucht nach einer gut aufgehobenen Kindheit an einem paradiesischen Ort. Aber das ist alles vorbei. Das ist weg. Und, man kann das nicht wieder haben. Aber diese Sehnsucht kann man sich manchmal wieder ein bisschen am Filmset erfüllen. In und mit einem kreativen Leben. Beim Filmset vergesse ich, dass ich diese Sehnsüchte habe, weil ich mich in Sehnsüchte von anderen Figuren hineinbegebe und mich mit ihnen beschäftige. Das ist sehr heilend.


Vielen Dank, lieber Herr Ninidze, dass Sie mir diese wundervollen Einblicke gewährt haben. Lieben Dank.  





'Ich habe in Graz neben meiner Schauspielausbildung einen besonders tiefen Tango getanzt.
Dramatisch und sehr körperlich. Das hat mich sehr an das Schauspiel erinnert. Dieses nicht alles bekommen was man möchte,
dieses verhandeln, dieses knistern.'

Matthias Lier

Foto: SRF/Sava Hlavacek


Frühling 1945 endlich Frieden in Europa. Drei junge Menschen stellen sich in der Schweiz der Nachkriegszeit grossen Herausforderungen. Die Sehnsucht nach einem Neuanfang ist riesig, aber die Vergangenheit lässt sich nicht einfach abschütteln. Eine Geschichte über den guten Willen und den Verlust der Unschuld. Frühling 1945 in der Schweiz herrscht Aufbruchstimmung auch für drei junge Menschen. Klara, 23, die idealistische Tochter der Fabrikantenfamilie Tobler, arbeitet in einem Flüchtlingsheim. Dort trifft sie auf Kinder und Jugendliche, die das KZ überlebt haben. Diese Begegnung erschüttert ihren Glauben ans Gute im Menschen und löst einen heftigen Konflikt mit ihrer Familie und ihrem Ehemann aus. Klaras Gerechtigkeitssinn verbindet sie mit ihrem Schwager Egon Leutenegger, 32. Der ehrgeizige Bundesbeamte stellt sich in den Dienst seines Landes. Sein klares Ziel: In die Schweiz geflüchtete Nazis sollen ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Dabei wird Egon von Politik und Wirtschaft Steine in den Weg gelegt. Im Spannungsfeld von Idealismus und ökonomischen Realitäten steht Klaras Mann Johann Leutenegger, 28. Sein Schwiegervater hat ihn mit der Leitung des Familienunternehmens betraut. Jetzt steht dieses vor dem finanziellen Abgrund. Mit einem ambitionierten Plan will der Jungpatron Firma und Belegschaft retten. Doch dafür müsste er sich auf dubiose Geldgeber einlassen. Wie wird er sich entscheiden? «Frieden» betrachtet mittels einer Familiengeschichte ein wichtiges Stück Schweizer Historie, das in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Es ist auch das Portrait einer Generation, die nach dem Krieg massgeblich daran beteiligt war, die Grundlagen für die Schweiz von heute zu schaffen. Und es ist eine Geschichte über den guten Willen dieser Generation und wie sie dabei ihre Unschuld verloren hat. Die Arbeit an dieser Thematik beschäftigte Drehbuchautorin Petra Volpe («Die göttliche Ordnung», «Heidi») mehrere Jahre. Die sechsteilige Dramaserie ist eine Produktion von Zodiac Pictures in Koproduktion mit SRF und Arte. Zudem unterstützten das nationale Grossprojekt die SRGSSR sowie die Zürcher Filmstiftung, der Teleproduktions-Fond und das Bundesamt für Kultur. An der Seite von Max Hubacher («Der Läufer», «Der Verdingbub»), Annina Walt («Der Bestatter», «Amateur Teens») und Dimitri Stapfer («Sohn meines Vaters») spielen Stefan Kurt («Papa Moll», «Akte Grüninger»), Sylvie Rohrer («Der Läufer»), Therese Affolter («Die kleine Hexe», «Die göttliche Ordnung») und viele andere. Die Figur Rudolf Schneider spielt Matthias Lier. Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 13. Mai und 28. August 2019 statt. Unter anderem wurde in Glarus, Zürich, Fribourg, Luzern und Bern gedreht. Regie führte Michael Schaerer («Lina», «Die kleine Hexe»).


ARTE - Reihe "Frieden" Donnerstag, 25. März, 21.10 Uhr und Donnerstag,  1. April, 21.15 Uhr




Im Gespräch mit Matthias Lier

Marion Graeber im März 2021



Hallo lieber Herr Lier, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Ich danke Ihnen, dass Sie Interesse haben. Ich freue mich auch sehr.


Wie geht es Ihnen, sind Sie in Berlin?

Ich bin in Berlin. Mir geht es gut. Ich habe die Corona-Zeit persönlich und künstlerisch gut für mich genutzt. 


Können Sie Beispiele nennen?

Persönlich hab ich die Zeit genutzt um mit meiner Partnerin einen Schritt weiter zu gehen. Künstlerisch gesehen hab ich sozusagen zu einem guten Kern in mir selbst gefunden. Ich bin zur Ruhe gekommen und konnte an meine eigene, innere Stärke andocken. Außerdem habe ich mein zweites Drehbuch geschrieben und auf den Weg gebracht.


Dann konnten Sie die Zeit ausfüllen….  

Ja, aber es ist schon auch so, dass es immer wieder auch das Hoch und das Tief gibt. Aber, das mag ich als Schauspieler auch. Dieser Wechsel und das Wissen darum, wenn ich im Tief bin, dann dauert das seine Zeit. Und dann, dann folgt auch wieder das Hoch. Ich genieße diese Phasen und versuche, mich dabei selbst zu sehen - wie ich reagiere und agiere. Das macht das Dasein lebendig. Das macht mir Spaß. Erfahrungen, die ich da sammele, kann ich dann später auch in meine Figuren einfließen lassen. 


Ich habe gesehen, Sie kennen Stuttgart?

Aber wie. Lacht. Wie meine Westentasche. In Stuttgart hat alles angefangen. In meinem ersten Leben war ich Ingenieur. Nachdem ich mein erstes Ingenieursstudium erfolgreich abgeschlossen habe, hab ich in Stuttgart-Vaihingen noch Kybernetik studiert. 

Wie lange waren Sie in Stuttgart?

Das war gar nicht so lange. Es waren drei Jahre. Aber diese drei Jahre waren sehr intensiv und haben sich dadurch wie sechs Jahre angefühlt. Ich hatte in Stuttgart wirklich eine der schönsten Zeiten meines Lebens.


Inwiefern?

Ich habe ganz tolle Leute kennengelernt. Dann war Stuttgart für mich einfach auch eine super interessante Stadt, in der viel passiert. Ständig waren irgendwelche Demonstrationen. Lacht. Dann die vielen Kulturangebote. Die Röhre, der Palast der Republik, das Nordbahnhofgelände, wo Architektenfreunde die Eisenbahnwagons hatten... Das war einfach alles 'wow'. 


Das hört sich nach einer intensiven Zeit an…

Ja, absolut. Dann nachts über den Zaun in die Weinberge und mit einer Flasche Rotwein und Blick auf Stuttgart über Gott und die Welt diskutieren. Ich hab die Zeit genossen. 


Haben Sie noch eine Anekdote?

Ja. Lacht. Wir waren kurz davor den Mercedes-Stern auf dem Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs in ein Peace-Zeichen umzuwandeln und wir waren  schon in der Vorbereitung. Damals war der Bereich um den Stern nicht gesichert. Doch kurz bevor wir loslegen wollten, wurde der Bereich doch abgesperrt und unser Traum war geplatzt. Lächelt.


Sind Sie heute auch noch gern in Stuttgart?

Ich bin immer noch gern in Stuttgart und spüre dann doch wieder den kreativen Spirit aus meiner Zeit dort, auch wenn sich vieles verändert hat. Am Forum Theater hat damals für mich alles angefangen. Nach zwei Wochen Laientheater dachte ich mir "Jetzt wirst du Schauspieler".  Dann ging ich auf die Schauspielschule in Graz und danach war ich am Theater in München.


Dann hat das alles in Stuttgart begonnen?

Ja. Ich war begeisterter Theatergänger, und Stuttgart hat ja einige Theater zu bieten. Aber ich bin nie auf die Idee gekommen Schauspieler zu werden. Das ist einfach so passiert, einfach weil das Angebot da war, drauf gekommen wäre ich nicht. 


Ein gutes Beispiel dafür, dass man sein Leben immer in andere Richtungen lenken kann… 

Absolut. Das war für mich meine Wendezeit 2.0 da ich aus dem Osten komme und dort ja  die, beziehungsweise meine, erste Wende miterlebt habe. Das Gefühl der Wende, das steht für mich für ein Gefühl des Aufbruchs, verbunden mit einer positiven Perspektive auf dem Weg ins Unbekannte. So habe ich die Wende einfach nochmal gemacht. Lächelt. Das reine Denken als Perspektive für mein Leben, das hat nicht gestimmt. Und so kam das Schauspiel. Weg vom Denken, hin zum Fühlen.


Sie schreiben auch Drehbücher … 

Das stimmt. Das hat schon am Residenztheater in München angefangen. Dort war ich vier Jahre Ensemblemitglied. Mit der Regisseurin Marie Bues, die ich übrigens in Stuttgart kennengelernt habe, hab ich angefangen, ein Theaterstück  zu schreiben. Es ist das Stück „Gib mir einen Kuss – Porträt einer Bestie“ entstanden. …  Marie wurde später künstlerische Leiterin an der Theater Rampe in Stuttgart. Wir sind bis heute eng in Kontakt.  Danach hab ich bei verschiedenen Projekten an Dialogen mitgeschrieben. Im Jahre 2017 habe ich dann gemeinsam mit einem befreundeten Regisseur ein Drehbuch über die Situation auf Lesbos geschrieben. Und nun also ein weiteres Drehbuch. Es handelt von meiner Heimat Thüringen und ich würde mich sehr freuen, wenn das alles klappt. Ein Drehbuch zu schreiben ist für mich eine wunderbare Mischung aus Denken und Fühlen. Da kommt beides zusammen. Es ist auch gar kein neuer Weg, den ich damit gehe. Es ist für mich eine Ergänzung – ich entdecke dabei die Figuren nochmal ganz anders und das macht mich auch zu einem besseren Schauspieler. 


Der Blick wandelt sich … 

Ja, genau, der Blick wandelt sich und ich kann der Figur noch gezielter und noch mehr von mir persönlich mitgeben. 


Das hört sich nach einer sehr intensiven Arbeit an… 

Es ist wahrscheinlich so, wie beim Tanz. In einer Choreographie gibt es einen Anfang, die Mitte und das Ende. Wenn man geübt ist, kennt man die Stationen und den jeweiligen Rhythmus. Der Film ist dann wie ein Tango – zuerst kommt der große Auftakt „hier bin ich“, dann kommen die Phasen der Sensibilität, dann der Wendepunkt und daraufhin der Abschluss. Diese Phasen zu verinnerlichen, das hilft dem Tänzer selbst, weil er an die Energien anknüpfen kann. Mir als Schauspieler hilft es, das ganze Drehbuch zu sehen. 


Das ist ein schöner Vergleich… Sie haben in „Der Alte – der letzte Tanz“ auch getanzt. Was bedeutet es Ihnen zu tanzen?

Ich habe in Graz, neben meinem Schauspielunterricht, Tango getanzt, bei Luigi. Das war besonders tief getanzter Tango, dramatisch und sehr körperlich. Das hat mich interessiert. Diese Spannung im ganzen Körper. Das war pure Erotik. 


Da kann wahrlich Magie entstehen… 

Absolut. Das hat mich aber auch sehr an das Schauspiel erinnert. Meine Ausbildung hab ich für die Bühne gemacht und ich habe auch die Theaterarbeit anvisiert. Auf der Bühne ist auch diese Spannung wichtig … dieses nicht alles bekommen, was man möchte … dieses verhandeln … dieses knistern…


Ein Spiel … 

Ja, genau. 


Welches Musikgenre lieben Sie?

Bei unseren Tangostunden, bei Luigi, haben wir nie traditionelle Tangomusik gehört. Wir haben zu allem getanzt. Früher in den 1990er Jahren hab ich selbst elektronische Musik gemacht. Mein Jugendzimmer sah aus wie ein Musikstudio. Alles war voll mit Synthesizern. Natürlich hab ich auch den Stuttgarter Sprechgesang gehört. Lacht.  Was mich nach wie vor sehr berührt ist, wenn Musik eine Sensibilität hat, eine Traurigkeit, eine Melancholie – und trotzdem jederzeit bereit ist, diese wieder zu brechen. Dieser spielerische und freche Umgang mit der Melancholie. Dieser Widerspruch. Das interessiert mich. …  Und natürlich David Bowie. Er ist so vielfältig und hat sich in seiner Karriere schon so oft neu erfunden.


Am Donnerstag, 25. März und am Donnerstag, 1. April wird die ARTE-Reihe „Frieden“ ausgestrahlt. Wann und wo waren die Dreharbeiten?

Wir haben im Sommer 2019 in der Region Zürich/Schweiz gedreht. 


Sie spielen den deutschen Rudolf Schneider. Was hat Sie an Ihrer Rolle und am Stoff ganz generell gereizt?

Die Figur, die ich spiele, ist Rudolf Schneider. Er verlässt mit einem Patent in der Hosentasche das Nazideutschland und flüchtet in die Schweiz.

Gereizt hat mich zum einen die Zeit, in welcher der Film spielt. Es ist das Jahr 1945 das aus der Schweizer Perspektive beleuchtet wird. Der Film ist also mal nicht ein Film, der in der Kriegszeit spielt, sondern der Krieg ist gerade zu Ende gegangen. 

Und die Figur selbst hat mich gereizt. Rudolf Schneider besitzt das deutsche Pendant der Nylonfaser. Mit diesem Patent in der Tasche ist er nun also in der Schweiz. Ich habe recherchiert, um mich der Figur zu nähern und habe starke Parallelen zum Nazi-Chemiker Johann Giesen gefunden, unter dessen Leitung, mithilfe von Auschwitz-Häftlingen, ein Werk der IG Farben errichtet wurde. Mit einem Patent in der Tasche ist er in die Schweiz geflüchtet und hat dort einem mittlerweile börsennotierten Unternehmen die Geschäftsgrundlage geliefert. (Der Zusammenhang wurde mir zwar am Set so nie bestätigt, aber zwei Tage vor dem Schweizer Start der Reihe strahlte das Fernsehen eine Dokumentation genau darüber aus.)

Was mich an der Figur interessiert hat ist, wie ein Mensch, der mit so einer Überautorität im Nazisystem agierte und geduldet hat, dass so viele Menschen zu Tode gekommen sind, wie dieser Mensch auf einmal von der Allmacht in die Ohnmacht gerät. Plötzlich ist er auf Schutz im Ausland angewiesen. Das fand ich spannend, wie ein Nazi in so einer Situation ist. Wie er kurz seine Kraft verliert um sie dann in seiner neuen Heimat Stück für Stück zurückzugewinnen. Auch, dass ich als studierter Ingenieur einen Ingenieur spielen konnte war natürlich reizvoll. 


Wie lange wurde gedreht?

Ich war nur in meinem Part dabei. Ich glaube das ging über den ganzen Sommer. Das ist dann wirklich ein Abtauchen in eine andere Welt. 


Gibt es eine Szene, die Sie besonders berührt hat?

Es haben mich sehr viele Szenen berührt. Am meisten vielleicht die Szene, wo ich sage: „Sie haben Glück gehabt, in der Schweiz geboren zu sein, Herr Leutenegger. Denn bei uns zu Hause, da hat man entweder „mitgemacht“, oder man hat sein Leben, und das Leben seiner Familie aufs Spiel gesetzt.“  Das überzeugend in der Figur zu sagen obwohl es eigentlich geheuchelt ist, das war ein spannender innerer Prozess. Ich glaube, wir Menschen sind wie ein Bus voller Persönlichkeiten. Und Rudolf Schneider hat trotz allem auch so eine sensible Seite in sich. Er ist auch ein Mensch, der leben möchte. Da ist auch der Mensch drin, der leidet. Aber er ist eben auch der, der das Sagen hat, der Erfolg hat, der mächtig ist und es genießt, wenn andere Menschen vor ihm auf dem Boden kriechen. In dieser Szene hatte die Figur was Ehrliches und was Verlogenes. Der innere Kampf zwischen den beiden Prinzipien, der hat mich berührt. 


Ich bin schon sehr gespannt … Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Mein Sehnsuchtsort ist ein Platz in einem Kino in Thüringen. Neben mir, meine mir liebsten Menschen. Auf der Leinwand die Premiere des Films für den ich das Drehbuch geschrieben habe. 


Ich drücke fest die Daumen. Vielen lieben Dank, für dieses wundervolle Gespräch, lieber Herr Lier. Ich hab mich sehr gefreut.







'Stuttgart war für mich immer schon 'cool'. Gerade auch in Bezug auf die Musik, die aus Stuttgart kommt'

Trystan Pütter

Foto: Pascal Buenning




Im Gespräch mit Trystan Pütter

Marion Graeber


Hallo lieber Herr Pütter, vielen Dank dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.
Gerne.

Sind Sie in Berlin?
Ja, ich bin zuhause in Berlin. Und Sie sind in Stuttgart?

Ja, genau. Kennen Sie Stuttgart?
Ich bin, war großer Fan, beziehungsweise bin jetzt teilweise befreundet mit Stuttgarter Musikern aus der 0711er Clique – Die massiven Töne, Freundeskreis. Stuttgart war für mich schon damals ein cooler Fleck auf der Landkarte.

Dann waren Sie schon öfter in Stuttgart?
Zu selten. Ich habe mal in Stuttgart am Theater vorgesprochen. In Ludwigsburg habe ich Filme gedreht. Von dort aus sind wir dann nach Stuttgart zum Ausgehen gefahren. Damals noch in die einschlägigen Etablissements.

Höchste Zeit wieder zu kommen...

Ja, das würde ich auch sagen...

Diesen Monat startet im ZDF die Fortsetzung von Ku'damm. Diesmal 63. Wie haben Sie den Dreh unter Pandemiebedingungen erlebt?
Unser Dreh wurde im vergangenen Jahr wegen des Lockdowns unterbrochen. Wir waren eine der letzten Produktionen vor den Schließungen. Das war natürlich schon eine sehr unsichere Zeit. Das kennen wir ja alle. Wir wussten nicht, wie gefährlich ist dieser Virus wirklich, wie geht’s weiter, wann hat das alles ein Ende? Wir haben ein halbes Jahr Pause gemacht. Das war merkwürdig und fühlte sich komisch an. Aber, wir sind ja bei Ku'damm eine große Familie. Wir kennen uns. Wenn das Team das selbe ist, greift schnell alles wieder ineinander.

Beim Tanzen kommt man sich besonders nahe...
Das stimmt. Gerade in dieser Zeit war das wie ein Flash. Ich würde am liebsten die ganze Zeit Tanzfilme drehen, damit ich Menschen wieder nahe kommen kann. (Lacht) ... Wir waren natürlich alle getestet. Das war dann also kein Problem. Die einzelnen Szenen wurden auch ein bisschen umgeschrieben. Wir hatten beispielsweise weniger Statisten am Set. Die UFA hat da ein gutes Konzept entwickelt und wir haben uns sicher gefühlt. Ich bin auch ehrlich gesagt kein ängstlicher Typ.

Was reizt Sie an Freddy? Was mögen Sie an ihm?

Freddy ist ein Freigeist und ein Rebell. Einer, der nicht in die Gesellschaft passt. Ich finde es per se sehr sympathisch, wenn Menschen sich gegen Konventionen und Richtlinien stellen und Dinge hinterfragen. Ihre eigene Wahrheit finden. Das hat mich anfangs total gereizt. Dazu kommt einfach, dass es eine sehr gut geschriebene Figur ist, die sehr viel Freude bereitet. Er hat Humor, er hat Tiefe, eine Traurigkeit und gleichzeitig eine Radikalität. Das finde ich reizvoll.

Sie tanzen viel Rock 'n' Roll. War dieser schwer zu erlernen? Haben Sie alles selbst getanzt?
Ja, alles selbst getanzt. Leider wurde das von Staffel zu Staffel immer weniger. Jetzt konzentriert sich Freddy mehr auf die Musik.
In der ersten Staffel haben wir monatelang sehr hart trainiert. Sonja Gerhardt und ich – wir haben uns das richtig drauf geschafft und dann direkt losgelegt. Das war eine Herausforderung aber irgendwann sind die Schritte drin und dann geht’s los.

Das bringt einem was für's Leben. Das ist doch pure Freude....
Tanzen ist Therapie. Totale Freude. Ein Weg das rauszulassen, was raus muss.

Tanzen Sie auch Tango?
Habe ich mal versucht. War aber leider nicht so meins. Ich finde es aber wahnsinnig toll zuzuschauen. Ich bin mehr so der Disco Freestyle Tänzer. Lacht.

Welches Musikgenre mögen Sie noch so?
Ich höre tatsächlich gerne Musik aus der Ku'damm Zeit. Ich höre gern die Beatles, den Motown Sound der 1960er. Aber eigentlich bin ich mit dem Rap sozialisiert und ich höre bis heute sehr gerne Hip-Hop Musik.

Somit haben wir den Bogen wieder nach Stuttgart geschlagen...

Genau. (Lacht).

Freddy hat in Ku'damm 63 eine Bar. Die Nacht spielt, mit der Musik, eine große Rolle. Sind Sie persönlich auch eher Nachtmensch? Und, könnten Sie sich vorstellen selbst eine Bar zu betreiben? (Mal abgesehen von den ganzen Corona Schwierigkeiten für die Branche)

Ich bin immer sehr gerne in Bars gewesen. Ja, bin eher ein Nachtmensch als ein Morgenmensch. Ich habe gerne Partys veranstaltet und hoffe, dass das auch irgendwann wieder möglich sein wird. Raus gehen, sich treffen, zusammen sitzen ... Diese Nächte fehlen.

Die Stadt ist eine andere ....
Die Stadt, die Städte verändern sich und wenn wir nicht aufpassen, dann werden sie auch so verändert bleiben. Das ist eine große Angst, die ich habe, dass all das nicht mehr stattfinden kann, stirbt. Also, die Innenstädte, auch am Beispiel von Berlin, verändern sich schon sehr stark ...

Um so länger die Schließungen andauern umso schwieriger wird das....

Ja, das stimmt. Und, die Leute kämpfen.

Auch Freddy kämpft - mit sich selbst. Er fühlt sich unwohl in Deutschland. Seine Vergangenheit holt ihn immer wieder ein...

Die Ursachen, die dazu geführt haben, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist – das müssen wir präsent halten um eine Wiederholung zu verhindern. Wir sind auch jetzt immer wieder in Situationen die schnell umschlagen können. Man muss immer wach bleiben.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich komme gerade von den Dreharbeiten zu „Das Boot“ und bin gerade kurz vor den Dreharbeiten zur neuen Staffel von Babylon Berlin. Dann werden wir einen Dreh, der auch aufgrund von Corona unterbrochen wurde, fortsetzen - eine Kinokomödie: „JGA“. Wir drehen auf Ibiza. Da wartet einiges und befindet sich sozusagen in den Startlöchern.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ich habe sehr, sehr viele Sehnsuchtsorte. Ich bin halber Waliser. Bin gerne in Wales. Ich liebe auch Portugal. Ich liebe es einfach zu reisen. Man kann sagen, mein Sehnsuchtsort ist die Reise an sich und ich hoffe, dass wir diese bald wieder antreten dürfen...


Vielen, lieben Dank, Herr Pütter. Das war ein tolles Gespräch. Hab mich sehr gefreut. Liebe Grüße von Stuttgart nach Berlin




'Die Pandemie gab mir so einen Anstoß, mich mit klassischer Musik auseinander zu setzen. Wenn man sich dann noch mit den Komponisten beschäftigt, finde ich das sehr interessant'

August Wittgenstein

Foto: Nils Schwarz



Im Gespräch mit August Wittgenstein

Marion Graeber


Vielen Dank, lieber Herr Wittgenstein, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.  Sind Sie in Berlin?

Nein, ich bin gerade im schönen Nordrhein Westfalen auf dem Land unterwegs. Ich hatte ja meinen 40sten Geburtstag, welchen ich im engsten Familienkreis im Wittgensteiner Land verbracht habe.

Da gratuliere ich Ihnen nachträglich noch ganz lieb :)

Dankeschön.

Wie erleben Sie die Hauptstadt unter Pandemiebedingungen?

Ich finde es in der Stadt schon ziemlich unheimlich und ich habe den Luxus, hier bei meinen Eltern in der Nähe eine kleine Wohnung für mich zu haben. So kann ich hin und wieder mal der Stadt entfliehen. Es ist sehr ruhig hier und die Natur ist sehr schön. Von daher ist das ganz angenehm.
Es sind ja die kulturellen Angebote und die Restaurants die eine Stadt ausmachen. Wenn das alles geschlossen ist, wie in dieser Zeit, dann verliert die Stadt viel von ihrem Charme. Deswegen versuche ich im Lockdown so viel Zeit wie möglich auf dem Land zu verbringen.

Sie sind nun aktuell im März wieder in Ku'damm 63 zu sehen. Wann wurden die drei Teile gedreht?

Alle drei Teile haben wir im vergangenen Jahr gedreht. Wir haben im Februar angefangen und wurden im März durch Corona unterbrochen. Im August konnten wir dann weitermachen. Sehr beeindruckend, wie schnell die UFA und das ZDF das wieder auf die Beine gestellt haben. Da bin ich froh, dass wir das zu Ende machen konnten.

Wie war der Dreh unter Pandemiebedingungen?

Wir hatten Vorquarantäne und am Set gab es diverse Auflagen und Hygiene-Konzepte. Es war alles sehr anspruchsvoll. Die Dreharbeiten waren anders als sonst. Gerade auch was Abstände anbelangt. Die Gemeinschaft und das Miteinander sind das Schöne bei den Dreharbeiten. Aber ich bin froh, dass wir überhaupt arbeiten konnten. Andere Bereiche hat es da viel schwerer getroffen. Die Theater, um dieses Beispiel zu nennen. Ich schätze mich glücklich, dass ich im vergangenen Jahr überhaupt drehen durfte.

Wie war es, die Schauspielkollegen von Ku'damm alle wiederzusehen?

Wir verstehen uns alle sehr gut. Wir sind gut befreundet und kennen uns schon lang. Daher ist es auch immer eine lustige Sache. Sehr kollegial. Man lernt viel, darf tollen Leuten beim Spielen zuschauen. Das macht einen Riesenspaß. Ich schätze das Ensemble und bin sehr stolz ein Teil davon sein zu dürfen.

Sie spielen in Ku'damm den Homosexuellen Wolfgang von Boost. Wie sehen Sie die Thematik, die Rolle?

Leider ist es so, dass diese Thematik nichts von ihrer Problematik eingebüßt hat. Es gibt leider immer noch Homophobie und diverse Länder, die Homosexualität unter Strafe stellen. Wir haben uns in Deutschland schon sehr weit voran bewegt, aber es ist immer noch ein Thema, welches Aufmerksamkeit verdient. Ich wurde manchmal gefragt, ob es schwierig ist, einen Homosexuellen zu spielen. Das reduziert die Figur und damit den Menschen auf seine sexuelle Orientierung und so sehe ich Wolfgang von Boost gar nicht. Seine Homosexualität ist nur der Grund für seine innere Zerrissenheit und das ist es, was die Herausforderung und den Reiz dieser Rolle für mich ausmacht. Für mich persönlich habe ich immer gerne ambivalente Rollen mit einem großen inneren Konflikt. Wir sind alle Menschen, egal ob hetero- oder homosexuell, und sehnen uns nach gleichen Dingen. Es geht um Liebe. Auch bei Wolfgang. Für mich ein Geschenk, so jemanden spielen zu dürfen.

Wie wichtig ist Ihnen Ihre persönliche Freiheit?

Wassermänner sind anscheinend freiheitsliebende Wesen. Es ist mir schon wichtig. Ich bin gerne unabhängig und bewege mich gerne frei. Trotzdem ist auch eine gewisse Zugehörigkeit wichtig.

Wie wichtig ist Ihnen generell der Beruf des Schauspielers? Ich habe gelesen, dass Sie bereits mit fünf Jahren diesen Berufswunsch hegten...

Am Anfang war das ein recht unklarer Traum. Ich hab mit meinen Eltern zusammen Filme gesehen und dachte bei mir – das will ich auch machen. Dann hab ich immer daran festgehalten – mal mehr und mal weniger. Ich habe versucht immer ein bisschen darauf hinzuarbeiten. Nach der Uni ergab sich die Möglichkeit auf eine Schauspielschule zu gehen und ich hab das einfach versucht. Das erste große Projekt war dann Jahre später auch tatsächlich der Ku'damm.

Man sollte also immer an Träumen festhalten?

Man muss aber auch aufpassen, wenn man nur träumt. Vielleicht wäre es besser, es einen Wunsch zu nennen. Man sollte einfach selber versuchen sich diesen so gut wie möglich zu erarbeiten. Es kann aber auch sein, dass man noch so viel daran arbeitet und es trotzdem nicht klappt. Es gibt so viele Leute, die so unglaublich viel Talent haben und nicht arbeiten dürfen. Es hat einfach auch mit Glück zu tun.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Ja, ich bin ja halber Schwede und hab in meiner Kindheit die Sommerzeit größtenteils südlich von Stockholm verbracht. Dort liegt mein Sehnsuchtsort und ich versuche so oft wie möglich dort zu sein.

In Ku'damm spielt ja auch die Musik eine große Rolle. Welches Genre hören Sie gern?

Ich hab in letzter Zeit viel klassische Musik gehört. Vielleicht war es in der Pandemie für mich auch so ein Anstoß, mich mit klassischer Musik auseinanderzusetzen. Es ist oftmals eine ruhige und angenehme Musik, die mich innerlich nicht so aufregt. Wenn man sich dann noch mit den Komponisten beschäftigt, finde ich das sehr interessant.

Welche Musik haben Sie in Ihrer Kindheit gehört?

Als Kind war ich ein großer Michael Jackson Fan. Ich hatte die Wand voller Poster. Später dann wurde die musikalische Bandbreite deutlich größer. Von Pop hab ich mich allerdings dann ferngehalten – weil Michael Jackson ja einfach der King of Pop war. ... Ich hab musikalisch alles durchprobiert. Allerdings hab ich nie Schlager oder Metal gehört.

Sind Sie mit einer bestimmten Musik aufgewachsen?

Mein Zuhause war nicht besonders musikalisch, aber meine Mutter hat immer aufgehorcht wenn im Radio ein guter Song lief, aber eine Lieblingsband oder sowas hatten meine Eltern nicht. 

Die Tanzschule – ein zentraler Part im Film. Tanzen Sie?

Ich tanze gerne. Leider nicht besonders gut. Tanzen geht bei mir mit der Anzahl der Biere einher, aber ich glaube, das kommt nur mir so vor, dass das dann besser wird (Lacht).

Auch der Tango?

Tango hab ich mal ein paar Stunden genommen. Das war tatsächlich sogar für den Stuttgarter Tatort.

Welchen Sport treiben Sie gerne?

Ich spiele zur Zeit sehr viel Tennis. Wenn die Anlagen mal offen haben ...
Das ist der Hauptsport auf den ich mich fokussiere. Aber ich mach auch Fitness, geh laufen, spiele ein bisschen Golf. Früher hab ich Fußball gespielt, bin Ski gefahren .. Sport ist mir sehr wichtig und ich versuche so viel wie möglich zu machen.

Würden Sie sich eher als Tag- oder Nachtmensch bezeichnen?

Tagmensch.

Wie gut kennen Sie Stuttgart?

Leider nicht gut genug. Ich hab für den Stuttgarter Tatort knapp eine Woche in der Stadt verbracht. Das hat mir gut gefallen. Ich hoffe, dass sich bald mal wieder eine Gelegenheit ergibt in Stuttgart zu drehen.

Wir sind eine schöne Weinbergregion...

Da werde ich gleich neidisch. Weinberge haben wir in Berlin leider keine. (Lacht)

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich drehe gerade ein Projekt für Constantin Television „Der Palast“. Eine 6- teilige ZDF-Event-Miniserie. Da drehen wir seit dem 25. Februar bis ins späte Frühjahr.

Was wünschen Sie sich im Bereich Schauspiel für dieses Jahr, beziehungsweise, haben Sie eine Traumrolle, einen Charakter, welchen Sie gerne verkörpern würden?

Was Schönes in Deutschland oder Schweden wäre fein. Eine Traumrolle – ich habe im vergangenen Jahr die Biografie von Raoul Wallenberg gelesen. Ein schwedischer Diplomat, der in Budapest sehr viele Juden vor dem Holocaust gerettet hat. Eine faszinierende Persönlichkeit. Wenn das verfilmt werden würde, würde ich das sehr gerne spielen.

Sie schreiben auch selbst?

Ich habe drei Drehbücher geschrieben, aber keines wurde produziert. Ich mache jetzt eine künstlerische Pause in diesem Bereich. Aber ich liebe es zu schreiben. Ich hab mir auch vorgenommen ein Buch zu schreiben. Zusätzlich schreibe ich auch für den Podcast „Schaumgeboren“, den ich gemeinsam mit Birte Hanusrichter mache.


Vielen Dank, lieber Herr Wittgenstein, für dieses so schöne Gespräch. Ich hab mich wirklich sehr gefreut, dass ich mich mit Ihnen unterhalten durfte.

Danke, für Ihre Zeit.




Musik - 'Ich höre eigentlich alles'

Claudia Michelsen


Foto: ZDF Boris Laewen - Claudia Michelsen mit Uwe Ochsenknecht




Im Telefongespräch mit Claudia Michelsen - zu den Dreharbeiten / Ku'damm 63

Marion Graeber


Vielen Dank, liebe Frau Michelsen, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr. Sind Sie in Berlin?

Ja, ich bin in Berlin.

Wie empfinden Sie die Hauptstadt in Pandemiezeiten?

Es ist eine Schwere in den Städten, weil unter anderem auch jegliche Form von Miteinander nicht stattfinden kann. Ich denke, das ist weltweit so aus verschiedensten Gründen.

Im März geht es weiter mit „Ku'damm 63“. Gedreht wurden die Folgen im vergangenen Jahr. Wie waren die Bedingungen am Set?

Wir sind natürlich sehr viel getestet worden und hatten eine gute Hygiene-Betreuung am Set. Es gab viele Maßnahmen, nach denen wir uns natürlich gerichtet haben. Ein Glück, dass wir überhaupt arbeiten konnten, im Gegensatz zu vielen anderen.  

Sie sind ein festes Ensemble bei „Ku'damm“ - wie war das Aufeinandertreffen?

Es ist ganz wunderbar. Wir freuen uns auf einander und das nun schon zum dritten Mal und immer über einen ziemlich langen Zeitraum. Wie ein kleines gemeinsames Zuhause, eine kleine gewachsene Filmfamilie.

Sie spielen in Ku'damm, Caterina Schöllack. Was reizt Sie an Ihrer Rolle?

Vier Frauen in den 1950er Jahren, die im Mittelpunkt stehen – das gab es so noch nicht. Caterina in ihrer preußischen Strenge, in ihrer bedingungslosen Art sich einzig und allein um die Versorgung ihrer Töchter zu kümmern, scheint natürlich erst einmal etwas eindimensional; das hätte mich nicht interessiert, wenn da nicht auch die Frau und Mutter dahinter zu spüren wäre. Aber diese Disziplin war für viele Frauen nach dem Krieg die einzige Lösung, um zu überleben. Sie mussten alles sein: Vater, Mutter, Versorger..wie schafft man das? Alleinerziehend mit drei Töchtern, das sollte man bei aller Strenge nicht vergessen. Warum ist ein Mensch wie er ist und wodurch hat er sich dazu entwickelt? Ich finde, ich konnte mit Catarina einen grossen Bogen bereisen über diese 3 Staffeln hinweg - 1956, 1959 und nun 1963. Es ist viel passiert und sie hat sich sehr verändert, wie ich finde.

Wie sehen Sie Caterina Schöllack in Ku'damm 63?

Dadurch, dass ihr dieser Unfall passiert, ist sie um einiges gealtert in dieser Staffel. Sie ist gebrechlicher und dadurch ist die Kraft der Caterina, die besondere Körperlichkeit verloren gegangen. Ich hätte gern noch eine kleine Runde mit der anderen Caterina gedreht, auch mit ihrer fast schon komischen Schrulligkeit, die mir ans Herz gewachsen ist. Nun ja, die Mädchen sind aus dem Haus und die Einsamkeit bekommt Raum. Und wie das so ist, fängt man in diesem Raum an zu reflektieren über das eigene Leben, über Fehlentscheidungen und über Wege, für die man sich nun mal unwiederbringlich entschieden hat. Es kommt zu einem Wiedersehen mit Fritz Assmann, was sehr schön ist. Aber Kudamm 63 ist eher ein Ensemblestück, Töchter die nun zu Frauen geworden sind und selber Kinder und Männer haben. Da gibt es enorm vieles mehr zu erzählen.


Vielen Dank, Frau Michelsen für das Telefoninterview zu Ku'damm 63

Dankeschön






'Im Moment höre ich relativ viel klassische Musik'

Dirk Borchardt



Foto: ZDF Christiane Pausch



  Im Gespräch mit Dirk Borchardt „Nächste Ausfahrt Glück“,   Sonntag, 28. Februar 2021, 20.15 Uhr und Sonntag, 7. März 2021, 20.15 Uhr ZDF Herzkino


30 Jahre nach Mauerfall treffen die Erzieherin Katharina (Valerie Niehaus) und Auswanderer Juri (Dirk Borchardt) in „Nächste Ausfahrt Glück“ in ihrer Heimatstadt Eisenach wieder aufeinander. Die Anziehung zwischen den beiden ist genauso stark wie früher – doch inzwischen ist Katharina mit Georg (Max Hopp) verheiratet und hat zwei Kinder. Zudem kümmert sie sich schon seit Jahren um Juris Vater Willi (Ernst Stötzner). Aber weil der überzeugte Marxist zunehmend wunderlich wird und sich immer wieder in brenzlige Situationen bringt, muss nun Juri ran. Und zu allem Überfluss hat Katharinas Freundin Sybille (Susanna Simon) auch noch einen Narren an dem Auswanderer gefressen.


Im Gespräch mit Dirk Borchardt

Marion Graeber im Februar 2021


Hallo lieber Herr Borchardt. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr. Sind Sie in Berlin?

Ja, ich bin in Berlin.

Wie fühlt es sich an – Lockdown in der Hauptstadt?

Für mich hat sich nicht so viel verändert. Was ich halt nicht machen kann - ich kann mich nicht mit so vielen Freunden treffen. Alles was geht, ist ab und zu ein Open Air treffen.

Und, die Vorzüge der Stadt sind uns ein bisschen genommen...

Die Vorzüge der Stadt, die liegen ja aber nicht nur im Nachtleben und im feiern. Lächelt. Aber es ist natürlich schon so, dass die Kultur im Moment so gar nicht stattfindet. Das beinhaltet für viele Kollegen große Probleme. Viele können derzeit nicht arbeiten. Das ist hart.

Hat der Lockdown Ihre Tagesstrukturen verändert?

Nein, nicht wirklich. Was ich halt vermisse, sind Umarmungen und Sport mit Freunden. .. Und, ich vermisse es auch, mehr Menschen zu sehen.  

Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?

Ich bin eher Tagmensch. Ich stehe früh auf und geh früh schlafen.

Der Drehort von „Nächste Ausfahrt Glück“, fand im August und September 2020 in Eisenach statt. Wie haben Sie den Dreh unter Corona Bedingungen empfunden?

Dadurch, dass wir immer getestet wurden, hat das alles gut geklappt. Ich hatte das Glück, dass ich von Mai bis Dezember durchgedreht habe und quasi immer getestet worden bin. Wir hatten ganz strikte Regeln. Wir haben mit Maske geprobt und ohne Maske gedreht. Der Hauptcast – das war wie in einem Kinderferienlager - wir waren unter uns und hatten wenig Kontakt zur Außenwelt. Das war auch schön.

Viele bleiben ja auch über Wochen am Drehort … haben wenig Kontakte…

Ja, das kann ich bestätigen. Ich war eineinhalb Monate auf Rügen und gut einen Monat in Eisenach. In Eisenach kann man ganz wunderbar wandern. Ich bin ein Wandersmann. Lächelt.

Im Schwarzwald kann man auch schön wandern...

Im Schwarzwald bin ich noch nicht gewandert. Dann mehr so in Berlin und Brandenburg. Lacht.

Was hat Sie am Drehbuch „Nächste Ausfahrt Glück“, besonders gereizt?

Da gibt es viel. Einmal das Thema mit meinem Vater im Film, der an Alzheimer erkrankt. Ich hab das im realen Leben. Mein Vater ist stark dement. Diese Geschichte, diese Erfahrung, die wir da gemacht haben und die ich persönlich mache, … diese Fragen, die gestellt werden … das hat mich gereizt. Wir haben das schon auf eine gewisse Humorebene gehoben, aber wir wissen, dass das Leben mit einem an Alzheimer erkrankten Menschen weitaus trauriger ist, als wir das zeigen. Juri trägt im Film einen Ring. Das ist der Ring meines Vaters.  

Das ist sehr schön und berührt mich. Es ist eine belastende Situation. Von vielen Seiten aus betrachtet. Und doch ist zu sehen, dass die Menschen, die an Demenz erkrankt sind auch in ihrer Welt glückliche Momente haben. Sie sind so in ihrer Welt…

Meinem Vater geht es gut.

Ich wünsche Ihnen alles Liebe mit Ihrem Papa.

Das ist schön. Ja, meine Mutter ist da. Sie pflegt ihn mit. Beide wohnen im betreuten Wohnen. Das ist auch ganz in meiner Nähe. Das ist gut.

Was hat Sie ganz speziell an Ihrer Rolle gereizt? Juri ist ja ein sehr freiheitsliebender Mensch. Sie auch?

Ich finde die Grundgeschichte schön. Und der Juri, ja, der hat so einen Freiheitsgedanken, den ich auch habe. Die Freiheit, das ist wohl das größte Thema von Juri. Egal wo er war, er hat immer die Freiheit gesucht. In der Geschichte, in meinem Kopf, war Juri sehr lange auf der Welt unterwegs. War er nicht nur in Kanada. Das wurde so jetzt nicht erzählt, ist mir aber so präsent. Dieses Grundthema „Freiheit“, was ich auch habe, war für mich der Grundreiz an der Figur.

Reisen Sie gerne?

Ich habe viel in deutschen Städten gelebt und ich bin auch immer viel gereist. Kurz vor dem Lockdown war ich noch einen Monat in Indien.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Das Meer

Juri trifft im Film wieder auf seine Jugendliebe. Das hat ja auch was mit besten Freundschaften zu tun. Haben Sie schöne Freundschaften aus der Jugend?

Ich hab sehr tolle und intensive Freundschaften. Ich habe auch mit ehemaligen Freundinnen noch gute Kontakte. Ich bin nicht so einer, der im Streit auseinander geht.

Sie sind in Berlin aufgewachsen. Wie hat Sie diese Zeit in der geteilten Stadt geprägt?

Sehr. Schon dadurch, dass auch meine Familie zweigeteilt war. Wir waren somit oft „drüben“. Wir mussten immer durch diese Grenzabsperrungen fahren. Das hab ich sehr als unangenehme Kindheitserinnerung in mir.

Sie sind im Film ein Musiker. Welches Genre ist Ihnen persönlich das liebste?

Im Moment hör ich viel Klassik. Ansonsten bin ich für alles offen. Normalerweise höre ich Funk und Soul. Aber ich glaube ich bin da generell nicht so festgelegt.

Wie entspannen Sie?
Ich lese und ich meditiere relativ viel.

Im zweiten Film tanzen Sie auch, machen einen Tanzkurs. Tanzen Sie auch persönlich gerne?

Ich hab mal Tango probiert. Folgendes ist passiert… Ich war da mit meiner damaligen Freundin beim Tangokurs. Dann sind wir zu einer Milonga gegangen. Die Frauen wollen dort natürlich vornehmlich mit versierten Tangotänzern tanzen und nicht mit Anfängern. Und so stand ich sozusagen in der Ecke rum und meine Freundin hatte die tollsten Tangotänzer. Insofern bin ich davon wieder abgekommen. Lacht. Tango ist sehr intensiv. Man muss viel lernen und intensiv dabei sein. Ich tanze aber unglaublich gerne, beispielsweise Walzer.

Wenn Sie das nächste Mal beim Tango sind und ich bin da, dann lass ich Sie nicht in der Beobachterrolle ;)

Oh. Das finde ich toll. Lacht… Ja, das war schon auch lustig. Ich hab mich schon auch amüsiert. Aber da steht man dann halt, wie bestellt und nicht abgeholt.




Vielen lieben Dank, Herr Borchardt für dieses so schöne Gespräch. Lieben Dank.  




'Ich mag sehr gerne klassische Konzerte. Am liebsten live.

Auch Chansons liebe ich'

Susanna Simon


Foto: ZDF Frizzi Kurkhaus




  Im Gespräch mit Susanna Simon „Nächste Ausfahrt Glück“,   Sonntag, 28. Februar 2021, 20.15 Uhr und Sonntag, 7. März 2021, 20.15 Uhr ZDF Herzkino

30 Jahre nach Mauerfall treffen die Erzieherin Katharina (Valerie Niehaus) und Auswanderer Juri (Dirk Borchardt) in „Nächste Ausfahrt Glück“ in ihrer Heimatstadt Eisenach wieder aufeinander. Die Anziehung zwischen den beiden ist genauso stark wie früher – doch inzwischen ist Katharina mit Georg (Max Hopp) verheiratet und hat zwei Kinder. Zudem kümmert sie sich schon seit Jahren um Juris Vater Willi (Ernst Stötzner). Aber weil der überzeugte Marxist zunehmend wunderlich wird und sich immer wieder in brenzlige Situationen bringt, muss nun Juri ran. Und zu allem Überfluss hat Katharinas Freundin Sybille (Susanna Simon) auch noch einen Narren an dem Auswanderer gefressen.


Im Gespräch mit Susanna Simon

Marion Graeber im Februar 2021


Hallo liebe Frau Simon. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr. Sie sind in Berlin?

Ja, ich bin in Berlin.

Ab Ende Februar wird die ZDF Herzkino Reihe „Nächste Ausfahrt Glück“ ausgestrahlt. Wann haben die Dreharbeiten stattgefunden?

Wir haben im August und September im vergangenen Jahr gedreht. Im Corona Loch. Wir haben das gerade so geschafft.

Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Das war, im Gegensatz zu heute, das Paradies. Wir haben uns natürlich regelmäßig testen lassen und auch die Hygienebestimmungen waren fester Bestandteil des Lebens am Drehort. Und doch, alles war ein wenig freier als heute.

Sie können gut Vergleiche ziehen, haben Sie doch im November im Renaissance Theater geprobt...

Ja, das stimmt. Wir hatten unsere Proben aber wir konnten die Premiere, die für Dezember geplant war, nicht halten. Geprobt haben wir auf einer großen Bühne. Unser Stück ist ein Vier-Personen-Stück in dem es um die Liebe geht. Wir durften uns nicht berühren, uns nicht näher als 1,5 Meter kommen. Das ist teilweise doch behindernd, wenn man 1,5 Meter Abstand zueinander halten muss und sich nicht berühren darf. Da muss man die Figuren ganz anders anlegen. Aber besser so, als gar nicht.

Wann wird die Premiere sein?

Wir haben jetzt mal Ostern anvisiert. Wollen wir hoffen, dass die Situation bis dahin eine bessere ist…

Wie wichtig finden Sie freundliche, lockere Theaterstücke, Filme, die Herzkino Reihe in dieser, unserer heutigen Zeit?

Ich bin momentan so auf Komödien festgelegt. Das hab ich mir auf die Flagge geschrieben. Ich finde das wahnsinnig wichtig, dass man das Lachen in die Welt sendet. Gerade in dieser Zeit. Die Herzkino Reihe „Nächste Ausfahrt Glück“ ist eine Tragikomödie mit komödiantischen Elementen. Das finde ich sehr gut und sehr erleichternd. Mich hat das gereizt, dass romantische, komische und tragische Elemente vereint sind. Ich finde die Mischung gut. Das ist für mich stimmig.

Die Demenz ist auch ein Thema in der Reihe…

Ja, das birgt auch eine gewisse Situationskomik. Aber dieses Thema wird immer von der einen Seite gesehen. Von außen. Das ist natürlich extrem traurig. Ich hatte selbst einen an Demenz erkrankten Großvater. Dass man das mal von der Seite des Erkrankten sieht, das finde ich gut. Die erkrankten Menschen leben in ihrer Welt. Sie verflüchtigen sich. Aber sie fühlen sich dort oft wohl. Ich, als Außenstehender, fühle mich nicht wohl damit - aber der Mensch, der das gerade durchmacht – wer sagt, dass er sich in seiner Parallelwelt nicht zuhause fühlt? Insofern fand ich auch die Darstellung dieser Demenz gut.

Sie spielen in „Nächste Ausfahrt Glück“ die Sybille. In einer Passage sagen Sie: „Ich hätte gern dazu gehört“…. Wie ist das zu verstehen?

Wir spielen eine Gruppe von Menschen, die eine gemeinsame Jugend hatten. Eine gemeinsame Geschichte. Das wird auch im dritten und vierten Film thematisiert. Sybille hätte gerne zu der Jugendgruppe gehört, war aber aus bestimmten Gründen nicht so integriert. Sybille hatte so ein bisschen die Außenseiterrolle.

Sie haben in „Nächste Ausfahrt Glück – Beste Freundinnen“ einen Tanzkurs mit Juri belegt. Tanzen Sie persönlich auch gerne? Vielleicht haben Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino?

Nein, ich hab leider keine Berührungspunkte zum Tango. Nur, dass ich ihn mal beim Theater spielen getanzt habe. Ansonsten nicht.

Welche Musikgenre mögen Sie?

Ich mag gerade jetzt sehr gerne klassische Live-Konzerte. Es fehl mir sehr, dass man das im Moment nicht genießen kann. Ansonsten lasse ich mich gerne von Musik berieseln. Meine Töchter hören im Auto immer ihre Musik, da höre ich dann gerne mit. Da gibt’s die ein oder anderen interessanten Titel. Lächelt. Ansonsten höre ich mir Musik gerne Situationsbezogen an. Im Theaterstück ist französische Musik zu hören. Daraufhin hab ich mir viele Chansons angehört.

Fehlt Ihnen die Kultur in der Stadt?

Ja, wir sind jetzt hier wie auf dem Land. Wir haben in den Zeiten, in denen wir alles nutzen konnten, alles als 'normal' angesehen. Aber es ist nicht normal. Es ist verdammt nochmal was sehr besonderes und ich hoffe, dass eine Welle der Wertschätzung kommt, wenn der ganze Spuk wieder vorbei ist.

Ich denke schon, dass die Menschen wieder zu den kulturellen Events strömen werden…

Ja, sie sollen strömen …

Ich habe gelesen, Sie gehen gerne im Wald spazieren – können Sie an diesem Ort gut entspannen?

Ja, das ist einfach ein fester Tagespunkt. Da ordne ich meine Gedanken, ohne, dass ich sie ordnen muss, ohne, dass ich irgendwo sitze und einen Plan mache. Es wird gedacht, was gedacht werden muss – was auf der Seele brennt. All das kommt dann ganz von alleine. Die Natur, die Bewegung – das gehört dazu – hier kann ich ordnen.

Reisen Sie auch gerne? Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Im Moment hab ich diesen Sehnsuchtsort: Eine langweilige Insel mit super klarem Wasser und konstant 30 Grad. Da möchte ich dann gerne Sandburgen bauen. Lacht.

Haben sich Ihre Tagesstrukturen in der Corona Zeit geändert?

Ich bin zu hundert Prozent ein Morgenmensch und das bleib ich auch. Da hat Corona nichts daran geändert. Aber an den Tagesstrukturen schon. Homeschooling ist angesagt. Man sieht die einzelnen Familienmitglieder jetzt sehr viel häufiger. Man ist viel intensiver beieinander. Das beinhaltet positive und negative Elemente. Das ist oft auch eine Herausforderung. Aber, meine große, siebzehnjährige Tochter sehe ich jetzt viel öfter. Das ist ein Geschenk.

Sie verkörpern viele verschiedene Charaktere. Haben Sie bevorzugte Rollen?

Ich mag Stoffe und Rollen wo die Komik und die Tragik verschmelzen. Das mag ich sehr gerne. Anschauen tu ich mir am liebsten Krimis. Ich bin ein totaler Krimi-Fan. Gerne auch Psychothriller. Lacht.

Krimis sind beim deutschen Zuschauer beliebt. Was glauben Sie, woran könnte das liegen?

Die Aufregung auf eine andere Welt. Man selber will das ja nicht haben aber ein bisschen Aufregung, ein bisschen Thrill im Leben kann man ja schon haben – ist allerdings gut, wenn das im Fernsehen passiert. Lacht.

Ihr Mann ist Wissenschaftler und arbeitet an einem Laser der gegen das Corona Virus wirken soll.

Ja, das stimmt. Die Patente werden jetzt gerade angemeldet.

Das ist sehr interessant. Technik ist auch ein wichtiger Pfeiler in der Pandemiebekämpfung….

Das Problem ist, dass es sicher nicht die einzige Pandemie bleiben wird. Es stellt sich also die Frage: „Wie kann man Wasser, Luft und einfach die Umgebung Virenfrei bekommen.


Vielen, lieben Dank, liebe Frau Simon für das schöne Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut, dass ich mich mit Ihnen unterhalten durfte.








'Ich höre schon sehr viel Klassik. Auch ein bisschen Jazz. Bei Autofahrten hab ich es aber auch gern mal leise'

Ann-Kathrin Kramer



Foto: Torsten Wingenfelder



„Tödliche Gier“, ZDF Mittwoch, 24. Februar 2021, 20.15 Uhr

Pastor Bahnert (Harald Krassnitzer) gerät samt Frau Claudia (Ann-Kathrin Kramer) und Kindern in die Gewalt von drei brutalen Gefängnisausbrechern. Die Kriminellen sind auf der Suche nach der Beute aus einem Diamantenraub, die vor Jahren in den Ruinen der jetzt renovierten Kirche versteckt wurde. Alle sind höchst angespannt. Versteckte Familienkonflikte treten zutage. Die Situation mit den skrupellosen Gangstern droht zu eskalieren.


Im Gespräch mit Ann-Kathrin Kramer

Marion Graeber im Februar 2021


Hallo liebe Frau Kramer, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Gerne.

Wo erreiche ich Sie gerade?

Ich bin im Bergischen Land.

Im  Moment gestalten sich ja doch die meisten Interviews via Telefon?!

Ja, das stimmt. Hoffen wir, dass die Zeit in der man sich wieder begegnen kann bald wieder kommt.

Der Krimi „Tödliche Gier“ wird am Mittwoch, 24. Februar im ZDF ausgestrahlt. Wann wurde der Krimi gedreht?

Wir haben im November 2019 gedreht. Also noch vor Corona. Die Drehbedingungen, so wie wir sie für dieses Projekt gehabt haben, sind heute fast schon nicht mehr vorstellbar. Wir haben in drei Zimmern gedreht. Der ganze Cast und das Team war immer zusammen, die Fenster waren vernagelt, alles war verhangen und mittags wurde ein Mal durchgelüftet.

Haben Sie im vergangenen Jahr auch gedreht?

Ich habe Anfang des vergangenen Jahres begonnen einen Film zu drehen. Wir kamen genau in den ersten Lockdown und mussten unterbrechen. Jetzt, also quasi ein Jahr später haben wir diesen Film dann fortgesetzt. Natürlich sind die Bedingungen ganz andere. Man sieht die Menschen nicht wirklich auf die man trifft Gerade, wenn man draußen arbeitet und alle um einen herum warm eingemummelt Mützen und Mundschutz tragen. Man sieht dann nur noch die Augen. Aber immerhin, wir können drehen. Die Hygienebestimmungen sind natürlich sehr streng, aber das ist auch richtig so.

Der Film „Tödliche Gier“ spielt in der Nähe von Hamburg. Wo wurde tatsächlich gedreht?

Der Drehort war zirka 80 Kilometer von Hamburg entfernt. Wir haben in Wismar gewohnt und sind von dort immer an den Drehort gefahren worden. Wir hatten also die Ostsee vor der Türe und es war wunderschön dort. Gerade auch, wenn man die Möglichkeit hatte mal über das Wochenende dort sein zu können. Wir waren ja insgesamt fast vier Wochen vor Ort.

Wie beschreiben Sie Ihre Rolle, den Charakter Claudia Bahnert?

Claudia ruht sehr in sich. Sie hat studiert, hat einen Beruf den sie mag und ist selbstständige Apothekerin. Sie hat zwei Kinder und einen Mann, den sie liebt. Ich glaube, sie ist mit sich und ihrem Leben ganz zufrieden. Sie ist aber auch ein bisschen an dem Punkt, wo sie sich fragt, ob es das jetzt gewesen ist und zu dem Zeitpunkt bricht dieses Unglück über die Familie herein. Die Geiselnahme, die Ausnahmesituation. Es ist der Überforderung in dieser Situation geschuldet, dass die Problematiken der Familie an die Oberfläche treten. Der Sohn Marius (Johannes Geller) ist noch Schüler. Die Tochter Svenja (Sofie Eifertinger) macht und hat Schwierigkeiten. Das erfahren wir im Film immer wieder. Svenja hadert mit der Familie, mit den Eltern und dem Übervater, der ihr wahrscheinlich immer wieder das Gefühl gegeben hat, wie alles so geht und richtig ist. Da müssen sich die Kinder den Eltern gegenüber emanzipieren. Ihre Rollen in der Familie finden. In diesem Stadium treffen wir also im Film auf diese Familie.

In „Tödliche Gier“ befindet sich der Zuschauer direkt im Kriminalfall.

Ja, der Film beginnt mit dem Ausbruch der Gangstern aus dem Gefängnis. Man muss den Täter nicht erst suchen.

Was reizt Sie daran, dass die Geschichte so erzählt wird?

Was mich daran reizt ist das kammerspielartige. Dieses Aufeinandertreffen all dieser Charaktere. Es geht nicht nur darum, wer ist der Täter, sondern da werden zwei Parteien gegenübergestellt. Wir sehen die Familie, die mit Strukturen kämpft und auf der anderen Seite die Gefängnisausbrecher, die auch so eine ähnliche Konstellation haben, wie eben eine Familie. Der wunderbare Thomas Sarbacher, der schon fast väterlich sagt, wo es lang geht, der gegebenenfalls auch mal beruhigt. Dann Dirk Borchardt, der eher mal austickt und wieder eingefangen werden muss. Es ist einfach schön, wenn man mit so einem tollen Ensemble zusammen spielen darf.  

Viele Charaktere, die da aufeinander treffen wie im Leben eigentlich auch.

Ja, ganz genau.

Regisseur und Drehbuchautor, Thorsten Näter verfolgt ja folgendes Motto: „Es gibt keine Probleme, nur außergewöhnliche Augenblicke“. Wie war die Stimmung am Set?

Lacht. Ich habe mit Thorsten Näter schon einige Filme gemacht und ich liebe ihn sehr. Das ist ein Regisseur, der, zumal er hier eben auch das Drehbuch geschrieben hat, ganz genau in den Geschichten steckt und weiß, was er will. Egal was man für eine Frage hat, Thorsten hat zu allem quasi schon nachgedacht. Er arbeitet auch fast immer mit dem selben Kameramann, so ist das ein eingeschworenes Team. Eine wunderbare Arbeit.

Die Musik zum Film kommt von Axel Donner. Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie am liebsten mögen?

Ich höre schon sehr viel Klassik. Ich höre auch viel Jazz. .. Und am Ende auch ein bisschen Mainstream. Für mich ist Musik auch etwas, womit ich mich entspanne. Ich höre meist sehr bewusst Musik und habe nicht dauernd das Radio an. Bei Autofahrten hab ich es auch gern mal aus.

Zur Musik gehört immer auch ein bisschen die Bewegung. Tanzen Sie gerne? Vielleicht den Tango Argentino?

Ich finde den Tango Argentino einen ganz großartigen Tanz. Als ich ein Mädchen von 15/16 Jahren war, war das schon mal sehr in Mode und da hab ich das etwas gelernt. Und natürlich auch sehr viel Astor Piazzolla gehört. Tanzen ist ein ganz wunderbares und wichtiges Ausdrucksmittel. Ich finde, dass man viel mehr tanzen sollte. Man spürt sich selbst und wie die Musik und die Bewegung Besitz von einem ergreift.

Gerade auch in der jetzigen Zeit um Glücksmomente zu schaffen?

Ja, genau. Musik kann befreien. Auf jeden Fall.

Darf ich Sie noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Ich bin glücklich, wenn ich am Meer bin. Da ist es dann im Prinzip egal, ob das der Pazifik ist, oder die Ostsee. Lächelt.




Vielen Dank, liebe Frau Kramer, für das schöne Gespräch. Das war toll. Merci  





'Musik ist die Weltsprache - ich versuche mich den ganzen Sprachen anzunähern

aber eigentlich müsste man nur die eine kennen

und das ist die Musik'

Pierre Kiwitt


Fotoausschnitt Zürich Krimi:

ARD Degeto Roland Suso Richter




Thomas Borchert ist es gewohnt, als Anwalt ohne Lizenz zu arbeiten. In "Borchert und der eisige Tod" ermittelt er sogar ohne Mandat - und gegen den Willen eines Verurteilten. Borcherts fester Glaube, mit der Wahrheit nicht nur dem Recht, sondern auch der Gerechtigkeit zu dienen, wird im zehnten "Zürich Krimi" auf die Probe gestellt. Roland Suso Richter inszenierte den atmosphärisch dichten und spannenden Film nach einem Drehbuch von Wolf Jakoby in der verschneiten Bergwelt der Graubündner Alpen.

Donnerstag, 4. Februar 2021 Das Erste 20.15 Uhr


Christian Kohlund alias Thomas Borchert hat ein untrügliches Gespür dafür, wenn ein Unschuldiger als Sündenbock herhalten soll. In "Borchert und der Mord im Taxi" deckt der charismatische Titelheld die schmutzigen Machenschaften der Reichen und Einflussreichen auf, um seinen unter Mordverdacht stehenden Mandanten frei zu bekommen. Der "Anwalt ohne Lizenz" macht sich zusammen mit seiner von Ina Paule Klink gespielten Partnerin Donimique und Pierre Kiwitt in der Rolle des Hauptmanns Furrer daran, unbequeme Wahrheiten ans Licht zu bringen, was auch seinen alten Freund Reto auf den Plan ruft. Regisseur Roland Suso Richter inszenierte den elften "Zürich Krimi" nach einem Drehbuch von Grimme-Preisträger Leo P. Ard.

Donnerstag, 11. Februar 2021 Das Erste 20.15 Uhr


Wenn etwas bis ins kleinste Detail unanfechtbar scheint, dann hat womöglich jemand nachgeholfen! Für Christian Kohlund als knorrigen Titelheld ist die allzu eindeutige Indizienlage in "Borchert und die Zeit zu sterben" der Anlass, auf seine unkonventionelle Art wieder einmal tiefer nachzubohren. Regisseur Roland Suso Richter inszenierte den zwölften "Zürich Krimi" nach einem Drehbuch von Wolf Jakoby.

Donnerstag, 18. Februar 2021 Das Erste 20.15 Uhr



Im Gespräch mit Pierre Kiwitt

Marion Graeber im Januar 2021



Hallo lieber Herr Kiwitt. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr.

Nicht zu danken. Danke, für Ihre Anfrage.

Sind Sie derzeit in Berlin?

Nein, ich bin gerade in Paris.

Sie haben deutsche und französische Wurzeln...  

Ja, das stimmt. Aber ich bin derzeit für einen Dreh in Paris. Ich drehe einen Film über Napoleon und Metternich im Jahre 1813. Das bekannteste Duell zwischen den beiden, als Metternich Napoleon den Vorschlag unterbreitet sich zurückzuziehen, damit Europa wieder Frieden erlangen kann. Ein Projekt für ARTE.

Wird in deutscher oder französischer Sprache gedreht?

Beide Sprachen.

Sie sprechen mehrere Sprachen. Stimmt es, dass Sie für einen Film extra portugiesisch gelernt haben?

Ja, das war in Brasilien. Ich habe dort eine Serie angeboten bekommen und die Sprache dann mit dem Drehbuch erlernt.

Sie haben demnach Erfahrungen mit internationalen Produktionen. Wie sind die Unterschiede?

Im Herzen sind sie alle gleich. Lächelt. Das sind Menschen, die leidenschaftlich gern eine Geschichte erzählen wollen. Und doch ist es erfrischend, denn die Filme sind oftmals so unterschiedlich wie die verschiedenen Kulturen selbst. Dann kommt noch die Thematik drauf. Das macht sehr viel Spaß. Es ist sowieso für mich sehr interessant andere Kulturen kennen zu lernen. Menschen zu begegnen. All das mag ich.

Beeinflusst Sie diese Arbeit in den unterschiedlichen Ländern mit verschiedensten Kulturen?

Ja, das beeinflusst den Dreh an sich und das beeinflusst einen auch selbst. Es inspiriert. Und, es bringt manchmal auch andere Sichtweisen und Schaffensarten zum Vorschein. Daran kann man nur wachsen.

Sind die Drehbedingungen unter Corona in Paris vergleichbar mit, beispielsweise Berlin?

Ich war vor Paris in Prag und in Zürich. In Prag hab ich parallel „Das Boot“ gedreht. In Paris liegt die Inzidenz bei 200, in Prag lag der Wert teilweise über 700. Da hört man alle paar Minuten die Ambulanz. Es ist erstaunlich, und ich kann jedem Produzenten nur mein Lob aussprechen, der sich in dieser Zeit so einem Projekt annimmt und versucht zu drehen. Eine Produktion ist ja an sich schon schwierig. Aber zusätzlich noch mit diesen Gegebenheiten rund um Corona klar zu kommen, das ist schon eine Herausforderung.

Sind Sie regelmäßig getestet worden?

Ja, wir sind regelmäßig getestet worden.

Das ist schon ein anderes Leben derzeit...

Ja, komplett. Aber ich sag immer, man darf sich nicht so sehr darauf fokussieren, was man alles nicht mehr hat oder nicht mehr machen kann. Natürlich ist das belastend, wenn man ständig eine Maske tragen muss, man keinen Sport machen kann. Auch, dass die Kinder nicht zur Schule und in den Kindergarten können. Aber all das sind im Moment eben medizinische Notwendigkeiten.

Auch für Kinder eine schwere Zeit…

Ich glaube, man muss da mit Kindern ganz vorsichtig im Umgang sein. Vielleicht im Sinne von „la vida es bella“ von Roberto Benigni. Es geht doch eigentlich nicht darum, was ich vermisse, sondern wie ich meinen Raum, der mir zur Verfügung steht, angenehm gestalte. Trotz Krise. Das ist, glaube ich, wichtig. Gerade auch für Kinder. Kinder, aber auch Jugendliche und Jung-Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren, die sich normalerweise auf in die Freiheit machen… Das ist schon schwer. Und doch, glaube ich, wenn wir uns alle einig sind, alle Masken tragen, uns an die Regeln halten, kommen wir da gemeinsam durch. Ich stehe sehr ein für das Beschützen und Achten aller.

Sie waren auch für den Zürich Krimi vor der Kamera. Drei neue Folgen werden nun im ARD ausgestrahlt. Dann sind Sie aktuell in Paris, waren zuvor in Prag. Haben Sie eigentlich eine Lieblingsstadt?

Ich finde so viele Städte gut. Ich kann mich gut an Städte anpassen und bin auch  neugierig und freue mich immer wieder auch neue Städte entdecken zu können. Ich fühle mich tatsächlich ein bisschen heimatlos. Ich liebe Paris, das ist eine wundervolle Stadt. Berlin – da lebe ich derzeit. Berlin, muss ich sagen, hat schon sehr viel von allem. Da kann man wirklich gut leben. In München hatte ich zu viele Leben aber München ist durchaus eine tolle und lebenswerte Stadt. Südfrankreich, Spanien - super. Los Angeles, liebe ich. Auch Prag und London. Es scheint so, als hätte ich noch nicht so richtig gefunden, wo ich gern bleiben will. Lacht. Ich kann beispielsweise auch keinen Lieblingsschauspieler oder Regisseur benennen – es gibt einfach zu viele.  

Kennen Sie Stuttgart?

Zu Stuttgart hab ich eine ganz besondere Verbindung, da meine Frau in Stuttgart getanzt hat. Gauthier Dance im Theaterhaus in Stuttgart. Zudem hab ich gute Freunde in Stuttgart, beispielsweise auch bei der Soko Stuttgart und Dr. Klein. Stuttgart hat sehr schöne Ecken.

Tanzen Sie Tango?

Nicht wirklich. Ich tanze immer ein bisschen, passe mich gern der Musik an. Ob ich es kann ist eine andere Frage. Lacht.

Welche Musik mögen Sie?

Ich begegne Musik gerne und lass mich dann auf sie ein. Ich war eine Zeit lang auch DJ. In jungen Jahren. Ich denke, ich habe Musikeinflüsse aus vielen Ländern. Auch über Freunde, die über die Welt verteilt sind. Ich finde, die Musik ist die Weltsprache. Ich versuche mich den ganzen Sprachen anzunähern aber eigentlich müsste man nur die eine kennen und das ist die Musik.

Dann sind Sie offen für die Musik in ihrer ganzen Fülle...

Man kann sich dem öffnen, was eine andere Kultur einem geben möchte. Das bereichert. Apropos Tango – Carlos Gardel ist sensationell – ich liebe das. Aber ich kann auch mal Heavy Metal hören oder Hip-Hop. Auch Techno und Rock 'n' Roll.   

Regisseur, Roland Suso Richter führt Regie beim Zürich Krimi. Ich habe gelesen, er verfolgt eine Besonderheit – es gibt keine Proben. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Lacht.

Wie sind Ihre Erfahrungen?

Am Anfang hat mich das auch etwas verunsichert. Aber das ist gar nicht so schlimm. Lacht. Im Gegenteil. Das gibt dem Film sehr viel Frische und man kann Dinge auch neu entdecken. Man ist auch anders wach. Das ist spannend. Was Roland Suso Richter auch gerne macht ist Szenen zusammen legen. Das heißt, man spielt dann 15 bis 20 Minuten komplett durch. Da ist man dann in einer ganz anderen Anstrengung. Roland Suso Richter weiß was er tut, er ist ein großartiger Regisseur.


Vielen Dank, lieber Herr Kiwitt für das tolle Gespräch. Merci.







'Ich tanze jeden Tag. Wenn man nicht tanzt hat man im Leben etwas falsch gemacht'

Jophi Ries

Foto: Mathias Bothor



„Ein Sommer auf Elba“ - Herzkino

Obwohl Maja und Thorsten geschieden sind, machen sie gemeinsam mit ihren Söhnen Urlaub. Der Gedanke ist gut, die Ausführung jedoch miserabel. Majas Anstrengung, mit allen etwas gemeinsam zu unternehmen, bügeln die Männer gekonnt ab. Kurzerhand lässt sie die drei alleine zurück und fährt einfach ins Blaue.

Im Gespräch mit Regisseur, Jophi Ries

Marion Graeber im Januar 2021


Hallo Herr Ries, danke, dass Sie Zeit für mich haben. Wie geht es Ihnen?

Alles super. Danke.

Am 24. Januar ist im ZDF Herzkino „Ein Sommer auf Elba“ zu sehen. Wann wurde der Film gedreht?

Wir haben im Juni/Juli diesen Jahres gedreht. Wir waren die Ersten, die mit der Öffnung Italiens wieder ins Land konnten. Am Flughafen in Zürich war es gespenstisch. Nur fünf Flugzeuge waren an der Tafel angeschrieben. Im Flieger dann, nur jeder zweite Platz besetzt.

Wie war die Situation auf Elba?

Auf Elba war es sehr lässig. Wir haben ja immer draußen gedreht. Und, es gab ein gutes Hygienekonzept. Alle wurden getestet vor dem Dreh. Die Schauspieler sogar mehrfach. Das war alles sehr gut organisiert. Ich hab jetzt aktuell in Hamburg gedreht – alle Drehs fanden in Räumen statt. Das war doch schwieriger.

Wie lange waren Sie auf Elba?

Die Drehzeit betrug zirka fünf Wochen. Ich war aber schon früher dort, weil ich noch vorbereitet habe. Das waren dann gut zwei Monate.

Waren Sie zuvor schon einmal auf Elba?

Lustigerweise war ich mit meiner Familie schon einmal auf Elba, ja. Das Hauptmotiv, wo wir das Familienhaus abgedreht haben, da war ich in Wirklichkeit schon. Als wir auf der Suche nach der Location waren, hab ich uns zu dem Haus geführt und so getan, als würde ich es auf dem Weg entdecken. Alle jubelten und meinten, wie toll das wäre und wie ich das gefunden hätte…. Dabei war ich ja heimlich schon dort. Lacht. Es war dann ein Glück, dass wir es zum Dreh bekommen konnten.  

Was hat Ihnen auf Elba besonders gut gefallen? Was macht den Film besonders?

Die Inseln sind in den „Off Zeiten“ einfach fantastisch. Gerade weil die Massen an Menschen nicht da sind. Das hat mir dieses Mal so gut gefallen. Durch Corona ging es dort ja erst wieder etwas los. Es war einfach noch besonders leer und der Ort, an dem wir gewohnt haben, war so ein fantastischer Ort. Auch der Blick auf die Hauptstadt, genau gegenüber. Wir sagten immer, dass die Italiener aber ein fantastisches Filmstudio haben, wo sie jeden Abend dieses Filmset mit diesem Blick für uns aufbauen.  

Was schätzen Sie am Herzkino? Vielleicht auch gerade im Hinblick auf Krimis im TV?

Ich hab ja als Schauspieler sehr viele Krimis gespielt und es gibt mittlerweile so eine Flut an Krimis, dass ich es eigentlich schon bald nicht mehr sehen kann. Es muss schon etwas besonderes sein, damit ich Lust habe, es mir anzuschauen. Für mich liegt der Reiz der Regie für diesen Sommerfilm ganz klar darauf, dass ich diesen so gestalte, dass ich ihn mir auch selber gern ansehen möchte. Einen leichten Stoff so zu machen, dass die Figuren und diese leichte Geschichte wirklich ernst genommen werden – das finde ich eine unglaubliche Herausforderung. Denn, es gibt schon ziemlich viele, langweilige Schmonzetten. Das versuche ich in meinen Sommerfilmen anders zu machen. Den Zuschauer ernst nehmen und die Geschichte so machen, wie ich sie mir selber auch ansehen wollen würde. Das ist der Anspruch. Deshalb kümmere ich mich auch intensiv um die Musik und den Schnitt. Das ist für mich ein unheimlicher Reiz. Hinzu kommt, dass an diesen wundervollen Orten drehen zu dürfen ein wahres Geschenk ist. Glauben Sie mir, das macht Spaß, auf Elba, Mykonos oder auf Lanzarote.

Auf Lanzarote führten Sie im Jahre 2015 das erste Mal Regie für einen Langfilm. Sie führen Regie und sind Schauspieler. Genießen Sie mit dieser Kombination Vorteile?

Ich glaube, jeder Schauspieler ist gleichzeitig bester Regisseur für Schauspieler. Du weißt halt, wie die Gattung „Schauspieler“ funktioniert. Du weißt, um die Schmerzen, um die Talente. Ich liebe Schauspieler und das ist spürbar. Der Zugang ist so viel einfacher.

Ist Ihnen beides gleich wichtig – Schauspiel, Regie?

Ich hab mir die Regiearbeit schon in den 1990er Jahren aufgebaut. Habe vier eigene Filme produziert und dann, weil ich so viele Kinder bekommen habe, erst mal wieder gespielt. Jetzt bin ich wieder schwerst bei der Regie. Es ist meine ganze Erfüllung. Und spielen tu ich jetzt noch lieber.  

Haben Sie als Regisseur die Schauspielrollen besetzt? Ihre Frau, Regula Grauwiller spielt die Hauptrolle der Maja … Wie war die gemeinsame Arbeit?

Das ist so durch Zufall entstanden. Die Produzentin hat Regula vorgeschlagen und ich hab nur gesagt „Volltreffer“. Es ist tatsächlich so, dass Regula und ich immer beide die Bücher lesen, die uns vorgelegt werden. Wir reden dann drüber, was wir spielen oder drehen wollen. Regula hatte das Drehbuch zu „Ein Sommer auf Elba“ auch gelesen und meinte, das würde sie gerne spielen. Wenn wir dann zusammen drehen ist das einfach ganz normale Arbeit. Es ist nicht anders als mit den anderen Schauspielern. Aber es klappt sensationell, denn wir sind Vertraute.  

Wie Sie bereits angesprochen haben, ist Musik für den Film wichtig. Wie gestaltete sich diese Arbeit?

Ich mache diese Filme sonst als Romantic-Comedy. Diesen, den wir jetzt auf Elba gemacht haben, der ist ein bisschen tiefer. Mit einem erwachsenen Thema. Ich glaube, dass die Sommerfilme kommerzielle Musik brauchen. Musik, die wir alle lieben. Musik, mit der wir die Menschen willkommen heißen. Es wird gute Laune verbreitet und wir verzichten bewusst auf sphärische Musik, wie sie beispielsweise im Tatort eingesetzt wird. Unsere Musik soll gute Laune und Spaß vermitteln. Deshalb möchte ich auch immer viele Songs haben. Die Zusammenarbeit mit den Musikkomponisten ist zudem immer eine ganz zauberhafte, da sie Magie erschaffen. Das besondere an einem Film zu arbeiten sind die unterschiedlichen Phasen. Alle wichtig, alle schön. Bucharbeit, dann die Dreharbeiten – dann, der Schnitt - hier entsteht der Film dann wirklich. Und dann kommt überhaupt das Schönste – die Musik. Die Musik, die das, was man erschaffen hat begleitet und so richtig hervorholt. Manchmal musst du nur schauen und nichts tun – dann kommt das Cello drauf und das erzählt alles.

Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie persönlich gerne hören?

Alles. Ich bin in Sachen Musik auch viel im Dialog mit meinen Kindern. Wir fragen uns allerdings oft: „Wo sind in der heutigen Musik die Gitarren?“. Das nervt mich ehrlich gesagt ein bisschen an den heutigen Popsongs. Und, das geht meinen Kindern witzigerweise auch so. So finden wir Musik aus den vorangegangenen Jahrzehnten spannender und besser. Ich finde, wir sind gerade, was die heutige Musik anbelangt, in einer etwas langweiligen Zeit.

Zur Musik gehört ja irgendwie auch die Bewegung. Tanzen Sie? Vielleicht Tango?

Ich tanze keinen Tango aber ich tanze jeden Tag. Ich tanze auch viel mit meinen Kindern. Wenn man nicht tanzt hat man im Leben was falsch gemacht. Gerade in diesen Corona Zeiten, wo man viel zuhause ist – ich tanze oft den ganzen Tag. Gerade auch in der Phase, wo ich Musik für den Film gehört habe, tanze ich mit der Musik mit. Wenn man einen geilen Song hört – das geht einem doch so richtig in die Beine. Lacht.


Lieber Herr Ries, vielen Dank für das tolle Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut.




'Ich höre am liebsten Musik, die mir gute Laune macht'

Bjarne Mädel

'

Fotocredit: Jürgen Bauer



„Sörensen hat Angst“, Mittwoch, 20. Januar 2021, 20.45 Uhr Das Erste


Im Gespräch mit Bjarne Mädel

Marion Graeber im Januar 2021


Hallo Herr Mädel

Moin

Wie geht es Ihnen?

Mir geht’s ganz gut. Danke. Mir glüht nur etwas das Ohr, da ich nun zwei Interviewtage hinter mir habe.

Ich freu mich sehr, dass Sie auch Zeit für mich haben.

Sehr gerne.

Rufen Sie aus Berlin an?

Ja, ich wohne in Berlin.

Der Film „Sörensen hat Angst“, spielt im fiktiven, nordfriesischen Katenbüll – ein starker Gegensatz zu Berlin. Ich habe gelesen, dass die Drehorte rund um Bremerhaven stattgefunden haben. Haben Sie dort optimale Drehbedingungen gefunden? Was machte diese Orte dort so besonders?

Es ist tatsächlich so, dass der Roman von Sven Stricker in Nordfriesland spielt. Dort haben wir uns anfangs auch nach Motiven umgesehen. Da wir dann jedoch eine Förderung von der Nordmedia bekommen haben, haben wir in Niedersachsen gedreht. Das war uns von der Förderung so vorgegeben. Wir haben dann also in Niedersachsen einen Ort gesucht, der eine typische norddeutsche Atmosphäre hergibt, wie sie im Buch beschrieben wird. In Varel und Umgebung haben wir diesen Ort dann gefunden. Ich war erstaunt, weil ich die Gegend zuvor noch gar nicht kannte. Es war mir gar nicht bewusst, dass es dort am Meer so schöne Ecken gibt. Dieser Landstrich hat aber auch wirklich alles für uns hergegeben, was wir brauchten. Tolle Motive. Zumal es gar nicht leicht war, zum Beispiel so eine kleine Kate für Sörensen zu finden, die eigentlich nur aus einem Raum besteht und direkt am Deich liegt. Und nebenan dann noch eine Pension. Das alles so zu finden, wie beschrieben, das war, wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Gedreht wurde vom 20. Februar bis 19. März 2020.

Das war kurz vor dem Lockdown. Wie sind Sie damit umgegangen – wurde es schon hektisch am Set?

Ja, während der letzten zwei Drehwochen schwebte sozusagen schon das Damoklesschwert über uns. Wir hatten auch Kontakt zu anderen Produktionen, die mitten in ihrer Arbeit unterbrechen mussten. Auch wir waren natürlich vom Abbruch bedroht. Diese kleine Enklave an der See kam uns jedoch entgegen. Dort waren wir sehr unter uns und da war nicht viel Bewegung nach außen. Wir hatten auch kein Riesenensemble und keine Massenszenen. Wir haben uns dann auch deshalb alle entschieden, das gemeinsam durchzuziehen, wofür ich sehr dankbar bin. Auch für die Produktionsfirma, weil es eine kleine Produktionsfirma aus München ist (Claussen + Putz Filmproduktion). Sie mussten schon den Frankentatort abbrechen. Hätten wir auch noch abbrechen müssen, wäre das mit noch mehr Kosten für die Filmproduktion verbunden gewesen. Vom timing her waren wir ja zum Glück auch sehr kurz vor dem Abschluss. Wir wussten, dass wir das irgendwie hinbekommen. Viele Szenen, die uns noch fehlten, fanden draußen an der frischen Luft statt. Bei einer Szene hatten wir dann noch doppeltes Glück. Die Szene sollte in einem Krankenhausflur gedreht werden. Wir haben sie aus verschiedenen Gründen von Mittwoch auf Montag vorgezogen. Am Dienstag haben wir dann erfahren, dass wir aufgrund von Corona am Mittwoch dort gar nicht mehr hätten drehen dürfen. Direkt nach Abschluss der Dreharbeiten kam dann der erste Lockdown. Das war für mich dann die Zeit, den Film zu schneiden und fertigzustellen. Im Sommer hab ich dann einen weiteren Film als Schauspieler in Süddeutschland drehen können. Konnte also Geld verdienen. Dann kam der zweite Lockdown.... Mir ist wirklich bewusst, dass ich einer von den wenigen nicht fest engagierten Schauspielern bin, die so gut durch diese Zeit gekommen sind. Ich bin da so durchgerutscht – quasi unter dem Radar weiter geflogen. Es gibt so viele Künstler, die freiberuflich unterwegs sind, die es extrem schwer haben in diesen Zeiten, in denen ihr Einkommen auf Null runtergefahren wird. Mir sind aktuell ein paar Lesungen abgesagt worden. Das ist schade, trifft mich aber nicht existentiell. Beruflich habe ich also enormes Glück gehabt. Privat hab ich das alles aber natürlich auch gespürt. Mein Vater lebt in den USA. Keine Chance, ihn zu besuchen. Auch meine Mutter in Hamburg konnte ich aufgrund der Situation nicht sehen.

„Sörensen hat Angst“, wird als ein etwas anderer Krimi beschrieben. Was unterscheidet ihn von anderen?

Der Krimi bildet natürlich den roten Faden, aber die Angststörung der Hauptfigur und die humorvolle Art und Weise, wie er mit dieser Angst umgeht, stehen zunächst im Vordergrund.

Um was für eine Angststörung handelt es sich?

Die Angststörung nennt sich „Generalisierte Sorgenangst“. Sie ist immer dann am schlimmsten, wenn man ihr viel Raum gibt. Wenn man zuhause auf dem Sofa sitzt. Dann macht sie sich breit – die Angst. Funktioniert man aber, steht unter Druck von außen, dann hat die Angst nicht so viel Platz. Das kann man genauso in unserem Film beobachten. Die Geschichte an sich, der Kriminalfall und die Abgründe, die sich mit ihm auftun, das ist heftig und wird auch sehr schlimm. Für Sörensen wird der Druck und der Zeitdruck immer größer und so tritt die Angst in den Hintergrund und der Kriminalfall übernimmt die führende Rolle. Anfangs geht es also um die Angststörung und wir ziehen den Zuschauer mit etwas Heiterkeit in diesen Film. Die Zuschauer, die mich aus anderen Zusammenhängen kennen, denken vielleicht, das wird lustig mit dem Bjarne Mädel. Den kennen wir. Da gibt es meistens was zu lachen. Mit dieser Erwartungshaltung spielen wir natürlich auch. Doch, das Blatt dreht sich und es wird ernster als der Zuschauer das wahrscheinlich erwartet. Es entsteht eine Atmosphäre, die sehr bedrückend und finster wird.

Ist es schwer hier eine Balance zu halten – zwischen leichtem Humor und knallhartem Kriminalfall?

Es war ein Balanceakt, aber der Humor betrifft in erster Linie die Angststörung von Sörensen. Wie er selbst damit umgeht, ist humorvoll und wie er mit Kollegen in den Dialogen agiert. Ich finde, es ist immer eine gute Möglichkeit, mit Humor die Herzen der Zuschauer zu öffnen und sie danach mit dem zu konfrontieren , was man selbst auf dem Herzen hat, mit dem, was man zu sagen hat. Und es war unsere Absicht, ein schweres Thema mit Leichtigkeit anzugehen. Ich meine damit aber auf keinen Fall mit Oberflächlichkeit. Wir haben das alles sehr ernst genommen. Sowohl die Angststörung, als auch den Kriminalfall. Und doch gibt es da diese Menschlichkeit, der Figuren, die den Film auch bestimmen sollte.

Das Publikum schaut gerne Krimis. Warum?

Schwere Frage. Das liegt vielleicht an der Sehnsucht nach der heilen Welt, nach einer Ordnung, die man sich in einer Gesellschaft und in seinem Kopf wünscht. Menschen haben die Sehnsucht nach einfachen Bewertungen – nach Gut und Böse. Ich glaube, all das ist in einem 90minütigen Krimi überschaubar und erzählbar. Und es ist wohl beruhigend, wenn Unheilvolles am Ende erklärt und besiegt wird.

„Sörensen hat Angst“, ist Ihr Regiedebüt. Sie führen Regie und spielen die Hauptrolle. War diese doppelte Aufgabe eine große Herausforderung?

Ja. Regie zu führen und gleichzeitig als Schauspieler vor der Kamera zu stehen war definitiv eine Herausforderung aber auch ein Vorteil. Ich bin ja als Spieler ganz nah an meinen Kollegen dran. Ich spüre sofort, wenn in einer Szene etwas nicht stimmt oder der Text nicht funktioniert. Auch konnte ich bereits aus der Szene heraus, den Rhythmus mitbestimmen. Zudem habe ich die Vorarbeit mit dem Kameramann, Kristian Leschner gemacht, da konnte ich genau sagen, wie der Hauptdarsteller das dann spielen wird. Normalerweise denken sich ja Regie und Kamera ein Konzept aus, dann kommt beim Dreh noch der Schauspieler oben drauf und sagt, was er will .. Dieser Arbeitsschritt fiel in unserem Fall weg. Ich konnte mich außerdem als Spieler gut in die anderen Schauspieler hineinversetzen. Was macht Spaß, was macht Schwierigkeiten.... Ich hatte eher Angst, dass ich beim Spielen vergesse zu spielen und stattdessen den Kollegen zuschaue. Aber ich bin dann, glaube ich, durch die viele Arbeit vor der Kamera, schon so konditioniert, dass sobald das „Bitte“ kommt, ich dann in der Szene und in der Figur drin bin. Es hat mich also nicht verwirrt, die Figur zu spielen und gleichzeitig Regie zu führen. Zudem gab es die Kontrolle, ich hatte jederzeit die Möglichkeit, mir alles Gespielte direkt im Anschluss auf dem Bildschirm anzusehen. Ich muss auch sagen, ich bin generell ein bewusster Spieler. Ich begebe mich beim Spielen nicht in eine Art Trance, wo ich dann nicht mehr weiß, was ich grade gemacht habe.

Ich habe gelesen, dass Sie die Figur des Sörensen bereits in den Anfängen aktiv mitgestalten konnten.

Das stimmt. Sven Stricker (Buchautor) und ich sind schon sehr lange durch die Arbeit miteinander verbunden. Er hat diese Figur mal für mich, als Hörspiel, welches wir zusammen aufgenommen haben, geschrieben. Weil er dann noch so viele Ideen hatte, hat er in der Folge einen Roman daraus gemacht. Da die Dialoge so toll sind und sich der Roman sehr bildhaft liest, entstand dann die Idee, diesen Stoff zu verfilmen. Wobei von Anfang an feststand, dass ich die Rolle des Sörensen übernehmen würde. Wir haben dann zusammen sehr intensiv am Drehbuch gearbeitet.

Das war eine perfekte Vorarbeit...

Ja, wir haben uns in dieser Phase auch schon viele Szenenübergänge überlegt… Auch, wie wir das Ganze an sich eben umgesetzt haben wollten. Da ging die Drehbucharbeit schon in die Regiearbeit über. Wir haben da schon festlegen können, welche Momente gut sind, diese Angst von Sörensen zu zeigen und visuell klar zu machen, wie die Störung funktioniert, um dieses Beispiel zu nennen.

Musik spielt in jedem Film eine große Rolle. Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie persönlich gerne hören?

Ich höre sehr gerne Musik, die mir gute Laune macht. Ich bin meistens bei der Musik, die harmonisch und melodisch ist. Es herrscht genug Chaos um mich herum. Ich hab Phasen, in denen ich gerne Reggae höre. Das bringt dann auch schon mal die Sonne in den grauen Kreuzberger Alltag. Die Musik von Volker Bertelmann liegt oft genau an der Grenze von Musik zu Sound und Geräusch. Das fand ich sehr spannend und für „Sörensen hat Angst“  extrem passend. Sörensen nimmt Akustik in Angstmomenten ganz übertrieben wahr. Dinge, wie beispielsweise, der Milchaufschäumer oder klirrendes Besteck, sind für ihn, durch die Störung, lauter und präsenter als für uns. Das wurde durch die Musik, die Geräusche und die Akustik hervorgehoben und ausgearbeitet.

Zur Musik gehört ja irgendwie auch die Bewegung und der Tanz. Darf ich Sie fragen, ob Sie tanzen? Vielleicht Tango?

Ich weiß, dass wir das auf der Schauspielschule als Unterrichtsfach hatten. Eine Tanzschule hab ich allerdings nie besucht. Manchmal gibt es Momente, wo ich das bereue. Wie bei der Arbeit für den Kinofilm „25 km/H“, da hatte ich mit Lars Eidinger eine ausgiebige Stepptanznummer. Dafür mussten wir hart trainieren. Wenn ich also in einen Film Tango tanzen müsste, würde ich auch dafür wochenlang trainieren müssen.  



Vielen Dank, lieber Herr Mädel für das tolle Gespräch.