Kunst und Schauspiel



'Ich bin sehr in der klassischen Musik verhaftet'

Devid Striesow

Foto: ZDF Jürgen Olczyk




Im Gespräch mit Devid Striesow

Marion Graeber im August 2021



„Für immer Eltern“, Donnerstag, 2. September 2021, 20.15 Uhr, ZDF


Wenn das eigene Kind wieder zu Hause einzieht: Die neuen Pläne des Ehepaars Anja (Anja Schneider) und Michael Wagner (Devid Striesow) sind erstmal vom Tisch, als dessen erwachsener Sohn Niklas (Max Schimmelpfennig) plötzlich sein Kinderzimmer zurückfordert. Doch die neue, alte Konstellation hat auch Reizvolles. Die Familie rückt wieder zusammen.


Hallo Herr Striesow - vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr.

Ich freue mich auch.

Sind Sie in Berlin?

Ja, ich lebe in Berlin.

Sie sind auf Rügen geboren. Sehen Sie sich als Stadt- oder Naturmenschen?

Ich muss sagen, dass ich eher Landmensch bin.

Ich frage das deshalb, weil Sie im Film „Für immer Eltern“ als Michael Wagner (Ihre Rolle) aus der ländlichen Region in die Stadt ziehen. Dort beginnt für Sie und Ihre Frau Anja (Anja Schneider) ein ganz neues Leben. Eines mit neuen Freiheiten aber auch mit Problemen und Herausforderungen. Denn, nicht nur der Wohnraum ist ein anderer, auch die Kinder sind alle aus dem Haus. Das Ehepaar fällt wieder auf die Ursprungssituation zurück – auf sich als Paar.

Ein Problem würde ich das nicht nennen. Aber, es kann schon sein, dass man als Eltern in ein Loch fallen kann, wenn die Kinder ausziehen um ihrer Wege zu gehen. Ich persönlich hätte jetzt keine Probleme damit, meine Zeit wieder frei zu gestalten. Das ist für mich unproblematisch.

Über die Familienzeit gehen oft eigene Hobbys verloren…

Ja, das sehe ich positiv. Man kann auch immer nochmal neu anfangen.

In „Für immer Eltern“ zieht Sohn Niklas wieder zu den Eltern. Anja und Michael verfallen in alte Muster…

Ich denke, als Eltern kümmert man sich ein Leben lang um die eigenen Kinder. Es muss ja nicht sein, dass sie wieder bei den Eltern einziehen. Aber ich finde und glaube schon, dass sich Eltern immer mit den Kindern verbunden fühlen. Und, in alte Muster zurückfallen kann man auch wenn man, beispielsweise auf „alte Freunde“ trifft. Ich glaube eher, dass die Problematik im Film daher rührt, dass der Wohnraum knapp ist. Es gibt zu wenig Wohnraum und viele Wohnungen sind einfach zu teuer. Das sieht man auch in der Szene, als Niklas mit seinem Vater zu einer Wohnungsbesichtigung geht. Niklas, der Sohn versucht was eigenes zu bekommen, doch es ist eigentlich fast unmöglich. Der Film spielt in München, aber ich kenne das auch aus Berlin. Entweder man bekommt keine Wohnung, weil kaum welche auf dem Markt sind. Oder die Wohnungen die auf dem Markt sind, kann man sich nicht leisten. Im Film ist der Sohn aus seinem WG Zimmer rausgeflogen. Auch wenn das so nicht passiert, sind ja oft selbst die WG Zimmer zu teuer.

Ein aktuelles Thema. Dazu kommt, dass viele junge Menschen heutzutage durch die Pandemie (Jobverlust, Kurzarbeitergeld…. ) gar nicht zuhause ausziehen können, oder wieder zu den Eltern zurückkehren müssen.

Das stimmt absolut. Ich kenne einige, die Berlin, manchmal auch das Land, verlassen. Manche ziehen viele Kilometer weit raus in eine andere Gegend. Andere arbeiten jetzt in der Krise von zu Hause aus. Sie brauchen nur ihren Laptop und können von überall aus arbeiten. Manche ziehen nach Portugal oder in die Staaten.

Es heißt, dass Kinder heutzutage oft auch etwas in „Watte gepackt“ und behütet werden. Sehen Sie das auch so?

Behütet ist ja in Ordnung.

Sie sind früh von zuhause ausgezogen. Was für eine Erfahrung haben Sie gemacht?

Mir hat das sehr gut getan, schnell von zuhause auszuziehen. Behütet sein ist meines Erachtens aber nochmal etwas anderes. Meine Kinder werden liebevoll umsorgt und das heißt, dass man sich um sie kümmert. Man weist sie aber auch darauf hin, wie es läuft, wenn sie mal ausziehen und selbstständig werden. Kinder sollen sich ausprobieren können und viel dürfen – das liegt für mich in der Natur der Dinge. Früher wurden sich die Kinder oft selbst überlassen und sie mussten vieles selbst herausfinden. So allgemein kann man das also nicht benennen. In der DDR war das damals so, dass beide Elternteile gearbeitet haben. Kinder waren lange in der Krippe und im Kindergarten. Auch heute sind viele Eltern beruflich stark eingebunden. Aber das muss jeder für sich selbst klar bekommen, wie viel Zeit für's Kind möglich ist. Ich hab jedenfalls meine Kinder am liebsten alle um mich … und dann wird das immer sehr lustig.

Dann sind Sie Familienmensch…

Ja, klar. Am besten ist, wenn alle beisammen sind. Lächelt.

Ihre Filmfrau Anja fordert mehr Zeit für sich. Bereitet den Auszug aus dem gemeinsamen Schlafzimmer vor. Sie braucht Zeit für sich. Wie sehen Sie das Thema „Individuum im Familienverbund“?

Das ist auch eine Sache, wie man sich seine Zeit organisiert. Natürlich muss man bestimmte Dinge im Beruf vorbereiten. Ich, als Schauspieler muss beispielsweise Recherche betreiben, mich mit Literatur auseinandersetzen, usw. Ich bereite mich vor, bevor ich an Set gehe. Ich kann viele Dinge nicht erst am Set klären. Dafür muss ich meine Zeit organisieren.

Quasi einen eigenen Raum geben…

Ja, auch in einem Zimmer, wo ich gegebenenfalls auch mal abschließen kann. Da sind wir dann wieder bei der Wohnraumsituation und bei den Wohnraumpreisen. Ich kenne Eltern, die mit Kopfhörern am Tisch arbeiten, damit die Kinder, die sich im gleichen Raum aufhalten, spielen können.

Auch etwas, was Familien unter Corona herausfordert…

Hut ab vor den Familien, die das alles unter einen Hut bringen mussten. Da kenne ich Geschichten…. Beispielsweise die von einem Vater, der im unteren Bett des Stockbetts mit seinem Laptop sitzt und arbeitet. Der Wahnsinn…..

Und, wenn dann in der Familie noch Musikinstrumente gespielt werden, wird es noch schwieriger. Ich habe gelesen, Sie haben Geige gespielt. Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?

Ich bin schon sehr in der klassischen Musik verhaftet.


Anmerkung

Klassik drastisch: Lippenbekenntnisse zweier Musik-Nerds

Buch von Devid Striesow und Axel Ranisch

„Die Welt der Klassischen Musik ist eine Schatzkammer des Glücks“

Klassik drastisch: Podcast Deutschlandfunk Kultur


Dann ist Musik schon etwas was in Ihrem Leben nicht fehlen darf?

Absolut.

Wie hat sich Ihr Berufswunsch „Schauspieler“ entwickelt?

Das hat sich tatsächlich aus meiner musikalischen Laufbahn heraus entwickelt. Ich habe Musik und Deutsch auf Lehramt studiert und ich wollte eigentlich als Gymnasiallehrer arbeiten. Dann kam der Zivildienst und ich entschied mich nach Berlin zu ziehen. In Berlin dachte ich mir „bewirbst du dich mal an einer Schauspielschule“…  und das hat auch gleich gut geklappt. Und so konnte ich Berlin erobern. Lächelt.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Mein Sehnsuchtsort ist immer das Meer.

Es prägt, wie man aufwächst?

Das Meer prägt einen auf jeden Fall.



Vielen Dank, lieber Herr Striesow für das schöne Gespräch. Das hat mich sehr gefreut.




'Der Autorin und Regisseurin Petra Lüschow ist ein super Buch gelungen mit absurden Situationen. Sie trifft genau meinen Humor und schafft Figuren, die der Knaller sind'

Helgi Schmid


Pressefoto: Das Erste / Tatort Frankfurt




"Wer zögert, ist tot" ARD Degeto und hr zeigen neuen Frankfurt-Tatort im Ersten - Sonntag, 29. August 2021


"Wer zögert, ist tot" lautet der Titel des mittlerweile 13. Tatorts um das Frankfurter Ermittlerteam Janneke und Brix.

Mitten am Tag wird auf einem Golfplatz nahe Frankfurt Frederick Seibold (Helgi Schmid) von vier mit Hundeköpfen Maskierten niedergesreckt. Als er in einem dunklen Kellerloch wieder zu sich kommt, sind die beiden Frankfurter Hauptkommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) bereits mit seinem Fall betraut: Die Ex-Freundin Fredericks, Bille Kerbel (Britta Hammelstein) hatte einen abgeschnittenen Finger erhalten, en sie schnurstracks zur Polizei gebracht hat. ...


Im Gespräch mit Helgi Schmid zum Tatort Frankfurt

Marion Graeber im August 2021



Tatort ist Kult - was denken Sie, woran liegt das?

Die Reihe bietet nicht nur eine Menge Abwechslung, jeden Sonntag ist man in einer anderen Region, jedes Team hat seinen eigenen Stil, die Filme sind qualitativ sehr gut, mit wundervollen Kolleg*innen und tollen Regisseur*innen. Mir persönlich gefallen die Fälle aus Frankfurt und Wiesbaden besonders - hier wird ganz wunderbar mit Genres und Zitaten gearbeitet und es entstehen einmalige Filme.

Allgemein sind Krimis gern gesehene TV Formate - wie denken Sie hierüber? 

Krimis haben einen Vorteil zu anderen Formaten: die Zuschauer*innen kennen die Grundstruktur, die Guten suchen die Bösen, am Anfang passiert ein Mord und am Ende wird dieser aufgeklärt. Im Fernsehen hat man „nur“ 90 Minuten Zeit eine Geschichte zu erzählen, in manchen Formaten sogar weniger. Da hilft es den Zuschauer*innen nicht noch das ganze Setting erklären zu müssen. Alles was zwischen Mord und Aufklärung passiert unterscheidet sich letztlich nicht vom Liebesfilm, der Komödie oder anderen Genres. Das beweisen die Tatorte jeden Sonntag.

Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrer Rolle im Frankfurter Tatort gereizt? 

Jede Figur handelt egoistisch und versucht für sich das Beste rauszuschlagen, dabei trauen sie sich weit über Grenzen hinaus. Es wird getäuscht, gezockt und gekämpft. Frederick ist dabei einer der größten Zocker. Das ganze Leben ist für ihn ein Spiel, und der Hauptgewinn das große Geld, wenn es schon nicht die Liebe sein kann.

Gibt es eine Szene, welche Sie besonders berührt hat? 

Beim Lesen des Drehbuchs habe ich schon viel gelacht. Der Autorin und Regisseurin Petra Lüschow ist ein super Buch gelungen mit absurden Situationen. Sie trifft genau meinen Humor und schafft Figuren, die der Knaller sind.




Vielen Dank, lieber Herr Schmid für den Einblick in Ihre Arbeit beim Tatort Frankfurt







'Musik - Ich höre fast alles außer Schlager und Speed Metal'

Marco Girnth


Fotoausschnitt: ZDF Thomas Leidig




SOKO Leipzig – Take Away

Neue Folgen - SOKO Leipzig feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum. 2001 ging die SOKO Leipzig als erster Ableger der SOKO 5113 auf Sendung. Über 450 Fälle hat das Team seitdem gelöst und ermittelt seit 2004 in der Primetime am Freitagabend um 21.15 Uhr

Freitag, 27. August 21, 21.15 Uhr ZDF

Ralf Harting (Knud Riepen) wird in einem Mietshaus brutal überfallen. Während der Befragung der Geschädigten erfahren Ina (Melanie Marschke) und Kim (Amy Mußul), dass seine Ex-Freundin Caro (Maike Jüttendonk) in großer Gefahr schwebt. Als Jan (Marco Girnth) und Tom (Steffen Schroeder) an ihrem freien Tag eine Pizzeria betreten, überschlagen sich die Ereignisse. Sie treffen nicht nur auf Caro, die vergeblich auf Ralf wartet, sondern finden auch den flüchtigen Täter im Lokal tot auf. Die beiden Ermittler werden sofort in Alarmbereitschaft versetzt, doch Jan fällt es in der angespannten Situation schwerer die Nerven zu behalten. Schließlich erfährt Tom den wahren Grund für Jans merkwürdiges Verhalten.

Im Gespräch mit Marco Girnth

Marion Graeber im August 2021


Hallo Herr Girnth, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich.

Ich mich auch. Danke.

Sind Sie gerade in Berlin?

Ja, ich bin derzeit in Berlin.

Wie viel Zeit verbringen Sie in Leipzig?

Wir drehen 25 Folgen im Jahr SOKO Leipzig. Wobei ich zwischen zwei und vier Folgen pausiere. Im Moment beispielsweise hab ich nach dem Ende der Sommerpause nochmal einen weiteren Monat frei, da ich „Frühling“ in Bayrischzell drehe. Ansonsten beschäftigt uns SOKO Leipzig schon von Januar bis Dezember mit nur kleinen Unterbrechungen. Wir drehen bis zu vier Folgen am Block. Dann gibt es einen Regiewechsel. Dann geht’s wieder weiter. Im Sommer dann eine große Sommerpause von vier Wochen.

Eine intensive Zeit. Dann kennen Sie Leipzig schon sehr gut…

Ja, Leipzig ist für mich eine zweite Heimat.

Haben Sie Lieblingsplätze?

Ja, klar. Lächelt. Wenn ich abends unterwegs bin, bin ich beispielsweise gern in der Gottschedstraße. Joggen gehe ich im Auenwald. Man kann auch gut zum Cospudener See raus fahren. Der Cospudener See ist ein ehemaliges Braunkohletagebau-Gebiet welches rekultiviert und richtig schön angelegt wurde. Es gibt tolle Restaurants und man kann super Wassersport betreiben. Leipzig ist wirklich eine Reise wert.

… und gar nicht weit entfernt von Berlin

Mit dem Zug komm ich in gut einer Stunde von A nach B.

Da ist es nach Stuttgart ein bisschen weiter..

Ich war tatsächlich gerade in der Nähe von Stuttgart – in Esslingen. Wir sind mit einem alten amerikanischen Wohnmobil unterwegs gewesen. Und da wir Freunde in Stuttgart haben, sind wir auf einen Besuch vorbeigefahren. Ich habe aber auch schon mal in Stuttgart gedreht. Ich bin begeistert von Esslingen. Und Stuttgart ist auch schön.

Sie können auf 20 Jahre SOKO Leipzig zurückblicken. Wie fühlt es sich an, von Anfang an Teil eines Formats, einer Serie zu sein?

Es hat eine Beständigkeit und es ist ein Stück Heimat. Du schließt aber immer auch einen Kompromiss, wenn du in einer laufenden Serie bist, denn du kannst nicht so viel anderes mehr machen. Man ist ja schon belegt. Aber mit einer gewissen Ankündigungsfrist war immer auch viel möglich. „Frühling“ beispielsweise. Es wurde immer auch Rücksicht genommen, wenn wir zusätzlich andere Projekte wahrnehmen wollten. Das heißt, wenn es möglich war, hat man versucht den Drehplan so zu stricken, dass man Slots zwischendurch hatte. Aber Sie haben natürlich recht, es ist schon eine Entscheidung Part einer Serie zu sein. Wenn man also sagt, ich fühle mich hier wohl, ich will hier bleiben, dann schneidet man sich automatisch auch andere Optionen ab. Aber das ist ein Kompromiss, den ich gerne für die SOKO Leipzig schließe.

Oftmals gehen Schauspieler ja auch von Projekt zu Projekt. Teil einer Serie zu sein gibt auch etwas Sicherheit …

Ja, total. Zumal ich es bei uns auch so schön finde, dass die Person hinter der Figur, also das private Leben, in der Dramaturgie auch so mitgenommen wird. Die Figur ist mit mir zusammen zwanzig Jahre älter geworden und hat sich auch immer wieder in den unterschiedlichsten Krisensituationen wiedergefunden. All die Höhen und Tiefen. Das war für mich selber auch immer spannend. Wo geht die Figur hin? Was macht sie jetzt? Es entwickelt sich immer weiter.

Haben Sie Einfluss auf die Entwicklung Ihrer Rolle?

Mitspracherecht nach dem Motto „Wo geht es hin“ haben wir als Schauspieler nicht. Aber der Fokus liegt schon auf Mitsprache. Wir reden über die Rollen und dürfen Ideen mit einfließen lassen und Wünsche äußern. Dann gibt es Autorenkonferenzen. Obwohl die Autoren selbstständig arbeiten haben wir Kontakt und können uns einbringen. Ab und an werden Anregungen aufgenommen. Wir sind dann selber immer ganz gespannt, was daraus geworden ist.

Wobei Sie als Schauspieler ja immer auch etwas von Ihrem eigenen Charakter mit in die Rolle geben. Wie viel Marco Girnth ist in Jan Maybach?

Gute Frage. Natürlich greife ich auf meinen Erfahrungsschatz zurück, wenn ich die Rolle interpretiere und ich überlege mir, wie sich die Situation für Jan darstellen würde – da schwingt also immer auch das eigene Erleben mit. Die eigene Erfahrung, die man im Leben gesammelt hat. Aber letztlich und trotz eigener, biografischer Schnittmengen – beide sind aus Köln, beide haben Jura studiert und beide haben sich anders entschieden, als der Vater das wollte – ist Jan schon deutlich anders als ich. Ich schaue manchmal aber auch neidvoll auf seine Fähigkeiten, seine Entschlussfreudigkeit und seine Kompromisslosigkeit. Ich brauche da manchmal einfach länger bis ich eine Entscheidung treffe. Ich hole mir da gern auch mal einen Ratschlag. Lächelt. Wenn sich Jan also mal wieder zu schnell zu etwas entschlossen hat, denke ich mir, gut dass ich das anders mache. Lacht. Aber ich sehe Jan schon in so einer Parallelwelt neben mir. Wo ich so schaue und mich frage, wie es ihm geht….

Wie hat sich eigentlich der Dreh in den vergangenen zwanzig Jahren so entwickelt?

Ja, das ist tatsächlich schon anders geworden. Aber es funktioniert noch nach den gleichen Mustern. Nur schneller. Früher haben wir auf Filmmaterial gedreht. Jetzt drehen wir auf Chips. Das verändert den Workflow. Auch haben wir seit 2009 zwei Kameras. Das ist insofern eine Erleichterung, da du viel mehr Schnitte setzen kannst. Wenn früher beispielsweise fünf Leute eine Filmszene hatten, konntest du davon ausgehen, dass Minimum fünf Einstellungen gedreht wurden. Da spielst du so eine Szene dann mindestens zwölf Mal, mit Proben bis zu zwanzig Mal. Das dauert dann bis zu vier Stunden, bis die Szene im Kasten ist. Die ganze Zeit dann die Spannung und das Gefühl aufrecht zu halten – das ist die Aufgabe und die Schwierigkeit. Heute ist das ein bisschen leichter. Durch die verschiedenen Kameras wird gut die Hälfte der Zeit gespart. Das bringt allerdings auch mit sich, dass man viel schneller sein muss. Das Tagespensum erhöht sich. Da musst du dann wirklich auf zack sein und deinen Text parat haben. Ich persönlich mag es ganz gerne, wenn man sich nicht zu sehr mit einer Szene aufhält sondern im Fluss bleibt. So kommt mir diese Form der Arbeit entgegen. Doch das Tagespensum ist straff. Auch für das Team – die Umbauten, die Motivwechsel. Das ist schon alles sehr viel hektischer geworden.

Krimi und SOKO sind beliebt. Warum denken Sie, ist das so?

Für einen Drehbuchautor ist der Krimi ein Quell der Freude. Es können immer wieder neue Geschichten erzählt werden. Du kannst aus jedem Kriminalfall ein Einzelschicksal erzählen. Kannst die Kommissare involvieren, so dass sie an diesen Schicksalen teilnehmen können oder vielleicht selbst Teil des Verbrechens sind. Dann gibt es immer wieder neue Konstellationen. Man kann in harte Abgründe schauen und hat zum Schluss dann doch immer diesen Lösungsfaktor. Der Täter wird gestellt und der Fall gelöst. Du kannst mitraten und bist so während du schaust fast interaktiv dabei. Das bedeutet, der Zuschauer ist immer auch gefordert. Spannung – Unterhaltung – Lösungsmoment. Also, für mich ist es schon klar, warum Krimis (es gibt unzählige) so gut funktionieren. Auch in Romanform.

Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?

Ich höre fast alles, außer Schlager und Speed Metal. Ich bin da relativ weit gesteckt. Manchmal bin ich von mir selbst überrascht, wofür ich mich begeistern kann. Lächelt. Mein Sohn entdeckt gerade den Hip Hop der 1990er Jahre und auf seine Frage, was ich damals so gehört habe, reflektiere ich das. Da bin ich dann wieder in die Musik eingestiegen und ich kann mich total in dieses Lebensgefühl von damals versetzen.

Sie sind sehr sportlich. Sie laufen Marathon?

Ja, wobei das im Moment ein bisschen eingeschlafen ist, da der Berlin Marathon die vergangenen zwei Jahre nicht stattgefunden hat. Aber ich bin ihn fünf Mal gemeinsam mit einem Freund gelaufen.

Wie lange müssen Sie für einen Marathon trainieren?

Ich bin immer schon gelaufen und fand das immer so toll, dass man das so einfach in sein Leben einbauen kann. Man nimmt die Sportschuhe mit und egal wo man ist – man kann einfach laufen gehen. Allerdings konnte ich mir lange nicht vorstellen länger als eineinhalb Stunden zu laufen. Ein Freund hat mich dann zum Marathon gebracht. Wenn du dann ganz ernsthaft dein Trainingsprogramm verfolgst, kannst du das mit dem Marathon in vier bis fünf Monaten schaffen. Bin in der Trainings- und Vorbereitungszeit sechs Mal die Woche gelaufen. Zwei Monate vor dem Marathon heißt es dann um sechs Uhr morgens aufstehen und rein in die Laufschuhe.

Welche Phasen gibt es beim Marathon?

Ich habe meinen ersten Marathon als unglaublich schön empfunden. Sonst hätte ich auch keine weiteren vier gemacht. Lacht. Du läufst los, bist gut vorbereitet, hast gut trainiert. Man genießt beim Lauf dann diese Atmosphäre. Die Läufer, die Zuschauer am Wegesrand. Das trägt dich bis Kilometer 16. Bis dahin merkst du gar nichts. Dann folgt ein Runners-High. Das geht durch bis Anfang Kilometer 20. Ab dann merkst du was – aber es geht noch. Du funktionierst. Nach 30 Kilometern kommt man dann auf den Ku'damm. Da bekommst du dann so einen Schub. Doch bei Kilometer 37 kommt dann der „Mann mit dem Hammer“. Lacht. Dann gibt es nur noch eins: „Schmerz weg beißen“. Und dann im Ziel bist du einfach nur glücklich und vollkommen fertig. Lächelt. Ich habe gerade noch mit meinem Yogalehrer gesprochen, er meint: „Ich hasse es Yoga zu machen aber ich liebe es getan zu haben“. Genau so ist es. Wenn man es gemacht hat, ist es ein beglückendes Gefühl.

Das ist beim Tango tanzen anders – da ist man schon währenddessen glücklich. Tanzen Sie Tango?

Ich hab es schon einmal versucht aber ich kann es nicht. Lacht.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie gerne reisen und eventuell auch einen Sehnsuchtsort haben?

Ich reise für mein Leben gern und unser Sehnsuchtsort ist Costa Rica. Da wollten wir eigentlich im vergangenen Jahr wieder hin.

Dann waren Sie schon öfter dort?

Zwei Mal. Wir wollten auch direkt nach dem zweiten Mal wieder hin. Das war 2009. Doch wir haben uns dann gesagt, dass wir auch noch was anderes von der Welt sehen wollen. Und, wir haben viel gesehen. Aber überall wo wir waren haben wir uns gesagt: „Schön, aber nicht ganz so schön wie Costa Rica“. Lächelt.

Wahrlich ein Sehnsuchtsort

Ja, wirklich.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie, dass Sie ganz bald wieder Ihren Sehnsuchtsort besuchen können. Vielen Dank für das tolle Gespräch.







'Ich hab bei einem Dreh in Russland Menschen auf einem öffentlichen Platz

Tango tanzen sehen. Das hat mich total geflasht'

Helgi Schmid


Foto: Lily Erlinger




Im Gespräch mit Helgi Schmid „Immer der Nase nach“ Donnerstag, 26. August 21, ZDF 20.15 Uhr

Inhalt/Auszug:

Aussortiert – und das mit knapp 50! Beruflich wie privat fühlt sich Schaufensterdekorateurin Tanja (Claudia Michelsen) ins Off gelegt. Aber sie reckt mutig das Kinn. Natürlich kann sie noch mithalten!

Tanja erfährt Bestätigung durch Nick (Helgi Schmid), einem Schreiner in den Mitdreißigern, den sie auf einer Party kennenlernt. Sie üben aufeinander eine prickelnde Anziehungskraft aus, die Tanja nach und nach auch zu genießen lernt.


Im Gespräch mit Helgi Schmid

Marion Graeber im August 21



Hallo Herr Schmid. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich.

Gerne doch!

Sind Sie gerade in Mannheim?

Ja, ich bin in Mannheim.

In Mannheim gibt es die besten Dampfnudeln.

Ist das so? ... Beim Grimminger?

Ja, genau.

Ich sehe Sie kennen sich aus mit Dampfnudeln in Mannheim. Lacht. Der Grimminger ist direkt bei mir gegenüber. Ich werde nachher gleich rübergehen und das testen. Und wenn mich das nächste Mal jemand fragt, warum ich als Schauspieler in Mannheim und nicht in Berlin wohne, sage ich, dass es in Mannheim einfach die besten Dampfnudeln gibt. Lacht.

Nicht nur ich hab einen Bezug zu Mannheim. Auch Sie haben einen Bezug zu Stuttgart. Sie haben nämlich hier an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst studiert.

Ja, das stimmt. Ich habe im Jahre 2005 mit meinem Studium in Stuttgart begonnen und 2009 bin ich für mein erstes Engagement nach Freiburg gezogen. In Stuttgart habe ich anfangs in Untertürkheim, in einem Studentenwohnheim gewohnt. Für die ersten beiden Jahre war das super. Aber irgendwann war ich dann doch froh, eine Wohnung direkt oberhalb der Musikhochschule gefunden zu haben und so der morgendliche Weg etwas kürzer wurde.

Würden Sie sich als Stadtmenschen bezeichnen?

Ich war kürzlich bei Freunden im Pfälzer Hinterland. In einem Haus mit fantastischem Blick über die Weinreben. Da dachte ich „wow“, das hat durchaus seinen Reiz. Und das obwohl ich tendenziell lieber in der Stadt lebe. Es könnte also gut sein, dass sich meine Einstellung in den nächsten Jahren ändert. Egal ob Stadt oder Land, ich schätze mich glücklich durch meine Arbeit viele unterschiedliche Orte kennenzulernen und regelmäßig in andere Lebensentwürfe eintauchen zu können. Ein Privileg.

In „Immer der Nase nach“ spielen Sie den Mitdreißiger Nick der sich in eine 15 Jahre ältere Frau verliebt. Was denken Sie – Liebe kennt kein Alter?

Ja. Lacht. Auf jeden Fall. In Filmen wird oft die Geschichte erzählt, dass ältere Männer jüngere Frauen haben. Dass der Altersunterschied umgedreht stattfindet, wird selten erzählt. Für mich ist das nicht verständlich, schließlich kennt Liebe eben kein Alter.

Worauf legen Sie in einer Beziehung wert?

Ich lege Wert darauf, dass man nie aufhört miteinander zu sprechen. Es ist wichtig, dass der Partner oder die Partnerin begreift, wo man selbst gerade steht und was einen beschäftigt.

Ich sage immer, man muss sich immer mal wieder updaten.

Ja.

Was mögen Sie am Drehbuch „Immer der Nase nach“? Es sind einige Themen enthalten, wie beispielsweise: Altersunterschied, Umweltaspekte, Beziehung generell - zur Tochter, zur Mutter, Frau ab 50 auf dem Arbeitsmarkt, Jugendsprache und so weiter...

Das Drehbuch hat einen tollen Humor. Das habe ich von Anfang an so empfunden und das hat mir super gefallen. Dadurch fließt die Geschichte und behält ihre Leichtigkeit trotz all der großen Themen. Und meine Figur Nick finde ich spannend, weil er so wunderbar unbelastet ist und sich einfügt. Nichts verurteilt. Das Drehbuch erzählt kleine Weisheiten und beleuchtet nebenbei die großen Themen unserer Zeit.

Der Zuschauer kann sich mit den Themen befassen, die für ihn wichtig sind.

Ja, wie bei einem Kunstwerk, gibt es Raum für Interpretation. Es geht nicht nur um zwischenmenschliche Konflikte, sondern auch um ganz unterschiedliche gesellschaftliche Themen. Das hat mich berührt und macht diesen Film ganz besonders.

Man wird als Zuschauer praktisch von einem Thema berührt, nimmt die anderen Inhalte aber auch mit...

Genau, so sehe ich das auch.

Sie spielen unterschiedliche Rollen in verschiedenen Formaten. Unter welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Rollen aus?

Ich suche nach Rollen, bei denen ich neue Seiten zeigen kann. Ich mag Herausforderungen. Es reizt mich, immer wieder neu herauszufinden, wie ich Charaktere und Geschichten umsetzen kann. Entweder gibt mir eine Rolle die Möglichkeit etwas, was mir liegt, weiter zu erforschen oder ich suche nach einem Charakterzug, der nicht der eigene ist, um ihm auf den Grund zu gehen.

Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?

Die Schauspielerei hat mich immer schon begleitet. Ich habe es immer schon gemocht, Aufmerksamkeit zu bekommen. Lächelt. Ich habe jahrelang Klarinette gespielt und stand mit Musikinstrument auf der Bühne. Ohne Instrument auf die Bühne zu gehen, habe ich mich anfangs aber nicht getraut. Irgendwann war ich dann in einer neuen Musik AG, in der sich die Grenzen zwischen Musik und Schauspiel verschoben haben. Eine hilfreiche Überleitung. Danach war ich bereit für die Theater AG und wollte unbedingt Schauspiel studieren.

Wie alt waren Sie als sich das so entwickelte?

Da war ich so 15 Jahre alt.

Ihr Bruder, Stefan Karl Schmid ist Jazzsaxophonist. Welches Musikgenre mögen Sie gerne?

Ich liebe Jazz. Vielleicht auch, weil mein Bruder immer Jazz spielte, während ich meine Hausaufgaben gemacht habe. Lächelt. Ich selbst spiele alles mögliche. Meistens hat die Musikauswahl dann auch etwas mit der Theaterbühne zu tun und ist somit mit dem Schauspiel verbunden.

Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?

Wir hatten Tanzunterricht in der Schauspielschule. Flamenco. Bei Tango muss ich immer an ein Erlebnis in Russland denken: während Dreharbeiten bin ich mit einem Kollegen auf der Moskwa Boot gefahren. Die Sonne ging langsam unter und rechts vom Fluss tauchten plötzlich Menschen auf, die auf einem Platz Tango tanzten. Ich war total geflasht und hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit Tango Argentino im Moskauer Sommer. Ein wundervolles Bild.

Sie sind künstlerisch in ganz verschiedenen Bereichen unterwegs. Wie wichtig ist es Ihnen, künstlerisch so breit gefächert aufgestellt zu sein und macht alles gleichermaßen Spaß?

Für mich ist es erfüllend, ganz unterschiedliche Disziplinen ausüben zu können. Die Herausforderung liegt darin, immer einen Schritt weiter zu gehen. Bei jedem Drehbuch, jeder Rolle herauszufinden, wie weit ich in die Charaktere rein gehen kann. Bei jedem Feature zu versuchen es noch besser zu durchdringen, so dass der Zuhörer den größten Wert daraus ziehen kann. Gleich was ich tue, immer wieder hineinzuspringen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und dadurch als künstlerische Persönlichkeit zu reifen, das ist für mich der Spaß an der Arbeit.

Wenn Sie wählen könnten zwischen einem Spaziergang zu früher Morgenstunde oder einem Spaziergang in der Abenddämmerung – was würden Sie wählen? Im Film sagt Nick, er könne vor vier Uhr nachts nicht schlafen gehen…

Ja. Das war die Rolle. Ich schlafe sehr gerne schon vor vier Uhr nachts. Lacht. Ich bevorzuge den Spaziergang in der Abenddämmerung.

Reisen Sie gerne und haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Island ist für mich ein totaler Sehnsuchtsort. Das Land, aus dem meine Mutter kommt. Neulich war ich für Dreharbeiten in Hamburg. Dort habe ich wieder gemerkt, wie das Meer und der Wind diese Sehnsucht in mir weckt. Es wird wieder Zeit einen Sommer dort zu verbringen.

Dieses spezielle Licht im Norden...

Das ist abgefahren. In Island ist jeder ein super Fotograf egal, wie und wann man dort ein Foto macht. Das Licht ist klarer und die Farben kräftiger, dazu noch diese Landschaft. Ein Traum.

Ich hoffe, dass wir ganz bald wieder unbeschwerter reisen können... Ich danke Ihnen ganz lieb für dieses wirklich schöne Gespräch, lieber Herr Schmid.

Ich danke Ihnen sehr. Und jetzt gehe ich direkt rüber zum Grimminger und teste das mit den Dampfnudeln. Lacht.






'Mein erstes Musikinstrument war das Akkordeon'

Tom Beck

Foto: Lou van Door





Getrennt und doch im selben Haus abwechselnd wohnen – das ist „Nesting“, ein besonderes Modell für Trennungsfamilien. Dessen Vor- und Nachteile im Alltag durchleben Julia (Bettina Lamprecht), Noch-Ehemann Robert (Matthias Koeberlin) sowie ihre gemeinsamen Kinder Marie (Lola Höller) und Maxi (Linus von Emhofen). Die Komödie inszenierte Regisseur Tobi Baumann nach dem Drehbuch von Stefan Betz. „Nestwochen“ Komödie Donnerstag, 19. August, 20.15 Uhr



Im Gespräch mit Tom Beck

Marion Graeber Juli/August 21


Hallo Frau Graeber, ich grüße Sie. 

Und das im schwäbischen Dialekt. Ich freue mich. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben, Herr Beck. 

Ja, ich hab es mal probiert. Aber vielleicht blieb es bei einem Versuch. 

Das war perfekt. Wir würden Sie einbürgern. Sind Sie gerade in Berlin? 

Ja, ich wohne in Berlin und bin auch hier wenn ich drehfrei habe. Momentan bin ich unter der Woche in München.

Kommen Sie mit Dialekt auch gut durchs Berliner Leben? 

Ja, det is schon so, dass mir och der Berliner Dialekt jut jefällt. Lacht. 

Die Komödie „Nestwochen“ spielt in Köln und Umgebung. War Ihnen „Nesting“ bereits vor Drehbeginn ein Begriff? 

Ja, ich hab das tatsächlich schon mal gehört. Aber das war wirklich unmittelbar vor dem Dreh. Ich kenne das Prinzip „Nesting“ jedoch nicht aus meinem persönlichen Umfeld. 

Was hat Sie am Drehbuch gereizt und wie beschreiben Sie den Charakter Ihrer Rolle (Dr. Sascha Dombrowski)? 

Also ich sag mal so, das ist ja schon ein sehr kostenintensives Modell. Als Schwabe würde ich sagen, dass das a bissle teuer isch. Lacht. Aber ohne Witz – das ist schon ein Modell, das muss man sich leisten können. In meiner Rolle als Sascha hat mich das Thema nicht so getroffen. Ich bin ja quasi nur das Trostpflaster für Julia. Vielleicht der Mann, den man sich mal nimmt, um auf andere Gedanken zu kommen. Um sich bestätigt zu fühlen. Aus Julias Sicht ist das, glaube ich, auch nicht dazu gedacht, etwas ernstes zu werden. Julia tut da eine Bestätigung einfach gut. Natürlich sind auch für Männer Bestätigungen wichtig, ich will da gar nicht gendern, aber vielleicht haben es Männer ein bisschen leichter jemanden kennenzulernen. Gerade auch nach so einer Trennung. Sascha ist sehr bemüht, manchmal auch etwas zu sehr. In erster Linie möchte er ja eigentlich gefallen und maximal gut ankommen. Für ihn ist die Karriere das wichtigste und er ist sich ja auch selbst irgendwie immer am nächsten. Und doch, Sascha kommt Julia irgendwie gerade recht. 


Für Julia scheint es aber auch o.k. zu sein. Sie macht nicht den Anschein, dass Sie von einer Beziehung in die andere gehen möchte… 

Ja, das glaube ich auch nicht. Aber Sascha vermittelt da so einen Eindruck, dass man auf die Idee kommen könnte, er suche etwas für länger. Da spult sich so ein Mechanismus bei ihm ab. Dabei möchte er doch nur gemocht werden.

Sie haben Ihre Ausbildung an der Bayerischen Theaterakademie in München im Studiengang Musical gemacht. War es Ihnen von Anfang an klar im Bereich Musik und Schauspiel aktiv sein zu wollen?

Nein, gar nicht. Ehrlich gesagt war mir von Anfang an klar, dass ich in Richtung Musik gehen will. Das mit dem Musical, das kam, weil ich in einem Laien-Musical in der Nähe von Nürnberg mitgespielt habe. Nach dem Abi und der Bundeswehrzeit hatte ich dann keine Ahnung, was ich machen soll. Da hab ich erfahren, dass man auch Musical studieren kann. Dachte ich mir „Was gibt es denn geileres?“. Daraufhin hab ich mich beworben und wurde genommen. Zu der Zeit hatte ich mit der Schauspielerei noch gar nicht viel am Hut. Ich hab also Musical gemacht und besetzte eine Hauptrolle. Über ein Casting bin ich dann aber eines Tages auf einen Agenten gestoßen. Er hat mich gefragt, ob ich nicht auch Bock auf TV habe. Klar hatte ich. Und so bin ich da rein gerutscht. Ich glaube, ich war für die bayerische Theaterakademie damals ein willkommenes Geschenk – da ist einer, der hat zwar keine Ahnung vom Filmgeschäft, bringt aber wahnsinnig viel mit und hat Lust darauf zu spielen. Den können wir formen so wie wir ihn brauchen. Aber so ist das ja manchmal, wenn man Dinge nicht so fokussiert, nicht zu verbissen an Dinge herangeht und es vielleicht zu sehr will - ich hatte ja einfach auch nichts zu verlieren. Hab vorgesprochen und wurde im Anschluss in Berlin und München direkt genommen. 

Sie spielen Akkordeon, Orgel, Klavier, Schlagzeug und Gitarre. Stimmt diese Reihenfolge? 

Ja, das Akkordeon war mein erstes Instrument. Meine Mutter hat mir auf meinem Miniakkordeon damals Farben aufgeklebt. Nach denen hab ich gespielt. Dann kam die Orgel. Aber das hat nichts mit einer Kirchenorgel zu tun. Es war eine Heimorgel, so eine, die in den 1980er Jahren ein absoluter Hit war. Bei uns im Dorf hat sich dann auch so eine Fahrgemeinschaft gebildet, weil wir mindestens immer fünf Kinder waren, die zum Unterricht gefahren werden wollten.

Das Akkordeon ist dem Bandoneon nahe. Mögen Sie den Tango Argentino? 

Mag ich schon, aber ich kann ihn nicht spielen. Hab es noch nie versucht. Das Akkordeon ist bei mir eher volkstümlich behaftet. Auch in den Bands, in denen ich das hätte spielen können, hätte es eher eine französische Note bekommen. 

Wie sieht es mit Tango tanzen aus? 

Nein, das hab ich auch noch nicht gemacht. Das mit dem Tanzen ist auch schon viele Jahre her. Die Akademie habe ich 2003 abgeschlossen. Seitdem hab ich nicht mehr großartig viel getanzt. Als Tänzer würde ich also nicht mehr durchgehen. Da müsste ich mich schon ordentlich dehnen und vielleicht ein halbes Jahr Yoga machen.

Ihre 4B Tour konnte 2020 auch aufgrund der Pandemie eigentlich nicht stattfinden. Sie haben Autokinokonzerte gegeben. Wie ist es für Sie, hoffentlich bald wieder vor Publikum spielen zu können? Wie wichtig ist Ihnen die Interaktion mit Ihren Zuhörern? Fehlt Ihnen das? 

Ja, total. Es ist schon grausam, dass so viele Dinge verschoben werden mussten. Mich hat das vergangene Jahr nicht ganz so hart getroffen wie die Menschen, die ihr Leben im Live-Geschäft haben. Aber, ja, wir freuen uns sehr darauf, wenn wir wieder direkt vor den Menschen spielen dürfen. 

Ich liebe Clubkonzerte.. 

Ja, ich auch und ich kenne es fast gar nicht anders. Bei mir sind die Konzerte in einer Clubgröße von 600 Besuchern. Das ist ein überschaubarer Bereich, wo man auch in die Interaktion mit den Zuhörern gehen kann. Und das ist mir auch sehr wichtig. Meine Konzerte leben davon. Ich möchte mit dem Publikum zusammen eine gute Zeit haben und es integrieren. Habe aber auch schon bei Konzerten mit über zehntausend Menschen gespielt, beispielsweise als Vorband von Sunrise Avenue, da hab ich es auch geschafft, das Publikum mit einzubeziehen. Das ist ein Credo. Aber ja, im kleinen Rahmen ist es intimer aber ich möchte auch, dass sich die Besucher meiner Konzerte bei größeren Events angesprochen fühlen. 

Haben Sie einen Sehnsuchtsort? 

Die variieren mit Sicherheit aufgrund meines Berufes und meiner örtlichen Veränderung, die ich immer wieder vornehmen muss. Ich glaube auch, dass das ein bisschen durch Jahreszeiten und Stimmung beeinflusst wird. Mal sind es die Berge, mal das Meer. Grundsätzlich hängt es sehr davon ab, mit wem man da unterwegs ist. Solange das meine Familie ist, ist alles gut. Hauptsache wir sind zusammen. 

Lieben Dank, Herr Beck für das so schöne Gespräch. Das hat Spaß gemacht. Danke. 

Tschüssle






'Ich mag sehr gerne Johann Sebastian Bach. Diese Musik bewegt mich sehr'

Denis Moschitto


Foto: Pascal Bünning


 

Getrennt und doch im selben Haus abwechselnd wohnen – das ist „Nesting“, ein besonderes Modell für Trennungsfamilien. Dessen Vor- und Nachteile im Alltag durchleben Julia (Bettina Lamprecht), Noch-Ehemann Robert (Matthias Koeberlin) sowie ihre gemeinsamen Kinder Marie (Lola Höller) und Maxi (Linus von Emhofen). Die Komödie inszenierte Regisseur Tobi Baumann nach dem Drehbuch von Stefan Betz. „Nestwochen“ Komödie Donnerstag, 19. August, 20.15 Uhr, ZDF Ab Donnerstag, 12. August, 10 Uhr, ZDF Mediathek




Im Gespräch mit Denis Moschitto

Marion Graeber Juli/August 21


Hallo Herr Moschitto, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Sehr gerne.

Sind Sie in Köln?

Ja, ich bin in Köln. Ich bin gebürtiger Kölner und in Köln geblieben.

Die Komödie „Nestwochen“ wurde auch in der Region Köln gedreht …

Ja, genau. Das war schön, denn ich bin doch auch oft für Drehs unterwegs.

In „Nestwochen“ spielen Sie Enzo, den Freund von Robert (Matthias Koeberlin). Sie waren es, der seinem Freund „Nesting“ vorgeschlagen hat. War Ihnen „Nesting“ vor Drehbeginn schon ein Begriff?

Nein, tatsächlich kannte ich das nicht. Ich muss sagen, ich habe ja selber keine Kinder und hab mich hierzu nachträglich schlau gemacht. „Nesting“ klingt irgendwie vernünftig auch wenn es Schwierigkeiten birgt.

Wir wollen nicht zu viel verraten aber wie beschreiben Sie den Film?

Was ich ganz schön finde ist, dass er nicht erzählt, dass die Familie wieder so zusammen kommt, wie sie eben vorher war. Man arrangiert sich und der Film zeigt versöhnliches. Ich möchte sagen, er umarmt so ein bisschen das Chaos und die Familienform „Patchwork“. So in dem Sinne „es ist zwar alles etwas durcheinander aber es kann trotzdem funktionieren“.   

Man darf die Schwierigkeiten sehen. Das Leben läuft auch nicht immer glatt.

Ja, das finde ich auch.

Ich habe gelesen, dass der Film Zuversicht geben soll, denn es gibt viele Möglichkeiten, Familie und Beziehung zu leben. Man sieht auch, wie wichtig Kommunikation ist. Es wirft sich die Frage auf, ob das alles so auch passiert wäre, wenn die Kommunikation des Ehepaares eine bessere gewesen wäre….

Das sehe ich ganz genauso. Kommunikation spielt eine große Rolle - im Film und in unser aller Leben. Das haben Sie richtig auf den Punkt gebracht. Es gibt sehr viele Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Es werden mehr Ehen denn je getrennt. Die Leittragenden sind immer die Kinder. Da braucht es gute Modelle. Der Film zeigt hier Möglichkeiten auf.

Hat Sie das am Drehbuch gereizt? Und wie genau charakterisieren Sie Ihre Rolle?

Ich entscheide so etwas hauptsächlich nach den Rollen. Also, ich frage mich, ob ich Lust habe das zu spielen. Darüber hinaus schaue ich, mit wem arbeite ich zusammen. Denn es geht letztendlich immer um Lebenszeit. Ich hab einen wundervollen Beruf aber ich möchte auch Freude daran haben. Insofern ist mir dieses Zusammenspiel wichtig.   Ich fand das Buch gut und mochte es gleich. Das war schon mal toll. Lächelt. Aber hauptsächlich hat mich der Charakter meiner Rolle gereizt. Mit Matthias Koeberlin hab ich auch vor Jahren schon einmal gedreht. Er ist ein toller Kollege. Auch die anderen. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen.

Es ist schön, wenn es passt…

Ja, es muss passen. Von außen sieht das oft so aus als wäre das alles ganz leicht und ganz wundervoll wenn man in der Filmbranche unterwegs ist. Aber das kann auch sehr harte Arbeit sein – gerade, wenn die Arbeitsbedingungen und/oder die Stimmung nicht gut ist. Und zu Enzo: Das ist eine Figur, die in meiner filmischen Biographie nicht zu selten vorkommt. Der beste Freund des Protagonisten, der glaubt, sich mit Frauen und Beziehungen auszukennen. Der so ein bisschen ein Windbeutel ist. Lacht. Ich mag das gerne, so diesen etwas einfacheren Charakter mit einem großen Herz. Das spiele ich gerne. Ich hoffe, es ist mir gelungen, dass man ihn sieht und sich denkt „ja, das ist wirklich ein lieber Kerl. Ein guter Freund. Jemand auf den man sich verlassen kann“.

Wurde der Film im Herbst 2020 unter Coronabedingungen gedreht? Was haben Sie für Erfahrungen gemacht?

Ja, Filme in der Pandemie zu machen, das lief und läuft unter erschwerten Bedingungen. Aber, die Filmbranche hat sich da sehr früh schon sehr gut aufgestellt. Kurz bevor Corona los ging hab ich noch einen anderen Film gedreht. Den mussten wir abbrechen. Nach zwei Monaten Pause ging es dann, mit einem sehr guten Plan und ohne Menschen zu gefährden, wieder los. In der Filmbranche haben alle händeringend versucht das möglich zu machen – da wollte einfach keine Produktion die sein, die das eventuell an die Wand fährt. Deshalb wurde und wird da wahnsinnig gut aufgepasst. Ich hab mich auch immer sehr sicher gefühlt. Alles hat sehr gut funktioniert.

In der Pandemie haben sich viele Menschen auf das Zuhause, auf die Familie und auf enge Freunde zurückbesonnen. Sehen Sie diesen Trend auch so?

Ja, da blieb vielen keine andere Möglichkeit als sich auf den Nucleus zu konzentrieren. Das ist natürlich sehr privilegiert. Ich lebe in einer Beziehung, die sehr gut funktioniert. Wir haben da überhaupt keine Schwierigkeiten miteinander gehabt. Viele haben aber auch ganz andere Rahmenbedingungen. Aber das stimmt schon, viele haben sich während der Pandemie auf das Wesentliche konzentriert.

Hat sich Ihr Leben in den Strukturen verändert? Hat sich etwas verschoben?

Eigentlich gar nicht. Ich hab mich viel mit Freunden ausgetauscht. Viel über zoom. Das hat sich geändert. Normalerweise bin ich immer sehr viel unterwegs.

Als Kind waren Sie in der Theater AG, später dann haben Sie Philosophie studiert. Was hat Sie bewogen wieder zum Schauspiel zurückzukehren?

Ich hab die Schauspielerei nie aufgehört. Ich hab das parallel immer gemacht. Dabei zu bleiben und daraus eine Karriere zu machen, das hat sich so ergeben. Ich hab halt gemerkt, wenn ich meine Zeit und meine Arbeit da reinstecke, dann kann ich da was draus machen und als Schauspieler arbeiten. Die Philosophie hat mich immer sehr interessiert. Das tut sie heute noch. Ich habe aber während des Studiums gemerkt, dass es etwas ist, was ich nicht studieren muss und was sich gut als Hobby betreiben lässt. Die Schauspielerei war immer da. Schon ganz konkret ab der Oberstufe. Und, das hat mich dann auch nicht mehr verlassen.

Sie schreiben Bücher, sind beim Radio, sind Sprecher, beispielsweise auch für Hörspiele und Hörbücher. Ist es Ihnen wichtig, breit gefächert künstlerisch tätig zu sein?

Das ist mir tatsächlich wichtig, weil ich gerne Dinge mache, die mir Freude bereiten. Also man hat in Deutschland immer so ein bisschen das Bild, wenn es nicht weh tut, wenn man nicht schwitzt, dann ist es keine richtige Arbeit. Aber gerade in künstlerischen Berufen ist das so nicht zu hundert Prozent der Fall. Ich gehe auch nicht zu einem Konzert und schau den Musikern bei der Arbeit zu – ich möchte sehen, dass sie eine gute Zeit da auf der Bühne haben. Und so fasse ich das auch für meinen Beruf auf. Ich beschäftige mich mit Dingen, die mich interessieren. Ich liebe Hörspiele und ich spreche sie gerne ein. Das macht mir Freude. Und die Tatsache ist ein Privileg.

Ich habe Sie mal mit einem Akkordeon gesehen. Spielen Sie ein Musikinstrument?

Ich bin nicht ganz unmusikalisch. Ich habe mal Klavier gespielt. Akkordeon musste ich für ein Projekt spielen. Meine Klavierfähigkeiten haben mir dabei etwas geholfen aber ich muss sagen, das Akkordeon ist ein schwer zu spielendes Instrument.

Das Bandoneon ist dem Akkordeon nahe – das bringt mich zu meiner Frage nach dem Tango Argentino. Haben Sie hier Berührungspunkte?

Nein, eigentlich gar nicht.

Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?

Ich bin sehr breit aufgestellt. Aber ich habe angefangen Klavier zu spielen, weil ich Barockmusik mag. Eigentlich hätte ich Cembalo spielen lernen sollen. Ich mag sehr gerne Musik von Johann Sebastian Bach. Das kann ich immer hören. Ich mag aber auch elektronische Musik und Popmusik, gerade wenn ich draußen unterwegs bin. Lächelt. Alles was mich berührt, kann ich mir anhören.

Je nach Stimmung?

Ja, total.

Ich habe gelesen, Sie lieben Japan. Woher kommt das?

Als Jugendlicher habe ich Kampfsport gemacht, da hat mich Asien immer sehr interessiert. Auch Sprachen interessieren mich. Ich bin ja mit mehreren Sprachen um mich herum aufgewachsen. Dann wollte ich immer schon noch eine weitere Sprache lernen, eine die ein anderes Schriftsystem hat. Und ich finde japanisch klingt einfach auch fantastisch. Vor zehn Jahren hab ich dann also die Herausforderung angenommen. So ist meine Liebe für dieses Land entstanden. Ein wirklich großartiges Reiseland. Ich mag auch Japaner. Sehr spezielle Menschen. Ich mag sie sehr gerne.

Wenn man die Sprache kann, kann man ganz anders in das Land und in die Kultur eintauchen …

Ja, das stimmt.

Nach Stuttgart ist es nun nicht gerade eine große Reise, aber kennen Sie die Stadt?

Ich habe Freunde, die aus Stuttgart kommen und ich war auch schon in Stuttgart. Aber, dass ich die Stadt kenne, das kann ich nicht sagen. Leider. Aber ich bin mir sicher, Stuttgart ist eine Reise wert. Lächelt.

Auf jeden Fall .. Sind Sie Stadtmensch?

Eigentlich schon. Ich bin in Köln groß geworden. Aber ich merke tatsächlich, mit zunehmendem Alter, dass mich das ländliche Leben, die Ruhe auch reizt. Doch in der Stadt und gerade in einer Stadt wie Köln zu leben, das kann sehr angenehm und einfach sein. Man hat alles, was man braucht in der Nähe. Vielleicht in zwanzig Jahren. Da könnte ich mir vorstellen, dass man nochmal auf andere Ideen kommen könnte.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Da gibt es so einige. Ich verbinde mit Italien sehr viel. Mit meinem Vater und mit den Urlauben, die wir dort hin unternommen haben. In Italien, am Meer zu sein, das löst immer etwas ganz besonderes in mir aus. Japan ist mein absoluter Sehnsuchtsort. Wenn ich Bilder sehe, die Farben, die Städte, die Landschaften – da bekomme ich schnell Fernweh. Also, meine Sehnsuchtsorte sind Italien und Japan.



Vielen Dank, lieber Herr Moschitto für das tolle Gespräch und für die Einblicke, die Sie mir in Ihr Leben gewährt haben. Das war mir eine Freude.







'Ich höre gerne Schlager- und Popmusik'

Elena Uhlig

Fotoausschnitt: ZDF Walter Wehner



Eine spezielle Hochzeitskomödie: Die 42jährige Anna (Meike Droste) ist als Single glücklich und will sich nicht ein Leben lang binden. Ganz anders ihre beste Freundin Daisy (Elena Uhlig), die sich nichts sehnlicher wünscht als einen Heiratsantrag, und Annas Tochter Clara (Vita Tepel), die gerade ihre aufwendige Traumhochzeit plant. Der ganze Trubel wirft Anna unerwartet in eine Identitätskrise: Keiner ihrer Verflossenen hat ihr je einen Antrag gemacht. Schließlich legt sie es darauf an, ebenfalls gefragt zu werden.

'Mich hat keiner gefragt' - Donnerstag, 12. August, 20.15 Uhr ZDF


Im Gespräch  mit Elena Uhlig

Marion Graeber im August 2021



Hallo liebe Frau Uhlig, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr. Sind Sie gerade in München?
Ja, ich bin in München. 

Die Komödie „Mich hat keiner gefragt“, spielt auch in München. War das für Sie eine Erleichterung quasi 'zuhause' zu drehen? 
Ich muss tatsächlich sagen, als die Anfrage kam und ich wieder einmal eine beste Freundin spielen sollte - das hab ich ja öfter - habe ich mir das schon überlegt. Ich weiß ja, dass ich eine beste Freundin bin. Auch im Leben. Aber einer der  ausschlaggebenden Punkte für den Film war der Drehort München und Meike Droste. Da hab ich gesagt, her mit dem Ding. Sehr gerne. Ein großes Thema in unserem Beruf ist ja – entweder man hat sein Leben oder den Beruf. Als ich meine Schauspielausbildung abgeschlossen hatte, da hab ich ein Angebot von einem Theater bekommen. Ich weiß noch, wie ich damals zum Intendanten sagte, dass ich mich total geehrt fühle, ich mir aber gerne vorher noch die Stadt anschauen wolle. Ich wollte also eine Woche Urlaub machen, um mir die Stadt, in der ich dann leben sollte, anzuschauen. Einfach auch, um zu sehen, ob ich da leben kann. Der Intendant war dann allerdings richtig sauer und meinte, ich müsse mich schon gleich entscheiden. Ich hab ihm dann entgegnen müssen, dass ich leider absagen muss, wenn ich mich so kurzfristig zu entscheiden habe. Ich muss doch schauen, ob ich glücklich werden kann. Ich kann doch auch nur gut spielen, wenn ich gut lebe. Das wurde damals leider alles ganz falsch verstanden. Leben und arbeiten – das muss miteinander vereinbar sein. Das ist auch etwas, das mich manchmal mit dem Beruf auf Kriegsfuß stehen lässt. Für dieses Thema kämpfe ich seit Jahren. München war da natürlich toll. Da wird man mal später zum Set abgeholt, kann die Kinder noch zur Schule bringen und ist auf jeden Fall auch nachts zu hause, um die Kinder ins Bett zu bringen. Das ist einfach spitze. Man kann bei seinen Lieben sein und hat die Chance auch seinen Beruf auszuüben. Das ist doch wirklich ein Geschenk. 

Dann hat alles gut gepasst…. 
Ja, das stimmt. Und ich muss auch sagen, dass ich das Buch einfach schön finde.

Sie hatten einen guten Drive, hatten Spaß… 
Wir hatten wahnsinnig viel Spaß. Wir haben uns auch so aufeinander gefreut und viel gelacht. Das war wirklich, wie eine gemeinsame Zeit mit einer Freundin. 

Das sieht man… 
Das ist schön… 

Drehs unter Corona Bedingungen sind für Schauspieler und generell in der Filmbranche wahrscheinlich schon ein bisschen zur Gewohnheit geworden. Wie empfinden Sie das? 
Das ist schwierig. Grundsätzlich finde ich es ganz schön, dass man nicht mehr alle küssen muss. Lacht. Es ist ja schon auch etwas komisch für den Künstler – man kennt sich eigentlich gar nicht und küsst sich ständig. Das ist ja auch anstrengend. Beispielsweise, wenn man mal einen schlechten Tag hat. Was einem aber schon fehlt, ist eine gewisse Form von Nähe. Wenn man so das gesamte Team vor sich hat und alle tragen Masken, da sieht man auch keine Reaktionen mehr und das finde ich schon schade. Normalerweise bekommt man mal ein Lächeln, eine Bestätigung … so etwas findet quasi nicht mehr statt. Das ist schon schräg. Ich war im Dezember 20 in einem Hotel für die Drehzeit eines Weihnachtsfilms. Das war grauenhaft. Das war „The Shining“ par excellence. Ein Hotel mit vierhundert Betten und gerade mal fünf belegten Zimmern. Da wollen Sie nicht sein. Leere Hotelflure und Essen in Plastik verpackt vor der Türe abgestellt … 

Alles unpersönlich und man ist alleine… 

Ja, genau. Ich dachte mir anfangs, dass ich ja meine zwei, noch nicht schulpflichtigen, Kinder mitnehmen könnte, aber das war nicht möglich. Und selbst wenn, es war ja alles geschlossen. Da hatten es die Kinder zuhause besser. Andererseits hat mir Corona auch meine Freiheiten gebracht. Beispielsweise durch Instagram. Ich glaube, das hätte sonst so gar nicht stattgefunden. Ich bin da, mit dem Gedanken, dass ich die Menschen unterhalten will, so hineingestolpert. 

Auch mit dem Videotagebuch haben Sie vielen Menschen eine Freude in einer unsicheren Zeit geschenkt..
.                                                                               Das ist schön. Was da plötzlich passiert ist. Das geht ja durch alle Altersklassen. Menschen haben darauf gewartet und sich auch gegenseitig in den Kommentaren geschrieben. Da war das Gefühl – man ist nicht alleine. 

Man konnte lachen und hatte etwas, worauf man sich freuen konnte… 
Das möchte ich auch tatsächlich nicht missen. Das ist etwas zum Thema München und Familie. Da war die Chance zu sagen, ich bin Künstlerin durch und durch. Ich will moderieren und eigentlich bin ich ja auch die Entertainerin. Das liebe ich. Menschen zum Lachen bringen, das hab ich schon als Kind geliebt. Jetzt hab ich endlich die Chance, es selber in der Hand zu haben. Der Zuschauer und ich entscheiden. Finden wir das gut oder nicht. Da sind keine Redakteure oder Redakteurinnen zwischengeschaltet. Man bekommt sein Feedback ganz unmittelbar.

Sie haben, glaube ich auch so eine unbändige Lust in vielen Bereichen tätig zu sein. Stimmt das? 
Ich habe einen Satz von Ihnen gelesen „Stillstand verursacht Stress“… 
Ja, das macht mir total Stress. Lacht.

Nichts schlimmer als Langeweile? 
Ich finde schon auch, dass Langeweile wichtig ist, um in einen künstlerischen Prozess zu gehen. Was ich nicht mache, sind beispielsweise Handyspiele. Damit vertrödle ich meine Zeit und mein Leben nicht. 

Über Langeweile Kreativität generieren? 
Genau, ich glaube ja auch, dass ich ein Helfersyndrom habe. Kein Wunder, bei vier Kindern. Lächelt. Ich beschütze auch gerne. Das ist etwas, das mir wichtig ist. Ich bin auch wirklich eine gute, beste Freundin. All diese Gedanken waren von Anfang an präsent. Ich bin der Meinung, Künstler müssen Menschen unterhalten.

Vielleicht ist es auch einfach „gesünder“ etwas zu tun zu haben…
 
Für mich zumindest schon. Herr Karl und ich hatten auf diese Weise auch ein schönes, gemeinsames, berufliches Projekt. Wir sind eben auch beide Künstler. Es war und ist uns wichtig, unsere Kunst auch gemeinsam zu machen. Ich sehe das ein bisschen so: Wir sind wie ein Instrument. Das muss auch gespielt werden, sonst verstimmt es. Wir haben also einfach weitergespielt… 

Apropos Instrument – welches Musikgenre ist Ihnen das liebste? 
Ich höre gerne Schlager- und Popmusik.

Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino? 
Nein, den hab ich nicht.

Mit Ihrem Mann durfte ich auch schon sprechen und er meinte, einen Walzer würde er können… 
Ja, einen Walzer bekomme ich auch gerade noch hin. Ich finde es ja auch schade, dass das Tanzen nicht mehr ganz so angesagt ist, wie das früher war - zumindest die Standardtänze. Vielleicht hat sich das durch „Let`s dance“ etwas verändert… Tanzen, das ist Nähe und sich zur Musik zu bewegen ist einfach toll. 

Wenn ich Sie frage, ob Sie lieber einen Spaziergang in der Morgendämmerung oder einen mit Einbruch der Dunkelheit machen würden, was wäre Ihnen lieb? 
Bei Einbruch der Dunkelheit. Ansonsten müsste ich ja morgens früh aufstehen. Lacht. Ich habe einen Spätrhythmus - bin eher die Nachtigall und nicht die Lerche.

Was hat für Sie den größeren Reiz – am Set auf Leute zu treffen, die man bereits kennt oder auf Kollegen, mit denen man zuvor noch nicht gearbeitet hat?
 
Meike Droste kannte ich zuvor noch nicht, aber ich dachte mir, dass ich sie mögen könnte. Wir haben uns dann ein Mal im Vorfeld getroffen und manchmal trifft man ja auf Menschen und weiß sofort - das passt. Arbeit ist immer auch Lebenszeit. Wenn man dann am Set eine gute Zeit hat, ist das auch immer etwas, das man mit in sein Leben nimmt. Das finde ich ganz toll.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben? 
Die Nordsee. Das Meer kommt und geht, es gibt keinen Stillstand.


Vielen Dank, liebe Frau Uhlig für das schöne Gespräch





Kunst


'Meinen Sehnsuchtsort finde ich in der Meditation'

Irene Müller

Foto: privat


Im Gespräch mit der Stuttgarter Künstlerin Irene Müller

Malerin, Bildhauerin, Video- und Aktionskünstlerin

Marion Graeber im Juni 2021


Wo bist du aufgewachsen?

In Ulm an der Donau.

Spielte Kunst und Kultur in deiner Kindheit und Jugend eine Rolle?

Ja, das war für mich schon immer sehr wichtig. In der Phase als Jugendliche hat mich die zeitgenössische bildende Kunst sehr inspiriert und meine Eltern haben mich in meinem Drang, mich in Bildern auszudrücken, gefördert. Das Schulfach „Bildende Kunst“ war dann auch neben Naturwissenschaften und Sport eines meiner Abiturfächer. Eine tolle Kombination meiner Interessengebiete. Sieben Jahre klassischer Klavierunterricht führten mich an die klassische Musik heran, was ich erst später so richtig zu schätzen wusste. Theater- und Museenbesuche begleiteten meine Kindheit und Jugend.

Dann besuchst du Museen bereits seit deiner Kindheit und Jugend...

Ja, seit meiner Kindheit gehörten Besuche unterschiedlichster Museen, Galerien und Kunstvereinen dazu; anfänglich standen diese kulturellen Ereignisse auf dem sonntäglichen Plan meiner Eltern, später mit Schulklasse und auf Eigeninitiative.

Hast du ein Lieblingsmuseum?

Direkt eines herauszustellen wäre zu einseitig. Es kommt ja immer darauf an, was gerade ausgestellt wird. Ob eine gute Ausstellung in der Tate Galerie in London oder im Kunstmuseum Stuttgart gezeigt wird, ist ja dann vom Ort eher unabhängig. In Bezug auf kunstgeschichtliche Museen haben mich in letzter Zeit das Kunsthistorische Museum in Wien und die National Gallery in London beeindruckt. In nächster Zeit steht dann mal der Louvre und das Naturhistorische Museum in Wien an.

Eine Lieblingsstadt?

Venedig im Herbst. Diese Stadt zieht mich trotz Massentourismus in ihren Bann. Es geht eine unerklärliche Anziehungskraft von ihr aus. Irgendetwas ist dort anders...

Lieblingskünstler?

Das ändert sich immer wieder und ich lasse mich gerne überraschen. Da fällt mir mein Besuch im vorletzten Jahr im kunsthistorischen Museum in Wien ein. Als ich den Raum mit den riesigen Rubensgemälden betrat, hat mich die unbändige Energie und Kraft der Werke unglaublich überwältigt. Mit Rubens
hatte ich mich zuvor noch nicht groß beschäftigt. Es sprechen mich auch viele zeitgenössische Werke unterschiedlicher Disziplinen an, beispielsweise  das Kunstwerk mit dem Roboter des Künstlerduos Sun Yuan und Peng Yu. Die Kunstbiennale in Venedig bietet da immer wieder einiges.


Reist du gerne - gibt es ganz besonders inspirierende Reisen/Länder/ Plätze für dich?

Ich reise sehr gerne. Inzwischen eher in Europa, früher möglichst ausserhalb. Nachhaltig beeindruckt haben mich die Landschaften des Himalaya in Nepal und Ladakh (Indien). Die bizarren Berge in Guilin (China). In weiten, menschenleeren Landschaften zu stehen, war und ist für mich sehr existenziell (beispielsweise die gigantischen Naturparks in den USA, Neuseeland, Australien, Südostasien. Einige der Ereignisse auf Reisen haben eine Spur in meinem künstlerischen Schaffen hinterlassen. Inzwischen gewinnen für mich auch nähere Ziele an Relevanz: die Nordseeinseln mit ihren weiten Stränden und dem wilden Meer. Eine Urlaubsreise führte mich auf die Insel Amrum, ohne Hintergedanken bezüglich der künstlerischen Verwertbarkeit. Daraus kristallisierte sich hinterher das fortlaufende Projekt „WEGE – Wattenmeer“ mit Müller & Sohn heraus. Von Menschen gemachten kulturellen Orte können ebenfalls Inspirationsquelle sein und was in mir bewegen, beispielsweise die Woche im damals menschenleere Bagan in Myanmar, eine historische Königsstadt mit über zweitausend erhaltenen Sakralgebäuden aus Ziegelstein habe ich immer wieder vor Augen.
Ich erfahre immer wieder, dass es Orte gibt an denen etwas unsichtbares ist, was einen erfüllt und zu sich selbst führt und nachhaltig beeindruckt.

Wie definierst du selbst deine künstlerische Arbeit?

Die ursprüngliche Grundlage meiner Arbeiten bildeten Webcams. Ich nutzte zufällig im Internet gefundene Webcams und deren Bildmaterial als Grundlage meine Skizzen und deren malerische Umsetzung. Das digitale „found footage“ habe ich abstrahiert, neu komponiert und uminterpretiert. Aus anonymen, digitalen Einzelbildern entstehen analoge, malerische Originale. Die Arbeit am Bild führt so zu einer kontextuellen Auseinandersetzung an der Schnittstelle von Fotografie und Malerei. In diesem Kontext entstanden auch zahlreiche Videoarbeiten.

Kannst du deine künstlerische Arbeit anhand einzelner Projekte konkretisieren?

Das Vietnam Projekt. Während meiner Asienreise 1995 fand ich auf einem Müllhaufen an die tausend Passfotonegative von Menschen aus Hoi-An und Umgebung. Während der französischen Kolonialzeit in den 50er Jahren war es für jeden Einwohner Pflicht, einen Pass zu besitzen. Die dazu benötigten Passfotoaufnahmen waren für viele dieser Menschen die erste Begegnung mit einem Fotoapparat. Dieser Fund stellt laut dem damaligem Direktor der Ludwigstiftung das bis damals größte je gefundene zusammenhängende Konvolut aus dieser Zeit und dieser Art dar. Diese Portraitfotos dienen mir bis heute zur Vorlage für die Umsetzung in Malerei.

Eine weitere Arbeit entstand während meines Aufenthaltes 2004 in Ladakh, Nordindien. Dort fand ich Passfotos von Absolventinnen der Mahabodhi School in Ladakhs Hauptstadt Leh. Die Portraits zeigen Mädchen, die aus sehr abgelegenen Regionen des Himalaya kommen. Auch diese Fotovorlagen erfuhren eine Transformation in Malerei: die „Mahabodhi Girls“.

2007 entstand während mehrmaliger Aufenthalte in Kalifornien durch die eigene Beobachtung urbaner Anlagen die Gemäldeserie Promenaden. Im selben Jahr beobachtete ich ausserdem mittels der Webcam der Forschungsstation Neumayer II in der Antarktis eine große Eisscholle. Die Webcam lieferte mit ihren stündlich aktualisierten Fotos die Inspiration für die Gemäldeserie „Atka Bay“. Die Kamera war Richtung Schneeschmelze ausgerichtet und während des Beobachtungszeitraums von Januar bis Dezember 2007 schob sich ein großer Eisberg ins Bild. Durch das Vergleichen der vielen Aufnahmen war eine schleichende Fortbewegung des Eisgebildes festzustellen und auch eine leichte Veränderung der Form. Fünf der unzähligen dokumentarischen Momentaufnahmen habe ich in Malerei umgesetzt.

Ab 2012 beginne ich das „Wildschweinprojekt“ (damaliger Arbeitstitel), basierend auf zahlreichen Fotos der Wildkamera eines Jägers aus dem Schwarzwald. Dieses künstlerische Experiment entwickelte sich zu dem Projekt, der „SUPERWILDVISION“, das bislang im Schwarzwald, am Stadtrand von Stuttgart und auf 2500 m Höhe in den Zillertaler Alpen, Österreich durchgeführt wurde. Seit Sommer 2018 begann das vierte Projekt der „SUPERWILDVISION“ in der Nähe von Windhoek, Namibia. Dort wird voraussichtlich auch 2021 dieses Experiment fortgeführt. „SUPERWILDVISION“ hat den Charakter eines Forschungsprojekts, das sich an der Schnittstelle von Kunstwahrnehmung bei Tieren und intermedialer Gestaltung bewegt. Die Tiere werden während der mehrmonatigen Dauer eines Projekts durch eine Wildkamera mit Infrarotfunktion aufgezeichnet. Sobald sich ein Tier tagsüber oder nachts vor der Kamera bewegt, beginnt die Kamera mit der Aufzeichnung. So entsteht eine Dokumentation über das monatelange Treiben der Tiere. Dieses „Footage“ werte ich aus und extrahiere daraus „Filmstills“. Diese dienen mir wiederum als Vorskizze für die darauffolgende Umsetzung in Malerei. Das gemalte Bild bekommt so auf mehrfache Art und Weise eine Bedeutung. Zum einen dient es als „Anschauungsobjekt“ für die Tiere am jeweiligen Projektort, zum anderen entstehen daraus in einer Interaktion Bilder, die sich thematisch auf die Geschehnisse vor der Kamera beziehen. So durchläuft das Werk mehrere Phasen bis es am Ende sein endgültiges Format erreicht hat.

Was bedeutet dir Kunst, und was bedeutet es dir künstlerisch tätig zu sein?

Die Kunst hat  in meinem Leben einen großen Stellenwert. Sie ist für mich wie ein Schlüssel zum Leben. Sie ist auch jenseits der Worte. Während des  schöpferischen Prozesses in meinem künstlerischen Tun bin ich synchronisiert mit dem Leben – ein sehr wertvoller Zustand. Es bedeutet mir sehr viel, einen Großteil meiner Zeit mit meiner künstlerischen Tätigkeit zu verbringen. Genau genommen stoppt diese Tätigkeit ja auch nicht, wenn ich durch den Wald gehe oder sonst wo bin und sonst was mache. „Es“ arbeitet immer weiter und weiter ... Da ich mein Leben aber nicht in „Arbeit, Freizeit, Wochenende, Urlaub“ aufteile, empfinde ich mein künstlerisches Tun als  einen fortlaufenden Prozess. Meist befinde ich mich mit diesem Prozess in Einklang, aber natürlich gibt es auch Tage des Zweifels, der Unruhe, des Getrenntseins, der Unzufriedenheit, denen ich mit Beharrlichkeit, Kontinuität, Zuversicht und möglichst viel Humor zu entgegnen versuche. Klappt meistens.

Was bedeutet dir dein Leben und Wirken in Stuttgart?

Stuttgart hat für mich zum Arbeiten und Leben die richtige Größe. Kunstmuseum, Galerien, Kunstverein, Theater, Oper, einen Großhändler für Künstlerbedarf und gleichzeitig viel Wald und Grünflächen in erreichbarer Nähe zu Fuß – das hat man nicht überall. Nach so vielen Jahren in Stuttgart habe ich hier schon auch Wurzeln geschlagen.

Erläutere gerne Stationen deines 'Weges' ...

In Ulm bin ich geboren und aufgewachsen. Die 80er Jahre verbrachte ich mit studieren im süddeutschen Raum und mit reisen in den USA, Australien und Neuseeland. Ich begann ein Jurastudium in Freiburg, studierte dann Malerei an der Freien Kunstschule in Stuttgart und Kommunikationsdesign und Malerei an der Hochschule Augsburg. Schliesslich schloss ich das Studium 'Visuelle Kommunikation' an der Merz Akademie in  Stuttgart mit Diplom ab. 1990 richtete ich ein künstlerisches Atelier ein und war parallel zu meiner künstlerischen Arbeit bis 2014 als Art Direktorin für ein Designbüro sowie im Bereich Grafik in Verlagen tätig. Mit meinem Partner Diethard Sohn gründete ich 2015 das Label „Müller & Sohn“. Es sind einige gemeinsame Projekte entstanden und werden kontinuierlich weiterentwickelt und fortgesetzt. Wir wohnen und arbeiten im Stuttgarter Süden.

Was mich nachhaltig beeindruckt hat war 2003 eine Zusammenarbeit mit dem Aktions- und Bühnenkünstler Christoph Schlingensief. Die Arbeit mit Schlingensief war im Rahmen des Projekts „Church of Fear“. Rückblickend betrachtet war diese Zeit ein starker Antrieb für meine weitere künstlerische Entwicklung. Seit 2014 arbeite ich schwerpunktmäßig als Malerin, Bildhauerin, Video- und Aktionskünstlerin.

Was bedeutet dir die Musik?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Sie ist wichtig, ist immer dabei – gehört zum Leben dazu.

Welches Musikgenre bevorzugst du?

Jede Jahreszeit, jede Lebensphase, jeder Gefühlszustand verlangt, finde ich, nach unterschiedlicher Musik. Tendenziell sprechen mich eher Moll-Tonarten an. Eigentlich erstaunlich, da ich in meinen Bildern häufig eine farbenfrohe Farbpalette verwende; das eine schließt das andere wohl nicht aus. Verstärkt in der dunklen Jahreszeit komme ich auf klassische Musik zurück (bevorzugt Klavier), höre aber ausserdem gerne Indie und genreübergreifende Musik, die sich nicht so richtig einordnen lassen, gerne auch jazzige Klänge.

Mit welcher Musik bist du im Elternhaus aufgewachsen?

Klassik.

Was hast du in deiner Jugend gehört?

Rock, Jazz Rock, Jazz, Pop

Brauchst du für deine künstlerische Arbeit die Stille oder begleitet dich die Musik?

Während der praktischen, künstlerischen Tätigkeit begleitet mich fast immer Musik, während die Ideenfindung oft in den Momenten hinter den Geräuschen stattfindet; meist, wenn ich nicht über Gedanken nachdenke.

Was brauchst du für deine Inspiration? Was, um kreativ zu arbeiten?

Sowohl Einflüsse von aussen, als auch die Zurückgezogenheit und ganz wichtig ist die Natur.

Arbeitest du bevorzugt nachts oder doch lieber in den Morgenstunden?

Der frühe Morgen ist nicht so meine Zeit.

Tanzt du? Dein Lieblingstanz ... Hast du einen Bezug zum Tango Argentino?

In meiner Kindheit und Jugend habe ich klassisches Ballett gelernt, später HipHop, im Tanzkurs in der Schule den ersten und einzigen Kontakt zu Tango erfahren und seit über 25 Jahren ist mein „Tanz“ Tai Chi. In der Musik des Tango Argentino spricht mich die zarte, melancholische Tendenz stark an. Im Jahr 2001 hat mir das Album von der Band „Gotan Project“ den Tango musikalisch näher gebracht.

Mit Müller&Sohn art projects verbindet dich künstlerisches Schaffen mit deinem Partner Diethard Sohn. Was bedeutet dir diese gemeinsame Arbeit?

Es bedeutet mir sehr viel und ich möchte diese Zusammenarbeit auch für meine künstlerischen Entwicklung nicht missen, obwohl es manchmal eine Herausforderung ist ;-). Gegründet haben wir das Label im Jahr 2015 – ein Labor, ein Experiment mit offenem Ausgang. Unsere Herangehensweisen sind meist sehr unterschiedlich und die Eigendynamik der Prozesse nicht absehbar, führen dann aber immer wieder zu erstaunlichen Werken. Zu Beginn eines Projekts haben wir das Endresultat nicht vor Augen. Rückblickend kann ich erkennen, dass wir spielerisch mit Videoaufnahmen unserer Aktionen (meist im Naturraum) begonnen haben, welche inhaltlich und formal verwoben in Skulpturen und in gemeinsam gemalten Gemälden mündeten. Mir kommt diese Arbeitsweise sehr entgegen, da nicht von Anfang an alles durchkonzeptioniert ist und die möglichen Resultate anfangs überhaupt nicht absehbar sind. Es ist sehr schön diese Entwicklung gemeinsam zu erleben und daran zu wachsen. Diese Vorgehensweise und auch ganz klar die dazugehörigen Auseinandersetzungen mit Diethard, stellen letztendlich eine Bereicherung für mich dar.

Hast du einen Sehnsuchtsort?

Ja, zu diesem Ort, der eigentlich kein Ort im herkömmlichen Sinne ist, finde ich in der Meditation.

Ein/dein Wunsch ...

Bald mal wieder auf das weite Meer schauen



Vielen Dank, liebe Irene für die Einblicke in dein Leben.





'Anarchistisch und doch in geordnetem Schritt, der zärtlichen Melodie des Bandoneons folgen, ein Spaziergang zwischen purer Lust

am Leben und sanfter Melancholie, Erotik und Tod ... Tango'

Diethard Sohn


Foto: privat



Im Gespräch mit dem Stuttgarter Künstler Diethard Sohn

Malerei und Skulptur

Marion Graeber im Mai 2021



Was bedeutet dir Kunst?

  • In erster Linie sehe ich mich als Maler. Genau gesagt als Zeichner und Maler mit einer Tendenz zur Plastik.
    Die Malerei definiert sich aus der Fläche, die Zeichnung auf der Linie und die Plastik aus der Formbarkeit eines Stoffes. Im Gegensatz zu letzterer steht die Skulptur. 
  • Kunst bedeutet für mich ein Gegenpol zu Berechenbarkeit von Rationalität und empirischer Wissenschaft. Treibende Kräfte in der Kunst sind Intuition und Kreativität und Selbstbestimmung des Autors oder wenn es mehrere sind der Autoren.
  • Die Kunst ist frei.


Was bedeutet es dir künstlerisch tätig zu sein? 

  • Diese Frage kann ich schwer beantworten, weil ich mir nicht vorstellen kann nicht künstlerisch tätig zu sein.
    Ein Beispiel: Ich arbeite aktuell an einem Portrait einer Quitte. Dabei versuche ich die Quitte möglichst realistisch und dabei so darzustellen wie ich diese Quitte nicht nur sehe, sondern wie ich sie empfinde. 


Wie hat sich deine Liebe zur Kunst entwickelt?

  • Als kleines Kind spürte ich wie stark Form und Farbe auf mich wirken. Ich erinnere mich wie mich ein Nierentisch mit in poliertem Messing gefasster Kirschfurniertischplatte in den Bann zog, oder Muster und Zeichnungen auf damaligen Tapeten oder auf einem Papierkorb, bestehend aus einer Papptonne mit bedruckter Folie überzogen.


Gibt es einen Schlüsselmoment, mit welchen dir klar wurde, dass der Weg eines Künstlers, der deine ist? 

  • Als ich Schüler am Gymnasium war nutzte ich die Unterrichtsstunden um meine Hefte voll zu zeichnen. Das waren glückliche Stunden, und mir wurde mehr und mehr klar, dass ich diesen Weg weiter gehen muss.


Inwieweit bist du mit Kunst und Kultur aufgewachsen? 

  • Meine Eltern waren kunstinteressiert. Bei uns im Haus hingen Siebdrucke von Soulages und Bubenik, Radierungen von Moog ... und diverse Originale aus dieser Zeit.


Welche Rolle spielte Kunst und Kultur in deiner Kindheit und Jugend?

  • Als ich Kind war zogen wir mehrmals um. Eine Station war Hofheim im Taunus. In unmittelbarer Nachbarschaft eröffnete Herrmann Krupp seine Galerie 66. Für mich als sieben jähriger Bub war das was ich dort sah wie eine Offenbarung. Da waren Bilder von Reipka, Moog, Stankowski, Bubenik, Simon Dittrich, Otmar Alt und vieles mehr. Eine neue, eine andere Welt tat sich da auf. Weit weg von brauner Soße und Kroketten.


Wenn du künstlerisch tätig bist - was brauchst du - Stille oder vielleicht Musik? 

  • Mal so, mal so. 


Welche Musik ist dir die liebste? 

  • Beim Arbeiten höre ich gerne Rockmusik, Independent oder Jazz, ab und an Klassik.


Zur Musik gehört die Bewegung. Tango spielt in deiner Kunst ebenfalls einen wichtige Rolle. Tanzt du auch selbst den Tango Argentino? 

  • Nein ich tanze nicht.


Was ist ‚Tango‘ für dich? 

  • „Anarchistisch und doch in geordnetem Schritt, der zärtlichen Melodie des Bandoneons folgen, ein Spaziergang zwischen purer Lust am Leben und sanfter Melancholie, Erotik und Tod ... Tango“ .. ist natürlich eine Sicht mit Augenzwinkern bezüglich der Entstehung, der Entwicklung und Tango heute wie ich ihn hier in Stuttgart beobachten konnte.


Was inspiriert dich?

  • mich inspirieren Träume, Menschen im täglichen Leben und selbstverständlich die Natur in ihrer unglaublichen Vielfalt und evolutionären Intelligenz.


Wie arbeitest du und wann? Wann bist du besonders kreativ? 

  • es ist unterschiedlich. 
    Manchmal ist da eine Idee, manchmal entwickelt sich die Idee oder gar ein Konzept aber auch erst beim Malen. 
    Unabhängig davon ist der erste Punkt, Klecks oder Strich auf der Fläche dann wie das Betreten einer vollkommen unberührten weissen Schneedecke. Das hat immer auch etwas mit Zerstörung zu tun. Man braucht Energie. Und dann, wenn da etwas ist, dann wird es leichter, meist folgt dann der Rest. Immer im Dialog mit dem Bild. Dazwischen gibt es dann immer wieder Phasen der Stagnation, der Kritik, des Selbstzweifels. In solchen Momenten ist es dann oft auch gut raus zu gehen. 
    Ich arbeite viel und gern beim Joggen oder beim Wandern. Der monotone sich ständig wiederholende Bewegungsablauf beim Laufen oder gehen in Wald und Wiesen, im Gebirge oder am Meer, regt zu „meditativem“ Denken an. Und hilft den Prozess voran zu treiben.


Bist du ein Morgen- oder ein Nachtmensch?

  • Was die Malerei angeht sicher eher ein Nachtmensch. Ich beginne den Tag zwar recht früh am morgen aber zum Malen komme ich meist erst im Laufe des Vormittags und dann zieht sich der Tag eben oft unmerklich hin bis ich gegen Mitternacht die Pinsel auswasche.


Erläutere dein Schaffen, deine Werke, deine Projekte ...

  • Meine Arbeit bewegt sich in einem Spektrum zwischen comichaften kubistischen Strukturen und hyperrealistischen Darstellung. Ein verbindendes Element in meiner Arbeit ist sehr häufig das Portrait. 
    Für mich als Maler ist es dabei wichtig nicht in irgendeiner Zeit hängen zu bleiben, oder mich in vergangenem zu suhlen, sondern mich aus formal-ästhetischer Sicht der Formen und Formensprache unserer Zeit zu bedienen, dazu gehört die gesamte Geschichte der Malerei aber eben auch die Genres Comic, die Pop-Art und selbstverständlich auch Street-Art. 
    Ich würde mich in keine dieser Genres einordnen wollen, das wäre mir zu einseitig, das bin ich nicht, weder das eine noch das andere, aber selbstverständlich haben Zitate aus diesen Genres oder auch Hinweise, Elemente ihren Platz in meinem Werk, aber immer in eigener Art.
    Ein Beispiel: Das Quittenportrait. Manche sagen es erinnert sie an Dürer. Ja sicher auch Dürer malte sehr detaillierte Pflanzenbilder und doch sind sie in der Führung der Linien, in der Farbgebung und Form eindeutig der Renaissance zuzuordnen, während mein Quittenportrait eben in der Art der Darstellung, Farbgebung und Linienführung ganz eindeutig aus der heutigen Zeit ist. Das ist sehr interessant und es sind oft nur Nuancen, die man aber eigentlich nicht übersehen kann.

    Der Comic-Strip definiert sich aus der sequenziellen Darstellung von narrativen Bildern, auch Text oder Textbilder. (Expressive Darstellung von Text und entsprechender Typographie). Der Comic selbst definiert sich durch Vereinfachung oder auch Überzeichnung und gleichzeitig Verdeutlichung von z.B. typischen Formen, Farben, Bewegungen, Mimik, Gestik und Haltung. Comic ist sehr expressiv.


Du lebst in Stuttgart - welche Beziehung hast du zu dieser Stadt? 

  • Stuttgart ist irgendwie überschaubar


Hast du einen Lieblingsplatz in Stuttgart?

  • Ich geh öfter mal in den Landschaftsschutzgebieten um die Weinsteige herum laufen oder spazieren. Da gibt es sehr schöne Ecken. 


Mit Müller&Sohn art projects verbindet dich künstlerisches Schaffen mit deiner Partnerin Irene Müller. Was bedeutet dir diese gemeinsame Arbeit?

  • Inzwischen sehr viel. Anfangs fühlte es sich seltsam an, da wir sehr unterschiedliche Herangehensweisen an die Malerei und überhaupt an unsere Ausdrucksformen und Mittel haben.
    Irene hatte immer schon ein Interesse an dokumentarischem Foto- und Videomaterial und integrierte dieses in ein dynamisches Wechselspiel mit Malerei. So kam sie über eine Freundin, eine Fotokünstlerin, die am ZKM in Karlsruhe tätig war dann auch in Kontakt mit Christoph Schlingensief. War dann viel als künstlerische Mitarbeiterin mit ihm unterwegs, unter anderem auch an einer Aktion von Christoph, dem „Pfahlsitzen“ auf der Biennale in Venedig.

     Wohl hatten wir auch Gemeinsamkeiten. Die aber zunächst eher ausserhalb der Malerei lagen, z.b. das Wandern. Und so entdeckten wir auf unserem Weg durch die Alpenlandschaft Österreichs in recht regelmäßigen Abständen rote Ruhebänke, die sich wie ein Rythmus durch die Landschaft zogen. Es war wie ein roter Faden, der uns das gemeinsame Interesse nämlich Wege zu gehen aufzeigte.

    Wie sehen eure gemeinsamen Projekte aus


    Wir nahmen diesen Rythmus auf. Wir schnitten rote Streifen aus Stoff und begannen selbst die Landschaft in einem Rythmus zu markieren, ohne diese dauerhaft zu verändern. Weil wir noch nicht so richtig wussten, was wir da tun und warum wir das tun, dokumentierten wir diese Aktionen mittels Action-Cam.

    Das war der Beginn des gemeinsamen Projektes „WEGE“
    Ideen und Erkenntnisse, die sich daraus ergaben, skizzierten wir und setzten sie anschließend in Malerei, Skulptur, Foto und Film um. Es entstanden neue, gemeinsame Werke, bei denen wir beide die Autoren sind. Und so gaben wir dem Kind einen Namen und entwickelten das Label Müller & Sohn. 

    Müller & Sohn versteht sich als ästhetisches Experimentier- und Forschungslabor im Spannungsfeld von Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Videokunst. Im Zentrum unserer Arbeit steht die Auseinandersetzung mit der Natur und ihre Phänomene. Und die Veränderungen, die sie durch den Eingriff des Menschen erfährt. 


Mit ‚Wege‘ seid ihr auch gerne auf Sylt. Was reizt dich an dieser Insel? 

  • Sylt hat eine unsichtbare Anziehungskraft, in erster Linie ist es wohl die Natur und ihre Kraft, über 40 km zusammenhängender Sandstrand bieten uns eine unglaubliche Spielwiese. Das Watt, die Wanderdüne, davor die “Mondartige” Landschaft, Ebbe und Flut, die Gezeiten, die Wolken, der peitschende Wind und natürlich die facettenreiche oft tosende launische Nordsee mit ihrem sich ständig wandelndem Gesicht.

    Ursprünglich zog uns die Forschungsstation des Alfred Wegener Institutes nach Sylt. Uns interessierte die Frage was Kunst und Wissenschaft aus der Sicht der in der jeweiligen Sparte tätigen Menschen in der heutigen Zeit verbindet. Wo gibt es Gemeinsamkeiten, z.B. in der Motivation oder im Arbeitsprozess und wo gibt es Gegensätze. Hierzu befragten wir Wissenschaftler. Wir durften ein wissenschaftliches Labor besuchen und erfuhren sehr viel auch über die Historie und den Wandel in wissenschaftlicher Arbeit.


Hast du Vorbilder in der Kunst?

  • Meine Vorbilder in der Bildenden Kunst sind Künstler aus der Renaissance, wie Francesco del Cossa, Jean Fouquet oder natürlich auch Albrecht Dürer, Henry Matisse, den ich hier besonders hervorheben möchte, Miro, die Kubisten, Tamara de Lempicka aber auch diverse Comiczeichner. 


Hast du einen Sehnsuchtsort? 

  • Der Ort meiner Sehnsucht ist glaube ich nicht von dieser Welt.




Lieben Dank, lieber Diethard,  für diese Einblicke in dein Leben




'Ich bin wach und offen für das was es da gibt'

(Florian Anderer über das Tanzen)

Florian Anderer

Foto: Urban Ruths


Zwangsräumung in Berlin: An einem kalten Novembermorgen muss Otto Wagner (Peter René Lüdicke) mit seiner Familie die Wohnung verlassen. Nach der Übernahme des Mietshauses durch die Ceylan Immobilien wird es Stück für Stück entmietet. Alte Verabredungen gelten nicht mehr und so sorgt die Umzugsfirma von Axel Schmiedtchen (Ingo Hülsmann) für eine schnelle, besenreine Übergabe. Vor kurzem war das Haus noch ein Sinnbild der berühmten "Berliner Mischung". Jetzt will Gülay Ceylan (Özay Fecht), die Chefin des kleinen Familienunternehmens, das Haus luxussanieren, um es später in Eigentumswohnungen umzuwandeln."Tatort: Die dritte Haut".

Das Erste. Sonntag, 06. Juni 21.


Im Gespräch mit Florian Anderer

Marion Graeber

Mai 2021


Hallo lieber Herr Anderer. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Ich freue mich über Ihre Anfrage.

Sind Sie gerade in Berlin?

Ja, genau. Ich bin in Berlin. Ich lebe hier.

Sie kommen ursprünglich aus Karlsruhe, da dachte ich mir, mein Dialekt wird kein Problem für Sie darstellen….

Lacht. Stimmt. Den hab ich auch. Allerdings wurde mir dieser in der Schauspielschule abtrainiert. Lächelt.

Im Theater, wie auch im Film wird teilweise auch im Dialekt gespielt. Wie stehen Sie dazu?

Ich habe tatsächlich gerade eine Anfrage für ein Tatortcasting bekommen, da ist der badische Dialekt ausdrücklich erwünscht.

Können Sie diesen immer problemlos abrufen?

Ja, ich kann und lerne Dialekt schnell. Auf meinen Onlineprofilen habe ich auch eingetragen, dass ich mehrere Dialekte bedienen kann. Habe das nun aber doch wieder auf die Dialekte reduziert, die ich wirklich gut kann. Denn, in dem Augenblick in dem man spielt muss man an so viele Dinge denken – da ist kein Platz für die Gedanken „wo und wie bewege ich mich korrekt im Dialekt“….  

Welchen Dialekt haben Sie neben dem Heimatdialekt eingetragen?

Berlinerisch - ich lebe schon so lange in Berlin.

Fehlt Ihnen die Region (Süddeutschland) ein bisschen?

Ja, schon. Mir fehlt ein bisschen das badische Klima. Das vermisse ich. Ich komme aus der Rheinebene. Mit der Fähre ist man schnell im Elsass. Auch die Nähe zur Pfalz – das hat schon so einen speziellen Charme. Ich hab in meiner Heimatregion auch schon fast tropische Sommer erlebt. Dann diese Vegetation. Das vermisse ich alles schon etwas.

Sie verkörpern im „Tatort – Die dritte Haut“ die Figur des Thomas Dahlmann. Was hat Sie persönlich an der Rolle gereizt und wie charakterisieren Sie sie?

Am Drehbuch hat mich gereizt, dass dieser Tatort einer ist, wo es um die Sache geht. Nicht die persönlichen Differenzen, die Psychosen oder Schicksale unter den Kommissaren stehen hier im Mittelpunkt, wie das im Moment modern ist. Es geht tatsächlich um den Fall. Und dann hat mich tatsächlich überrascht, dass man so sehr in die Thematik eintaucht, dass man ganz ohne Verfolgungsjagd und Schießerei auskommt.

Ein Mietshaus soll geräumt werden – ein Mietshaus, welches zu einem Luxusobjekt werden soll.

Ja, genau. Thomas Dahlmann hat sich in die Familie des Immobilienunternehmens eingeheiratet. Ich habe gleich gesehen, dass er kein 0/8/15 Immobilienhai sein soll. Er hat menschliche Züge und ist nicht so ein Stereotyp von Immobilienmogul. Er ist ein Mensch, den man nachvollziehen kann. Man erkennt, aus welchen Beweggründen er wie und warum handelt.

Wie sehen Sie das Problem – Mietshaus/Luxussanierung?

Ich sehe das sehr kritisch, wie sich das in Berlin entwickelt und wie die Berliner immer mehr an den Rand gedrängt werden. Wie alles so Hochglanz saniert wird. Eine seltsame Entwicklung. Der Prenzlauer Berg beispielsweise (ich lebe hier im Norden in einer 1920er Jahre Bauhaussiedlung), war mal so ein interessanter, vielseitiger und diverser Bezirk. Jetzt ist er glatt. Alles ist hier auch nur ein Steinwurf entfernt, man kann hautnah miterleben, wie sich die Stadt verändert.

Die Dreharbeiten zum Tatort haben im November und Dezember 2020 unter Corona Bedingungen stattgefunden. Das Thema Corona ist außerdem im Film verankert und dieser Tatort gilt folgend als Zeitdokument. Wie haben Sie die Dreharbeiten empfunden?

Dadurch, dass ich nur eine Szene habe, in der ich konkret die Maske im Bild trage, hat mich das nicht sehr beeinflusst. (Ich habe in dieser Szene ein Gespräch mit der Kommissarin – die Szene war kurz und ich hab gar nicht registriert, dass ich eine Maske trage). Es ist auch so, dass das Tragen der Maske alltäglich geworden ist. Auch am Set trägt man vor der Drehszene Maske.

Wie denken Sie, kann man Emotionen trotz Maske gut transportieren?

Ich weiß nicht, ob der Tatort so expressiv gespielt wird. Mein Eindruck ist eher, dass beim Fernsehen reduziert gespielt wird. Nicht so groß, wie beim Theater. Dieses permanente reduzieren – da wird die Maske keinem einen zusätzlichen Stein in den Weg legen.

Gibt es eine Szene im Film, welche Sie besonders berührt hat?

Ich hab ein Streitgespräch mit meiner Filmfrau Yeliz (Sesede Terziyan). Dieses findet auf dem Balkon meiner Schwiegermutter statt. Das war eigentlich kein hochemotionaler Streit. Eher ein unterkühlter Dialog. Aber genau darin lag so viel Verletztheit der Figur. So eine Kränkung. So ein Missverständnis. Das hat mich nicht kalt gelassen. Das war sehr intensiv.

Ich habe gelesen, Sie spielen Schlagzeug. Mögen Rockmusik. Rockmusik - Ihr Lieblingsgenre?

Ich höre viel Musik. Aber, ja, tendenziell Rockmusik.

Wie sieht es mit dem Tanz aus? Vielleicht mögen Sie auch den Tango Argentino?

Ich habe schon gesehen, dass Ihr Steckenpferd der Tango ist. Lächelt. Mit dem Tango hab ich bisher nur eine Erfahrung gemacht. Das war am Theater in Hildesheim im Jahr 2008. Eine Choreographin fragte mich, ob ich mit ihr eine fünfminütige, ziemlich abgefahrene Tangochoreographie einstudiere und diese dann bei einer Veranstaltung präsentieren würde. Innerhalb von drei Tagen haben wir uns das mit allem drum und dran erarbeitet. Das war ziemlich interessant.  

Hatten Sie danach keine Ambitionen, den Tango weiter zu tanzen?

Nicht konkret den Tango. Was mich aber weiter animiert hat war – wach und offen zu bleiben für das, was es da gibt. Ich habe auch so einen Signature-Move. Hab viele tänzerische Angebote gemacht. Und sei es nur, sehr hüftbetont zu gehen. Auch kleine Tanzeinlagen und Stunts waren dabei.

Sie sind im Fernsehen, wie auch im Theater zu sehen. Mögen Sie beides gleichermaßen?

Mein Herz schlägt für das Theater. Tatsächlich begeistert und fasziniert mich aber auch das Fernsehbusiness. Da ist so viel Logistik gefragt bis so ein Film steht. Dieses Zusammenspiel von so vielen Departements. Wenn man einen Film schaut denkt man, das sei alles so aus einem Guss gemacht. Dabei wird die erste Szene beispielsweise am letzten Tag gedreht und der große Showdown findet am ersten statt. Man muss immer darauf achten, dass der DreiTage-Bart nicht plötzlich voller ist oder man glattrasiert daher kommt. Lacht. Ein echtes Wunderland für mich….  

Wollten Sie schon von früher Kindheit an Schauspieler werden? Gab es einen Schlüsselmoment?

Ich habe früh gemerkt, dass meine Qualitäten in diese Richtung gehen. In der Grundschule habe ich Till Eulenspiegel gespielt. In die Theater AG bin ich relativ spät gekommen. Als es Richtung Abiturvorbereitung ging, hatte ich eine ganz tolle Englisch-Grundkurs-Lehrerin. Sie meinte, die Theater AG brauche Männer. Außerdem machte sie mich darauf aufmerksam, dass das Staatstheater Karlsruhe Leute für die Gründung eines Jugendclubs für eine erste Produktion suchte. Ich bin dann mal da hin und konnte direkt in „Die Welle“ mitspielen. Das hat den Wunsch, Schauspieler zu werden, für mich zementiert. Dann hab ich erfahren, zum Leidwesen meiner Eltern, dass man für die Aufnahme an die staatliche Schauspielschule keinen speziellen Numerus Clausus braucht. In der Oberstufenzeit war ich dann auch viel am Theater. Hab das alles aufgesaugt, viel gespielt. Nach dem Abi bin ich dann in die Bewerbungsphase „Schauspiel“ gegangen.
Ich war auch mit der Klasse zuvor beim Berufsinformationszentrum. Da kamen so abstruse Vorschläge. Ich konnte mich mit nichts identifizieren. Ein paar Wochen danach kam dieses Casting am Staatstheater Karlsruhe – da hat sich das für mich geklärt.

Sie waren mit der Schauspielerei in der Schweiz und in Ostdeutschland ..

Ja, angefangen hab ich mit meinem Studium in Bern. Dort habe ich auch gespielt. Ebenfalls in Luzern. Ich war auf einer kleinen Bühne in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, in Hildesheim, Schwerin. Dann der große Sprung an die Volksbühne Berlin.

Da konnten Sie viele Erfahrungen sammeln.

Ja, das war mir sehr wichtig, diese Erfahrungen sammeln zu können. Als ich in dieser Schauspielblase in Berlin eingetaucht bin, hab ich festgestellt, dass viele so einen ganz anderen Werdegang hatten. Viele sind von den großen, angesagten Schauspielschulen schon im letzten Studienjahr an die großen Theater geholt worden und ich frage mich, ob das so gut ist. In Hildesheim hab ich am Staatstheater gespielt. Dieses musste fusionieren und ich hab mich plötzlich auf einer Landesbühne wiedergefunden. Mit dem Bus bin ich von einem Spielort zum anderen gefahren. Diese Flexibilität und Improvisation hat mich oftmals auf den großen Bühnen gerettet.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Also, ganz aktuell hab ich tatsächlich einen – Phuket. Vor einigen Jahren war meine Freundin mit ihrem Sohn dort und sie schwärmt von dort. Wir haben also beschlossen, dort hin zu reisen, sobald das wieder möglich ist.


Vielen, lieben Dank für das schöne Gespräch, lieber Herr Anderer. Hat mich sehr gefreut. Merci






'Ich tanze sehr gerne. Am liebsten tanze ich einen Walzer'

Timo Jacobs

Foto: Robert Schultze



Zwangsräumung in Berlin: An einem kalten Novembermorgen muss Otto Wagner (Peter René Lüdicke) mit seiner Familie die Wohnung verlassen. Nach der Übernahme des Mietshauses durch die Ceylan Immobilien wird es Stück für Stück entmietet. Alte Verabredungen gelten nicht mehr und so sorgt die Umzugsfirma von Axel Schmiedtchen (Ingo Hülsmann) für eine schnelle, besenreine Übergabe. Vor kurzem war das Haus noch ein Sinnbild der berühmten "Berliner Mischung". Jetzt will Gülay Ceylan (Özay Fecht), die Chefin des kleinen Familienunternehmens, das Haus luxussanieren, um es später in Eigentumswohnungen umzuwandeln.

"Tatort: Die dritte Haut". Das Erste. Sonntag, 06. Juni 21.



Im Gespräch mit Timo Jacobs

Marion Graeber

Mai 2021

Sie verkörpern im "Tatort: Die dritte Haut" die Figur des Micha Kowalski. Kowalski lebt auf der Straße, getrennt von seinen Lieben, die in der Georgiestraße in Berlin wohnen. So beobachtet er sehnsuchtsvoll das Mietshaus, in welchem auch ein/der Mord geschieht ... Was reizt Sie an Ihrer Rolle und wie charakterisieren Sie sie?

Die Sehnsucht dort zu sein, wo er nicht ist, frühe Verletzungen, die ihn davon abhalten sich so zu verhalten, wie es eventuell besser für ihn wäre und das Gefühl seiner Familie gegenüber als Versager dazustehen, das ist für Micha Kowalski nicht zu ertragen. Da badet er sich lieber in dem Gefühl seiner Unzulänglichkeiten. Wie gerne wäre er einfach nur ein guter Vater. Aber er stürzt sich von einer Katastrophe in die nächste. Das ist das Leben. Vielschichtig und ambivalent. Sich darin zu bewegen ist ein tolles Abenteuer. Gerade in dem Beruf als Schauspieler.

Die Dreharbeiten zum Tatort haben im November und Dezember 2020 stattgefunden. Also unter Corona-Bedingungen. Das Thema Corona ist auch im Film verankert. Dieser gilt folgend als Zeitdokument. Wie haben Sie die Dreharbeiten empfunden?

Ich habe einen sehr respektvollen, liebevollen Umgang erlebt. Es waren ein paar schöne Tage. Gerade in dieser Zeit der häufigen Abschottung, war es natürlich besonders schön mal wieder raus zu kommen. Dann noch mit Kollegen, die man so mag und schätzt, wie Meret Becker und Mark Waschke. Wir kennen uns alle schon sehr lange. Ich war ja bei Merets Einführung als Kommissarin mit von der Partie und habe mit ihr viele, tolle Filme gedreht. Zum einen meinen eigenen Film, die irrwitzige Komödie „Mann im Spagat“ oder auch „Back to Nothing“ unter der Regie von Miron Zownir. Die Arbeit mit dem Regisseur Norbert Ter Hall, ein sehr guter Regisseur - es war wie eine Grillparty mit einem Blues von Bo Diddley. Irgendwann war es dann leider vorbei.

Ist   es   eine   große   Herausforderung   Mimik   und   Emotion   mit   Maske   und   Abstandsregeln   zu transportieren? Wie wurde das im Film umgesetzt?

Viele Kollegen beschweren sich ja über Corona. Alles sei so schwierig geworden mit der Schauspielerei. Ich verstehe das nicht. Es ist doch einfacher. Man braucht nur noch das halbe Gesicht. (Scherz)

Wir wurden ja alle ständig getestet und hielten natürlich unseren Abstand zueinander. Die Spielregeln sind wirklich nicht so schwer zu verstehen. Dann sind wir Schauspieler in Quarantäne, falls wir Szenen haben, in denen wir uns Nahe kommen müssen. Das ist auch alles gut organisiert gewesen und das habe ich auf anderen Sets auch so erlebt. Toi Toi Toi - im Großen und Ganzen sind wir da doch gut durchgekommen. Allerdings diese Tests mit den sehr, sehr langen Stäbchen, welche durch die Nase an dem Brokkoli im Kopf kitzeln...  Und wenn du dann denkst, es sei vorbei, dann kommt das zweite Nasenloch an die Reihe ... Das hat schon einiges an Armlehnen-Festkrallen erfordert.

Ich habe gelesen, dass dieser Tatort auch dokumentarische Züge hat, da das tägliche Leben in der Stadt in die Geschichte integriert ist. Die Geschichte spielt auf der Straße, auf Plätzen, unter Brücken und im öffentlichen Verkehr. .. Mitten unter Passanten. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich mag dieses arbeiten gern. Als junger Mann habe ich sehr viel so gedreht und habe da ein Gefühl von Godard und Cassavetes. Auch an die frühen Filme, die ich mit Klaus Lemke im Hamburg gedreht habe. Als ich in der BVG meine Schallplatte abgespielt habe: „Schönen guten Tag, meine Damen und Herren, ich bin Micha Kowalski und seit 7 Jahren obdachlos"  usw.. .. da war ich das dann auch. Die echten Fahrgäste hatten mir dann tatsächlich Geld gegeben und nach dem „Cut“ des Regisseurs (der natürlich sehr leise war um kein Bohei zu machen) na ja, da war ich dann doch etwas im Konflikt und habe dem Aufnahmeleiter der Produktion das Geld gegeben. Was er damit gemacht hat, weiß ich nicht. Ich war ja in der Rolle.

Gibt es eine Szene im Film, welche Sie besonders berührt hat?

Das kann ich leider gar nicht so gut beantworten, wie ich möchte. Ich denke, wenn ein Schauspieler sagt, er sei berührt, ist das oft kein gutes Zeichen. Allerdings wurde ich zuerst für die Rolle des Busfahrers gecastet und wenn dieser erzählt, wie er sein Leben lang ehrliche Arbeit geleistet hat und dann, mit seiner Berliner Art, den Vergleich zu den jungen Menschen zieht, die oft sehr schnell, sehr viel Geld verdienen und, dass die ihm die Wohnung „wegnehmen“, da haben sich mir beim Lesen die Innereien gekräuselt.

Thema des Tatorts ist die Zwangsräumung eines Mietshauses in Berlin. Das alte Haus soll zum Luxushaus saniert werden. Ältere Menschen/Mieter müssen weichen. Wie sehen Sie persönlich diese Thematik?

Der soziale Wohnungsbau sollte viel mehr gefördert werden.

Darf ich Sie fragen, wie Sie wohnen und wie wichtig Ihnen nachbarschaftliche, soziale Kontakte oder auch daraus entstehende Freundschaften sind?

Ich wohne in einem Altbau in Kreuzberg. Da der Vermieter keine Sanierungen in den Wohnungen vornimmt, sondern lediglich mit dem Haus spekuliert, habe ich noch eine humane Miete. Freunde in der Nähe zu haben ist mir wichtig. Ein lockere Nachbarschaft ist auch toll. Harmonie tut ja jedem gut, solange wir uns nicht zu sehr in einer Pflicht fühlen.

Zur Unterstützung von Emotionen und Szenen gehört im Film auch immer die Musik. Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Ihnen das liebste ist?

Ich limitiere mich ungern. Wenn ich auf meine Schallplattensammlung schaue, dann finde ich da jede Menge Rhythm and Blues, Upbeat, Punk, Garage, Postpunk, New Wave, Jive, Power Pop, Filmscores, offene Pianoklänge und auch etwas Tango, ja. Es sollte bitte etwas knistern. Spaß machen. Elektronische Musik schafft das bei mir nicht so.

Ich habe gelesen, Sie sind gern im Clärchens Ballhaus. Das ist eine tolle Location. Auch für den Tango Argentino :) Sie tanzen gern? Vielleicht auch den Tango Argentino?

Ich tanze sehr gerne, ja. Das fehlt mir auch wirklich sehr. Das Clärchens ist eine wirkliche Wohlfühloase. Am liebsten tanze ich einen Walzer. Ich gehe aber auch auf kleine Konzerte in Bars. Dive Bars.

Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?

Licht und Schatten reichen sich die Hand. Aber ich ziehe den Tag vor.

Sie haben im Jahr 2015 in Soko Stuttgart gespielt. Wie gut kennen Sie die Stadt? Mögen Sie Stuttgart?

Ich find es schön. Ich habe einen guten Freund in Stuttgart und ihn besuche ich gerne.

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Wenn ich einen konkreten Ort hätte, wäre ich hoffentlich dort. Ich habe Plätze und Erinnerungen, die ich zum Glück überall hin mitnehme. Das ist wertvoll, denke ich.


Ganz lieben Dank, für das schöne Interview. Merci

 



'Ich tanze gern. Tanzen ist was Wunderbares'

Saskia Vester


Foto: Saskia Vester mit Wolfgang Fierek - ZDF Bernd Schuller


„Marie fängt Feuer“

ZDF Sonntag, 09. Mai und 16. Mai, jeweils 20.15 Uhr - Neue Folgen der Herzkino-Reihe

„Marie fängt Feuer – Spiel des Lebens“

Marie gelingt es gerade noch rechtzeitig, zwei Kinder auf einem See zu retten. Ihr Vater hatte sie einfach vergessen. Seit dem Tod seiner Frau verfällt er immer mehr seiner Spielsucht. Und auch Philipp, der Vater von Maries Sohn Max, scheint zu vergessen, dass er Vater ist. Er verschwindet einfach und lässt den enttäuschten Max zurück. Marie muss ihre Familie schützen und entscheidet, dass Philipp keinen Platz in ihrem Leben hat. Sie will einfach das gemeinsame Leben mit Stefan genießen. Und so überraschen sich Marie und Stefan gegenseitig am Polterabend von Angie und Marco mit ihrem spontanen Entschluss, endlich zu heiraten.

„Marie fängt Feuer – Coming out“

Ausgelassen feiern die Wildegger die Hochzeit von Marie und Stefan. Endlich haben sie sich das Jawort gegeben. Dabei ahnen sie nicht, welcher Schicksalsschlag ihnen allen bevorsteht. Parallel findet Marie heraus, dass Stefans Seitensprung nicht ohne Folgen geblieben ist. Er wird wieder Vater. Eine erneute Prüfung für die beiden. Doch Marie ist klar, dass Stefan zu seinem Kind stehen muss – genauso wie sie zu ihrer Beziehung steht. Max ist frisch verliebt. In seine Mitschülerin Kirsten. Doch deren Leben gerät völlig aus den Fugen als sie ihren Vater beim Fremdgehen erwischt – mit ihrem Sportlehrer. Vollkommen überfordert sucht Kirsten die Hilfe von Marie.



Im Gespräch mit Saskia Vester

Marion Graeber

im April 2021


Hallo liebe Frau Vester, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr. Sind Sie in München?

Ja, wir sind zuhause.

Sind wir gar nicht so weit voneinander entfernt…

Genau. Lächelt. Quasi um die Ecke…

Für „Marie fängt Feuer“ waren Sie tatsächlich auch quasi um die Ecke. Gedreht wurde und wird in den Ammergauer Alpen. Wie weit ist das von Ihnen entfernt und wie viele Drehtage sind jeweils angesetzt?

Ich fahr von hier gute eineinhalb Stunden bis zum Drehort. Drehtage sind das immer so ungefähr 21.

Entstanden sind nun bereits die Filme 11 und 12. Im Jahre 2016 kam „Marie fängt Feuer“ das erste Mal im TV. Wie ist es nach den Drehpausen wieder auf die SchauspielkollegInnen zu treffen?

Herrlich. Das ist einfach herrlich. Beim Kindermädchen Henriette stoße ich immer wieder auf ein neues Team und bin mit allen möglichen Sprachen konfrontiert. Da genieße ich es sehr ans Set von „Marie fängt Feuer“ zu kommen. Das ist so „coming home“. Lächelt. Alles ist irgendwie gemütlich. Wir haben eine so schöne lockere Atmosphäre, so unaufgeregt. Man kennt sich, hat keine weite Anreise - das tut einfach gut.

Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrer Rolle Irene Reiter gereizt?

Die Figuren Irene und Ernst Reiter, finde ich sehr amüsant. Wie die immer miteinander kappeln und sich streiten. Ich mochte die Irene von Anfang an. Ihre Bodenständigkeit und ihre Klarheit.

Wie viel Saskia Vester ist in Irene Reiter?

Ich sehe mich nicht so sehr in Irene Reiter. Natürlich ist man in jeder Figur auch ein bisschen selbst zu finden. Das macht es auch authentisch. Das muss so sein. Aber ich bin schon ein anderer Typ. Ich bin nicht so pragmatisch und so cool wie Irene.

In „Marie fängt Feuer“ werden immer auch aktuelle Themen behandelt. Wie wichtig ist es Ihnen, dass gesellschaftlich relevante Themen in TV Filmen ab und an behandelt werden?

Das ist mir eigentlich gar nicht wichtig. Wichtiger ist, dass man eine gute Geschichte erzählt. Auch wie man sie erzählt. Und, dass sie gut geschrieben  ist. Es hängt auch ein bisschen vom Genre ab, wie man gesellschaftlich relevante Themen behandeln kann. Bei „Marie fängt Feuer“ ist das eine Mischform. Eine Unterhaltungssendung mit privaten Themen. Und, beim Film ist man per se bei der Unterhaltung - sonst würden wir eine Dokumentation machen. Lächelt.

Musik unterstützt Emotionen. Auch im Film. Haben Sie ein Lieblingsgenre?

Musik hängt für mich mit Stimmung zusammen. Ich höre gern Reggae, Jazz, Pop aus den 1980ern und auch Country Musik. Was ich nicht so gerne höre ist klassische Musik – die macht mich eher traurig.

Ich habe gelesen, Sie mögen gerne die Natur und im speziellen Ihren Garten. Stimmt das?

Lacht. Ja, das stimmt. … Aber welcher Mensch mag keine Natur? In der Natur tanken wir Kraft. Ohne Natur wären wir nicht auf dieser Erde.

Das stimmt. Aber, es gibt auch ausgesprochene Stadtmenschen….

Ja, da haben Sie recht. Für mich ist beides wichtig. Wir wohnen am Stadtrand und ich kann die Stadt haben, wenn ich will und bin der Natur trotzdem nahe. Das finde ich ideal.

Auch habe ich bei meiner Recherche gelesen, dass Sie Flugangst haben. Nun sind Sie mit „Das Kindermädchen“ weltweit unterwegs.

Ja. Lacht. Was soll man machen, wenn man so eine tolle und fantastische Rolle angeboten bekommt. Dann muss man das machen und eben reisen. Aber eigentlich ist das Reisen persönlich gar nicht mein großer Wunsch. Gerade auch wegen meiner Flugangst. Außerdem reise ich wirklich viel. Ich packe im Jahr zirka zwanzig Mal meinen Koffer ein und aus. Lacht.

In der Folge „Das Kindermädchen – Südafrika“ fliegen Sie in einem kleinen Sportflugzeug. Haben Sie das tatsächlich gemacht?

Nein. Das war im Studio. Aber ich habe gerade im vergangenen Jahr „Das Traumschiff“ gedreht. Wir waren auf den Malediven und ich musste in ein kleines Wasserflugzeug steigen. Das war für mich der Horror.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Mein Sehnsuchtsort ist da, wo meine Kinder sind und meine Familie ist.

Hatten Sie immer den Wunsch, Schauspielerin zu werden?

Ja, absolut. Ich hab schon mit fünf Jahren gesagt, dass ich Schauspielerin werden möchte.

Ich habe Sie in Interviews auch schon über Existenzängste bei SchauspielerInnen reden hören. Gerade in Corona Zeiten wieder ein großes Thema.

Ja, das ist richtig. Ich hatte jetzt unglaubliches Glück. Ich habe im vergangenen Jahr sechs Filme drehen dürfen. Fast so, als gäbe es kein Corona. Ich weiß das auch wirklich zu schätzen. SchauspielerInnen und TheaterschauspielerInnen die auf dem freien Markt sind, in der Selbstständigkeit, die haben es schwer. Es gibt zwar eine Corona Unterstützung aber man will ja auch spielen. Wir wollen spielen. Aber ohne Publikum können wir das nicht. Ein Musiker kann zuhause musizieren, ein Autor schreiben – wir SchauspielerInnen sind auf unser Publikum angewiesen.

Tanzen Sie gerne? Vielleicht auch den Tango Argentino?

Ja, ich tanze schon gern. Aber ich kann nicht so gut mit einem Partner tanzen weil ich immer führe. Lacht. Den Tango mag ich total gerne. Ich musste mal für einen Film Tango lernen. Das ist eine tolle Sache.

Was sind Ihre nächsten Projekte? Ich habe gelesen, „Marie fängt Feuer“ wird bereits ab dem 20. April weiter gedreht?

Das ist richtig. Und auch „Das Kindermädchen“ ist wieder mit neuen Folgen geplant. Außerdem hatte ich auch Theaterproben. Das Stück ist fertig geprobt und wir warten darauf die Premiere spielen zu dürfen. Eigentlich sollte die Premiere im März sein, nun ist sie in den Dezember verschoben.

Wie heißt das Stück?

„Willkommen bei den Hartmanns“ - es ist die Bühnenadaption des Films und ein richtig gutes Stück.



Vielen Dank, liebe Frau Vester für das schöne Interview





'Ich höre viel Jazz und auch viel Klassik'

Sabine Vitua

Foto: MKnickriem



„Ein Tisch in der Provence“

Medical-Reihe im "Herzkino" ZDF, Sonntag, 11. April 2021, 20.15 Uhr und Sonntag, 18. April 2021, 20.15 Uhr

 

In ihrer gerade eröffneten Landarztpraxis kreuzen Véro (Friederike Linke)  und Hugo (Nico Rogner)  in zwei neuen Folgen der "Herzkino"-Reihe verbal die

Klingen. Und auch in Véros Familie gibt es Konflikte. So lüftet Mutter Thérèse (Sabine Vitua)  ein jahrzehntelang gehütetes Geheimnis.


Im Gespräch mit Sabine Vitua

Marion Graeber April 2021


Hallo liebe Frau Vitua. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Da höre ich einen schwäbischen Dialekt. Lächelt.

Ja, meine Herkunft kann ich nicht wirklich verbergen...

Das Schwäbische ist mir sehr vertraut. Ich habe von meinem 10. bis 19. Lebensjahr in Isny im Allgäu gelebt.

Das ist schön...

Ich finde das sehr angenehm, dass wir heute an einem Nachmittag telefonieren können. Für mich als Nachtmensch ist das perfekt....Wie sieht das bei Ihnen aus?

Ich muss sagen, das hat sich jetzt doch alles durch die Pandemie etwas verschoben. Gerade dadurch, dass man am Abend nicht mehr so schön in die Restaurants gehen kann. An sich mag ich die Nacht sehr gerne. Ich hab aber das Problem, dass ich den Morgen auch so gerne mag. Wenn ich etwas arbeiten muss, mach ich das lieber morgens. Beispielsweise Text lernen. Dann wird es aber doch schwierig mit dem früh aufstehen, wenn man spät ins Bett kommt. Aber generell bin ich schon ein Mensch, der gerne spät ins Bett geht und den Abend und die Nacht genießt.

Da bleibt nicht viel Zeit zum Schlafen...

Ja. Lacht. Ich bin nicht so ein Freund des Nachmittags. Den könnte ich dann gerne 'wegschlafen'.

Das wäre auch eine Möglichkeit...

Man weiß ja leider, dass sich nicht alle Menschen nach den eigenen Bedürfnissen richten. Lächelt. Bei einem Drehtag kann ich dann leider nicht sagen, dass ich gern mal ein paar Stunden verschwinden würde. Aber die Menschen im Süden, die haben für mich so einen guten Rhythmus. Eine unglaublich lange Siesta ... und dann werden sie wieder aktiv. Das finde ich toll. 

Das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen. Die Lebensart in der Provence beispielsweise. Das wäre doch die Lösung für uns.

Absolut.

Wie haben Sie die Dreharbeiten für die Herzkino Medical-Reihe „Ein Tisch in der Provence“ empfunden? Ich habe gelesen, dass Sie die Provence auch als einen Sehnsuchtsort beschreiben...

Ja, das stimmt. Das empfinde ich wirklich so. Die Provence hat eine der schönsten Landschaften. Da bin ich sicherlich vom Allgäu geprägt. Ich mag es landschaftlich sehr gerne hügelig. Ich mag es nicht, wenn die Berge zu hoch sind aber dieses hügelige finde ich wunderschön. ... Und im Hintergrund, weit weg, die hohen Berge und das Wasser. Herrlich. Da bin ich in Berlin und Brandenburg natürlich aufgeschmissen. Lacht.

Ja, in Isny und generell die ganze Bodenseeregion, ist eine Region mit hoher Lebensqualität...

Ja, ich denke beispielsweise an die Möglichkeiten des Skifahrens und an das Schwimmen im  Bodensee. Ich war auch lange in Zürich am Theater. Den Süden finde ich auch wirklich besonders  schön.

Mütterlicherseits ist meine Familie aus Ravensburg....

Ah, das ist interessant. Unser Landkreis.

Wie lange wurde in der Provence gedreht?

Wir haben ja jetzt aktuell Teil drei und vier gedreht. Durch Corona war ich fast durchgängig, sprich zwei Monate, in der Provence. Es gab nur zwei Unterbrechungen. Das eine Mal war, als mein Mann 60 Jahre alt wurde. Da sind wir nach Mecklenburg gefahren. Das weitere Mal, da hatte ich eine Lesung in Isny.

Das war bestimmt eine intensive Zeit in der Provence...

Ja, das stimmt. Aber wir haben  nicht ständig alle zusammen gesessen.

Jeder braucht auch mal Zeit für sich...

Ja, das hat sich immer wieder ganz gut gruppiert. An den Wochenenden waren wir dann des öfteren alle zusammen. Aber mit meiner Spieltochter, muss ich sagen, hatte ich eine sehr intensive und schöne Zeit. Wir haben auch zusammen gelernt. Das war toll.

Wie haben Sie den Lockdown in Frankreich zu dieser Zeit erlebt?

Das war natürlich sehr hart. Man durfte sich nur einen Kilometer vom Wohnort entfernen. Da waren wir wirklich froh, dass wir drehen konnten und auf diese Weise ein bisschen 'raus' kamen.

Gut, etwas 'zu tun zu haben'...

Ja, wir haben teilweise schon angefangen im Supermarkt rumzubummeln. Das war dann wie ein Ausflug. Man durfte ja nicht ans Meer oder sonst wo hin. Frankreich hat das sehr radikal gemacht aber sie hatten auch enorme Zahlen.

Haben Sie die Lebensart in der Provence trotzdem etwas genießen können?

Abends bei Austern und Wein draußen sitzen und Text lernen – ja, das war herrlich.

Extreme Lockdown Erfahrungen. Auch zuhause ...

Ja, das muss man schon sagen. Wir wurden auch munter so ein bisschen dicker. Wir waren ja viel zuhause und haben gekocht. Wenn man nicht mehr so viel erlebt, da ist man dann nur noch am essen... Mein Mann ist da viel disziplinierter. Ich hatte das Gefühl, ich esse für drei Personen. Lacht.

Sie kochen gerne?

Ja, ich koche gerne. Auch gern für viele Menschen. Und wenn man dann so zusammen sitzt – das finde ich toll. 

Haben Sie ein Lieblingsgericht?

Ich bin nicht so sehr der Fleischliebhaber. Ich esse gerne variantenreich. Fisch und Meeresfrüchte mag ich wahnsinnig gerne. Ich bin aber auch sehr 'Pasta'. Ich könnte jeden Tag Nudeln essen.

Nudeln machen glücklich...

Absolut. Wenn man dann noch gute Zutaten verwendet, wie beispielsweise gute Öle und Gewürze. Herrlich. Ja, ich mag die südliche und auch die arabische Küche.

Wie charakterisieren Sie Ihre Rolle 'Thérèse'?

Thérèse ist für mich eine Festung, ein ganz harter Brocken. Eine sehr unglückliche Frau. Eine stolze Frau. Wir haben ja in der Provence dieses Haus, wie eine Burg – sehr unwirklich. Die Provence ist ja auch nicht so wahnsinnig lieblich, eher rau. Auch durch den starken Wind, den Mistral. Da muss man schon Kraft haben, dagegen standzuhalten. Mir kam es schon fast südspanisch vor. Stark, einsam, hart – so ist Thérèse. Sie ist sehr konservativ, sehr festhaltend an ihrem Status. Es ist so wichtig für sie, dass sie aus einer Arztfamilie kommt, dass ihr Mann Arzt war. Da war sie lieber unglücklich, als all das aufzugeben. Also, eine sehr schwierige Frau. Ihre Tochter ist diesem Leben zum Glück einmal ausgebrochen. Die Liebe zu ihrer Tochter hat Thérèse tatsächlich auch wach gerüttelt. Das finde ich besonders interessant.

Man sieht schon, dass sie starke Emotionen hat. Man sieht Schmerz, Liebe und Trauer.

Ja, absolut.

Das haben Sie toll verkörpert...

Das ist schön. Danke.

Haben Sie eine Lieblingsszene oder einen Part, der Sie besonders berührt oder herausgefordert hat?

Es war besonders schwierig meiner Tochter zu sagen, dass sie einen anderen Vater hat. Das war schon hart. So viele Jahre zu lügen und dann diesen Schritt zu gehen. Thérèse ist auch aggressiv - sie kann nichts mehr unternehmen, um das alles zu unterdrücken und damit kommt sie überhaupt nicht zurecht.

Das ist auch eine Verzweiflung...

Total. Ich glaube, wenn sie nicht so christlich wäre, würde sie sich aus dem Staub machen. Ich glaube wirklich, dass das ganz furchtbar ist, so etwas zu offenbaren. Ich muss sagen, diesen Mutter-Tochter-Konflikt finde ich schon unglaublich interessant. 

Ich habe gelesen, Sie sind sehr modeaffin... Wie können Sie diesbezüglich auf Ihre Rolle Einfluss nehmen?

Man bespricht das, entschieden wird das aber vom  Regisseur und von der Redaktion. Die südländischen Frauen haben ja immer so eine Eleganz. Die schwarzen Röcke bis über das Knie.. das ist für mich der Süden. Das ist eine ganz bestimmte Generation von Frauen. Es war mir sehr wichtig, dass Thérèse jemand ist, der auf sich selbst achtet. Auch in der größten Verzweiflung.

Was tragen Sie gerne?

Ich hab wahnsinnig gerne Hosen an. Ich liebe Kleider auch  und finde Frauen in Kleidern wunderschön aber weil ich so praktisch und immer so schnell unterwegs bin hab ich viel Hosen an.

Sie können viele Sachen tragen und toll aussehen... Elegant.

Oh, mehr davon ... Lacht. Freue ich mich.

Ich habe gelesen, Sie lieben es zu reisen... Gibt es einen Ort, den Sie gerne noch einmal sehen oder einen, den Sie gerne noch besuchen wollen?

Da gibt es ganz viel. Ich würde wahnsinnig gern nach Neuseeland. Da war ich noch nie. Die Reiseführer stehen schon bereit. Und, was ich gerne wieder sehen würde ist Island. Da war ich schon zwei Mal. Ich fand es dort so aufregend schön. Ich liebe die Natur und die Städte. Ich würde auch wahnsinnig gerne wieder nach Rom. Und nach Paris –  das ist schon fast ein Zuhause.  Wenn wir schon über das Reisen sprechen... Istanbul würde ich auch gerne sehen, St. Petersburg... auch Litauen würde ich gerne bereisen. Zwei meiner engsten Freundinnen leben in Wien und Kopenhagen. Beides wahnsinnig schöne Städte. Helsinki, Finnland... auch wundervoll...

Ich finde auch Prag sehr besonders. Überall erklingt Musik. Insbesondere Jazz und Klassik...

Ich bin für einen Dreh sechs Wochen in Prag gewesen. Wunderschön.

Musik spielt auch in Filmen eine große Rolle. Musik hebt Szenen hervor, begleitet emotional... Was ist Ihr liebstes Musikgenre?

Ich hab gar nicht so im Kopf, wie das bei „Ein Tisch in der Provence“ ist... Mir ist das ehrlich gesagt bei Filmen oft zu viel Musik und somit manchmal auch zu manipulativ. Musikalisch bin ich persönlich gerade in der „The Mamas & The Papas“ Phase. So ein bisschen Hippie .. Ich höre aber auch Jazz und ganz viel Klassik. Ich würde mal sagen, außer Hip-Hop höre ich eigentlich alles.

Ja, wenn Sie das so sagen, fällt mir auf, dass Sie wahrscheinlich gar nicht wissen, welche Musik wo im Film zum Einsatz kommt...

Ja, ich weiß auch nicht, wie der Film geschnitten wird... Ich habe keine Ahnung und gehe ins volle Risiko. Lacht.

Das ist interessant. So hat ein Film also verschiedene Ebenen. Verschiedene Emotionen...

Ja, total. Es ist immer überraschend. Das fühlt sich oft nach drei Filmen an. Das Buch, das Schauspiel und dann der Schnitt mit der Musik.

Da denkt man als Zuschauer gar nicht unbedingt darüber nach...

Natürlich nicht. Das ist auch gut so. 

Man sieht das Endprodukt..

Ja, ich glaube das ist auch ein großes Glück, wenn dann alles stimmt und richtig zusammen gekommen ist.

Ein Gesamtkunstwerk...

Ja, absolut.

Zur Musik gehört ja auch der Tanz. Tanzen Sie? Tango Argentino?

Den Tango Argentino hab ich auf der Schauspielschule gelernt. Das finde ich wahnsinnig interessant. Aber ich tanze lieber so für mich alleine. So ein bisschen freier und wilder.

Gefühle rauslassen ...

Ja, ganz genau.

Darf ich Sie zum Schluss noch fragen, ob Sie eine Traumrolle haben und ob Ihnen immer schon klar war, dass Sie gerne Schauspielerin werden wollten?

Nein, es war nie mein Traum, Schauspielerin zu werden. Das kam so. Eigentlich hätte ich gerne wissenschaftlich gearbeitet. Literatur interessiert mich bis heute am meisten. Mich über eine andere Rolle ausdrücken zu können, das finde ich aber auch sehr reizvoll. Musiker zu sein, das wäre vielleicht  noch toller. Lacht. Ja, etwas neues zu erleben und zu verkörpern  – das ist schon ein unfassbarer Anreiz. Das ist glaube ich auch das, warum man von diesem Beruf dann nicht mehr lassen kann. Ich mag auch die Vorarbeit, also das Erarbeiten einer Rolle, sehr gerne. Wie läuft die Figur, wie schaut so jemand ... Ja, ich glaube, diese Vorarbeit mag ich am liebsten.


Vielen, lieben Dank, liebe Frau Vitua. Das war ein so schönes, fröhliches Gespräch. Das war mir eine große Freude. Alles Liebe.

 

 




'Beats und lyrische Sprache, das ist etwas, was mir sehr am Herzen liegt und mir sehr gefält.

Elektronische Rhythmen mit klassischer Literatur'

Philipp Hochmair

Foto: Nils Schwarz



„ Blind ermittelt – Tod im Fiaker“: Sophie (Patricia Aulitzky) besucht mit ihrem Bruder Alexander Haller (Philipp Hochmair) eine barrierefreie Ausstellung in der Privatbank Schachner, die von ihrer guten Freundin und Bankiersfrau Solveig (Florence Kasumba) kuratiert wird. Als deren Mann auftaucht, bricht er vor ihren Augen tot zusammen. Auch Sophie wird vergiftet, als sie Erste Hilfe leistet. Eindeutig ist Zyankali im Spiel. Niko (Andreas Guenther) hat beobachtet, dass sich der Bankier davor bei einem Kutscher Kokain besorgt hat, und wird in die Fiaker-Szene eingeschleust. Doch auch der Prokurist Dr. Hohmann (Gabriel Raab) und die junge Witwe Solveig scheinen etwas zu verbergen zu haben…

„ Blind ermittelt – Lebendig begraben“: Der Tag, an dem Ex-Kommissar Alexander Haller (Philipp Hochmair) durch einen Bombenanschlag seine Verlobte und das Augenlicht verlor, hat sein Leben für immer verändert. Als bei einem Mordopfer eine rätselhafte Notiz mit genau diesem Datum auftaucht, bittet ihn seine Nachfolgerin Laura Janda (Jaschka Lämmert) um Unterstützung. In den Polizeiakten stoßen sie auf eine Spur: An dem Tag des Anschlags gab es einen weiteren Todesfall. Ein Verdächtiger nahm sich in der Untersuchungshaft das Leben. Doch wie hängen die Fälle zusammen? Zusammen mit seiner rechten Hand Niko (Andreas Guenther) rollt der ehemalige Chefermittler den abgeschlossenen Fall wieder auf. Während Haller nach dem Mörder sucht, ist dieser ihm längst näher, als er denkt. Denn der Unbekannte hat auch mit dem Ermittler noch eine Rechnung offen.

An der Seite von Philipp Hochmair und Andreas Guenther spielen wieder Patricia Aulitzky, Jaschka Lämmert und Michael Edlinger. In Episodenrollen sind Florence Kasumba, Emily Cox, Gabriel Raab, Alexander Beyer u.a. zu sehen.


 Das Erste „Blind ermittelt - Tod im Fiaker“, Donnerstag, 8. April  und  Blind ermittelt - Lebendig begraben“, Donnerstag, 15. April

Folge 4 und 5 - jeweils um 20.15 Uhr


Im Gespräch mit Philipp Hochmair

Marion Graeber 01.04.21


Hallo lieber Herr Hochmair. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr.

Natürlich...

Wo sind Sie gerade...

Ich bin in Wien.

Haben Sie auch so schönes, sonniges Wetter?

Ja, endlich Frühling.

Nun ist es wieder soweit und Das Erste strahlt zwei neue Folgen von „Blind ermittelt“ aus. Wurden die Filme im vergangenen Jahr unter Corona Bedingungen gedreht?

Ja, das war der heiße Sommer 2020 in Wien. Glühende Stadt. Es war meine erste Corona-Film-Erfahrung. Wir wurden alle regelmässig getestet und hatten sehr strenge Auflagen am Set. Zum Glück sind alle gesund geblieben und wir konnten beide Folgen erfolgreich zu Ende bringen..

Sicher auch ein extremes Erlebnis, plötzlich die Crew, das Team um einen herum mit Masken vermummt zu sehen...

Ja, das stimmt. Bis auf die Schauspieler hatten alle permanent Masken auf. Keine Reaktionen der anderen sehen zu können, war wirklich seltsam. Auf jeden Fall ein Verlust. Es ist immer schön, die Reaktion des Teams zu spüren.

Die Mimik fehlt…

Ganz genau.

Die erste Folge von „Blind ermittelt“ wurde im Jahr 2018 ausgestrahlt. Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrem Charakter „Alexander Haller“ gereizt?

Das war eine ganz neue Herausforderung. So einen Ermittler gab es im Fernsehen bis jetzt noch nicht. Alexander Haller verliert bei einem Anschlag sein Augenlicht und muss von einem Tag auf den anderen damit zurecht kommen. Als Sehender weiß man vielleicht gar nicht, wie anders und gefährlich der Alltag für Blinde ist. Blinden Menschen auf diese Weise ein Forum zu geben, ist sicher ein wichtiger Aspekt dieser Reihe. Jeden von uns könnte dieses Schicksal jederzeit treffen.

Bei „Tod im Fiaker“ (Folge 4) wird der Zuschauer in eine Kunstausstellung mitgenommen. Dort sind Wege für Blinde installiert. Auch Säulen mit Erklärungen zur Kunst in Blindenschrift sind vorhanden. Eine tolle Sache...

Ja, eine schöne Vision, wie man Kunst für jeden zugänglich machen könnte. Ein Kunstexperiment.

Eine großflächige Umsetzung wäre wünschenswert...

Absolut. Dafür sind Filme auch da. Solche Dinge zu erfinden und auszuprobieren.

Wie herausfordernd ist es einen blinden Ermittler zu spielen? Ich habe gelesen, Sie haben sich it „Dialog im Dunkeln“ vorbereitet...

Genau. Das interaktive Museum „Dialog im Dunkeln“ von Blinden für Sehende in Hamburg und Wien hat mir auf der Suche nach dem Charakter und seiner Wahrnehmung sehr geholfen. Aber es war für uns alle eine Herausforderung, die Welt eines Blinden im Fernsehen für Sehende erfahrbar zu machen.

Gibt es eine Szene, welche Sie besonders berührt hat? ... Wobei diese Frage wahrscheinlich eine schwierige ist... sind Sie ja bereits bei Film 5 angelangt..

Was mir besonders gut gefallen hat ist tatsächlich die fünfte Folge „Lebendig begraben“, in der es darum geht, wie Alex Haller in seine Vergangenheit zurückgeworfen wird. Wo er nochmal in seinem Kopf überprüfen muss, was damals in den Tagen um seine Erblindung passiert ist. Er muss sich mit den Fehlern seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Das war sehr spannend. Für den Zuseher stellt sich eine Art Innensicht her, in Alexander Hallers Gedanken. Wir mussten hier auch eine andere Ebene finden, damit der Zuschauer die Möglichkeit bekommt, mitzugehen – hinein in Hallers Welt. Das ist vielleicht auch der Unterschied zu anderen Krimis. Wir erleben Alexander Hallers Wahrnehmung ein Stück weit mit.

Sie haben sich schon früh mit Literatur und Kunst beschäftigt. Was bedeutet es Ihnen, künstlerisch tätig zu sein?

Wie auch bei „Blind ermittelt“ geht es ja in der Kunst um eine andere Wahrnehmung. Eine Erweiterung der Perspektive. Zu zeigen, dass es noch eine andere Realität neben der Alltagsrealität gibt. Damit zu spielen, ist letztendlich mein Anliegen. Auch, dass wir uns dieser anderen Realität widmen dürfen. Fernab der täglichen Sorgen. Es gibt die Welt der Fantasie, die Welt der Kunst.  Darum freut es mich auch, dass Ihnen in Folge 4 aufgefallen ist, wie wichtig und besonders es ist, auch blinden Menschen eine Kunstausstellung zu ermöglichen. Man darf freier assoziieren und muss die Welt nicht immer nur so abbilden, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheint.

Gibt es eine Tageszeit, welche Sie besonders lieben? In welcher Sie Ihre Kreativität besonders gut leben können? Und vielleicht auch besondere Orte?

Wenn Sie mich nach einer Tageszeit fragen, ist die Nacht mein Freund. Wenn die Welt schläft und eine andere Konzentration und Ruhe einkehrt. Aber auch der Morgen, wenn sich das Leben regt und der Tag noch frisch vor einem liegt. Einen Ort kann ich jetzt nicht benennen. Ich versuche mich in Flexibilität zu üben und überall etwas Interessantes zu entdecken. Im Lockdown, wo man an einen Ort gebunden ist, ist das ja auch eine besondere Herausforderung. Wo sich der Bogen schließt und wir auch wieder bei „Blind ermittelt“ angelangen. Bei nicht sehenden Menschen ist es der Kosmos, der nach innen verlagert ist. Vielleicht ist man im Lockdown eben auch gezwungen, etwas mehr nach innen zu gehen. Man verzichtet auf das Reisen, auf eine Dynamik von außen. Man muss jetzt ins Innere reisen, herausfinden, wo man stattfindet, ganz ohne äußere Veränderungen. Sich neu entdecken, neue Wege gehen oder vielleicht auch gehen müssen...

Alexander Haller ist in „Blind ermittelt“ Jazzliebhaber. In „Jedermann“ und mit Ihrer Band „Die Elektrohand Gottes“ steht die Rockmusik im Vordergrund. Was ist Ihr liebstes Musikgenre?

Jedermann Reloaded“ ist eine Solo-Adaption von Hoffmannsthals Stück „Jedermann“ mit Rockmusik. Unser neuestes Projekt ist wieder ein Crossover aus Literatur und Musik und heißt „Schiller Rave“. Es ist die Begegnung von Schillers Balladen mit Techno und elektronischen Beats. Also wenn Sie mich nach meiner Lieblingsmusik fragen – mich interessiert das Experiment klassische Literatur mit ungewöhnlichen Sounds zu konfrontieren und somit auch ein junges Publikum dafür zu begeistern.

Zur Musik gehört auch immer die Bewegung. Tanzen Sie gerne?

Natürlich… (lächelt) Gerade als Schauspieler mit Rockband ist dieses Crossover aus Theater und Rockkonzert oder Techno-Performance so konzipiert, dass es sich auf den Zuschauer übertragen soll. Es gab auch schon Vorstellungen, in denen Zuschauer von ihren Stühlen aufgesprungen sind und mitgetanzt haben. (lächelt) Das war ein Erlebnis, als wir beispielsweise in einem Schwimmbad Open Air spielten und die Menschen plötzlich anfingen zur Glocke von Schiller zu „dancen“ und zu „raven“.

In „Blind ermittelt  - Tod im Fiaker“ fällt auf, dass alles bis ins Kleinste durchdacht ist. Überall im Film begegnet man Pferden...

Ja. (lächelt). In dieser Folge wird das Thema des Fiakers immer wieder zitiert. Das ist auch am Beispiel der beiden Musiker mit den Pferdeköpfen sichtbar. Sie sind stadtbekannte Wiener Straßenmusiker, die wir in den Film eingebaut haben.

Auch ist mir die Verschlusskappe einer Whiskey Flasche aufgefallen – ein Pferdekopf...

Diese Flasche stand zufällig in der Bar, in der wir gedreht haben. Die haben wir dann gleich verwendet.

Ich habe gelesen, Sie kochen gerne. Haben Sie ein Lieblingsgericht?

Ich koche am liebsten mit Dingen, die ich zufällig am Markt entdecke und noch nicht kenne. Ich lass mich dann treiben und schaue was passiert. Ich probiere gern aus. Das alles ist auch eine Form der Abenteuerlust. Man kennt ja das Sprichwort: „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht“. Aber ich finde, dass man mit neuen Gerichten und Kochexperimenten seine Wahrnehmung lebendig halten kann.

In „Blind ermittelt“ geht es auch um tiefe Beziehungen. Wie wichtig sind Ihnen tiefe Begegnungen mit Menschen?

Das ist essentiell und macht unser Leben aus. Die tiefe Begegnung mit Menschen, so glaube ich, ist es, warum wir auf dieser Welt sind. Das ist auch für Alexander Haller besonders und entscheidend. Sein wichtigster Partner, seine Ehefrau stirbt bei dem Anschlag bei dem er auch sein Augenlicht verliert. Dieser Verlust des geliebten Menschen und die Erblindung ist sein großes Trauma. In der ersten Folge will er sich daraufhin auch das Leben nehmen. Ein Berliner Taxifahrer rettet ihn davor und wird zu seinem Freund. Er wird so mit einem Menschen zusammengeführt, den er früher vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte.

Sich auf Menschen einlassen... Ein Gewinn für alle...

Ganz genau...

Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Mexiko City. Da wäre ich jetzt gerne. Da könnte man auch sicher viele exotische Kochexperimente wagen.




Vielen lieben Dank, Herr Hochmair. Das war ein schönes Gespräch und ich hab mich sehr gefreut, dass Sie Zeit für mich hatten.





'Ich durfte ein paar Mal in Filmen singen - das hat mir sehr viel Spaß gemacht'

Merab Ninidze

Foto: ZDF Stefan Erhard




Sechsteilige Primetime-Serie - Doktor Ballouz - immer donnerstags in Doppelfolge 08. April/15. April/22. April Dr. Amin Ballouz, Chirurg und Chefarzt einer kleinen Klinik in der Uckermark, ist kein gewöhnlicher Doktor. Knittriger Trenchcoat, kleiner Trabi und vor allem ein großes Herz im Umgang mit den Patienten sind seine Markenzeichen. Gemeinsam mit seinem Team ist er die letzte Bastion der medizinischen Versorgung in dem idyllischen, aber strukturschwachen Landstrich an der polnischen Grenze. Als junger Mann ist er aus seiner Heimat geflohen und genau dort, in der Uckermark, hängen geblieben. Aus Liebe zu seiner Frau Mara, aber ebenso zu dem Land und seinen Menschen, die ihn aufgenommen haben. Für ihn sind seine Patientinnen und Patienten und seine Kolleginnen und Kollegen seine Familie. Erst recht, seit Mara nicht mehr bei ihm ist. Ballouz ist Witwer. Seither arbeitet er noch mehr und verlässt die Klinik meist spät nachts. Zu Ballouz' Team gehören die Neurologin Dr. Barbara Forster, mit der ihn eine tiefe Freundschaft verbindet, Dr. Mark Schilling, ein zielstrebiger Oberarzt, sowie die Assistenzärztin Dr. Michelle Schwan, die in Ballouz ebenso einen Mentor findet, wie der rebellische Außenseiter Vincent, der im Krankenhaus als Reinigungskraft Sozialstunden leistet. Die Patientenfälle, mit denen es Dr. Ballouz zu tun bekommt, sind dramatisch und hochemotional. Und gleichzeitig spiegeln sich in ihnen aktuelle gesellschaftliche Themen wider.


Im Gespräch mit Merab Ninidze

Marion Graeber im März 2021


Hallo lieber Herr Ninidze. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich wirklich sehr. Sie rufen aus Wien an?

Natürlich, sehr gerne. Ja, ich bin gerade in Wien.

Im April sind sechs Folgen von Doktor Ballouz im ZDF zu sehen. Wurde im vergangenen Jahr gedreht?

Wir haben im Februar 2020 angefangen zu drehen und mussten am 18. März wegen Covid abbrechen. Ende Mai haben wir die Dreharbeiten dann wieder aufgenommen. Begleitet wurden die Drehs von zwei bis drei Tests die Woche. Auch die Hygienemaßnahmen wurden umgesetzt und die Einhaltung der Abstände zu den anderen Schauspielern. Aber wir haben das gut geschafft obwohl es nicht einfach ist unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Wir fühlen uns fast wie Helden. Lacht.

Was mögen Sie ganz besonders an Doktor Ballouz und was hat Sie an der Verkörperung dieser Figur gereizt?

Doktor Ballouz ist ein guter Mensch. Das hat er in sich. In sich trägt er aber auch diesen Schmerz über den Verlust seiner Frau, die ganz plötzlich und unerwartet gestorben ist. Doktor Ballouz nimmt sich Zeit für seine Patienten. Öffnet sein Herz. Doch nicht nur die Patienten profitieren davon. Auch er selbst. Denn mit dem Verlust seiner Frau ist so eine gewisse Leere in ihm entstanden. Nicht nur seine Mitmenschen brauchen ihn, auch er braucht sie damit er seine Sorgen und Schmerzen auf die Seite legen kann. Wenigstens für eine kurze Zeit.

Es sind sehr berührende Szenen und Momente entstanden...

Ja, danke. Die Szenen waren auch am Set für uns teilweise sehr berührend. Diese zu spielen war oft sehr emotional.

Man merkt Ihnen das an. Man möchte fast sagen, viele Szenen sind Ihnen wie auf den Leib geschneidert.. Sie strahlen eine Güte aus. Wie viel Merab Ninidze ist denn in Doktor Ballouz?

Ich glaube tatsächlich, dass ein Teil von mir in Doktor Ballouz ist. Die Rolle hat etwas in mir als Schauspieler angeregt, was in anderen Rollen nicht von mir verlangt wurde. Diese Menschlichkeit, die Wärme, die positive Haltung, aber auch diese Traurigkeit. Ballouz trifft auf die großen Fragen, worauf es keine Antworten gibt. Und trotzdem versucht er sich am Leben zu halten und nicht hinten runter zu fallen. Denn auch das hätte ihm leicht passieren können. Ich glaube die Figur hat einfach grundsätzlich auch eine Ähnlichkeit mit mir, mit meiner Geschichte. Ich bin erst mit meinem 30. Lebensjahr in den deutschsprachigen Raum gekommen. Ich hab kein Wort deutsch gesprochen und ich musste irgendwie überleben in dieser neuen Welt. Ich schätze, Ballouz ging es am Anfang seines Lebens auch so. Kriege, Bürgerkriege – man bekommt über diese Erlebnisse eine andere Sensibilität für Menschen. Menschen mit so einem Hintergrund, diesem Schicksal, sind für immer geprägt.  Vielleicht sind das eben auch die Eigenschaften, die mich mit Doktor Ballouz verbinden. Die ich Doktor Ballouz auch leihen durfte. Ich hatte manchmal auch das Gefühl dafür, wie es Ballouz geht, da ich diese, meine Erfahrungen gemacht habe. Das passiert sehr selten in unserem Beruf. Wenn du ein Leben lang spielst, wird das auch etwas zur Routine. Wenn einen dann eine Rolle so mitreißt - es war eine Freude, diese Rolle zu verkörpern. Das hat mich persönlich sehr gerührt.

Man sieht bei Ihnen immer auch ein bisschen Melancholie… Ich habe recherchiert, dass Sie auch einen Bezug zur Musik und zum Gesang haben…

Ich bin oft in meiner Heimat Georgien und kenne dort viele Künstler. Ich hatte tatsächlich nie große Ambitionen, Sänger zu sein aber ich wurde zu verschiedenen Projekten von Musikern und Komponisten eingeladen. Lacht. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe aber nicht daran gedacht, dass ich das professionell mache. Bei uns in Georgien singt jeder Mensch. Das ist ganz normal und von Geburt an in uns angelegt. Singen gehört zur Kultur und ist ein Teil von gelebter Gemeinschaft. Deswegen war das für mich auch nichts besonderes. Lächelt. Ich durfte auch ein paar Mal in Filmen singen. Auch das hat mir viel Spaß gemacht.

Gerade der Bossa Nova steht Ihnen so gut. Das müssen Sie unbedingt weiter verfolgen…

Dankeschön, vielen Dank.

Welches Musikgenre mögen Sie besonders gern?

Meine Großmutter war Musiklehrerin. Obwohl ich nicht gerne Klavierunterricht gehabt habe, bin ich doch zehn Jahre in die Musikschule gegangen. Ich hab das aus großem Respekt und großer Liebe zu meiner Großmutter gemacht, obwohl ich das manchmal gehasst habe. Lacht. Gehasst ist übertrieben…. Aber als ich jung war, dachte ich, das passt irgendwie nicht. Heute bin ich sehr dankbar dafür, dass sie mich gezwungen hat. Lächelt. Ich hab auch über den Musikunterricht viel besser Sprachen gelernt und auch das Thema, wie erarbeite ich mir eine Rolle und lerne einen Text, ist mir über den musikalischen Unterricht leichter gefallen. Auch wie man Figuren in Nuancen unterschiedlich darstellen kann, ist mir über die Musik verdeutlicht worden. Ich habe also über den Musikunterricht viel gelernt, was mir heute als Fundament und Basis für die Schauspielerei dient.

Haben Sie schon mal den Tango Argentino getanzt?

Ich musste Tangounterricht für „Der Kameramörder“ nehmen. Das war vor ein paar Jahren. Aber als ich in Budapest zum Tangounterricht kam, war das irgendwie enttäuschend. Obwohl ich gern Tango tanzen möchte. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, aber ich war irgendwie unfrei.

Sich fallen lassen dauert manchmal….

Das stimmt. Lacht.

Der Film Doktor Ballouz spielt in der Uckermark. Wie haben Sie die Natur dort empfunden?

Die Uckermark. Lächelt. Ich wusste damals gar nicht, wo das ist. Ich bin zuvor nie dort gewesen. Als man mir sagte, dass es in die Uckermark geht, musste ich auf der Landkarte schauen, wo das ist. Ich finde die Landschaft unglaublich. Das ist ein bisschen so wie in der Toskana. Irgendwie auch ganz eigen. Als ich die Landschaft gesehen habe, war diese für mich vergleichbar mit der Seele von Doktor Ballouz. Irgendwie reich an Natur und doch auch leer. Das war für mich so ein bisschen die metaphysische Übersetzung. Das konnte ich umsetzen – diesen Zustand, hinein in die Figur. Das klingt vielleicht komisch, aber so etwas kann genau so passieren.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Ich habe Sehnsucht danach, was vielleicht in meiner Jugend aufgehört hat. Der Bürgerkrieg in Georgien hat alles kaputt gemacht. Das hat die Menschen sehr geprägt. Es hat Jahre gedauert, aus diesem Trauma wieder herauszukommen. Das loslassen zu können. Ich habe die Sehnsucht nach einer gut aufgehobenen Kindheit an einem paradiesischen Ort. Aber das ist alles vorbei. Das ist weg. Und, man kann das nicht wieder haben. Aber diese Sehnsucht kann man sich manchmal wieder ein bisschen am Filmset erfüllen. In und mit einem kreativen Leben. Beim Filmset vergesse ich, dass ich diese Sehnsüchte habe, weil ich mich in Sehnsüchte von anderen Figuren hineinbegebe und mich mit ihnen beschäftige. Das ist sehr heilend.


Vielen Dank, lieber Herr Ninidze, dass Sie mir diese wundervollen Einblicke gewährt haben. Lieben Dank.  





'Ich habe in Graz neben meiner Schauspielausbildung einen besonders tiefen Tango getanzt.
Dramatisch und sehr körperlich. Das hat mich sehr an das Schauspiel erinnert. Dieses nicht alles bekommen was man möchte,
dieses verhandeln, dieses knistern.'

Matthias Lier

Foto: SRF/Sava Hlavacek


Frühling 1945 endlich Frieden in Europa. Drei junge Menschen stellen sich in der Schweiz der Nachkriegszeit grossen Herausforderungen. Die Sehnsucht nach einem Neuanfang ist riesig, aber die Vergangenheit lässt sich nicht einfach abschütteln. Eine Geschichte über den guten Willen und den Verlust der Unschuld. Frühling 1945 in der Schweiz herrscht Aufbruchstimmung auch für drei junge Menschen. Klara, 23, die idealistische Tochter der Fabrikantenfamilie Tobler, arbeitet in einem Flüchtlingsheim. Dort trifft sie auf Kinder und Jugendliche, die das KZ überlebt haben. Diese Begegnung erschüttert ihren Glauben ans Gute im Menschen und löst einen heftigen Konflikt mit ihrer Familie und ihrem Ehemann aus. Klaras Gerechtigkeitssinn verbindet sie mit ihrem Schwager Egon Leutenegger, 32. Der ehrgeizige Bundesbeamte stellt sich in den Dienst seines Landes. Sein klares Ziel: In die Schweiz geflüchtete Nazis sollen ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Dabei wird Egon von Politik und Wirtschaft Steine in den Weg gelegt. Im Spannungsfeld von Idealismus und ökonomischen Realitäten steht Klaras Mann Johann Leutenegger, 28. Sein Schwiegervater hat ihn mit der Leitung des Familienunternehmens betraut. Jetzt steht dieses vor dem finanziellen Abgrund. Mit einem ambitionierten Plan will der Jungpatron Firma und Belegschaft retten. Doch dafür müsste er sich auf dubiose Geldgeber einlassen. Wie wird er sich entscheiden? «Frieden» betrachtet mittels einer Familiengeschichte ein wichtiges Stück Schweizer Historie, das in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Es ist auch das Portrait einer Generation, die nach dem Krieg massgeblich daran beteiligt war, die Grundlagen für die Schweiz von heute zu schaffen. Und es ist eine Geschichte über den guten Willen dieser Generation und wie sie dabei ihre Unschuld verloren hat. Die Arbeit an dieser Thematik beschäftigte Drehbuchautorin Petra Volpe («Die göttliche Ordnung», «Heidi») mehrere Jahre. Die sechsteilige Dramaserie ist eine Produktion von Zodiac Pictures in Koproduktion mit SRF und Arte. Zudem unterstützten das nationale Grossprojekt die SRGSSR sowie die Zürcher Filmstiftung, der Teleproduktions-Fond und das Bundesamt für Kultur. An der Seite von Max Hubacher («Der Läufer», «Der Verdingbub»), Annina Walt («Der Bestatter», «Amateur Teens») und Dimitri Stapfer («Sohn meines Vaters») spielen Stefan Kurt («Papa Moll», «Akte Grüninger»), Sylvie Rohrer («Der Läufer»), Therese Affolter («Die kleine Hexe», «Die göttliche Ordnung») und viele andere. Die Figur Rudolf Schneider spielt Matthias Lier. Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 13. Mai und 28. August 2019 statt. Unter anderem wurde in Glarus, Zürich, Fribourg, Luzern und Bern gedreht. Regie führte Michael Schaerer («Lina», «Die kleine Hexe»).


ARTE - Reihe "Frieden" Donnerstag, 25. März, 21.10 Uhr und Donnerstag,  1. April, 21.15 Uhr




Im Gespräch mit Matthias Lier

Marion Graeber im März 2021



Hallo lieber Herr Lier, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Ich danke Ihnen, dass Sie Interesse haben. Ich freue mich auch sehr.


Wie geht es Ihnen, sind Sie in Berlin?

Ich bin in Berlin. Mir geht es gut. Ich habe die Corona-Zeit persönlich und künstlerisch gut für mich genutzt. 


Können Sie Beispiele nennen?

Persönlich hab ich die Zeit genutzt um mit meiner Partnerin einen Schritt weiter zu gehen. Künstlerisch gesehen hab ich sozusagen zu einem guten Kern in mir selbst gefunden. Ich bin zur Ruhe gekommen und konnte an meine eigene, innere Stärke andocken. Außerdem habe ich mein zweites Drehbuch geschrieben und auf den Weg gebracht.


Dann konnten Sie die Zeit ausfüllen….  

Ja, aber es ist schon auch so, dass es immer wieder auch das Hoch und das Tief gibt. Aber, das mag ich als Schauspieler auch. Dieser Wechsel und das Wissen darum, wenn ich im Tief bin, dann dauert das seine Zeit. Und dann, dann folgt auch wieder das Hoch. Ich genieße diese Phasen und versuche, mich dabei selbst zu sehen - wie ich reagiere und agiere. Das macht das Dasein lebendig. Das macht mir Spaß. Erfahrungen, die ich da sammele, kann ich dann später auch in meine Figuren einfließen lassen. 


Ich habe gesehen, Sie kennen Stuttgart?

Aber wie. Lacht. Wie meine Westentasche. In Stuttgart hat alles angefangen. In meinem ersten Leben war ich Ingenieur. Nachdem ich mein erstes Ingenieursstudium erfolgreich abgeschlossen habe, hab ich in Stuttgart-Vaihingen noch Kybernetik studiert. 

Wie lange waren Sie in Stuttgart?

Das war gar nicht so lange. Es waren drei Jahre. Aber diese drei Jahre waren sehr intensiv und haben sich dadurch wie sechs Jahre angefühlt. Ich hatte in Stuttgart wirklich eine der schönsten Zeiten meines Lebens.


Inwiefern?

Ich habe ganz tolle Leute kennengelernt. Dann war Stuttgart für mich einfach auch eine super interessante Stadt, in der viel passiert. Ständig waren irgendwelche Demonstrationen. Lacht. Dann die vielen Kulturangebote. Die Röhre, der Palast der Republik, das Nordbahnhofgelände, wo Architektenfreunde die Eisenbahnwagons hatten... Das war einfach alles 'wow'. 


Das hört sich nach einer intensiven Zeit an…

Ja, absolut. Dann nachts über den Zaun in die Weinberge und mit einer Flasche Rotwein und Blick auf Stuttgart über Gott und die Welt diskutieren. Ich hab die Zeit genossen. 


Haben Sie noch eine Anekdote?

Ja. Lacht. Wir waren kurz davor den Mercedes-Stern auf dem Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs in ein Peace-Zeichen umzuwandeln und wir waren  schon in der Vorbereitung. Damals war der Bereich um den Stern nicht gesichert. Doch kurz bevor wir loslegen wollten, wurde der Bereich doch abgesperrt und unser Traum war geplatzt. Lächelt.


Sind Sie heute auch noch gern in Stuttgart?

Ich bin immer noch gern in Stuttgart und spüre dann doch wieder den kreativen Spirit aus meiner Zeit dort, auch wenn sich vieles verändert hat. Am Forum Theater hat damals für mich alles angefangen. Nach zwei Wochen Laientheater dachte ich mir "Jetzt wirst du Schauspieler".  Dann ging ich auf die Schauspielschule in Graz und danach war ich am Theater in München.


Dann hat das alles in Stuttgart begonnen?

Ja. Ich war begeisterter Theatergänger, und Stuttgart hat ja einige Theater zu bieten. Aber ich bin nie auf die Idee gekommen Schauspieler zu werden. Das ist einfach so passiert, einfach weil das Angebot da war, drauf gekommen wäre ich nicht. 


Ein gutes Beispiel dafür, dass man sein Leben immer in andere Richtungen lenken kann… 

Absolut. Das war für mich meine Wendezeit 2.0 da ich aus dem Osten komme und dort ja  die, beziehungsweise meine, erste Wende miterlebt habe. Das Gefühl der Wende, das steht für mich für ein Gefühl des Aufbruchs, verbunden mit einer positiven Perspektive auf dem Weg ins Unbekannte. So habe ich die Wende einfach nochmal gemacht. Lächelt. Das reine Denken als Perspektive für mein Leben, das hat nicht gestimmt. Und so kam das Schauspiel. Weg vom Denken, hin zum Fühlen.


Sie schreiben auch Drehbücher … 

Das stimmt. Das hat schon am Residenztheater in München angefangen. Dort war ich vier Jahre Ensemblemitglied. Mit der Regisseurin Marie Bues, die ich übrigens in Stuttgart kennengelernt habe, hab ich angefangen, ein Theaterstück  zu schreiben. Es ist das Stück „Gib mir einen Kuss – Porträt einer Bestie“ entstanden. …  Marie wurde später künstlerische Leiterin an der Theater Rampe in Stuttgart. Wir sind bis heute eng in Kontakt.  Danach hab ich bei verschiedenen Projekten an Dialogen mitgeschrieben. Im Jahre 2017 habe ich dann gemeinsam mit einem befreundeten Regisseur ein Drehbuch über die Situation auf Lesbos geschrieben. Und nun also ein weiteres Drehbuch. Es handelt von meiner Heimat Thüringen und ich würde mich sehr freuen, wenn das alles klappt. Ein Drehbuch zu schreiben ist für mich eine wunderbare Mischung aus Denken und Fühlen. Da kommt beides zusammen. Es ist auch gar kein neuer Weg, den ich damit gehe. Es ist für mich eine Ergänzung – ich entdecke dabei die Figuren nochmal ganz anders und das macht mich auch zu einem besseren Schauspieler. 


Der Blick wandelt sich … 

Ja, genau, der Blick wandelt sich und ich kann der Figur noch gezielter und noch mehr von mir persönlich mitgeben. 


Das hört sich nach einer sehr intensiven Arbeit an… 

Es ist wahrscheinlich so, wie beim Tanz. In einer Choreographie gibt es einen Anfang, die Mitte und das Ende. Wenn man geübt ist, kennt man die Stationen und den jeweiligen Rhythmus. Der Film ist dann wie ein Tango – zuerst kommt der große Auftakt „hier bin ich“, dann kommen die Phasen der Sensibilität, dann der Wendepunkt und daraufhin der Abschluss. Diese Phasen zu verinnerlichen, das hilft dem Tänzer selbst, weil er an die Energien anknüpfen kann. Mir als Schauspieler hilft es, das ganze Drehbuch zu sehen. 


Das ist ein schöner Vergleich… Sie haben in „Der Alte – der letzte Tanz“ auch getanzt. Was bedeutet es Ihnen zu tanzen?

Ich habe in Graz, neben meinem Schauspielunterricht, Tango getanzt, bei Luigi. Das war besonders tief getanzter Tango, dramatisch und sehr körperlich. Das hat mich interessiert. Diese Spannung im ganzen Körper. Das war pure Erotik. 


Da kann wahrlich Magie entstehen… 

Absolut. Das hat mich aber auch sehr an das Schauspiel erinnert. Meine Ausbildung hab ich für die Bühne gemacht und ich habe auch die Theaterarbeit anvisiert. Auf der Bühne ist auch diese Spannung wichtig … dieses nicht alles bekommen, was man möchte … dieses verhandeln … dieses knistern…


Ein Spiel … 

Ja, genau. 


Welches Musikgenre lieben Sie?

Bei unseren Tangostunden, bei Luigi, haben wir nie traditionelle Tangomusik gehört. Wir haben zu allem getanzt. Früher in den 1990er Jahren hab ich selbst elektronische Musik gemacht. Mein Jugendzimmer sah aus wie ein Musikstudio. Alles war voll mit Synthesizern. Natürlich hab ich auch den Stuttgarter Sprechgesang gehört. Lacht.  Was mich nach wie vor sehr berührt ist, wenn Musik eine Sensibilität hat, eine Traurigkeit, eine Melancholie – und trotzdem jederzeit bereit ist, diese wieder zu brechen. Dieser spielerische und freche Umgang mit der Melancholie. Dieser Widerspruch. Das interessiert mich. …  Und natürlich David Bowie. Er ist so vielfältig und hat sich in seiner Karriere schon so oft neu erfunden.


Am Donnerstag, 25. März und am Donnerstag, 1. April wird die ARTE-Reihe „Frieden“ ausgestrahlt. Wann und wo waren die Dreharbeiten?

Wir haben im Sommer 2019 in der Region Zürich/Schweiz gedreht. 


Sie spielen den deutschen Rudolf Schneider. Was hat Sie an Ihrer Rolle und am Stoff ganz generell gereizt?

Die Figur, die ich spiele, ist Rudolf Schneider. Er verlässt mit einem Patent in der Hosentasche das Nazideutschland und flüchtet in die Schweiz.

Gereizt hat mich zum einen die Zeit, in welcher der Film spielt. Es ist das Jahr 1945 das aus der Schweizer Perspektive beleuchtet wird. Der Film ist also mal nicht ein Film, der in der Kriegszeit spielt, sondern der Krieg ist gerade zu Ende gegangen. 

Und die Figur selbst hat mich gereizt. Rudolf Schneider besitzt das deutsche Pendant der Nylonfaser. Mit diesem Patent in der Tasche ist er nun also in der Schweiz. Ich habe recherchiert, um mich der Figur zu nähern und habe starke Parallelen zum Nazi-Chemiker Johann Giesen gefunden, unter dessen Leitung, mithilfe von Auschwitz-Häftlingen, ein Werk der IG Farben errichtet wurde. Mit einem Patent in der Tasche ist er in die Schweiz geflüchtet und hat dort einem mittlerweile börsennotierten Unternehmen die Geschäftsgrundlage geliefert. (Der Zusammenhang wurde mir zwar am Set so nie bestätigt, aber zwei Tage vor dem Schweizer Start der Reihe strahlte das Fernsehen eine Dokumentation genau darüber aus.)

Was mich an der Figur interessiert hat ist, wie ein Mensch, der mit so einer Überautorität im Nazisystem agierte und geduldet hat, dass so viele Menschen zu Tode gekommen sind, wie dieser Mensch auf einmal von der Allmacht in die Ohnmacht gerät. Plötzlich ist er auf Schutz im Ausland angewiesen. Das fand ich spannend, wie ein Nazi in so einer Situation ist. Wie er kurz seine Kraft verliert um sie dann in seiner neuen Heimat Stück für Stück zurückzugewinnen. Auch, dass ich als studierter Ingenieur einen Ingenieur spielen konnte war natürlich reizvoll. 


Wie lange wurde gedreht?

Ich war nur in meinem Part dabei. Ich glaube das ging über den ganzen Sommer. Das ist dann wirklich ein Abtauchen in eine andere Welt. 


Gibt es eine Szene, die Sie besonders berührt hat?

Es haben mich sehr viele Szenen berührt. Am meisten vielleicht die Szene, wo ich sage: „Sie haben Glück gehabt, in der Schweiz geboren zu sein, Herr Leutenegger. Denn bei uns zu Hause, da hat man entweder „mitgemacht“, oder man hat sein Leben, und das Leben seiner Familie aufs Spiel gesetzt.“  Das überzeugend in der Figur zu sagen obwohl es eigentlich geheuchelt ist, das war ein spannender innerer Prozess. Ich glaube, wir Menschen sind wie ein Bus voller Persönlichkeiten. Und Rudolf Schneider hat trotz allem auch so eine sensible Seite in sich. Er ist auch ein Mensch, der leben möchte. Da ist auch der Mensch drin, der leidet. Aber er ist eben auch der, der das Sagen hat, der Erfolg hat, der mächtig ist und es genießt, wenn andere Menschen vor ihm auf dem Boden kriechen. In dieser Szene hatte die Figur was Ehrliches und was Verlogenes. Der innere Kampf zwischen den beiden Prinzipien, der hat mich berührt. 


Ich bin schon sehr gespannt … Darf ich Sie zum Abschluss noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Mein Sehnsuchtsort ist ein Platz in einem Kino in Thüringen. Neben mir, meine mir liebsten Menschen. Auf der Leinwand die Premiere des Films für den ich das Drehbuch geschrieben habe. 


Ich drücke fest die Daumen. Vielen lieben Dank, für dieses wundervolle Gespräch, lieber Herr Lier. Ich hab mich sehr gefreut.







'Stuttgart war für mich immer schon 'cool'. Gerade auch in Bezug auf die Musik, die aus Stuttgart kommt'

Trystan Pütter

Foto: Pascal Buenning




Im Gespräch mit Trystan Pütter

Marion Graeber


Hallo lieber Herr Pütter, vielen Dank dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.
Gerne.

Sind Sie in Berlin?
Ja, ich bin zuhause in Berlin. Und Sie sind in Stuttgart?

Ja, genau. Kennen Sie Stuttgart?
Ich bin, war großer Fan, beziehungsweise bin jetzt teilweise befreundet mit Stuttgarter Musikern aus der 0711er Clique – Die massiven Töne, Freundeskreis. Stuttgart war für mich schon damals ein cooler Fleck auf der Landkarte.

Dann waren Sie schon öfter in Stuttgart?
Zu selten. Ich habe mal in Stuttgart am Theater vorgesprochen. In Ludwigsburg habe ich Filme gedreht. Von dort aus sind wir dann nach Stuttgart zum Ausgehen gefahren. Damals noch in die einschlägigen Etablissements.

Höchste Zeit wieder zu kommen...

Ja, das würde ich auch sagen...

Diesen Monat startet im ZDF die Fortsetzung von Ku'damm. Diesmal 63. Wie haben Sie den Dreh unter Pandemiebedingungen erlebt?
Unser Dreh wurde im vergangenen Jahr wegen des Lockdowns unterbrochen. Wir waren eine der letzten Produktionen vor den Schließungen. Das war natürlich schon eine sehr unsichere Zeit. Das kennen wir ja alle. Wir wussten nicht, wie gefährlich ist dieser Virus wirklich, wie geht’s weiter, wann hat das alles ein Ende? Wir haben ein halbes Jahr Pause gemacht. Das war merkwürdig und fühlte sich komisch an. Aber, wir sind ja bei Ku'damm eine große Familie. Wir kennen uns. Wenn das Team das selbe ist, greift schnell alles wieder ineinander.

Beim Tanzen kommt man sich besonders nahe...
Das stimmt. Gerade in dieser Zeit war das wie ein Flash. Ich würde am liebsten die ganze Zeit Tanzfilme drehen, damit ich Menschen wieder nahe kommen kann. (Lacht) ... Wir waren natürlich alle getestet. Das war dann also kein Problem. Die einzelnen Szenen wurden auch ein bisschen umgeschrieben. Wir hatten beispielsweise weniger Statisten am Set. Die UFA hat da ein gutes Konzept entwickelt und wir haben uns sicher gefühlt. Ich bin auch ehrlich gesagt kein ängstlicher Typ.

Was reizt Sie an Freddy? Was mögen Sie an ihm?

Freddy ist ein Freigeist und ein Rebell. Einer, der nicht in die Gesellschaft passt. Ich finde es per se sehr sympathisch, wenn Menschen sich gegen Konventionen und Richtlinien stellen und Dinge hinterfragen. Ihre eigene Wahrheit finden. Das hat mich anfangs total gereizt. Dazu kommt einfach, dass es eine sehr gut geschriebene Figur ist, die sehr viel Freude bereitet. Er hat Humor, er hat Tiefe, eine Traurigkeit und gleichzeitig eine Radikalität. Das finde ich reizvoll.

Sie tanzen viel Rock 'n' Roll. War dieser schwer zu erlernen? Haben Sie alles selbst getanzt?
Ja, alles selbst getanzt. Leider wurde das von Staffel zu Staffel immer weniger. Jetzt konzentriert sich Freddy mehr auf die Musik.
In der ersten Staffel haben wir monatelang sehr hart trainiert. Sonja Gerhardt und ich – wir haben uns das richtig drauf geschafft und dann direkt losgelegt. Das war eine Herausforderung aber irgendwann sind die Schritte drin und dann geht’s los.

Das bringt einem was für's Leben. Das ist doch pure Freude....
Tanzen ist Therapie. Totale Freude. Ein Weg das rauszulassen, was raus muss.

Tanzen Sie auch Tango?
Habe ich mal versucht. War aber leider nicht so meins. Ich finde es aber wahnsinnig toll zuzuschauen. Ich bin mehr so der Disco Freestyle Tänzer. Lacht.

Welches Musikgenre mögen Sie noch so?
Ich höre tatsächlich gerne Musik aus der Ku'damm Zeit. Ich höre gern die Beatles, den Motown Sound der 1960er. Aber eigentlich bin ich mit dem Rap sozialisiert und ich höre bis heute sehr gerne Hip-Hop Musik.

Somit haben wir den Bogen wieder nach Stuttgart geschlagen...

Genau. (Lacht).

Freddy hat in Ku'damm 63 eine Bar. Die Nacht spielt, mit der Musik, eine große Rolle. Sind Sie persönlich auch eher Nachtmensch? Und, könnten Sie sich vorstellen selbst eine Bar zu betreiben? (Mal abgesehen von den ganzen Corona Schwierigkeiten für die Branche)

Ich bin immer sehr gerne in Bars gewesen. Ja, bin eher ein Nachtmensch als ein Morgenmensch. Ich habe gerne Partys veranstaltet und hoffe, dass das auch irgendwann wieder möglich sein wird. Raus gehen, sich treffen, zusammen sitzen ... Diese Nächte fehlen.

Die Stadt ist eine andere ....
Die Stadt, die Städte verändern sich und wenn wir nicht aufpassen, dann werden sie auch so verändert bleiben. Das ist eine große Angst, die ich habe, dass all das nicht mehr stattfinden kann, stirbt. Also, die Innenstädte, auch am Beispiel von Berlin, verändern sich schon sehr stark ...

Um so länger die Schließungen andauern umso schwieriger wird das....

Ja, das stimmt. Und, die Leute kämpfen.

Auch Freddy kämpft - mit sich selbst. Er fühlt sich unwohl in Deutschland. Seine Vergangenheit holt ihn immer wieder ein...

Die Ursachen, die dazu geführt haben, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist – das müssen wir präsent halten um eine Wiederholung zu verhindern. Wir sind auch jetzt immer wieder in Situationen die schnell umschlagen können. Man muss immer wach bleiben.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich komme gerade von den Dreharbeiten zu „Das Boot“ und bin gerade kurz vor den Dreharbeiten zur neuen Staffel von Babylon Berlin. Dann werden wir einen Dreh, der auch aufgrund von Corona unterbrochen wurde, fortsetzen - eine Kinokomödie: „JGA“. Wir drehen auf Ibiza. Da wartet einiges und befindet sich sozusagen in den Startlöchern.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Ich habe sehr, sehr viele Sehnsuchtsorte. Ich bin halber Waliser. Bin gerne in Wales. Ich liebe auch Portugal. Ich liebe es einfach zu reisen. Man kann sagen, mein Sehnsuchtsort ist die Reise an sich und ich hoffe, dass wir diese bald wieder antreten dürfen...


Vielen, lieben Dank, Herr Pütter. Das war ein tolles Gespräch. Hab mich sehr gefreut. Liebe Grüße von Stuttgart nach Berlin




'Die Pandemie gab mir so einen Anstoß, mich mit klassischer Musik auseinander zu setzen. Wenn man sich dann noch mit den Komponisten beschäftigt, finde ich das sehr interessant'

August Wittgenstein

Foto: Nils Schwarz



Im Gespräch mit August Wittgenstein

Marion Graeber


Vielen Dank, lieber Herr Wittgenstein, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.  Sind Sie in Berlin?

Nein, ich bin gerade im schönen Nordrhein Westfalen auf dem Land unterwegs. Ich hatte ja meinen 40sten Geburtstag, welchen ich im engsten Familienkreis im Wittgensteiner Land verbracht habe.

Da gratuliere ich Ihnen nachträglich noch ganz lieb :)

Dankeschön.

Wie erleben Sie die Hauptstadt unter Pandemiebedingungen?

Ich finde es in der Stadt schon ziemlich unheimlich und ich habe den Luxus, hier bei meinen Eltern in der Nähe eine kleine Wohnung für mich zu haben. So kann ich hin und wieder mal der Stadt entfliehen. Es ist sehr ruhig hier und die Natur ist sehr schön. Von daher ist das ganz angenehm.
Es sind ja die kulturellen Angebote und die Restaurants die eine Stadt ausmachen. Wenn das alles geschlossen ist, wie in dieser Zeit, dann verliert die Stadt viel von ihrem Charme. Deswegen versuche ich im Lockdown so viel Zeit wie möglich auf dem Land zu verbringen.

Sie sind nun aktuell im März wieder in Ku'damm 63 zu sehen. Wann wurden die drei Teile gedreht?

Alle drei Teile haben wir im vergangenen Jahr gedreht. Wir haben im Februar angefangen und wurden im März durch Corona unterbrochen. Im August konnten wir dann weitermachen. Sehr beeindruckend, wie schnell die UFA und das ZDF das wieder auf die Beine gestellt haben. Da bin ich froh, dass wir das zu Ende machen konnten.

Wie war der Dreh unter Pandemiebedingungen?

Wir hatten Vorquarantäne und am Set gab es diverse Auflagen und Hygiene-Konzepte. Es war alles sehr anspruchsvoll. Die Dreharbeiten waren anders als sonst. Gerade auch was Abstände anbelangt. Die Gemeinschaft und das Miteinander sind das Schöne bei den Dreharbeiten. Aber ich bin froh, dass wir überhaupt arbeiten konnten. Andere Bereiche hat es da viel schwerer getroffen. Die Theater, um dieses Beispiel zu nennen. Ich schätze mich glücklich, dass ich im vergangenen Jahr überhaupt drehen durfte.

Wie war es, die Schauspielkollegen von Ku'damm alle wiederzusehen?

Wir verstehen uns alle sehr gut. Wir sind gut befreundet und kennen uns schon lang. Daher ist es auch immer eine lustige Sache. Sehr kollegial. Man lernt viel, darf tollen Leuten beim Spielen zuschauen. Das macht einen Riesenspaß. Ich schätze das Ensemble und bin sehr stolz ein Teil davon sein zu dürfen.

Sie spielen in Ku'damm den Homosexuellen Wolfgang von Boost. Wie sehen Sie die Thematik, die Rolle?

Leider ist es so, dass diese Thematik nichts von ihrer Problematik eingebüßt hat. Es gibt leider immer noch Homophobie und diverse Länder, die Homosexualität unter Strafe stellen. Wir haben uns in Deutschland schon sehr weit voran bewegt, aber es ist immer noch ein Thema, welches Aufmerksamkeit verdient. Ich wurde manchmal gefragt, ob es schwierig ist, einen Homosexuellen zu spielen. Das reduziert die Figur und damit den Menschen auf seine sexuelle Orientierung und so sehe ich Wolfgang von Boost gar nicht. Seine Homosexualität ist nur der Grund für seine innere Zerrissenheit und das ist es, was die Herausforderung und den Reiz dieser Rolle für mich ausmacht. Für mich persönlich habe ich immer gerne ambivalente Rollen mit einem großen inneren Konflikt. Wir sind alle Menschen, egal ob hetero- oder homosexuell, und sehnen uns nach gleichen Dingen. Es geht um Liebe. Auch bei Wolfgang. Für mich ein Geschenk, so jemanden spielen zu dürfen.

Wie wichtig ist Ihnen Ihre persönliche Freiheit?

Wassermänner sind anscheinend freiheitsliebende Wesen. Es ist mir schon wichtig. Ich bin gerne unabhängig und bewege mich gerne frei. Trotzdem ist auch eine gewisse Zugehörigkeit wichtig.

Wie wichtig ist Ihnen generell der Beruf des Schauspielers? Ich habe gelesen, dass Sie bereits mit fünf Jahren diesen Berufswunsch hegten...

Am Anfang war das ein recht unklarer Traum. Ich hab mit meinen Eltern zusammen Filme gesehen und dachte bei mir – das will ich auch machen. Dann hab ich immer daran festgehalten – mal mehr und mal weniger. Ich habe versucht immer ein bisschen darauf hinzuarbeiten. Nach der Uni ergab sich die Möglichkeit auf eine Schauspielschule zu gehen und ich hab das einfach versucht. Das erste große Projekt war dann Jahre später auch tatsächlich der Ku'damm.

Man sollte also immer an Träumen festhalten?

Man muss aber auch aufpassen, wenn man nur träumt. Vielleicht wäre es besser, es einen Wunsch zu nennen. Man sollte einfach selber versuchen sich diesen so gut wie möglich zu erarbeiten. Es kann aber auch sein, dass man noch so viel daran arbeitet und es trotzdem nicht klappt. Es gibt so viele Leute, die so unglaublich viel Talent haben und nicht arbeiten dürfen. Es hat einfach auch mit Glück zu tun.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Ja, ich bin ja halber Schwede und hab in meiner Kindheit die Sommerzeit größtenteils südlich von Stockholm verbracht. Dort liegt mein Sehnsuchtsort und ich versuche so oft wie möglich dort zu sein.

In Ku'damm spielt ja auch die Musik eine große Rolle. Welches Genre hören Sie gern?

Ich hab in letzter Zeit viel klassische Musik gehört. Vielleicht war es in der Pandemie für mich auch so ein Anstoß, mich mit klassischer Musik auseinanderzusetzen. Es ist oftmals eine ruhige und angenehme Musik, die mich innerlich nicht so aufregt. Wenn man sich dann noch mit den Komponisten beschäftigt, finde ich das sehr interessant.

Welche Musik haben Sie in Ihrer Kindheit gehört?

Als Kind war ich ein großer Michael Jackson Fan. Ich hatte die Wand voller Poster. Später dann wurde die musikalische Bandbreite deutlich größer. Von Pop hab ich mich allerdings dann ferngehalten – weil Michael Jackson ja einfach der King of Pop war. ... Ich hab musikalisch alles durchprobiert. Allerdings hab ich nie Schlager oder Metal gehört.

Sind Sie mit einer bestimmten Musik aufgewachsen?

Mein Zuhause war nicht besonders musikalisch, aber meine Mutter hat immer aufgehorcht wenn im Radio ein guter Song lief, aber eine Lieblingsband oder sowas hatten meine Eltern nicht. 

Die Tanzschule – ein zentraler Part im Film. Tanzen Sie?

Ich tanze gerne. Leider nicht besonders gut. Tanzen geht bei mir mit der Anzahl der Biere einher, aber ich glaube, das kommt nur mir so vor, dass das dann besser wird (Lacht).

Auch der Tango?

Tango hab ich mal ein paar Stunden genommen. Das war tatsächlich sogar für den Stuttgarter Tatort.

Welchen Sport treiben Sie gerne?

Ich spiele zur Zeit sehr viel Tennis. Wenn die Anlagen mal offen haben ...
Das ist der Hauptsport auf den ich mich fokussiere. Aber ich mach auch Fitness, geh laufen, spiele ein bisschen Golf. Früher hab ich Fußball gespielt, bin Ski gefahren .. Sport ist mir sehr wichtig und ich versuche so viel wie möglich zu machen.

Würden Sie sich eher als Tag- oder Nachtmensch bezeichnen?

Tagmensch.

Wie gut kennen Sie Stuttgart?

Leider nicht gut genug. Ich hab für den Stuttgarter Tatort knapp eine Woche in der Stadt verbracht. Das hat mir gut gefallen. Ich hoffe, dass sich bald mal wieder eine Gelegenheit ergibt in Stuttgart zu drehen.

Wir sind eine schöne Weinbergregion...

Da werde ich gleich neidisch. Weinberge haben wir in Berlin leider keine. (Lacht)

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich drehe gerade ein Projekt für Constantin Television „Der Palast“. Eine 6- teilige ZDF-Event-Miniserie. Da drehen wir seit dem 25. Februar bis ins späte Frühjahr.

Was wünschen Sie sich im Bereich Schauspiel für dieses Jahr, beziehungsweise, haben Sie eine Traumrolle, einen Charakter, welchen Sie gerne verkörpern würden?

Was Schönes in Deutschland oder Schweden wäre fein. Eine Traumrolle – ich habe im vergangenen Jahr die Biografie von Raoul Wallenberg gelesen. Ein schwedischer Diplomat, der in Budapest sehr viele Juden vor dem Holocaust gerettet hat. Eine faszinierende Persönlichkeit. Wenn das verfilmt werden würde, würde ich das sehr gerne spielen.

Sie schreiben auch selbst?

Ich habe drei Drehbücher geschrieben, aber keines wurde produziert. Ich mache jetzt eine künstlerische Pause in diesem Bereich. Aber ich liebe es zu schreiben. Ich hab mir auch vorgenommen ein Buch zu schreiben. Zusätzlich schreibe ich auch für den Podcast „Schaumgeboren“, den ich gemeinsam mit Birte Hanusrichter mache.


Vielen Dank, lieber Herr Wittgenstein, für dieses so schöne Gespräch. Ich hab mich wirklich sehr gefreut, dass ich mich mit Ihnen unterhalten durfte.

Danke, für Ihre Zeit.




Musik - 'Ich höre eigentlich alles'

Claudia Michelsen


Foto: ZDF Boris Laewen - Claudia Michelsen mit Uwe Ochsenknecht




Im Telefongespräch mit Claudia Michelsen - zu den Dreharbeiten / Ku'damm 63

Marion Graeber


Vielen Dank, liebe Frau Michelsen, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr. Sind Sie in Berlin?

Ja, ich bin in Berlin.

Wie empfinden Sie die Hauptstadt in Pandemiezeiten?

Es ist eine Schwere in den Städten, weil unter anderem auch jegliche Form von Miteinander nicht stattfinden kann. Ich denke, das ist weltweit so aus verschiedensten Gründen.

Im März geht es weiter mit „Ku'damm 63“. Gedreht wurden die Folgen im vergangenen Jahr. Wie waren die Bedingungen am Set?

Wir sind natürlich sehr viel getestet worden und hatten eine gute Hygiene-Betreuung am Set. Es gab viele Maßnahmen, nach denen wir uns natürlich gerichtet haben. Ein Glück, dass wir überhaupt arbeiten konnten, im Gegensatz zu vielen anderen.  

Sie sind ein festes Ensemble bei „Ku'damm“ - wie war das Aufeinandertreffen?

Es ist ganz wunderbar. Wir freuen uns auf einander und das nun schon zum dritten Mal und immer über einen ziemlich langen Zeitraum. Wie ein kleines gemeinsames Zuhause, eine kleine gewachsene Filmfamilie.

Sie spielen in Ku'damm, Caterina Schöllack. Was reizt Sie an Ihrer Rolle?

Vier Frauen in den 1950er Jahren, die im Mittelpunkt stehen – das gab es so noch nicht. Caterina in ihrer preußischen Strenge, in ihrer bedingungslosen Art sich einzig und allein um die Versorgung ihrer Töchter zu kümmern, scheint natürlich erst einmal etwas eindimensional; das hätte mich nicht interessiert, wenn da nicht auch die Frau und Mutter dahinter zu spüren wäre. Aber diese Disziplin war für viele Frauen nach dem Krieg die einzige Lösung, um zu überleben. Sie mussten alles sein: Vater, Mutter, Versorger..wie schafft man das? Alleinerziehend mit drei Töchtern, das sollte man bei aller Strenge nicht vergessen. Warum ist ein Mensch wie er ist und wodurch hat er sich dazu entwickelt? Ich finde, ich konnte mit Catarina einen grossen Bogen bereisen über diese 3 Staffeln hinweg - 1956, 1959 und nun 1963. Es ist viel passiert und sie hat sich sehr verändert, wie ich finde.

Wie sehen Sie Caterina Schöllack in Ku'damm 63?

Dadurch, dass ihr dieser Unfall passiert, ist sie um einiges gealtert in dieser Staffel. Sie ist gebrechlicher und dadurch ist die Kraft der Caterina, die besondere Körperlichkeit verloren gegangen. Ich hätte gern noch eine kleine Runde mit der anderen Caterina gedreht, auch mit ihrer fast schon komischen Schrulligkeit, die mir ans Herz gewachsen ist. Nun ja, die Mädchen sind aus dem Haus und die Einsamkeit bekommt Raum. Und wie das so ist, fängt man in diesem Raum an zu reflektieren über das eigene Leben, über Fehlentscheidungen und über Wege, für die man sich nun mal unwiederbringlich entschieden hat. Es kommt zu einem Wiedersehen mit Fritz Assmann, was sehr schön ist. Aber Kudamm 63 ist eher ein Ensemblestück, Töchter die nun zu Frauen geworden sind und selber Kinder und Männer haben. Da gibt es enorm vieles mehr zu erzählen.


Vielen Dank, Frau Michelsen für das Telefoninterview zu Ku'damm 63

Dankeschön






'Im Moment höre ich relativ viel klassische Musik'

Dirk Borchardt



Foto: ZDF Christiane Pausch



  Im Gespräch mit Dirk Borchardt „Nächste Ausfahrt Glück“,   Sonntag, 28. Februar 2021, 20.15 Uhr und Sonntag, 7. März 2021, 20.15 Uhr ZDF Herzkino


30 Jahre nach Mauerfall treffen die Erzieherin Katharina (Valerie Niehaus) und Auswanderer Juri (Dirk Borchardt) in „Nächste Ausfahrt Glück“ in ihrer Heimatstadt Eisenach wieder aufeinander. Die Anziehung zwischen den beiden ist genauso stark wie früher – doch inzwischen ist Katharina mit Georg (Max Hopp) verheiratet und hat zwei Kinder. Zudem kümmert sie sich schon seit Jahren um Juris Vater Willi (Ernst Stötzner). Aber weil der überzeugte Marxist zunehmend wunderlich wird und sich immer wieder in brenzlige Situationen bringt, muss nun Juri ran. Und zu allem Überfluss hat Katharinas Freundin Sybille (Susanna Simon) auch noch einen Narren an dem Auswanderer gefressen.


Im Gespräch mit Dirk Borchardt

Marion Graeber im Februar 2021


Hallo lieber Herr Borchardt. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Da freue ich mich sehr. Sind Sie in Berlin?

Ja, ich bin in Berlin.

Wie fühlt es sich an – Lockdown in der Hauptstadt?

Für mich hat sich nicht so viel verändert. Was ich halt nicht machen kann - ich kann mich nicht mit so vielen Freunden treffen. Alles was geht, ist ab und zu ein Open Air treffen.

Und, die Vorzüge der Stadt sind uns ein bisschen genommen...

Die Vorzüge der Stadt, die liegen ja aber nicht nur im Nachtleben und im feiern. Lächelt. Aber es ist natürlich schon so, dass die Kultur im Moment so gar nicht stattfindet. Das beinhaltet für viele Kollegen große Probleme. Viele können derzeit nicht arbeiten. Das ist hart.

Hat der Lockdown Ihre Tagesstrukturen verändert?

Nein, nicht wirklich. Was ich halt vermisse, sind Umarmungen und Sport mit Freunden. .. Und, ich vermisse es auch, mehr Menschen zu sehen.  

Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?

Ich bin eher Tagmensch. Ich stehe früh auf und geh früh schlafen.

Der Drehort von „Nächste Ausfahrt Glück“, fand im August und September 2020 in Eisenach statt. Wie haben Sie den Dreh unter Corona Bedingungen empfunden?

Dadurch, dass wir immer getestet wurden, hat das alles gut geklappt. Ich hatte das Glück, dass ich von Mai bis Dezember durchgedreht habe und quasi immer getestet worden bin. Wir hatten ganz strikte Regeln. Wir haben mit Maske geprobt und ohne Maske gedreht. Der Hauptcast – das war wie in einem Kinderferienlager - wir waren unter uns und hatten wenig Kontakt zur Außenwelt. Das war auch schön.

Viele bleiben ja auch über Wochen am Drehort … haben wenig Kontakte…

Ja, das kann ich bestätigen. Ich war eineinhalb Monate auf Rügen und gut einen Monat in Eisenach. In Eisenach kann man ganz wunderbar wandern. Ich bin ein Wandersmann. Lächelt.

Im Schwarzwald kann man auch schön wandern...

Im Schwarzwald bin ich noch nicht gewandert. Dann mehr so in Berlin und Brandenburg. Lacht.

Was hat Sie am Drehbuch „Nächste Ausfahrt Glück“, besonders gereizt?

Da gibt es viel. Einmal das Thema mit meinem Vater im Film, der an Alzheimer erkrankt. Ich hab das im realen Leben. Mein Vater ist stark dement. Diese Geschichte, diese Erfahrung, die wir da gemacht haben und die ich persönlich mache, … diese Fragen, die gestellt werden … das hat mich gereizt. Wir haben das schon auf eine gewisse Humorebene gehoben, aber wir wissen, dass das Leben mit einem an Alzheimer erkrankten Menschen weitaus trauriger ist, als wir das zeigen. Juri trägt im Film einen Ring. Das ist der Ring meines Vaters.  

Das ist sehr schön und berührt mich. Es ist eine belastende Situation. Von vielen Seiten aus betrachtet. Und doch ist zu sehen, dass die Menschen, die an Demenz erkrankt sind auch in ihrer Welt glückliche Momente haben. Sie sind so in ihrer Welt…

Meinem Vater geht es gut.

Ich wünsche Ihnen alles Liebe mit Ihrem Papa.

Das ist schön. Ja, meine Mutter ist da. Sie pflegt ihn mit. Beide wohnen im betreuten Wohnen. Das ist auch ganz in meiner Nähe. Das ist gut.

Was hat Sie ganz speziell an Ihrer Rolle gereizt? Juri ist ja ein sehr freiheitsliebender Mensch. Sie auch?

Ich finde die Grundgeschichte schön. Und der Juri, ja, der hat so einen Freiheitsgedanken, den ich auch habe. Die Freiheit, das ist wohl das größte Thema von Juri. Egal wo er war, er hat immer die Freiheit gesucht. In der Geschichte, in meinem Kopf, war Juri sehr lange auf der Welt unterwegs. War er nicht nur in Kanada. Das wurde so jetzt nicht erzählt, ist mir aber so präsent. Dieses Grundthema „Freiheit“, was ich auch habe, war für mich der Grundreiz an der Figur.

Reisen Sie gerne?

Ich habe viel in deutschen Städten gelebt und ich bin auch immer viel gereist. Kurz vor dem Lockdown war ich noch einen Monat in Indien.

Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Das Meer

Juri trifft im Film wieder auf seine Jugendliebe. Das hat ja auch was mit besten Freundschaften zu tun. Haben Sie schöne Freundschaften aus der Jugend?

Ich hab sehr tolle und intensive Freundschaften. Ich habe auch mit ehemaligen Freundinnen noch gute Kontakte. Ich bin nicht so einer, der im Streit auseinander geht.

Sie sind in Berlin aufgewachsen. Wie hat Sie diese Zeit in der geteilten Stadt geprägt?

Sehr. Schon dadurch, dass auch meine Familie zweigeteilt war. Wir waren somit oft „drüben“. Wir mussten immer durch diese Grenzabsperrungen fahren. Das hab ich sehr als unangenehme Kindheitserinnerung in mir.

Sie sind im Film ein Musiker. Welches Genre ist Ihnen persönlich das liebste?

Im Moment hör ich viel Klassik. Ansonsten bin ich für alles offen. Normalerweise höre ich Funk und Soul. Aber ich glaube ich bin da generell nicht so festgelegt.

Wie entspannen Sie?
Ich lese und ich meditiere relativ viel.

Im zweiten Film tanzen Sie auch, machen einen Tanzkurs. Tanzen Sie auch persönlich gerne?

Ich hab mal Tango probiert. Folgendes ist passiert… Ich war da mit meiner damaligen Freundin beim Tangokurs. Dann sind wir zu einer Milonga gegangen. Die Frauen wollen dort natürlich vornehmlich mit versierten Tangotänzern tanzen und nicht mit Anfängern. Und so stand ich sozusagen in der Ecke rum und meine Freundin hatte die tollsten Tangotänzer. Insofern bin ich davon wieder abgekommen. Lacht. Tango ist sehr intensiv. Man muss viel lernen und intensiv dabei sein. Ich tanze aber unglaublich gerne, beispielsweise Walzer.

Wenn Sie das nächste Mal beim Tango sind und ich bin da, dann lass ich Sie nicht in der Beobachterrolle ;)

Oh. Das finde ich toll. Lacht… Ja, das war schon auch lustig. Ich hab mich schon auch amüsiert. Aber da steht man dann halt, wie bestellt und nicht abgeholt.




Vielen lieben Dank, Herr Borchardt für dieses so schöne Gespräch. Lieben Dank.  




'Ich mag sehr gerne klassische Konzerte. Am liebsten live.

Auch Chansons liebe ich'

Susanna Simon


Foto: ZDF Frizzi Kurkhaus




  Im Gespräch mit Susanna Simon „Nächste Ausfahrt Glück“,   Sonntag, 28. Februar 2021, 20.15 Uhr und Sonntag, 7. März 2021, 20.15 Uhr ZDF Herzkino

30 Jahre nach Mauerfall treffen die Erzieherin Katharina (Valerie Niehaus) und Auswanderer Juri (Dirk Borchardt) in „Nächste Ausfahrt Glück“ in ihrer Heimatstadt Eisenach wieder aufeinander. Die Anziehung zwischen den beiden ist genauso stark wie früher – doch inzwischen ist Katharina mit Georg (Max Hopp) verheiratet und hat zwei Kinder. Zudem kümmert sie sich schon seit Jahren um Juris Vater Willi (Ernst Stötzner). Aber weil der überzeugte Marxist zunehmend wunderlich wird und sich immer wieder in brenzlige Situationen bringt, muss nun Juri ran. Und zu allem Überfluss hat Katharinas Freundin Sybille (Susanna Simon) auch noch einen Narren an dem Auswanderer gefressen.


Im Gespräch mit Susanna Simon

Marion Graeber im Februar 2021


Hallo liebe Frau Simon. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr. Sie sind in Berlin?

Ja, ich bin in Berlin.

Ab Ende Februar wird die ZDF Herzkino Reihe „Nächste Ausfahrt Glück“ ausgestrahlt. Wann haben die Dreharbeiten stattgefunden?

Wir haben im August und September im vergangenen Jahr gedreht. Im Corona Loch. Wir haben das gerade so geschafft.

Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Das war, im Gegensatz zu heute, das Paradies. Wir haben uns natürlich regelmäßig testen lassen und auch die Hygienebestimmungen waren fester Bestandteil des Lebens am Drehort. Und doch, alles war ein wenig freier als heute.

Sie können gut Vergleiche ziehen, haben Sie doch im November im Renaissance Theater geprobt...

Ja, das stimmt. Wir hatten unsere Proben aber wir konnten die Premiere, die für Dezember geplant war, nicht halten. Geprobt haben wir auf einer großen Bühne. Unser Stück ist ein Vier-Personen-Stück in dem es um die Liebe geht. Wir durften uns nicht berühren, uns nicht näher als 1,5 Meter kommen. Das ist teilweise doch behindernd, wenn man 1,5 Meter Abstand zueinander halten muss und sich nicht berühren darf. Da muss man die Figuren ganz anders anlegen. Aber besser so, als gar nicht.

Wann wird die Premiere sein?

Wir haben jetzt mal Ostern anvisiert. Wollen wir hoffen, dass die Situation bis dahin eine bessere ist…

Wie wichtig finden Sie freundliche, lockere Theaterstücke, Filme, die Herzkino Reihe in dieser, unserer heutigen Zeit?

Ich bin momentan so auf Komödien festgelegt. Das hab ich mir auf die Flagge geschrieben. Ich finde das wahnsinnig wichtig, dass man das Lachen in die Welt sendet. Gerade in dieser Zeit. Die Herzkino Reihe „Nächste Ausfahrt Glück“ ist eine Tragikomödie mit komödiantischen Elementen. Das finde ich sehr gut und sehr erleichternd. Mich hat das gereizt, dass romantische, komische und tragische Elemente vereint sind. Ich finde die Mischung gut. Das ist für mich stimmig.

Die Demenz ist auch ein Thema in der Reihe…

Ja, das birgt auch eine gewisse Situationskomik. Aber dieses Thema wird immer von der einen Seite gesehen. Von außen. Das ist natürlich extrem traurig. Ich hatte selbst einen an Demenz erkrankten Großvater. Dass man das mal von der Seite des Erkrankten sieht, das finde ich gut. Die erkrankten Menschen leben in ihrer Welt. Sie verflüchtigen sich. Aber sie fühlen sich dort oft wohl. Ich, als Außenstehender, fühle mich nicht wohl damit - aber der Mensch, der das gerade durchmacht – wer sagt, dass er sich in seiner Parallelwelt nicht zuhause fühlt? Insofern fand ich auch die Darstellung dieser Demenz gut.

Sie spielen in „Nächste Ausfahrt Glück“ die Sybille. In einer Passage sagen Sie: „Ich hätte gern dazu gehört“…. Wie ist das zu verstehen?

Wir spielen eine Gruppe von Menschen, die eine gemeinsame Jugend hatten. Eine gemeinsame Geschichte. Das wird auch im dritten und vierten Film thematisiert. Sybille hätte gerne zu der Jugendgruppe gehört, war aber aus bestimmten Gründen nicht so integriert. Sybille hatte so ein bisschen die Außenseiterrolle.

Sie haben in „Nächste Ausfahrt Glück – Beste Freundinnen“ einen Tanzkurs mit Juri belegt. Tanzen Sie persönlich auch gerne? Vielleicht haben Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino?

Nein, ich hab leider keine Berührungspunkte zum Tango. Nur, dass ich ihn mal beim Theater spielen getanzt habe. Ansonsten nicht.

Welche Musikgenre mögen Sie?

Ich mag gerade jetzt sehr gerne klassische Live-Konzerte. Es fehl mir sehr, dass man das im Moment nicht genießen kann. Ansonsten lasse ich mich gerne von Musik berieseln. Meine Töchter hören im Auto immer ihre Musik, da höre ich dann gerne mit. Da gibt’s die ein oder anderen interessanten Titel. Lächelt. Ansonsten höre ich mir Musik gerne Situationsbezogen an. Im Theaterstück ist französische Musik zu hören. Daraufhin hab ich mir viele Chansons angehört.

Fehlt Ihnen die Kultur in der Stadt?

Ja, wir sind jetzt hier wie auf dem Land. Wir haben in den Zeiten, in denen wir alles nutzen konnten, alles als 'normal' angesehen. Aber es ist nicht normal. Es ist verdammt nochmal was sehr besonderes und ich hoffe, dass eine Welle der Wertschätzung kommt, wenn der ganze Spuk wieder vorbei ist.

Ich denke schon, dass die Menschen wieder zu den kulturellen Events strömen werden…

Ja, sie sollen strömen …

Ich habe gelesen, Sie gehen gerne im Wald spazieren – können Sie an diesem Ort gut entspannen?

Ja, das ist einfach ein fester Tagespunkt. Da ordne ich meine Gedanken, ohne, dass ich sie ordnen muss, ohne, dass ich irgendwo sitze und einen Plan mache. Es wird gedacht, was gedacht werden muss – was auf der Seele brennt. All das kommt dann ganz von alleine. Die Natur, die Bewegung – das gehört dazu – hier kann ich ordnen.

Reisen Sie auch gerne? Haben Sie einen Sehnsuchtsort?

Im Moment hab ich diesen Sehnsuchtsort: Eine langweilige Insel mit super klarem Wasser und konstant 30 Grad. Da möchte ich dann gerne Sandburgen bauen. Lacht.

Haben sich Ihre Tagesstrukturen in der Corona Zeit geändert?

Ich bin zu hundert Prozent ein Morgenmensch und das bleib ich auch. Da hat Corona nichts daran geändert. Aber an den Tagesstrukturen schon. Homeschooling ist angesagt. Man sieht die einzelnen Familienmitglieder jetzt sehr viel häufiger. Man ist viel intensiver beieinander. Das beinhaltet positive und negative Elemente. Das ist oft auch eine Herausforderung. Aber, meine große, siebzehnjährige Tochter sehe ich jetzt viel öfter. Das ist ein Geschenk.

Sie verkörpern viele verschiedene Charaktere. Haben Sie bevorzugte Rollen?

Ich mag Stoffe und Rollen wo die Komik und die Tragik verschmelzen. Das mag ich sehr gerne. Anschauen tu ich mir am liebsten Krimis. Ich bin ein totaler Krimi-Fan. Gerne auch Psychothriller. Lacht.

Krimis sind beim deutschen Zuschauer beliebt. Was glauben Sie, woran könnte das liegen?

Die Aufregung auf eine andere Welt. Man selber will das ja nicht haben aber ein bisschen Aufregung, ein bisschen Thrill im Leben kann man ja schon haben – ist allerdings gut, wenn das im Fernsehen passiert. Lacht.

Ihr Mann ist Wissenschaftler und arbeitet an einem Laser der gegen das Corona Virus wirken soll.

Ja, das stimmt. Die Patente werden jetzt gerade angemeldet.

Das ist sehr interessant. Technik ist auch ein wichtiger Pfeiler in der Pandemiebekämpfung….

Das Problem ist, dass es sicher nicht die einzige Pandemie bleiben wird. Es stellt sich also die Frage: „Wie kann man Wasser, Luft und einfach die Umgebung Virenfrei bekommen.


Vielen, lieben Dank, liebe Frau Simon für das schöne Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut, dass ich mich mit Ihnen unterhalten durfte.








'Ich höre schon sehr viel Klassik. Auch ein bisschen Jazz. Bei Autofahrten hab ich es aber auch gern mal leise'

Ann-Kathrin Kramer



Foto: Torsten Wingenfelder



„Tödliche Gier“, ZDF Mittwoch, 24. Februar 2021, 20.15 Uhr

Pastor Bahnert (Harald Krassnitzer) gerät samt Frau Claudia (Ann-Kathrin Kramer) und Kindern in die Gewalt von drei brutalen Gefängnisausbrechern. Die Kriminellen sind auf der Suche nach der Beute aus einem Diamantenraub, die vor Jahren in den Ruinen der jetzt renovierten Kirche versteckt wurde. Alle sind höchst angespannt. Versteckte Familienkonflikte treten zutage. Die Situation mit den skrupellosen Gangstern droht zu eskalieren.


Im Gespräch mit Ann-Kathrin Kramer

Marion Graeber im Februar 2021


Hallo liebe Frau Kramer, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Freue ich mich sehr.

Gerne.

Wo erreiche ich Sie gerade?

Ich bin im Bergischen Land.

Im  Moment gestalten sich ja doch die meisten Interviews via Telefon?!

Ja, das stimmt. Hoffen wir, dass die Zeit in der man sich wieder begegnen kann bald wieder kommt.

Der Krimi „Tödliche Gier“ wird am Mittwoch, 24. Februar im ZDF ausgestrahlt. Wann wurde der Krimi gedreht?

Wir haben im November 2019 gedreht. Also noch vor Corona. Die Drehbedingungen, so wie wir sie für dieses Projekt gehabt haben, sind heute fast schon nicht mehr vorstellbar. Wir haben in drei Zimmern gedreht. Der ganze Cast und das Team war immer zusammen, die Fenster waren vernagelt, alles war verhangen und mittags wurde ein Mal durchgelüftet.

Haben Sie im vergangenen Jahr auch gedreht?

Ich habe Anfang des vergangenen Jahres begonnen einen Film zu drehen. Wir kamen genau in den ersten Lockdown und mussten unterbrechen. Jetzt, also quasi ein Jahr später haben wir diesen Film dann fortgesetzt. Natürlich sind die Bedingungen ganz andere. Man sieht die Menschen nicht wirklich auf die man trifft Gerade, wenn man draußen arbeitet und alle um einen herum warm eingemummelt Mützen und Mundschutz tragen. Man sieht dann nur noch die Augen. Aber immerhin, wir können drehen. Die Hygienebestimmungen sind natürlich sehr streng, aber das ist auch richtig so.

Der Film „Tödliche Gier“ spielt in der Nähe von Hamburg. Wo wurde tatsächlich gedreht?

Der Drehort war zirka 80 Kilometer von Hamburg entfernt. Wir haben in Wismar gewohnt und sind von dort immer an den Drehort gefahren worden. Wir hatten also die Ostsee vor der Türe und es war wunderschön dort. Gerade auch, wenn man die Möglichkeit hatte mal über das Wochenende dort sein zu können. Wir waren ja insgesamt fast vier Wochen vor Ort.

Wie beschreiben Sie Ihre Rolle, den Charakter Claudia Bahnert?

Claudia ruht sehr in sich. Sie hat studiert, hat einen Beruf den sie mag und ist selbstständige Apothekerin. Sie hat zwei Kinder und einen Mann, den sie liebt. Ich glaube, sie ist mit sich und ihrem Leben ganz zufrieden. Sie ist aber auch ein bisschen an dem Punkt, wo sie sich fragt, ob es das jetzt gewesen ist und zu dem Zeitpunkt bricht dieses Unglück über die Familie herein. Die Geiselnahme, die Ausnahmesituation. Es ist der Überforderung in dieser Situation geschuldet, dass die Problematiken der Familie an die Oberfläche treten. Der Sohn Marius (Johannes Geller) ist noch Schüler. Die Tochter Svenja (Sofie Eifertinger) macht und hat Schwierigkeiten. Das erfahren wir im Film immer wieder. Svenja hadert mit der Familie, mit den Eltern und dem Übervater, der ihr wahrscheinlich immer wieder das Gefühl gegeben hat, wie alles so geht und richtig ist. Da müssen sich die Kinder den Eltern gegenüber emanzipieren. Ihre Rollen in der Familie finden. In diesem Stadium treffen wir also im Film auf diese Familie.

In „Tödliche Gier“ befindet sich der Zuschauer direkt im Kriminalfall.

Ja, der Film beginnt mit dem Ausbruch der Gangstern aus dem Gefängnis. Man muss den Täter nicht erst suchen.

Was reizt Sie daran, dass die Geschichte so erzählt wird?

Was mich daran reizt ist das kammerspielartige. Dieses Aufeinandertreffen all dieser Charaktere. Es geht nicht nur darum, wer ist der Täter, sondern da werden zwei Parteien gegenübergestellt. Wir sehen die Familie, die mit Strukturen kämpft und auf der anderen Seite die Gefängnisausbrecher, die auch so eine ähnliche Konstellation haben, wie eben eine Familie. Der wunderbare Thomas Sarbacher, der schon fast väterlich sagt, wo es lang geht, der gegebenenfalls auch mal beruhigt. Dann Dirk Borchardt, der eher mal austickt und wieder eingefangen werden muss. Es ist einfach schön, wenn man mit so einem tollen Ensemble zusammen spielen darf.  

Viele Charaktere, die da aufeinander treffen wie im Leben eigentlich auch.

Ja, ganz genau.

Regisseur und Drehbuchautor, Thorsten Näter verfolgt ja folgendes Motto: „Es gibt keine Probleme, nur außergewöhnliche Augenblicke“. Wie war die Stimmung am Set?

Lacht. Ich habe mit Thorsten Näter schon einige Filme gemacht und ich liebe ihn sehr. Das ist ein Regisseur, der, zumal er hier eben auch das Drehbuch geschrieben hat, ganz genau in den Geschichten steckt und weiß, was er will. Egal was man für eine Frage hat, Thorsten hat zu allem quasi schon nachgedacht. Er arbeitet auch fast immer mit dem selben Kameramann, so ist das ein eingeschworenes Team. Eine wunderbare Arbeit.

Die Musik zum Film kommt von Axel Donner. Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie am liebsten mögen?

Ich höre schon sehr viel Klassik. Ich höre auch viel Jazz. .. Und am Ende auch ein bisschen Mainstream. Für mich ist Musik auch etwas, womit ich mich entspanne. Ich höre meist sehr bewusst Musik und habe nicht dauernd das Radio an. Bei Autofahrten hab ich es auch gern mal aus.

Zur Musik gehört immer auch ein bisschen die Bewegung. Tanzen Sie gerne? Vielleicht den Tango Argentino?

Ich finde den Tango Argentino einen ganz großartigen Tanz. Als ich ein Mädchen von 15/16 Jahren war, war das schon mal sehr in Mode und da hab ich das etwas gelernt. Und natürlich auch sehr viel Astor Piazzolla gehört. Tanzen ist ein ganz wunderbares und wichtiges Ausdrucksmittel. Ich finde, dass man viel mehr tanzen sollte. Man spürt sich selbst und wie die Musik und die Bewegung Besitz von einem ergreift.

Gerade auch in der jetzigen Zeit um Glücksmomente zu schaffen?

Ja, genau. Musik kann befreien. Auf jeden Fall.

Darf ich Sie noch fragen, ob Sie einen Sehnsuchtsort haben?

Ich bin glücklich, wenn ich am Meer bin. Da ist es dann im Prinzip egal, ob das der Pazifik ist, oder die Ostsee. Lächelt.




Vielen Dank, liebe Frau Kramer, für das schöne Gespräch. Das war toll. Merci  





'Musik ist die Weltsprache - ich versuche mich den ganzen Sprachen anzunähern

aber eigentlich müsste man nur die eine kennen

und das ist die Musik'

Pierre Kiwitt


Fotoausschnitt Zürich Krimi:

ARD Degeto Roland Suso Richter




Thomas Borchert ist es gewohnt, als Anwalt ohne Lizenz zu arbeiten. In "Borchert und der eisige Tod" ermittelt er sogar ohne Mandat - und gegen den Willen eines Verurteilten. Borcherts fester Glaube, mit der Wahrheit nicht nur dem Recht, sondern auch der Gerechtigkeit zu dienen, wird im zehnten "Zürich Krimi" auf die Probe gestellt. Roland Suso Richter inszenierte den atmosphärisch dichten und spannenden Film nach einem Drehbuch von Wolf Jakoby in der verschneiten Bergwelt der Graubündner Alpen.

Donnerstag, 4. Februar 2021 Das Erste 20.15 Uhr


Christian Kohlund alias Thomas Borchert hat ein untrügliches Gespür dafür, wenn ein Unschuldiger als Sündenbock herhalten soll. In "Borchert und der Mord im Taxi" deckt der charismatische Titelheld die schmutzigen Machenschaften der Reichen und Einflussreichen auf, um seinen unter Mordverdacht stehenden Mandanten frei zu bekommen. Der "Anwalt ohne Lizenz" macht sich zusammen mit seiner von Ina Paule Klink gespielten Partnerin Donimique und Pierre Kiwitt in der Rolle des Hauptmanns Furrer daran, unbequeme Wahrheiten ans Licht zu bringen, was auch seinen alten Freund Reto auf den Plan ruft. Regisseur Roland Suso Richter inszenierte den elften "Zürich Krimi" nach einem Drehbuch von Grimme-Preisträger Leo P. Ard.

Donnerstag, 11. Februar 2021 Das Erste 20.15 Uhr


Wenn etwas bis ins kleinste Detail unanfechtbar scheint, dann hat womöglich jemand nachgeholfen! Für Christian Kohlund als knorrigen Titelheld ist die allzu eindeutige Indizienlage in "Borchert und die Zeit zu sterben" der Anlass, auf seine unkonventionelle Art wieder einmal tiefer nachzubohren. Regisseur Roland Suso Richter inszenierte den zwölften "Zürich Krimi" nach einem Drehbuch von Wolf Jakoby.

Donnerstag, 18. Februar 2021 Das Erste 20.15 Uhr



Im Gespräch mit Pierre Kiwitt

Marion Graeber im Januar 2021



Hallo lieber Herr Kiwitt. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr.

Nicht zu danken. Danke, für Ihre Anfrage.

Sind Sie derzeit in Berlin?

Nein, ich bin gerade in Paris.

Sie haben deutsche und französische Wurzeln...  

Ja, das stimmt. Aber ich bin derzeit für einen Dreh in Paris. Ich drehe einen Film über Napoleon und Metternich im Jahre 1813. Das bekannteste Duell zwischen den beiden, als Metternich Napoleon den Vorschlag unterbreitet sich zurückzuziehen, damit Europa wieder Frieden erlangen kann. Ein Projekt für ARTE.

Wird in deutscher oder französischer Sprache gedreht?

Beide Sprachen.

Sie sprechen mehrere Sprachen. Stimmt es, dass Sie für einen Film extra portugiesisch gelernt haben?

Ja, das war in Brasilien. Ich habe dort eine Serie angeboten bekommen und die Sprache dann mit dem Drehbuch erlernt.

Sie haben demnach Erfahrungen mit internationalen Produktionen. Wie sind die Unterschiede?

Im Herzen sind sie alle gleich. Lächelt. Das sind Menschen, die leidenschaftlich gern eine Geschichte erzählen wollen. Und doch ist es erfrischend, denn die Filme sind oftmals so unterschiedlich wie die verschiedenen Kulturen selbst. Dann kommt noch die Thematik drauf. Das macht sehr viel Spaß. Es ist sowieso für mich sehr interessant andere Kulturen kennen zu lernen. Menschen zu begegnen. All das mag ich.

Beeinflusst Sie diese Arbeit in den unterschiedlichen Ländern mit verschiedensten Kulturen?

Ja, das beeinflusst den Dreh an sich und das beeinflusst einen auch selbst. Es inspiriert. Und, es bringt manchmal auch andere Sichtweisen und Schaffensarten zum Vorschein. Daran kann man nur wachsen.

Sind die Drehbedingungen unter Corona in Paris vergleichbar mit, beispielsweise Berlin?

Ich war vor Paris in Prag und in Zürich. In Prag hab ich parallel „Das Boot“ gedreht. In Paris liegt die Inzidenz bei 200, in Prag lag der Wert teilweise über 700. Da hört man alle paar Minuten die Ambulanz. Es ist erstaunlich, und ich kann jedem Produzenten nur mein Lob aussprechen, der sich in dieser Zeit so einem Projekt annimmt und versucht zu drehen. Eine Produktion ist ja an sich schon schwierig. Aber zusätzlich noch mit diesen Gegebenheiten rund um Corona klar zu kommen, das ist schon eine Herausforderung.

Sind Sie regelmäßig getestet worden?

Ja, wir sind regelmäßig getestet worden.

Das ist schon ein anderes Leben derzeit...

Ja, komplett. Aber ich sag immer, man darf sich nicht so sehr darauf fokussieren, was man alles nicht mehr hat oder nicht mehr machen kann. Natürlich ist das belastend, wenn man ständig eine Maske tragen muss, man keinen Sport machen kann. Auch, dass die Kinder nicht zur Schule und in den Kindergarten können. Aber all das sind im Moment eben medizinische Notwendigkeiten.

Auch für Kinder eine schwere Zeit…

Ich glaube, man muss da mit Kindern ganz vorsichtig im Umgang sein. Vielleicht im Sinne von „la vida es bella“ von Roberto Benigni. Es geht doch eigentlich nicht darum, was ich vermisse, sondern wie ich meinen Raum, der mir zur Verfügung steht, angenehm gestalte. Trotz Krise. Das ist, glaube ich, wichtig. Gerade auch für Kinder. Kinder, aber auch Jugendliche und Jung-Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren, die sich normalerweise auf in die Freiheit machen… Das ist schon schwer. Und doch, glaube ich, wenn wir uns alle einig sind, alle Masken tragen, uns an die Regeln halten, kommen wir da gemeinsam durch. Ich stehe sehr ein für das Beschützen und Achten aller.

Sie waren auch für den Zürich Krimi vor der Kamera. Drei neue Folgen werden nun im ARD ausgestrahlt. Dann sind Sie aktuell in Paris, waren zuvor in Prag. Haben Sie eigentlich eine Lieblingsstadt?

Ich finde so viele Städte gut. Ich kann mich gut an Städte anpassen und bin auch  neugierig und freue mich immer wieder auch neue Städte entdecken zu können. Ich fühle mich tatsächlich ein bisschen heimatlos. Ich liebe Paris, das ist eine wundervolle Stadt. Berlin – da lebe ich derzeit. Berlin, muss ich sagen, hat schon sehr viel von allem. Da kann man wirklich gut leben. In München hatte ich zu viele Leben aber München ist durchaus eine tolle und lebenswerte Stadt. Südfrankreich, Spanien - super. Los Angeles, liebe ich. Auch Prag und London. Es scheint so, als hätte ich noch nicht so richtig gefunden, wo ich gern bleiben will. Lacht. Ich kann beispielsweise auch keinen Lieblingsschauspieler oder Regisseur benennen – es gibt einfach zu viele.  

Kennen Sie Stuttgart?

Zu Stuttgart hab ich eine ganz besondere Verbindung, da meine Frau in Stuttgart getanzt hat. Gauthier Dance im Theaterhaus in Stuttgart. Zudem hab ich gute Freunde in Stuttgart, beispielsweise auch bei der Soko Stuttgart und Dr. Klein. Stuttgart hat sehr schöne Ecken.

Tanzen Sie Tango?

Nicht wirklich. Ich tanze immer ein bisschen, passe mich gern der Musik an. Ob ich es kann ist eine andere Frage. Lacht.

Welche Musik mögen Sie?

Ich begegne Musik gerne und lass mich dann auf sie ein. Ich war eine Zeit lang auch DJ. In jungen Jahren. Ich denke, ich habe Musikeinflüsse aus vielen Ländern. Auch über Freunde, die über die Welt verteilt sind. Ich finde, die Musik ist die Weltsprache. Ich versuche mich den ganzen Sprachen anzunähern aber eigentlich müsste man nur die eine kennen und das ist die Musik.

Dann sind Sie offen für die Musik in ihrer ganzen Fülle...

Man kann sich dem öffnen, was eine andere Kultur einem geben möchte. Das bereichert. Apropos Tango – Carlos Gardel ist sensationell – ich liebe das. Aber ich kann auch mal Heavy Metal hören oder Hip-Hop. Auch Techno und Rock 'n' Roll.   

Regisseur, Roland Suso Richter führt Regie beim Zürich Krimi. Ich habe gelesen, er verfolgt eine Besonderheit – es gibt keine Proben. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Lacht.

Wie sind Ihre Erfahrungen?

Am Anfang hat mich das auch etwas verunsichert. Aber das ist gar nicht so schlimm. Lacht. Im Gegenteil. Das gibt dem Film sehr viel Frische und man kann Dinge auch neu entdecken. Man ist auch anders wach. Das ist spannend. Was Roland Suso Richter auch gerne macht ist Szenen zusammen legen. Das heißt, man spielt dann 15 bis 20 Minuten komplett durch. Da ist man dann in einer ganz anderen Anstrengung. Roland Suso Richter weiß was er tut, er ist ein großartiger Regisseur.


Vielen Dank, lieber Herr Kiwitt für das tolle Gespräch. Merci.







'Ich tanze jeden Tag. Wenn man nicht tanzt hat man im Leben etwas falsch gemacht'

Jophi Ries

Foto: Mathias Bothor



„Ein Sommer auf Elba“ - Herzkino

Obwohl Maja und Thorsten geschieden sind, machen sie gemeinsam mit ihren Söhnen Urlaub. Der Gedanke ist gut, die Ausführung jedoch miserabel. Majas Anstrengung, mit allen etwas gemeinsam zu unternehmen, bügeln die Männer gekonnt ab. Kurzerhand lässt sie die drei alleine zurück und fährt einfach ins Blaue.

Im Gespräch mit Regisseur, Jophi Ries

Marion Graeber im Januar 2021


Hallo Herr Ries, danke, dass Sie Zeit für mich haben. Wie geht es Ihnen?

Alles super. Danke.

Am 24. Januar ist im ZDF Herzkino „Ein Sommer auf Elba“ zu sehen. Wann wurde der Film gedreht?

Wir haben im Juni/Juli diesen Jahres gedreht. Wir waren die Ersten, die mit der Öffnung Italiens wieder ins Land konnten. Am Flughafen in Zürich war es gespenstisch. Nur fünf Flugzeuge waren an der Tafel angeschrieben. Im Flieger dann, nur jeder zweite Platz besetzt.

Wie war die Situation auf Elba?

Auf Elba war es sehr lässig. Wir haben ja immer draußen gedreht. Und, es gab ein gutes Hygienekonzept. Alle wurden getestet vor dem Dreh. Die Schauspieler sogar mehrfach. Das war alles sehr gut organisiert. Ich hab jetzt aktuell in Hamburg gedreht – alle Drehs fanden in Räumen statt. Das war doch schwieriger.

Wie lange waren Sie auf Elba?

Die Drehzeit betrug zirka fünf Wochen. Ich war aber schon früher dort, weil ich noch vorbereitet habe. Das waren dann gut zwei Monate.

Waren Sie zuvor schon einmal auf Elba?

Lustigerweise war ich mit meiner Familie schon einmal auf Elba, ja. Das Hauptmotiv, wo wir das Familienhaus abgedreht haben, da war ich in Wirklichkeit schon. Als wir auf der Suche nach der Location waren, hab ich uns zu dem Haus geführt und so getan, als würde ich es auf dem Weg entdecken. Alle jubelten und meinten, wie toll das wäre und wie ich das gefunden hätte…. Dabei war ich ja heimlich schon dort. Lacht. Es war dann ein Glück, dass wir es zum Dreh bekommen konnten.  

Was hat Ihnen auf Elba besonders gut gefallen? Was macht den Film besonders?

Die Inseln sind in den „Off Zeiten“ einfach fantastisch. Gerade weil die Massen an Menschen nicht da sind. Das hat mir dieses Mal so gut gefallen. Durch Corona ging es dort ja erst wieder etwas los. Es war einfach noch besonders leer und der Ort, an dem wir gewohnt haben, war so ein fantastischer Ort. Auch der Blick auf die Hauptstadt, genau gegenüber. Wir sagten immer, dass die Italiener aber ein fantastisches Filmstudio haben, wo sie jeden Abend dieses Filmset mit diesem Blick für uns aufbauen.  

Was schätzen Sie am Herzkino? Vielleicht auch gerade im Hinblick auf Krimis im TV?

Ich hab ja als Schauspieler sehr viele Krimis gespielt und es gibt mittlerweile so eine Flut an Krimis, dass ich es eigentlich schon bald nicht mehr sehen kann. Es muss schon etwas besonderes sein, damit ich Lust habe, es mir anzuschauen. Für mich liegt der Reiz der Regie für diesen Sommerfilm ganz klar darauf, dass ich diesen so gestalte, dass ich ihn mir auch selber gern ansehen möchte. Einen leichten Stoff so zu machen, dass die Figuren und diese leichte Geschichte wirklich ernst genommen werden – das finde ich eine unglaubliche Herausforderung. Denn, es gibt schon ziemlich viele, langweilige Schmonzetten. Das versuche ich in meinen Sommerfilmen anders zu machen. Den Zuschauer ernst nehmen und die Geschichte so machen, wie ich sie mir selber auch ansehen wollen würde. Das ist der Anspruch. Deshalb kümmere ich mich auch intensiv um die Musik und den Schnitt. Das ist für mich ein unheimlicher Reiz. Hinzu kommt, dass an diesen wundervollen Orten drehen zu dürfen ein wahres Geschenk ist. Glauben Sie mir, das macht Spaß, auf Elba, Mykonos oder auf Lanzarote.

Auf Lanzarote führten Sie im Jahre 2015 das erste Mal Regie für einen Langfilm. Sie führen Regie und sind Schauspieler. Genießen Sie mit dieser Kombination Vorteile?

Ich glaube, jeder Schauspieler ist gleichzeitig bester Regisseur für Schauspieler. Du weißt halt, wie die Gattung „Schauspieler“ funktioniert. Du weißt, um die Schmerzen, um die Talente. Ich liebe Schauspieler und das ist spürbar. Der Zugang ist so viel einfacher.

Ist Ihnen beides gleich wichtig – Schauspiel, Regie?

Ich hab mir die Regiearbeit schon in den 1990er Jahren aufgebaut. Habe vier eigene Filme produziert und dann, weil ich so viele Kinder bekommen habe, erst mal wieder gespielt. Jetzt bin ich wieder schwerst bei der Regie. Es ist meine ganze Erfüllung. Und spielen tu ich jetzt noch lieber.  

Haben Sie als Regisseur die Schauspielrollen besetzt? Ihre Frau, Regula Grauwiller spielt die Hauptrolle der Maja … Wie war die gemeinsame Arbeit?

Das ist so durch Zufall entstanden. Die Produzentin hat Regula vorgeschlagen und ich hab nur gesagt „Volltreffer“. Es ist tatsächlich so, dass Regula und ich immer beide die Bücher lesen, die uns vorgelegt werden. Wir reden dann drüber, was wir spielen oder drehen wollen. Regula hatte das Drehbuch zu „Ein Sommer auf Elba“ auch gelesen und meinte, das würde sie gerne spielen. Wenn wir dann zusammen drehen ist das einfach ganz normale Arbeit. Es ist nicht anders als mit den anderen Schauspielern. Aber es klappt sensationell, denn wir sind Vertraute.  

Wie Sie bereits angesprochen haben, ist Musik für den Film wichtig. Wie gestaltete sich diese Arbeit?

Ich mache diese Filme sonst als Romantic-Comedy. Diesen, den wir jetzt auf Elba gemacht haben, der ist ein bisschen tiefer. Mit einem erwachsenen Thema. Ich glaube, dass die Sommerfilme kommerzielle Musik brauchen. Musik, die wir alle lieben. Musik, mit der wir die Menschen willkommen heißen. Es wird gute Laune verbreitet und wir verzichten bewusst auf sphärische Musik, wie sie beispielsweise im Tatort eingesetzt wird. Unsere Musik soll gute Laune und Spaß vermitteln. Deshalb möchte ich auch immer viele Songs haben. Die Zusammenarbeit mit den Musikkomponisten ist zudem immer eine ganz zauberhafte, da sie Magie erschaffen. Das besondere an einem Film zu arbeiten sind die unterschiedlichen Phasen. Alle wichtig, alle schön. Bucharbeit, dann die Dreharbeiten – dann, der Schnitt - hier entsteht der Film dann wirklich. Und dann kommt überhaupt das Schönste – die Musik. Die Musik, die das, was man erschaffen hat begleitet und so richtig hervorholt. Manchmal musst du nur schauen und nichts tun – dann kommt das Cello drauf und das erzählt alles.

Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie persönlich gerne hören?

Alles. Ich bin in Sachen Musik auch viel im Dialog mit meinen Kindern. Wir fragen uns allerdings oft: „Wo sind in der heutigen Musik die Gitarren?“. Das nervt mich ehrlich gesagt ein bisschen an den heutigen Popsongs. Und, das geht meinen Kindern witzigerweise auch so. So finden wir Musik aus den vorangegangenen Jahrzehnten spannender und besser. Ich finde, wir sind gerade, was die heutige Musik anbelangt, in einer etwas langweiligen Zeit.

Zur Musik gehört ja irgendwie auch die Bewegung. Tanzen Sie? Vielleicht Tango?

Ich tanze keinen Tango aber ich tanze jeden Tag. Ich tanze auch viel mit meinen Kindern. Wenn man nicht tanzt hat man im Leben was falsch gemacht. Gerade in diesen Corona Zeiten, wo man viel zuhause ist – ich tanze oft den ganzen Tag. Gerade auch in der Phase, wo ich Musik für den Film gehört habe, tanze ich mit der Musik mit. Wenn man einen geilen Song hört – das geht einem doch so richtig in die Beine. Lacht.


Lieber Herr Ries, vielen Dank für das tolle Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut.




'Ich höre am liebsten Musik, die mir gute Laune macht'

Bjarne Mädel

'

Fotocredit: Jürgen Bauer



„Sörensen hat Angst“, Mittwoch, 20. Januar 2021, 20.45 Uhr Das Erste


Im Gespräch mit Bjarne Mädel

Marion Graeber im Januar 2021


Hallo Herr Mädel

Moin

Wie geht es Ihnen?

Mir geht’s ganz gut. Danke. Mir glüht nur etwas das Ohr, da ich nun zwei Interviewtage hinter mir habe.

Ich freu mich sehr, dass Sie auch Zeit für mich haben.

Sehr gerne.

Rufen Sie aus Berlin an?

Ja, ich wohne in Berlin.

Der Film „Sörensen hat Angst“, spielt im fiktiven, nordfriesischen Katenbüll – ein starker Gegensatz zu Berlin. Ich habe gelesen, dass die Drehorte rund um Bremerhaven stattgefunden haben. Haben Sie dort optimale Drehbedingungen gefunden? Was machte diese Orte dort so besonders?

Es ist tatsächlich so, dass der Roman von Sven Stricker in Nordfriesland spielt. Dort haben wir uns anfangs auch nach Motiven umgesehen. Da wir dann jedoch eine Förderung von der Nordmedia bekommen haben, haben wir in Niedersachsen gedreht. Das war uns von der Förderung so vorgegeben. Wir haben dann also in Niedersachsen einen Ort gesucht, der eine typische norddeutsche Atmosphäre hergibt, wie sie im Buch beschrieben wird. In Varel und Umgebung haben wir diesen Ort dann gefunden. Ich war erstaunt, weil ich die Gegend zuvor noch gar nicht kannte. Es war mir gar nicht bewusst, dass es dort am Meer so schöne Ecken gibt. Dieser Landstrich hat aber auch wirklich alles für uns hergegeben, was wir brauchten. Tolle Motive. Zumal es gar nicht leicht war, zum Beispiel so eine kleine Kate für Sörensen zu finden, die eigentlich nur aus einem Raum besteht und direkt am Deich liegt. Und nebenan dann noch eine Pension. Das alles so zu finden, wie beschrieben, das war, wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Gedreht wurde vom 20. Februar bis 19. März 2020.

Das war kurz vor dem Lockdown. Wie sind Sie damit umgegangen – wurde es schon hektisch am Set?

Ja, während der letzten zwei Drehwochen schwebte sozusagen schon das Damoklesschwert über uns. Wir hatten auch Kontakt zu anderen Produktionen, die mitten in ihrer Arbeit unterbrechen mussten. Auch wir waren natürlich vom Abbruch bedroht. Diese kleine Enklave an der See kam uns jedoch entgegen. Dort waren wir sehr unter uns und da war nicht viel Bewegung nach außen. Wir hatten auch kein Riesenensemble und keine Massenszenen. Wir haben uns dann auch deshalb alle entschieden, das gemeinsam durchzuziehen, wofür ich sehr dankbar bin. Auch für die Produktionsfirma, weil es eine kleine Produktionsfirma aus München ist (Claussen + Putz Filmproduktion). Sie mussten schon den Frankentatort abbrechen. Hätten wir auch noch abbrechen müssen, wäre das mit noch mehr Kosten für die Filmproduktion verbunden gewesen. Vom timing her waren wir ja zum Glück auch sehr kurz vor dem Abschluss. Wir wussten, dass wir das irgendwie hinbekommen. Viele Szenen, die uns noch fehlten, fanden draußen an der frischen Luft statt. Bei einer Szene hatten wir dann noch doppeltes Glück. Die Szene sollte in einem Krankenhausflur gedreht werden. Wir haben sie aus verschiedenen Gründen von Mittwoch auf Montag vorgezogen. Am Dienstag haben wir dann erfahren, dass wir aufgrund von Corona am Mittwoch dort gar nicht mehr hätten drehen dürfen. Direkt nach Abschluss der Dreharbeiten kam dann der erste Lockdown. Das war für mich dann die Zeit, den Film zu schneiden und fertigzustellen. Im Sommer hab ich dann einen weiteren Film als Schauspieler in Süddeutschland drehen können. Konnte also Geld verdienen. Dann kam der zweite Lockdown.... Mir ist wirklich bewusst, dass ich einer von den wenigen nicht fest engagierten Schauspielern bin, die so gut durch diese Zeit gekommen sind. Ich bin da so durchgerutscht – quasi unter dem Radar weiter geflogen. Es gibt so viele Künstler, die freiberuflich unterwegs sind, die es extrem schwer haben in diesen Zeiten, in denen ihr Einkommen auf Null runtergefahren wird. Mir sind aktuell ein paar Lesungen abgesagt worden. Das ist schade, trifft mich aber nicht existentiell. Beruflich habe ich also enormes Glück gehabt. Privat hab ich das alles aber natürlich auch gespürt. Mein Vater lebt in den USA. Keine Chance, ihn zu besuchen. Auch meine Mutter in Hamburg konnte ich aufgrund der Situation nicht sehen.

„Sörensen hat Angst“, wird als ein etwas anderer Krimi beschrieben. Was unterscheidet ihn von anderen?

Der Krimi bildet natürlich den roten Faden, aber die Angststörung der Hauptfigur und die humorvolle Art und Weise, wie er mit dieser Angst umgeht, stehen zunächst im Vordergrund.

Um was für eine Angststörung handelt es sich?

Die Angststörung nennt sich „Generalisierte Sorgenangst“. Sie ist immer dann am schlimmsten, wenn man ihr viel Raum gibt. Wenn man zuhause auf dem Sofa sitzt. Dann macht sie sich breit – die Angst. Funktioniert man aber, steht unter Druck von außen, dann hat die Angst nicht so viel Platz. Das kann man genauso in unserem Film beobachten. Die Geschichte an sich, der Kriminalfall und die Abgründe, die sich mit ihm auftun, das ist heftig und wird auch sehr schlimm. Für Sörensen wird der Druck und der Zeitdruck immer größer und so tritt die Angst in den Hintergrund und der Kriminalfall übernimmt die führende Rolle. Anfangs geht es also um die Angststörung und wir ziehen den Zuschauer mit etwas Heiterkeit in diesen Film. Die Zuschauer, die mich aus anderen Zusammenhängen kennen, denken vielleicht, das wird lustig mit dem Bjarne Mädel. Den kennen wir. Da gibt es meistens was zu lachen. Mit dieser Erwartungshaltung spielen wir natürlich auch. Doch, das Blatt dreht sich und es wird ernster als der Zuschauer das wahrscheinlich erwartet. Es entsteht eine Atmosphäre, die sehr bedrückend und finster wird.

Ist es schwer hier eine Balance zu halten – zwischen leichtem Humor und knallhartem Kriminalfall?

Es war ein Balanceakt, aber der Humor betrifft in erster Linie die Angststörung von Sörensen. Wie er selbst damit umgeht, ist humorvoll und wie er mit Kollegen in den Dialogen agiert. Ich finde, es ist immer eine gute Möglichkeit, mit Humor die Herzen der Zuschauer zu öffnen und sie danach mit dem zu konfrontieren , was man selbst auf dem Herzen hat, mit dem, was man zu sagen hat. Und es war unsere Absicht, ein schweres Thema mit Leichtigkeit anzugehen. Ich meine damit aber auf keinen Fall mit Oberflächlichkeit. Wir haben das alles sehr ernst genommen. Sowohl die Angststörung, als auch den Kriminalfall. Und doch gibt es da diese Menschlichkeit, der Figuren, die den Film auch bestimmen sollte.

Das Publikum schaut gerne Krimis. Warum?

Schwere Frage. Das liegt vielleicht an der Sehnsucht nach der heilen Welt, nach einer Ordnung, die man sich in einer Gesellschaft und in seinem Kopf wünscht. Menschen haben die Sehnsucht nach einfachen Bewertungen – nach Gut und Böse. Ich glaube, all das ist in einem 90minütigen Krimi überschaubar und erzählbar. Und es ist wohl beruhigend, wenn Unheilvolles am Ende erklärt und besiegt wird.

„Sörensen hat Angst“, ist Ihr Regiedebüt. Sie führen Regie und spielen die Hauptrolle. War diese doppelte Aufgabe eine große Herausforderung?

Ja. Regie zu führen und gleichzeitig als Schauspieler vor der Kamera zu stehen war definitiv eine Herausforderung aber auch ein Vorteil. Ich bin ja als Spieler ganz nah an meinen Kollegen dran. Ich spüre sofort, wenn in einer Szene etwas nicht stimmt oder der Text nicht funktioniert. Auch konnte ich bereits aus der Szene heraus, den Rhythmus mitbestimmen. Zudem habe ich die Vorarbeit mit dem Kameramann, Kristian Leschner gemacht, da konnte ich genau sagen, wie der Hauptdarsteller das dann spielen wird. Normalerweise denken sich ja Regie und Kamera ein Konzept aus, dann kommt beim Dreh noch der Schauspieler oben drauf und sagt, was er will .. Dieser Arbeitsschritt fiel in unserem Fall weg. Ich konnte mich außerdem als Spieler gut in die anderen Schauspieler hineinversetzen. Was macht Spaß, was macht Schwierigkeiten.... Ich hatte eher Angst, dass ich beim Spielen vergesse zu spielen und stattdessen den Kollegen zuschaue. Aber ich bin dann, glaube ich, durch die viele Arbeit vor der Kamera, schon so konditioniert, dass sobald das „Bitte“ kommt, ich dann in der Szene und in der Figur drin bin. Es hat mich also nicht verwirrt, die Figur zu spielen und gleichzeitig Regie zu führen. Zudem gab es die Kontrolle, ich hatte jederzeit die Möglichkeit, mir alles Gespielte direkt im Anschluss auf dem Bildschirm anzusehen. Ich muss auch sagen, ich bin generell ein bewusster Spieler. Ich begebe mich beim Spielen nicht in eine Art Trance, wo ich dann nicht mehr weiß, was ich grade gemacht habe.

Ich habe gelesen, dass Sie die Figur des Sörensen bereits in den Anfängen aktiv mitgestalten konnten.

Das stimmt. Sven Stricker (Buchautor) und ich sind schon sehr lange durch die Arbeit miteinander verbunden. Er hat diese Figur mal für mich, als Hörspiel, welches wir zusammen aufgenommen haben, geschrieben. Weil er dann noch so viele Ideen hatte, hat er in der Folge einen Roman daraus gemacht. Da die Dialoge so toll sind und sich der Roman sehr bildhaft liest, entstand dann die Idee, diesen Stoff zu verfilmen. Wobei von Anfang an feststand, dass ich die Rolle des Sörensen übernehmen würde. Wir haben dann zusammen sehr intensiv am Drehbuch gearbeitet.

Das war eine perfekte Vorarbeit...

Ja, wir haben uns in dieser Phase auch schon viele Szenenübergänge überlegt… Auch, wie wir das Ganze an sich eben umgesetzt haben wollten. Da ging die Drehbucharbeit schon in die Regiearbeit über. Wir haben da schon festlegen können, welche Momente gut sind, diese Angst von Sörensen zu zeigen und visuell klar zu machen, wie die Störung funktioniert, um dieses Beispiel zu nennen.

Musik spielt in jedem Film eine große Rolle. Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie persönlich gerne hören?

Ich höre sehr gerne Musik, die mir gute Laune macht. Ich bin meistens bei der Musik, die harmonisch und melodisch ist. Es herrscht genug Chaos um mich herum. Ich hab Phasen, in denen ich gerne Reggae höre. Das bringt dann auch schon mal die Sonne in den grauen Kreuzberger Alltag. Die Musik von Volker Bertelmann liegt oft genau an der Grenze von Musik zu Sound und Geräusch. Das fand ich sehr spannend und für „Sörensen hat Angst“  extrem passend. Sörensen nimmt Akustik in Angstmomenten ganz übertrieben wahr. Dinge, wie beispielsweise, der Milchaufschäumer oder klirrendes Besteck, sind für ihn, durch die Störung, lauter und präsenter als für uns. Das wurde durch die Musik, die Geräusche und die Akustik hervorgehoben und ausgearbeitet.

Zur Musik gehört ja irgendwie auch die Bewegung und der Tanz. Darf ich Sie fragen, ob Sie tanzen? Vielleicht Tango?

Ich weiß, dass wir das auf der Schauspielschule als Unterrichtsfach hatten. Eine Tanzschule hab ich allerdings nie besucht. Manchmal gibt es Momente, wo ich das bereue. Wie bei der Arbeit für den Kinofilm „25 km/H“, da hatte ich mit Lars Eidinger eine ausgiebige Stepptanznummer. Dafür mussten wir hart trainieren. Wenn ich also in einen Film Tango tanzen müsste, würde ich auch dafür wochenlang trainieren müssen.  



Vielen Dank, lieber Herr Mädel für das tolle Gespräch.




'Wenn ich die Ruhe habe spiele ich sehr gerne Beethoven und Bach'

Matthias Komm


Foto: Markus Hurek


„Magda macht das schon“ - Finale Staffel der RTL Abendshow

Am Donnerstag, 14. Januar ist Matthias Komm in der finalen Staffel wieder als mürrischer FamilienvaterTobias Holtkamp in der preisgekrönten Sitcom „Magda macht das schon“ auf RTL zu sehen. Diese 4. Staffel mit zehn Episoden stellt das Serienfinale dar. Auf Matthias Komms Figur kommen in dieser Staffel einige Herausforderungen zu: sein Sohn verabschiedet sich ins Ausland und das Loslassen fällt ihm schwer, dann verliert Tobias auch noch seine Anstellung und der Haussegen in der Familie hängt komplett schief.

Im Gespräch mit Matthias Komm

Marion Graeber 14. Januar 2021

 

Hallo Herr Komm, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Sind Sie in Berlin?

Ja, ich sitze im Lockdown in meiner Wohnung und hab meinen Kindern soeben schon Unterricht gegeben. Danach werde ich Mittagessen machen - der Hausmann arbeitet zuhause. Lächelt. 

Das sind schon veränderte Bedingungen, die man derzeit erlebt…. 

Ja, das stimmt.

„Magda macht das schon“ geht in die letzte Runde. Welche Gefühle begleiten Sie?

Das ist immer wieder schade. Es ist wie am Theater. Dort gibt es die Ensembles. .. Und um so länger man da ist, desto mehr wächst man zusammen. Das bildet sich so bei einem Dreh nur, wenn man eine Serie macht. Wenn man dann nach einer Serienproduktion auseinander geht ist das schon ein trauriger Moment. 

Kannten Sie Ihre SchauspielkollegInnen aus „Magda macht das schon“ bereits aus anderen Projekten?

Nein, ich kannte den Regisseur. Ansonsten waren das alles neue Gesichter. 

Sie verkörpern in „Magda macht das schon“ den Tobias Holtkamp. Was hat Sie an dem Charakter gereizt?

Am Anfang hab ich mir gedacht, das Lustige ist irgendwie, dass da so ein Mann zwischen lauter aufgeregten Frauen so als Ruhepol ganz interessant zu spielen sein könnte. Das hat mich gereizt. 
Dann, irgendwann hab ich festgestellt, so ruhig ist der gar nicht und dann kamen neue Punkte dazu, 
die man im Laufe der Arbeit findet. 

Comedy ist ein ganz spezielles Format … Wie leicht oder schwer ist das im Zusammenhang mit dem 
Schauspiel?

Ich würde sagen, Comedy ist insofern speziell, da es näher am Theater ist. Mehr Rhythmus und 
Geschwindigkeit hat. Beim Krimi, da darf man länger in die Ferne schauen… dann kommt Musik drunter. … Da wird es einem leichter gemacht. Ein Comedy Format gestaltet sich schwieriger. 

 

Wie Sie gerade sagen, Musik wird in Filmen meist zur Unterstützung der Emotionen unterlegt, bei der Comedy gibt es Musikeinspieler mehr als Abgrenzungen zwischen Szenen …. 

Früher war das oft so, dass an den Stellen, wo heute die Musik bei der Comedy ist, „Lacher“ vom Publikum waren. Früher, da wurde ja live auf der Bühne vor Publikum gespielt. Ich glaube, das hat man da ein bisschen beibehalten, so dass die Show diesen unverkennbaren Rhythmus hat. Ich kann mir vorstellen, dass das daher kommt. 

Gibt es Rollen, Charaktere, welche Sie am liebsten spielen?

Ich fühle mich eigentlich immer wohl, wenn ich in einem Kostüm bin. In einem Raum, der mir eigentlich fremd ist. Sprich, wenn ich etwas spiele, was ich gar nicht so sehr bin. 

Dann mögen Sie die Herausforderung?

Ja, genau.

Wann wurde die letzte Staffel von „Magda macht das schon“ gedreht?

Das war im Sommer 2019, als noch kein Lockdown war. Da haben wir uns auch alle noch anfassen 
dürfen. … 

Sie haben auch in 2020 unter Corona Bedingungen gedreht. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Es ist nicht schön. Wobei ich froh bin, dass man in Corona Zeiten als Schauspieler überhaupt arbeiten durfte. Raus konnte aus den eigenen vier Wänden. Andererseits ist es in unserem Beruf so, dass auch viel gelacht, sich viel umarmt wird. Man ist körperlich miteinander. Wenn das dann alles verboten ist und man Abstand halten muss, fällt das schon sehr schwer. Ich mag das auch gerne, wenn man sich um einen Tisch versammelt. Gemeinsam lacht. Alles ist jetzt anstrengender. Aber das ist für alle Menschen gerade so. Überall diese Trennwände und Abstände – man ist einfach nicht mehr so sehr miteinander verbunden. 

An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Ich hab im vergangenen Jahr ein interessantes Projekt im Rahmen des „Großstadtreviers“ gehabt. 
Da hab ich eine Folge mit meiner Frau (Tessa Mittelstaedt) gespielt, wo es um häusliche Gewalt geht. Das war eine 
ziemliche Herausforderung. 

Haben Sie eine Verbindung zu Süddeutschland?

Ja, ich war beispielsweise als Schauspieler am Stadttheater in Karlsruhe engagiert. Auch in Freiburg und Stuttgart hatte ich Engagements. In Stuttgart hab ich mal einen tollen Kurzfilm gedreht und auch für die Soko Stuttgart und Dr. Klein hab ich in Stuttgart gedreht. Die Ecke ist mir also bekannt. Lächelt
Ich mag hauptsächlich das Umland. In Stuttgart-Stadt ist schon ein wahnsinniger Verkehr. … 
Für das Essen allerdings, beneide ich euch … Das ist unfassbar lecker. Dann bin ich ja auch Motorradfahrer und wenn man Kurven fahren will ist man in Süddeutschland gut aufgehoben ..

Sie spielen auch Klavier. Welches Musikgenre ist Ihnen persönlich das liebste?

Das kommt darauf an, ob ich Klavier spiele oder Musik höre. Ich habe einen unglaublich breit gefächerten Musikgeschmack. Ich kann den Lohengrin mitsingen, wie auch diverse andere Opern. 
Und, ich hab auch Punk Musik zuhause. Ein großes Idol ist für mich Bob Dylan. Da bin ich jahrelang mit einem Freund zu den Konzerten gefahren. Wir waren in Irland, Italien, Tschechien. … Da haben wir dann schöne Wochenenden verbracht. Wenn ich Klavier spiele und Ruhe habe, spiele ich sehr gerne Beethoven und Bach. Wenn etwas Unruhe herrscht, dann improvisiere ich und singe oder spiele beispielsweise Beatles Songs. 

Sie sind ja auch Musicaldarsteller …

Ja, ich hab am Theater auch viel gesungen auf der Bühne. 

Dann tanzen Sie auch?

Nein, da lass ich lieber um mich herum tanzen. Ich steh in der Mitte und singe. Lächelt. 
Ich gehe gerne tanzen und freue mich, wenn das nach dem Lockdown wieder erlaubt ist, aber dann sind das nicht der Tango und die Paartänze, die ich tanze …. Das kann ich keiner Frau antun. Lacht. Aber mit einem Glas Rotwein in der Hand liebe ich es, den Paaren beim Tango tanzen zuzuschauen. 

Hat Sie der Lockdown in den Tagesstrukturen verändert? 

Ich hab ja drei Kinder. Einer ist schon groß und meine zwei kleinen sind vier und sieben Jahre alt. 
Wenn meine Kinder in der Schule und in der Kita sind, hat man viel Tagesfreizeit. Dann kann ich viel am Tag erledigen. Wenn beide nach Hause kommen, muss ich nicht mehr am Rechner sitzen. 
Dann ist die ganze Akquise gelaufen und der Text gelernt. Dadurch, dass das jetzt alles anders ist, bin ich auf die Nacht gekommen. Aber es macht mir eigentlich keine Freude, abends noch Text zu lernen. Ich bin morgens fitter. 

Wie entspannen Sie? Sind Sie gern in der Natur?

Ja, das war schon immer mein Ding. Ich fahr jeden Tag mit den Kindern mit dem Fahrrad eine Runde. Wenn wir mehr Zeit haben sind wir gern im Wald. Pilze suchen oder wandern. 

Dann brauchen Sie Natur und Stadt?

Im Moment sind uns ja leider die ganzen Vorteile der Stadt genommen. Es gibt weder Theater noch Kino noch toll Essen gehen … Kulturell ist leider nichts los. Aber ja, ich genieße die Stadt und die Natur. 

Auf was darf sich der Zuschauer in der finalen Staffel von „Magda macht das schon“ freuen?

Die Folgen sind sehr schön geworden und halten auch einige Überraschungen für die Zuschauer bereit. Die letzte Folge ist dann auch wirklich nochmal der Hammer. Sehr emotional. Da sind bei uns SchauspielerInnen und der Crew die Tränen geflossen. 


Vielen, lieben Dank, Herr Komm. Das war ein sehr schönes Gespräch. Hab ich mich sehr gefreut. 




'Ich habe in Argentinien gedreht und dort auch diverse Tangoplätze aufgesucht und mich zum Tango auffordern lassen.

Ein wundervoller Tanz'

Jessica Schwarz

Foto: ZDF Maria Wiesler/Holger Hill



Der Schwarzwald ist eine deutsche Sehnsuchtslandschaft par excellence – selbst international ist der „Black Forrest“ eine bekannte Größe. Eine Landschaft, in der sich Urlaubs- und Ausflugserfahrungen vieler Generationen mit Sagen, Legenden, Märchen und Mythen verbinden, die dort ihren Ursprung haben. Neben dem spannenden Kriminalfall verbinden sich auch die privaten Lebensgeschichten unserer Protagonisten auf eine sehr schöne Weise mit den Besonderheiten dieser einzigartigen Landschaft. Jenseits der Postkarte liegen aber auch in dieser vermeintlichen Idylle Gut und Böse, Schönheit und Schrecken dicht beieinander. Waldgericht – Ein Schwarzwaldkrimi (Zweiteiliger Mystery-Thriller)  

Jessica Schwarz und Max von Thun klären als Ermittler in der Umgebung von Freudenstadt ihren zweiten Kriminalfall. Regisseur O. Rosenmueller inszenierte erneut einen zweiteiligen Fernsehfilm nach dem Drehbuch von Anna Tebbe. In weiteren Rollen spielen Nadja Bobyleva, Robert Schupp, David Zimmerschied, Jeanette Hain und viele andere.  

Montag, 4. Januar 2021 und Dienstag, 5. Januar 2021, jeweils 20.15 Uhr im ZDF 


Im Gespräch mit Jessica Schwarz 

Marion Graeber im Dezember 2020



Krimis in den verschiedensten Varianten sind beliebt bei den deutschen Zuschauern. Was denken Sie, woran das liegen könnte?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube tatsächlich, dass der deutsche Fernsehzuschauer an kriminalistischen Fällen interessiert ist, an deren Auflösung, aber auch am Mitraten.  Wir sind ja ein Land, in dem  gerne Kreuzworträtsel und Sudoku gelöst werden.  Aufklärung und Auflösung scheint uns sehr zu beschäftigen,  was vielleicht auch mit unserer Geschichte zu tun hat – wo es ja  ebenfalls viel  um Aufklärung geht.  

Wie gefällt Ihnen die Region – Schwarzwald?

Wir haben in Deutschland so viele unterschiedliche Regionen. Alle haben sie ihre eigenen Geschichten. Gerade der Schwarzwald ist ein echtes Eldorado für Traditionen, Märchen und Fabeln. Ich habe die Drehbücher gelesen und mochte vor allem das mystische sehr.  Ich wusste, dass ich einen ganz wunderbaren Sommer  vor mir haben werde, mit tollen Locations und schönen Motiven. Wir waren  an ganz fantastischen Plätzen. Ich bin wirklich immer wieder überrascht, was der Schwarzwald alles zu bieten hat. Die Drehbuchautorin war zur Vorbereitung sehr viel in der Schwarzwaldregion und hat geschaut, wo all diese historischen Geschichten sind, was man daraus machen und wie man sie mit den Protagonisten verbinden kann. So verschmelzen in unserem Film Vergangenheit und Gegenwart.  

Wie haben Sie diesen Sommer empfunden?

Das Interessante und Außergewöhnliche an diesem Sommer war, dass die Menschen nicht reisen konnten, wie sie es gewohnt waren. Die Hotels im Schwarzwald aber  waren voll. Das Schöne liegt oft so nah.  

Wie haben Sie Ihre Zeit im Schwarzwald genossen? Ich fand es toll, nach den anstrengenden Drehtagen (wir haben direkt neben dem Wald gewohnt) einfach nochmal eine Runde spazieren zu gehen und den Kopf frei zu bekommen,  in der Natur sein zu können. Dafür  war ich sehr dankbar. Das ist  eine tolle Region mit viel gutem  Wetter. Man kann auch fantastisch Essen gehen. Es gibt schlimmere  Arbeitsplätze … lacht…  

Waren Sie auch mal in Baiersbronn in der Traube Tonbach?

Da haben wir auch mal  einen schönen Abend verbracht. Lächelt. Wenn man in dieser Region arbeitet, darf man sich das auch mal gönnen. Ich komme ja selbst aus einer Gastronomenfamilie  und ich interessiere mich sehr für die Küche. Das haben mir meine Eltern mit auf den Weg gegeben. Mein Neffe macht übrigens seine Ausbildung in der Traube Tonbach. Das ist ganz praktisch. Lacht.  

Wie lange waren Sie für die Dreharbeiten in Pandemiezeiten vor Ort?

Ich war lange vor Ort. Ich musste mich aber auch für andere Projekte immer mal wieder bewegen. Auch, weil ich, gemeinsam  mit meiner Schwester, ein Hotel betreibe,  was ja nicht so  weit entfernt im Odenwald  liegt. Es sollte auch zu Beginn der Dreharbeiten eine Quarantäne geben. Sechs Tage hätte man da nicht aus dem Zimmer gehen dürfen. Aber dagegen  hab ich dann doch ein bisschen rebelliert. Ich muss mich ja auch ein  wenig bewegen und Sport machen dürfen.  Man darf auch Vertrauen uns gegenüber aufbringen. Wir waren ein Team von 60 Leuten und selbstverständlich wollen wir niemanden gefährden. Ich bin jetzt zwischenzeitlich bei Corona Test Nummer 34 angekommen. Alle waren negativ. Bis jetzt hat sich das Maske tragen und Hände desinfizieren wirklich bewährt. Mit Max zusammen hab ich auch einen  Anti-Gen Test gemacht. Auch der war negativ. 

Das sind schon herausfordernde Zeiten mit großen Umstellungen… 

Wir sind in der Unterhaltungsbranche. Viele Menschen müssen in der Pandemie zuhause bleiben. Ich bin froh, dass wir überhaupt drehen durften. Es werden Filme fürs Fernsehen und für's Kino gedreht - obwohl die Kinos geschlossen haben. Das ist dramatisch. Auch die Schließung der Theater ist traurig. Die Branche hat so viele Nachteile, in so vielen Bereichen – Absicherung, Bezahlung. Das trifft viele  Menschen hart. Das geht bei sehr  vielen an die Existenz.

Auch Hotels und Restaurants sind  von der Pandemie schwer getroffen...

Was unser Hotel und die Hausbrauerei anbelangt, so versuchen wir positiv zu bleiben, aber das ist nicht immer leicht. Wir müssen uns  innerhalb der Familie  gegenseitig schon immer stark unterstützen und motivieren.  

Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie gerne hören?

Ich mag Singer/Songwriter Musik ganz gerne. Das darf auch mal ein bisschen melancholisch sein. Ich mag es auch, musikalisch  in andere Länder einzutauchen. Ich höre beispielsweise gerne französische Chansons oder auch französischen Hip Hop. Ich bin eigentlich ganz offen, was Musik angeht. Was allerdings in den aktuellen Musikcharts läuft, weiß ich nicht. Was ich auch gerne höre sind Songs aus den 1980ern und 1990ern. Das tut gut. Madonna, Prince, Fleetwood Mac, Jacques Brel. Es kann aber auch mal stimmungsvolle Elektro Musik sein. Lächelt.  

Zur Musik gehört ja auch ein bisschen die Bewegung, der Tanz. Mögen Sie Tango?

Ich habe zehn Jahre Ballett getanzt und sehr lange rhythmische Sportgymnastik und Jazzdance gemacht. Ich musste auch drei oder vier Jahre Tanzkurs machen. Lacht.  Ich musste, weil ich so einen guten Tanzpartner hatte und wir immer den Abschlussball gewonnen haben. Der Preis war stets ein weiterer Tanzkurs.  Lacht.  Ich liebe den Tanz. Finde es ganz wunderbar. Bewegung hilft mir auch immer weiter. Ich durfte auch mal vier Monate in Argentinien drehen. Dort haben wir diverse Tangoplätze aufgesucht und ich hab mich da natürlich auch auffordern lassen und getanzt. Ein ganz wundervoller Tanz, dem ich gerne mehr Zeit gewidmet hätte. Er ist intensiv, sieht nicht nur anmutig aus, sondern fühlt sich auch anmutig an. Ein toller Tanz.  

Im Schwarzwaldkrimi wird auch Dialekt gesprochen. Wie stehen Sie zu Dialekten im Film oder auf der Bühne?

Finde ich ganz wunderbar. Wir haben so vielfältige Regionen in Deutschland. Ich komme ja aus Hessen und ich hatte  auch viele Jahre,nachdem ich schon von zuhause weg war, noch einen leicht hessischen Einschlag . Inzwischen ist der natürlich weg, aber ich verfalle ganz gerne mal in den Slang. Lacht . Mit Rollenname Maris Bächle hatte ich auch keine Probleme. Ich finde der klingt so nett und freundlich. Lächelt. 


Vielen Dank, liebe Frau Schwarz. Das war ein sehr schönes Gespräch.





'Bei uns zuhause hörten wir viel Jazz und Rhythm and Blues'

Max von Thun


Foto: ZDF Maria Wiesler



Im Gespräch mit Max von Thun

Marion Graeber im Dezember 20




Lieber Herr von Thun, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich sehr. Rufen Sie von München an?

Ja, das ist richtig.

Sehr fein. Dann sind wir nicht weit voneinander entfernt.

Woher kommen Sie? Das klingt schwäbisch.

Ja, Stuttgart ... Ihre Dreharbeiten waren zirka 80 Kilometer von Stuttgart entfernt, im Schwarzwald. Wie gefällt es Ihnen in dieser Region?

Es war ja der zweite Teil. Den ersten Teil haben wir auch schon im Schwarzwald gedreht. Von diesem Aspekt abgesehen, war es nichts  Neues. Wir haben aber auch dieses Mal wieder an tollen Orten gedreht.  Man entdeckt  sozusagen als vermeintlicher Tourist  Orte, die man sonst gar nicht besuchen  würde. Ich kenne mittlerweile ein paar schöne Ecken und fühle mich dort sehr wohl.  

Wie haben Sie den Dreh in Pandemiezeiten empfunden?

Ich habe vor dem Schwarzwaldkrimi noch einen zweiten Teil vom „Immenhof“ für's Kino gedreht. Ich dachte im April, ich würde dieses  Jahr überhaupt nicht drehen  können, hatte dann aber doch relativ viele Projekte.  Natürlich bin ich dafür sehr dankbar. Das ist ein Privileg. Viele Kollegen hat das viel härter erwischt dieses Jahr. Das Drehen zu Corona Zeiten war natürlich ganz anders. Wir hatten alle drei Tage Corona Tests. Das hat uns eine gewisse Freiheit  gegeben.  Gleichzeitig hing das aber auch wie so ein Damoklesschwert  über uns. … Was macht man, wenn sich ein Mitglied des Hauptcasts infiziert? … Unterbrechungen, Sorge um Versicherungsausfälle – das war schon eine andere Verantwortung. Ich bin schon eher  ein  vernünftiger Typ und versuche gut mit solchen Dingen umzugehen,  aber das alles  war  trotzdem ein Unterschied zu den vorangegangenen Drehs. Ganz am Anfang wurde der Dreh in Kategorie eingeteilt. Ich bin im Film verheiratet und da ging es darum, dass ich meine Filmfrau zum Abschied küssen sollte  – deshalb  mussten wir fünf Tage zuvor in Quarantäne.  

Sind Sie konstant am Drehort geblieben?

Ich war schon größtenteils am Drehort, ja . Es war auch ein, vom Wetter her,  wirklich traumhafter Sommer und wir waren in einem sehr schönen Hotel untergebracht. Mein Sohn hat mich immer wieder, an den Drehtagen, die nicht so eng gestrickt waren, besucht. Mal ist er eine Woche, mal zehn Tag geblieben. Dadurch  haben wir die  Zeit schön verbracht und ich war, ehrlich gesagt, ganz froh, nicht in München gewesen zu sein. Im Sommer, in der Zeit der ersten Lockerungen, da war vor meiner Haustüre in München an der Isar immer viel los. Im Schwarzwald war es hingegen etwas abgeschieden. Das war ganz schön.  

Wie beschreiben Sie Ihre Rolle?  Was hat Sie am Ermittler, Konrad Diener besonders gereizt?

Ganz prinzipiell  hat mich am Schwarzwaldkrimi gereizt, dass wir uns von der größeren Masse an Krimis im Fernsehen abheben, da wir sehr viel über die Mythologie, über das mystische und regionale erzählen. Das  war sehr spannend. Konrad Diener ist ein sehr rational denkender Polizist, der sehr gewissenhaft seine Arbeit durchzieht und klare  Vorstellungen  hat. Seine Kollegin, Maris Bächle  (Jessica Schwarz) ist dann doch sehr freigeistig.  Sie ist aus der Gegend und nimmt das alles ganz anders  auf. Diese Reibung fand ich sehr spannend. Im zweiten Teil hat  sich das auch alles  weiterentwickelt.   

Sind Sie Stadtmensch, der auch die Natur liebt?

Ich habe beides sehr gerne. Ich lebe hier in München direkt an der Isar. Da ist auch sehr viel Natur, alles sehr grün. Ich fahre häufig  Motorrad,  mit Freunden in die Berge und in die  Alpen. Wir haben wunderschöne  Seen. Ich mag also beide Vorzüge gerne. In normalen Zeiten genieße ich es in der Stadt abends  Essen zu gehen und Freunde zu treffen. Ich bin  aber auch viel in der Natur, schätze ihre Schönheit und fühle mich ihr nah.  Wenn ich in den Alpen bin, merke ich,  was für ein kleiner,  unwichtiger Teil ich von dem großen Ganzen bin.  Ich spüre, dass  die Berge schon  lange vor mir da  waren und  lange nach mir noch da sein werden… Das hilft  einem manchmal den Fokus  auf das Wesentliche zu richten und sich selbst nicht zu ernst  zu nehmen.

Sie sind ein Mensch mit vielen Talenten. Sie sind Schauspieler,  Autor und Musiker.  Was bedeutet Ihnen die Arbeit als Autor, die ja ganz eng mit Ihrem Sohn verbunden ist?

Ja, das macht mich, ehrlich gesagt, wirklich stolz. Ich habe da vor vielen Jahren unbewusst  was losgetreten, was sich verselbstständigt hat. Das erste „Sternenmann“  Buch  habe ich für meinen Sohn geschrieben. Es wurde mittlerweile in acht Sprachen übersetzt. Ab dem zweiten Buch  hat mein Sohn dann aktiv mitgemacht, Illustrationen abgenickt und Änderungen durchgesetzt. Seine Meinung ist mir sehr wichtig. Das Buch hat seine Fantasie  beflügelt und er bringt schöne  Ideen ein. Im ersten Lockdown haben wir zusätzlich ein Hörbuch aufgenommen. Ich habe ein kleines Studio zuhause. Mein Sohn hat ganz aktiv teilgenommen und Geräusche ausgesucht  und die Kapitelüberschriften eingelesen.  Wir haben Lieder zusammen gespielt und gemeinsam gesungen. Das macht mich stolz, weil das  etwas ist, was uns Spaß macht und eine ganz besondere  Nähe zwischen Vater und Sohn erzeugt. 

Das hört sich toll an. Das prägt ein Vater – Sohn Verhältnis. Das berührt mich.

Wir lesen auch unheimlich viel. Ich finde es generell sehr  wichtig, wenn man Kindern vorliest. Das  regt die Fantasie an und bildet  die Sprache. Mein Sohn ist rhetorisch erstaunlich  versiert. Das ist pädagogisch sehr wertvoll und gleichzeitig ein Spaßprojekt. Er hat auch  ständig neue Ideen.

Wie heißt der aktuelle Roman?

„Der Sternenmann und das große Abenteuer“. Wir  schreiben schon am nächsten Roman. Lacht.

Hat Ihr Sohn Berufswünsche in diese Richtung?

Ich habe gemerkt, dass  ihm Fantasie und Kreativität  sehr Spaß machen. Aber damit  kann man auch alles  machen. Das ist allgemein für das Leben wichtig. 

Ich habe gelesen,  Sie sind mit Jazzmusik aufgewachsen?

Ja, unter anderem. Musik ist so wunderbar. Ohne Musik könnte ich gar nicht leben. Mein Sohn hat irgendwann im Auto, vor ein paar Jahren „Guns n'Roses“ entdeckt. Von dort kamen wir zu „Metallica“ und jetzt ist er ein großer Fan von „Motörhead“.  Mein Sohn hört die harten Sachen. Die sind mir sogar zu hart.. Lacht. Aber er hört auch andere Musik. Ich versuche das Glück, welches ich zuhause  hatte, weiterzugeben. Ich bin mit viel Jazz und Rhythm and Blues aufgewachsen. Das versuche ich hier auch. Bei uns läuft unterschiedliche  Musik und ich möchte ihm schöne Musik vermitteln. Ihm die Vielfalt der hausgemachten Musik zeigen.  Ich habe auch gelesen, dass Jazz bei Kindern, ähnlich klassischer Musik, sehr positiven Einfluss auf ihre Entwicklung haben kann.  Der Jazz ist  durch seine Improvisation eine lebendige Sprache. Bei den meisten Liedern im Radio hört man nur noch einen  Klangteppich, keine einzelnen Instrumente mehr. Das versuche ich weiterzugeben. Wir spielen auch viel Schach. Ich glaube, alles was dem Hirn gut tut und der Entwicklung dient, ist  wichtig. Für alle Menschen.

Für das Gehirn auch sehr wichtig, die Bewegung. Tanzen Sie? Vielleicht Tango Argentino?

Der Tango ist ja eine Lebensphilosophie. Wir wachsen ja ganz anders auf als  die Menschen in südlichen Ländern, wo die Musik geatmet  wird, zur geistigen Nahrung gehört. Wir sind da doch etwas  Hüftsteifer. Ich bin kein Tangoexperte, hab aber schon Tangos gehört. Tanzen – weniger. Mein Sohn tanzt immer wieder und ich spiele dazu Gitarre. Also wir versuchen uns auch zu bewegen.

Tango würde so gut zu Ihnen passen…

Echt? Das höre ich zum ersten Mal. Muss ich mal drüber nachdenken. Lacht.  


Ich danke Ihnen sehr, lieber Herr von Thun. Ich hab mich so über unser Gespräch gefreut.






'Ich habe gerade in Krakau gedreht und in einem Buchladen im jüdischen Viertel den polnischen Tango für mich entdeckt.

Ich bin so begeistert von dieser Musik - das hat mich umgehauen'

Stephan Grossmann

Foto: ZDF Volker Roloff


„Familie Bundschuh im Weihnachtschaos“ Montag, 21. Dezember, 20.15 Uhr ZDF  
Turbulent statt besinnlich geht es im Leben von Gundula (Andrea Sawatzki) und Gerald Bundschuh (Axel Milberg) auch in der Vorweihnachtszeit zu, denn Gundula hat die Rechnung ohne ihre chaotische Verwandtschaft gemacht. Zwar schmückt Gundula trotz des vorweihnachtlichen Chaos tapfer das Haus, doch manche Konflikte lassen sich selbst mit Lichterketten und Lebkuchen nicht befrieden. Nur ein wahrhaftes Weihnachtswunder kann die Bundschuhs an diesem Fest der Liebe noch zusammenbringen. 



Im Gespräch mit Stephan Grossmann

Marion Graeber im Dezember 20



Hallo Herr Grossmann. Ich freu mich, dass Sie Zeit für mich haben. Lieben Dank!
Sie haben so einen schönen Dialekt. Da erinnere ich mich gleich wieder an die Dreharbeiten. 

Ja, im Film spielt Eva Löbau Ihre Frau Rose aus Memmingen. Sie spricht auch mit schwäbischem Dialekt. 
Ja, die Rose. Lächelt.

Man erkennt meine Herkunft gleich ...
Das passiert mir aber auch, weil ich bin ja gebürtiger Sachse. Das spüren und hören die Menschen gleich an der Melodie und an der Tonart der Sprache. 
Ich werde aber auch oft für einen Schwaben gehalten. Lächelt.

Da haben wir also was gemeinsam.
Ja, da verstehen wir uns. Das ist schön.

Wie ist das für Sie, mit Dialekt auf der Bühne oder im Film zu spielen? 
Es ist vorstellbar. Aber ich finde, Dialekte sind sehr stark typisiert. Ein Bayer drückt sich ganz anders aus, als ein Sachse, ein Schwabe oder ein Norddeutscher.

Dialekte sind aber auch schön.
Ja, sie helfen immer bei sich zu bleiben. Authentisch zu sein. Ich muss jedoch auch immer in der Lage sein, auf Hochdeutsch zu drehen. Ich persönlich mag es wenn der Dialekt so ganz leicht durchkommt. Wenn man spürt, wo der Mensch herkommt, wo er beheimatet ist. 

Sie hatten in der Schauspielausbildung auch Sprachtraining.
Richtig. Auf der Schauspielschule ging das für mich ab meinem 18. Lebensjahr los. Gott sei Dank schon so früh. 
Das war schwer damals in der Schauspielschule, da in unserem Jahrgang vier Sachsen waren. Die Sprecherzieherin hat wirklich gelitten. Denn, wenn wir uns privat unterhielten, sind wir wieder in unseren sächsischen Dialekt zurück gefallen. 
Wichtig ist im Sprachtraining im Grunde genommen das Training der Muskulatur. Man musste lernen, eine gewisse Spannung in der Oberlippe zu haben, um die Worte richtig auszuformulieren und nicht alles so fallen zu lassen. 
Verrückt war, Sie müssen sich vorstellen, als ich mit 21 Jahren an das Theater gekommen bin, mein erstes Staatstheater in Frankfurt am Main, da hab ich auf der Bühne gesprochen und hab gedacht, dass ich doch jetzt wie ein Schauspieler spreche. Da sagte der Regisseur: "Stopp, stopp, stopp, entschuldigen Sie mal, wo kommen Sie denn her?"
"Ich komme aus Sachsen" erwiderte ich. Und er nur: "Ja, dann sprechen Sie auch so". Diesen Satz hab ich mir als Schauspieler mein Leben lang eingeprägt. Man soll sich nicht verleugnen. Wo du herkommst, wer du bist, das ist wichtig.

Ja, den Charakter, den darf man sehen. Interessant, wenn man sich zeigt.
Ja, das ist richtig. 

Sie spielen bei den Bundschuhs den Hadi. Wie beschreiben Sie selbst Ihre Figur und was reizt Sie an ihr
?
Der Hadi, ich wachse immer mehr in diesen Menschen hinein, da wir das Glück haben, bereits in der fünften Folge zu sein. Man lernt dann seine Figur immer besser kennen. Hadi hat einige Merkwürdigkeiten hat, die ihn auch sehr umtreiben.
Irgendwie hat ja auch jeder in seiner Familie mindestens einen, der so ein bisschen ein „Hadi" ist. Der zu spät kommt und mit seiner Frau Feste sprengt. Wo die anderen Familienmitglieder sagen: Um Gottes Willen, wenn die kommen, wird alles kompliziert. Also die Verkörperung eines solchen Charakters, das reizt mich natürlich.

Wie sind die Drehs, die Interaktion mit Ihren Schauspielkolleginnen und -kollegen?
Das ist ein Fest. Wenn wir zusammen drehen, ist das wie ein Klassentreffen. Man freut sich aufeinander. Tolle Kollegen. Tolles Zusammenspiel. Wir sind ja als Schauspieler auf der Reise. Da ist es einfach selten und schön, so ein festes Ensemble zu haben, das immer wieder zusammen kommt. Da freue ich mich immer wieder auf die vertrauten Gesichter. 

Im April 2018 habe ich mit Andrea Sawatzki gesprochen und sie meinte, sie sei mit der Gesamtbesetzung so glücklich. Sie sagt: "Ich finde jede Figur für sich eigenständig, merkwürdig und kompliziert. Wie empfinden Sie generell die Besetzung der einzelnen Charaktere?
Die Rollen sind absolut hervorragend besetzt. Es gibt so kleine Wunder. Das spürt auch der Zuschauer. Das ist vielleicht nicht jedermanns Humor. Damit muss man leben. Aber die, die wir ansprechen, die spüren das. Ich muss sagen, als ich die Besetzung gesehen habe, dachte ich "das gibt es doch nicht". Wir fühlen uns auch pudelwohl in den Rollen. Wir haben noch so viele Einfälle, was alles mit der Familie Bundschuh passieren könnte. Das ist unermesslich. 
 
Es sind auch aktuelle Themen im Film verarbeitet. Beispielsweise Umweltschutz und Altersarmut. Im Fall von Hadi und Rose ist das Thema rund um Eddie Barack ein zentrales. 
Es ist wirklich ganz schwer, eine super gute Komödie zu schreiben. Man braucht da wahnsinnig viel Zeit und viele gute Autoren. Und ich finde es richtig, dass man den Spagat zwischen Komödie und aktuellen Themen macht. So sehen die Zuschauer, dass die Macher auch die Umwelt wahrnehmen.

Eine Komödie darf auch gern Tiefe haben. Themen müssen im Gespräch bleiben, damit sich etwas verändern kann. 

Genau. Es ist ja auch nicht von der Hand zu weisen, dass die Dramen und die schwere Kost hoch dotiert sind, sehr gemocht werden. Die Komödien werden eher stiefmütterlich behandelt. Doch die Königsdisziplin ist die Komödie. Es ist um ein vielfaches schwerer,  lustig zu sein, Humor zu treffen. Für die Komödie würde ich mir mehr Anerkennung  wünschen. Nach dem Motto "Schau an, das musste erst mal können, so etwas"...

Lachen ist so wichtig. Gerade heute .. Durch Filme wie diese, kann man mal abschalten, die Pandemie für eine kurze Zeit vergessen. Und doch sind da diese Themen und Inhalte. Das Leben hört in den anderen Bereichen, abseits der Pandemie, ja nicht auf.

Ja, und die Filme sind zudem gut ein Jahr zuvor gedreht worden. Um so wichtiger ist dann, was unser Leben ausmacht. Und nicht, wie Sie richtig sagen, sich im Kummer und Schmerz spiegeln. Wir leben ja auch nicht ständig nur in Dramen oder sind mit schweren Themen beschäftigt. Zum Glück!!

Weihnachten steht vor der Tür. Wie feiern Sie Weihnachten?
Ich muss sagen, das wird in diesem Jahr wahrscheinlich schwierig. Als Kind war es die allergrößte Freude, Weihnachten zu erleben. Das schöne Fest, die Geschenke, die Lichter. Dieses Jahr weiß ich noch nicht, wie wir Weihnachten feiern können. Feiern wir zu Hause, nur meine Frau und ich? Können wir zu den Eltern, können wir ihnen das zumuten, ist das vertretbar? So schwer, wie dieses Jahr, war es wirklich noch nie. Aber wir wollen den Kopf nicht in den Sand stecken. Wir wollen eben nicht das Drama, welches unseren Alltag bestimmt. 
Ich glaube, durch diese ganze Situation schätzen wir wieder sehr, was wir hatten und was wir hoffentlich bald wieder haben werden. Wenn vielleicht auch anders. Vielleicht ohne dieses "schneller, weiter, höher". Sondern einfach mehr  schätzt, was man hat. 

Empfinden Sie viele Menschen als freundlicher in dieser Pandemiezeit? Wir sitzen ja alle in einem Boot. 
Das stimmt. Wir sitzen alle in einem Boot und wir können auch bestimmen, wo es lang geht und wie man sich fühlt miteinander. Um so mehr sind mir diese Krawalle suspekt. Nicht, dass man einen Widerspruch setzt oder Fragen stellt. Aber in dieser Form? Wie das abläuft, das ist nicht mein Stil.

Darf ich Sie fragen, was für ein Musikgenre Sie gerne haben und ob Sie vielleicht gerne tanzen? Mögen Sie den Tango?

Ich habe in Krakau gedreht, da gibt es im jüdischen Viertel einen Buchladen, dort hab ich den polnischen Tango für mich entdeckt. Ich war so begeistert von dieser Musik, von dieser Art, also das hat mich umgehauen. Ich wollte gar nicht mehr aus diesem Laden raus. Das kann Musik leisten. Unfassbar. 
Ich würde wirklich in meinem Leben gern nochmal wissen wollen, ob es jemand schafft, mir den Tango beizubringen. Ich bin ja 1,98 Meter groß und ich habe gelernt, dass es beim Tango wichtig ist, dass man schiebt, führt und im Grunde genommen immer körperlich ablesen kann und soll, in welche Richtung es geht. Für mich ist es da schwierig, eine Tanzpartnerin zu finden, wo das funktioniert. Mit meiner Frau schaffe ich das mit der Körpergröße nicht. 
So bin ich eher der Cha-Cha-Cha und Rumba Typ. Der Rumba ist auch herrlich. 

Ich habe gelesen, Sie sind auch gern an der Ostsee? Sie wohnen aber in Berlin?
Ja, wir wohnen in Berlin. Wir haben aber auch eine kleine Datscha an der Ostsee. Jede freie Minute, die es zulässt, und das waren dieses Jahr einige, sind wir am Meer. 

Brauchen Sie beides, Stadt und Natur?
Total. Ich brauche beides. Dieses Wechselspiel der Gefühle entspricht meinem Wesen. 

Vielen lieben Dank, Herr Grossmann für dieses schöne Interview. Ich wünsche Ihnen schöne Weihnachten, ob zu Zweit oder mit mehreren Menschen. Vielen Dank.

Ich schick Ihnen mal die Rose und den Hadi vorbei. Lacht.

Oh, ja, sehr gerne. Da freu ich mich ;)







'Ich hab für drei Filme Tango getanzt.

Ich finde das wahnsinnig toll und verstehe, glaube ich, instinktiv ziemlich gut, was Tango ist'

Axel Milberg

 


Foto: ZDF Volker Roloff



„Familie Bundschuh im Weihnachtschaos“ Montag, 21. Dezember, 20.15 Uhr ZDF  

Turbulent statt besinnlich geht es im Leben von Gundula (Andrea Sawatzki) und Gerald Bundschuh (Axel Milberg) auch in der Vorweihnachtszeit zu, denn Gundula hat die Rechnung ohne ihre chaotische Verwandtschaft gemacht. Zwar schmückt Gundula trotz des vorweihnachtlichen Chaos tapfer das Haus, doch manche Konflikte lassen sich selbst mit Lichterketten und Lebkuchen nicht befrieden. Nur ein wahrhaftes Weihnachtswunder kann die Bundschuhs an diesem Fest der Liebe noch zusammenbringen.  


Im Gespräch mit Axel Milberg

Marion Graeber im Dezember 20


Hallo Herr Milberg. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Das freut mich sehr. Rufen Sie aus München an?

Ja, ich bin in München.  

Dann sind wir nicht so weit voneinander entfernt.

Sie sind in Stuttgart? Ja, das hab ich an Ihrer Sprache gehört.  

Ich kann es nicht verleugnen.

Ja, das ist schön.    

Nun geht es ja wieder los und die Familie Bundschuh tritt in Form einer fünften Folge wieder in unser Leben. Was reizt Sie an Ihrer Rolle des Gerald Bundschuh und wie würden Sie seinen Charakter beschreiben?

Gerald ist ein Finanzbeamter und kennt sich gut mit Zahlen aus. Er glaubt, dass man das Leben doch relativ gut in den Griff bekommt, wenn man ausrechnet, was gut ist und was falsch. Wenn man an die Berechenbarkeit des Lebens glaubt. Gerald würde gerne nach Hause kommen und ein glückliches Familienleben haben. Eines, wo die Rollen verteilt sind. So wie man das von früheren Zeiten her kennt. Aber dazu haben die anderen in der Familie nicht wirklich Lust. Das versteht Gerald aber nicht so richtig und nimmt das nicht ernst. Plätzchen backen gefällt ihm und, dass sich alle um den Tisch versammeln und vom Tag erzählen. Dass er Zeitung lesen kann … Aber zu all den Dingen kommt es nur für ein paar Sekunden und schon stehen wieder tausend Probleme ins Haus. Mir gefällt dieser leise Kampf. Gerald strahlt etwas altmodisches aus, und diese, seine Haltung trifft schmerzhaft auf die moderne Gegenwart.  

Im April 2018 habe ich mit Andrea Sawatzki gesprochen und sie meinte, sie sei mit der Gesamtbesetzung so glücklich. Sie sagt: „Ich finde jede Figur für sich eigenständig, merkwürdig und kompliziert“. Wie empfinden Sie die Arbeit und die Interaktion mit Ihren Schauspielkollegen und wie finden Sie generell die Besetzung der einzelnen Charaktere?

Nach fünf Folgen haben wir uns natürlich längst aneinander gewöhnt und wissen, wie jeder in der Familie so ist. Das ist wie in einer wirklichen Familie. Die Schärfe vom Anfang ist eher einer Strategie gewichen. Gerade im Umgang miteinander. Ich mit meiner Schwiegermutter, mit meiner Mutter, mit meinem Schwager und seiner bigotten Frau – das hat eine Entwicklung durchlaufen. Ich kann nicht in jeder Folge alle immer rausschmeißen sondern wir werden sanfter zueinander und versuchen das Schlimmste zu vermeiden. Wir bleiben im Gespräch. Insofern ist das auch ein Modell von Familie. Die Familie, die man sich nicht aussuchen kann sondern schauen muss, wie kommt man unfallfrei über die Runden.   

Sie sehen es auch so, dass die Besetzung der Charaktere toll getroffen ist?

Absolut. Die Charaktere sind krass. Am wenigsten krass ist meine Figur. Sagen vielleicht alle über ihre Rolle. Aber ich finde, Gerald ist eher jemand der reagiert. Er steht für Prinzipien  – will das Chaos vermeiden. Einer muss der Vernünftige sein. Gerald möchte, dass alle lächelnd am Tisch sitzen und, dass das Essen auf den Tisch kommt. Er denkt, er bekomme das über das Nachdenken, das Rechnen und mit Zahlen und Freundlichkeit hin. Doch, da irrt er sich. Aber wenn wir es gut gemacht haben, schauen wir ihm bei diesem Irrtum gerne zu.   

Gerald lebt seine Leidenschaften. Er ist ein großer Schlagerfan. Was ist Ihr liebstes Musikgenre?

Ich mag es grundsätzlich querbeet. Es sind immer einzelne Interpreten oder Titel, die ich mag. Das kann Jazz, Britpop oder Rock sein. Das kommt ganz auf die Stimmung an. Manch eine Musik begleitet einen auch durchs Leben. Auch Chansons - die entdecke ich gerade für mich wieder. Es gibt wirklich erstaunliche Chansons. Nino Rota, Legrand, Filmmusik, Gustav Mahler. Rachmaninow - Klavierkonzert: ein Weltwunder.   

Zur Musik gehört auch ein bisschen der Tanz. Tanzen Sie? Vielleicht den Tango Argentino?

Ich hab in drei Filmen Tango getanzt. Ich sehe auch gerne den Tangotänzern zu. Ich hab in Argentinien gedreht und war auf Milongas, die eigentlich immer erst um Mitternacht beginnen. Ich finde das wahnsinnig toll. Auch die Verzierungen, die nur von den Frauen ausgeführt werden. Also ich glaube, ich verstehe instinktiv ziemlich gut, was Tango ist.  

Bei all den Familienirrungen und -wirrungen werden immer auch aktuelle Themen bei den Bundschuhs aufgegriffen. Dieses Mal der Umweltschutz, der Klimawandel und die Altersarmut. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ich glaube, das ist wirklich unserem Regisseur, Thomas Nennstiel und unserer Autorin, Kerstin Cantz zu verdanken, dass eine Komödie nicht im luftleeren Raum eine sterile Spaßveranstaltung ist, sondern, dass sich Komödie aus den Schwierigkeiten, denen wir im Leben begegnen, speist. Echten Problemen, nicht behaupteten. Bedrohungen, an denen wir Erwachsene verzweifeln können. Und unser Kampf dagegen ist, wenn man von außen zuschaut, komisch. Wie wir mit falschen Mitteln, echte Probleme lösen wollen, in großer Verzweiflung – das ist Komik. Deswegen ist es richtig, Auskunft zu geben über Altersarmut und die Zerstörung der Umwelt und der Artenvielfalt. Dies unserem Sohn, einem 13jährigen Jungen in den Mund zu legen, wo man zuhört oder auch nicht zuhört – das ist absolut glaubwürdig.  

Probleme müssen im Gespräch bleiben um sie anzugehen …   Weihnachten ist das Fest der Liebe – wie denken Sie, kann Weihnachten in der Pandemie stattfinden? Wie feiern Sie Weihnachten?

Na, wir schauen mal, wie es mit Lockdown und dem Treffen von zwei Haushalten so weiter geht. Ich bin der Meinung, wir sollten uns um die kümmern, die alleine sind. Die einsam sind. Wir werden uns mit dem Konsum zurückhalten. Wir sollten schauen, dass niemand, den wir kennen, an Weihnachten alleine ist. Und nicht nur zur Weihnachtszeit, wie es so schön heißt. Auch wir könnten das eines Tages sein – alleine und isoliert.  Wer weiß das schon.  

Wie wichtig sind Ihnen Traditionen? Sind Sie religiös?

Nein, wir sind nicht religiös. Und Traditionen? – Es muss in jedem Fall lebendig sein und belebt. Die bloße Tradition ist zu wenig. Die Dinge, an die wir glauben, die sehen dann auch in ihrer gelebten Form unterschiedlich aus. Wir reden als Familie viel miteinander, wir kochen  – vegetarisch oder vegan.  

Haben Sie einen Weihnachtsbaum?

Wir haben tatsächlich eine Tanne im Zimmer stehen und die wird sehr aufwändig dekoriert und bleibt auch bis mindestens 7. Januar stehen. Mein Vater hat noch gesagt, dass Leute mit elektrischer Tannenbaumbeleuchtung für ihn gestorben seien. Das sehen wir anders. Wir haben keine echten Kerzen am Baum. Offenes Feuer, das wäre auch bei den vielen Kindern heikel gewesen. Aber die Tradition mit dem Baum, die ist da.  

Sie ernähren sich vegetarisch, beziehungsweise vegan?

Dazwischen. Meine Frau ernährt sich weitestgehend vegan. Aber ich esse schon auch mal gern ein Ei.  Man kann sich super vegetarisch ernähren. Es gibt so tolle Kochbücher. Die vegetarische und vegane Küche schmeckt inzwischen auch köstlich. Das hat sich komplett geändert. Ist nicht mehr nur gesund, sondern man kann so unendlich viele Gewürze kaufen, deren Namen ich erst lernen muss. Und alles sieht bunt aus, was auch wichtig ist und natürlich  knackfrisch.   


 

Vielen Dank, Herr Milberg für das schöne Gespräch. Danke für Ihre Zeit! 

Alles Gute






'Jedesmal wenn ich Tangomusik höre, bin ich begeistert. Das geht unter die Haut'

Gesine Cukrowski

Foto: ZDF Christian Lüdeke




„Weihnachtstöchter“,  Montag, 14. Dezember, 20.15 Uhr ZDF


In Rolf Silbers Komödie spielen Felicitas Woll, Elena Uhlig und Gesine Cukrowski drei zerstrittene Halbschwestern, die ausgerechnet in der Adventszeit um das Erbe ihres gemeinsamen Vaters (Peter Lerchbaumer) streiten.


Im Gespräch mit Gesine Cukrowski

Marion Graeber im November 2020


Hallo liebe Frau Cukrowski. Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Wie geht es Ihnen?

Sehr gut geht es gerade. Vielen Dank.

Darf ich Sie fragen, von wo Sie anrufen?

Ich bin auf dem Rückweg aus der Camargue und sitze gerade auf dem Beifahrersitz im Auto. Mein Mann fährt.

Gab es ein Projekt in der Camargue?

Ja, ich habe dort zwei Filme (Ein Tisch in der Provence) für das ZDF gedreht.

Wie waren die Drehbedingungen zu Coronazeiten?

Ich war die ganze Zeit in einer sogenannten Quasi Quarantäne (das ist ein offizieller Begriff). Durch die langen Quarantänezeiten vor und nach den Drehtagen und meine Entscheidung aus Sicherheitsgründen nicht zu fliegen, waren wir lange am Stück vor Ort.

Eine große Distanz mit dem Auto, welche Sie zurücklegen...

Eine ganz schöne Strecke. Ja. Wir machen das in zwei Teilen. Wir kommen gerade aus Karlsruhe, wo wir einen Zwischenstopp eingelegt haben.

Dann sind Sie nicht weit von mir entfernt..

Ja, ich glaube wir fahren gerade auf Höhe Stuttgart. Lacht.

Das ist ein tolles Gefühl... Ich wünsche auf alle Fälle eine gute Fahrt.

Danke. Ich hab einen guten Fahrer. Lacht.

Am 14. Dezember zeigt das ZDF die „Weihnachtstöchter“. Wie feiern Sie Weihnachten?

Dieses Jahr muss ich sagen, weiß ich es noch nicht so richtig. Ich bin gerade dran es zu organisieren. Damit wir feiern können, muss ich schauen, ob wir einen Teil der Familie getestet bekommen. Ohne negativen Test können wir uns tatsächlich gar nicht treffen. Normalerweise feiern wir am Heiligen Abend in der kleinen Familie und dann am 26. Dezember bei meinen Eltern mit all meinen Geschwistern und den Kindern. Ob wir das allerdings dieses Jahr hinbekommen? Vielleicht müssen wir uns tatsächlich dieses Jahr aufteilen. Aber die Situation ändert sich ja ständig. Keine Ahnung. Also das wird das erste Weihnachten sein, wo wir vielleicht auch alle zuhause bleiben und am Telefon sind.

Ihre Figur in „Weihnachtstöchter“, ist Regina. Wie würden Sie Ihre Figur beschreiben und was hat Sie an ihr gereizt?

Zum einen kenne ich die Situation mit Schwestern aufzuwachsen. Lustigerweise haben meine Filmschwestern, Elena Uhlig und Felicitas Woll das jeweils gleiche Geburtsjahr, wie meine eigenen Schwestern. Nur hab ich noch einen älteren Bruder. Er ist drei Jahre älter und für ihn war es tatsächlich ein bisschen so, wie bei Regina. Er kam mit der Entthronisierung gar nicht klar. Als wir klein waren betonte mein Bruder immer gerne, wie schön es war, ein Einzelkind zu sein und, dass sein Leid anfing, als ich geboren wurde. Dann hat der Arme auch noch drei Schwestern bekommen. Das ist ja auch nicht so ganz einfach. Lacht. Man muss aber dazu sagen, dass wir, anders als im Film, alle ein ausgezeichnetes Verhältnis und die gleichen Eltern haben. Das macht es vielleicht ein bisschen einfacher. Und, wir sind alles keine Neidmenschen. Wir sind eher das Gegenteil, wir passen aufeinander auf. Das Thema Erbschaft finde ich reizvoll und spannend, weil es so viele Menschen beschäftigt. Sich da selber zu hinterfragen, wie man damit umgeht, finde ich gut.

Sie haben als Regina nicht gerade einen „glatten Charakter“.

Lacht. Das stimmt. Das haben Sie gut gesagt. Genau das reizt. Das macht immer einen besonderen Spaß. Also die Komödie ist ja eh die Königsdisziplin. Was Schöneres gibt es nicht. Und wenn es dann noch so raffinierte Dialoge hat und diese widersprüchlichen Charaktere, die da aufeinander treffen – das macht natürlich Spaß.

Kennen Sie Ihre Filmschwestern Felicitas Woll und Elena Uhlig gut?

Ja,und Elena kenne ich schon ganz lange. Wir haben aber alle drei vorher nie miteinander gedreht. Es ist ja so, dass man sich kennt und denkt „Mensch, warum haben wir eigentlich noch nicht miteinander gedreht?“. Jetzt hat es stattgefunden und ich war darüber sehr glücklich.

Anders erging es Ihnen mit Ihrem Filmpartner Roger (Max von Pufendorf)

Das stimmt, wir kannten uns vorher gar nicht. Das war tatsächlich spannend, weil Max und ich vor der ersten Szene keine Chance hatten uns kennenzulernen. Er kam ans Set und wir mussten sofort als streitendes Ehepaar loslegen. Wir waren beide sehr aufgeregt. Dann lief es so geschmiert, dass wir beide sehr erleichtert waren. Das ist natürlich irre, wenn man sich zu einer Probe das erste Mal sieht und merkt – o.k. das funktioniert, wir haben glücklicherweise auch den gleichen Spielstil. Das ist gerade bei einer Komödie wichtig, dass das nicht zu weit auseinanderklafft. Dass wir so auf einer Wellenlänge waren, das war wirklichein Glück. Man hat bei uns beiden die Steine plumpsen gehört. Lacht.

Das ist dann also schon aufregend, wenn man in ein neues Filmprojekt geht und immer andere Konstellationen vorfindet?

Ja, natürlich. Ich erinnere mich an eine Sache bis heute. Das war bei „Und Tschüss!“. Damals hatte ich mit Christoph Ohrt, den ich damals auch noch nicht kannte, in einer Folge eine Affäre. Das lief so ab: „Hallo, ich bin der Christoph“, „Hallo ich bin Gesine“ – und bitte küssen. Lacht. Die allererste Begegnung war also ein Kuss, da war ich auf jeden Fall aufgeregt. Lacht.

Wie empfinden Sie die Zuordnung der Rollen? Die drei Schwestern sind ja sehr unterschiedlich.

Es wird ja in Deutschland gerne nach Optik, oder, wie man so schön sagt, nach Typ besetzt. Und rein optisch ist die Besetzung definitiv nicht gegen den Strich gegangen. Das verletzte Nesthäkchen, die patente Sandwichschwester und die unnahbare Älteste. Also von der Optik her liegen wir voll auf den Rollen drauf. Wie wir allerdings in Wirklichkeit sind, das hat ja mit dem, wie wir aussehen, nichts zu tun. Lacht.

Hat Sie eine Szene im Film besonders berührt?

Ja, die Situation mit Max war schon eine besondere Situation, weil ich einfach nicht wusste, was auf mich zukommt. Lacht. Ansonsten war das ein Film, wo wir das Glück hatten, wirklich gute Texte sprechen zu dürfen. Man merkt einfach, wenn jemand sein Handwerk versteht, wie Rolf Silber. Er hat das Buch geschrieben und Regie geführt. Er ist ein „alter Hase“, der einfach weiß, was er macht. Wenn man mit so jemandem arbeiten darf, kann man sich auch fallen lassen. Es waren alle klasse, das Team, die Kollegen. Tim Bergmann beispielsweise, der den Thomas, den Anwalt spielt – großartig. Alle wussten, was sie machen. Dann flutscht das einfach. Lacht.

Und die Arbeit mit Ihrem Filmpapa (Peter Lerchbaumer)? Wie gestaltete sich hier der Dreh? Er erscheint Ihnen ja nur als Geist.

Das bedeutet für die Drehs keine Interaktion, kein Blickkontakt. Da muss man gegen seinen Reflex arbeiten. Wenn sich was bewegt, schauen wir automatisch hin. Wenn man das jetzt nicht darf, weil da ja eigentlich keiner sitzt, ist das etwas seltsam. Das war aber auch schon das Schwierigste daran. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, dann hat der Körper das auch verstanden. Lacht.

Darf ich Sie fragen, welches Musikgenre Sie gerne hören?

Das ist eine gute Frage, weil wir ja auf diesen langen Fahrten immer das Problem haben, welche Musik hören wir jetzt. Am schönsten finde ich, das hat sich auf der vergangenen Fahrt sehr bewährt, wenn man die Genre komplett durchmischt. Grundsätzlich mag ich starke Frauenstimmen. Mein Mann beschwert sich dann manchmal bei den Liedern, die ich gerne höre, dass diese immer so sentimental klingen. Aber das sind halt die, bei denen ich gerne mitsinge. Lacht. Ich brauche eine schöne Stimme und schöne Musik – das geht dann bei mir ehrlich gesagt durch alle möglichen Genres.

Melancholie kann ja durchaus positiv besetzt sein und hat dann nichts mit Traurigkeit zu tun.

Nein, überhaupt nicht. Das bringt mich auch nicht schlecht drauf. Im Gegenteil, mich macht das glücklich.

Tanzen Sie? Vielleicht Tango?

Tango haben wir in der Schauspielschule gelernt und ich musste für Filme Tango tanzen. Also immer wenn ich Tango höre, bin ich völlig begeistert. Das geht wirklich unter die Haut und reißt einen mit. Da entsteht direkt eine Spannung. Man kriegt mich wahrscheinlich mit den ganzen Klassikern.

Was sind Ihre nächsten Projekte? Fehlt Ihnen in Pandemiezeiten das Reisen?

Tatsächlich kann ich auf das Reisen gut verzichten. Wir haben uns aufgrund des Klimawandels sowieso umgestellt. Wir haben den Sommerurlaub im vergangenen Jahr aus diesem Grund in Berlin verbracht. Ich hab natürlich das Glück, dass ich durch Dreharbeiten immer wieder an den tollsten Orten war, so ist das für mich vielleicht einfacher. Ich hab einfach schon viel gesehen. Deshalb kann ich vielleicht auch besser darauf verzichten. Natürlich, wenn ich dann so etwas erlebe, wie jetzt, dass ich sechs Wochen in der Camargue sein kann, sehe ich das als Geschenk. Aber ich bin der Meinung, wir müssen wirklich umdenken. Ich hab auch Berlin als einen Ort entdeckt, an dem man wirklich viel machen kann. Mein Bruder verkauft alles für Brettsport (brettsport.de). Bei ihm haben wir uns ein Stand up Paddle gekauft und ich kenne mittlerweile die Berliner Seenlandschaft sehr gut. Man kann in und um Berlin, beispielsweise auf dem Wannsee, wahnsinnig viel Spaß haben. Wir haben das Glück, in so einem schönen Land zu leben. Wir lernen es jetzt nochmal besser kennen. Wir müssen uns auch wirklich umstellen. Das geht einfach nicht anders.

Mir fällt es besonders schwer, den angeordneten Abstand zu Menschen zu halten. Ich umarme gern. Wie geht es Ihnen?

Ja, das ist schon hart. Auch für den Beruf. Wir hoffen, bald wieder unsere Freiheiten zu haben und uns wieder in den Arm nehmen zu können.


Vielen, lieben Dank für dieses wirklich schöne Gespräch, liebe Frau Cukrowski





'Ich liebe es zu tanzen. Schon immer. Tango hab ich noch nicht getanzt.

Kommt vielleicht noch'

Felicitas Woll

Foto: ZDF To Kuehne




Weihnachtstöchter“,  Montag, 14. Dezember, 20.15 Uhr ZDF  

In Rolf Silbers Komödie spielen Felicitas Woll, Elena Uhlig und Gesine Cukrowski drei zerstrittene Halbschwestern, die ausgerechnet in der Adventszeit um das Erbe ihres gemeinsamen Vaters (Peter Lerchbaumer) streiten.  


Im Gespräch mit Felicitas Woll

Marion Graeber im November 2020


Was hat Sie an der Verkörperung Ihrer Figur „Diana“ gereizt?

Diana war eine ganz neue Figur für mich. Es hat großen Spaß gemacht, Diana zu spielen. Und dann fand ich das Drehbuch natürlich spannend. Diesen Konflikt der drei Schwestern so zu erzählen, dass es knallhart ehrlich, aber auch ans Herz geht, hat mich überzeugt. Und ich wollte gerne mit Rolf Silber arbeiten, der ja auch das tolle Drehbuch geschrieben hat.

Wie beschreiben Sie sie?

Zynisch, etwas unsympathisch auf den ersten Blick, verschlossen und doch angriffslustig. Aber mit einem Herzen am rechten Fleck, dass nur laut nach Liebe schreit.

Welche Szene im Film hat Sie am meisten berührt oder beeindruckt?

Die Szenen mit meinen beiden Schwestern hatten eine besondere Stimmung. Es flogen die Fetzen, nur gespielt natürlich. Das war toll zu spielen. Die Szenen, in denen wir aber emphatisch miteinander waren, waren berührend, weil sie uns das Gefühl von Verbundenheit gegeben haben.

Die Szenen mit Filmpapa (Peter Lerchbaumer), der seine Töchter quasi aus dem Jenseits besucht, wie wurden diese gedreht und umgesetzt?

Diese surrealen Szenen liebe ich sehr. Mit Geistern zu sprechen und viel die Fantasie zu benutzen. Das ist im Arbeitsprozess relativ einfach. Man dreht die Szene erst zusammen und dann nochmal getrennt voneinander. Der Rest passiert im Schnitt.

Wann und wo wurde der Film gedreht?

Der Film wurde letztes Jahr gedreht, in und um Frankfurt.

Im Film haben Sie zwei Halbschwestern. Wie war die Arbeit mit Elena Uhlig (Katarina) und Gesine Cukrowski (Regina)?

Ein großer Spaß. Wir sind alle drei kraftvolle Frauen, die ihren Beruf lieben und richtig Gas geben. Die Stimmung war sehr lustig und entspannt. Und wir haben uns in der Drehzeit sehr unterstützt. Das ist ein großes Geschenk und unbezahlbar.

Wie empfinden Sie die Zuordnung der Rollen auf die einzelnen Schauspielerinnen?

Perfekt. Ich bin sehr froh über diese Besetzung. Denn wir sind so herrlich unterschiedlich.  

Sie selbst haben ebenfalls Geschwister. Wie sind Sie aufgewachsen und wie hat Sie Ihre Kindheit geprägt?

Mit Geschwistern ist es doch immer dasselbe. Es ist anstrengend, aber man liebt sich. Mich hat meine Kindheit natürlich geprägt und ich bin ein Mensch, der sehr gerne im Team arbeitet.

„Diana“ hat ein bedrückendes Problem und tut sich schwer sich den Schwestern zu öffnen. Wie stehen Sie zu dieser Situation?

Ich kann Diana sehr gut verstehen. Sie hatte nie ein inniges Verhältnis zu ihren Schwestern. Jede von ihnen hat um Liebe und Aufmerksamkeit gebuhlt. Dadurch sind sie in einen ständigen Konkurrenzkampf gekommen und es fällt allen schwer das aufzugeben. Aber langsam bröckelt die harte Schale und Diana öffnet sich. Und sie fängt an auf ihr Herz zu hören und sich ein Stück weit als Schwester zu sehen und zu fühlen.  

Die kleine Amanda (Yuna) spielt im Film ein Waisenkind und erobert Ihr Herz. Wie war der Dreh, das Schauspiel mit ihr?

Ich bin immer so beeindruckt, wenn ich mit Kindern spiele, die wirklich aus der Seele spielen. Und das war bei ihr der Fall. Sie muss nur dasitzen und schauen und schon berührt es mich. Sie ist ein tolles Mädchen und eine tolle kleine Schauspielerin. Das ist eine Magie, die kann man nicht studieren. Die hat man oder nicht. Und sie hat sie.  

Weihnachten steht vor der Tür. Wie begehen Sie die Advents- und Weihnachtszeit?

Dieses Jahr sehr spontan. Auf jeden Fall mit meiner Familie und gemütlich zuhause.

Wie wichtig sind Ihnen Weihnachtstraditionen?

Nicht wichtig. Ich habe es gerne gemütlich und esse gerne schönes Essen. Aber es darf auch gerne spontan alles anders sein.

Wie wichtig ist Ihnen Musik an Weihnachten und welches Musikgenre (außerhalb von Weihnachten) liegt Ihnen nahe?

Ich liebe Musik und höre immer nach Stimmung. Ganz unterschiedlich, kreuz und quer. Von Joni Mitchell zu Biffy Clyro ist alles dabei. Weihnachtsmusik mag ich aber auch sehr. Es berührt mich und macht eine besondere Stimmung.  

Tanzen Sie auch gerne?

Ich liebe es zu tanzen. Schon immer. Und ich könnte ohne tanzen nicht leben, auch wenn ich im Moment nicht dazu komme oder es nicht mache. Aber es kommt die Zeit, da werde ich wieder mehr tanzen.

Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino? Mögen Sie Tanz und Musik?

Ich habe nie eine Tanzschule besucht, aber konnte schon immer gut schnell Tänze lernen. Aber so viel Tango habe ich noch nicht getanzt. Kommt vielleicht noch.

Im Film spielt auch das elterliche Haus bzw. das Haus des Vaters eine übergeordnete Rolle. Wird das Haus anfänglich von den Schwestern Diana und Katarina mehr oder weniger abgelehnt, wird es schlussendlich Heimat, Zufluchts- und vielleicht in gewisser Weise auch Sehnsuchtsort. Zumindest ein Symbol für die Familie, für Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe und Liebe. Haben Sie einen ganz persönlichen Wohlfühl- und/oder Sehnsuchtsort? Eventuell auch im Zusammenhang mit einer Reise?

Ich bin immer gerne gereist, aber es war nie ein Muss. Aber meine Reisen nach Ibiza vermisse ich sehr. Ibiza ist sehr besonders für mich. Auch Lissabon war ganz besonders. Am Meer zu sitzen und bis an den Rand der Welt zu sehen, zu atmen, dass fehlt mir gerade sehr.  Aber ich glaube uns wird auch vor Augen geführt, dass es ohne all das gehen muss und wir uns wieder auf weniger konzentrieren sollen. Die Zeit ist nicht einfach. Beruflich und privat natürlich auch. Aber es bringt mir nichts, mich darüber zu ärgern. Positiv bleiben und positiv denken.


Vielen Dank für Ihre Zeit und dieses Interview, liebe Frau Woll. Alles Gute.





'Ich tanze sehr gerne und liebe auch den Tango Argentino - als Zuschauerin. Leider habe ich nie gelernt ihn zu tanzen".

Anja Kling


Foto: ZDF Oliver Vaccaro



Das Quartett – das Mörderhaus „Zwei Tote in einem Leipziger Altbau stellen „das Quartett“ vor viele Rätsel. Streitereien, Lügen, Heimlichkeiten – jeder Bewohner des Mehrparteienhauses ist plötzlich verdächtig. Antje Engel wird erschlagen im Keller aufgefunden, während ihr Nachbar Hannes Glöckl quasi zeitgleich an einer Vergiftung stirbt. Kann das Zufall sein, oder hat der Tod des einen etwas mit dem anderen zu tun? Schnell wird Bernd Siebert, der Lebensgefährte von Antje Engel, zum Hauptverdächtigen. Doch fast jeder in der verschrobenen Hausgemeinschaft hätte auch ein Mordmotiv.

Samstag, 12. Dezember, 20.15 Uhr ZDF


Interview mit Anja Kling

Marion Graeber 09/12/20


Wann wurde „Das Quartett – das Mörderhaus“ gedreht?

Das war 2019 im Herbst.

Alle Ermittler des Quartetts haben ihre ganz eigenen, markanten Charaktere. Wie beschreiben Sie Ihre Rolle und was reizt Sie an ihr?

Mich reizt vor allem unser Zusammenspiel. Unser Quartett zeichnet sich durch ein großes „Miteinander“ aus. Es „menschelt“ bei uns ohne Hierarchie-Gehabe. Meine Maike ist zwar die Chefin des K14, aber sie setzt auf Teamfähigkeit. Das gefällt mir.

Wie sehen Sie die Besetzung der Charaktere Maike Riem, Christoph Hofherr, Pia Walther und Linus Roth - passen die Rollen zu den Charakteren der Protagonisten – sehen Sie Verbindungen?

Natürlich bringt jeder Schauspieler auch Eigenes mit ein in seine Rolle. Dennoch sehe ich zwischen meinen Kollegen und den Charakteren ihrer Rollen wenig Verbindung. Das sind die Ideen der Autoren, die meine Kollegen jeder für sich umgesetzt und zu Eigen gemacht haben.

Man bekommt im Laufe des Films und auch gegen Ende mehr Details zum Leben der Ermittler. Doch hat man als Zuschauer das Gefühl … da ist noch viel mehr. Das Quartett lief mit einem ersten Film 2019. Nun der zweite Film. Werden die Informationen zu den Ermittlern mit einem Spannungsbogen über mehrere Folgen erzählt?

Auch in Teil 3 und 4 wird es nur sehr wenig zum persönlichen Leben der Ermittler geben. Ich hoffe, wir bekommen die Chance in späteren Folgen näher darauf eingehen zu können. Aber zunächst stehen bei uns die Fälle im Vordergrund.

Das Mörderhaus“ spielt in der Stadt Leipzig. Sind Sie persönlich Stadt- oder Landmensch? .. Oder sehen Sie eventuell beide Vorzüge?

Ich bin auf dem Land groß geworden. Mit 16 zog es mich dann in die Stadt. 12 Jahre habe ich den Trubel der Großstadt genossen, mein Kinderwunsch zog mich dann wieder Richtung Land. Und jetzt bleibe ich da auch gerne.

Was ist für Sie Heimat?

Meine Heimat ist da, wo meine Familie ist.

Wie sehen Sie für sich das Thema „Nachbarschaft“?

Ich habe großartige Nachbarn. Meine Eltern wohnen nebenan, unsere Grundstücke trennt nicht mal ein Zaun. Und zu zwei anderen Nachbarn haben wir Tore in die Zäune gebaut, damit wir schneller hin- und herflitzen können.

Nachbarschaftshilfe“ gerade in der heutigen Zeit ein wichtiges Thema. Welche Erfahrungen haben Sie eventuell schon mit Nachbarschaftshilfe machen können?

Das wird bei uns großgeschrieben. Wir helfen uns alle permanent bei Arbeiten in Haus und Garten und sitzen, wenn Corona es wieder zulässt, anschließend gemeinsam an der Feuerstelle.

Die Ermittlungen in „Das Quartett“ sind begleitet von technischen Innovationen. Haben Sie für die Authentizität echte Kriminalisten zur Unterstützung am Set?

Unsere Regisseurin durfte die Technik ausführlich begutachten und hat uns ihr Wissen dann weitervermittelt.

Kriminalfälle sind immer auch eine Konfrontation mit Tod, Angst, Brutalität und diversen Verbrechen. Wie sehr beeinflussen die Dreharbeiten, diese Kriminalfälle, das eigene Leben? Nimmt man da was mit nach Hause? … Oder wie können Sie nach anstrengenden Drehtagen am besten abschalten?

Unsere „Leichen“, „Mörder“ und andere Verbrecher am Set sind ja Schauspieler. Wir reden und lachen miteinander und stehen in der Mittagspause gemeinsam beim Catering an. Insofern nimmt man nichts „Gruseliges“ mit nach Hause. Man ist nach langen Drehtagen durch die hohe Konzentration am Set so kaputt wie es andere arbeitende Menschen auch sind. Dann fahre ich heim, esse etwas, lerne den Text für den nächsten Tag, dusche und gehe schlafen. Mehr ist zeitlich gar nicht möglich.

Vielleicht hilft Ihnen auch die Musik, um Gedankenkreise zu durchbrechen? Welches Musikgenre hören Sie persönlich gerne?

Ich höre verschiedenes gerne, querbeet. Je nach Stimmung und Laune.

Zur Musik gehört auch immer ein bisschen der Tanz. Darf ich Sie fragen, ob Sie gerne tanzen, beziehungsweise Berührungspunkte zum Tango Argentino haben?

Ich tanze sehr gerne und liebe auch den Tango Argentino - als Zuschauerin. Leider habe ich nie gelernt ihn zu tanzen.

In „Das Quartett“ sind die Ermittler, so unterschiedlich sie auch sind, aufeinander angewiesen. Man hat das Gefühl „gemeinsam sind sie stark“. Wie ist der Zusammenhalt des Teams auch fernab der Kamera? … Vielleicht sind Sie so etwas wie, „Nachbarn im Herzen“?

Wir vier sind wirklich ein tolles Team. Auch ohne die Kamera ist unser Zusammenhalt groß. Es gibt keine Hierarchie, keine Missgunst, keinen Egotrip. Wir sehen uns tatsächlich als Quartett und schätzen uns einander sehr. Ein großes Glück!

Ich habe gelesen, dass bereits zwei weitere Folgen „Das Quartett“ gedreht wurden. Ist es richtig, dass das Drehende im November 2020 war? Wie haben Sie die Dreharbeiten unter Corona Bedingungen erlebt?

Wir haben Teil 3 und 4 grade in 42 Drehtagen abgedreht. Wir Schauspieler wurden jeden zweiten Tag getestet, das Team zwei Mal in der Woche. Die AHA-Regeln wurden extrem diszipliniert eingehalten, sodass alle unbeschadet durch diese Zeit gekommen sind.

Darf ich Sie noch fragen, wie Sie Weihnachten dieses Jahr feiern?

Wir werden sehen, wie die Bundesregierung entscheidet. Natürlich würde ich Weihnachten gerne mit meiner kompletten Familie verbringen. Aber ich will auch niemanden gefährden. Deshalb warten wir es ab.


Vielen Dank für dieses Interview, liebe Frau Kling





'Der Tango Argentino ist ein berauschender Tanz'

Rebecca Immanuel

Foto: Rick Friedman


In der 40. "Katie Fforde" Verfilmung will sich Helen Carter endlich ihren Lebenstraum erfüllen. Doch ihr Sohn Louis schießt quer. Hauptdarstellerin des Films zum zehnjährigen Jubiläum ist Rebecca Immanuel, die wenige Tage vor der Ausstrahlung ihren 50. Geburtstag feiert.

Im Gespräch mit Rebecca Immanuel

„Für immer Mama“ ZDF Herzkino

Marion Graeber - im November 20


Ich freu mich, dass Sie Zeit für mich haben. Wie geht es Ihnen?

Natürlich. Gerne. Baden-Württemberg, I love it. Lacht herzlich.

Mein schwäbischer Dialekt lässt sich nicht verleugnen ;)

Das hoffe ich doch. Da bestehe ich drauf. Ich schätze Baden-Württemberg, hab meine schönsten Erinnerungen aus meiner ganz frühen Karriere dort gemacht.

Inwiefern?

Ich hab ja eine staatliche Schauspielausbildung. Wie Sie wissen, gibt es da immer tausend Anwärter auf wenige Plätze. In Baden-Württemberg hatte ich meine aller-, allererste Schauspielaufnahmeprüfung. Das war 1992. Damals hab ich da tatsächlich in der Bahnhofsmission übernachtet. Als Student hat man ja wenig Geld. Ich hab die Aufnahmeprüfung gemacht und quasi das ganze Kollegium dort so aus den Latschen gehauen, dass der Leiter ein paar Wochen danach angerufen hat, um mir mitzuteilen, dass ich die letzte Runde der Prüfungen nicht mehr mitmachen muss. Ich hatte auf jeden Fall meinen Platz sicher.  

Immer schön, wenn man positive Erinnerungen an eine Region hat.

Ich finde Sie haben auch so wunderschöne Museen. 

Sie leben jetzt in Berlin?

Ja, ich lebe in Berlin.

Wie erleben Sie die Zeit der Pandemie?

Eine wirklich bedrückend schwere Zeit. Mir fällt eine Geschichte dazu ein. Welche mich berührt hat. Vor ein paar Wochen hab ich in Berlin mit meinem Sohn in einem Restaurant zu Mittag gegessen. Wir gehen da gerne hin. Wir saßen in einem Raum, gemeinsam mit einer älteren Dame. Sie war ein Tisch weiter, mit Abstand. Wir kamen ins Gespräch, kamen auf Corona und sie sagte, sie hoffe, dass das Restaurant diese Krise überleben würde. Wissen Sie, meinte sie, ich bin so alt und manchmal liege ich mit Trauer im Bett und denke, meine Generation ... der Krieg, die Nachkriegszeit, die Berliner Blockade, all das haben wir überstanden und jetzt kommt diese Pandemie und ich dachte, ich könnte meinen Lebensabend in Ruhe genießen. Das ist so traurig. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, mir tut das für die Kinder leid, die Jugendlichen, für uns, die Erwachsenen und für die älteren Menschen.

Eine wirkliche Herausforderung. Da tun gerade auch die Herzkinofilme gut. In "Für immer Mama", spielen Sie eine Frau, die ihren Lebenstraum trotz etlicher Hindernisse verwirklicht. Wie wichtig ist es, Ihrer Meinung nach, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und, wenn möglich, es nach den eigenen Wünschen und Begabungen zu gestalten und zu leben?

Liebe Frau Graeber, ich möchte mich ganz herzlich für diese tolle Frage bedanken. Diese Frage ist sehr sinnvoll und für mich von elementarer Bedeutung. Ich bin ein Mensch, der nach dem Motto lebt „love it, change it or leave it“. Und das nicht nur in Bezug auf meine berufliche Tätigkeit, meine Hobbys oder meine Beziehungsstrukturen. Ich glaube, wenn wir den Mut finden uns selber kennen zu lernen, uns selber gut zu begleiten, so wie man sein Kind gut ins Leben begleitet, so wie man seinen Partner in einer Ehe oder Liebesbeziehung gut begleitet und stützt -  wenn man diese Form von freundschaftlicher Liebe sich selber zukommen lässt, dann weiß man auch ziemlich genau, was einem gut tut und was nicht. Wo man gut aufgehoben ist und wo nicht. Das führt zu seelischer Gesundheit. Ich glaube fest daran, dass jeder von uns Gaben mitbekommen hat, die auch eine Aufgabe beinhalten. Und diese Aufgabe ist etwas, wo wir der ganzen Gruppe der Menschen, dienen. Die tolle, kürzlich verstorbene Richterin, Ruth Bader Ginsburg sagte, „Wir leben unser Leben nicht nur für uns selbst, sondern auch für die Gemeinschaft“. Und das kann ich voll unterschreiben.

War es für Sie immer schon klar und Ihr Wunsch Schauspielerin zu werden?

Jein .. Lacht.

Ich muss deswegen sagen Jein, weil mich immer der Mensch interessiert hat und ich anfangs den Wunsch hatte, Menschen gesund und heil zu machen. Als Kind war mein Wunsch daher, Ärztin zu werden. In der fünften Klasse hab ich dann Latein bekommen. Lächelt. Ich sag es offen, ich hab es zum kleinen Latinum geschafft, aber es war mühsam. Das darstellende Spiel hingegen ist mir immer zugefallen. Von der Leichtigkeit, mit der ich Texte lerne, bis zur charismatischen Präsenz, die ich schon damals auf die Bühne brachte.

Das sind Talente, die mir in die Wiege  gelegt wurden. Ich hab mit zwanzig Jahren zu meiner besten Freundin in Hamburg gesagt, ich hab das Gefühl, ich muss Schauspielerin werden, aber ich hab keine Lust, ich möchte Ärztin werden, weil mir das sinnvoller zu sein scheint.

Beim Schauspiel sind aber immer die Türen aufgegangen. Ich war auf einem Straßenfest, Fotografen haben mich gefunden. Ich war auf einer Barkassenfahrt und mich hat das Kamerateam gefunden. Das war immer so. Es hat viele Jahre gebraucht, bis ich begriffen habe, dass der Beruf einer Schauspielerin durchaus eine tiefe Sinnhaftigkeit haben kann. Nämlich indem ich Menschen inspiriere, indem ich Werte und Wissen in null Komma nichts an viele Menschen weiter geben kann, wie zum Beispiel durch unser Interview. Das hätte ich selbst als beste Ärztin von Hamburg nicht geschafft.    

Jeder hat seine Aufgabe.

Die Dreharbeiten zu „Für immer Mama“, haben im vergangenen Jahr stattgefunden?

Ja, das war im vergangenen Sommer in Massachussetts nördlich von Boston. Von dort aus sind wir an diverse schöne Drehorte gefahren. Haben Sie den Film schon gesehen?

Ja, ich durfte die Pressekopie bereits anschauen.

Und, wie hat er Ihnen gefallen?

Sehr gut. Es werden viele Themen aufgegriffen, beispielsweise das der alleinerziehenden Mutter, die für ihr Kind die eigenen Ziele zurückgesteckt hat, ein späteres Liebesglück und das Thema rund um das amerikanischen Gesundheitssystem, um diese zu nennen.

Danke. Lächelt. Ich muss Ihnen beipflichten, als ich das Drehbuch gelesen hab, musste ich lachen, war gerührt, war traurig und gespannt. Da ist wirklich alles drin. Bei der visuellen Umsetzung des Films hab ich im nachhinein dann noch die Umgebung gesehen und dachte nur wow, ist das schön. Landschaftsaufnahmen sieht man selber oft erst später - im fertigen Produkt. Gerade die mit den Drohnenaufnahmen beispielsweise.

Wie lange haben Sie gedreht?

Innerhalb von 28 Tagen USA, hatte ich nur viereinhalb Tage frei. Körperlich war das ein echter Ritt. Dadurch gab es leider nicht die Möglichkeit dort noch zu reisen. Deswegen würde ich da gern nochmal hinfahren. Lächelt.  

Reisen Sie gern? Fehlt es Ihnen in diesen Zeiten?

Ich bedauere es, dass unsere Freiheit, wenn es auch vernünftig ist, so stark eingeschränkt ist. Man reist ja nicht nur um Landschaften und neue Städte zu entdecken. Man reist auch viel, weil man Familie trifft oder mit Freunden zusammen ist. Diese Form der Einschränkung sozialer Kontakte, die ich total verstehe, ist aber, neben den schlimmen wirtschaftlichen Begleiterscheinungen, nur schwer auszuhalten.

Was schätzen Sie besonders am Herzkino?

Ich schätze an Kunst allgemein, aber auch gerade am Herzkino den Umstand, dass es den Menschen das Herz wärmt. Hannelore Hoger hat einmal gesagt: „Die Aufgabe der Kunst ist es, den Menschen das Herz zu wärmen. Denn in einer Gesellschaft wo die Herzen erkalten gibt es Krieg“. Wenn wir uns umschauen, mit all den Populisten an allen Ecken und Enden, es brennt auf unserer Welt. Um so wichtiger ist es, dass wir ein lebensbejahendes, menschliches und inspirierendes Gegengewicht schaffen. Und deswegen schätze ich die Herzkinoreihe und ganz besonders diesen Film, weil er eben auch Frauen aller Altersklassen ermutigt sich ihre Lebensträume zu verwirklichen.

Sie haben sich mit Ihrem Album auch einen Traum erfüllt

Ja, ich hab in diesem Jahr mein erstes musikalisches Album gemacht. Im Coronajahr. Viele haben mich gefragt, wie ich das jetzt machen kann. Aber ich hab mir gedacht, wenn es in der Herzen der Menschen durch Corona so dunkel ist und wir noch gar nicht absehen können, was an Weihnachten auf uns zukommt mit den Reise- und Kontaktbeschränkungen, da möchte ich etwas mitgeben was Licht bringt.

Wie haben Sie das zeitlich hinbekommen?

Lacht. Ja, trotz Homeschooling und einem anderen Herzkinofilm sowie dem Bergdoktor ist es mir gelungen, von der Idee bis zum fertigen Produkt, diese CD innerhalb von fünf Monaten auf den Markt zu bringen. Mit meinem Album möchte ich Menschen inspirieren und ihnen Kraft geben, sich ihre Lebenswünsche zu erfüllen, egal ob Mann oder Frau, jung oder alt. Mein Weihnachts-CD und der Film, beides vermittelt die Botschaft für sich und seine Herzensträume zu gehen.

Ich habe auf diesem, meinem Weg so viele Menschen, auch in meinem Umfeld, inspiriert, sich endlich selbstständig zu machen. Trotz Corona. Daraufhin haben sie plötzlich angefangen ihren Dokumentarfilm zu drehen oder sich als Stylistin zu verwirklichen. Jeder Mensch ist wichtig. Wie ein Stein, den man ins Wasser wirft, der seine Kreise zieht .. und alle Kreise berühren sich.

Auch Sie, Frau Graeber sind für Ihr Umfeld mit all dem was Sie machen wichtig. Und genau deswegen mache ich auch dieses Interview. Ich möchte vermitteln: „Glaubt an euch, ihr seid nicht nur für euch selber ein Geschenk sondern für die Gemeinschaft in der ihr lebt“.  

Das sind ganz wundervolle Worte, liebe Frau Immanuel.

Sie sind also auch in der Welt der Musik zuhause .. haben auch bei „The Masked Singer“ mitgemacht

Ich singe schon mein Leben lang. Mein musikalisches Debut ist ein nun ein Weihnachtsalbum mit englischen Coversongs und mit einem kleinen Jazzensemble umgesetzt. Ich schreibe aber auch selber Lieder auf deutsch und auf englisch. Für „Edel und Starck“ habe ich damals auch einen Liedtext geschrieben und performed. Bei „Ein Sommer in Kapstadt“, einem anderen Herzkinofilm, habe ich drei Songs eingesungen, unter anderem den Titelsong. So konnte ich mein Hobby heimlich in meine berufliche Arbeit einfließen lassen. Lacht.

Wann wird es erscheinen?

Zufälligerweise an meinem 50. Geburtstag. Am 13. November. Es heißt „Light“. Freudig. Ich wollte einfach ein Weihnachtsalbum machen, das den Menschen das Herz wärmt und sie ein bisschen auffängt in diesem herausfordernden Coronajahr. Es gibt viel laute Weihnachtsmusik, es gibt traditionelle Weihnachtsmusik. Aber wissen Sie, ich wollte etwas, was einen nach einem langen Arbeitstag etwas erdet und angenehm umschmiegt. Das hab ich so nicht auf dem Markt gefunden, da hab ich es sozusagen selbst hergestellt. Lächelt.

Wir freuen uns drauf :)

Haben Sie vielleicht auch einen Bezug zum Tango Argentino? Die Musik, den Tanz?

Ich finde, der Tango Argentino ist ein berauschend schöner Tanz. Wenn man zuschaut. Ich kann mir auch vorstellen, dass er viele Menschen fasziniert. Die Musik, muss ich gestehen, ist mir ein bisschen zu dramatisch und schwermütig. Tanzen würde ich ihn gerne, nur nicht mit anderen Männer, einzig und allein mit meinem. Lächelt.


Vielen lieben Dank, liebe Frau Immanuel für das wirklich schöne Gespräch. Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Viel Erfolg mit dem neuen Weihnachtsalbum.






'Ich bin eher Tango als Walzer'

Svenja Liesau

Foto: Fabian Schellhorn


Im Gespräch mit Svenja Liesau

Marion Graeber im Oktober 2020

„Altes Land“

Drei Frauen, drei Generationen. Ein Hof im malerischen Alten Land ist der Schauplatz der liebevoll unkonventionellen Erzählung über das Deutschland unserer Mütter und Großmütter, über wurzellose Menschen und über Reiz und Widersinn der Sehnsucht nach dem Landleben. Nach dem Bestseller von Dörte Hansen zeigt das ZDF den Zweiteiler „Altes Land“ mit einem hochkarätigen Ensemble. ZDF Sonntag, 15. und Montag, 16. November , 20.15 Uhr.


Interview

Hallo, liebe Frau Liesau. Wo erreiche ich Sie, sind Sie in Berlin?

Ja, ich lebe und arbeite in Berlin.

In den Jahren 2013 bis 2017 haben Sie in Stuttgart gelebt und gearbeitet. Wo haben Sie gewohnt? Auch in der Stadt?

Ja, im Westen. Nicht weit vom Feuersee.

Wie hat Ihnen die Zeit in Stuttgart gefallen?

Ich hab die Arbeit am Staatsschauspiel extrem genossen. Ich hab wahnsinnig viel gelernt und mit tollen Regisseuren gearbeitet.

Haben Sie sich auch mit den Stuttgartern gut verstanden?

Ehrlich gesagt hatte ich so viel zu tun, dass ich mich mehr auf der Probebühne und der Bühne aufgehalten habe als in der Stadt.

Der Film „Altes Land“ spielt in Hamburg und Umgebung. Was hat Sie am Drehbuch und an Ihrer Rolle als Anne gereizt?

Es gab  vieles, was sehr interessant war an dem Drehbuch: Dass Frauenfiguren im Zentrum der Geschichte stehen und, dass Flucht ein großes Thema ist. Gerade Anne und Vera (Iris Berben) sind so starke Persönlichkeiten, die sich nicht verbiegen lassen und die ihren Charakteren folgen – gegen alle Widerstände der Familie und Nachbarn. Das hat mich fasziniert. Bei den Rollen der Anne und der Vera sind auch Parallelen zu sehen. Gerade in Bezug auf den Charakter. Sie sind beide auf der Suche nach ihrer Identität. Das ist auch ein Grund für Anne, zu ihrer Tante Vera zu gehen, der sie sich immer verbunden gefühlt hat.

Wie war es mit Iris Berben zu drehen? Bestimmt eine tolle Zeit.

Eine total tolle Zeit – mit dem ganzen Team. Das war insgesamt wahnsinnig inspirierend und super angenehm. 

Anne lebt in drei Leben: Da ist dieses Leben, als kleine Familie, welches jedoch zerbricht. Dann dieses Leben ihrer Herkunft – wohlbehütet und gut situiert. Und letztendlich das Leben mit Vera auf dem Land. Was denken Sie, sind Veränderungen in der Lebensweise möglich, oder sind wir doch durch unsere Herkunft, unser Heranwachsen geprägt?

Ich denke, eine Prägung kann in alle Richtungen ausschlagen. Je nachdem, wie man seine Kindheit erlebt hat und wie man seine Schlüsse daraus zieht. Auf diese Weise kann es zu unterschiedlichen Entwicklungen führen.

Das Landleben wird oft mit einer Romantik gleichgesetzt, kann ja aber doch auch hart sein.

Ja, also mein Ding ist es nicht.

Dann sind Sie Stadtmensch? Was schätzen Sie an dieser Form des Lebens?

Die Vielzahl an Möglichkeiten, die so eine Stadt bietet. Die Lichter, die Diversität, das Abenteuer. Ich arbeite in Berlin im Ensemble des Maxim Gorki Theaters – ich umgebe mich gerne mit Menschen.

Sind Sie ein Nachtmensch?

Bingo. Lacht. Also, wenn man mich fragen würde, mein Tag sollte 48 Stunden haben.

Vor drei geh auch ich nicht ins Bett.

Ich auch nicht. Lächelt. Lange ausschlafen kann ich allerdings nicht. Ich bringe morgens meine Tochter in die Schule und muss zu den Proben. Also, ich schlafe eher wenig.

Im Film „Altes Land“ spielen Generationen eine große Rolle. Ob in der Stadt oder auf dem Land – Generationshäuser sind überall zu finden und spielen heutzutage eine Rolle im Zusammenleben. Wie stehen Sie dazu? Könnten Sie sich vorstellen, so zu leben?

Ja, schon. Ich finde das interessant, weil ich glaube, dass jede Generation von der anderen lernen und man sich gegenseitig unterstützen kann. Auch können sich die Generatione bereichern.

Ich habe gelesen, sie tanzen klassisch und modern. Haben Sie auch einen Bezug zum Tango Argentino?

Wir hatten natürlich Tanz auf der Schauspielschule, auf der Ernst Busch, auf der ich war. Da haben wir auch Tango getanzt. In einem Satz zusammengefasst – Ich bin eher Tango als Walzer.

Kennen Sie die Tangoszene in Stuttgart oder Berlin?

Neulich hab ich auf der Museumsinsel am Abend gesehen, wie sich mehrere Leute getroffen haben, um Tango zu tanzen. Das war richtig schön.

Wie trifft Sie die Pandemie?

Wir haben wieder angefangen zu proben und ich hatte auch die erste Premiere. Die Bedingungen sind komplett umgekrempelt, ich muss aber sagen, dass ich in meinem fest angestellten Arbeitsverhältnis in einer privilegierten Situation bin, im Vergleich zu meinen freien Kollegen, sowohl im freien Schauspiel als auch in der Musik. Meine Freunde und Freundinnen dort hat die Pandemie rein wirtschaftlich noch viel mehr getroffen als mich. Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei ihnen.

Die Arbeit ist unter Corona mit einem Mehraufwand verbunden. Alles muss durchdacht werden, Konzepte werden erstellt.

Ja, ich bin sehr froh, dass wir wieder spielen können – und das vor Publikum. Diese Richtlinien, das ist nicht die Form, in der ich weiter arbeiten will. Wir müssen 1,5 Meter Abstand halten. Wenn wir lauter werden, sind es sogar 6 Meter. Es gibt keine Berührungen mehr. Requisiten können nicht mehr ausgetauscht werden, ohne, dass man sie vorher desinfiziert. Das bekommt man ein paar Mal gesagt und dann muss man das in den Körper bekommen. Aber im Vergleich – also ich nehme dieses Ofper gern auf mich, wenn ich wieder spielen darf.

Ich selbst bin auch gern in Kommunikation mit Menschen. Mag Berührungen… Die Situation ist nicht einfach.

Ja, ich frage mich manchmal, was das für einen Impact haben wird auf die kleinere, jüngere Generation. Kinder, die Abstand halten müssen, Maske tragen. Ich merke schon an mir selbst, wenn jemand an mir vorbeigeht, dass ich automatisch einen Schritt zurücktrete. Versuche, den Abstand zu wahren. Wird das wieder anders werden? Und, wenn ja, bekommt man das aus dem Körper wieder raus? Was macht das mit der Generation, die jetzt heranwächst? Das sind Fragen, die ich mir stelle. Auch, dass Kinder ihre Pausenbrote nicht mehr austauschen – was hat das für einen Einfluss, was das Teilen angeht. Das macht mir Sorge.

Vielleicht hilft Musik über das ein oder andere hinweg. Welches Genre hören Sie?

Ich höre gerne Punk. Ich höre aber auch gerne andere Musik. Heute, auf meinem Weg zur Probe, habe ich Sufjan Stevens, einen Singer/Songwriter gehört. Ich mag kein Pop. Musik hilft in den verschiedenen Lebenssituationen. Musik ist ein wertvoller Teil des Lebens. Gerade, wenn ich mit meinem Fahrrad zur Probe fahre –  merke ich, was das in Verbindung mit dem Wetter und der Umgebung, mit meiner Stimmung macht, Wie Musik mich beeinflusst. Ich brauch morgens was mit „Wumms“. Wenn ich da mit melancholischer Musik starten würde, müsste ich direkt wieder ins Bett. Lacht.



Vielen, lieben Dank für das tolle Gespräch. Das hat mich sehr gefreut





'Der Tango, der hat so viel Feuer in sich - ein ganz großartiger Tanz'
Janine Kunze

Foto: ZDF Frank Dicks


Mit zwölf neuen Fällen, darunter einem großen Jubiläum, meldet sich der Bochumer Ermittler zurück. In der 100. Folge feiern Nikolas Heldt (Kai Schumann) und Staatsanwältin Bannenberg (Janine Kunze) mit ihren Kollegen und Freunden auf spektakuläre Art in Deutschlands aufwändigstem Escape-Room „Flug des Todes“. Doch dann verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Realität. Aus einem harmlosen Spaß entwickelt sich ein Kampf ums Überleben – im wirklichen Leben.

Im Gespräch mit Janine Kunze - Marion Graeber

Im September 20

Vielen Dank, liebe Frau Kunze, dass Sie Zeit für mich haben. Wie geht es Ihnen?

Bis jetzt, Gott sei Dank, alles gesund und munter. Ich gehe ständig zu Coronatests, da ich Arbeit habe - und das nicht zu knapp (lächelt). Alles im grünen Bereich.

Alles unterliegt einer großem Umstellung. Ist aufwändiger geworden …

Ja, es ist alles sehr speziell geworden aber wir machen das alles mit und ich finde das auch ganz toll in meiner Branche – da jammert keiner. Wir alle, die Jobs haben, sind dankbar, dass wir arbeiten dürfen. Da werden Sicherheitsabstände eingehalten, Masken getragen und wir gehen, wie gesagt, ständig zu Tests. Alle gehen sehr verantwortungsvoll mit sich und den anderen um. Das finde ich großartig.

Beim Einkaufen ist es stiller geworden, freundlicher – aber es gibt auch diese andere Seite …

Ja, total. Die Menschen reagieren sehr verschieden. Ich merke auch sehr, dass viele mit den ganzen Neuerungen nicht klar kommen. Sind vielleicht auch ängstlich und verunsichert. Das ruft dann leider manchmal auch Aggressionen hervor. Ich denke, da sollte man an sich arbeiten und ruhig bleiben. Ich glaube es ist absehbar. Ich hab da Gottvertrauen und denke, es ist eine ganz eigenartige, spezielle Situation, die auch Angst macht. Doch, wenn wir jetzt alle zusammen stehen und diese ganzen Vorgaben einhalten, dann bin ich ganz fest davon überzeugt, dass wir das alle zusammen durchstehen und bald was gegen dieses Virus finden. Es heißt jetzt einfach nur durchhalten - für sich und die Gemeinschaft.

Ich denke, Sie hatten auch einen tollen Zusammenhalt bei „Heldt“. Wie fühlt es sich nach all den Jahren an, dass nun die letzte Staffel anlaufen wird?

Wir haben alle diesen Trennungsschmerz, weil wir sehr miteinander verbunden sind. Aber wir haben alle Kontakt miteinander. Es gibt auch eine Heldt-Gruppe in der wir uns regelmäßig schreiben. Wir sehen uns auch. Gerade auch mit Kai bin ich in einem sehr engen Kontakt. Es ist immer ein großer Schritt, wenn etwas beendet wird. In meiner beruflichen Karriere war ich immer wieder mal Bestandteil einer langlaufenden Serie. Das heißt, ich kenne das schon. Wir Schauspieler sind ja immer ambivalent. Auf der einen Seite sagen wir „es geht weiter“, man wünscht es sich … auf der anderen Seite ist es auch traurig, weil wir Abschied nehmen müssen. Ich glaube wir Menschen sind im Abschied nehmen sehr sehr schlecht. Wir durften bei „Heldt“ viele Dinge gemeinsam erleben. Waren Bestandteil einer unfassbar tollen Serie und eines großartigen Teams. Das war wirklich besonders. Wir sind, wie gesagt, bis heute miteinander verbunden, daran sieht man, wie wichtig uns die Kollegen sind und auch die Serie war.

Wussten Sie schon bei den Dreharbeiten, dass dies die letzte Staffel sein wird?

Es gab Gespräche und wir haben das schon alle gewusst. Ja. Das war also nicht so der mega Schlag. Kai und ich haben auch oft zusammen gesessen und uns gefragt, wie lange der Weg wohl noch geht. Als Schauspieler kommst du auch selbst mal an den Punkt, so toll das auch alles ist, einen Cut zu machen und weiter zu reiten. Das gehört auch dazu. Auf der anderen Seite wird man gern auch älter mit etwas woran man hängt und was man toll findet. Da schlagen zwei Herzen in einer Brust. Wir sind beide unendlich traurig aber wir haben beide auch Perspektiven und es geht immer weiter. Wenn was endet fängt was Neues an.

Wie wird die Serie enden? Wird es dramatisch, emotional, mit Happy End … ?

Das darf ich Ihnen ja nicht verraten (lacht). Aber ich kann Ihnen sagen, es wird in der ganzen Staffel sehr lustig, dramatisch, spannend und extrem emotional. Da haben wir uns alle nicht lumpen lassen. (Lacht). Die Leute können sich sehr sehr freuen. Ich muss auch mal danke sagen: Die Fans sind so unglaublich. Was bei Bekanntgabe des Serienendes bei Kai und bei mir passiert ist, das war echt verrückt.

„Heldt“, so wird es beschrieben, ist als Comedy Krimi an den Start gegangen. Ein Konzept mit einer gewissen Leichtigkeit … Da geht uns schon was verloren…

Das ist ganz süß, was Sie da sagen und das ehrt uns auch sehr. So war „Heldt“ und so ist „Heldt“. Wir hatten von Anfang an nicht das Konzept „wir haben einen Mord und klären auf“. Es ging auch um viele alltäglichen Dinge. So haben wir versucht die Leute auch auf andere Weise zu unterhalten indem wir lustige Aspekte aus dem Alltag mit hineingenommen haben. Auch haben wir viele emotionale Ebenen abgedeckt. Das ist auch für uns Schauspieler, die wir eben diese Rollen zum Leben erwecken durften, was ganz besonderes gewesen. Es gab Folgen, die waren extrem Fallbezogen, Folgen die sehr lustig waren, andere wieder extrem emotional bis hin zu sehr spannend und privat. Das haben wir alle auch sehr geliebt.

Die 100ste Folge findet in einem Escape Room statt. Haben Sie privat schon mal eine solche Erfahrung gemacht?

Ehrlich gesagt, nein. Wir haben uns aber alle bei den Dreharbeiten gesagt, dass wir das mal machen müssen. Zu Corona Zeiten ist das jetzt schlecht möglich aber das werde ich bestimmt mal machen. Gerade mit den Kindern ist das bestimmt ein großartiges Erlebnis.

Ich habe gelesen, die Suche nach einem passenden Flieger war schwierig ….

Wir haben da einen kompletten Flieger umgebaut. Das ist großartig geworden. Lächelt. Das war ein Riesenprojekt. Die Produktion stand vor einer riesigen Herausforderung. Es ist zudem nicht einfach auf einem Flughafengelände zu drehen. Eine großartige Aktion in Zusammenarbeit mit dem Kölner Flughafen. Eine wilde Fahrt. Lacht.

Welches Musikgenre hören Sie gerne?

Das ist bei mir sehr unterschiedlich. Ich liebe Klassik. Ich mag Chopin gerne. Ich höre wahnsinnig gerne Vivaldi. Ich liebe Mozart. Aber ich höre auch gern die aktuellen Charts. Ich deck da vieles ab. (Lächelt). Es gibt Momente da brauch ich auch traurige Musik, die ans Herz geht – Ed Sheeran, Sam Smith. Ich höre aber auch Country, beispielsweise von John Denver. Es kommt bei mir auf die Tagesform an. Offen für Neues bin ich immer. Durch die Kinder lerne ich auch viele neue Sachen kennen. Wir gehen auch viel auf Konzerte. Das gestalten wir ganz abwechslungsreich.

Wollen wir hoffen, dass das bald wieder möglich ist mit den Konzerten und Co….

Ja, es gibt so viele Einschränkungen mit denen man eben gerade leben muss. Ich wünsche uns so sehr die Normalität zurück. Aber die finden wir nur, wenn wir die Zähne zusammen beißen und positiv bleiben. Nur so kommen wir da raus. Da appelliere ich an die Menschen, die sich verwehren. Ich denke um so mehr wir uns an all die Vorgaben halten um so schneller kommen wir da raus.

Man darf auch nicht nur auf den Konsumenten blicken, sonder eben auch auf die Künstler und die ganzen Branchen die da mit dranhängen …

Es gibt fast keine Branche, die nicht gebeutelt ist. Die Techniker, die Bühnenbauer, die Caterer – was da alles dranhängt.. Da hab ich kein Verständnis für die Leute, die da so ausbrechen. Wir schaden uns so nur selbst. Ich appelliere wirklich an die Menschen – haltet durch, das ist ein Verzicht auf Zeit. Je schneller wir das gemeinsam in Griff bekommen desto schneller finden wir zu unserer geliebten Normalität und Freiheit zurück. Da müssen wir uns alle mal zusammenreißen… Viele in den Branchen sind Selbstständige … Das ist das Problem. … Und jeder schimpft auf das System. Der Staat kann nicht alles direkt richtig machen. Geduld, Weitsicht, Nächstenliebe und Verständnis ist gefragt. Das ist für uns alle neu. Ich habe Bekannte und Kollegen, die seit März nicht einen Arbeitstag hatten. So geht es vielen auch in anderen Bereichen. Da spielen sich Dramen ab. Doch in Deutschland geht es uns vergleichsweise noch gut.

Sie sind sehr sportlich. Arbeiten mit dem Power Plate … Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?

Leider nicht mehr. Ich war in der Tanzschule und ich hab auch alle Abzeichen gemacht. Danach hab ich im Club getanzt. Da war ich Jugendliche. Ich liebe es zu tanzen und gerade der Tango ist ein südamerikanischer Tanz, der hat so viel Feuer in sich. Das ist ein ganz besonders toller Tanz. Da kommen so viele Emotionen in einem auf, wenn man den tanzen darf. Ganz wunderbar.

Wo wird man Sie zukünftig sehen?

Ich hab so wahnsinnig viele Shows gemacht. Auch gibt es einen Podcast mit meiner Tochter - "Kunzes Kosmos", der derzeit einzige Mutter-Tochter-Podcast. Neue Werbespots für Poco sind ebenfalls gedreht. Ich mach also derzeit viel Shows und Moderation. Ich liebe das und hab sehr viel Spaß daran. Ich hoffe, ich kann das transportieren. Ich liebe meinen Job.


Vielen Dank, liebe Frau Kunze für das schöne Gespräch. Das hat mich sehr gefreut. Alles Liebe. 





'Mir ist die Musik der 1970er und 80er Jahre nahe. Das ist die Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Aber ich bin eigentlich gar nicht so ein großer Musikhörer. Ich muss gestehen, ich mag sehr gerne die Stille und die Geräusche, die um mich herum passieren'

Justus von Dohnányi

Foto: ZDF Frank Dicks


Der milliardenschwere deutsche Technologie-Konzern Lindemann hat sich zum Ziel gesetzt, das erste selbstfahrende Auto auf den Markt zu bringen. Bei einer Testfahrt kommt es zu einem Unfall, und eine Frau stirbt. Die Lindemanns sind es gewohnt, Probleme jeder Art mit Geld aus der Welt zu schaffen. Aber dieses Mal stehen sie im Licht der Öffentlichkeit. Jetzt gilt es für den CEO Benedikt Lindemann, das Bild des traditionsbewussten Familienunternehmens nach außen zu wahren. Doch die Machtspiele der Familie drohen zu eskalieren ..... „Breaking Even“ ZDFneo ab Mittwoch 14. Oktober, 20.15 Uhr


Im Gespräch mit Justus von Dohnányi im September 2020

Marion Graeber



In der ZDFneo-Dramaserie „Breaking Even“, spielen Sie den Firmenchef Benedikt Lindemann - wie würden Sie Ihre Rolle charakterisieren?

Lindemann ist ein Vollblutmanager. Um seine Ziele durchzusetzen geht er relativ skrupellos mit anderen Menschen um. Das betrifft seine Familie, aber auch Menschen außerhalb des Familienkreises. Dabei kennt er annähernd keine Grenzen um das durchzusetzen, was er für richtig hält.

Was hat Sie an der Darstellung besonders gereizt?

Ich fand die Idee eine solche Figur zu spielen, die so einen doppelten Boden hat, ganz interessant. Diesen durchsetzungsstarken Manager, der seine Interessen nicht alle offen legt, der dieses Spiel im Spiel spielt. Ich fand auch die Bücher gut entwickelt und geschrieben. Ich hab mich da sehr wohl gefühlt.

Gibt es Charaktere, die Sie bevorzugt verkörpern möchten oder schlüpfen Sie gern in die verschiedensten Rollen?

Ja, das Schlüpfen in verschiedene Rollen ist eigentlich mein Wunsch und war auch der Ansatz, warum man das Mal werden wollte. Schauspieler. Ich hab sehr viel Theaterarbeit gemacht. Anfangs mehr als Film. Film hab ich später angefangen. Im Theater wird man im Ensemble immer wieder in ganz andere Geschichten hineingepackt und das macht eigentlich die Vielfalt, die Freude und den Spaß aus.   

Wie bereiten Sie sich auf Rollen vor?

Das kommt ganz auf den Charakter an. Wie die Rolle angelegt ist. Manchmal gibt es historische Vorlagen, manchmal reale Personen. Manchmal ist es ein intensives Gespräch mit dem Regisseur, ein anderes Mal ein Fachbuch. Auch kann man aus der eigenen Biographie und den eigenen Erlebnissen schöpfen.

Wie finden Sie den Ausgleich zur Arbeit? Brauchen Sie Natur und Einsamkeit, Menschen und Stadt, Sport oder Musik?

Lacht. Von allem etwas. Wenn ich nicht arbeite, versuche ich mich mit den Dingen zu beschäftigen, die sie angesprochen haben. Ich lebe in Berlin und ich lebe auf dem Land. Das ist sehr angenehm. Wenn mich die Stadt inspirieren soll, dann bin ich in Berlin. Im Moment ist das natürlich durch dieses schreckliche Corona Virus nicht so einfach. Es finden leider nicht so viele kulturelle Veranstaltungen statt.

Welches Musikgenre lieben Sie?

Man wächst ja in einer bestimmten musikalischen Zeit auf. In meinem Alter sind die meisten nicht die größten Metall Fans. Lächelt. Mir ist die Musik aus den 1970er und 80er Jahren näher. Das ist die Musik mit der ich aufgewachsen bin. Aber ich bin eigentlich gar nicht so ein großer Musikhörer. Ich muss gestehen, ich mag sehr gerne die Stille und die Geräusche, die um mich herum passieren. Die in der Natur beispielsweise. Es gibt Menschen, die immer nebenher Musik hören. Das bin ich nicht.

Vielleicht tanzen Sie gerne?

Getanzt hab ich früher. Aber ich hab leider keine goldene Tanznadel. Lacht.

Auch beim Tango ist die Stille, das Innehalten wichtig.

Ja, das stimmt. Aber es kommt immer darauf an, was man für ein Leben führt. Mein Leben ist relativ unstet und alle regelmäßigen Aktivitäten, die man beispielsweise in einem Verein, mit anderen Menschen zusammen macht und erleben könnte, das ist für mich nicht so einfach umzusetzen. Ich bin viel unterwegs. Und den Dienstagabendtermin, wo ich endlich die goldene Tanznadel bekommen könnte, den verpasse ich … Lacht.

Die Dramaserie „Breaking Even“ ist ja sehr düster. Es regnet viel und es gibt häufig Nachtdrehs. Wie gehen Sie damit um? Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?

Ich war früher eindeutig ein Nachtmensch. Doch inzwischen bin ich ein Tagmensch.  Der Dreh bis in die Nacht hinein ist aus zwei Gründen schwierig. Erstens kann man tagsüber nicht mehr so viel schlafen wie früher. Das heißt der nächste Tag, wo man sich erholen sollte damit man nachts wieder drehen kann, funktioniert nicht mehr so einfach. Und zweitens, die Konzentration ist nachts schwerer aufrecht zu erhalten. Der Nachtdreh ist schon anstrengender als der Dreh am Tag. Am Anfang der Woche fangen die Drehtage sehr früh an, dann rutscht man so in eine spätere Zeit rein und am Ende der Woche sind die Drehtage sehr viel später und gehen bis in die Nacht hinein. Dann kommt das Wochenende, wo man versucht sich auszupendeln, damit man Montag in der Früh wieder gut aufstehen kann.

Bei der Produktion waren viele Schauspieler am Set. Wie war die Stimmung?

Die ist immer sehr gut zwischen den Kollegen. Manche Kollegen kennt man auch schon, hat mit ihnen schon gearbeitet. Das ist immer sehr angenehm.

Benedikt Lindemann hat ein düsteres Geheimnis. Er ist knallharter Geschäftsmann, aber auch Familienmensch. Hat Lindemann Sehnsüchte fernab von Macht und Intrigen oder ist er in sich gefangen?

Ich hab den Eindruck gehabt, dass es eine Figur ist, welche die anderen Eigenschaften und Bedürfnisse im Zuge der vielen Arbeit verloren hat. Das ist kein ungewöhnlicher Aspekt. In vielen Karrieren ist es so, dass ein bisschen die Betriebsblindheit einsetzt, dass Familie und Freunde vernachlässigt werden und auch für Hobbys keine Zeit mehr ist. Ich hab weiter den Eindruck, dass er abgestumpft ist und losgelöst vom Privatleben. Er ist der Managertyp, der einfach funktionieren muss. Er meint alles entscheiden und in der Hand haben zu müssen.

Er spürt sich nicht mehr wirklich?

Nicht mehr wirklich. Er hat auch die Verbindung zu seiner Frau und der Ehe verloren. Betrachtet man die momentane Situation, inmitten einer Pandemie, gibt es diese Biografien, in denen Menschen, die viel gearbeitet haben, zurückfallen, entschleunigen müssen.

Wie ergeht es Ihnen?

Ich hab bis März an einem Kinofilm in Holland und Belgien gedreht. Dann gab es noch Verschiebungen. Ich hatte sehr viel zu erledigen. Wir sind dann auch noch umgezogen, haben renoviert und uns eingerichtet. Die Zeit war sehr gefüllt. Dann hab ich einen Film über fünf Wochen beim Hessischen Rundfunk gedreht. Ich hab die Pandemie wie alle Menschen erfahren, aber ich hatte sehr viel um die Ohren muss ich sagen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich Däumchen drehe oder im Stillstand bin.

Bei den Filmdrehs in Pandemiezeiten werden Tests und Quarantäne eingesetzt?

Ja, man muss in Quarantäne und wir sind wöchentlich getestet worden. Wir hatten aber aktuell einen Dreh mit einem überschaubaren Team. Das war eine sehr konzentrierte Arbeit. Das war sicher auf diese Weise etwas leichter zu organisieren und zu realisieren. Das hat gut funktioniert aber man merkt schon, dass es viele Beeinträchtigungen gibt.

In der Dramaserie ist das Unternehmen Lindemann ein Technologiekonzern. Es geht um das selbstfahrende Auto. Was halten Sie davon?

Ich denke schon, dass das irgendwann passieren wird. Ich glaube aber, dass es aufgrund der Rechenkapazität und der Netzabhängigkeit noch ein Weilchen dauern wird.  

Fahren Sie gerne Auto?

Ich bin generell gern ein Autofahrer. Ich hab es auch lieber gern selber in der Hand, das gebe ich zu. Ich finde den ein oder anderen Fahrassistenten dann auch eher störend als hilfreich. Lächelt.


Vielen lieben Dank, Herr von Dohnányi für das schöne Gespräch. Ich hab mich wirklich sehr gefreut. 



Weiteres Interview zu 'Breaking Even'


Ich finde Musik schon wichtig, weil es einen auch an bestimmte Zeiten erinnert und in besondere Stimmung versetzen kann'

Lorna Ishema

Foto: Robin Kater


...gleichzeitig stößt die mit dem Fall betraute aufstrebende Firmenanwältin Nora Shaheen auf eine weitere Bedrohung: die jugendliche Aussteigerin Jenny, die mit dubiosen Methoden versucht, Konstantin, dem jüngsten Sohn der Lindemanns, nahezukommen. Als Nora herausfindet, dass Jenny einen Jahre zurückliegenden Todesfall aufklären will, in den die Lindemanns verwickelt sind, schließen sich die beiden Frauen zu einem ungleichen Ermittlerduo zusammen. Sie dringen immer tiefer in die bedrohliche Geschichte der Industiellen-Dynastie vor.


Im Gespräch mit Lorna Ishema im September 2020

Marion Graeber


Wie charakterisieren Sie Ihre Rolle als Anwältin, Nora Shaheen?

Sie ist intelligent und ehrgeizig. Was ich beim ersten Lesen besonders spannend fand ist, dass sie so einen anderen moralischen Kompass hat. Anders als die anderen Figuren. Sie kommt oft an einen Punkt, an dem sie eigenständig agiert. Sie handelt dann nicht gerade so, wie sie vielleicht handeln sollte, beweist aber immer gute Menschenkenntnis und ein instinktives Gespür. 

Es geht in 'Breaking Even' viel um Intrigen und Machtspiele innerhalb der Familie Lindemann. 

Das stimmt. Nora Shaheen bietet so einen Gegenpol. Sie hat den Anspruch, Dinge aufzuklären und Gerechtigkeit walten zu lassen. Sie handelt teilweise zutiefst gegen ihren moralischen und beruflichen Kodex und versucht auf der Opferseite zu sein. Sie verhält sich zutiefst menschlich. Es hat mich vor allem auch gereizt zu verstehen, wo das hinführt. Ich habe mich gefragt, was ist das für eine Frau, die diesen Beruf wählt. Nora Shaheen zu entdecken hat mir so viel Spaß gemacht. Ich habe einfach auch so ein großes Potential in dieser komplexen Figur gesehen.

Wo wurde die Dramaserie gedreht?

Wir haben in Köln und Umgebung gedreht.

Wann wurde gedreht? ... Es hat viel geregnet und es war alles etwas düster..

Das kam der Stimmung in der Serie sehr zugute. Lacht. Wir haben im vergangenen Jahr von Anfang Oktober bis Mitte Dezember gedreht.

Wie war die Arbeit mit Ihren Kollegen?

Sehr gut. Natürlich hatten wir ein straffes Pensum. Aber auch beim Schauen hinterher war ich wirklich begeistert von meinen Kollegen(Innen). Es macht unglaublich Spaß ihnen beim Spielen zuzugucken. Das war auch bei der Arbeit so. Ich konnte sehen, dass jede Figur was ganz Eigenes hat.

Der Technologiekonzern Lindemann bringt in der Serie das selbstfahrende Auto auf den Markt. Glauben Sie, das wird kommen oder ist das Zukunftsmusik?

Ja, das kommt bestimmt. Ich kann Auto fahren, hab aber selbst kein Auto. Wenn man sich heute die Fridays for Future Bewegung ansieht und das wachsende Bewusstsein für die Umwelt, glaube ich schon, dass die Technologie sich da weiterentwickeln wird. Ich denke es wird zuvor andere Schritte geben, wie beispielsweise bei den Elektroautos zu beobachten ist. Aber ja, ich kann mir das gut vorstellen. Ich denke nicht, dass das sehr utopisch ist.

Im Leben regiert oft schneller, weiter, höher - denken Sie, dass die Menschheit in Pandemie-Zeiten auch wieder andere Werte zu schätzen weiß?

Das ist eine große Frage. Aber was die Pandemie mit sich gebracht hat, ist so eine Art von Entschleunigung. Ich glaube, das ist sehr wichtig, dass man mal runterfährt und sich Gedanken über die eigenen Werte macht. Die Pandemie zwingt uns Menschen auch auf Missstände aufmerksam zu werden. Gerade jetzt ist die Zeit, wo dafür Gehör gefunden wird. Ob das so bleibt, weiß ich nicht. Ich denke, das ist wird die Herausforderung sein - die eigentliche Aufgabe ist der zweite Schritt. Man muss gemeinsam an den Themen dranbleiben.

Filme werden von Filmmusik unterstützt. Wie wichtig ist Ihnen Musik und welches Genre hören Sie persönlich gerne?

Ich finde Musik schon wichtig, weil sie einen auch an bestimmte Zeiten erinnert und in eine besondere Stimmung versetzen kann. Das gilt auch für die Serie. Ich fand das super cool und war oft überrascht, wie die Musik eingesetzt wurde. Das beeinflusst mich auf einer ganz subtilen Ebene. Ich selbst lege mich, was Musik angeht, nicht auf eine bestimmte Musikrichtung fest. Mich interessieren die KünstlerInnen an sich. Aktuell höre ich FKA.Twigs, die ich musikalisch, wie auch visuell unglaublich beeindruckend finde. Für außergewöhnliche Harmonien höre ich mir die live Auftritte von Chloe x Halle an. Warum machen sie Musik und was ist ihre Aussage. Natürlich spielt aber auch ein bisschen die Jahreszeit eine Rolle, welche Musik man hört. Lächelt. Ich höre Musik tatsächlich aus einem künstlerischen Aspekt.

Sie tanzen Salsa. Haben Sie auch Berührungspunkte mit dem Tango Argentino?

In der Schauspielschule hatten wir Tango Argentino, ja. Privat jedoch nicht. Aber ich finde den Tango Argentino sehr ästhetisch. Lächelt. Aber wie bei vielen Tanzstilen, ist der Ausdruck der TänzerInnen, doch das was mich am meisten anzieht.


Vielen Dank für das schöne Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut.



'Es sind immer die schönsten Projekte, wenn sich neue Welten eröffnen.

Tango tanzen - das ist tatsächlich etwas, was ich gerne machen würde'

Florian Lukas


Foto: ZDF Julia Terjung



Deutschland 1956: Bei einem Kinobesuch im Westteil Berlins sehen Theo und Kurt, Abiturienten aus dem ostdeutschen Stalinstadt, in der "Wochenschau" dramatische Bilder vom Aufstand der Ungarn in Budapest. Als im RIAS zu landesweiten Schweigeminuten für die Opfer aufgerufen wird, wollen die Schüler ein Zeichen der Solidarität setzen. Am nächsten Morgen schweigt die ganze Klasse eine Minute lang. Von der Kreispartei kommt die Anweisung, die Sache zu untersuchen. Wenn der Anstifter nicht bis Weihnachten benannt ist, wird die Klasse aufgelöst, und keiner der Schüler wird mehr in der DDR sein Abitur ablegen können.

Das ZDF zeigt "Das schweigende Klassenzimmer" am Dienstag, 13. Oktober, 20.15 Uhr


Im Telefon-Gespräch mit Florian Lukas

Marion Graeber



„Das schweigende Klassenzimmer“, nach dem gleichnamigen Roman von Dietrich Garstka

„Das schweigende Klassenzimmer“ wurde bereits im März 2018 in den Kinos gezeigt, am Dienstag, 13. Oktober, 20.15 Uhr nun im ZDF …
Wann wurde gedreht?

Wir haben im März und April 2017 gedreht.

Regisseur Lars Kraume meinte, er habe den Film absichtlich mit ostdeutschen Schauspielern besetzt (Interview in „Die Zeit“. „ Florian Lukas konnte den Rektor so gut spielen, weil er Erinnerungen aus seiner Kindheit abrufen konnte“). Wie sehen Sie das?

Na ja, ich bin 1973 geboren. Der Film spielt im Jahre 1956. Ich glaube, man möchte damit die Authentizität erringen, die es so gar nicht geben kann. 
Ich müsste 1920 geboren sein um Erinnerungen aus der Zeit einfließen lassen zu können. Ich kenne das alles also auch nur aus Erzählungen meiner Familie oder Verwandtschaft. Es ist beispielsweise so, dass die DDR 1956 auch nicht die selbe DDR von 1988 ist. Klar kann ich mich an ein paar Dinge erinnern, wie den Fahnenappell. Aber nicht mal der Gruß der Pioniere ist im Vergleich zu damals der gleiche aus meiner Kindheit gewesen. Den Direktor Schwarz, den ich spiele, den gab es zu meiner Zeit so nicht mehr. Ich musste mich hier also auch einlesen und mir die Rolle erarbeiten. Aber natürlich gibt es eine gewisse Nähe, die man sich nicht erarbeiten muss. Den Brandenburger Dialekt beispielsweise. Der liegt mir näher als der Stuttgarter. Lächelt. 

Die örtliche Nähe macht es also ein bisschen leichter?

Ja, die Hürden sind niedriger. Doch die Biografie des Direktors – da stellte sich die Frage: „Aus welchem Umfeld kommt er eigentlich?“.
Rektor Schwarz war eigentlich ein einfacher Landarbeiter. Er hat nie etwas besessen und ihm wurde auch keine große Zukunft prophezeit. Was muss das für ihn bedeutet haben einen Platz in der Gesellschaft bekommen zu haben? Er hat sich diesen ja nie erhofft. Auf der anderen Seite wird er durch dieses Amt jedoch auch erpressbar. Er läuft immer Gefahr, dass ihm alles wieder genommen wird. Das kenne ich so nur in Ansätzen und vor allem nur aus der Erfahrung anderer Menschen. 

Wie wichtig ist es Ihnen persönlich, dass man deutsche Geschichte präsent hält?

Wir dokumentieren nicht eins zu eins Geschichte. Wir sind keine Historiker. Wir versuchen mit Film Geschichte erlebbar und erfühlbar zu machen. Und wir erzählen Dinge immer in einem kleinen Ausschnitt. Aber wir tragen so unseren Teil dazu bei. Das finde ich wichtig. Ich glaube wir verstehen einander auch besser wenn wir verstehen woher wir kommen. Aber es ist problematisch zu sagen, ich besetze einen Schauspieler aus Ostdeutschland und behaupte das ist glaubwürdiger als wenn ich einen anderen Schauspielermit der Rolle betraue. Das ist marginal. Auch gerade bei historischen Stoffen. Wenn es heißen würde, ich erzähle was aus der Zeit meiner Kindheit in der DDR - ja, da weiß ich viel mehr. Ich möchte einfach nicht vermitteln, dass ich hier mein Leben spiele. Das ist nicht der Fall. 

Ja, das verstehe ich. Sie begeben sich als Schauspieler in eine Rolle. Das ist es ja auch, was den Beruf ausmacht – sich in andere Charaktere einzuarbeiten. 

Absolut. Das finde ich auch. 

Gedreht wurde „Das schweigende Klassenzimmer“ in Stalinstadt, dem heutigen Eisenhüttenstadt. Dort fand man die entsprechende Kulisse zum Film. Der Ursprungsort, des auf Tatsachen beruhenden Romans, ist Storkow. Wie haben Sie den Dreh in Eisenhüttenstadt empfunden?

Ich kenne die Stadt auch nur als Eisenhüttenstadt. Man versteht, was man gewollt hat. Viel Platz, viel Raum für Menschen, die es bis dahin gewohnt waren in feuchten, dunklen Hinterhofwohnungen zu hausen. Mit wenig Platz. Es ist ein Beispiel für einen guten Willen, der nicht funktioniert. Für mich war das sehr interessant. Die Stadt steht nicht umsonst unter Denkmalschutz.  Eisenhüttenstadt ist zirka zwei Stunden von Berlin entfernt. Es ist wirklich zu empfehlen 
die Stadt einmal zu besuchen. Sehr interessant. In Berlin vergleichbar mit der Karl-Marx-Allee. Dort ist es eine ganze Stadt, ganze Straßenzüge in diesem Stil. Höchst interessant. So hat auch die Architektur der 1950er Jahre inzwischen eine gewissen Schönheit.  

Im Film werden auch Einspieler der Wochenschau von damals gezeigt. Autos, Kleidung alles ist im Stil der 1950er Jahre. Auch Westradio wurde im Film gehört. 
Welche Musik hören Sie gerne?

Ich höre sehr gerne Klassik und das was man allgemein unter Indie-Rock verbuchen würde. Zu viel Musik höre ich allerdings nicht. Ich mag Wortbeiträge und Hörbücher. 

Tanzen Sie gerne und haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?

Leider nicht. Das bedauere ich sehr. Ich hab mal zwei/drei Tangostunden für einen Film gemacht aber das war für eine Komödie, da musste ich mich nicht so wahnsinnig anstrengen. Lacht. Es sind immer die schönsten Projekte, wenn sich neue Welten eröffnen. Tango tanzen – das ist tatsächlich etwas, was ich gerne machen würde. Habe mich schon mit der Tangoszene auseinandergesetzt. War auf Milongas. Es gibt in Berlin sehr schöne Plätze zum Tanzen, auch an der Spree. Ich kenne Leute, die da hingehen. Ich bin auch immer neidisch. Lacht. Ich hoffe, ich kann das mal machen, bevor ich 60 bin.


Vielen Dank, Herr Lukas für das interessante Gespräch.

Eisenhüttenstadt werde ich nach diesem, unserem Gespräch gerne einmal besuchen.






'Der Tango Argentino ist ein grossartiger Tanz.

Ich liebe auch die Musik sehr'

Christian Berkel

Foto: ZDF Oliver Feist

Hauptkommissar Bruno Schumann (Christian Berkel) klärt seit 2006 als Viktimologe Mord- und Kriminalfälle für das LKA in Berlin auf. Vierzehn Jahre nach dem Sendestart von "Der Kriminalist" zeigt das ZDF nun die letzten sechs neuen Folgen.


Christian Berkel im Telefoninterview

Marion Graeber



Mit Datum Freitag, 28. August laufen die letzten sechs neuen Folgen von „Der Kriminalist“. Ging der Abschied von Ihnen aus?

Ja, der Abschied ging von mir aus.

Wie schwer fällt es Ihnen sich von so einer erfolgreichen Figur zu lösen?

Ich hab mir das natürlich schon ein ganzes Weilchen überlegt. So in den vergangenen zwei/drei Jahren hab ich darüber nachgedacht, wann wohl der rechte Zeitpunkt ist. Aber, wenn man mal davon ausgeht, dass es den idealen Zeitpunkt sowieso nicht gibt, dann gibt es einen relativ idealen und ich hatte das Gefühl, das ist er. Entscheidet man sich dann einmal dafür, ist man erst mal froh und glücklich. Wenn ich allerdings so durch die Berlin fahre, denke ich, da hast du gedreht und damals waren wir hier und da. Ich war ja an unglaublich vielen Orte. Ich glaube insgesamt waren das an die zweitausend unterschiedlichen Motive in diesen vierzehn Jahren. Ich hab die Stadt innen und außen sehr genau kennen gelernt. Dann versetzt es einem so einen kleinen Wehmut-Stich. Ich bin aber auch froh, diese tolle Zeit gehabt zu haben und genau so froh bin ich jetzt wieder zu neuen Ufern aufzubrechen.

Sicher ist es auch nicht einfach sich nach vierzehn Jahren vom Schauspielteam verabschieden zu müssen…

Nein, das ist nicht einfach. Wir haben alle sehr gut zusammen gearbeitet. Das Schauspielteam und generell das ganze Team, von der Technik über die Beleuchtung bis hin zum Ton – wir hatten fast die gesamte Zeit ein konstantes Team. Das wird mir natürlich schon fehlen.

Welches Ende nimmt „Der Kriminalist“? Wird es dramatisch?

Nein, wir haben uns, ich glaube, da verrät man jetzt nicht zu viel, wir haben uns entschieden auf all diese Möglichkeiten zu verzichten. Diese klassischen Geschichten – der Kommissar wird erschossen, wird versetzt oder hat keine Lust mehr. Wir fanden, das würde der Arbeit und dem Zuschauer nicht gerecht werden. Es gibt eine letzte Folge und ich finde auch die ist sehr schön geworden. In der klingt das Ende so ganz leicht an, hat das aber nicht so zum Thema.

Was glauben Sie, warum sind Krimiserien beim Publikum so beliebt?

Ja, das ist eine gute Frage. Ich habe natürlich auch darüber nachgedacht. Eine hundertprozentig richtige Antwort kann es da nicht geben. Ich glaube, es hat damit zu tun – im Krimi, und vielleicht ist das auch eine Reaktion des Fernsehens, können wir heutzutage komplexere und auch düstere Geschichten erzählen. Das heißt auch, die Sender geben uns da mehr Freiraum die Geschichten zu erzählen. Mehr Freiraum, als wenn es ein völlig freier von Reihen und Serien unabhängiger Stoff wäre, der es dann eventuell auch ein bisschen schwerer hat beim Publikum. Ein weiterer Punkt ist, dass das Erzählen mit diesen Spannungselementen beim Publikum beliebt ist. Auch, dass die Welt, wie wir sie kennen, durcheinander geschüttelt und gleichzeitig am Ende doch wieder die Ordnung hergestellt wird.  Ich nehme an, das sind die Teile des Erfolgs.

Wie viel Christian Berkel ist in Bruno Schumann?

Auf jeden Fall eine ganze Menge, denn ich hab die Figur ja von Anfang an entwickelt. Also die Grundidee der Viktimologie kam, in Zusammenarbeit mit der Produzentin, von mir. Ich hab damals einfach nach etwas gesucht, was mir nahe ist. Mir war klar, wenn ich das eine so lange Zeit machen möchte, dann darf die Figur nicht kilometerweit von mir weggehen. Obwohl es immer eine Figur bleibt, gibt es schon eine starke Bindung zu mir.

Ich habe gelesen, es wurden jährlich hundert Drehtage für „Der Kriminalist“ angesetzt. Wie entspannen Sie?

Natur ist mir sehr wichtig. Spazieren gehen. Raus mit dem Hund. Aber das Wichtigste ist immer die Zeit mit der Familie. Auch wenn sie in dieser Phase oft leider sehr knapp war. Aber abends nach Hause zu kommen und schnell mal abschalten. Mit meiner Frau und meinen Söhnen reden – das war schon sehr wichtig. Und ein anderer Punkt der in meinem Leben immer schon eine große Rolle gespielt hat, ist das Lesen. Also ich kann mit Literatur besonders gut, ich will nicht sagen abschalten, aber in andere Welten reingehen.

Welche Rolle spielt Musik?

Musik spielt auch eine große Rolle. Wobei ich in solchen Situationen besonders gern klassische Musik mag, auch Jazzmusik. Aber ich lerne durch meine Söhne auch andere Musikwelten kennen. Ich bin für diese Dinge auch offen, aber das ist dann weniger Entspannungsmusik. Lacht.

Sie haben auch einen Bezug zum Tango Argentino ..

Ich hab einen starken Bezug zum Tango Argentino. Meine Mutter lebte lange in Argentinien. Sie hat mir viel vom Tango erzählt. Es ist nicht so, dass ich regelmäßig Tango tanze. Ich hab es einmal gelernt für eine Folge „Der Kriminalist“, da hab ich tatsächlich mal Tango getanzt. Das ist ein großartiger Tanz. Ich liebe auch sehr die Musik. Ich kann viel damit anfangen.

Der Tango Argentino ist Kulturgut…

Das stimmt. Argentinien hat auch in meinem ersten Roman eine Rolle gespielt und auch im zweiten, der jetzt im Oktober rauskommt, spielt eben die Geschichte, Argentinien, wieder eine große Rolle.

Ihr Roman „Der Apfelbaum“ soll verfilmt werden. Es soll Miniserien geben, stimmt das? Werden Sie mitspielen?

Es ist bis jetzt so geplant. Diese Erzählstruktur, dass es einerseits die Geschichte gibt und andererseits diese Perspektive des Erzählers, der sich mit seiner alten Mutter trifft und von da quasi in diese Vergangenheit mit ihr eintaucht. Das soll es in der Miniserie auch geben. Wir sind jetzt in der frühen Phase. Anfang September soll das Drehbuch für die erste Folge, die erste Fassung, kommen und ich bin schon total gespannt. Ich freue mich sehr drauf. 

Wie ist es sich mit seiner eigenen Geschichte, mit den Vorfahren, der Familie auseinanderzusetzen? Das prägt sicher und verändert vielleicht auch? Was macht das mit einem?

Ja, auf jeden Fall, das tut davor auch schon etwas mit einem. Auch, wenn sich Menschen nicht dezidiert oder bewusst damit auseinandersetzen. Sie sind trotzdem von ihrer Geschichte geprägt. Jeder von uns. Ich habe es so empfunden. Es ist ein sehr großer Gewinn sich tatsächlich intensiv damit auseinander zu setzen. Wir sind ohne diese Geschichten, ohne das, was vor uns gewesen ist, ohne die Menschen gar nicht denkbar. Und wenn wir uns selber ein Stück weit besser verstehen wollen, dann hilft es natürlich sehr, sich mit dieser Geschichte auseinander zu setzen.


Vielen Dank, lieber Herr Berkel für dieses wirklich wundervolle Gespräch. Alles Liebe.  





'Normalerweise darf man ja im Gletscher nicht drehen. Wir durften und das war echt irre für den Film'

.Jürgen Vogel


Foto: Klueter



Vor 5300 Jahren: Eine Großfamilie lebt friedlich in den Ötztaler Alpen. Während ihr Anführer Kelab auf der Jagd ist, wird die Siedlung überfallen und die gesamte Sippe brutal ermordet. "Der Mann aus dem Eis" in der Reihe "Shooting Stars - Junges Kino im Zweiten". Montagnacht, 27. Juli


Jürgen Vogel im FaceTime Interview

Marion Graeber


Wo wurde „Der Mann aus dem Eis“ gedreht?

Der Film wurde an Originalschauplätzen gedreht, beispielsweise in St. Leonhard in Südtirol. Also überall in der Gegend, wo Ötzi zuhause war und wo er dann auch gefunden wurde.

Der Film kam 2017 in die Kinos, wurde 2016 gedreht?

Ja, genau. Wir haben ungefähr sieben Wochen in Südtirol gedreht. Das war wunderschön.

Zu welcher Jahreszeit fand der Dreh statt?

Es war Herbst und wir hatten noch viele warme Tage. Teilweise war es richtig heiß am Anfang. Dann wurde es in der Folge immer kälter, bis zu minus 15 Grad.

Die Szenen im Eis, in den Eisspalten – war das tatsächlich vor Ort?

Ja, das war in der Natur. Wir waren für den Gletscher in Kärnten/Österreich. Zirka auf 3.500 Höhenmetern. Das war schon extrem. Und, kalt. Aber auch faszinierend. Normalerweise darf man ja im Gletscher nicht drehen, wir durften und das war echt irre für den Film.

Diese Enge in den Gletscherspalten – wie war das?

Da musste man gute Nerven haben, das ist teilweise gar nicht so einfach. Das stimmt. Aber ich bin da relativ angstfrei.

Auch mit der Höhe gab's keine Probleme?

Drei Leute aus dem Team hatten die Höhenkrankheit. Man musste doch relativ fit sein. Viel Lauftraining, viel trinken. Das haben einige vielleicht doch nicht ganz so berücksichtigt. Die mussten dann sogar ins Krankenhaus.

Ist man bei diesen extremen Bedingungen dann vielleicht mit einem reduzierten Filmteam unterwegs?

Wir waren schon relativ viele. Gut 30/40 Leute. Auch Bergführer hatten wir dabei. Das war gerade im Hinblick auf das Wetter wichtig. Die Gewittern und Blitzschläge in den Bergen sind nicht ohne. Das ist nicht ungefährlich. Dann das ganze Equipment…. Wir mussten viel wandern. Lacht.

Wie war das mit der Fitness? Wie haben Sie sich vorbereitet?

Viel Lauftraining. Gerade in den Bergen. Wir waren ja vorher schon da. Wir haben in einer Höhe von 1000 Metern angefangen und sind dann Stück für Stück höher. Das hilft und hält fit. 

Was hat Sie an der Verkörperung der Rolle von Kelab fasziniert?

Erstmal ist das eine interessante Geschichte. Ein krasser Kriminalfall eigentlich. Es ist super so eine Figur, von der man schon so viel gehört hat und von der wir einiges wissen, als Fiktion zum Leben zu erwecken. Auch, wenn wir nicht wissen, wie so ein Leben vielleicht hätte stattfinden können, hätte vieles so sein können. Die Bauart der Hütten, die Kleidung, die Jagdwerkzeuge – von all dem wissen wir. Vieles wurde gefunden, beziehungsweise auch Überreste hiervon. Es war interessant zu sehen, wie hochkultiviert die Menschen schon damals waren, gerade im Hinblick auf die Jagd (Waffen, Kleidung). Er hatte auch Nähzeug dabei, um Kleidung unterwegs flicken zu können. So etwas wusste ich vorher nicht. Total interessant. Für mich auch interessant, diesen Jäger zu spielen, der dann selber auch auf so einen Rachefeldzug geht. Ich finde dem Film spannend und guck ihn mir immer wieder gerne an.

Der Film kommt komplett ohne, uns verständlicher, Sprache aus. Hatten Sie das Gefühl sich diesbezüglich körperlich mehr ausdrücken zu müssen?

Man muss aufpassen, dass man da nicht „überactet“. Aber das haben wir glaube ich ganz gut hinbekommen. Lächelt. Aber klar, man hat halt die Sprache nicht. Man kann die Figur nicht darstellen mit dem, was er erzählt. Man muss da andere Mittel finden. Ich finde das aber spannend, weil es dem Zuschauer die Möglichkeit gibt, selber Dinge zu interpretieren. Ich mag diese Art Film.

Das hat geklappt ...

Ja, finde ich auch … Er ist ja auch viel alleine. Sonst würde er ja ständig mit sich selber reden. Lacht.

Ist es schwer gewesen, mit der Bekleidung, die ja aus schweren Fällen an Körper und Füssen bestand, zu agieren?

Wir haben versucht das so zu machen, wie es war. Er hatte ja auch viel dabei. Trockenfleisch und Trockenfisch beispielsweise. Da musste man schon ganz schön schleppen.

Kelab, der Mann aus dem Eis, war nicht nur auf einem Rachefeldzug, er wollte auch seinen Schrein wieder haben, der für ihn und seine Sippe sehr wichtig war. Wie wichtig ist es für Menschen an etwas festzuhalten?

Ich glaube, es geht hier um den Glauben an etwas Überirdisches. Das war Menschen schon immer wichtig. Das beweist beispielsweise auch die Höhlenmalereien. Denke, dass es für Menschen wichtig ist, an etwas zu glauben. Das hält ein Volk, eine Gesellschaft zusammen. Das ist wichtig. Gerade in Zeiten, wo es Menschen nicht so gut geht.


Vielen lieben Dank für das wirklich tolle FaceTime Interview! Ich hab mich super gefreut. Alles Liebe und bleiben Sie gesund!




"Musik ist ein wichtiges Medium, das einen im Leben

begleiten kann"

Jürgen Vogel


Im Gespräch mit Jürgen Vogel


Foto: Klueter



Im Zuge seines Films "Der Mann aus dem Eis", hatte ich auch die Möglichkeit mit Jürgen Vogel über Tanz und Musik zu sprechen.

Hierzu ein Auszug ...


Darf ich Sie fragen, ob Sie für den Tanz/Tango eine Leidenschaft hegen?

Ich habe schon mal für einen Film getanzt. Lächelt. Für „Die drei !!!“. Da musste ich viel tanzen und hatte auch Tanztraining, vorwiegend Stepptanz. Tanzen ist ein wahnsinniges Fitnesstraining. Tänzer sind sowieso wahnsinnig fit. Ich finde das toll und bewundere das auch. Dieser Ausdruck der Kreativität mit dieser Freude. Ich glaube, dass das Menschen auch glücklich machen kann. Sich durch das Tanzen und das Singen so ausdrücken zu können, ich glaube das hat, neben dem Fitnesseffekt, schon eine unglaublich tolle und auch heilende Wirkung. Auch Musik ist etwas, was gut tun kann.

Welches Musikgenre ist Ihnen das liebste?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich mag schon auch deutschsprachige Musik. Habe hierzu mal einen Film gemacht über eine Deutsch-Band. Das ist mir sehr nahe. Auch die Hamburger Jungs, da gibt es eine Verbindung in Bezug auf Generation und dem Heranwachsen. Ich höre aber auch gerne Hip-Hop und auch Klassik. Gerade Klaviermusik. Denke, ich bin da relativ breit aufgestellt. Musik ist ein wichtiges Medium, das einen im Leben begleiten kann.


Lieben Dank, Jürgen Vogel für diesen Einblick




'Al Pacino, Brad Pit, Leonardo DiCaprio - die möchte ich im Original hören'
Hannes Jaenicke


Foto: ZDF und Cineflix Roger Arpajou



 

'Mirage – Gefährliche Lügen', Erster Teil Montag, 8. Juni, 22.15 Uhr neoriginal

15 Jahre ist es her, dass die Französin Claire (Marie-Josée Croze) ihren Ehemann Gabriel (Clive Standen) bei dem Tsunami Unglück in Thailand verloren hat. Geblieben sind ihr der 15-jährige Sohn Zack (Thomas Chomel) und die Erinnerung an eine große Liebe. Nun möchte sie in Abu Dhabi mit Zack und ihrem neuen Ehemann Lukas (Hannes Jaenicke) ein neues Leben beginnen .....

An drei Montagabenden in Doppelfolgen präsentiert das ZDF die Thriller-Serie "Mirage - Gefährliche Lügen" als deutsche Erstausstrahlung. In französisch-kanadisch-deutscher Koproduktion entstand vor der Kulisse von Abu Dhabi eine spannungsgeladene Geschichte.


Im Gespräch mit Hannes Jaenicke

Marion Graeber


Wie war es, Teil einer internationalen Produktion zu sein?

Ich bin vor Weihnachten 2018 zum Casting nach Paris gereist und habe dort den Regisseur Louis Choquette getroffen. Der war so angenehm, freundlich, witzig und professionell, dass ich sofort gedacht habe "das mach ich". Wir haben dreisprachig gedreht. Das war schwer für mich, mit meinem rostigen Französisch, aber ich hatte eine grossartige Zeit. Ein Monat Abu Dhabi (da muss man jetzt nicht unbedingt gewesen sein), dann drei Monate Marokko. Es war ein spannender und spassiger Dreh.

Wann wurde gedreht?

Wir haben von Ende März 2019 bis Mitte Juli 2019 gedreht. Das Casting, wie gesagt, war vor Weihnachten 2018.

Juni/Juli – da wird es so richtig heiß. Bin selbst einmal in dieser Zeit in den Arabischen Emiraten gewesen. Wie hast du es empfunden?

Bist du da freiwillig hingefahren? Mir ist alles dort zu künstlich. Und ziemlich obszön, was sie dort mit ihren …l-Milliarden machen. Was bei uns ein VW Golf ist, ist dort ein Lamborghini oder Ferrari. Diese Art mit Geld umzugehen ist mir fremd. Dann steht in Dubai die grösste Skihalle der Welt. Also, wenn wir schon über Klima und Umweltschutz reden, dann gibt es wenig Flecken auf der Welt, wo Umweltschutz so ignoriert wird, wie in den Emiraten. … Mir ist jede griechische Insel, jeder italienische oder spanische Strand lieber. (Selbst der Strand ist in Abu Dhabi und Dubai mit Sand aufgefüllt. Unter einer 15 Zentimeter Sandschicht verbirgt sich oft Beton). Bezüglich der Hitze - wir hatten schon am Anfang 40 Grad. Wenn einem die Hitze was ausmacht, sollte man bei so einem Film nicht zusagen. Das gilt für Abu Dhabi und Marokko.

Ich denke, reisen ist wichtig, bekanntlich erweitert es den eigenen Horizont. Neue Regionen kennenlernen, Missstände sehen und einordnen .. Zusammenhänge erkennen ..

Da geb ich dir recht. Ich war jetzt einmal in Abu Dhabi, da muss ich nicht wieder hin.

Ich habe gelesen, du schaust dir gerne Filme im Originalton an.

Definitiv. Es geht immer etwas verloren bei der Synchronisation. Al Pacino, Brad Pitt, Leonardo DiCaprio – die möchte ich im Original hören. Schauspielerei hat viel mit Sprache zu tun. Al Pacino hat eine ganz eigene Sprache. Er arbeitet mit ihr, und mit Dialekten. Ich empfinde es auch einen grossen Verlust für unsere Kinder. Wenn du in die Niederlande gehst, nach Skandinavien oder in die Schweiz – da sprechen alle Kinder schon Englisch. Dort laufen Fernsehserien im Original, nicht synchronisiert. Ich finde, man nimmt dem TV Zuschauer die Möglichkeit Sprachen zu lernen, wenn alles synchronisiert wird. Finde ich schade. Trotzdem muss ich sagen, dass es hervorragende Synchronsprecher in Deutschland gibt.

Was hat dich an der Geschichte und am Charakter (Lukas) gereizt?

Lukas ist das krasse Gegenteil von mir. Er ist professioneller Gourmetkoch, ein fürsorglicher Familienvater. Mit seiner Familie zieht er nach Abu Dhabi, weil seine Frau dort eine grosse berufliche Chance bekommt. Er ist geduldig und aufopfernd und erfährt dann auf extrem schmerzhafte Weise, dass nichts so ist, wie es scheint. Ich lebe halt total anders. Ich hab keine Familie und hab in meinem Leben noch nie eine warme Mahlzeit zubereitet. Lächelt. Ich mag auch das Genre des Films (Industriespionage). Wie unschuldige Menschen in das Netz von Geheimdiensten hineingeraten. Die Geschichte ist spannend.

Gab es vor Ort Einschränkungen und Vorschriften, was den Dreh betraf?

Aber wie. Wir durften in Abu Dhabi nach 19.30 Uhr nicht mehr an den Strand. Das hab ich noch nie erlebt. In den kleinsten Fressbuden hingen überall Überwachungs-Kameras. Alles wirkte wie ein Polizeistaat. Ich fand das befremdlich.

In der Zeit der Pandemie – fehlt dir das Reisen?

Ich war im vergangenen Jahr über elf Monate unterwegs. Ich liebe es zu reisen. Das ist meine wahrscheinlich größte Leidenschaft. Aber ich habe das Zuhause-Sein während der Corona-Krise jetzt doch mal sehr genossen. 


Vielen Dank, Hannes, für das interessante Gespräch. Stay Safe, Marion



Foto: ZDF Eric Vernazobres/FTV/Storia television





'Ich bin ambivalent was die Musik betrifft - Sehr gern höre ich auch Klassik'

Maximilian Brückner


Foto: Jens Koch


Im Gespräch mit Maximilian Brückner - im Fokus der Film "Arctic Circle". Das Gespräch fand vor dem Ausbruch des Coronavirus statt.


Mitten in den Tiefen Lapplands geschehen mysteriöse Morde an russischen Prostituierten, die eine weltweite Virusepidemie auslösen könnten. Die Opfer sind mit einem seltsamen Virus, einer Kombination aus einem Herpes- und einem sexuell übertragbaren, dem sogenannten Jemen-Virus, infiziert.

Die finnische Polizistin, Nina Kautsalo und der deutsche Viren-Experte, Dr. Thomas Lorenz, ein ungewöhnliches Ermittlerduo, geraten im Laufe ihrer Nachforschungen in ein undurchsichtiges Netz von kriminellen Machenschaften. Für Nina erreichen die Mordfälle eine sehr persönliche Dimension, als sich herausstellt, dass ihre ältere Schwester Marita mit dem Virus infiziert ist. Eine verzweifelte Suche nach dem möglichen Auslöser der viralen Bedrohung beginnt und damit der Wettlauf um Leben und Tod.


Im Gespräch mit Maximilian Brückner

von Marion Graeber



Hallo lieber Herr Brückner, vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Wo sind Sie gerade? 

Ich bin zuhause am Chiemsee.

Das ist schön. Dann sind wir gar nicht so weit voneinander entfernt.

Ja, in Süddeutschland - Da lebt es sich gut.

Sind Sie Naturmensch?

Wenn man hier aufwächst... Ja, ich glaube schon. Ich kenne es nicht anders und ich mag es sehr gerne so.

Dann sind Sie viel in der Natur? Im Sommer am Chiemsee und im Winter in den Bergen? Soweit ich weiß machen Sie Wassersport und fahren Ski?

Das stimmt, aber am Wochenende gehe ich nicht so oft an den Berg. Da sind so viele Menschen unterwegs. Da suche ich mir dann oft was anderes. Ich geh beispielsweise sonntags gerne schwimmen wenn es so schön ist. Wenn ich dann weiß, alle gehen Skifahren, bin ich fast alleine beim Schwimmen. Lacht.

Winterschwimmen ist schön.

Das mag ich auch sehr gerne.

Im Februar zeigt das ZDF den Fünfteiler „Arctic Circle“. Wann wurde gedreht?

Das ist schon zwei Jahre her. Erst wurde er in Finnland gezeigt, dann in anderen Ländern. Er musste synchronisiert werden. Daraufhin dann die Suche nach einem Sendetermin beim ZDF. Die Zeit vergeht.

War die Zeit im Norden von Finnland für Sie eine besondere?

Man muss echt sagen, die Landschaft ist der dritte Hauptdarsteller. Die Landschaft hat so eine Wirkung. Das macht auch was mit dem Schauspieler, mit den Menschen an sich und auch mit dem Zuschauer. Diese Landschaft macht diesen Nordic Noir Thriller auch so besonders, so eigen. Und natürlich die Finnen – weil die haben eine ganz andere Stil- und Spielart mit relativ wenig Mimik. Das ist dann sehr stoisch. Das hat eine wahnsinnige Stärke. Sehr interessant anzuschauen.

Sie sind ein international gefragter Schauspieler. Wie empfinden Sie die Drehs in anderen Ländern? Eine Herausforderung?

Ich finde es nicht mal eine Herausforderung. Es gibt doch nichts Schöneres als diese Vielfalt die wir in Europa haben zu leben und zu unterstützen. Diese Filme tragen ja auch dazu bei, dass man andere Länder kennenlernt. Bewusst oder auch unbewusst. Auch die Verschiedenheiten, die man hat. Das ist total interessant und das kann verbinden. Ich finde sowieso den europäischen Film einen der wichtigsten. Gerade in dieser Welt, die jetzt versucht sich wieder zu spalten. Es ist auch interessant zu sehen, wie spielt der Franzose oder der Italiener. So wird die Welt immer mehr eins. Das ist schön. Wenn man die alten Filme schaut, sieht man die Länderunterschiede sehr. Jedes Land hat eine eigene Art. Auch mit der Gestik und Mimik.

Internationale Zusammenarbeit also eine gute Sache?

Ich finde internationale Zusammenarbeiten eine gute Sache. Das eint uns. Ich finde das ganz großartig.

Zu welcher Jahreszeit wurde Arctic Circle gedreht?

Im Winter. Von Ende November bis Mai.

Da waren die Tage kurz …

Ja. Lacht. Manche bekommen da psychische Probleme. Ich fand es interessant.

Wie war das mit der Kälte?

Es ist eine andere Kälte als die Kälte die wir hier bei uns kennen. Das kann man gar nicht vergleichen. Hier friere ich schon bei Null Grad weil es eine nasse Kälte ist. Bei minus vierzig Grad ist keine Luftfeuchtigkeit mehr vorhanden. Es ist eine wahnsinnig trockene Kälte, die man, so finde ich, gut aushalten kann. Was sich nur über die Kälte ergibt ist allerdings, dass man irgendwann nicht mehr sprechen kann. In einer Szene haben wir gemerkt, wir müssen die kürzen oder schneller spielen. Lacht. Das hat Spaß gemacht.

War der Dreh für Sie in der englischen Sprache?

Ja, bis auf ein paar kleine Sätze.

Waren Sie zuvor schon einmal in Finnland?

Nein, noch nie.

Wie sahen die Drehpausen aus?

Es waren ja extrem viele Drehtage. Wir waren in Lappland, da gab es ein Arctic Resort. Dort waren viele Japaner und Chinesen. Riesige Hotelkomplexe. Aber man konnte dort gut Skifahren. Also, eigentlich dachte ich ja, da gibt es Berge, aber es sind nur Hügel. Trotzdem konnte man ein bisschen Skifahren. Und Langlauf  oder Skaten – das ist dort ja ganz beliebt. Und saunieren natürlich.

Was hat Sie am Charakter von Thomas Lorenz gereizt? Wie beschreiben Sie ihn?

Ich hab den Charakter so gespielt, dass es nicht so ein professoraler Typ ist, sondern ein ganz normaler, der in eine verrückte Geschichte reingezogen wird. Ich mochte die Geschichte. Sie ist nicht weit von der Realität entfernt. Ich bin mir sicher, dass es Regime gibt, die an genetisch manipulierten Viren rumbasteln um das dann als Waffe zu benutzen. Das ist erschreckend nah und nicht weit weg. So ist mein Gefühl und so ist das im Film auch glaubwürdig.

Dann nimmt man die Geschichte auch ein bisschen mit ins eigene Leben?

Es ist halt eine Geschichte, die nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Es ist eine Geschichte, die einfach so stattfinden könnte. Und, wenn man das weiß, dann wird die Geschichte noch viel härter und intensiver.

Wie beschreiben Sie den Nordic Noir Thriller?

Es ist eine spezielle Art von Krimi. Man kennt ja auch die Ingmar Bergman Filme. Die Filme sind spannend, sehr skandinavisch mit dieser ruhigen Art. Auch unser Arctic Circle will nicht mehr als er ist. Nicht mit zwanzigtausend Explosionen die Geschichte auf puschen, sondern mit den Leuten und der Langsamkeit und Ruhe wirken. Auch spürt man eben die Kälte. Nicht nur der Schauspieler. Lacht. Sondern auch der Zuschauer. Und dann die Landschaft, die einfach auch ein Hauptdarsteller ist.

Sie spielen Tuba und sie Schublattlern … Welches Genre Musik mögen Sie?

Ich höre kreuz und quer. Meistens höre ich Bayern2. Ich höre aber auch sehr gerne Klassik. Da bin ich ambivalent.

Ich bin über einen Satz von Ihnen gestolpert. In „Resturlaub“, sagen Sie, „Ich bin Tango“. Sind Sie Tango?

Ich bin nicht Tango. Lacht. Ich bin eine ganz grauenhafte Version von „Ich bin Tango“. Wir haben das mal ein bisschen in der Schauspielschule gelernt, aber wenn man da nicht dranbleibt … Es ging auch darum, den Tango zu zerstören. Es tut mir sehr leid. Lacht.

Was bedeutet es Ihnen zu reisen? Gibt es einen Sehnsuchtsort?

Ehrlich gesagt, ich habe das in der vergangenen Zeit sehr umgestellt. Ich fliege nicht mehr und fahre alles mit der Bahn. Nach Helsinki war das natürlich schwierig. Aber, was möglich ist, fahr ich mit der Bahn. Ich fahr auch relativ wenig Auto. Und, wir machen gerade weil wir kleine Kinder haben, Heimaturlaub. Wir schauen uns Deutschland an. Und in Deutschland fahr ich nur noch Bahn.

Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?

Ich bin reiner Tagmensch. Ich finde keinen Sinn darin nachts lange wach zu sein. Mit der Ausnahme wenn man feiern geht. Ansonsten, wenn es dunkel wird, dann schlaf ich.

Lieben Dank, Herr Brückner, für das schöne Gespräch. Hab ich mich sehr gefreut. Alles Liebe.



'Man kann sich wahrscheinlich auch so ein längeres Glück organisieren – das heißt dann Zufriedenheit'

Henry Hübchen


Foto: André Röhner



„Tage des letzten Schnees“, ZDF Montag, 3. Februar, 20.15 Uhr


Als Lars Eckert seine Tochter vom Eishockeytraining abholt, kommt es im dichten Schneetreiben zu einem tragischen Unfall - die Elfjährige stirbt noch am Unfallort. Kommissar Johannes Fischer (Henry Hübchen), der kürzlich seine Frau verloren hat, kennt die Eckerts und kümmert sich um den Fall. Tags darauf wird im Hof einer Wohnanlage eine Studentin erschossen aufgefunden. Markus Sellin, ein Hamburger Banker, der mit der jungen Frau eine heimliche Affäre hatte, rückt in den Fokus der Ermittlungen. Kommissar Fischer stößt auf ein fatales Beziehungsgeflecht, das Menschen, die ursprünglich nichts miteinander verband, schicksalhaft zusammengeführt hat.


Interview mit Henry Hübchen

Januar 2020


Was denken Sie, warum sind Krimis, Psychothriller und Krimidramen so beliebt beim deutschen Fernsehpublikum? Könnte es sein, dass der Zuschauer an der Auflösung eines Problems interessiert ist?

Da bin ich überfragt. Ich bin kein Soziologe und hab das noch nicht untersucht. 

Aber ja, wenn es sich um einen Krimi handelt, wo es einen Mörder gibt, kann ich mir das gut vorstellen. Da kann was dran sein. Vergleichbar mit einem Kreuzworträtsel. Lacht. 


Beim Krimidrama „Tage des letzten Schnees“, geht es um Verlust, Trauer, Sehnsüchte und Schuld – was denken Sie, folgt das Leben einem übergeordneten Plan, oder ist alles Zufall?

Das ist eine Glaubensfrage und darüber läßt sich nicht streiten. Ich glaube an keinen übergeordneten Plan. Ich glaube auch nicht, dass ich geplant war, um hier zu erscheinen auf dieser Welt. Ich glaube schon garnicht, daß ich von meinen Eltern geplant war, denn die kannten mich ja nicht. Der Zufall kommt uns zur Hilfe oder bremst uns aus.


Nach den Schicksalsschlägen in „Tage des letzten Schnees“ entsteht zwischen Lars und Kirsten Schweigen, aber auch Schuldzuweisung und Unverständnis. Auch bei Markus und seiner Frau wird über Grundlegendes nicht mehr gesprochen. Was denken Sie, wie wichtig ist es miteinander im Gespräch zu sein?

Sehr wichtig. Nicht nur in einer Zweierbeziehung sondern generell. Wenn die Sprache aufhört, wenn das Zuhören aufhört, die Überhebung sich breit macht, dann wird es schwierig. Wenn kein Gespräch mehr stattfindet, Halbwissen gepaart mit moralischer Ignoranz dominiert, ist das schrecklich.

Man blicke in die globalisierte Welt – also ich bin für „reden, reden und nochmals reden“. Und zuhören und dem anderen zugestehen, was man für sich selbst in Anspruch nimmt.  


Die eigene Verarbeitung der Dinge spielt für Johannes Fischer im Film auch eine wichtige Rolle. Er fährt stundenlang mit dem Auto hoch an die Küste, ans Meer. Welche Beziehung haben Sie zum Meer? Was tut Ihnen gut?

Die Ostsee ist für mich ein großer Faktor, wo ich mich immer wieder zur Erholung hinbegebe. Es ist ja nicht so weit entfernt von Berlin. Ich bin ein Wassermensch und weniger ein Bergmensch. Obwohl ich auch ganz gerne mal in den Bergen bin. Aber da gehöre ich eigentlich nicht hin. Es gibt kein Horizont.


Sind Sie ein Stadt- oder Naturmensch?

Ich bin so ein Zwischending. Ein bisschen Stadt und viel Natur. Wenn ich die Wahl zwischen einer Städtereise oder einer Abenteuerreise zu den Wundern der Natur habe, und die Natur ist ein einziges Wunder, dann wähle ich das zweite. 


Wie ist es mit der Musik? Sie sind auch Sänger und Komponist…

Na ja, wollen wir mal nicht übertreiben. Lacht.


Was hören Sie gerne?

Alles mögliche. Jazz, Rock, bis hin zu Rammstein, auch Klassik. Ich bin so Crossover, je nach Stimmung. Aber ich höre zu wenig neue Sachen. Es gibt so unglaublich viel Musik, die ich heute auf Knopfdruck hören kann, das ist doch der Wahnsinn. Und Musik wird immer gemacht, das hört nicht auf. Gott sei Dank.


Manch ein Rapper geht mir allerdings auf die Nerven. Lacht.



Kennen Sie den Tango Argentino?

Ich tanze schon mal, wenn es der Beruf verlangt, aber ich bin kein leidenschaftlicher Tänzer. Hören und Anschauen ja, aber nicht selber machen. Das überlasse ich den Profis und die faszinieren mich. 


Schicksalsschläge ziehen den Charakteren im Film den Boden unter den Füßen weg. Man denkt darüber nach, was Glück ist. Geht es eigentlich primär um das kleine Glück im Alltag? Wie sehen Sie das?

Glück ist ja in zweierlei Hinsicht von Nöten. Das Gefühl des Glücks: Ich bin glücklich. Und dann dieses: Ich hab Glück gehabt. … Bin über die Straße gegangen, hab gar nicht geguckt, bin nicht überfahren worden – hab Glück gehabt.

Das eine Glück, das braucht man im Leben ab und zu, auch im Beruf. Gerade, wenn man Schauspieler ist, gehört Glück auch zum Erfolg.

Das andere Glück – da muss man selber was dafür tun, für die Momente des Glücksgefühls, für diesen Glücksmoment. 

Aber man kann sich wahrscheinlich auch so ein längeres Glück organisieren – das heißt dann Zufriedenheit.





Vielen Dank, Herr Hübchen, dass Sie Zeit für mich hatten.

Ich hab mich sehr gefreut.

Alles Gute



'In jeder Musikrichtung gibt es Schönes'

Fritz Karl



Foto: Dorothee Falke


Das Ehepaar Abel und Ursel Hradschek (Fritz Karl und Julia Koschitz) betreibt ein Landhotel im Oderbruch. Der Betrieb läuft schlecht und die Hradscheks leben über ihre Verhältnisse. Als Abel bei Gartenarbeiten zufällig unter einem Birnbaum das Skelett eines Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt, reift in ihm ein raffinierter Plan. Mit Hilfe seiner Frau arrangiert er den perfekten Mord an seinem Gläubiger.

„Unterm Birnbaum“ Moderne Adaption der Fontane Novelle. Montag, 30. Dezember, 20.15 Uhr im ZDF


Interview mit Fritz Karl

Marion Graeber

Dezember 2019


Was hat Sie an der Rolle des Abel gereizt? Wie beschreiben Sie ihn?
So eine Rolle zu bekommen ist ein Fest für einen Schauspieler. Es ist eine Figur die so zerrissen ist. Abel liebt seine Frau so sehr, lebt aber weit über seine Verhältnisse und kommt in große Not. Da ist alles drin, was eine große Tragödie braucht. 

Abel ist eine Figur mit großen Tiefen, aber auch voller Lebenslust. Ein ganzer Blumenstrauß, der einem da aufgetischt wird. Es ist einfach spannend so einen Charakter zu spielen.

Nach welchen Kriterien nehmen Sie Rollen an, bzw. lehnen sie ab? Schauen Sie, was zu Ihnen passt?
Passt zu mir, würde ja beinhalten, dass ich nur Rollen spiele, die zu mir passen. Aber ich sehe meinen Beruf so, dass ich mir Rollen, Figuren und Charaktere aneigne, die mir völlig fremd sind. Es ist ja viel interessanter, sich auf diese Weise etwas zu erarbeiten.
Mein Beruf ist Schauspieler. Figuren spielen, und Menschen zu unterhalten, damit verdiene ich mein täglich Brot. Wenn ich in der Situation bin, in der ich mir Rollen heraussuchen kann, dann lehne ich die ab, die oberflächlich sind, wenig Tiefe haben und nicht wirklich einenn großen Spannungsbogen, keine Ecken, keine Kanten haben. Denen geh ich eigentlich aus dem Weg.  Aber vielleicht kommt es vor im Leben, um das tägliche Brot zu verdienen, Rollen anzunehmen, die vielleicht nicht die Qualität eines Abel Hradschek haben. Außerdem würde ich sicherlich Rollen ablehnen, die  moralisch und politisch für mich nicht vertretbar sind, beispielsweise, wenn ein Film den Nationalsozialismus verherrlicht. 

Historische Stoffe in die Gegenwart zu übersetzen, eine Chance für den Zuschauer sich mit großer Literatur auseinanderzusetzen?
Ja, sicher. Ich glaube, das ist etwas das sowohl in Deutschland als auch in Österreich ein bisschen abhanden gekommen ist. Die Engländer machen das mit einer großen Selbstverständlichkeit. Sie verfilmen ihren Shakespeare meist sogar historisch. Sie pflegen das auch. Wir haben relativ wenig Literaturverfilmungen, was schade ist. Das war schon mal stärker. Wenn man sich Schiller und Goethe, oder auch Büchner ansieht, da gibt es ganz große, spannende und theatralische Stücke, die eigentlich darauf warten, verfilmt zu werden. Am Theater wird vieles gespielt, aber ich glaube, es hätte auch wirklich im Film seine Berechtigung. Stücke modernisieren, das kann man machen. Das ist sicherlich eine Form, Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend mit Fontane gequält wurden, das nochmal auf eine andere Weise näher zu bringen.

Im Film schmieden Abel und seine Frau diesen Mordplan und kommen sich dann nahe, wie lange nicht mehr. Was halten Sie von der Kraft der Gemeinschaft? Das lässt sich ja auch in das Positive übertragen.
Das ist eine ganz spannende Szene im Film. Wie kommen wir dorthin, die körperliche Nähe, der gemeinsame Plan, dass sie sich da nicht entzweien. Sie haben diese Gemeinschaft, sind Verbündete, Gefährten, das ist schon ein ganz großes Ding. Vielleicht ist es das. Sich gemeinsam in dieser Situation, wie an einen Strohhalm aneinander zu klammern - das gibt schon Kraft. Sie sind sich nie so innig, so eng, wie in diesem Moment, in dem sie diesen Plan schmieden. Eine ganz großartige Szene. 


Ich habe über Fontane gelesen, dass es ihm stets fern lag, Gewalt darzustellen. Das ist heute in Krimis, Psychothrillern und Krimidramen anders. Warum, denken Sie, wollen die Zuschauer das heute anders sehen?
Fontane hat ja, wenn man das so liest, alles was zu hinterfragen war ausgeblendet. Er hat das nicht hingeschrieben. Was ist mit dem Pferd, wie wird der Mord begangen? Das hat er gar nicht angerührt. Wir leben heute in einer Zeit, da geht das so nicht. Da würden wir ausgelacht werden, wenn wir eine Geschichte so erzählen würden. Die Wohnzimmer in Deutschland sind voll mit ermittelnden Kommissaren. Das heißt, die Erwartungshaltung des Zuschauers ist eine andere. Da kann man das nicht mehr so erzählen, wie Fontane das gemacht hat. 

Wie ist das, diese extremen Charaktere zu spielen? Nimmt man das auch ein bisschen mit nach Hause? Wie sehr beeinflusst das?
Also, ich sehe meinen Beruf als einen handwerklichen Beruf für den man Fantasie und Talent braucht. Jetzt stellen Sie sich mal vor, jeder Schauspieler, der da im Tatort spielt, jeder Schauspieler, der einen Mörder verkörpert, zieht diese Krücke dann noch mit nach Hause. Das wäre eine Katastrophe. Fürchterlich. Da bräuchten wir ein Klinikum. Lacht. Aber es ist natürlich unterschiedlich, kommt darauf an, was eine Figur braucht. Wenn man dreht ist das ja meistens woanders. Da ist man wie in einem Kokon. Man ist in dieser Drehfamilie und in dieser Drehfamilie bleibt das dann auch. Ich gehöre nicht zu den  Schauspielern, die Rollen mit nach Hause nehmen. Das wäre eine Katastrophe und nicht gut, vor allem nicht bei den Rollen, die ich spiele. Das würde keine Familie aushalten. Die Schauspielerei ist ein Handwerk. Für diese Zeit sich da hineinversetzen, sich das anzuziehen und dann die Fähigkeit besitzen, das am Ende der Drehzeit auch wieder abzulegen. Andernfalls müssten wir am Set einen Psychologen haben, der die Schauspieler betreut und ihnen hilft wieder in das Alltagsleben zurück zu finden. 

Wie entspannen Sie? Hören Sie gerne Musik? Welches Genre?
Ich höre quer durch. Ich muss mich jetzt durch meine Kinder auch mit Gangster Rap und diesen Dingen auseinandersetzen. Aber wir haben da einen ganz guten Austausch. Sie hören dann auch mal Rolling Stones und Cat Stevens oder David Bowie. Ich höre auch klassische Musik, denn ich bin damit aufgewachsen. Ich würde mich da also gar nicht festlegen, was auch schade wäre, weil in jeder Musikrichtung gibt es Schönes. 

Tanzen Sie? Wie gut kennen Sie den Tango Argentino?
Sie hatten im Februar eine Lesung - Fritz Karl und Tango de Salon
Genau, mit dem Tango Orchester trete ich auf. Die spielen und ich lese. Lächelt. Ich bin aber kein Tänzer. Ich habe Produktionen gemacht, da hab ich getanzt, aber das war für mich immer, lacht, ich bin Skifahrer und ich habe große Oberschenkel und die sind schwer, leicht zu bewegen. Lacht. 'Schuhblatteln' wäre noch eine Möglichkeit. Lacht. Nein, als Österreicher bekomme ich natürlich noch einen anständigen Walzer hin. 

Was ist für Sie die beste Zeit, um zu sich selbst zu kommen? Würden Sie einen Spaziergang in der Morgendämmerung wählen oder doch lieber einen bei Einbruch der Dunkelheit?
Sowohl als auch. Aber ich würde keinen Spaziergang machen sondern um diese Tageszeiten gehe ich Fliegenfischen. Es gibt einen Morgensprung und den Abendsprung. Das ist wunderbar. Wobei natürlich im Sommer die langen Abende zum Fliegenfischen hervorragend geeignet sind, wenn es so lange dahindämmert. Jetzt im Winter, ich war heute in der Früh fischen,  war sehr kalt. Aber schön. Lacht. 

Dann fühlen Sie sich in der Natur besonders wohl ..
Ich bin am Berg aufgewachsen. In der Natur. Im Salzkammergut. Hier kann ich mich am schnellsten erholen und am besten meine Batterien aufladen.



Vielen Dank für das schöne Gespräch, Herr Karl


'Der Tango Argentino das ist ein Tanz, wie auch der Flamenco, der eine Ebene hat,
die einfach aus einer anderen Zeit kommt'
Nadeshda Brennicke


Die in Tschechien in der Burg Pernstejn und vor zahlreichen Naturkulissen gedrehte Neuverfimung des Grimm'schen Märchens gehört zu der ZDF Reihe "Märchenperlen". Der Film wurde als "Best Feature Film" beim San Diego International Kids Festival ausgezeichnet und erhielt den Publikumspreis des Fabulix Märchenfestivals 2019. 

Dienstag, 24. Dezember, 15.05 Uhr ZDF und ab Sonntag, 22. Dezember in der ZDF Mediathek


Im Gespräch mit Nadeshda Brennicke

Marion Graeber

Dezember 2019


Wie wichtig sind Ihnen Märchen?

Ich glaube, wie für viele Menschen meiner Generation, sind Märchen großartig. Wir sind damit groß geworden. Nicht nur mit Märchen, sondern auch mit so fantastischen Büchern, wie beispielsweise „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“. Michael Ende ist einer der wichtigsten Autoren meiner Kindheit. Das prägt. Ich hab das Glück, auch in einer Zeit aufgewachsen zu sein, wo viel vorgelesen wurde. Wo es einfach nicht das Ipad war, was man vorgelegt bekommen hat. Wo man noch während der Autofahrt Hörspiele gehört hat. Ich bin sowieso sehr Hörspiel abhängig. Lacht. Ich kann stundenlang Hörspiele anhören. Das regt die Fantasie an. Kinder denken sich heute gar keine Geschichten mehr aus. Imagination ist was Schönes und die Märchen, die damals produziert wurden, haben mehr Platz für Fantasie gelassen. Ich finde das ist bei den heutigen Anime Filmen schwierig. Schon wegen der vielen schnellen Schnittfolgen, die eine krasse Reizüberflutung darstellen. Auch „Biene Maja“ wurde ja beispielsweise neu gemacht – da geht mir der nostalgische Spirit verloren, diese Langsamkeit. Mir fehlen auch die alten Heinz Rühmann Filme, die alten Märchen aus Tschechien. Mir fehlt so die Nostalgie Ecke.

Mögen Kinder das heute überhaupt noch – diese „alten“ Märchen?

Ich glaube Kinder mögen das, was wir ihnen bieten.

Weihnachten und Märchen – gehört das für Sie zusammen?

Weihnachten bestand auch daraus, zu sehen, was meine Eltern als Kinder gern geschaut haben. Da gibt es sensationelle Filme. Darüber abends generationsübergreifend diskutieren. Schön, wenn man sich austauscht.

Haben Sie Ihrem Sohn früher auch vorgelesen?

Ja, das habe ich. Darüber hinaus haben wir auch viele alte Filme angeschaut. Viele Filme, die auch ich als Kind gesehen habe. Beispielsweise auch die Weihnachtsreihen, wie „Silas“.

Was ist Ihre Lieblingsgeschichte/-märchen?

„Momo“ ist mein Lieblingsbuch und die „Unendliche Geschichte“. Vor allem Michael Ende hat für mich Märchengeschichte geschrieben. Märchen, die so viele Subebenen haben und Weisheiten. Die begleiten mich bis heute. Es ist ein Wahnsinn, was für ein Wissen dieser Mann für Kinder verarbeitet hat. Er hat letztendlich den einzig interessanten Weg literarisch gewählt – nämlich so ein Wissen an die Jüngsten zu vermitteln. Bei mir ist das voll aufgegangen. Ich höre die Geschichten heute noch gerne als Hörbücher.


Foto: ZDF Conny Klein


Ihre Rolle als Königin und Stiefmutter in „Schneewittchen und der Zauber der Zwerge“, ist wuchtig. Sie legen all Ihre Kraft hinein. Was war das für eine Erfahrung?

Das war so toll. Ich hatte auch so einen Spaß.

War es eine große Herausforderung mehrere Charaktere in einer Person zu spielen?

Es ist einfach super, dass man so eine Chance bekommt, wie ich sie hatte.

Dazu muss man wissen, dass Ihr Exfreund, Ngo The Chau für Regie und Kamera führte

Ja, das stimmt. Wir waren lange ein Paar. Dass er mich jetzt, obwohl wir kein Paar mehr sind, für seinen Film geholt hat zeigt, was für ein schönes Verhältnis wir haben, sonst würde er mir das gar nicht anvertrauen und mich in sein sensibelstes Projekt holen. Da braucht man Verbündete – das war für mich natürlich ein schönes Zeichen - Verbündete zu sein. Es ist letztlich auch deswegen toll, weil man auf künstlerischer Ebene arbeiten kann, wo sprechen oft überflüssig ist. Wir haben ja ganz kurze Wege der Verständigung. Kennen uns. Aber das war manchmal auch ganz schön anstrengend. So hat er von mir auch die schnellste und härteste Arbeit verlangt. Ich hab in zwei Stunden 5 Szenen gedreht. Keine Pause, kein Make-up und Kleid zurechtrücken und so. Lächelt.

Die Qualität sieht man ..

Das freut mich. Ja, man hat wie gesagt ein ganz anderes Vertrauen, kann ganz woanders einsteigen wenn da einer ist, der einen kennt. Manchmal hat eine Handbewegung von mir ausgereicht und er wusste, wie es weiter gehen würde. So nach dem Motto: „Ja, genau so“ und „Ich weiß genau, was jetzt kommt“. Er gab mir die Bühne und hat mich machen lassen. Das ist einfach schön.

Wie viele Drehtage waren eingeplant?

Es waren 21 Drehtage. Ich hatte 12. Da kann man sich vorstellen, was das für ein krasses Pensum ist.

Es sind fantastische Bilder entstanden mit beeindruckenden Kostümen..

Ja, das Kostüm ist besonders. Sensationell angefertigt und bis auf den letzten Stich mit so viel Liebe kreiert. Aber es hat mich wahnsinnig beengt. Es waren 40 Kilogramm da hinten dran. Das ist nicht lustig. Ich habe schwer darum gekämpft, dass ich den Rock auch mal ablegen durfte. Manchmal hab ich nur im Oberteil gespielt. Mit dem Kostüm konnte man gar nicht so schnelle Bewegungen machen. Da bewegte sich da hinten der ganze Drachenschwanz mit. In manchen Szenen konnte ich das aber auch gut nutzen. Aber es war schon ein Kostüm, das permanent Kontrolle gebraucht hat.

Wie konnten Sie sich in dieser Zeit entspannen?

Das ist in diesem Fall ganz leicht gewesen, denn ich habe mit den tollsten Schauspielern zusammen gearbeitet. Lächelt. Sascha Alexander Gersak (Graf Sebalt) hab ich überredet, die kleine Rolle des Edelmanns zu übernehmen. Und die kleinwüchsigen Kollegen, die ich erst in dieser Produktion kennengelernt habe, die sind mir sehr ans Herz gewachsen. In Prag mit solchen Charakteren in Welten einzutauchen, die sie sonst nie im Leben haben – das ist einfach toll. Ich musste eher aufpassen, dass ich abends dann auch ins Bett kam. Lacht. Jeder Tag hätte gerne doppelt so lange sein dürfen.

Sind Sie Stadt- oder Naturmensch?

Ich brauch beides. Ich bin ein sehr großer Naturmensch. Ich hab allerdings gerade meinen Hof verkauft, weil ich nochmal was anderes brauche. Ich sehe mich jetzt gerade dort nicht mehr. Ich fand das eine Zeit lang toll etwas zu erschaffen aber das ist jetzt auch abgeschlossen. Jetzt können andere weitermachen. Ich würde gerne ein bisschen reisen. Ich bin aktuell gerade in die Stadt gezogen. Die Pferde sind etwas außerhalb. Ich finde, die Mischung ist schön. Dass man das überhaupt hat. Das hab ich aber schon durch meinen Beruf leben dürfen. Ich habe auf dem Land gelebt und war für Drehs in der Stadt. So hab ich die Stadt viel effizienter genutzt als ich das sonst gemacht hätte. Lächelt.

Gibt es für Sie einen Sehnsuchtsort?

Costa Rica. Ich bin gerade ein großer Südamerika Fan. Ein Kontinent, den ich mir jetzt erarbeiten möchte.  

Mögen Sie den Tango Argentino, als Tanz aus Südamerika?

Ich hab den Tango Argentino in der Schauspielschule mal angefangen. Ich wage zu sagen, ich habe zwar einige Talente, aber es gibt zwei Dinge, die ich nicht so gut kann – das ist das Malen und das Tanzen. Dabei würde ich wahnsinnig gern tanzen. Ich kann das auch alleine mit mir ganz gut. Lacht. Aber Partnertanz – es fällt mir unheimlich schwer, mich fallen zu lassen. Und führen lassen kann ich mich auch nicht gut. Der Tango Argentino das ist ein Tanz, wie auch der Flamenco, der eine Ebene hat, die einfach aus einer anderen Zeit kommt. Es ist eine Energie, die da passiert. Eine Dramatik.

Welche Art von Musik hören oder machen Sie gerne? Sie sind Singer/Songwriter..

Ich hab alles gemacht was nicht kommerziell ist, deswegen kennt man wenig von mir. Ich mach derzeit viele Hörbücher und Kunstprojekte. Teilweise sehr abstrakte Stoffe. Ich habe null Interesse an kommerzieller Musik, das interessiert mich künstlerisch gar nicht. Mir ist die Gefühlsebene wichtig. Momentan könnte ich mir vorstellen, spirituelle Musik zu machen. Trommeln beispielsweise. Da spiele ich als Person eine geringe Rolle, da geht es darum sich durch Ton und Klang auf eine andere Ebene zu begeben. Das finde ich faszinierend.   


Liebsten Dank, liebe Frau Brennicke. Das war ein ganz wundervolles Gespräch.

Alles Liebe.


"Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist die Schönste im ganzen Land?", fragt die Königin ihren magischen Zauberspiegel, der stets die Wahrheit spricht. Und sie tobt vor Wut, als der Name ihrer eigenen Stieftochter fällt; Schneewittchen. Diese wächst als Waise abgeschieden am Hof der eitlen, selbstherrlichen Königin auf, die das Mädchen viele Jahre vor den Augen der Welt verborgen hat. Nur heimlich kann sich Schneewittchen aus den abgeschotteten Gemächern schleichen, um wenigstens dem alten Burgschmied ab und an zur Hand zu gehen. Dort trifft sie auf Prinz Kilian, dessen Herz für die vermeintliche Schmiedegehilfin entflammt.

Als Königin Schneewittchen aus Geldnot an den reichen Grafen Sebalt verheiraten will, staunen die Bürger des Reiches bei der Brautpräsenation. Schneewittchen ist tatsächlich schöner als die Königin. In rasender Eifersucht gibt die Herrscherin ihrem Bruder Gilig den Befehl, ihre Stieftochter zu ermorden. Doch Schneewittchen überlebt mit Hilfe der Zwerge und versteckt sich bei ihnen im Wald. Dort stellen sie magische Gegenstände her, so auch einst den Zauberspiegel der Königin. Gequält von ihrer Angst vor dem Alter gibt die Königin dem Anführer der Zwerge einen neuen Auftrag. Sie sollen ihr eine Perücke herstellen, die ewige Jugend verleiht.

Als der Zauberspiegel der Königin verrät, dass Schneewittchen den Mordanschlag überlebt hat, macht sie sich selbst auf, um Schneewittchen zu vergiften.





  'Ein sehr toller Tanz – aber wahrscheinlich sagen Tangotänzer, der Tango Argentino ist kein Tanz, sondern ein Lebensgefühl'

Sebastian Ströbel

Fotos: ZDF Walter Wehner



Das ZDF zeigt sieben neue Folgen von "Die Bergretter". Zu sehen sind Geschichten rund um Bergrettungsleiter Markus Kofler (Sebastian Ströbel) und sein Team, welches mit Simon Plattner (Ferdinand Seebacher) in der neuen Staffel übrigens Verstärkung bekommt. Im Interview sprechen wir über schauspielerische Arbeit aber auch über persönliche Leidenschaften.   


Im Gespräch mit Sebastian Ströbel

Marion Graeber

November 2019


Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Wo sind Sie gerade?

Ich bin zur Zeit in Hamburg. Ich darf mich ein bisschen regenerieren. Lacht. Die Dreharbeiten sind seit fast drei Wochen vorbei und jetzt hab ich Bergretter-Frei.

Familienzeit?

Genau. Familienzeit.

Wann beginnen die neuen Dreharbeiten?

Wir fangen wieder Anfang Februar 2020 an. Da sind wir im Kaunertal und drehen die Winterfolgen und dann geht es wieder das Jahr durch.



Sie kommen ganz aus meiner Nähe, sind in Karlsruhe geboren…

Ja, ich bin in Karlsruhe geboren. Mein Vater ist Stuttgarter. Meine Eltern, beide Schwaben. Wie auch ich. Auch meine Verwandtschaft kommt aus dem Tübinger und Esslinger Raum.

Sind Sie öfter in der Region?

Ja, ich bin öfter da. Vor allem in Esslingen. Ich hab auch lange in Ravensburg gelebt. In der Nähe des Bodensees. Auch dort habe ich Freunde. Ich hab also sehr viel Kontakt ins Schwabenländle. Lacht.

Wie gefällt Ihnen die Region Bodensee?

Der Bodensee und Oberschwaben sind wunderschön. Ehrlich gesagt, ist der Bodensee mit einer der schönsten Plätze die es gibt. Unfassbar schön.

Sie leben in verschiedenen Welten. In der Stadt und in der Natur gleichermaßen. Ein Kontrastprogramm…

Ja, absolut. Aber das ist auch das, was mich irgendwie ausmacht. Einerseits die Berge, diese Wildheit und Schönheit der Natur und auf der anderen Seite die Großstadt. Das ist toll. Glücklich, wer beides hat. Ich genieße das sehr. Durch die Dreharbeiten und die Zeit in den Bergen – ich kann mittlerweile keinen Tag mehr komplett im Haus verbringen. Ich muss immer raus. Ich würde zugrunde gehen, wenn ich nicht ein oder zwei Stunden am Tag draußen sein könnte.  

Mit Hamburg haben Sie auch die Nordsee quasi vor der Türe. Lieben Sie auch das Meer, vielleicht Wassersport?

Ich liebe das Meer, aber ich bin jetzt kein extremer Wassersportler. Wir waren gerade in St. Peter Ording. Das war auch sehr schön. Mir reicht aber auch die Natur, der Wald, die Ruhe.

Waren Sie immer schon sportlich? War das Klettern immer schon Ihr Sport?

Sport war für mich immer von großer Bedeutung. Klettern war ich damals aber nicht. Wir waren wandern und ich mochte Ballsportarten. Was das Klettern betrifft, man musste damals schon in einer Gegend aufgewachsen sein, wo man klettern konnte. Mittlerweile ist der Klettersport ein Trend und in Mode und es gibt beispielsweise ja auch Kletterhallen. Groß geworden bin ich damit nicht. Das war damals nicht so ein großes Thema.

Die ganzen Stunts und die Action in den Bergen – Sind Sie Angstfrei?

Das ist doch immer eine Herausforderung … Das stimmt. Das ist das ganze Projekt „Die Bergretter“. Wir sind Hochalpin und auch die ganzen Unwegbarkeiten der Natur, Fels- und Steinschlag. Dann das Thema, wie man zu den Settings kommt…. Das ist immer ein großer Aufwand. Aber ich bin immer gut gesichert. Was man sein sollte, ist schwindelfrei. Ich hab auch ein hohes Materialvertrauen. Ich bin da eigentlich ganz ruhig, weil ich weiß, mir kann nichts passieren.

Sie hängen in manchen Szenen auch am Hubschrauber. Sind das wirklich Sie?

Ja, da hänge ich wirklich dran. Das ist toll. Ein Privileg. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl von Freiheit. Es ist aber auch schön, das am Dachstein machen zu dürfen. Über der Stadt würde das nicht so viel Spaß machen. Lacht. 




Hat Ihre Familie Angst um Sie?

Nein. Meine Frau vertraut mir da und die Kinder finden ja eh Action toll. Und ich bin ja auch verantwortungsbewusst. Klar, viele Sachen will ich selber machen, aber alle sind ganz entspannt.

So eine Schauspielrolle wie Sie sie haben, das verändert einen schon, oder?

An sich schon alleine, weil man so ein tolles Format mitgestalten kann und fast sechs Millionen Zuschauer hat. Das ist schon toll. Dann, was man alles erleben darf. Ja, das macht schon etwas mit einem.

Sie klettern auch in anderen Ländern? Beispielsweise in Israel.

Ja, in dieser Produktion bin ich als Host dabei. Ein Teil war es zu zeigen, was man alles in Israel erleben und machen kann. Das war eine tolle Erfahrung. Ein sehr lehrreiches Erlebnis.

Reisen Sie gerne?

Ja, ich bin ständig unterwegs. Ich liebe es andere Eindrücke, andere Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Ich liebe ja Menschen. Von daher ist das für mich ein 'Muss'. Ich mag das, die Welt zu sehen. Dinge zu erleben. Das finde ich toll.

Gibt es einen Sehnsuchtsort?

Ja, tatsächlich ist das Südafrika. Ich war schon einmal dort und würde gern Südafrika und Namibia nochmal sehen. Diese Weite, diese Schönheit – das ist der Wahnsinn. Und ich würde auch gern mal in den Iran.

Wann, finden Sie, ist die Stimmung besonders schön – morgens oder abends? Sind Sie ein Morgen- oder ein Nachtmensch?

Ich glaube das ist schwer zu sagen. Morgenmensch bedeutet, man muss früh aufstehen. Lacht. Also ich mag die Abendstimmung schon wahnsinnig gerne. Dieses Licht und die Atmosphäre.

Sie haben schon einmal in einem Musikvideo von Revolverheld mitgewirkt. Welche Musikrichtung lieben Sie?

Ich höre viel. Ein Album, welches ich gerade hoch und runter höre ist das neue Album von „Deichkind“. Das finde ich mega. Ich höre aber auch wahnsinnig gerne Klassik. Eigentlich bin ich nicht festzulegen, denn ich bin auch mit der „alten Musik“ verwoben.

Tanzen Sie gerne?

Ich tanze gerne auf Partys, aber ich bin kein Tanzbär. Lacht. Ich lieb es unterwegs zu sein, Musik zu hören.

Gefällt Ihnen der Tango Argentino?

Ich hab ihn mal für Filmprojekte getanzt. Mit Felicitas Woll in „Abgefahren – Mit Vollgas in die Liebe“. Und auch mit Chiara Schoras in „Countdown – Die Jagd beginnt“. Da hatte ich Tangostunden und hab diesen Tanz genießen dürfen. Ein sehr toller Tanz – aber wahrscheinlich sagen Tangotänzer, der Tango Argentino ist kein Tanz, sondern ein Lebensgefühl. ...



Vielen Dank, für das schöne Gespräch, Herr Ströbel






'Wäre fast mal ein Milonguero geworden'

Juergen Maurer



Fotos: Ingo Pertramer



Der Anfang von etwas

Nach der gleichnamigen Erzählung von Siegfried Lenz


Anne Hoppe (Ina Weisse), die als Meteorologin im Seewetteramt Hambug arbeitet, trauert seit einem Jahr um ihren Ehemann Harry (Juergen Maurer). Dieser kam am Neujahrsmorgen beim Untergang eines Containerschiffs ums Leben. Seine Leiche wurde allerdings nicht gefunden. Bei einer Gedenkfeier glaubt Anne, ihren für tot erklärten Mann unter den Gästen zu erkennen. Zunächst hält sie das nur für ein Hirngespinst, doch als nachts in ihr Haus eingebrochen wird und sie einen Blick auf den Einbrecher erhaschen kann, ist sie sicher: Der Einbrecher ist Harry.


Im Gespräch mit Juergen Maurer

Marion Graeber



Der Film „Der Anfang von etwas“ spielt in Hamburg und Nordfriesland. Welche Anziehungskraft hat Wasser auf Sie? … Sie sind in Klagenfurt am Wörthersee aufgewachsen.

Das ist richtig. Lacht. Abgesehen, dass ich leidenschaftlicher Schwimmer und an einem See aufgewachsen bin, kann man das nicht mit der Nordsee vergleichen. Die Nordsee oder auch die Elbe, das ist ein komplett anderes Gewässer. Aber grundsätzlich mag ich es total gern. Hamburg ist unheimlich definiert durch Wasser. Das lieb ich sehr, wie auch die ganze Stadt.


Sind Sie oft in Hamburg?

Ich bin immer wieder mal in Hamburg, da ich ein Mal im Jahr einen Film dort drehe. Ich genieße die Zeit jedes Mal.


Eine intensive Zeit?

Ja.


Sie waren zu Drehzwecken ja auch auf einem Containerschiff. Was war das für eine Erfahrung? Wir haben auf dem Schiff einen Tag lang gedreht. So ein Schiff mal in seiner Größe zu sehen, das ist kolossal. Tatsächlich haben wir im Hafen liegend gedreht und dann gab es noch eine Luftaufnahme vom Containerschiff mit einem Double. Schon beeindruckend… Wahnsinn. Allein, wenn man schon die Szene von der Ankunft sieht, wenn er nach Hause kommt, die Gangway runter – irre.


Sie spielen im Film – Harry. Wie beschreiben Sie die Rolle und was hat Sie an Harry's Charakter gereizt?

An der Geschichte insgesamt hat mich gereizt, dass sehr unwegbare Situationen aufgezeigt werden. Gerade in Bezug auf die Schuldfrage der beiden Hautrollen, welche sich in einer indifferenten Gemengelage auflösen und man nicht genau weiß, ist Harry der Täter oder das Opfer. Wer hat was wem angetan und was hat sich daraus ergeben. Das mochte ich an diesem Buch. Diese ambivalente Situation, wo man nicht genau sagen kann, ob Harry nun der Bösewicht ist. Je mehr sich die Geschichte entblättert, je mehr kommt man drauf, dass das alles zusammen nicht so eindeutig ist.


Ja, man kann Harry nicht als den schlechten Kerl bezeichnen. Harry ist sehr eifersüchtig. Wie stehen Sie zur Eifersucht?

Eifersucht hat immer was mit Verlustangst zu tun und mit Unsicherheit.


Wie sollte man mit Eifersucht umgehen? Mit Gewalt in der Ehe? Hilfe einholen?

Definitiv. Vor allem, wenn eine potentiell glückliche Beziehung Schaden nimmt oder zerstört wird. Es ist immer eine Frage des Ermessens, was tue ich dagegen, um eine Beziehung, den Menschen, nicht zu verlieren. Das ist bei den beiden Protagonisten ja auch ein Thema – sie wollen sich nicht verlieren.


Was denken Sie, warum holen sich so wenig Menschen Hilfe in diesen Situationen?

Ich glaube es liegt an den Rollen, den Geschlechterbildern, dass Männer das immer auch als Schwäche interpretieren. Wie ich den Harry verstanden haben ist er einfach der männliche Sturschädel im klassischen Sinne, der alles was man als Schwäche auch nur im entferntesten interpretieren könnte, sofort weg schweigt oder weg prügelt.


Er rettet ja auch seine Frau, indem er verschwindet und fern von ihr bleibt. Ist das auch Liebe? Zum Beispiel. Wenn man es gut mit ihm meint, kann man das durchaus so interpretieren. Finde ich auch.


Was halten Sie von Leidenschaften? Sie spielen Sax, Percussion und Klarinette. Welches Musikgenre lieben Sie?

Ich bin da relativ heterogen veranlagt. Ich war mit meiner Liebsten bei den Salzburger Festspielen. Eine wahnsinnige Freude.


Tanzen Sie auch?

Oh, ja. Tanzen, gerne und oft und immer wieder. Lacht.


Haben Sie schon einmal den Tango Argentino getanzt?

Ja, ich hab eine Zeit lang Tango getanzt. Wegen einer Freundin, die das sehr leidenschaftlich betrieben hat. Wäre fast mal ein Milonguero geworden. Lacht. Ist ein toller Tanz.






Liebsten Dank, Herr Maurer. Das war ein sehr schönes Gespräch.

Hab mich sehr gefreut. Alles Liebe für Sie.   






'Musik ist so reichhaltig und schön'

Benjamin Sadler



Foto: Marion Graeber



'Jenseits der Angst'

Die renommierte Modedesignerin Lisa Hembach (Anja Kling) irritiert ihre Umgebung durch ihr Verhalten. Sie wirkt fahrig, unkonzentriert und fühlt sich verfolgt. Alpträume, Panikattacken und Angstzustände quälen die eigentlich selbstbewußte, attraktive Frau. Ihr unterlaufen beruflich schwere Fehler, die die neue Kollektion und damit die Zukunft der Firma gefährden. Ihr Mann Ronald (Benjamin Sadler) und die ganze Belegschaft sorgen sich um die seelische Gesundheit von Lisa. 



'Ein verhängnisvoller Plan'

ist ein Thriller im Spannungsfeld zwischen bürgerlicher Fassade, Familie, skrupelloser Karriere und alter Schuld. Als Kriminalhauptkommissar Jan Brenner (Benjamin Sadler), verheiratet, zwei Kinder, am Morgen erwacht, liegt seine Geliebte Vesna (Katharina Nesytowa) neben ihm. Doch ihr Anblick lässt ihn erstarren: Vesna ist tot, erdrosselt mit seiner Krawatte. Er kann sich an nichts erinnern.


Im Gespräch mit Benjamin Sadler in Berlin

Marion Graeber

August/September 2019


Im Thriller „Jenseits der Angst“ trägt die Frau einen anderen Namen als ihr Ehemann – Was halten Sie persönlich davon? Sollte Zugehörigkeit auch über den Namen symbolisiert werden?


In Bezug auf den Thriller, da könnte man auch sagen, dass er das nicht will, da er selber gesehen werden möchte. Viele Beteiligten wünschen sich das, den gleichen Nachnamen zu haben, anderen wiederum ist das herzlich egal. Es wäre interessant zu wissen, ob diejenigen, die sich entscheiden den gleichen Namen zu tragen, sich weniger häufig trennen. Ich weiß es nicht. Lächelt. Es wundert mich jedenfalls nicht, dass es noch relativ tief sitzt, dass der männliche Name dominiert. Ich möchte behaupten, dass wir das in den nächsten Jahren sehen werden, dass die nachfolgenden Generationen das eventuell anders machen.


Angst und Manipulation sind beherrschendes Thema in „Jenseits der Angst“

Wie empfindet man da Dreharbeiten? Nimmt man gefühlstechnisch etwas mit nach Hause?

Nein, ich hoffe nicht. Das wäre schwierig. Gewisse Vorgänge oder Situationen, die nachklingen, das gibt es schon. Aber mit nach Hause nehmen – das tue ich nicht.  

Obwohl – man taucht ja in Emotionen ein – aber ich fange nicht an, zu Hause weiter zu manipulieren. Lächelt.


Gibt es etwas, wovor Sie Angst haben?

Spinnen. Ja, Spinnen mag ich nicht. Sobald die dann auch noch ein bisschen größer und behaart sind ….


Der Film spielt in der Modewelt – Wie stehen Sie zur Mode?

Das Thema ist mir nicht egal. Ich mag gern schöne Sachen. Immer so auf dem neuesten modischen Stand zu sein und zu wissen, was en vogue ist, das allerdings interessiert mich weniger. Ich mag schöne Dinge und gute Qualität. Auch wie es gemacht ist. Als Mann ist das auch ein bisschen einfacher. Schlicht und dunkelblau geht immer. Lacht.  


Was mögen Sie persönlich an Psychothrillern?

Letztendlich ist das immer gute Unterhaltung. Was ich mag ist, wenn ein Thriller nicht nur versucht den Thrill zu erzählen, sondern durch die Kombination der Figuren das etwas komplexer wird. Man kann in diesem Genre „Thriller“ auch ganz viel am Rande mit erzählen, in den Mittelpunkt setzen, obwohl es um ganz andere Dinge geht.


Was denken Sie, gefällt dem Zuschauer am Genre Thriller?

Ich glaube, es kommt immer darauf an. Der klassische „who done it“ - da ist man dann befriedigt, wenn man weiß, wer der Mörder ist. Wenn Thriller gut gemacht sind, dann hallen die nach. Thriller spielen mit Ängsten, zeigen auf, zu was Menschen fähig sind. Und das sind ja immer Dinge, die uns nicht so gut gefallen. Doch ziehen sie uns an. Dieser Voyeurismus oder diese Faszination von dem was scheinbar nicht möglich ist oder nicht passieren sollte, aber doch passiert.


Glauben Sie, das Vertrauen in Menschen hat sich geändert?

Grundsätzlich? Ich weiß nicht. Ich glaube es ist die Frage, wo man hingeht. In größeren Städten ist es jetzt viel liberaler und offener als es wahrscheinlich jemals war.

Aber im Zuge des wieder aufkeimenden „Nationalgeblöckes“ und den Überfremdungsängsten

steht das in keinem Verhältnis zur Angst. Wir haben in Westeuropa noch nie in so einer sicheren Welt gelebt wie heute. Ich weiß, der Versuch die Notwendigkeit und Wichtigkeit den Menschen die Sorgen und die Ängste zu nehmen sind wichtiger als zuvor und das geht auch nicht nur mit zu Hause rumsitzen und motzen. Da ist das aktive Handeln von jedem Einzelnen gefragt. Es ist wichtig, dass man sich begegnet und im Dialog ist. Im Moment ein ganz wichtiges und sensibles Thema.  


In einem weiteren Thriller „Ein verhängnisvoller Plan“ spielen Sie einen verheirateten Mann und

Familienvater, der über eine Affäre in Schwierigkeiten gerät. Was denken Sie, wie sollte man mit einer Affäre umgehen? Nach dem Motto „Was ich nicht weiß verletzt mich nicht“ oder „Ehrlich währt am längsten“.

Ich glaube das ist ein hochkomplexes Thema. Es ist grundsätzlich immer gut zu sprechen.

Ohne jetzt zu viel von der Geschichte zu erzählen würde es dem Protagonisten gar nicht in den

Sinn kommen sich hier mitzuteilen. So funktioniert dieser Mann nicht.

Aber wie man jetzt mit Seitensprüngen oder einer Affäre umgeht, das weiß ich nicht.

Ich glaube da gibt es mittlerweile einen ganzen Wirtschaftszweig, der sich darum kümmert.

Ansonsten ist es eben auch eine ganz persönliche Sache, was in der Beziehung ermittelt werden muss.  


Um Emotionen zu unterstreichen sind Filme ja immer auch mit Musik unterlegt. Was für ein Genre Musik hören Sie gerne?

Sehr breit gefächert.  Musik ist so reichhaltig und schön. Heute hat man da ganz andere Möglichkeiten als früher, gerade was die Musik angeht. Grundsätzlich mag ich alles, was Spaß bringt. Mit Volksmusik hab ich es nicht so. Lächelt. Und, auf meine Berliner Philharmoniker lass ich nichts kommen. 


Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino?

Tango hab ich noch nie getanzt. Da hätte ich auch Respekt. Ich war aber schon mehrfach

in Buenos Aires und hab den Tänzerinnen und Tänzern zugeschaut.  


Waren Sie jemals in einer Tanzschule?

Nein. Wir hatten Tanzunterricht dann aber auf der Schauspielschule. Für einige Filme musste ich dann auch tanzen. Aber mit Standardtänzen hab ich es nicht so.  



Lieben Dank für das wirklich schöne Gespräch, Herr Sadler.

Ich hab mich sehr gefreut. Wünsch Ihnen alles Liebe.






'Das interessiert mich auch – wie Musik geschrieben wird - dieses Lebensgefühl'

Judith Hoersch


Foto: Marion Graeber




Im Gespräch mit Judith Hoersch

in Berlin



Neue Folgen mit neuer Hauptdarstellerin: Ab Donnerstag, 5. September 2019, 20.15 Uhr, übernimmt Judith Hoersch die Titelrolle als Hebamme in der ZDF-Reihe "Lena Lorenz". In den vier Folgen, die bereits ab 4. September 2019, 10.00 Uhr, in der ZDFmediathek abrufbar sind, spielen in weiteren durchgehenden Rollen Eva Mattes, Raban Bieling, Fred Stillkrauth, Liane Forestieri, Jens Atzorn und Michael Roll. Regie bei  jeweils zwei Filmen führten Sebastian Sorger und Ismail Şahin.



Was hat Sie an der Rolle der Lena Lorenz besonders gereizt, was ist Lena für ein Typ und wie würden Sie sie charakterisieren?


Die Lena ist eine ganz starke, robuste und Gerechtigkeit empfindende Frau, die dahin geht, wo andere sagen „Da halt ich mich jetzt mal raus“.



Haben Sie Gemeinsamkeiten mit Lena Lorenz?


Ich glaube, was uns vereint, ist so ein großer Gerechtigkeitssinn. Obwohl wir ganz andere Berufe haben. Sie identifiziert sich sehr mit ihrer Heimat, mit Familie und mit dem Beruf der Hebamme. Ich hab‘ natürlich ganz eigene Themen  und Komplexe als Schauspielerin und Autorin. Ich finde es toll, dass es immer mehr starke Frauenfiguren im Film  gibt und da gehört Lena  dazu.



Wie gefällt Ihnen die Art, wie Lena ihr Leben lebt?


Da ist sie auch ein bisschen anders als ich. Lacht. Ich bin früh unabhängig gewesen, bin früh weggegangen. Lena ist zurückgekehrt. Lebt in einem Drei-Generationen-Haus. Das ist schon was anderes.



Lena lebt das Dorfleben. Sind Sie Stadt- oder Landmensch?


Gute Frage. Ich bin Stadt- und Landmensch, aber ich bin kein Dorfmensch. Also ich mag es gerne in der Natur, aber wenn man alles vom Anderen mitbekommt, das ist einfach too much für mich.  Lächelt.



Was bedeutet Ihnen Berlin?


Ich finde es in Berlin wahnsinnig toll. So viele Gesichter hat kaum eine Stadt.  Ich lieb schon die Großstadt. Auch die Natur. Nicht das Dorf. Ich mag schon auch die Großstadt Anonymität.


Berlin ist ein Drittel Wald, ein Drittel Wasser und ein Drittel Stadt – das darf man nicht vergessen.



Auch Demenz ist ein Thema bei Lena Lorenz. Was denken Sie, wie kann man Menschen mit Demenz im Leben halten?


Ich glaube, was ein Problem ist, und das hat generell mit älteren Menschen zu tun, dass wir nicht mehr im Familienverbund leben. Das ist die Kehrseite der Medaille an diesem Großstadtleben.



Ich habe keine Familie in Berlin. Das ist schon etwas, worüber ich nachdenke – was ist, wenn meine Eltern älter werden?


Früher war die Verantwortung für die Familie eine andere. Ich würde meine Familie nie hängen lassen. Aber so wie ich es bei meiner Oma kennengelernt habe ist es heute nicht mehr. Sie hat Zeit ihres Lebens im gleichen Ort  gelebt, meinen Opa gepflegt und die ganze Familie umsorgt. Das gibt es ja heute fast nicht mehr.



Sie haben durch die Verkörperung der Lena Lorenz einen umfassenden Blick. Es werden Leben gezeigt, vom Neugeborenen, bis hin zum älteren Menschen.


Ja, das berührt mich sehr. Das Leben ist so groß und bunt, voller Leidenschaften - wenn man sich darauf  einlässt.



Apropos Leidenschaften: Haben Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino? Vielleicht tanzen Sie gerne?


Ich tanze für mein Leben gern und hab ganz viel Stepptanz, Ballett und Jazzdance gemacht. Aber mit dem Tango Argentino hab ich überhaupt keine Berührung. Flamenco haben wir in der Schauspielschule gelernt. Das war ein Seminarteil.



Sie singen. Sind Sie gern von Musik umgeben? Welches Musikgenre lieben Sie?


Ich habe immer so Phasen. Lächelt. Wenn man durch meine Musikbibliothek scrollen würde, würde man sehen, dass ich wirklich sehr sehr viel unterschiedliche Musik habe und höre. Ich hab sehr viel Jazz, das ist schon mein Ding, aber auch immer mal wieder so richtige Pop Musik dabei. Auch nicht so ganz bekannte Musik mag ich. Weltmusik. Da gibt es tolle Sachen, beispielsweise von afrikanischen Künstlern.


Ich mag und höre auch gerne ältere Songs. Bin gerade auf einem 70er Trip. Hab den Film „Yesterday“ gesehen und hab jetzt irgendwie die ganze Zeit die Beatles gehört. Dann hatte ich auch eine frühe Elton John Phase … dann kam Joni Mitchell. Lacht. 


Ich bin auch jemand, der noch Alben hört. Mein Vater ist Musikjournalist. Das hat bei uns auch etwas mit Respekt gegenüber dem Künstler zu tun. Was ich nicht höre ist Rock. Auch kein Schlager. Ich höre auch Klassik, bin aber nicht super bewandert. 



Sie blicken also nicht nur auf die Musik, sondern auch auf den Musiker?


Das interessiert mich auch – wie Musik geschrieben wird. Dieses Lebensgefühl. Mich interessieren auch die ganzen spannenden Künstler aus dem norwegischen und schwedischen Raum. Die haben auch eine ganz spezielle Art, Musik zu machen. 



Lieben Dank für das wirklich sehr schöne Gespräch, liebe Frau Hoersch.


Ich wünsche Ihnen alles Liebe.








'Ich entdecke gerade auch über meine Kinder immer wieder neue Musik'

Alissa Jung


Foto: Maria Dominika copyright




Assistenzärztin Judith begeht unter dem Druck ihrer Arbeitsbedingungen einen Fehler, eine Patientin stirbt. Als sie darüber nicht schweigen will, stellt sich Judith gegen ein zerstörerisches System. Nach dem Tod der Patientin ist Judith erschüttert und zweifelt an ihrer Eignung als Ärztin. Doch die Klinikleitung warnt sie vor einem Schuldeingeständnis. Auch Judiths Freund Mark rät ihr, einfach weiterzumachen. Gegen ihr Gefühl verschweigt Judith, was passiert ist.

Während der Fall untersucht wird, versetzt Judiths Chefin sie in den Dienst im Notarztwagen. Karrieretechnisch fühlt Judith sich dort wie auf dem Abstellgleis. Doch die Distanz zum Klinikalltag lässt bei ihr eine neue Sicht auf die Zustände im Krankenhaus zu. Sie beginnt, ein krankes System zu sehen und muss sich entscheiden: mitschwimmen und Karriere machen oder selbst etwas verändern? "Das Menschenmögliche" ist das Fiction-Debüt der Dokumentarfilmerin Eva Wolf. Bereits in ihrem jüngsten Dokumentarfilm "Intensivstation", der für den Deutschen Fernsehpreis nominiert wurde, hat Eva Wolf sich dem Arbeitsort und Themenfeld Krankenhaus sensibel genähert.


Im Gespräch mit Alissa Jung

Juli 2019

Marion Graeber



‚Das Menschenmögliche‘ spielt in Stuttgart. Wie gut kennen Sie die Stadt?

Mögen Sie Stuttgart? Was gefällt Ihnen an der City?

Ich war im vergangenen Sommer, der ja Rekordsonnenstunden hatte, in der Stadt. In meiner Erinnerung ist Stuttgart daher ein sonniger Ort, mit freundlichen Menschen und gutem Essen. Ich habe die Moped App geliebt, kleine schöne Cafés gefunden und war nach Drehschluss häufiger in der Leutze schwimmen.


Wie gestaltete sich Ihr Kontakt zu den Stuttgartern, den Schwaben?

Ich hatte eher Kontakt zu den Stuttgartern im Team und der war sehr lustig und schön.

Wie lange wurde gedreht?

Wir haben 4 Wochen gedreht, vorher war ich aber schon 2 Wochen zu Proben da.


'Das Menschenmögliche‘ setzt sich mit vielerlei Themen auseinander.

Zum einen mit dem Beruf der Ärztin in einem Klinikum. Auch als Notärztin sind Sie zu sehen. Sie sind selbst promovierte Ärztin, wie wichtig war es Ihnen diese Rolle zu spielen?

Das Drehbuch hat mich schon beim ersten Lesen berührt, daher hatte ich große Lust die Judith zu spielen.


Wie charakterisieren Sie Ihre Rolle?

Judith ist absolut ehrgeizig, perfektionistisch, eine Ärztin mit voller Leidenschaft für den Beruf. Sie hat sich selbst den Weg den sie geht erkämpft, kommt aus einer eher schwierigen familiären Situation und ist daher auch eine Frau die Karriere machen möchte. Gleichzeitig ist sie aber auch einsam, da sie andere Menschen lieber nicht zu nah an sich heran lässt.


Sie spielen authentisch. Jeder Griff sitzt. Sie kennen diverse Situationen aus dem medizinischen Bereich. Wie war das, Ihre beiden Leben zu verknüpfen?

Das war eine große Herausforderung. Natürlich hilft es, wenn man weiß wovon man redet, aber mit dem Wissen wächst auch die Verantwortung dafür, dass alles authentisch bleibt, auch außerhalb der eigenen Rolle. Das war nicht immer einfach, aber ich mag es gefordert zu werden.


Foto: ZDF Daniel Schmid


Zeitmangel, Fehler, zu lange Arbeitsschichten, Personalmangel, Pflegenotstand, Psychopharmaka in der Altenpflege - Themen, die Sie aus Ihrem Privatleben als Ärztin kennen? Wie genau, in welchem Bereich, engagieren Sie sich?

Ich habe 2 Jahre als Kinderärztin in einer Berliner Klinik gearbeitet. Meine Erfahrungen überschneiden sich nur teilweise mit Judiths Erfahrungen. Aber im Studium läuft man viel und überall mit, da bekommt man beobachtend fast noch mehr mit, als wenn man selbst arbeitet.


Wo liegt Ihrer Meinung nach die Lösung der Probleme?

Puh, wenn ich die Lösung parat hätte, müsste ich wohl in die Politik gehen. Prinzipiell denke ich, dass unsere Gesellschaft die sozialen Berufe, Pflege, Medizin, Bildung, mehr wertschätzen muss. Es darf in diesen Bereichen nicht vorrangig marktwirtschaftlich gedacht werden. Die Berufe müssen wieder attraktiver werden, durch bessere Arbeitszeiten, bessere Personalschlüssel und bessere Arbeitsbedingungen.


Sie sind Schauspielerin und Ärztin - wie schaffen Sie es beide Berufe unter einen Hut zu bekommen?

Beides gleichzeitig geht eigentlich nicht. Das war vergangenen Sommer ein ganz schöner Spagat. Ich habe daher vorerst entschieden mich wieder auf das Filmemachen zu konzentrieren. Es fehlte mir einfach zu sehr.


Was macht der Beruf der Ärztin ... der Schauspielerin ... für Sie aus? Was bedeuten sie Ihnen?

Das Schauspiel begleitet mich seit ich 10 Jahre alt bin. Es ist Heimat und jedes Mal Neuland zu gleich. Eine Leidenschaft, von der ich nicht loskomme und auch nicht mehr loskommen möchte. An der Medizin habe ich während des Studiums vor allem geschätzt es selbst in der Hand zu haben. Ich hatte es ja letztlich in der Hand ob und wie gut ich ein Examen bestehe. Heute schätze ich den unmittelbaren Kontakt zum Menschen, zu allen, egal woher sie kommen. Und die unendlichen Lernmöglichkeiten. Ich habe auch nach Jahren des Studierens und des Arbeitens das Gefühl, dass ich noch so so viel Lernen muss. Das ist sehr gesund.


Wie entspannen Sie? Ist Sport oder im speziellen das Tanzen eine Option für Sie abzuschalten vom Alltag?

Tanzen ist toll, mache ich viel zu wenig, und auch nur nach dem Lust und Laune Prinzip, aber das entspannt in jedem Fall!


Haben Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino?

Das wäre großartig, aber da muss ich leider passen.


Auch Musik ist für viele Menschen eine Möglichkeit und Form sich von Problemen zu lösen. Welches Genre bevorzugen Sie?

Ich entdecke gerade auch über meine Kinder immer wieder neue Musik. Es geht mir da ähnlich wie mit Filmen. Nicht das Genre ist das wichtigste, sondern dass der Künstler, die Künstlerin wahrhaftig was auszudrücken hat. Prinzipiell ist es dann aber wohl vor allem die Singer/Songwriter Richtung die ich am meisten höre.


Zurück zum Film. Was möchte der Film den Zuschauern vermitteln?

In erster Linie hoffe ich, dass das Publikum mit Judith mitgeht und mitempfindet. Wenn man sich dann noch den ein oder anderen Gedanken über unser Bild von Ärzten und unsem Gesundheitssystem macht ist es noch schöner.


Im Bereich der Beziehung, der Freundschaften, der Oberflächlichkeit aber auch der Tiefe hält der Film Szenen bereit. Was sagen Sie - wie findet man ‚seinen‘ Platz im Leben?

Ich kann nur von mir sprechen. Ich finde meinen Platz im realen Kontakt zu Menschen, vor allem zu den Menschen die ich liebe.


Ein Satz aus dem Film: Leben bedeutet mutig sein. ... Etwas was auch Sie persönlich so vertreten? Wie definieren Sie ‚mutig sein‘?

Mut kann etwas großes sein, wie Carola Rackete, die entscheidet anzulegen. Mut kann aber auch etwas kleines sein, wie einem Menschen zu sagen, dass man ihn gern hat oder ehrlich zu sich selbst zu sein und eine unbequeme Entscheidung zu fällen. Mut ist in jedem Fall ehrlich und lebendig, manchmal vielleicht etwas polternd, aber in meinem Leben absolut wichtig.



Vielen Dank liebe Frau Jung. Alles Gute.







'Ich finde Musik ist ein wichtiges Element und nicht wegzudenken. Musik gehört in allen Lebensbereichen dazu. Egal in welcher Form auch immer. Und Tanzen tue ich unwahrscheinlich gerne'


Anna Fischer


Foto: Paul Zimmer



Hinter vemeintlich natürlichen Todesfällen vermutet die junge Bestatterin Morde. Sie bringt damit den ganzen Ort gegen sich auf. Das ist der Ausgangspunkt für den ebenso spannenden wie unterhaltsamen Heimatkrimi mit Anna Fischer alias Lisa Taubenbaum in der Rolle der mutigen und unbeirrbaren Bestatterin. Nachwuchsregisseurin, Isabel Braak inszenierte den ungewöhnlichen Fernsehfilm, der auf der schwäbischen Alb gedreht wurde und sich durch liebevoll gezeichnete Charaktere und einem schwarzhumorigen Unterton auszeichnet.

Der Film läuft am Samstag, 1. Juni, 20.15 Uhr, ARD



Im Gespräch mit Anna Fischer

Marion Graeber

Mai 2019



Wo genau wurde gedreht? (Am Fuße der schwäbischen Alb?)

Gedreht wurde hauptsächlich in Ortschaften und landschaftlich interessanten Locations im Esslinger Landkreis. Teile der Schwäbischen Alb gehören zum Landkreis Esslingen. Die Gegend zeichnet sich durch die sanft  geschwungene Landschaft und wunderschöne Obststreuwiesen aus, die man nur noch sehr selten woanders in dieser Vielzahl erleben kann.


Wie gefällt Ihnen die Region? Mögen Sie Stuttgart?

Zu Stuttgart: Mein Vater sagte mal zu mir, eine Weltstadt erkennt man und ist eine, wenn man in eine hinein gebeamt wird und man weiß sofort in welcher Stadt man ist ohne jemals da gewesen zu sein.Bei Stuttgart bin ich mir da nicht so sicher (lacht). Trotzdem ist Stuttgart und die ganze Region lebenswert  mit dem wirtschaftlichen Potenzial und den Menschen denen es jeden Tag wichtig ist diese noch lebensfroher zu machen.

 

Wie sind Sie mit dem schwäbischen Dialekt zurechtgekommen, wie mit der Mentalität?

Ich bin Berlinerin. Ich habe mich da eher auf das Hochdeutsch konzentriert. Aber für eine Auszeit aus dem Trubel und der Hektik bin ich auch für ein "Fleckchen Erde" wie die Schwäbische Alb gern zu haben. Dem entgegen standen natürlich die Dreharbeiten, aber in den Pausen oder am Feierabend konnte man schnell Konzentration und Kraft auftanken. Meine Erfahrungen mit einheimischen Menschen, egal wo, sind die, dass man so wie man sich selber gibt,  sich auch die Menschen verhalten. Mir kam Herzlichkeit und Wärme entgegen und etwas hinter dem Dialekt versteckt auch in der Schwäbischen Alb.

 

Sie leben in Berlin. Sind ein Stadtkind?

Wie schon gesagt bin ich Berlinerin und das "Stadtkind". Mein ganzes Aufwachsen und mein Werdegang wäre ohne Stadt und Berlin so nicht möglich gewesen. Das ganze Leben, die Möglichkeiten, die Knotenpunkte der Kommunikation und Inspiration sind für mich eine glückliche Wichtigkeit, wenn man das so sagen kann.

 

Wie viele Drehtage waren für den ARD Film angesetzt? Wurde im vergangenen Sommer gedreht?

Wir haben von Ende August bis Ende September vergangenen Jahres gedreht. Mit der Hauptrolle hat man natürlich auch die volle Anzahl an Drehtagen und das heißt wirklich straffes Programm mit wenig Ruhe, ohne Hektik aufkommen zu lassen, um einen optimalen künstlerischen Output zu bewerkstelligen. Nebenbei war ja der Spätsommer, wenn ich so darüber nachdenke, bestimmt wegen der so üppig vollhängenden Bäume auf den Obstwiesen sehr bewusst gewählt worden.


Wie war es für Sie diesen ganz anderen Einstieg in einen Krimi zu haben - gerade über diesen Beruf als Bestatterin? Wie würden Sie Ihre Rolle als Lisa Taubenbaum beschreiben?

Über den etwas andere Einstieg in die Geschichte und dem trotzdem daraus entwickelten kriminellen Genre bin ich sehr zugetan. Was die Entwicklung der Häufigkeit von Krimis im Fernsehen in letzter Zeit betrifft, bin ich schon der Meinung, dass Originalität über Schema "F" gehen sollte und muss. Mir fällt es auch dadurch leichter so eine ermittelte Figur wie die Lisa Taubenbaum als Rolle anzulegen. Es gibt größeren Spielraum für die Darstellung als einen an Paragraphen gefesselten oder psychopatischen Polizisten zu spielen. Meine Rolle der Lisa ist nicht so von der professionellen Ermittlung eines Polizisten, sondern aus Bauchgefühl, gesunden Menschenverstand, Beharrlichkeit, Herzlichkeit und Gerechtigkeitsgefühl gepaart mit dem Lokalcolorid der alten Heimat und Familie und mit den Erfahrungen ihres bisheriges Leben in Berlin. Das Ablegen des schwäbischen Dialekts und die bisherige moderne Lebensweise der Lisa ist auf jeden Fall kein Zeichen gegen das traditionell Leben auf der Alb, sondern zeigt, dass in jeder Zeit und jedem Ort Veränderungen stattfinden können und Modernes Althergebrachtes bereichert.

 

Der Tod ist im Krimi ein Part um den sich die Ermittlungen drehen. Als Bestatterin ist man jedoch anders am Tod dran. Im Gegensatz zu Szenen in der Rechtsmedizin hatten Sie mit Ihrem Part eher den Fokus auf den zwischenmenschlichen Beziehungen. Hatten Sie Berührungsängste diese Rolle zu verkörpern? 
(Hat es der schwarzhumorige Unterton in der Geschichte etwas leichter gemacht, damit umzugehen?)

Als Bestatterin hat man natürlich eine ganz andere Herangehensweise an den Tod als Kriminalisten oder Rechtsmediziner. Der Kontakt mit den Hinterbliebenen bedarf einer großen Sensibilität und Seriosität. In der Rolle , hoffe ich, kann man das ganz gut anlegen. Das Zurechtmachen der Leichname,  im echten  Leben wäre schon eine große Herausforderung für mich. Auf der anderen Seite, ist man erst einmal damit konfrontiert, entwickelt Routine und Wissen, kann man dort sicher einen Platz fürs Leben mit dem Tod finden.

 

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Im Vorfeld der Produktion durfte ich im Zuge der Recherche in einem Leichenschauhaus und einem Bestattungsunternehmen hospitieren. Vor dem Besuch hat man natürlich etwas Unbehagen, was die Mitarbeiter der Unternehmen sehr einfühlsam mir aber abnahmen. In Filmen geht es ja sehr viel um den Tod und Tote und so konnte und mußte ich mich auch schon früher mit dem Thema immer auf etwas andere Art und Weise auseinandersetzen. Den Tod für nicht das Selbstverständlichste zu halten, geziemt schon der Respekt des Toten und seiner Lebensleistung. So konnte ich mich über die würdige Zurechtmachung von Leichen sowie die plastische Wiederherstellung von Deformierungen informieren. Die Thanatopraxie ist die wissenschaftliche Bezeichnung dieser Thematik und umfasst eine interdisziplinär übergreifende Wissenschaft über Sterben und Tod.

 

Die junge, lebenslustige Lisa Taubenbaum, die aus Berlin zurück in die Heimat kehrt, ist in der Nebengeschichte auch auf der Suche nach einem Mann. Was sich aufgrund ihres Berufes als schwierig 
gestaltet. Lisa ist auf Online Portalen unterwegs um einen Mann für sich zu finden.

Die große Liebe muss einen finden. Wie wachsam ein jeder über diesen Moment ist oder ihn sucht und was er dafür investiert steht etwas konträr zur immer individuelleren Lebensweise in heutiger Zeit. So ein Onlineportal ist so eine Maschine höchst effektiv maximale Ansprüche vom Traum zur Realität werden zu lassen. Sie merken, das kann nicht so klappen wie man sich das so vorstellt. 

 

Wenn man sich, auch über den Dreh, mit dem Tod beschäftigt – was sind Ihre Vorstellungen von einem erfüllten Leben?

Mit dem Tod ist ja alles vorbei. Wann er kommt, weiß keiner so genau. Und just in dem Moment des Todes zu sagen ich hatte ein erfülltes Leben wird vom Lebensalter sehr abhängig sein. Bei einem frühen Tod wird man wohl die Lebenslust, die befriedigte Neugier und die Leichtigkeit des Lebens schätzen können und mit zunehmenden Alter kommen geschaffene Werke und Erfahrungen dazu. Das alles hinzukriegen bin ich dabei und bin mir sicher dass das jeder anderer mehr oder minder auch hinkriegt.

 

Wie wichtig ist Ihnen Musik? (Ich habe gelesen, Sie haben sich schon früh der Musik gewidmet)

Musik ist ja fast meine 1. Passion. Mit dem Musizieren hat mein ganzer kreativer und künstlerischer Weg begonnen. Mit dem Spaß an der Musik gingen auch die Türen für meinen jetzigen Werdegang auf. Die Prioritäten haben sich nur etwas geändert. Das Schauspiel ist zur Zeit der größere und zeitaufwändigere Teil meines Schaffens. die Musik aber ein Ausgleich und reines kreatives Ventil ohne Druck oder Verpflichtungen.

 

Welches Genre lieben Sie?

Film:  Action und Horror. Musik: als 90iger-Jahre-Kind und der Berliner Clubszenenkultur schwingt immer ein bisschen Techno durch die Luft, sonst hör ich ein breites Spektrum und kann mich so genretechnisch nicht festlegen. Inspiration holt man sich nicht auf der Einbahnstasse.

 

Auch das Tanzen ist ein Ausdruck von Lebensfreude. Darf ich Sie fragen, ob Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino haben? Zur dazugehörenden Musik? Zum Tanz?

Nein, ich hab mit Tango nicht wirklich was am Hut, aber ich finde Musik ist ein wichtiges Element und nicht wegzudenken, Musik gehört in allen Lebensbereichen dazu. Egal in welcher Form auch immer. Und Tanzen tue ich unwahrscheinlich gerne.

 

Im Film „Die Bestatterin – Der Tod zahlt alle Schulden“, passieren gleich mehrere Todesfälle. Ohne zu viel zu verraten – es bleibt bis zum Schluss spannend und der Zuschauer kann nur vermuten, 
wie sich die Fälle auflösen werden, wie sie zusammen hängen, und ob überhaupt. Der Zuschauer ermittelt unwillkürlich mit. Was gefällt Ihnen an diesem Drehbuch besonders?
 

Ein Kriminalfall wird aus einer völlig anderen und ich finde originellen Sicht heraus erzählt. Der leicht unterschwellige schwarzhumorige Ton des Films und die starke, energische und dennoch liebenswerte Rolle der Lisa geben die Mischung für diese Kriminalkomödie.

 

In Sachen Liebe tut sich für Lisa Taubenbaum eventuell auch etwas. Ist eine Fortsetzung angedacht? 

Tja, das ist eine große Frage, einer Fortsetzung meinerseits steht eigentlich nichts im Wege. In erster Linie muss aber erst einmal der Film den Zuschauern gefallen und alles andere wird sich dann zeigen.

  

 


Vielen Dank für das Interview, liebe Frau Fischer





'Ich hab als Jugendliche Gold in Standard und Latein gemacht.

Ich war also mal ganz gut im Tango'


Lisa Maria Potthoff


 

Foto: ZDF Marion von der Mehden



Im Gespräch mit Lisa Maria Potthoff

Marion Graeber



Der Film Sarah Kohr ist ein Thriller, kein Krimi. Wie beschreiben Sie die Unterschiede?

Ein Krimi hat meist mit einer relativ klassischen Fallermittlung zu tun. Es passiert ein Mord und ein Kriminalbeamter kommt und fragt sich durch, um zu sehen, was geschehen ist. Bei unserer Thriller Reihe Sarah Kohr ist der Unterschied, dass die handelnde Hauptperson, also die Kommissarin selber, in Gefahr gerät und Teil des Falls wird. Der Film Sarah Kohr - Das verschwundene Mädchen beginnt mit einer Situation, die Fragen aufwirft. Ist Sarah Kohr eine Auftragskillerin?

 

Sehr spannungsgeladen alles.  

 

Wir haben in Deutschland so viele Krimis. Da so ein bisschen einen anderen Akzent zu setzen, das finde ich spannend.


Die Rolle der Sarah Kohr ist tough angelegt. Auch skrupellos. Man sieht und spürt aber auch eine verletzliche Seite an dieser Frau. Was reizt Sie an der Verkörperung?

Es ist das, was Sie angesprochen haben. Sie agiert furchtlos, unkonventionell, an der Grenze zur Legalität.

Eigentlich könnte die Rolle fast für eine männliche Hauptrolle geschrieben sein. Sarah Kohr setzt sich körperlich durch. Eine Zeitung schrieb: Sie kann raufen, wie ein Kerl. Das Bild mochte ich. Die ist kein hübsches, schmückendes Beiwerk eines Helden. Sie ist die Heldin. Sie bedient sich im dritten Teil auch der Männer, wie das James Bond macht mit Frauen macht.

So beginnt sie beispielsweise eine Affäre mit dem Sohn vom Mafia Boss. Sie ist also relativ skrupellos und trotzdem ist sie eine Frau mit zarten Seiten. Das ist das, was ich an der Figur auch mag. Sie rührt mich. Weil ich so eine Einsamkeit in ihr spüre. Es ist ja auch nicht unbedingt aus einem freien Willen heraus gewählt immer alleine agieren zu müssen. Sie glaubt einfach niemanden zu haben, auf den sie sich verlassen kann. Außer vielleicht den Staatsanwalt.

 

In den nächsten Filmen wird dann auch mehr beleuchtet werden, warum sie eigentlich so einsam ist. Warum sie meint, sich auf niemanden verlassen zu können. Und warum sie denkt, immer so tapfer und mutig sein zu müssen.

Es umgibt sie ein Geheimnis. Da möchte man tiefer gehen. Hinein in die Psyche und in die Seele. 

Sie haben Kampfszenen im Film. Richtige Choreographien. Wie trainiert man da? Verletzt man sich auch mal? Gibt es einen Arzt am Set?

Wenn wir vor Ort drehen, wenn es Kampf- und Stuntszenen gibt, sind Sanitäter vor Ort. Das nennt man Set Medic. Falls man sich verletzt, kann also sofort geholfen werden. Vor dem Start des Films beginnt der Kampf-Choreograph die Szenen mit mir zu trainieren. Das sind recht intensive Trainings zu zweit, in denen er mit mir kämpft. In der Folge nehmen wir dann einen Stuntman oder einen Schauspielkollegen mit rein, der das dann auch im Fim spielt. Ich versuche relativ konsequent auch zwischen den Filmen im Training zu bleiben. Trainiere also bereits vor den Dreharbeiten. Da ich keine Kampfsportlerin bin, habe ich immer den Ansportn im Rahmen meiner Möglichkeiten besser zu werden.


Machen Sie alle Stunts, beziehungsweise Kampfszenen selbst?

Ich mache fast alles selbst. Bis auf ein paar Mini-Sequenzen, wo es sehr gefährlich wäre aufgrund von Einsturzgefahr beim Klettern auf einem Dach beispielsweise. Das macht dann auch keinen Sinn. Bei vorangegangenen Dreharbeiten gibt es eine Szene, wo ich mit einem Auto eine Vollbremsung machen muss, weil ein Baum gefällt wird. Diese Situation in der Totalen, wo die Vollbremsung passiert, weil der Baum wirklich auf die Straße fallen soll, da sitze ich nicht im Auto. Da hört mein Ehrgeiz auch auf. Aber bei den Kämpfen ist es mir wichtig, sie selbst zu machen. Das funktioniert auch sehr gut.   


Sind Sie generell sehr sportlich? War das schon immer so?

Ich war nie unsportlich. Tendenz sportlicher Typ. Ich trainiere jetzt aber schon mehr. Gerade für diese Rolle. Ich merke auch, dass sich der Körper generell verändert. Gerade im Hinblick auf Kondition und Körperspannung. Obwohl ich älter werde. Es geht nicht alles den Bach runter. Lacht.


Sich in jedem Alter fit halten. Bewegung ist sinnvoll. Der Tanz, der Tango Argentino ist auch Bewegung. Bewegung für Körper und Geist. Haben Sie Berührungspunkte?

Ich hab als Jugendliche Gold in Standard und Latein gemacht. Ich war also mal ganz gut im Tango. Ich kann mich erinnern, dass ich mit 19 Jahren eine Tango Sequenz für einen Film getanzt habe. Ich kann die Schritte jetzt sicher nicht mehr sofort, aber wenn ich mit einem Mann tanze, der gut tanzt, dann bekomme ich da sicher noch ein bisschen was hin.

 

Tanz / Choreo / Tango / Kampf - es gibt doch Parallelen

Ich finde Ihren Vergleich super. Ich beschreibe es auch oft so:  Stunts für einen Film zu trainieren, das ist wie eine Teilnahme bei Let's Dance. Das ist vergleichbar mit einer Tanzchoreographie. Ein Stunt ist wie ein Tanz. Ob ich jetzt Schritte zum Tango Argentino einstudiere, oder drei Schläge links, einen Kick unten und eine Rolle nach vorne: es ist eine Choreographie und die studiere ich mit einem Partner ein. Im besten Falle hebt man zusammen ab. Das kennen Sie sicher auch beim Tanz. Es gibt so Momente, wo man merkt: es läuft. Eins mit der Musik, eins mit seinem Partner - das gibt es beim Kampf auch. Das finde ich toll und das ist nicht unähnlich.


Auch im Kampf eine Art Harmonie erleben

Absolut. Gibt's total. Gemeinsam fliegen. Danach ist man high. (Lacht)

 

Filme sind immer auch mit Musik unterlegt. Wissen Sie vorab, was für Musik zum Einsatz kommt?

Nein.


Weiß der Schauspieler das generell nicht?

Es gibt Regisseure, die haben schon eine Idee, welche Musik sie haben wollen, so eine Art Soundtrack im Kopf. Aber meist ist es, glaube ich, dass der zuständige Musiker Vorschläge macht und das zusammen mit dem Regisseur erarbeitet.

 

Welche Musikgenre hören Sie gerne?

Wirklich quer Beet. Ich höre gerne Singer/Songwriter. Die 90er Jahre hab ich auch gerade wieder für mich entdeckt. Ich bin Prince Fan. Bin schon ein Kind der 90er.

 

Sie trainieren und praktizieren nach der Krav Maga Technik.

Ich glaube, wenn man körperlich etwas tun möchte, um sich gerade als Frau sicherer zu fühlen, ist Krav Maga die richtige Antwort. Krav Maga bedient sich an allen Kampfsportarten um das effektivste zur Selbstverteidigung herauszuholen. Man lernt da viel und schnell, wie man als vermeintlich Unterlegener sehr wohl eine Chance hat, sich zu verteidigen.

Diese Kampfkunst ist also wunderbar, um das Selbstbewusstsein der Frau zu stärken und um Kräfte zu schulen.

Für mich ist das aber gar nicht der ausschlaggebende Grund mich mit Krav Maga zu beschäftigen. Für mich und die Rolle war es wichtig, aggressiv und schmutzig kämpfen zu lernen. Krav Maga ist keine schöne, hoch stilistische Kampftechnik. Krav Maga ist dreckig, hart und grausam.

 

Kannten Sie diese Kampftechnik zuvor?

Nein, ich hab für einen Film angefangen mit Kickboxen. Dort hab ich festgestellt, dass man sehr lange die Techniken und die Schläge lernt. Ich wollte was machen, wo man sehr schnell lernt, sich in einem Kampf aggressiv und schmutzig zu verhalten. Krav Maga ist da die Antwort. Die Tritte und Schläge sind schnell. Das ist super für Stunts, wenn man wie ich, nicht zehn Jahre lang beispielsweise Taewondo gelernt hat. Ich habe auf der Schauspielschule Aikidounterricht gehabt. Davon ist leider nicht viel übrig geblieben.

 

Haben Sie auch professionelle polizeiliche Unterstützung am Set?

Ein paar fachliche Fragen versuche ich immer im Vorfeld abzuklären. Wir halten Rücksprache mit der Polizei, gerade für die Authentizität. Ich hab aber auch einen Bekannten, der ist Polizist, der sagt dann: Nein, das ist nicht logisch, aber im filmischen Sinne muss es jetzt so sein. Lacht.  

Auch unser Drehbuchautor im Falle Sarah Kohr ist in diesen Dingen sehr fit.

Vor Ort ist es mir außerdem sehr wichtig, dass der Stunt Koordinator viel da ist. Gerade beim Thema 'Wie halte ich die Waffe richtig'.


Wie sehen Ihre Drehpausen aus? Wie tanken Sie Kraft?

Wir haben ein Haus mit Garten in Berlin. Ich sitze gerne im Garten und betrachte die Kirschblüte. Zeit mit den Kindern und der Familie zu verbringen, das ist schön.

 

Für Schauspieler ist der Reiz am Beruf dieses in andere Rollen schlüpfen. Gibt es bei all diesen Charakteren, die Sie bereits spielten, etwas, was Sie besonders mögen?

Ich mag den Wechsel, die Unterschiedlichkeit. Besonders zwischen extremen Frauenfiguren. Das finde ich spannend.

 

 

 

 LIeben Dank für das besonders schöne Gespräch, Frau Potthoff

 



'Ich höre gerne klassische Musik. Am liebsten Mozart und Haydn. Auch Schostakowitsch'
Dieter Hallervorden
'Ich glaube ich bin nicht die geborene Tänzerin. Ich bin doch mehr die, die mit einem schönen Kaltgetränk in der Hand an der Bar steht. Nichtsdestotrotz ist das eine schöne Form sich auszudrücken - den Geist und den Körper zu beflügeln'
Alwara Höfels


 

Foto: ZDF Conny Klein



Im Gespräch

Dieter Hallervorden

Alwara Höfels


Marion Graeber


Im Film heißen die beiden Hauptdarsteller Olaf Hintz und Trixi Kuntze. Gibt es hierzu eine Ableitung oder eine Verbindung zur deutschen Redewendung „Hintz und Kuntz – für Jedermann“?

Dieter Hallervorden: Das müssen Sie den Autor mal fragen, wär` ich nicht drauf gekommen.

Alwara Höfels: Macht Sinn und unsere Geschichte ist ja auch eine von vielen. 


Der Film „Mein Freund, das Ekel“ enthält Konflikte zwischen den verschiedenen Generationen. Wie beschreiben Sie den Film?

Dieter Hallervorden: Es ist eigentlich kein Film über Generationskonflikte und Altersprobleme, sondern ein Film, der verpackt ist in eine unterhaltsame Story, wo sich die Figuren gegenseitig entwickeln müssen und die Chance bekommen zu zeigen, dass sie noch etwas lernen können. Auch bereit sind, umzudenken.


In der Wohnung von Olaf Hintz wohnen drei Generationen. Er selbst als pensionierter Lehrer und Trixi Kuntze mit ihren drei Kindern. Was halten Sie von Generationshäusern oder Quartiersarbeit?

Dieter Hallervorden: Es war ja früher eine Selbstverständlichkeit – früher haben Familienmitglieder aufeinander aufgepasst. Das ist heute absolut nicht mehr der Fall. Heute sind andere Modelle gefragt. Der Zusammenhalt über Familien alleine funktioniert nicht mehr. Generationskonflikte hat es immer gegeben. Die Frage ist nur, wie weit es in vielen Fällen zu totalem Unverständnis der älteren Generation gegenüber gekommen ist und wieviel Respekt dem Alter gegenüber verloren gegangen ist.


Herr Hallervorden Sie engagieren sich im Verein der deutschen Sprache. Wie hat sich Sprache verändert?

Dieter Hallervorden: Ich glaube, dass man versuchen muss, das Bewusstsein aufrecht zu erhalten, dass die Sprache ein kulturelles Gut ist. Genauso schützenswert wie Luft und Wasser. Man geht mit der Sprache sehr leichtfertig um und man übernimmt vor allen Dingen auch aus dem Englischen Worte ohne jede Notwendigkeit. Unsere Sprache ist mal von unseren Vor/Vorfahren entwickelt worden, das sollte uns Verpflichtung sein, sorgsam damit umzugehen.


Speziell im Film hat Trixi ungünstige Lebensumstände erfahren. Es gab familiäre Probleme. Sie ist vernachlässigt worden. Das eine führte zum anderen. Und doch ist es nichts, was man im nachhinein nicht noch angehen könnte. Es ist nichts wofür man sich schämen muss. Es ist nie zu spät.

Dieter Hallervorden: Der Film kann letztlich nur auf das Problem aufmerksam machen. Kinder sind das schwächste Glied in einer Gesellschaft und sie zu schützen ist wichtig.  

Alwara Höfels: Im besten Falle ist unsere Gesellschaft sensibilisiert genug und schafft Möglichkeiten aus dem Teufelskreis auszubrechen und neue Perspektiven zu schaffen.


Herr Hallervorden, Sie müssen im Film ein Ekel spielen. Ist Charakter formbar oder einmal Ekel immer Ekel – was meinen Sie?

Dieter Hallervorden: Ich glaube es ist abhängig davon, was einem das Leben so zumutet und wie man gelernt hat, damit umzugehen. Mir kann keiner erzählen, dass über 40/50 Jahre alles Sonnenschein sein kann. Es gibt immer Phasen, die mal nicht so gut laufen, wo man nicht so gut mit Leuten umgehen kann. Mit sich selbst im Reinen sein ist wichtig. Man sollte auch immer beachten: Ein Griesgram verschenkt ja seine Lebenszeit.


Es gibt 7,5 Millionen Menschen, die Analphabeten sind. Wie sollte man ihnen begegnen?
Alwara Höfels: Ich denke, Analphabetismus ist immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Wir sind kein Entwicklungsland, wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft und es ist auf den ersten Blick nicht nachzuvollziehen, wie das überhaupt möglich ist. Analphabeten mangelt es nicht an Intelligenz. Es ist vielmehr ein unglückliches Zusammenspiel von individuellen Faktoren, in der Familie, Schule oder Gesellschaft. Diese Menschen haben enorme Fähigkeiten, die sie im Laufe der Zeit entwickeln müssen und besondere Überlebensstrategien. So können wir das Thema im Film bestenfalls anreißen und versuchen eine Lobby dafür zu bieten und etwas zu sensibilisieren. Es gibt Hilfsprogramme, es wird Werbung geschaltet – aber das alles ist viel zu wenig. 


Wie war es eigentlich für Sie, Herr Hallervorden die Dreharbeiten im Rollstuhl zu absolvieren?

Dieter Hallervorden: Ehrlich gesagt, am Anfang hab ich gedacht „mal sehen, wie ich das meistere“. Zum Schluss hab ich gemerkt, dass mich der Rollstuhl gar nicht so sehr behindert hat. Schwierig war nur, dass ich den Rollstuhl so gut beherrschen musste um genau die Position zu erreichen, welche der Regisseur und der Kameramann vorher festgelegt haben. Der guten Bilder wegen.


Wie war es für Sie im Berliner Dialekt zu sprechen, Frau Höfels?

Alwara Höfels: Ich lebe seit meinem zehnten Lebensjahr in Berlin. Auch über meine Großeltern hab ich einen Bezug zu dieser Stadt. Das war kein Problem.


Bewegung ist wichtig. Tanzen ist gut für Körper und Geist. Kennen Sie den Tango Argentino oder hatten vielleicht sogar Berührungspunkte?

Dieter Hallervorden: Ich habe eine Zeit lang in Buenos Aires gelebt. Da hat mich Tangotanzen sehr interessiert. Wenn man das jedoch nicht weiterführt, dann geht es verloren. Im Moment interessieren mich andere Tanzformen mehr.

Alwara Höfels: Ich glaube, ich bin nicht die geborene Tänzerin. Wenn es um ein  Rollenprofil geht, mach ich das und kann das oft besser, als ich das als Privatperson könnte. Ich bin doch mehr die, die mit einem schönen Kaltgetränk in der Hand an der Bar steht. Nichtsdestotrotz ist das eine schöne Form sich auszudrücken – den Geist und den Körper zu beflügeln. 


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