StuttgarTango Kolumne

 


Eine verpasste Chance und kein Presqu'ile Pinot Noir

oder als ich zu Jeff Bridges auf ein kalifornisches Weingut inklusive 'Clubkonzert' eingeladen wurde


Es ist Sommer. Der Sommer vor einem Jahr. Hab ich es im vergangenen Jahr schon vermutet, so ist es in diesem doch traurige Wahrheit. Das Ding mit den verpassten Chancen.

Über meinen Style scheiden sich ja die Geister. Eigentlich passe ich mit meinem Look und meinen Stiefeln, die ich im übrigen das ganze Jahr über trage, ganz gut nach Kalifornien/USA. Ich meine, 'meine Stiefel' natürlich im übertragenen Sinne – ich hab tatsächlich mehrere Boots. Nun gut, es ist also so, dass es sich in meinem Umfeld eingebürgert hat, meine Stiefel 'Jeff Bridges Stiefel' zu nennen. Das mag daher kommen, dass Jeff Bridges einfach der coolste Typ ever ist und er in meinen Stiefeln (Männerversion) einfach auch umwerfend aussehen würde. Zweifelsfrei sieht Jeff Bridges allerdings immer einfach umwerfend aus. Sein Look, das ist quasi so, als würde er uns seinen Freiheitsgedanken ungebremst entgegenschleudern.

In meiner Familie wird viel diskutiert. Über Musik, Filme, Persönlichkeiten (Biografien), Politik – über das Leben an sich. Wir ziehen Vergleiche, kombinieren, analysieren … machen all das, was eben so dazu gehört zu einem guten, intensiven und gehaltvollen Gespräch. Wir lachen viel. Und, wir reden 'über' und leben 'die' Freiheit.

Als Journalistin treibt es mich dann bekanntermaßen noch an, auf interessante Persönlichkeiten zu treffen und mit ihnen im Gespräch sein zu dürfen. Ganz nahe liegt mir dabei, auch bekanntermaßen, das Film- und Musikbusiness. Nachdem ich den Sohn der Jazzlegende Chat Baker, Paul, interviewt habe, wollte ich unbedingt auf dem nordamerikanischen Kontinent bleiben und auch einen Pressekontakt zu Jeff Bridges schaffen. Wie oft hab ich ihn doch, gemeinsam mit seinem Bruder, Beau und Michelle Pfeiffer, in „The fabulous Baker Boys“, gesehen. Insbesondere die Anfangsszene hat es mir angetan. Wie Jack Baker die nächtlichen Straßen von Seattle in den 1980ern durchquert. Die Lichter der Stadt, die Autos, die Musik. So ganz meins. Dann, was soll ich sagen, „The Big Lebowski“, „The Door in the Floor“, „King Kong“, „Against all Odds“, „True Grit“, „The Giver“ und „Crazy Heart“, um nur diese zu nennen.  

Ok, ein unmögliches Unterfangen also an ein Pressedate mit Jeff Bridges auch nur zu denken. Ein Traum. Eigentlich. Denn im vergangenen Jahr war es soweit und ich wurde zu einem kleinen, intimen Jeff Bridges Konzert auf ein kalifornisches Weingut geladen. Nun, wie man sieht, hab ich weder ein Interview, noch Konzertfotos – aber eben diese verpasste Chance. Und nicht mal einen Presqu'ile Pinot Noir hab ich. Der wird nämlich nicht nach Deutschland geliefert. Und eine Jeff Bridges Lieferung? Ja, bei Zalando vielleicht - meine Jeff Bridges Stiefel. 

26. Juli 20




Ein Strandspaziergang an der Nordsee und eine Cabriofahrt durch Los Angeles mit Till Brönner

Es ist Mitte Juli und eigentlich würde ich jetzt meine Zeit in Kampen/Sylt verbringen. Ein paar Tage nur. Doch diese Tage würden angefüllt sein von Sehnsucht, Melancholie und tiefgründigen Gefühlen. Gefühlen, die sich in Traurigkeit und Freude abwechselnd über mich ergießen würden. Ich weiß darum und ich lasse mich immer wieder gerne darauf ein. Mehr noch, ich verzehre mich danach. Denn, eine Fahrt nach Sylt ist immer auch eine Reise zu sich selbst. In die Vergangenheit, die Gegenwart und irgendwie auch ein bisschen in die Zukunft.

Ich liebe lange, ausgiebige Strandspaziergänge. Das tosende Meer. Dieses Sonne/Wolken Mix. Und diesen stürmischen Wind. Musik begleitet mich. Tango, Jazz, Klassik und Till Brönner. Sein Trompetenspiel lässt mich in einer unbeschreiblichen Leichtigkeit über den warmen Sand gleiten. Die Melancholie trifft mich. Glück umhüllt mich. Ich bin allein. Zutiefst bei mir. Und bei diesen wunderbaren Klängen. Was Musik bewirken kann ist einfach wunderbar.

Seit nunmehr vier Jahren verwandelt Kampen Jazz by Till Brönner den Strönwai in ein ganz besonderes musikalisches Plätzchen. Da sitzt er neben mir. Die Stimmung gleicht einem seiner Musikvideos. Unwillkürlich ertappe ich mich bei dem Gedanken, mit ihm am Strand der Nordsee entlang zu schlendern oder in einem offenen Cabriolet durch Los Angeles zu fahren. Ist es seine Musik oder der Mann an sich, was mich da träumen lässt? Ich einige mich mit mir selbst darauf, dass es eine Mischung sein muss.

Wir reden über Sylt. „Sylt ist ein unglaubliches Fleckchen Erde. Dieser Ort hat internationale Qualitäten“, schwärmt Till Brönner. Sylts Bilder und Geschichten ploppen in mir auf. Gunter Sachs, Brigitte Bardot – Kampen, das Saint-Tropez des Nordens. Gestern und irgendwie auch noch heute. Wie so oft im Leben kommt es auf den Blickwinkel an, den man für sich selbst ansetzt. Und ich kann immer noch nicht glauben, dass ich tatsächlich neben ihm sitze und mich alsbald mit ihm über Musik und Gefühle unterhalten werde.

„Trompete spielen ist für mich eine Verlängerung der Seele“,sinniert er. Auf der Suche nach der Stille, auf der Suche nach der Musik zwischen den Tönen. Gebannt lausche ich seinen Worten. Die Geräusche um uns herum nehme ich nicht wahr. Wir sitzen in der Lounge des Kampener Hotels Rungholdt. Es ist einiges los an diesem Morgen. Doch all das entgeht mir komplett. Schon sind wir bei der Melancholie angelangt und ich spüre eine Verbundenheit. Ich spiele leider kein Musikinstrument mehr. Früher mal, ein bisschen Klavier. Heute bin ich leidenschaftlicher Musikgenießer. Und das mit ganzem Herzen. Und doch, ist da dieses Verständnis für das Trompetenspiel. Für die Musik. Als hielt ich die Trompete selbst, sanft streichelnd, in meinen Händen.

„Melancholie – ist für mich positiv besetzt. Es ist die Fähigkeit Sehnsucht und Traurigkeit zu empfinden und hinzunehmen“, erzählt der Musiker sanft. Und weiter: „Das ist auch künstlerisch viel interessanter und ergiebiger“.

So begleiten mich auch jetzt, in meiner Erinnerung an dieses Gespräch, die sanften Trompetenklänge des Till Brönner. Und ich träume – von einem Strandspaziergang an der Nordsee und einer Cabriofahrt durch Los Angeles, thank you, Till Brönner.

11. Juli 20



'Jestatten' – Ne echte Type

Eigentlich ist Tilo Prückner kein gebürtiger Berliner. Doch traf man auf ihn kam man nicht umhin, in dem kleinen, zierlichen Mann ein echtes Berliner Original zu sehen. Ein Berliner Original und somit eben „ne echte Type“.

Berlin, an einem Abend im Februar vor fünf Jahren. Ich sitze im Café Einstein „Unter den Linden“, und bereite mein Interview für den folgenden Tag vor. Draußen regnet es. Beim Blick durch das Restaurantfenster verschwimmen die Lichter der Stadt in der Dunkelheit. Hintergrundmusik lässt mich träumen. Wortfetzen der um mich sitzenden Restaurantgäste umschwirren mich wohlig. Glück und Zufriedenheit durchströmen mich. Vor mir mein Cappuccino und irgendein italienisch angehauchter „Happen“.

Ich klappe meinen PC zu, bin mit meinen Vorbereitungen fertig. Morgen dann geht es ins Berliner Kino in der Kantstraße. Filmpremiere schauen und anschließend Interviews führen. Wer alles vor Ort sein würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Meine Interviewzusage bezog sich auf Christine Neubauer. Und ich freute mich riesig auf die Möglichkeit mit dieser großen deutschen Schauspielerin sprechen zu dürfen.

Es ist der nächste Morgen. Die Sonne scheint in mein Hotelzimmer und kitzelt meine Nase. Es ist Zeit aufzustehen. Keine wirklich einfache Situation. Ich genieße die Nacht. Brauche diese Stille der Nacht, in der sich jeder Ton, jedes Wort, jeder Song so einzigartig tief, berührend und sinnlich anhört. Ohne Frühstück stehe ich nach gut eineinhalb Stunden vor dem Kino. Ich bin die erste und lächle.

Nach und nach trudeln sie ein. Christine Neubauer, Michaela May, Bruno Grass, Regina Ziegler, Gabriele Lohnert, Peter Prager und Tilo Prückner. Dazu einige Medienvertreter. Unter anderem, die Berliner Zeitung. Wir stellen uns gegenseitig vor und es wird beschlossen, vor den Interviews erst einmal den Film aus der Reihe „Franziskas Welt“ zu schauen.

„Kommen Sie mit mir und setzen sich neben mich“, rief mir Christine Neubauer zu. Gerne folgte ich der Einladung. Ganz in Rot erstrahlte der kleine Kinosaal vor uns. Ich folgte Christine Neubauer in eine der hinteren Reihen. Direkt hinter mir eine Vertreterin der Berliner Zeitung. Wie es sich anfühlt einen Film im Kino zu sehen und neben sich die Hauptdarstellerin sitzen zu haben ist doch ein außergewöhnliches Gefühl. Wir lachten gemeinsam und unterhielten uns hier und da an der ein oder anderen Filmpassage über Inhalte. Doch auch persönliche Fragen kamen hier und da in Form von „Wie sehe ich auf dem Motorrad aus?“

Nach dem Film folgten die Interviews. In der ersten Reihe, im roten Kinosaal. Mein Gespräch mit Christine Neubauer war geprägt von einer schönen Leichtigkeit. Ich durfte neben den Fakten zum Film einige persönliche Fragen stellen, die sich, und das war mir wichtig, alle um sie persönlich drehten. Wir sprachen von Südamerika, von ihren Reisen und ganz persönlichen Gefühlen und Gedanken. Fernab von familiären Geschehnissen. Denn, wie in all meinen Interviews geht es mir um diesen Blick auf die Person mit der ich mich unterhalte. Und, wenn ich darf, blicke ich gerne ein wenig tiefer. Hinein ins Innere.

Nach zwanzig Minuten ist es vorbei, das Interview. Wir hätten ewig weiter reden können. Doch, zwanzig Minuten sind eben der übliche Slot.

Draußen im Foyer ergaben sich dann noch weitere Gespräche. Wie die Unterhaltung mit Tilo Prückner. Auch ihn mochte ich gleich.

Tilo Prückner begegnete mir als würden wir uns schon ein Weilchen kennen. Vertraut, zugänglich, offen und ehrlich war sie, unsere Begegnung. Prückner, ein kleiner Schelm, ein Knitz – raffiniert, schlau und gewitzt. Alles Eigenschaften, welche ich einem Berliner zuordnen könnte.  Und „Berliner“ kenne ich aufgrund meiner Familiengeschichte gut. Ist Papa doch ein echter Berliner – gewesen, müsste ich schreiben – doch das akzeptiere ich für mich bis heute nicht. So unterhielt ich mich ein ganzes Weilchen mit Schauspieler, Tilo Prückner und dem Regisseur, Bruno Grass. Diese respektvolle Interaktion, die auch viel Nähe zeigte, war schön zu sehen. Viel zu schnell war der Vormittag vorbei. Noch ein kurzer Austausch mit Peter Prager, Regina Ziegler sowie Gabriele Lohnert und eine Verabredung zu einem Telefoninterview mit Michaela May und schon befand ich mich auf dem Weg in die Berliner City. Erstmal hinein in ein Restaurant – auf einen Salat. Das Frühstück bleibt, wie so oft, übersprungen.  Und um mich rum - einige echte dufte Berliner Typen ...

4. Juli 20



Ein letztes Mal – Goodbye Johnny


Intensive Gefühle begleiten mich schon auf meinem Weg hin zu einem Abend mit Mario Adorf. Als Gast, als Zuschauer und Zuhörer, wollte ich mich dieses Mal auf einen Künstler einlassen. Auf diesen beeindruckenden Mann. Dieses charismatische, charaktervolle Wesen. Ihn fotografieren, ein Gespräch führen – so, wie ich es bereits viele Male mit den unterschiedlichsten Menschen gemacht habe. Dieses Mal wollte ich dringlicher Zuschauer sein, Zuhörer. Den Abend, diesen Mann in der Stille auf mich wirken lassen. Ein Abend auf Distanz. Nicht ahnend, wie tief mich gerade dieser Abend treffen sollte.


Da tritt er aus dem Dunkel hervor. Steht vor seinem begeisterten Publikum. Mit Din A4 Blätter in der Hand, die ihn weisen, anleiten sollen, sich und seine Gäste gekonnt durch den Abend zu navigieren. Hier und da kommt er ins Stocken, liest einige Passagen von seinen Blättern in der Hand ab. Andere rezitiert er frei. Insbesondere Szenen aus seiner längst vergangenen Zeit am Theater kommen dem 88jähigen Mario Adorf ganz leicht aus dem Gedächtnis. Aus dem Herzen. Ich schaue zu ihm auf und lausche.


Was ihn für mich umgibt ist schwer in Worte zu fassen. Doch es wird nicht mehr lange dauern und ich werde erkennen, was für ein ganz eigener Film sich sogleich für mich abspielen sollte.


Mario Adorf erzählt von „letzten Malen“. Seine Tour, welche den Namen „Zugabe“ trägt, keine Abschiedstour. Und doch, wie er selbst sagt, ein Abend, „ein letztes Mal mit ihnen“. Eine seltsame Traurigkeit, die sich über mich legt. Doch sie erdrückt mich nicht. Sie ist vielmehr leicht. Wie Federn, die sich sanft auf meinen Körper legen. Zärtlich. Vorsichtig. Liebevoll. Wärmend.


„Ich war in meinem Leben viele Male auf der schönen Insel Capri. Im letzten Sommer war ich auch dort und es hat sich herausgestellt, dass dieser letzte Aufenthalt in der Tat wunderbar war“, sinniert er. Adorf spricht von einem Erlebnis, welches ihn tief berührte. Sein letzter Aufenthalt in Capri. Befriedigender, intensiver. Glücklicher. „Er war fröhlicher, er war genauer. Er war wunderbar. Jedenfalls mehr noch, als die anderen Male, die vielen Male vorher“, erinnert er sich.


Welch Geschenk, Zeit zu genießen, sie zu erfühlen. Sie zutiefst zu verinnerlichen. Und doch, ich wünsch ihn mir noch oft auf Capri verweilend. Oft noch diese „letzten Male“ spürend.


Unwillkürlich denkt man über Zeit nach. Über die Möglichkeiten sich auf Situationen einzulassen. Man hat ja immer die Wahl. Man kann sie ziehen lassen, die Zeit. Lassen wir sie vorbeihuschen oder halten wir sie immer wieder mal an? Die Zeit. Sich in Gedanken verlierend. Genießend. Sie lassen sich so einfach in den Alltag einbauen. Diese Momente. Diese Gefühle. Diese Tiefe. Diese Sinnlichkeit. Besondere Momente erkennen. Sie auskosten. Ob fröhlich lachend oder in sich gekehrt, sich der Melancholie hingebend. Besondere Momente. Ich denke über sie nach. Es fallen mir so viele ein. So viele besondere Momente mit geliebten Menschen. Mit Freunden. Besondere Momente an besonderen Orten. Mal alleine, mal zu Zweit, mal mit vielen …


Mario Adorf erzählt aus Zeiten, die ich nicht kenne. Kriegszeiten. Diese Zeiten, in denen er sich oft einer Todesangst ausgesetzt fühlte. „In der Todesangst lernt man das Leben schätzen“, sagt er sanft. Hunger der plagt. Das täglich Brot alles andere als selbstverständlich.


Und da beginnt er, mein so ganz eigener Film. Meine Familiengeschichte, die sich in Berlin zu Kriegs- und Nachkriegszeiten abspielt. Ich sehe eine Scheibe Schwarzbrot in der Küche von Mama und Papa liegen. Beide Brotenden biegen sich vor Trockenheit bereits nach oben. Jetzt ist er gekommen, der Moment, in welchem das Stückchen Schwarzbrot meinem Papa besonders gut schmeckt. Ein bisschen Butter drauf. Fertig.


Alles was nun da oben auf der Bühne geschieht, all die Erzählungen – sie verknüpfen sich mit mir. Mit meinen Gedanken. Lassen ihn weiter laufen, meinen so ganz eigenen, persönlichen Film. Mit dem Schlusslied des abends ist es dann soweit. Meine Augen füllen sich, die Sicht auf die Dinge verschwimmt. Schwappt über. Der Abend, meine Erinnerungen, meine Liebe …  „Goodbye Johnny“. Ich weine.

 




Ein bisschen Extra-Selfie-Zeit



Es ist 12 Uhr am Mittag. Aufgestanden bin ich heute schon um 5.30 Uhr. Und das als Nachtmensch. Eigentlich geh ich vor 3 Uhr nicht ins Bett. Ich liebe diese sinnliche Zeit nach Mitternacht. Diese besondere Stille. Jetzt lässt es sich ganz wunderbar schreiben. Musik hören - Musik in deser Stille gehört, ein ganz besonderer Genuss. Melancholie begleitet mich ....


Es war also eine kurze Nacht. Und ein langer Weg. Über die Autobahn von Stuttgart nach Köln. Der Grund: "Merz gegen Merz", die neue achtteilige ZDF Comedyserie. Vorgestell - nun ja, in Köln.


Draußen ist es dunkel. So kenne ich die Welt nicht. Ein Sonnenaufgang – na, ja. Der fehlte heute natürlich irgendwie. Es regnet. Die Preview und das kurze Pressegespräch - gelaufen. Ich bin im Foyer des Hotels. Vor mir mein PC.  Ich warte auf meine Interviews. Meine Interviewpartner, die Schauspieler Annette Frier und Christoph Maria Herbst. Wie sie ticken, konnte man schon im Pressegespräch etwas ausloten. Mit dabei auch der Autor der Serie, Ralf Husmann sowie der Unterhaltungschef des ZDF Dr. Oliver Heidemann. Und natürlich jede Menge Medienvertreter.


Das Catering des ZDF verkürzt den Wartenden die Zeit. Insgesamt vier Stunden wird es dauern, bis ich in eines der Interviewzimmer geführt werden würde. Ich war schon einmal hier in Köln im Hotel 'Im Wasserturm'. Damals beim ZDF Pressetag. Meine Gesprächspartner, Anna Loos und Leonard Lansink.


Normalerweise nutze ich die Zeit zwischen den Interviews und geh raus in die City. Doch das Wetter heute macht es mir unmöglich. Ich bleib im Hotel. Es stürmt und regnet wie wild. Da hätte nicht mal 'Drei Wetter Taft' meine Haare zusammen halten können. Klar, es geht nicht um einen Modeauftritt. Vom Catwalk bin ich sowieso weit entfernt. Ich hab nicht die Körpergröße dazu. Die Körpermaße auch nicht. Aber das muss ich an dieser Stelle ja nicht unbedingt ausarbeiten.


Fürs Interview hab ich mich für ein Doppelinterview entschieden. Meine Überlegung – ein gewisser 'Drive' der doch entstehen müsste zwischen den beiden Akteuren als Antwortende und mir als Fragende. 'Drive' hatten wir. Alle drei. Oder soll ich sagen – alle sechs? Waren doch noch drei weitere Medienvertreter im Raum als ich ihn betrat. So wurden kräftig noch Abschluss-Selfies aufgenommen. Er mit ihr. Sie mit ihm. Die beiden mit dem einen. Und überhaupt. Irgendwie alle zusammen. Bis wir endlich sitzen vergehen noch ein paar Selfie-Minuten. Doch dann ist es soweit.


Neben mir Christoph Maria Herbst. Was für ein Mann. Ich muss schon sagen. Da schwappt schon was rüber. Von diesem Charme. Er sieht gut aus. Dunkel gekleidet, mit einem hellblauen Schal um den Hals gewickelt und der schwarz gerahmten Brille. Seine Augen fesseln mich. Ein interessanter Charakter. Dann diese Komik, die ihn irgendwie begleitet, ihn umgibt. Die man aber vielleicht auch einfach von ihm erwartet. Doch er erfüllt sie, die Erwartungen seines Gegenübers. Dabei ist er schlagfertig. Nichts ist gekünstelt. Nichts vorab durchdacht. Es sprudelt einfach aus ihm. Das ist etwas, was ihm mitgegeben wurde. Das hat er wohl in die Wiege gelegt bekommen, wie man so schön sagt. Neben Christoph Maria Herbst, und mir gegenüber, Annette Frier. Sympathisch, offen, nahbar. In jeder Sekunde authentisch. Eine tolle Frau. Stark und doch auch sensitiv. Annette Frier tanzt Tango Argentino. Für 'Müttermafia' hat sie extra ein paar Tangostunden genommen.  


Ich starte mit meinen Fragen die ich mir im Zuge meiner Recherche notiert habe. Mit dem Beginn des Gesprächs, schmeiß ich sie dann doch nochmal um. Ändere den Fragenablauf  und beginne mit dem Tango. Es war mir danach. Und ich dachte, es bot sich an. Zum 'Eisbrechen' waren sie jedenfalls nicht nötig. Wir hatten ja den 'Drive'.


„Ich glaube fast, dass jetzt eine Frage kommt, die sie heute vielleicht noch nicht gehört haben“, mein Intro.  „Auf jeden Fall nicht in so einem charmanten Akzent“, wirft Christoph Maria Herbst ein. Wo er zumindest recht hat – meine schwäbische Herkunft lässt sich weder verleugnen noch verbergen. So nahm es seinen Lauf, das schwäbisch geführte Interview. Fünfzehn gemeinsame Minuten hatten wir. Wir lachten, unterhielten uns, tauschten Informationen aus. Und, wir hatten natürlich noch: Ein bisschen Extra-Selfie-Zeit.



 

 

   






Erlebnisse hinter Erlebtem

 

Zurück zu dem Zeitpunkt, als mein Magazin StuttgarTango das erste Mal 'On Air' ging. Angefangen hat es mit einem abgelehnten Bericht für ein Magazin. Ich berichte seit Jahren für verschiedene Zeitungsverlage. Heute hauptsächlich für den Stuttgarter Zeitungsverlag. Und: ich schreibe für euch/sie und für mich - in meinem Magazin.


Ich liebe meine Arbeit. Die Kommunikation, die Begegnung mit Menschen. Das Auseinandersetzen mit Geschichten, mit Biographien. Dieses Eintauchen in die Leben der anderen. Dabei ist es mir wichtig immer ehrlich zu sein. Ich bin nicht interessiert an Themen, die mir mein Gegenüber nicht erzählen mag. Reisserische Headlines gibt's bei mir nicht. Schon gar nicht, frei erfundene. Und doch reizt es mich natürlich, etwas von meinem Gegenüber zu erfahren. Etwas, was noch nicht die Kreise durch alle möglichen Medien gezogen hat.


Schon sind wir bei Film und Fernsehen angelangt. Hierfür schlägt mein Herz ebenfalls. Dabei meine ich das ganze Filmgeschäft. Meine Tochter, ebenfalls infiziert, betrachtet das Business rund um den Film von einem anderen Gesichtspunkt. Trotz Journalismusstudium befragt sie Schauspieler nicht, sie ist vielmehr Teil der Crew. Vor der Kamera. In den verschiedensten Produktionen, wie beispielsweise "Tatort Stuttgart".


Hinter die Kulissen schauen reizt. Gespräche mit Filmschaffenden, Akteuren, Machern, Schauspielern und Musikern. Musik. Ich bin mit dem Jazz aufgewachsen. Meine Tochter, by the way, ja irgendwie auch.


Ich liebe den Tango Argentino. Piazzolla. Diese Mischung zwischen Jazz und Klassik. Musik - welch berührende Zugabe des Lebens. 


Mein damals abgelehnter Bericht also: Er hatte mit dem Tango Argentino zu tun. War für ein Tangomagazin gedacht. Nicht der erste Bericht, den ich für das Magazin schrieb. Ich hatte eine feste Zusage, ja. Doch was heißt das schon in der heutigen Zeit. Der Tango – mein Tango. Eine Leidenschaft. Meine Leidenschaft. Mein Bericht. Ich wollte ihn nicht einfach fallen lassen.


Ich gründete mein Magazin. Der Name stand irgendwie sowieso schon fest. Vielleicht hab ich ihn mir erträumt.


Und jetzt auch noch eine Kolumne. Warum? Nun, ich denke, ich möchte mit meiner Kolumne meinem Magazin gerne ein persönlicheres Gesicht geben. Mein Gesicht. Meine Erlebnisse hinter dem Erlebten. Die Geschichte hinter den Geschichten. Etwas ungewohnt. Aber doch irgendwie auch reizvoll.